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Science-Fiction Goes Punk (mit u.a. Silke Brandt und C. Gerald Gerdsen)
Tessa Maelle, Mario Franke, Uli Bendick (Hrsg.)
Science-Fiction Goes Punk
AndroSF #209
p.machinery, Dez. 2024
214 Seiten, Paperback (17,6 x 23 cm)
ISBN 978 3 95765 434 2 – EUR 26,90
E-Book: ISBN 978 3 95765 709 1 – EUR 8,99
Darin auch Beiträge von zwei Wortkriegern:
Claas Gerald Gerdsen / C. Gerald Gerdsen: "Die Reise der Shamrock" (SpacePunk, S. 163-174)
Silke Brandt / Katla: "Peripheres Grau" (ConcretePunk, S. 79-88)
Auszug aus dem Klappentext:
Die Hinwendung zu einer individuellen, möglichst nicht bürgerlichen Ästhetik spiegelt sich in festgezurrten Merkmalen einzelner Subgenres wider, wie im Steampunk oder dem Cyberpunk. Die innere Haltung ist das Kernstück, wenn es um Literatur geht. Sie ist in den Punk-Subgenres deutlich wiederzuerkennen: das Aufbegehren gegen das Vorgegebene, die Revolte gegen den Mainstream, der Kampf für ein selbstbestimmtes Leben.
In dieser Anthologie haben wir Geschichten in eine Rahmenhandlung gebettet, die ebenfalls einem Subgenre der SF zuzuordnen ist: der Portal-Fiction. Die Zwillinge Maja und Juna reisen mittels eines Portalschlüssels in andere Dimensionen, Zeiten oder Welten. Dabei entführen sie uns jedes Mal in eine neue Kurzgeschichte, die die Essenz und den rebellischen Geist des jeweiligen Genres einzufangen versucht.
Erst bei einem anderen Verlag ausgeschrieben, der zwischendurch aber kurz vor der Pleite stand, wurde das Projekt in einen sichereren Hafen gesegelt und ist nun erschienen. Der Wechsel hatte einige Vorteile, allerdings bezgl. Umschlag & Innenillustrationen auch Nachteile (ist imA bissl arg bunt). Wie gesagt gab es zwei Frauenfiguren als Vorgabe, die in jeder Geschichte als Neben- oder Hauptpersonen auftreten mussten, ohne bleibenden Schaden zu nehmen. Die einzelnen Ideen sollten vorab gepitcht werden, damit eine große Bandbreite der Punk-Subgenres erreicht wird.
Geralds Geschichte gefällt mir ganz außerordentlich gut, sie zeugt auch von einem riesen Sprung, was Professionalisierung und Erzählkunst angeht.
Er behandelt ein recht typisches Set-Up: Eine Prota, die allein im Raumschiff reist, es gibt eine KI mit empathischer Kommunikation und dann beginnen Fehlfunktionen ... zumindest beim Schiff. Gerald erzählt dies aber sehr frisch, eigenständig, selbstbewusst, spannend und sehr flüssig. Es wird eingangs der Konflikt eingeführt, aber nicht umständlich hergeleitet, womit alles zusammenhängt - der Teil erschließt sich im Gespräch mit den beiden vorgegebenen Figuren. Das finde ich toll gemacht, weil hier elegant Infodump umgangen wird. Der Konflikt ist dramatisch, handfest, nachvollziehbar.
Das Setting Raumschiff ist so haptisch und ganz natürlich, 'nebenbeiig' beschrieben, dass ich absolut den Eindruck eines realen Ortes hatte, an dem alles so sein muss, wie es ist, um funktionieren zu können (ich hab keinen Plan von Raumschiffen, aber das klingt einfach alles sehr souverän).
Es ist sehr spannend, ohne hektisch zu werden. Klasse auch, wie terrestrische Mythen und das Weltall gegeneinandergestellt werden, damals und jetzt, das Grün und das Grau/Schwarz, ich hab gleich das ganze fiktionale Universum vor Augen.
Wirklich schöne Geschichte, in der Art (und mit der Prota) hätte ich auch gern einen ganzen Roman gelesen. Von der Stimmung her musste ich an das erste Drittel von C. S. Friedmans This Virtual Night denken. Macht totale Lust auf mehr!
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Meine Geschichte spielt im postapokalyptischen London der nahen Zukunft in einer Reihe real existierender, ikonischer Gebäude. Hier stehen die brutalisischen Bauten der 1950er-1970er als schützende Trutzburgen zwei anrückenden, vollautomatisierten Baustellen gegenüber, also 'guter Sichtbeton' vs ' böses Präfabrikat'. Hinter der Landnahme steckt ein gesichtsloser, fast mythischer Development Konzern names Shinsan. (Mein Nicken zu den klassischen Genre-Antagonisten. Shin bedeutet auf japanisch sowohl 'neu' wie auch 'Gott'.)
London liegt größtenteils verlassen in Ruinen da, das Umland ist verseucht. Die wenigen Bewohner der Innenstadt müssen sich verstecken und gegen blind operierende, veraltete SpyBots und Killerdrohnen wehren. Meine Gruppe Rebellen / SpyHunters meint, in den freundlich-naiven Besucherinnen Maja und Juna hochentwickelte Cyborgs zu erkennen, die sie eigentlich ausschalten müssten ...
Durch die vorgegebenen Zwillinge hab ich das Motiv der Doppelung weitergesponnen, so z. B. bei zwei ähnlichen Namen und zwei Türmen / High-Rises des gleichen Architekten, die jeweils am Anfang und Ende meiner Geschichte stehen.
Der Text erschien auch übersetzt in einem polnischen SF-Magazin.
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