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Genre: alltag

  1. Begraben

    alltag 
    Nach gut zweihundert Kilometern tauchte seine Heimatstadt das erste Mal auf einem der blauen Schilder am Straßenrand auf. “Es wird ernst.” Sie lachte. “Vielleicht sollten wir uns doch ein Zimmer im Zentrum nehmen”, sagte er. Sie legte ihre Hand auf sein Knie. “Mach dir nicht so viele Gedanken!”...
  2. Rauchmelder

    alltag 
    Das Aufstehen ist ein Problem. Manchmal geht es einfach nicht. Selbst dann nicht, wenn ich auf die Toilette muss. Hüfte, Knie – morsches Holz. Die Frau, die zweimal die Woche klingelt, die mir die Wäsche macht, die das Geschirr aus weißem Hartplastik von der AWO rausstellt, sie würde gerne mehr...
  3. Verheerung

    Welches Lied pfiff Jack the Ripper? Ich fand den nie besonders komisch, obwohl ich trotzdem gelacht habe. Der Witz ist eben, wie man ausblenden kann, dass man Menschen aufschlitzt. Trotzdem habe ich nie an Melodien gedacht. Das ist Roberts Marotte, mich lenkt es nur ab. Ich wünschte, er würde...
  4. Melancholie in Rubin

    alltag 
    Die Rose ist verblüht. Sie schaut etwas melancholisch auf die braunverfärbten, welken Blütenblätter, die langsam abfallen. Der Blick nach draussen zeigt den beginnenden Herbst, regnerisch und diesig. Melancholie - die positive Traurigkeit ,I've got the Blues' ... Solche Tage mit...
  5. Zwanziger Schrot

    In den letzten Tagen brachte ich ihm morgens eine Handvoll Munition, und jedesmal fragte er mich nach der guten Flinte und dem 20er Schrot. Nein, sagte ich. Das Luftgewehr reicht. Wir haben hier keine Nachbarn, sagte er. Das hat keine Sau zu interessieren, das ist immer noch mein Grundstück...
  6. Haselnüsse

    Wie überrascht mein Opa war, als ich ihn umarmte, fest um seinen runden Bauch, wie beschämt er mir da die große Hand auf den Kopf legte, als ob er gar nicht wüsste, dass die Welt sich weitergedreht hat, dass jetzt ich am Fenster stehe und raus starre, wie er es immer getan hat, dass jetzt ich...
  7. Wahnbachtalsperre

    Es ist dunkel, und wir stehen auf dem schmalen Vorsprung hinter der Dammmauer. Warst du wirklich noch nie hier? Sie schüttelt den Kopf. Ich nehme einen der Steine, der auf dem Boden liegt und lasse ihn fallen. Er schlägt ein paarmal gegen die Mauer, bevor er auf die Oberfläche trifft. Gugung...
  8. Das erste Mal

    Sie erinnert sich genau an den faszinierenden Moment, als sie das Meer das erste Mal sah. Ihre Reise an die See begann am Abend vorher mit einer Kindergruppe aus Sachsen, die in ein Kinderferienlager der Baumwollspinnerei Mittweida auf Usedom fuhr. Sie fuhr als Ferienbetreuerin mit. Gemeinsam...
  9. Das mit uns

    alltag 
    Sebastian traf ich das erste Mal an der Kasse im Supermarkt. Er stand vor mir und ich stieß ihn mit meinem Einkaufswagen versehentlich an. Beim Auflegen der Lebensmittel aufs Band rollte der Wagen erneut gegen ihn und er drehte sich zu mir um. "Machen Sie das unabsichtlich oder ist das der...
  10. Zwei Wochen

    alltag 
    Ich hatte Frühschicht. Setzte mich in den Lieferwagen und kurbelte das Fenster hinunter. Der Geruch von Diesel stieg mir in die Nase, die Sonne wärmte meinen Arm, den ich lässig auf das kalte Blech gelegt hatte. Frühstück für 120 Bewohner eines Altenheims – vorsichtig bog ich aus dem Hof der...
  11. Brüder

    alltag 
    Als ich ein Kind war, erschienen mir meine Brüder unerreichbar. Manchmal machten sie sich über mich lustig und lachten nur, wenn meine Mutter ihnen sagte, sie sollen mich in Ruhe lassen. Sie erwischte die beiden einmal, wie sie hinter dem Haus mit Streichhölzern kokelten. Sie rannten davon und...
  12. Der Schrei

    „Sie müssen aufpassen, dass Ihnen die Sache mit Ihrem Hobby nicht aus dem Ruder läuft. Warum entspannen Sie sich nicht mal? Verreisen Sie, gehen Sie wandern. Das wird Ihren Nerven guttun“, hatte mir meine Psychologin geraten, und da war ich nun, in einem Örtchen an der Westküste Irlands. In den...
  13. Ausputzholz

    Mein Vater steht auf der betonierten Fläche hinterm Haus und verbrennt Laub. Er hat einzelne Haufen gemacht - Schnittholz, kleine Äste, große Äste, Haselnusssträucher. Das Verbrennen ist seine Sache. Feuer ist Sache der Männer. Mein Vater hat große Hände. Ich mag es, wenn er mir damit über den...
  14. Ein Abend im Juli

    alltag 
    Den Grill hatte Lohmeyer im letzten Monat gekauft. Etwas groß für seinen Balkon, passte aber genau rechts in die Ecke, wo vorher der Topf mit dem Pampasgras stand, das im Laufe der Jahre immer ausladender wurde. Ein Elektromodell wegen der Nachbarn, die er nicht mit rauchenden Holzkohleschwaden...
  15. Wettstreit der Gefühle

    Sie kam gerade aus der Metzgerei, als sie ihn sah. Ihn, der sie einst hatte schwanger sitzen lassen, weil sie angeblich seiner Karriere im Wege gestanden hatte. Ihn, der sich kurz darauf die reiche Erbin einer Hotelkette geangelt, aber nie auch nur einen Pfennig Unterhalt gezahlt hatte. Er stieg...
  16. Leimrute

    In der Klasse hatte keiner aufgepasst, auch ich nicht, und doch wusste ich als einziger die Antwort. Von da an war ich die Leimrute, Leimrute Oskar, weil es im Unterricht um den Vogelfang ging. Ich war die Leimrute und vor allem ein großer Betrüger in den Augen meiner Klassenkameraden. Die mir...
  17. Trauergestecke

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    I9.03.1989 - 22.05.2005, das sind die Daten, es ist einer dieser ganz glatten Steine, tiefschwarz und so poliert, dass man sein eigenes Spiegelbild auf der Oberfläche erkenne. Ich mag diesen neuen Bereich; ruhig und gepflegt und jede Menge junger Menschen. Gab es da nicht einmal diesen Spruch...
  18. Broken Shadow

    Vincenzo DiLuca saß auf der Veranda, eine dampfende Tasse Tee vor sich. Die Sonne streifte bereits den Horizont, der Lärm der Zikaden war betäubend. Gedankenverloren blies er den Dampf von der Tasse, nippte von dem Tee. Als er den Wagen kommen hörte, lehnte sich Vincenzo zurück.
 Eva trat zu ihm...
  19. Wenn die Liebe sterben muss

    alltag 
    Ihr brach das Herz. Wieder einmal. Trennungen, warum immer wieder Trennungen? Diesmal war es zwar nur für eine Woche, dennoch hatte sie das Alleinsein gründlich satt. Sina fuhr aus der Parkgarage des Flughafengebäudes und reihte sich ein in den Berufsverkehr. Ein Blick auf die Uhr – Philipp...
  20. Was einem bleibt

    alltag 
    Die Särge wurden zweimal im Monat angeliefert. Keine Ahnung, wie viele das waren, meist war es ein ordentlicher Schwung. Gestorben wird immer, sagte der Chef. Das sagte er bei jeder Gelegenheit. In dem Sommer waren es besonders viele. Die Tage waren unerträglich heiß, selbst nachts gab es kaum...

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