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Manchmal ....

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08.08.2002
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Manchmal ....

Warum hörte Gott sie nicht? Wenn auch die Sorgen der Welt weit größere waren, so waren ihre Sorgen doch gleichsam ihre Welt. Manchmal schien es, als hätte er Einsehen, nahm ihr die Angst und ihre Mutlosigkeit. Dann wurde sie stark wie ein unbesiegbares Fabelwesen, kämpfte um alles und jedes, stellte sich jeder Übermacht gegenüber und war nicht zu schlagen. Zorn und Wut und ein unbezwingbarer Wille trieben sie, bis sie glaubte, allein alles schaffen zu können.

Da lief sie zielstrebig durch den Alltag, weit ausschreitend und empfand so viel Lebensfreude, dass es ihr manchmal den Atem nahm in ihrer Gier nach Leben. In diesen Momenten hatte sie das Gefühl, dass ihr die Freiheit, die Unabhängigkeit des Denkens, das Spüren der eigenen Sinne und die Sehnsucht wie ein frischer Wind durch das Haar streiften. Und es fühlte sich so gut an.

Diese Energie war verlockend und zog schwache Menschen an, die gerne davon haben wollten. Sie wurde gebraucht. Das tat ihr gut. Sie fühlte sich geliebt, sammelte all ihre Stärke, um soviel von dieser Liebe und dieser Energie zu geben, wie ihr möglich war. Und man nahm.

Irgendwann zeigte sie dann auf sich selbst, ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse. Sie bat wahrzunehmen was ihr wichtig war, wo ihre Schwerpunkte lagen. Ihre Wahrheiten zu achten und zu respektieren.

Aber das war dann so mühsam für die Anderen. Sie wollten doch bekommen. Von Geben war zwar die Rede gewesen. Aber irgendwie hatten sie es so nicht gemeint. Sie war doch gerade deshalb immer so angenehm, weil sie nichts für sich begehrte. Jene, die so gerne genommen hatten, sagten ihr plötzlich, wie egoistisch sie sei, mit ihrem „alles haben wollen vom Leben“. Sie begriff nicht was sie meinten. Sie wollte doch nichts Unmögliches. Sie wollte doch nur Liebe spüren wie sie sie verstand.

Und sie zog sich zurück, ging auf Distanz und verschloss sich. Lebte in einer inneren Höhle. Ein selbst errichtetes Gefängnis, das sie ihren Freiraum nannte. Dort fand sie die Liebe die sie brauchte zwar auch nicht, aber es gab dort keinen Streit, keine Missachtung ihrer Gefühle. Sie suchte das Alleinsein, versteckte sich hinter Zynismus. Aber man ließ nicht zu, dass sie zurückbehielt woran man doch schon gewohnt war. Man forderte es ein. Und irgendwann lehnte sie ab, es zu geben. Kämpfte sie vorher für andere, kämpfte sie nun um ihre Autonomie. Sie stürzte nach vorn und schlug mit der Hand auf den Tisch. „Warum wollt ihr mein Fühlen, mein Denken nicht als gleichwertig anerkennen?"

Das hielten manche nicht aus. Glaubten sie wolle ihnen ihre Überzeugungen aufzwingen. Sie gingen fort von ihr, verstanden sie nicht und machten sich nicht die Mühe es verstehen zu lernen. Fühlten sich in ihrer eigenen kleinen Welt bedroht durch ihre Eigenart des Hinterfragens. Andere stellten sich diesem vermeintlichen Kampf um Macht. Ein Kampf den sie nie gesucht aber immer wieder vorgefunden hatte. Sie zwangen sie in die Arena, jahrelang.

So oder so konnte sie nur verlieren. Und sie verlor. Wie ein sterbender Mensch zog sie sich in sich selbst zurück. Sie wehrte sich, wieder und wieder aufzustehen und sich aufzubäumen um das Spiel der Stärke von Neuem heraufzubeschwören. Doch klein und sterbend wollte sie auch nicht bleiben. Was also tun?

Sie wischte die Tränen ab. Sie hatte die, irgendwo am Weg verlorene, Maske des ewig verständnisvollen und unerschütterlichen Lachens wieder aufgehoben. Sie wog schwer in ihrer Hand. Sie legte sie nicht mehr an. Wenn sie jemand berührte, irgendwann, sollte es wenigstens ihr wahres Gesicht sein, welchem die Berührung galt. Die Maske hatte sie ohnehin viel zu lange getragen. Sie wurde von ihrem Gewicht letztlich sogar nach unten gezogen. Bewusst achtlos warf sie dieses Requisit ihrer Vergangenheit in den Staub und ging einfach los. Ohne ihren Weg zu kennen. Und manchmal fühlte es sich wieder richtig gut an, unterwegs zu sein.

 

Liebe schnee.eule,

die Steigerung der Qualität deiner Geschichten kann eindrucksvoller nicht dargestellt werden. Sehr schön gewählte Sätze, die miteinander ein ausgezeichnetes Stimmungsbild abgeben.
Eine Suche nach Autonomie und Freiheit. Eine Frau, die unterwegs ist, die ihre Maske in den Staub der Straße schleudert. Sie kennt den Weg nicht und das ist gut so.
Besser, den Weg nicht zu kennen und dafür unterwegs zu sein, als in einer Höhle zu warten auf das, was nicht passiert.

Eine sehr schöne Geschichte.

Liebe Grüße - Aqualung

 

Lieber Aqualung !

Es ist schön, dass du die Geschichte gelesen hast und sie dir gefiel. Die Wandlung eines Menschen kann sichtlich erst beginnen, wenn er anerkennt was war, loslässt was ihm nicht dienlich ist und sich dann auf den Weg macht. Und eines Tages können all die Höhlen und Nischen dann zu Erinnerungen werden.

Ganz lieben Gruß an dich - schnee.eule

 

Hallo schnee.eule,

eine in sehr schönen Bildern erzählte Geschichte.
Du verstehst es, den Leser mit flüssigem, sauberem Stil zu fesseln und ohne Längen 'bei der Stange zu halten' bis zu einem letzten Satz, der einfach klasse ist.

Hut ab, das ist toll!

Gruß

Arno

 

Hallo schnee.eule,

ich kann mich Aqualung nur zum Teil anschließen. Du schreibst wirklich sehr einfühlsam und ich denke vielen Menschen sprichst du mit deinen Worten aus der Seele. Und dies ist ein großer Verdienst, keine Frage. Viele Menschen ziehen sich aufgrund einer egoistischen und ignoranten Gesellschaft in sich zurück.

Doch es ist für mich keine Geschichte. Ich glaube, dass wolltest du auch gar nicht. Es wäre aber auch schön gewesen, wenn du handelnde Personen in Szene gesetzt hättest, deine Gedanken an einem Beispiel illustriert hättest und der Leser deine Gedanken hätte rausziehen können. So ist es wie ein Tagebucheintrag in der 3.Person.

Nichtsdestotrotz war es sehr schön zu lesen. Und deine Worte regen in jedem Fall zum Nachdenken an.

LG

Jan

 

Lieber Arno !

Ich freu mich sehr, wenn jemand meine Geschichten liest und sie als Bilder empfindet. Denn mein Schreiben entsteht oft, nachdem ich tatsächlich ein Bild male. Das, was ich darin selbst erst entdecken konnte, versuche ich dann in Worte zu fassen. Hier war es so und deshalb besonders lieben Dank für deinen Kommentar.

Herzlichen Gruß schnee.eule

 

Hallo Peter Pan!

Wie ja heute schon gemailt, gibt es natürlich in diesem Falle das Argument, es nicht als Geschichte sehen zu müssen. Es ist mehr die Perspektive des Hinsehens auf eine Entwicklung die sich in einem Menschen vollzieht. Ein Voranschreiten eines Menschen über einen längeren Zeitraum in eine Kurzgeschichte mit handelnden Personen zu pressen ist schwierig - aber ich werde es dennoch mal versuchen.

Bis zum Wiederlesen lieben Gruß an dich - schnee.eule

 

Hallo Schnee.eule, Du brauchst Deinen Namen gar nicht mehr angeben , denn man sieht ja, daß es eine "Schnee.eule-Story" ist.
Ich bin nicht so sehr Peter´s Meinung, du brauchst keine Personen mehr, DU HIER NICHT
Du zeichnest das Bild der aufopferungsvollen Frau, die alles gibt und nichts bekommt ganz deutlich, sie der Mülleimer und die Hoffnung und Liebebringende zugleich.
Haben wir nicht alle irgendwann einmal das Gefühl alleine gelassen zu sein, obwohl wir doch so viel schon im Verstehen anderer investiert haben? Nehmen wir uns dann den positiven Egoismus vor, überkommt uns das schlechte Gewissen, irgendwann sind wir wieder der wer wir sind!

Ganz zum schluß habe ich leider nicht verstanden, warum die Frau die Maske erst aufnimmt, dann wieder wegschmeißt, hättest du Dir das aufnehmen sparen können? Weiss nicht-aber das ist natürlich nicht das wesentliche dieser Geschichte.

Liebe grüsse stefan, Gut gemacht

 

Lieber Stefan !

Für diese schönen Worte schick ich dir ein dickes Busserl aus Wien. Es wäre wirklich schwierig für mich andere Personen einzuflechten, denn die Geschichte erzählt nunmal von dieser einen Frau. Die anderen Menschen waren ja vorhanden in diesem, ihrem Leben. Aber ich wollte deren Agieren, ihre Zustimmung und ihre Ablehnung aufzeigen, durch die Empfindungen, von denen diese Frau getragen wird.

Die Maske ist mir ein sehr, sehr wichtiger Teil. Denn wie du selbst betonst, man fällt immer wieder in das zurück, das was man ist oder zu sein glaubt. Dieser Versuchung unterlag sie erstmals bewusst, dem sonst reflexartigen Tun, die Maske einfach wieder über ihre Verletzungen zu stülpen als wären sie gar nicht da.

Im Zurückgehen in das was sie immer war, im Wiederaufnehmen ihrer Lebensmaske hielt sie diesmal aber inne. Sie wollte nicht mehr hinter der Larve der Lachenden und ewig Verständigen die Liebe der Mitmenschen suchen. Diesmal soll sie selbst es sein, mit all ihrem Begehren, mit ihrem Weinen, aber auch mit ihrem Lachen und ihrem Mut. Denn jetzt will sie nichts mehr aussparen, alles sein was sie ist, nicht nur das was die anderen in ihr sehen, von ihr haben wollen.

Kannst du verstehen wie ich es meine?

Liebe Grüße an dich - Eva

 

Hallo schnee.eule,
jetzt habe ich doch noch Deine Story entdeckt. Sie ist ein fein ziseliertes Psychogramm einer starken Frau, die bereit war, sich den Mitmenschen zu öffnen und sich dadurch Blößen zu geben. Wenn es dann schon soweit kommt, daß ein „Gefängnis“ zum „Freiraum“ wird, dann wünscht man der Frau die Befreiung, das Finden eines neuen, Identität verwirklichenden Weges...

Liebe Grüße,
tschüß... Siegbert

 

Hallo schnee.eule,

bereits in der Überschrift findet sich ein dicker Zeichensetzungsfehler. Das fällt auf - und normalerweise schenke ich es mir, einen so beginnenden Text auch nur anzuklicken. Was kann ich als Leser schon erwarten, wenn der Autor nicht in der Lage ist, nicht sorgfältig genug ist, die Überschrift fehlerfrei zu halten?

So vom Autor negativ eingestimmt, lese ich weiter. Nun ja, die Sprachgewaltigkeit des Stils hatte ich halb und halb erwartet, aber was mich wirklich zum Kopfschütteln gebracht hat, war der Inhalt. Denn eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass du eine von Welt-Schmerz gebeutelte, manisch-depressive Psychopathin schildern wolltest. Falls doch, schlage ich als alternatives, mMn glaubwürdigeres Ende einen Besuch beim Psychiater plus folgender Zwangseinweisung wg. akuter Selbstmordgefahr vor. Möge die Protagonistin dort im Heim ihre Tage in Frieden, wohl behütet und in Sicherheit vor der ach so bösen, bösen Welt verbringen.

Klaus

 

Servus Sternenkratzer!

Danke für das aufmerksame Lesen der Geschichte und deinen ausführlichen wohlmeinenden Kommentar.

Lieben Gruß schnee.eule

 

hallo schnee.eule!

Ich kann mich weder den ersten lobenden Worten anschließen, noch der Meinung von Sternenkratzer.

Nein, mir gefällt Deine Geschichte nicht. Sie ist zu oberflächlich geschrieben, klingt wie eine unpersönliche Zusammenfassung von dem, was Du vielleicht schreiben wolltest.

Ich hätte mich ja interessiert für diese Frau, aber ich lerne sie in Deinem Text nicht kennen. Eher habe ich das Gefühl, ihre Karteikarte bei ihrer Therapeutin zu lesen.

Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, daß sie am Schluß richtung Selbstmord wandeln würde, eher im Gegenteil...

An Deiner Stelle würde ich diesen Text nehmen und als Bleistiftskizze des noch zu malenden Bildes betrachten...

Alles liebe
Susi

 

Servus Häferl!

Deine Argumentation ist wirklich interessant und macht mich doch sehr nachdenklich. Ich werde mich meinen eigenen Worten aus deiner vorgeschlagenen Skizzenperspektive noch einmal annähern. Wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus tatsächlich ein gehaltvolleres Bild.

Vielen Dank für deine Gedanken - lieben Gruß an dich -schnee.eule

 

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