Was ist neu

Das mit der Wahrheit

Mitglied
Beitritt
03.09.2024
Beiträge
74
Zuletzt bearbeitet:

Das mit der Wahrheit

Die Straße endete an einem Bach, der zwei Seen verband. Eigentlich war es eher ein Graben mit dunkelbraunem Wasser, die Ränder auf beiden Seiten mit Gräsern und Zeug bewachsen. Was weiß ich, interessierte uns nicht. Uns interessierte, was im Wasser war und manchmal auch an der Böschung herumkroch: Ratten. Jede Menge davon. Im Sommer verbrachten wir viele Stunden damit, sie ausfindig zu machen. Meist schwammen sie in der modrigen Brühe und sobald sie uns bemerkten, tauchten sie ab, um an einer ganz anderen Stelle wieder an die Oberfläche zu kommen. Das weckte unser Jagdfieber. Manchmal wühlten sie in den Sträuchern und ließen sich nicht stören. Dann pirschten wir uns heran. Wir waren zu viert und bewaffnet: Mit Pfeil und Bogen.
Die stammten von einem früheren Geburtstag unseres Anführers Helmut. Sein Vater hatte sie besorgt, damit die eingeladenen Jungs auf Zielscheiben schießen konnten. Seitdem gammelte alles in einem Geräteschuppen vor sich hin, bis Helmut auf die Idee mit den Ratten kam.
„Es sind zu viele“, sagte er.
Wir nickten.
„Ekelhafte Viecher und keiner macht was dagegen!“
„Es werden immer mehr“, bestätigte Jürgen, der Jüngste.
Keiner sagte etwas, niemand nahm Jürgen ernst.
Helmut stand auf und stocherte mit einem Ast in dem Lagerfeuer, um das wir saßen. Dann warf er ihn in die Flammen, ging zu dem angrenzenden Schuppen und kam mit den Bögen und Pfeilen zurück. Er ließ alles ins Gras fallen und hockte sich wieder zu uns.
„Das hier ist die Lösung“, sagte Helmut und schnaubte zufrieden durch die Nase.
Wir starrten auf das, was er geholt hatte.
„Mit den Saugnäpfen an den Pfeilspitzen werden wir nicht viele erlegen“, wandte Peter ein.
Alle Blicke hingen an Helmut, als er in die Asche fasste und sich schwarze Striche auf Stirn und Wangen schmierte. Er nahm einen Pfeil, streifte den Gummipropfen vom Schaft und zog ein Klappmesser aus der Tasche. Schabende Geräusche mischten sich in das Knacken des Feuers, dann hielt er den Pfeil prüfend in die Luft und befühlte die Spitze.
„Wir werden die Gegend befreien und sie ausrotten“, sagte Helmut und erhob sich. Er blickte uns alle der Reihe nach an. Er sah ziemlich furchterregend aus mit der Kriegsbemalung im Gesicht. Wir standen auf und schmierten uns ebenfalls Asche ins Gesicht.
„Du nicht!“, sagte Helmut zu Jürgen. „Du bist zu klein!“
Jürgen stampfte mit einem Fuß auf den Boden und kämpfte mit den Tränen. Helmut sah den Jüngeren abschätzend an und strich ihm über den Kopf.
„Du darfst die Bögen tragen!“
Jürgen wiegte den Kopf hin und her. Er wusste nicht recht, wie er das Angebot finden sollte.
„Ich denke, du wirst das gut machen“, sagte Helmut. „Wir sind `Die Jäger´und brauchen einen Träger, der später auch zum Jäger wird. Willst du Mitglied unserer Gruppe sein?“
Jürgen atmete tief ein und lange aus, dann nickte er.
Eine Weile standen wir um das Feuer herum und genossen die Bedeutung des Augenblicks, bis Helmut dem Jüngsten einen Blick zuwarf. Der verstand und nahm die Bögen. Helmut schritt zufrieden voran. Wir folgten.
An jenem Abend zeigte sich keine Ratte. Nicht eine einzige. Es war, als spürten sie die Gefahr und blieben unsichtbar. Als es zu dunkel wurde, brachen wir ab.
Die nächsten Male lief es besser. Wir bewegten uns langsamer, redeten nicht und versuchten, uns mit gespannten Bögen anzuschleichen. Geschossen wurde erst, wenn Helmut es tat. Jürgen durfte auch. Obwohl wir immer näher an die Tiere herankamen, flogen die Pfeile meterweise daneben und bohrten sich in die Böschung oder landeten im Wasser. Jürgen musste sie wieder einsammeln. Einmal fiel er dabei in den Graben und war völlig durchnässt. Helmut bekam sich kaum ein vor Lachen und wir riefen dem nach Hause Eilenden hämische Bemerkungen hinterher.
An einem Sonntag tanzten Mücken über dem Wasser, ein paar Libellen gesellten sich hinzu, die tiefstehende Sonne blendete. Wir hatten uns bis auf wenige Meter einer in der Böschung wühlenden Ratte genähert. Die Bögen waren gespannt, Helmut wartete. Jürgen stolperte einen Schritt nach vorn, die Ratte richtete sich auf. Helmut schoss, drei weitere Pfeile folgten. Zwei schlugen direkt neben dem Tier in den Boden ein, einer platschte ins Wasser. Der vierte durchbohrte die Ratte und nagelte sie fest. Wir ließen die Bögen sinken und starrten auf das sich windende Tier. Dann schrie es. Ich wusste nicht, dass sie schreien können. Es folgte ein hohes Fiepen, während die Ratte den Pfeil umklammerte, der sie aufgespießt hatte, und sich in den Holzschaft verbiss. Wir ließen die Bögen fallen und rannten los. Jeder für sich, nur weg, nach Hause.
Am nächsten Morgen in der Schule gingen wir uns aus dem Weg, erst nach der letzten Stunde traf ich Helmut und Peter am Ausgang, Jürgen war schon auf dem Heimweg. Schweigend liefen wir nebeneinander her, bis Peter sagte:
„Sie suchen uns.“
Wir blieben stehen.
„Wer?“, fragte Helmut.
„Steht in der Zeitung. Tierquälerei und so. Wer was weiß, soll sich melden.“
„Scheiße!“, sagte ich.
„Ich hab´ die verdammte Ratte nicht getroffen“, sagte Helmut.
„Glaubst du, ich etwa?“, stieß ich hervor.
„Jürgen war`s“, sagte Peter.
Helmut fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, ich blickte betreten zu Boden.
„Wir können ihn doch nicht verraten!"
“Natürlich nicht!“, sagte Helmut. „Aber falls sie uns kriegen, muss man die Wahrheit sagen!“
Wir liefen bis zur Kreuzung, wo sich unsere Wege trennten. Helmut hielt meinen Arm fest.
„Es wird gut ausgehen, aber wenn nicht, sagt ihr die Wahrheit!“
Ich nickte. Peter auch. Dann gingen wir nach Hause.

 

Hallo @Jaylow

Eine feine kleine Stand By Me Geschichte, die ich eher in den frühen 80' verorte. Denn wer spielt heute noch mit Pfeil und Bogen, macht in Papas Garten ein Lagerfeuer und geht zusammen auf Rattenjagt.

Aber ich mochte deine kleine Freundes-Clique mit Anführer, Mitläufern und dem obligaten Jungspund. Konnte mir alles gut vorstellen, wie sie sich gross vorkamen, die Gemeinde von der "Rattenplage" befreien zu müssen. Das Kinderspielzeug in Tod bringendes Werkzeug zu verwandeln und zu einer verschworenen Gemeinschaft gegen die unschuldigen "Biester" vorzugehen.

Wie der Schrecken eines Tiers im Todeskampf sie schlagartig wieder auf den Boden ihrer elfjährigen Realität zurückwirft und die Schlagzeile "Tierquäler" Damoklesschwert drohend über ihren Köpfen baumelt, ja das hat mir alles gut gefallen.

Leider endet die Geschichte etwas gar lapidar, so als wäre die Autorin selber ein Mitglied der Gang und von Helmut zum Schweigen verpflichtet worden.

Eigentlich war es eher ein Graben mit dunkelbraunem Wasser, die Ränder auf beiden Seiten mit Gräsern und Zeug bewachsen. Was weiß ich, interessierte uns nicht.
Würde ich überdenken, da du später Zeug noch einmal für was ganz anderes brauchst.

Die stammten von einem früheren Geburtstag unseres Anführers Helmut, zu dem sein Vater das Zeug besorgt hatte, um die eingeladene Schar von Jungen auf Zielscheiben schießen zu lassen.

Dann warf er ihn in die Flammen, ging zu dem angrenzenden Schuppen und kam mit den Bögen und Pfeilen zurück.
Aha, sie befinden sich also in Helmuts Familien-Garten. Aber ein an die Flammen angrenzender Schuppen? Der steht doch eher abseits.

„Wir werden die Gegend befreien und sie ausrotten“, sagte Helmut und erhob sich. Er blickte uns alle der Reihe nach an. Er sah ziemlich martialisch aus mit der Kriegsbemalung im Gesicht. Wir standen auf und schmierten uns ebenfalls Asche ins Gesicht.
Da ich inzwischen so lese, als wäre ich direkt in der Zeit des Geschehens, fand ich den Ausdruck 'martialisch' zu erwachsen.

Eine Weile standen wir um das Feuer herum und genossen die Bedeutung des Augenblicks, bis Helmut dem Jüngsten einen Blick zuwarf. Der verstand und nahm die Bögen. Helmut schritt zufrieden voran. Wir folgten.
Da war ich irritiert, dass es noch mitten am Tag war. Irgendwie dachte ich bei Lagerfeuer automatisch an späteren Abend.

Gegen Abend brachen wir ab, Jürgen musste zeitig zuhause sein.
Fand ich als Grund etwas gesucht. Ich sehe eher das Ausbleiben der Ratten und aufkommende Ungeduld als Abbruchsgrund.

Es folgte ein hohes Fiepen, während die Ratte versuchte, den Pfeil heraufzuklettern, der sie aufgespießt hatte.
Normalerweise versuchen getroffene Tiere den Fremdkörper durch Beissen und Ziehen loszuwerden. Als Klettern würde ich das nicht bezeichnen.
„Jürgen war`s“, sagte Peter.
Klar, wir anderen haben ja bloss zugeschaut! Diese kleinen Schisser!:D

„Wir können ihn doch nicht verraten!["]
Kurzes Aufflammen von verschworenem Gemeinschaftssinn. Aber nur kurz, hmpf.
„Es wird gut ausgehen, aber wenn nicht, sagst du die Wahrheit!“
Ich nickte. Peter auch. Dann gingen wir nach Hause.
Hier hält Helmut zwar nur den Erzähler fest, redet aber mit beiden. Also: 'sagt ihr die Wahrheit'.

Fazit: Hübsche coming of age Episode, die ich bis auf das etwas seichte Ende gerne gelesen habe. Mir würde es gefallen, wenn die vier blassen Jungs noch etwas Tiefe bekämen, so wirken sie doch etwas beliebig austauschbar. Und ja, das Ende, hm keine Ahnung, aber es lässt mich irgendwie ratlos zurück, wie wenn da der Autorin die Ideen dazu ausgegangen wären.

Soweit mein Leseeindruck.
Schönen Sonntag, Gruss dot.

 

Hallo @Jaylow,

Deine Geschichte vermittelt eine schöne nostalgische Stimmung!

Nur eine kleine Kritik…

Den Anfang finde ich nicht so gelungen. Du beginnst die Geschichte mit Nebensächlichkeiten. (Irgendwie habe ich trotzdem weitergelesen 😃)

Für meinen Geschmack könnte aber der Ich-Erzähler noch mehr einbezogen werden (ich gehe davon aus dass es ein männlicher Erzähler ist, da du von der „Schar von Jungen“ sprichst). Was sagt er zu dem Geschehen, was tut er, wie heißt er eigentlich? Erst am Ende lässt du ihn zu Wort kommen, so dass man denkt, ach, gibt es den auch noch?

Das war’s schon von mir, schönen Sonntag noch!
SpiegelLicht

 

Hallo @dotslash,

Eine feine kleine Stand By Me Geschichte, die ich eher in den frühen 80' verorte.
vielen Dank fürs Beschäftigen mit dem Text. Ja, das Setting habe ich mir in den 70/80er Jahren vorgestellt.

Würde ich überdenken, da du später Zeug noch einmal für was ganz anderes brauchst.
Stimmt, das ist zuviel "Zeug", ändere ich.
Aber ein an die Flammen angrenzender Schuppen? Der steht doch eher abseits.
Eigentlich schon, aber die Jungs denken nicht an sowas, ich glaube, das geht durch.
fand ich den Ausdruck 'martialisch' zu erwachsen.
Habe ich geändert, sehe ich ebenfalls so. Auch das Zeitfenster des Lagerfeuers sollte in den Abend verlegt werden, die Verbindung Feuer und Abend ist vom Bild her stärker.
Normalerweise versuchen getroffene Tiere den Fremdkörper durch Beissen und Ziehen loszuwerden. Als Klettern würde ich das nicht bezeichnen.
Ich habe tatsächlich eine solche Sache mal gesehen und hatte in Erinnerung, dass es so war, wie geschildert. Aber Erinnerungen täuschen und dieses Verbeißen gibt auch ein starkes Bild; ich glaube, ich ergänze das.
Hier hält Helmut zwar nur den Erzähler fest, redet aber mit beiden.
Ja, habe ich geändert.
Fazit: Hübsche coming of age Episode, die ich bis auf das etwas seichte Ende gerne gelesen habe.
Ich hatte gehofft, dass durch den Vorwurf der Tierquälerei genügend Drive in das Ende der Geschichte reingekommen ist, der Schluss mit "Dann gingen wir nach Hause", ist evtl. etwas schlapp. Ich denke drüber nach.

Vielen Dank jedenfalls für die Tipps, von denen viele den Weg in die Geschichte finden werden! Hat mir sehr geholfen!

Schöne Grüße zurück
Jaylow

 

Hallo @SpiegelLicht,

Für meinen Geschmack könnte aber der Ich-Erzähler noch mehr einbezogen werden (ich gehe davon aus dass es ein männlicher Erzähler ist, da du von der „Schar von Jungen“ sprichst). Was sagt er zu dem Geschehen, was tut er, wie heißt er eigentlich? Erst am Ende lässt du ihn zu Wort kommen, so dass man denkt, ach, gibt es den auch noch?
Auch dotslash hat schon angedeutet, dass die Figuren etwas mehr Tiefe gebrauchen könnten und das gilt sicher besonders für den Ich-Erzähler. Mal sehen, ob mir da was einfällt. Für deinen Kommentar danke ich dir sehr und wünsche dir als "Neuling" viel Freude hier in diesem Forum.

Besten Gruß
Jaylow

 

„Wir werden die Gegend befreien und sie ausrotten“, sagte Helmut und erhob sich.
...
Eigentlich war es eher ein Graben mit dunkelbraunem Wasser, ...
schon hier überkam mich bei Stand 0.22 MEZ ein seltsames, vllt. „übertreibendes“ Gefühl - (wobei nicht vergessen werden darf, dass „schöne“ Literatur jenseits der Berichterstattung oft von der Übertreibung lebt,) wenn ein bestimmtes Braun auf ein „eigentlich“ trifft, zu dem sich dann noch Ratten gesellten.

...: Ratten. Jede Menge davon. Im Sommer brachten wir viele Stunden damit zu, sie ausfindig zu machen.
(Ist das „zu“ nicht eher entbehrlich, wenn dem Verb „bringen“ die Vorsilbe „ver...“ gegönnt wird?

Die stammten von einem früheren Geburtstag unseres Anführers Helmut
Helmut geht auf die althochdeutschen Wörter „helm“, was „der Schutz“ bedeutet und auf „muot“, was „der Mut“ und „der Sinn“ bedeutet, zurück. Eine weitere Interpretation bezieht sich auf das Wort „heil“, welches „unversehrt“ bedeutet. Übersetzt wird Helmut meistens mit „der Mutige“.

Aber dann die Katastrophe in der gesamten schreibenden Zunft

Jürgen wog den Kopf hin und her.
Nee, „Jürgen“ wiegt nicht das Gewicht seines Kopfes (hin und her schon gar nicht), er „wiegte“ seinen Kopf hin und her ... - egal, wie schwer der ist ...

Keine Panik, kann selbst mir widerfahren ... hat mich übrigens an meine Pfadfinderzeit erinnert (1958 - 1968 ...)

Gern gelesen vom

Friedel

 

Hallo @Friedrichard,

deine unnachahmlichen Kommentare freuen mich immer außerordentlich.
Die Konnotation von "dunkelbraun" und "Ratten" ist mir bewusst.

Ist das „zu“ nicht eher entbehrlich, wenn dem Verb „bringen“ die Vorsilbe „ver...“ gegönnt wird?
Ist es, ich habe das "ver..." gegönnt und bereits geändert, deutlich eleganter.

Vor allem der Hinweis auf den Fauxpas ist sehr hilfreich.

Vielen Dank fürs Lesen und schönen Gruß

Jaylow

 

Die Straße endete an einem Bach, der zwei Seen verband. Eigentlich war es eher ein Graben mit dunkelbraunem Wasser, die Ränder auf beiden Seiten mit Gräsern und Zeug bewachsen. Was weiß ich, interessierte uns nicht. Uns interessierte, was im Wasser war und manchmal auch an der Böschung herumkroch: Ratten.
Mich hat das irritiert, vor allem, weil dann noch gesagt wird "was weiß ich, interessierte uns nicht". Dafür war es dann doch etwas ausführlich. Das mit den Seen ist vielleicht ein Detail zu viel und "Zeug" finde ich unpassend.

Meist schwammen sie in der modrigen Brühe und sobald sie uns bemerkten, tauchten sie ab, um an einer ganz anderen Stelle wieder an die Oberfläche zu kommen.
Sind Ratten in de freien Natur so viel im Wasser?

Jürgen stolperte einen Schritt nach vorn, die Ratte richtete sich auf. Helmut schoss, drei weitere Pfeile folgten. Zwei schlugen direkt neben dem Tier in den Boden ein, einer platschte ins Wasser. Der vierte durchbohrte die Ratte und nagelte sie fest.
Ich fand die Reaktion der Ratte komisch. Die anderen flüchten ständig schneller als die Jungs gucken können und diese reagiert nicht einmal, als Jürgen stolpert? Erst der vierte Pfeil trifft, weil sie dort noch steht.

Es folgte ein hohes Fiepen, während die Ratte versuchte, den Pfeil heraufzuklettern, der sie aufgespießt hatte, und verbiss sich in den Holzschaft.
Das mit dem klettern habe ich gar nicht verstanden.

„Steht in der Zeitung. Tierquälerei und so. Wer was weiß, soll sich melden.“
Am nächsten Tag ist eine versteckte Aktion schon in der Zeitung? Das hat mich auch etwas herausgerissen. Ich glaube, die meisten Leute würden sich nicht großartig für gerade diese Tiere interessieren.

Ich finde die Kinder sympathisch. Von mir aus könnte die Erzählung länger gehen, aber im Bezug auf die genannten Punkte hat einiges für mich keinen Sinn gemacht. An den Namen erkenne ich zwar, dass es vor einiger Zeit gewesen sein muss, aber das spielt nicht unbedingt eine Rolle.

 

Hallo @XVIII,

Mich hat das irritiert, vor allem, weil dann noch gesagt wird "was weiß ich, interessierte uns nicht". Dafür war es dann doch etwas ausführlich. Das mit den Seen ist vielleicht ein Detail zu viel und "Zeug" finde ich unpassend.
das "Zeug" bezieht sich auf das, was an dem Graben wächst. Das ist aus Sicht des Jugendlichen nicht relevant, ich wollte das aus seiner Sicht und Denkweise schildern. Ich bleibe dabei.

Sind Ratten in de freien Natur so viel im Wasser?
Ja, gibt es. Zumindest weiter gefasst. Ich will keine Abhandlung darüber machen, dass Nutrias eigentlich keine Ratten sind, Bisamratten den Wühlmäusen zugerechnet werden usw.


Ich fand die Reaktion der Ratte komisch. Die anderen flüchten ständig schneller als die Jungs gucken können und diese reagiert nicht einmal, als Jürgen stolpert? Erst der vierte Pfeil trifft, weil sie dort noch steht.
Sie richtet sich auf, als Jürgen stolpert. Auch wird vorher schon im Texxt beschrieben, dass sie sich kaum stören lassen, wenn sie in der Böschung herumwühlen.
Das mit dem klettern habe ich gar nicht verstanden.
Sie versucht, den Pfeil hochzuklettern, der sie durchbohrt hat. Bin nicht sicher, ob ich das besser beschreiben kann/muss. Aber ich denke darüber nach.

Am nächsten Tag ist eine versteckte Aktion schon in der Zeitung? Das hat mich auch etwas herausgerissen. Ich glaube, die meisten Leute würden sich nicht großartig für gerade diese Tiere interessieren.
Ja, am nächsten Tag ist unwahrscheinlich - so schnell waren die Zeitungen damals nicht. Ich lasse es aus dramaturgischen Gründen trotzdem so, weil es, hoffe ich, egal ist, ob ein oder zwei Tage danach. - Die Tiere interessieren wohl nicht, möglicherweise aber die Tierquälerei, bzw. mit Pfeilen durchbohrte Tiere. Das scheint mir stimmig.

Vielen Dank fürs Lesen!

Schönen Gruß

Jaylow

 

Ich will keine Abhandlung darüber machen, dass Nutrias eigentlich keine Ratten sind, Bisamratten den Wühlmäusen zugerechnet werden usw.
Es geht um Nutrias? Das macht dann doch einen Unterschied. Die sind ziemlich putzig und lassen sich in der Tat von niemanden stören.

Das ist aus Sicht des Jugendlichen nicht relevant, ich wollte das aus seiner Sicht und Denkweise schildern.
Mir war nicht bewusst, dass die Kinder schon so alt sind. Vom Verhalten her hätte ich sie unter 10 Jahren geschätzt.

 

Hallo @Jaylow
was für ein nettes erzählerisches Kleinod. Könnte glatt die erste Hälfte einer Kinderserien-Episode aus den 90ern/frühen 2000ern sein. Das wäre auch schon mein einziger Kritikpunkt: Wo ist die zweite Hälfte? Lernen die Protagonisten was aus den Konsequenzen, oder kommt man wieder auf den gleichen Einfall sobald Gras über die Sache gewachsen ist?

Gruß

Tiranu

 

Hallo @Jaylow,

flüssig geschrieben, habe nur wenig anzumerken:

Er nahm einen Pfeil, streifte den Gummipropfen vom Schaft und zog ein Klappmesser aus der Tasche. Schabende Geräusche mischten sich in das Knacken des Feuers,
Da hast du das Anspitzen gut beschrieben, ohne es zu erwähnen!

Jürgen wiegte den Kopf hin und her
Diesen Abschnitt finde ich interessant, die Grupppendynamik, dieses einerseits Ausschließen, andererseits (Hoffnung erweckend) Teilhabe. Dachte schon, dies wäre dein Hauptthema.

Es folgte ein hohes Fiepen, während die Ratte versuchte, den Pfeil heraufzuklettern,

Hier musste ich erst überlegen, was da passiert sein soll. Geht eigentlich nur mit Bauchtreffer. Ob Bögen, die für Pfeile mit Gummistopfen gemacht wurden so eine Durchschlagskraft haben?

Das mit der Wahrheit
Ja ... das mit der Wahrheit kam mir zu kurz, dieser Konflikt zwischen Eigenschutz und Gewissensbissen.

„Es wird gut ausgehen, aber wenn nicht, sagt ihr die Wahrheit!“
Am Ende gilt nicht 'mitgefangen, mitgehangen' sondern die Schuldzuweisung, interessant, geht aber fast unter.

Fazit: Ein gut zu lesender Text, durchaus mit einem ernsten Konflikt, der aber kaum ausgeführt wird.

Grüße,

Woltochinon

 

Hallo @Jaylow,

ich denke, es ist nicht unwichtig, ob diese Ratten eher Bisamratten oder Nutrias sind. Ihr Verhalten spricht eher dafür und Bismratten leben gerne am Wasser, während Ratten lieber in Städten leben.
Irritierend ist für mich auch, dass es sich um eine größere Population zu handeln scheint:

Ratten. Jede Menge davon
Auch in der Zeit, in der Deine Geschichte spielt, galten Ratten ebenso wie Bisamratten als Schädlinge und wurden intensiv bekämpft. Dass hier die Kinder losziehen "müssen", um die Ratten zu bekämpfen, weil sich sonst niemand um sie kümmert, erscheint mir eher unwahrscheinlich.
Steht in der Zeitung. Tierquälerei und so. Wer was weiß, soll sich melden.
Dass eine tote Ratte in kürester Zeit den Weg in die Zeitung unter der Überschrift "Tierquälerei" findet, kann ich mir schwer vorstellen. Eine Notiz meit dem Tenor "Rattenjagd mit Pfeil und Bogen" sschiene mir wahrscheinlicher.
Dier Vorwurf der Tierquälerei ist Auslöser für den aufkommenden Konflkt. Aber das kommt mir, wie auch woltochinon anmerkte, zu kruz und zu lapidar.

Grüße

jobär

 

Hallo @Tiranu_qas,

vielen Dank für deinen wohlwollenden Kommentar, freut mich natürlich sehr. Das Weiterführen der Geschichte wäre vermutlich etwas für eine längere Erzählung, mir reicht zunächst die Momentaufnahme.

Nochmals danke fürs Lesen!

Schönen Gruß

Jaylow

 

Hallo @Woltochinon,


Hier musste ich erst überlegen, was da passiert sein soll. Geht eigentlich nur mit Bauchtreffer. Ob Bögen, die für Pfeile mit Gummistopfen gemacht wurden so eine Durchschlagskraft haben?
Den Bauchtreffer habe ich so vor Augen, die Durchschlagskraft bei spitzen Pfeilen kann ich mir durchaus vorstellen, das mit dem Hochklettern der Ratte werde ich noch ändern, das Bild ist mehreren Lesern aufgestoßen.
Ja ... das mit der Wahrheit kam mir zu kurz, dieser Konflikt zwischen Eigenschutz und Gewissensbissen.
Da dies am Ende der Geschichte kommt, hatte ich gehofft, dass hier genug Gewicht drauf liegt. Ich denke drüber nach.

Ich danke fürs Lesen, deine Hinweise und Einschätzung!

Schönen Gruß

Jaylow

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo @jobär,

Auch in der Zeit, in der Deine Geschichte spielt, galten Ratten ebenso wie Bisamratten als Schädlinge und wurden intensiv bekämpft. Dass hier die Kinder losziehen "müssen", um die Ratten zu bekämpfen, weil sich sonst niemand um sie kümmert, erscheint mir eher unwahrscheinlich.
Das ist wohl wahr, aber die Städte und Gemeinden haben sich auch in damaliger Zeit nicht um alles gekümmert. Insbesondere in Randgebieten gab es Zeitfenster, wo das nicht ungewöhnlich war. Die Kinder wollen sich gern dieses Problems annehmen, weil sie so zusätzlich noch eine moralische Begründung für ihr Tun sehen (wollen).
Dass eine tote Ratte in kürester Zeit den Weg in die Zeitung unter der Überschrift "Tierquälerei" findet, kann ich mir schwer vorstellen. Eine Notiz meit dem Tenor "Rattenjagd mit Pfeil und Bogen" sschiene mir wahrscheinlicher.
In meiner Zeit als Mitarbeiter einer Tageszeitung mussten wir in der Rubrik "Umland" sogar über abgerissene Hecken schreiben, wenn die Nachrichtenlage dünn war. Darüberhinaus ist die Headline gar nicht genau zitiert, sondern einer der Jungs erzählt von "Tierquälerei und so". Vielleicht war sie ja so, wie du dir das vorstellst.

Danke dir fürs Lesen!

Schönen Gruß

Jaylow

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom