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Genre: alltag

  1. Montag bis Freitag

    alltag 
    25 Jahre waren sie zusammen gewesen. Tagein, tagaus. Morgenlicht fällt golden ins Büro, schimmert durch die Lamellenvorhänge. Ulli starrt ins nichts, versucht zu greifen, was diese Zeit für sie bedeutet hat, und kann nur in Stichpunkten denken, Gedankenfetzen eigentlich: Sie kannten einander in-...
  2. Grüne Welle

    Wolfgang Bramenkamp hielt an der Kreuzung Luisenstraße, das rote Licht der Ampel glühte in der Dämmerung. Er war mit den anderen Disponenten noch auf ein schnelles Feierabendkölsch in den Marktkrug eingekehrt. An der Theke hatten sie über die Kurzarbeit debattiert, die Belegschaft war seit...
  3. Die innere Schwelle

    Ich öffne die Tür zum Sprechzimmer. Sehe ihm in die Augen. Sehe einen klareren und offeneren Blick, als ich es die letzten Wochen von ihm gewohnt war. Nach Bruchteilen von Sekunden weicht er meinem Blick aus. Ein inneres Lächeln kann er jedoch nicht verbergen. Ich schwinge mich auf meinen Stuhl...
  4. Der Mann von der Stange

    Getrieben von meiner Sammelleidenschaft bin ich viel unterwegs, um Menschen mit außergewöhnlichen Hobbys kennen zu lernen. Die Aufzeichnungen über sie kann ich dann meiner Sammlung hinzufügen. Eine meiner letzten Reisen führte mich nach Berlin und als ich dort durch die Straßen schlenderte, kam...
  5. Die Kontur eines Hirsches

    Ich stelle mir Carlo mit langen, schwarzen Haaren vor. Er stammte aus dem Tessin und half Großvater auf dem Hof. Heute ist er alt, damals war er schön. Er wohnte in einem Zimmer im oberen Stock, gegessen hat er stets mit der Familie. Großvater starb an Schuppenflechte. Meine Mutter war noch...
  6. Tee mit Honig

    Fünf Stunden war er weg. Im Regen ohne Schirm. Er hängt die nasse Jacke auf einen Bügel an die Garderobe. Feuchtigkeit sammelt sich, rinnt die Ärmel hinunter und tropft auf das Parkett. Er schlurft in die Küche und betätigt den Wasserkocher. Die Tasse ist oben im Schrank, der Teebeutel in der...
  7. Hundstage

    Mit jedem Kilometer, den sie weiter aus der Stadt fuhren, spürte sie selbst im klimatisierten Auto, dass die Außentemperatur sank. Natürlich war das pure Einbildung, aber sie hatte einen ermüdenden Tag in ihrer überhitzten Wohnung hinter sich. Arbeiten bei diesen Temperaturen von beinahe 30 Grad...
  8. Cocktails in Kellerbars

    Niedergemachte Briefkästen. Fahrradschrott im Gang zum Hof. Jugendstile im Treppenhaus. So hell und aufgeräumt erscheint Tanja die Wohnung wie ein Versprechen. Sie hatte mit der Bude eines unbelehrbaren Junggesellen und geborenen Untermieters gerechnet. Tanja kommt in den Korridor, jahrelang...
  9. Ein letztes Treffen über den Dächern der Stadt

    alltag 
    Der winzige Fahrstuhl im Grindelhochhaus summte leise, als Anders ihn betrat, ein enger Raum, der kaum Platz bot für zwei Menschen, die bereit waren, für die Dauer der Fahrt ihre persönliche Distanz aufzugeben. Diese Hochhäuser, Relikte der Nachkriegszeit, ragten wie stumme Zeugen über den...
  10. Mückenstiche und eine Narbe im Schuh

    alltag 
    Flixbus, Freitag Abend, Brüssel – Paris. Flixbus, Sonntag Abend, Paris – Brüssel. Dazwischen eine Umarmung, ein schneller Kuss auf die Wange, ein Imbiss. Für den Imbiss nehmen wir uns Zeit; Moussaka in der Nähe von La Fourche. La Fourche, die Gabelung; wie die Gabel, mit der wir essen...
  11. Aiken

    alltag 
    Aiken sitzt am Steg. Im Wasser schwimmen oliv schimmernde Kapelane. Ein Eimer mit gefangenen Fischen steht neben ihm, dahinter liegen die Holzhäuser des Dorfes in einer Gebirgsmulde. „Ich werde Aiken zum Anleger schicken“, hatte Großmutter Mühme in ihrem Brief an Moose geschrieben. „Er wird auf...
  12. Abgang

    alltag 
    Die drei Portionen auf dem Tisch könnten von außen so aussehen, als würde gleich eine Familie zusammen essen aber hinter dem dritten Teller voller Bratkartoffeln verbirgt sich - nichts (mehr). Der Ehemann und ich gucken uns an. Mein Fehler. Da habe ich wohl, ohne nachzudenken, ihr...
  13. Wattenmeer

    Regen fällt in dünnen Schnüren vom Himmel und ist wie ein Vorhang vor der Welt. Ich rühre meinen Cappuccino um und greife nach der Kartei, lasse die Kärtchen Daumenkino spielen. Welchen Namen mir der Zufall wohl diesmal zuspielen wird? All diese seltsamen Menschen mit ihren merkwürdigen...
  14. Der Phil-Effekt

    Paul rieb sich verwundert die Augen, als er die Nachricht seines alten Schulkameradens las. „Hey Pauli, Lust zu treffen? Hätte Bock! Vielleicht ne Runde gamen? Grüße Phil“ Zu Abi-Zeiten hatten Paul und Phil wenig Kontakt. Dennoch musste Paul oft über Phils lustige Sprüche und Aktionen lachen...
  15. Bin mal kurz weg - auf dem Weg zu Mir selbst

    Das Corona-Virus ließ Sie in ein tiefes Loch stürzen. Jeglicher Ausweg schien erfolglos. Eine junge Frau, Die zum Zeitpunkt 17 Jahre alt war und die 11. Klasse eines Gymnasiums besuchte, hatte verzweifelt das Leben aus den Augen verloren. Happy End oder Tragödie? Ein unauflösbares Rätsel. Es...
  16. Paradiso

    Als Amadou zehn Jahre alt war, sah er einen Mann vom Himmel fallen. Er schlug nur ein paar Meter vor ihm auf die Straße und war sofort tot. Diejenigen, die ihn vom Dach gestoßen hatten, riefen etwas zu Amadou herunter. Danach schossen sie mit automatischen Gewehren in die Luft und schwenkten...
  17. Die Lücke

    Von einem Tag an war die Lücke. Sie war im Anfang vermutlich so winzig, sogar verschwindend gering, dass Becker sie nicht sah, als sie sich bei ihm einnistete. Sie hätte ein kleines Loch in der Wand, Staub unterm Bett sein können, sie kam, ohne dass er sie bemerkte. Dafür begann er sie bald...
  18. Der Unfall

    Ich wischte mit einem Tuch über das dunkle Massivholz des Tresens meiner Kneipe. Stets beschäftigt aussehen. Ein Wirtstrick, den ich von meinem Alten gelernt habe. Ich nahm ein eigentlich sauberes Glas und ließ das Geschirrtuch darin kreisen. Die Leute wollen herkommen, um sich ohne Vorwürfe ein...
  19. Volltreffer

    alltag 
    Irgendwie war ich mal wieder abgebrannt. Es war erst der Zwanzigste. Das hieß noch eine Woche bis zu meinem nächsten Gehalt und ich hatte gerade mal knapp zwei Euro in der Tasche. Ich schlappte in die Küche, öffnete den Kühlschrank und fand darin eine Packung Margarine und ein paar Scheiben...
  20. Dann sind wir schlimm zueinander

    [Wurde veröffentlicht]

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