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Die Ankunft des Kometen
Das artet in entsetzlich viel "Arbeit" aus. Jeder interessierte Leser sei gewarnt, dass dies eine Fortsetzungsgeschichte ist und ich immer noch versuche, sie vor dem Sankt Nimmerleinstag zu vollenden.
Die Fortschritte, einzelne kleine "Kapitelchen", findet ihr sowohl einzelen gepostet und lateinisch nummeriert auf den folgenden Seiten, als auch alle zusammen (besser lesbar) auf Seite drei.
Viele Grüße und danke für eure Aufmerksamkeit,
der Autor
I: Die Ankunft des Kometen
Die Nacht war so sternklar wie jene zuvor, der Himmel eine umspannende, bodenlose Dunkelheit über der Erde. Zahllose Sterne standen dort oben, wie Nadelstiche in einem tiefschwarzen Vorhang. Ihr Licht durchbrach die Unendlichkeit des Universums und erfreute den Betrachter mit einem grandiosen Anblick; hätte es nur jemanden gegeben, der sich an ihnen hätte erfreuen können.
Die Stadt schien sich seit langer Zeit kaum verändert zu haben. Dichter Staub lag wie ein Leichentuch über den Straßen und Plätzen, verbarg gnädig die bleichen Knochen, die überall herumlagen, vor dem Angesicht der hellen Sterne. Die meisten Bewohner lagen nun draußen, und an den Stellen, wo eine Laune des allgegenwärtigen, sanften Windes sie nicht unter der irdenen Schicht vergraben hatte, starrten die leeren Höhlen bleicher Schädel gleichgültig nach oben, ohne zu sehen. Sie hatten fast alle ihre Zuflucht verlassen, als es zuende ging, und der Wind und der Regen hatten ihre Knochen blank poliert, bevor sie der Staub zudeckte. Wer es dennoch bis zuletzt in den Häusern ausgehalten hatte, saß zumeist noch auf dem Sofa - noch Fleisch, und doch regungslos wie eine unvollkommende Gipsstatue. So war niemand da, um den Himmel zu beobachten, hatte die Stadt doch einfach zu weit südlich gelegen wie so viele andere. So lag sie in totaler Stille, nur der Wind, der immer mehr Staub herantrug, um letztendlich auch die matten Gebäude zuzudecken, spielte wie immer unbeachtet seine monotone Melodie.
Oben auf den Hügeln stand noch das Observatorium, genauso wie die Stadt, die vor ihm im Tal lag, tot und verlassen. Vielleicht war es eine grausame Laune des Schicksals, dass die stumpf gewordene Linse seines großen Teleskops genau auf jene Stelle gerichtet war, eine unscheinbare Fläche zwischen den beeindruckenden Sternzeichen. Sie hätte dem Auge eines Betrachters, wäre dort ja nur jemand gewesen, nach so langer, ungemessener Zeit endlich und in vielfacher Vergrößerung das Ereignis gezeigt. Nun aber, da die Stadt gestorben war, gab es keine Zeugen bis auf die Schädel, die, wie die Sterne den Nachthimmel, das barmherzige Tuch aus Staub und Asche durchbrachen.
Über ihnen, genau vor der vom Wind geschliffenen Linse des Teleskops, durchstieß plötzlich ein strahlender Komet die Finsternis und jagte weiter das Firmament entlang. Wie eine Klinge, die rasend schnell den schwarzen Vorhang zerschnitt, hinterließ er noch eine Weile das helle Licht seines Schweifs, bevor es hinter ihm erlosch und nichts mehr war als die anderen Sterne. Der Eindringling jedoch glühte immer mehr auf, denn die verschiedenen Schichten der Atmosphäre setzten sich mit feuriger Hitze zur Wehr. Als das blutrote Glühen schließlich erstarb, war der Fremdkörper bereits in den oberen Luftschichten und setzte seinen Weg unbeirrt fort, bis er weit im Norden hinter dem ewigen Horizont verschwand und in der Stadt nichts hinterließ als eine Erinnerung, der niemand gedenken konnte.
Es dauerte noch eine Weile, bis er seinen parallel zum Boden liegenden Kurs aufgab und wie ein Insekt, welches vor der weißen Scheibe des Mondes tanzt, spiralförmig, seine Schnauze sanft nach unten geneigt, die Landung einleitete.
Hier, Hunderte von Meilen weiter im Norden, hatten sich die Sterne seit langem hinter Wolken verborgen, die zwar für die Bewohner des Planeten und ihre Blicke eine undurchdringliche Barriere bildeten, vom Eindringling jedoch mit der selben Leichtigkeit passiert wurden wie zuvor die Atmosphäre. War er zuvor wie ein Komet erschienen, so wurde nun, da sich die rot fackelnden Flammen der Turbinen stetig vergrößerten, klar, dass es ein Schiff war, so schwarz wie die Nacht selbst.
Das Gebiet, über dem nun die vier umgedrehten, feurigen, ständig anwachsenden Dreiecke die Dunkelheit durchbrachen, beherrschte ein Sturm, dessen Tosen sogar das Geheule der Triebwerke überdeckte. Der Wind wirbelte von hier her Asche und Staub heran, die er über eine meilenweite Distanz nach Süden trug. Seine ohne Klagen seit Jahrzehnten verrichtete Arbeit verfinsterte das Firmament noch zusätzlich, machte es trübe und gewährte nur Zublick auf die Sterne, wenn der Zufall eine größere Zeitspanne zwischen den starken Böen ließ.
Aber auch hier richtete sich keine Auge gen Himmel, als das schwarze Schiff dem letzten, zornigen Widerstand der Lüfte trotzte; es schüttelte sich unwillig unter dem ungestümen, orkanähnlichen Windstößen, schien für einen Augenblick, das Gleichgewicht verlierend, noch ein paar Dutzend Meter über dem Boden schwebend, zur Seite zu fallen - dann jedoch ging es wieder in eine ausgeglichene Lage und sackte langsam, aber kontrolliert nach unten ab. Es erreichte einen der natürlichen, großen Krater, dann schob es sich, gegen den Wind ankämpfend, über ihn und verschwand würdevoll in dem tiefen, von nacktem Fels umringten Loch. Über ihm tobte weiterhin der Sturm, ohne es jetzt erreichen zu können. Hier, in der von einem gigantischen Vulkanausbruch geformten Arena, warfen die Wände das nachlassende Heulen seiner Turbinen zurück, und der Krater erzitterte erneut für ein paar Sekunden. Der Sand auf seinem Grund wurde herumgewirbelt, doch schließlich setzte das Schiff auf, seine vier Krallen waren kurz zuvor herausgefahren und dämpften seine Landung sanft ab.
Als sich die Turbinen beruhigten und ihre Flammen schließlich völlig starben, kehrte, bis auf das monotone, melodische Brüllen des über den Kraterrand hinwegtobenden Sandsturms, welcher die letzten Wolken aufgewirbelten Drecks aufsog und mit sich fortriss, wieder ausdruckslose Stille ein.
Doch hinter der rabenschwarzen Außenwand der „Darwin“, hinter dem Titanium, den Tanks und der Elektronik, jubelte man.
So, ist zwar immer noch der alte Ausschnitt, aber ich hab ihn gründlich überarbeitet, aufgrund der vielen Verbesserungsvorschläge. Fortsetzung folgt.
[ 02.05.2002, 13:25: Beitrag editiert von: Paranova ]