Ich habe alles dabei
Das Kind schreit. Es liegt im Kinderwagen und hört mit dem Schreien nicht auf.
Tief beugt sich die Frau darüber. Ihre Brüste berühren den Kopf des Kindes. Die Decke hängt seitlich aus dem Wagen. Die Frau ist still. Unter der Bluse trägt sie nichts.
Männer gehen vorbei, schauen zurück.
Die Frau merkt davon nichts.
Die Stimme des Kindes wird trocken. Ein Krächzen bleibt.
Die Akazie war immer schon da. Ich erinnere mich. Sie muss sehr alt sein.
Die Frau und der Kinderwagen darunter. Ein Rad des Wagens hat sich in der Decke verfangen. Die Frau zerrt daran. Ihre Brüste. Unter den Achseln ist ihre Bluse dunkel.
Es ist heiß. Das Kind ist jetzt ruhig. Der Schatten der Akazie spendet Kühle.
Die Frau sitzt auf der Bank. Unter der Akazie.
Sie wippt den Kinderwagen auf und ab.
Schläft das Kind?
Alles ist ruhig. Es muss so sein.
Unter der Akazie tanzen Mückenschwärme.
Die Frau schließt die Augen. Sie atmet gleichmäßig. Fältchen hat sie um die Augen. Das Haar trägt sie kurz. Das Wippen des Kinderwagens. Ihre Bluse.
In der Akazie bewegen sich die Zweige. Eine Brise.
Die Akazie ist ein alter Baum. War der immer schon da?
Oft bin ich vorbei gerast, den Terminen hinterher.
Jetzt versuche ich keine mehr zu haben.
Die Frau schläft. So glaube ich. Das Wippen des Kinderwagens ist schwächer.
Die Ruhe dort im Schatten.
Ein Speichelbläschen hängt in ihrem Mundwinkel. Eine Haarsträhne ist eingefärbt.
Sie hat schöne Brüste. Auch jetzt, so zusammengesunken wie sie dort sitzt.
Wenn ich hingehe?
Ihr das Speichelbläschen wegwische?
Wenn ich dabei versuche, sie weiter schlafen zu lassen?
Ich will die Ruhe dort nicht stören. Die Akazie und ihr Schatten sind alt.
Mich lockt die Farbe ihrer Haarsträhne. Das Kind schläft. Darüber tanzen Mücken.
Wenn ich hingehe zu ihr in den Schatten und dort auch meine Augen schließe?
Wegen der Ruhe dort bei den Mücken unter dem alten Baum.
Schläft sie denn tatsächlich? Eine Hand liegt am Griff des Kinderwagens. Der Kinderwagen steht ruhig.
Ein Fuß des Kindes lugt unter der Decke hervor.
Ihre Fältchen um die Augen. Wie alt mag das Kind sein? Und wie sieht der Vater aus?
Wie ist sie, wenn sie sich einem Mann hingibt?
Sie hat volle Lippen und goldene Härchen auf den Wangen. Ich habe die Farbe ihrer Augen nicht gesehen. Ich sah nur ihre Brüste, anfangs. Als sie an der Decke gezerrt hat, in der sich ein Rad verfangen hatte. Mückenschwärme tanzen um ihre geschlossenen Augen. Ich hätte in ihre Augen schauen sollen. Was gäbe ich, könnte ich in ihre Augen sehen. Was gäbe ich dafür.
Jetzt ist es zu spät.
Ich will die Ruhe nicht stören.
Ich sehne mich selbst danach.
Ich stehle mich weg. Weg von diesem alten Baum und der Ruhe und den tanzenden Mücken darunter. Ich nehme aber das Bild mit von dem Rad, das sich in der Decke verfangen hatte. Auch das Bild vom Wippen des Kinderwagens und von den Brüsten der Frau, die den Kopf des Kindes berührten. Ich habe alles dabei.
Nur die Farbe ihrer Augen kenne ich nicht.
Obwohl ich alles dabei habe, gehe ich leer aus.