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alltag

Genre: alltag

  1. Liebe

    „ Wer nach Beweisen einer Liebe verlangt, hat sie im selben Augenblick getötet.“ Es stank diesen Sommer nun schon seit Wochen erbärmlich im gesamten Treppenhaus eines gesichtslosen und anonymen Hochhauses inmitten einer austauschbaren Hochhaussiedlung am Rande der Stadt. Hier waren nun seit...
  2. Der Frosch

    Ein kleiner Frosch saß auf einem Seerosenblatt. Es war gewärmt von der sengenden Sonne, die sich über ihn vollkommen strahlend zeigte. Sein Körper wurde langsam zu einer kleinen Wärmflasche, also streckte er seine Hinterbeine und sprang ins kühle Nass des Sees. Von jetzt auf gleich kühlte es ihm...
  3. Kies

    Der Staub legte sich langsam über den Schotter. Sie sahen dem Pritschenwagen hinterher. Was wollte der? Rheinkies. Holt der nächste Woche ab. Wim nickte. Bestimmt für ne Einfahrt, oder? Drickes leckte sich über die Oberlippe. Schottergarten, Teich, Gabione - mir scheißegal, solange der pünktlich...
  4. Aurels erster Botengang

    Aurel stand, das Schwert gezogen, an der Hügelkuppe und starrte auf die überwältigende Zahl feindlicher Soldaten hinunter. Sein pechschwarzes Schlachtross Merkur tänzelte unruhig. Ob dessen Bewegungen oder der mit grossen Tropfen vom Himmel fallende Regen Aurels glänzende Rüstung klappern liess...
  5. Sackgasse

    alltag 
    Eigentlich wollte Jascha aufhören zu rauchen. Er wusste aber genau, dass noch eine Kippenschachtel Gauloises Rot in seinem Nachtschrank neben ihm war. Er dachte daran, wie er seine Ex betrunken vor einer Kneipe an einem Kippenautomaten fragte: “Welche Zigaretten soll ich mir holen? Mir sind...
  6. Wie ich statt in einer Kneipe unter der Dusche landete

    Abendessen auf der Terrasse ist rum, ich bin noch voller Energie. Jetzt nur noch schnell die Kinder ins Bett und dann aber. „So, Kinder, Schlafenszeit, wir gehen hoch.“ Das ist das Signal für den bis gerade eben ruhig essenden Großen, sich brüllend vom Platz zu erheben und die Kleinste aus dem...
  7. Firmenjubiläum

    alltag 
    Er betritt den Raum. Ja, er betritt ihn, kommt nicht einfach nur so herein, von niemandem beachtet. Das ist seine Sache nicht. Es ist so, als wäre er ein Magnet und alle Anwesenden Kompassnadeln, die sich ihm zuwenden. Woher diese Anziehungskraft? Er ist klein, kaum eins sechzig groß, dazu sein...
  8. Sternenhimmel

    . Schon gegen Mittag war Wolfgang Wuttke weitestgehend fertig damit, die Messdaten, die er vom Hauptrechner des CERN-Teilchenbeschleunigers erhalten hatte, für den Algorithmus der Gammaberechnung zu transkribieren. Da vernahm er von weit her die Klingelmelodie seines mobilen Telefons...
  9. Das ist alles

    alltag 
    Tessa parkt auf dem Parkplatz an der Waldstraße. Zu dieser Jahreszeit ist der fast immer leer. Ich steige aus, schließe für einen Moment die Augen und halte mich an der Autotür fest, bis der Schwindel vergeht. “Immer mit der Ruhe!”, sagt sie. “Ach was”, sage ich und bin froh, dass ich sie...
  10. Das Aquarium

    (Figur) Seit dem Tod ihres Mannes schläft sie im Gästebett, weil sie sich vor der leeren Hälfte des Doppelbettes gruselt und sie sich im Dunkeln fühlt, als würde sie neben einem Toten liegen. Von Anfang an war das, was sein Tod in ihr auslöste, weniger eine Traurigkeit als vielmehr ein...
  11. Novelle Bulfro kommt zurück

    alltag 
    Fast zwanzig Jahre habe ich dort gearbeitet, in dem Gebäude hier. Ist an sich ein schönes Gebäude, wenn man es so sieht, von außen, und wenn man keine Beziehung dazu hat. Alt, aus dem 19. Jahrhundert, ehemaliges Mädchengymnasium, preußischer Bau, stabiler Kasten. Ist ja jetzt endgültig vorbei...
  12. I guess we’re all in trouble huh?

    Weiße, dichte Flocken fallen vom Himmel. Sie sind so dick, dass sie eigentlich nicht wie Flocken, sondern wie großzügig abgerupfte Zuckerwattestücke aussehen. Sie fallen schnell aus den Wolken und verlangsamen dann ihr Tempo je näher sie auf die Erde zufallen. Auf Augenhöhe ist es fast so als...
  13. Müll schlucken

    Ich spritze über ihrem zarten Gesicht ab. Das Zeug landet in ihren blonden Locken und bleibt auch auf ihrer Wange kleben. Sie stöhnt einfach weiter. Aber wenig lustvoll. Eher gequält. Ich greife nach einem Taschentuch am Schreibtisch. Wische hastig das klebrige Zeug vom Bildschirm und schalte...
  14. Momentaufnahme

    alltag 
    Es ist nachts. Halb drei. Ich liege im Bett, starre in die Dunkelheit. Dabei ist es nicht ganz dunkel, nicht schwarz – das hätte vielleicht etwas Tröstendes – sondern eher ein diffuses Grau, das Schemen gut erkennen lässt. Der Rollladen, auch ganz nach unten ausgefahren, kann die Lichter von...
  15. Rote Münzen

    Mein Name ist Helmut. Ich bin Putzmann und betreue die sanitären Anlagen hier am Marktplatz. Der heißt nicht nur so, Dienstags und Freitags gibt es hier wirklich einen Markt mit Verkaufsständen. Vor allem Gemüse, Obst, Käse und Fleisch. Auch Blumen, Kleidung und manchmal Kunsthandwerk. Ich...
  16. Ein Riesenhunger

    Ausgemergelt in seinem schmutzigen weißen Anzug, begleitet von einem beißenden Gestank und besessen von einem Riesenhunger, durchwühlte er die Ascheimer der Innenstadt und trieb sich länger als sonst in den Wirtshäusern herum. Die Passanten machten einen Bogen um ihn. Niemand wollte sich mit ihm...
  17. Das, was uns am Leben hält

    Meine Freundin liegt regungslos im Bett, die schwarze Schlafmaske wie die Augen eines Insekts. Ich öffne die Box mit den Blutzuckermessstreifen. Die Sonne strahlt durchs Fenster. Glänzender Schweiß in meinen Handflächen, die Linien darin wie eine Maserung. Der Kühlschrank brummt. Draußen das...
  18. Schuld ist stumm

    Es ist leise, zu leise, eben noch hat sie ihren Sohn in der Legokiste wühlen gehört. Was ist denn jetzt schon wieder, denkt Nora und drückt die Klospülung. Sie wäscht sich eilig die Hände und fährt zusammen; der Schrei ist aus der Küche gekommen. Vor dem Spülbecken steht Aron mit dem...
  19. Schwarzbau

    Das Haus seines Vaters lag am Fuß eines Hügels, zur Hälfte von einem schmalen Feldgehölz verdeckt. Ein junger Imker aus der Gegend hatte im vergangenen Jahr um Erlaubnis gebeten, seine Beuten dort aufstellen zu dürfen. In der angehenden Dämmerung erkannte er den goldgelben Anstrich der...
  20. Der Waschsalon

    alltag 
    Es ist ein Morgen, wie jeder Andere in den letzten Jahren auch. Das mag nach Tristesse klingen, ist aber für Friedrich eine liebgewonnene Routine, die im Halt im Leben gibt. Pünktlich um 7 Uhr klingelt der alte Wecker aus seinem Nachtisch und weckt Friedrich mit dem gleichen fürchterlichen Ton...

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