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Dämon Zwilling

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14.10.2001
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Dämon Zwilling

DÄMON ZWILLING
24.01.1997

Graue Gestalten, gesichtslos, umringen einen Körper. Die Angst, die von diesem ausgeht, ist spürbar. Graumelierte Dunkelheit, die wabernd dahinkriecht, umgibt das Bild. Die Gestalt, der ängstliche Körper, den der Betrachter sieht und spürt, versucht sich zu retten, rennt davon, stolpert dann blind in eine absolute Finsternis, die ihn verschlingt.

Die darauffolgende Szene gleicht der vorherigen Szene ganz und gar nicht, im ersten Augenblick wirkt sie wie ein krasser Gegensatz.
Sonne strahlt auf die Gestalt herab, die gesichtslosen Gestalten um ihn herum ordnen sich Gesichtern zu - Gesichtern, die ihm teilweise bekannt vorkommen, andere, die ihm wiederum total unbekannt sind.
Die Hitze der Sonne brennt auf die Gestalt und damit auch auf den Betrachter herab, Schweißgeruch ist von beiden wahrzunehmen, doch nicht der Unterschied, ob aus Angst oder wegen der sengenden Hitze.
Es werden Stimmen vernommen und Gestalten wahrgenommen, die kommen und gehen. Oft bleibt die Gestalt und sein Beobachter verwirrt und spürbar verunsichert zurück.
Zunehmend ändert sich die Temperatur von Hitze in Kälte, die Sonne steht am Himmel - grau verhangen und kraftlos. Die Szenerie verwischt langsam und eine Festung auf einer Lichtung taucht auf. Das Gemäuer scheint bewohnt, am Klang vieler Stimmen und Geräusche erkennbar.
Wir gehen voran, erreichen den Eingang und begegnen wieder Gesichtern, körperlos, bekannten und unbekannten.
Panik beginnt in uns hochzusteigen, Panik, die in heidenlose Angst und Verwirrung umschlägt. Die Gesichter verlieren an Ausdruck, werden zu Fratzen, die zerlaufen, wie das Wachs einer Kerze. Wie auch das Licht einer Kerze verlöschen kann, spüren wir einen Windhauch, hören das Rauschen der Blätter an den Bäumen, die uns zu verhöhnen scheinen und die Dunkelheit des Nichts kehrt ein.

Schweißgebadet und voller Schrecken werde ich wach. Noch tief gefangen im Schlaf (oder im Traum?) schlage ich die Augen auf und sehe.... Dunkelheit.
Ich schreie auf, spüre eisige Kälte auf meinem Körper, wische mir über die Augen. Farben schwirren um mich herum, Schwindelgefühle lassen mich matt ins Bett zurückfallen. Meine Augen fallen zu, mehr gewollt als ungewollt, ich atme tief durch. Langsam öffne ich sie wieder, beruhige mich, spüre trotzdem noch die Angst und den Druck auf meiner Brust. Die noch vorhandenen Sinne nehmen eine Bewegung in der totalen Finsternis wahr, unmöglich aber dennoch vorhanden, sich eine Gestalt aus der Schwärze schält. Sie ist muskulös, von mittlerer Größe, scheinbar männlich, obwohl ich keinerlei Kleidung oder Gesicht erkennen kann. Nur spüre ich die Bedrohlichkeit; Augen, die warnend und stechend auf mich herab blicken, sich in meine Gedanken fressen. Ohne viele Worte, nichtssagend, vermittelt mir die Gestalt einen Eindruck, dass wir uns schon lange kennen, ja, sogar genau kennen.
Langsam, bei nahen Betrachten, wirkt die Gestalt nicht mehr bedrohlich auf mich, nein, fast sogar irgendwie vertraut. Dann verändert sich die Gestalt in Bruchteilen von Sekunden, immer noch in totaler Finsternis, trotzdem sichtbar und spürbar. Erst jetzt wird mir klar, warum alles so vertraut erscheint. Diese Art der Begegnungen hatte ich schon des Öfteren in den Jahren meines Daseins.
Die Gestalt ist mittlerweile zu einer Frauengestalt verwandelt, deutlich erkenne, nein, spüre ich ihre zärtliche Weiblichkeit.
Plötzlich vernehme ich eine geschlechtslose Stimme in mir, zischend und doch betörend zu gleich, erkenne sofort eine Ähnlichkeit einer mir bekannten Stimme, kann sie aber im Moment keiner mir bekannten Person zu ordnen.
Die Stimme vermittelt mir Dinge in meinem Kopf, die mir unverständlich bleiben, doch begreife ich jetzt, wer die Gestalt ist. Da der Druck auf meiner Brust stärker wird, verstehe ich auch den Sinn seines Erscheinens, meines dunklen Zwillings, meines zweiten Ichs, meines persönlichen Dämons, dem Alb.
Verstehe die Träume, die er mir bringt, verstehe die Gestalten, in denen er mir immer erscheint, erkenne die Stimme, mit der er zu mir spricht, weil sie meine eigene Stimme ist, verstehe die Absicht, die hinter all diesem steckt.
Gewinne ich den Kampf, den wir seit Anbeginn der Zeiten führen, verliere ich die dunkle Seite an mir, zerstöre meinen bösen Zwilling, den dunklen Wirt meiner Seele. Büßen und bereuen soll ich meine Fehler, meine Sünden, meine Lügen, bis es nichts mehr gibt, was es zu sühnen gibt. Erst dann stirbt dieser dunkle Teil in mir und Dämon Zwilling weicht von mir.

Wissend lächelnd verschwindet meine finstere Seite, die langsam sich in grau verwandelt, somit auch ein Stück Ihrer Bedrohlichkeit verliert. Auch ich, langsam entspannt und wissend lächelnd, sinke zurück in mein Kopfkissen, schlafe ein und träume weiter, Dinge, die ich am nächsten Morgen vergessen habe.
Nur an mein Zwiegespräch und die Gestalt erinnere ich mich genau, weiß nun genau, wie weit ich bin:
Aus Schwarz wird Grau, aus Grau wird Weiß.
Lächelnd nehme ich den Stift und fange an zu schreiben und denke noch so bei mir:
Der Stoff, aus dem die Träume sind, ist in mir drin.
Noch brauch ich Ihn, doch nicht mehr lang, dann ist Er hin.

 

Ich bin wahrlich überrascht dass dieser Text keinerlei Beachtung fand und frage mich warum.
Am Titel kann es nicht liegen, denn dieser klingt Filmreif (ist nur die Frage, was für ein Film).
Dass Thema ist nett umgesetzt, für meinen Geschmack sind entsprechende Beklemmungen bzw. die Befreiung durch die Erkenntnis und das Glücksgefühl über das, was ist und kommen wird, nicht intensiv genug beschrieben.

 

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