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Zwillinge des Drachen

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10.04.2002
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Zwillinge des Drachen

Die Zwillinge des Drachens

Seit Wochen schon graute es dem Grafen von Mezs vor dem Tag, der bald heran brach. Zur Beruhigung blickte er von seiner Burg hinab ins Tal, das sein Eigentum und das seiner Ahnen war, soweit die Geschichtsschreibung zurückdachte (Zumindest die Chronik seiner Familie). Selten nur sind die Katzenmenschen in die Ebenen hinabgestiegen, dafür liebten sie das Gebirge zu sehr, doch die Prophezeiung verlangte genau dies von einer seiner Töchter, oder gar von beiden? Sie waren Zwillinge und am Tag des Drachens geboren. Dies geschah alle 200 Jahre. Es war ein Fluch, der auf seiner Familie lastete, seit einer seiner Vorfahren das Ei eines Drachen stehlen wollte. Seit dem muß alle zweihundert Jahre nach seinem 20. Geburtstag das Kind des Erben, das an diesem Tag, geboren wurde das Gebirge überqueren, die Länder dahinter auch um in einer Höhle in den Klippen am Meer einen Monat lang ein Drachenbaby zu hüten um den Respekt vor diesen Kreaturen und ihren Gefühlen in der Familie zu erhalten. In 4 Tagen würde Ayasha von ihrer Ausbildung zurück kehren und mit ihrer Zwillingsschwester Tjara ihren zwanzigsten Geburtstag feiern. Er bangte darum, dass alle beide von dieser schweren Pflicht heil zurück kehren würden.

Tjara ahnte nichts von den Sorgen ihres Vaters. Sie bereitete sich auf einen anstrengenden Ritt vor, um ihre Schwester auf halbem Wege zu treffen, in einem Gasthaus am Rande des Bereiches der Meisterin Ka-Ba-Lée, deren Gebiet niemand ohne ihre Zustimmung betreten durfte, die jedoch Ayashas Talent entdeckt und gefördert hatte. Als eine eindrucksvolle Erscheinung marschierte sie jetzt über den Burghof: Sie war selbst für Katzenmenschen, die meist einen halben Kopf kleiner waren als die Menschen, nicht sehr groß, dafür hatte sie die typische Eleganz und Kraft der Bewegung bis zur Vollendung ausgearbeitet. Die spitzen Ohren, die zu hoch angesetzt wirkten, ragten aus ihrer wilden dunkelroten Mähne heraus, deren große Locken sich kaum bändigen ließen. In ihrem hübschen herzförmigen Gesicht sprangen Nasen- und Mundpartie leicht vor, dass die Erinnerung an eine Schnauze entstand, doch war diese Auswölbung des Gesicht nicht wirklich groß genug um sie so zu nennen. Unter dem untypisch vollen Lippen prangte ein blendend weißes Gebiss, in dem beim lächeln schon mal die Reißzähne, wenn auch zurückgebildet, aufblitzen konnten. Dieses Aufblitzen der Zähne war auch eines der Markenzeichen von Tjara. Sie war durch und durch eine Jägerin. Im Gegensatz zu einigen eitlen Damen der Katzenmenschen, die sich selbst Cazz nannten, stutze sie sich auch nicht die einziehbaren Krallen unter ihren Fingernägeln. Sie fand sie unheimlich praktisch, wenn sie einmal ihr Messer vergessen hatte, was ein Ding der Unmöglichkeit war, denn ohne ihren Lieblingsdolch ging sie nirgendwohin,, nicht einmal auf einen Ball!
Inzwischen hatte sie den Hof durchschritten und erreichte das Arbeitszimmer ihres Vaters. "Vater? Wir sind bereit. Feres und Goraz begleiten mich." Der Graf staunte einmal mehr über die Entschlossenheit, Tatkraft und Umsicht Tjara solche Dinge erledigte. Ja sie würde mit ihrer Schwester zusammen die Grafschaft nach seinem Tod gut regieren. "Ja, ich weiß doch dass du alles sorgfältig planst. Geh mit den Geistern meine Tochter und geleite Ayasha wohlbehalten heim. Ach ja, und keine Abstecher zur Jagd, dass wir uns verstanden haben!" Bei diesen Worten zuckte Tjara schuldbewußt zusammen. "Ich verspreche es." Na gut, dachte sie sich, kein bisschen Spaß zwischendurch.
Der Graf sah den Dreien nach, wie sie durch das Burgtor hinaus ritten und seufzte noch einmal in Anbetracht dessen, was kommen würde.

Tjara genoss den Ritt durch den dichten Wald in den Ausläufern des Gebirges. Hier konnte sie frei sein, nichts störte hier ihren empfindlichen Geruchssinn und ihr sensibles Gehör. Sie erinnerte sich mit Grauen an einen Besuch mit ihrem Vater in einer Stadt in den Ebenen, wo sie Holz und Felle verkauften. Die Stadt war ihr zu laut und zu groß und sie fühlte sich eingeengt. Und erst der Gestank! Nein, nur sehr wenige Cazz siedelten vom Hochland in die Ebenen mit ihren Städten hinab. Auch ihr Tagesrhythmus war ein ganz anderer: Sie schliefen in der tiefen nacht und mehrere Stunden um Mittag, dafür waren sie um einiges eher auf den Beinen als die Menschen, denn den Cazz gehörte die Dämmerung. Auch mochten die Menschen sie nicht sonderlich, wegen ihrem gefährlichen Aussehen und ihrer Wildheit. Tjara verstand das nicht. Ihre Leute hielten die Burg sauberer als die Menschen und sie benahmen sich auf Festen wesentlich vernünftiger. In solcherlei Betrachtungen versunken ritt sie mit ihren Gefährten zum Gasthaus, welches sie spät in der Nacht erreichten. Ayasha würde in einer Schutzhütte unterwegs übernachten und am nächsten Tag am späten Mittag eintreffen.
Alles verlief wie geplant. Den Nachmittag verbrachten Tjara, Ayasha, Feres und Goraz mit Erzählungen von dem, was so seit ihrem letzten Treffen vor einem Jahr geschehen war, in der Halle des Gasthauses. So hatten es die vier jedes Jahr der fünfjährigen Ausbildung Ayashas gehalten. Die beiden waren Waffenbrüder Tjaras und hatten auch ihrer Schwester die Grundbegriffe des Schwertkampfes beigebracht. Auch wollte Feres sich mit Ayasha verloben, welche so ganz anders war als ihr Zwilling! Sie war fast zwei Handbreit größer und schmaler gebaut. Ihr Haar war extrem lang und so pechschwarz, wie das ihrer Mutter gewesen war. Der Mund war schmal, wie er es normalerweise bei den Cazz war, und ihre ganze Erscheinung strahlte nicht Wildheit sondern Würde aus, wenn auch sie Geschmeidigkeit und Kraft ausstrahlte. Das einzige, was bei den beiden Schwestern wirklich gleich war, waren die Augen. Sie waren von tiefem Smaragdgrün und funkelten wie eben jener Edelstein.
Der Nachmittag war wieder einmal viel zu kurz, doch redeten sie auch den ganzen Heimweg am nächsten Tag. Zudem waren die Zwillinge besonders aufgeregt über ihren 20. Geburtstag, der am nächsten Tag gefeiert werden sollte. Sie wußten nichts von ihrem Schicksal, sie machten sich nur darüber Gedanken, dass zwanzig ziemlich alt war, um noch nicht verheiratet zu sein. Nun denn, Ayasha mochte dieses Problem ja wohl bald gelöst haben. Solcherart ging es den ganzen Weg, bis sie die heimatliche Burg sichteten.

Das Fest war großartig. Vom frühen Vormittag an wurde gefeiert und der Graf gab sich die größte Mühe sich nichts anmerken zu lassen, denn für das Überbringen der Nachricht war jemand anderes zuständig, ausserdem durften sie vorher nichts davon wissen! So also feierten die Mädchen den ganzen Tag ausgelassen. An der Mittagstafel gaben Ayasha und Feres ihr Verlöbnis bekannt (für den Vater ein überraschender, jedoch erfreulicher Schock). Gegen Abend kam ein starker Wind auf, so dass die Feier nach drinnen in die große Halle verlegt wurde. Als an diesem Tag im späten Frühjahr die Sonne untergegangen war, wehte der Wind immer heftiger. Die Läden wackelten in ihren Halterungen und sprangen schließlich auf, leichte Gegenstände flogen umher und die Fackeln und Kerzen wurden ausgeblasen. In der plötzlichen Dunkelheit flaute der Wind plötzlich vollends ab. Die Gäste verstummten und absolute Stille breitete sich im Saal aus. In Stille und Dunkelheit hinein flammte plötzlich ein Licht auf. Immer größer und heller wurde es, bis es die Größe eines Kindes erreichte und explodierte dann in Millionen von Funken in alle Richtungen. Dort wo ehemals die Flamme sich entzündet hatte, stand nun ein Feuergeist und sprach: "Ayasha und Tjara von Mezs, am Tag des Drachen geborene, ereilte nun euch das Schicksal einen Monat lang ein Drachenbaby der Drachen von den Klippen des brennenden Meeres zu hüten um die Achtung vor Leben und Drachen in dieser Familie zu erhalten, die einst frevlerisch versuchte das Oberhaupt dieser zu ermorden um in den Besitz ihrer Reichtümer zu gelangen! Ihr habt eine Woche Zeit um euch vorzubereiten auf die lange Reise über das Gebirge zum Brennenden Meer. Ich werde am letzten Tag am frühen Morgen erscheinen und euch den Weg weisen. Braucht ihr mich vorher oder sonst irgendwann einmal, so ruft nach dem Boten des Drachen und ich werde erscheinen." Damit war er verschwunden und das Leben kehrte in die Halle zurück.

So machten sich die beiden also fertig für die lange Reise. Sie erfuhren von ihrem Vater alles, was die Familie über diese Wesen wußte, was leider nicht sehr viel war. Doch, mit diesen Informationen und Tjaras unheimlicher Energie stellten sie alles Notwendige zusammen. Da sie über das Gebirge mußten, konnten sie die Pferde nicht mitnehmen und Tjara fürchtete schon, nicht alles notwendige transportieren zu können, doch Ayasha präparierte die Bündel und Taschen auf besondere Art und Weise, so dass das doppelte hinein passte, ohne dass sie merklich an Gewicht zunahmen. Mit diesen Planungen und Arbeiten verging die Woche. Am Abend vorher nahmen Feres und Ayasha Abschied.
Kurz vor Morgengrauen erschien Ayasha in Tjaras Zimmer, weil sie sich wunderte, dass ihre Schwester noch nicht da war, sie verschlief doch sonst auch nicht. Als sie das Zimmer betrat, sah sie Tjara über ihrer Sammlung von Dolchen und Messern brüten, ihre Bündel, Schwert, Pfeil und Bogen standen neben ihr bereit.
"Was machst du da?" Tjara schrak bei der Frage hoch. "Ich überlege, welche ich mitnehme. Mein Lieblingsmesser, habe ich immer am Gürtel. Den Dolch mit dem Griff aus Groarhorn habe ich ersatzweise im Bündel. Doch sag mir, welcher kommt als zweites an den Gürtel? Der gebogene aus dem fernen Süden, das einfache mit dem Lederumwickelten Griff, oder nicht vielleicht doch der silberne mit dem Saphir im Heft? Ich kann mich einfach nicht entscheiden!" Ayasha mußte lachen, Tjara sammelte Messer und Dolche wie andere Leute Mückenstiche! Sie riet ihr zu einem sehr kunstvoll verziertem Dolch mit elfenbeinernem Griff. Zusätzlich kam das Messer mit dem Ledergriff in die Hülle am Schienbein und den gebogenen lieh sie Ayasha, da diese nur ein einfaches kleines Messer am Gürtel und ihren Ritualdolch in der Tasche hatte. Nachdem dies geklärt war, erschienen sie gerade rechtzeitig um die Ankunft des Feuergeistes zu erleben, dessen Auftritt bei Tageslicht kaum unspektakulärer war. Ihm folgten sie dann zu Fuße durch den Wald des östlichen Hochlandes. Auf ihrem Weg immer weiter Richtung Osten schonten sie ihre Vorräte so weit es ging und jagten statt dessen unterwegs Kaninchen und Waldvögel oder fingen Fische im Fluß. Auch wußte Ayasha um viele eßbare Pflanzen, so dass sie es auch gar nicht nötig hatten den Proviant anzureißen. Ihr Weg zum Gebirge verlief recht unspektakulär, nur einmal begegneten sie einer Horde Banditen, welcher sie jedoch mit viel List und Tücke ausweichen konnten. Dies gab zumindest Gesprächsstoff für die nächsten Tage, in denen sie schon im Gebirge waren, es jedoch noch viele mehr oder weniger gut ausgebaute Pfade zwischen den Höfen der Ödbauern gab. Hier oben wuchs nicht viel auf dem Acker, doch sahen sie, dass das Vieh gut gedieh. In diesen Tagen merkten sie auch, dass der Frühling hier oben eben erst angebrochen war und suchten sich ihre warmen Mäntel heraus. Im schneidenden Wind des Gebirges, welcher mit jedem Schritt nach oben schlimmer wurde, begannen die Zwillinge den Feuergeist zu beneiden, welcher jedoch beim kleinsten Anflug von Feuchtigkeit schnellstens verschwand. Er war kein angenehmer Weggefährte. Zwar zeigte er ihnen den schnellsten, einfachsten und sichersten Weg, doch war er ungesprächig, gab, wenn überhaupt, kurze und schroffe Antworten und war im allgemeinen meist mies gelaunt. Somit waren die Schwestern immer froh, wenn sie einmal eine Zeitlang unter sich sein konnten. So waren sie nun schon zwei Wochen unterwegs und kamen nun an die schwierigste Stelle der Gebirgsüberquerung. Der Paß war zwar eisfrei, doch war er schmal und der Fluß, der sich hindurch schlängelte führte Hochwasser. Natürlich erwartete der Feuergeist sie auch hier am Ende des Passes. Einmal rutschte Tjara aus und wäre fast im eiskalten Wasser ertrunken, doch Ayasha bekam sie gerade noch rechtzeitig zu fassen. Völlig durchnässt und durchgefroren kamen sie an. Zum Glück gab es ein paar hundert Meter den Hang hinab eine kleine Höhle, in der sie ein Feuer entfachen und Tjara sich umziehen konnte. Vorsichtshalber ließ Ayasha sie auch ein widerlich schmeckendes Gebräu trinken, damit sie nicht ernsthaft erkrankte. Und es half. Am nächsten Tag, war Tjara fit wie immer! So ging die Reise nun weiter, zunächst auf einem Gebirgsgrat. Als sie etwa auf der Mitte waren, hielt Ayasha inne: "Tjara, schau dir dieses Land an!"
Von dieser Stelle aus bot sich ihnen ein Anblick, den sie nie erwartet hätte. Unter ihnen im Ausläufer des Gebirges, gab es noch Wälder, doch bei weitem lichter als in ihrer Heimat. Und dahinter erstreckte sich das Land so eben wie Tjaras Schwertschneide. Darauf wogte hüfthohes Gras in sanften Wellen, als wollte es dem in weiter Ferne erahnbaren Meer Konkurrenz machen. Nur hier und da, konnten die Schwestern schmale dunkle Streifen ausmachen, die sich später als lichte Birkenwäldchen entpuppen würden. Als nun auch noch die Sonne unterging, wurde das ganze Land in orangerotes Licht getaucht, diesem Eindruck sich nur der Feuergeist widersetzen. So rissen sie sich los und suchten eine etwas breitere Stelle am Grat auf, um dort ihr Nachtlager aufzuschlagen.
Sie brauchten nur drei weitere tage um in die Ebene hinab zu steigen und marschierten dann durch das Land, das so wunderbar in den verschiedensten Grüntönen schillerte. Ayasha entdeckte jedoch bald, dass sie noch interessantere Dinge entdeckte, wenn sie ihren Blick auf den Boden richtete. Einige auf der anderen Seite des Gebirges sehr seltene Heilpflanzen wuchsen hier wie Unkraut! Sie nutzte die Gelegenheit ihre Vorräte um einiges aufzustocken. Tjara hingegen interessierte sich weniger für die Pflanzen als für mögliche Feinde oder besser, jagdbares Wild! Sie hatte das Trockenfleisch, dass sie die meiste Zeit im Gebirge hatten essen müssen gründlich satt. Sie liebte nun mal Abwechslung, beim Essen wie auch im Leben. Sie hatte auch bald Glück und konnte ein paar fette Vögel fangen. Sie kannte diese Art nicht, aber sie hatten Ähnlichkeit mit Rebhühnern, was ihr als Grund diente sie einmal zu versuchen. Tatsächlich schmeckten sie hervorragend, auch wenn Ayashas Kräuter und gesammeltes Wurzelwerk als Gemüse ihr Übriges taten. So vergingen die nächsten Tage., bis sie in der Ferne eine riesige sich bewegende Masse ausmachen konnten, die sich auf sie zu bewegte. Da der Feuergeist sich aber nicht dazu bewegen ließ vom Kurs abzuweichen, mußten sie wohl oder übel weiter darauf zu gehen. Am nächsten Tag sahen sie, dass diese riesige Masse Pferde waren. Und was für welche! Solche Tiere hatte Tjara noch nie gesehen, die selbst auf solche Entfernung so großen Eindruck auf sie machten. Weniger erfreulich waren jedoch die Reiter die mit gespannten Bogen auf sie zu kamen...

Mae entdeckte sie zuerst. Zwei Unbekannte, die sich direkt auf sie zu bewegten, das schlimmste war der Feuerdämon, der vor ihnen her schwebte. Darc fluchte. Schlimm genug, dass sich Fremde auf das Land seiner Sippe wagten, nein sie mußten auch noch einen Feuerdämon dabei haben! Mit solchen Leuten mußte man vorsichtig umgehen, wenn auch nicht unbedingt freundlich. Schließlich konnte der Dämon die ganzen Weiden in Brand stecken, was das schlimmste bedeutete, was sich ein Ancras vorstellen konnte: Der Verlust ihrer Existenzgrundlage! Er rief fünf der anderen Wachen zusammen und ritt auf die Eindringlinge zu. Sie erreichten sie sehr schnell, doch der Anblick, der sich ihm bot war unbegreiflich. Zwei junge Frauen, so seltsam, dass er sie erst einmal nur anstarren konnte. Sie waren nicht sehr groß und hatten seltsam geformte Gesichter und spitze Ohren und Augen, die an - ja an was erinnerten? Katzen, ja Katzen. Da begann es ihm zu dämmern, dass dies Cazz sein mußten. Doch was machten diese eigenbrötlerischen Waldbewohner in der Ebene? Dies lies sich herausfinden. "Wer seid ihr und woher kommt ihr? Und was in Greytans Namen bringt euch dazu ungefragt das Land der Faeces zu betreten, dem zweitgrößten Stamm der Ancras?" Er fragte dies recht holperig in der allgemeinen Handelssprache Dragors, welche er nur stockend beherrschte. Insgeheim verfluchte er sich, immer eine Ausrede gefunden zu haben, wenn es darum ging auf den Markt in den Süden zu reiten.
Die kleinere der beiden, eine recht wild aussehende Person mit deren Haare die Farbe der Bluthaselblätter hatten antwortete (leider fließend in der Handelssprache): "Zuerst einmal kann man uns auch höflich begrüßen, schließlich haben wir noch nicht einmal Anstalten gemacht zu fliehen. Dass dies euer Land ist wußten wir leider nicht, aber wir hätten gefragt, vorausgesetzt dieser Sklaventreiber von Führer-" dabei zeigte sie auf den Feuerdämon "- hätte uns gelassen. Wir sind übrigens die Erbinnen der Grafschaft Mezs. Ich heiße Tjara und das ist meine Zwillingsschwester Ayasha." Die Kleine ist forsch, das gefällt mir, dachte er, als er ihre Antwort vernahm und sie dabei noch einmal eingehend musterte. "Na gut. Ich bringe euch zu meinem Vater und da könnt ihr den Preis für die Durchquerung unseres Landes aushandeln."

Tjara und Ayasha wurden hinter Zweien der Wachen auf die Pferde gesetzt und zum Lager gebracht. Tjara ritt hinter dem Burschen, der sie angesprochen hatte. Er war schon beeindruckend, zumindest für einen Menschen. Er war groß und sehnig, seine Haut vom vielen Aufenthalt an der frischen Luft gebräunt. Sein braunes Haar war lang und zu vielen seltsam aussehenden Zöpfen geflochten, in die auch kleine Knochen, Federn und Perlen eingearbeitet waren. Die anderen trugen ihr Haar auf die gleiche Weise und sie überlegte, ob sie versuchen sollte ihre Mähne auf gleiche Weise zu bändigen. Doch in diese Überlegungen mischte sich auch die Erinnerung an seine Augen. Schwarz waren sie und in ihnen blitzte die Wildheit. Sie erschauerte. Tjara zwang sich nicht daran zu denken und musterte die Kleidung, ihrer Wachen? Ja im Moment waren sie wohl Gefangene. Sie drehte sich zu Ayasha um, die in einer Maske des Schweigens neben ihr her ritt. Der Feuerdämon folgte ihnen sichtlich widerwillig. Tjara hätte zu gern gewußt, an was Ayasha dachte, konnte sie doch so einiges anstellen allein mit der Hilfe ihrer Gedanken. Das mußte sie verhindern, denn diese seltsamen Leute interessierten sie. "Ayasha. Wer führt nachher die Verhandlungen?" sie flüsterte in ihrer eigenen Sprache. Die Angesprochen zuckte zusammen und blickte wissend zu Tjara hinüber. "Du natürlich. Deine Neugierde bringt uns noch einmal ins Grab, aber wenn du meinst. Ich halte für den Notfall etwas bereit, du mußt nur das Zeichen geben." Damit versank sie wieder in tiefes Schweigen, welches Tjara auch den Rest des Weges nicht zu brechen wagte.
Sie erwachte erst nach einer geraumen Weile aus ihren Tagträumen, da sie nicht wie erwartet nur zur Herde, wo sie auf eigene Pferde, die natürlich geführt wurden, gesetzt wurden, sondern viel Weiter ritten, als sie das Lager der Faeces sah. So etwas hatte sie noch nie gesehen! Ihr und Ayasha blieb der Mund offen stehen, eine der seltenen Gefühlsregungen, die sich die Magica im Beisein Fremder erlaubte. Aber der Anblick war auch zu großartig. In einem großen Halbkreis standen dort etwa dreißig bis vierzig große Planwagen. Der Holzteil dieser reichte etwa bis zur Brust eines normalgroßen Menschen und wurde dann im Halbrund von schweren Lederplanen bedeckt. Davor und dazwischen standen kleinere bis Mittelgroße Zelte aus Leder. Diese waren seltsamer Weise - rund. Mit dem Untergehen der Sonne flackerten mehrere Lagerfeuer auf.
Die beiden Schwestern wurden zu einem mittelgroßen Zelt geführt, über dessen Eingang ein Groarschädel hing. Unverkennbar war der Schädel mit den ausladenden seitlichen Hörnern und dem Großen rückwärts gebogenem Horn auf der Nase. Der Größe des Schädels nach zu urteilen war dieses Tier zu Lebzeiten mindestens zwei Meter groß gewesen. Dies, ist wirklich ein würdiges Zeichen für einen Grafen, oder Häuptling, dachte Tjara. Gespannt trat sie durch den ledernen Eingang, zu dessen linker und rechter Seite kunstvoll mit Perlen verzierte Pferdeschwänze hingen. Das Innere war überraschend gemütlich. In der Mitte brannte ein Lagerfeuer über dem ein deftiger Eintopf kochte, so dass den beiden Schwestern das Wasser im Munde zusammen lief. Frisches Brot röstete auf den heißen Steinen der Feuerbegrenzung. Rechts und Links vom Eingang standen Körbe mit Kleidung und leicht verderblichen Vorräten. Entlang der restlichen Zeltwand waren Schlaflager aus Fellen ausgebreitet, die auch gleichzeitig als Sitzgelegenheit am Tage fungierten. Auf diesen Lagerplätzen befanden sich im Zelt drei Personen. Sie saßen im Schatten, so dass Tjara nur erkennen konnte, dass es ein Mann, eine Frau und ein Mädchen von etwa 15 Jahren waren, soweit sie es in diesem düsteren Licht richtig erkannte. Nun betrat auch ihr "Wärter" nach ihnen das Zelt und sprach den Mann an. Ayasha verzog keine Miene, doch erkannte Tjara an ihrem aufmerksamen Blick, dass sie diese Sprach auch konnte. Sie selbst hatte sich nie so sehr für das Studieren begeistern können, aber dafür konnte sie die geläufigen Dialekte der Ebenen rund um den Alten Wald, die sie auf den Reisen aufgeschnappt hatte, welche sie mit ihrem Vater unternommen hatte, besonders gewandt war sie deshalb auch in der allgemeinen Handelssprache. In dieser sprach sie der Häuptling (?) dann auch an: "Ihr seid also Grafentöchter von der anderen Seite des Gebirges. Hmm, normalerweise verirren sich die Cazz nicht in diese Gegend, sie ist ihnen zu flach. Und einen Feuerdämon schleppt ihr also auch noch mit euch herum. Also, was treibt euch hierher?" Tjara fand nicht, dass die Begrüßung die höflichste gewesen ist, zwang sich jedoch ein Lächeln auf die Lippen. Dass ihre Reißzähne dabei aufblitzten war eine unterschwellige Drohung, dass sie sich zu wehren würde wissen, wenn es darauf ankam und diese Warnung wurde durchaus mit einem Stirnrunzeln quittiert. Dann begann sie zu sprechen: "Wir wußten nicht, dass es uns verboten ist dieses Gebiet zu betreten, da uns der Feuergeist hier hindurch führte. Wir müssen eine -" sie suchte nach einem passenden Wort "- Aufgabe erfüllen, zu dessen Ort uns dieser Geist bringt. Ihr dürft uns glauben, dass er der angenehmste Zeitgenosse ist und wir eine kleine Feier abhalten werden, wenn wir angekommen sind. Ich möchte mich im Namen von uns allen für dieses Missverständnis und die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen." Die Tatsache, dass die beiden jungen Damen, die so seltsam waren, sich nur auf der Durchreise befanden beruhigte den Chief, wie die Ancras ihre Häuptlinge nannten. Da er zudem ein Gastfreundlicher und vor allem neugieriger Mann war, lud er die beiden ein (Ihr Führer hatte sich natürlich wieder aus dem Staub gemacht) das Nachtmahl mit ihm zu teilen und auch im Schutze des Lagers zu übernachten. Die beiden nahmen dankend an und es wurde ein sehr geselliger Abend. Sie erzählten von ihrer Heimat und erfuhren auch so einiges über die Lebensweise der Ancras. Es waren Viehzüchter, die mit ihren Herden die Ebenen hinter dem östlichen Gebirge durchstreiften. Einmal im Jahr fand ein großes Stammestreffen mit Fest statt, auf dem gehandelt, geheiratet und vor allem gefeiert wurde. Ansonsten war der Stamm immer unter sich. Das Hauptlager zog immer dann um, wenn die Weiden in der Umgebung abgegrast waren. Die Faeces waren mit zwei Herden á hundertfünfzig Pferden, zwei Rinderherden, 300 Schafen und Ziegen und sogar einer kleinen Herde Groars der reichste, wenn auch nur der Zweitgrößte Stamm der Ancras. Von diesen Tieren und ihrem Verkauf auf einem Markt im Süden, der an einer Handelsstraße direkt zu den südlichen Ebenen lag, lebten sie. Nun verstanden die Schwestern auch, warum die meisten Kleidungsstücke aus Leder waren. Über solche Dinge unterhielten sie sich die halbe Nacht. Darc saß dabei, sprach aber nur wenig. Er war fasziniert von Tjara und der Wildheit, die sie ausstrahlte. Beinahe bewegungslos saß er auf den Fellen und beobachtete sie. Er verbannte alle seine Gedanken und ließ den Anblick, den sie ihm bot fesseln. Es ist nicht abzustreiten, dass Tjara ein ausnehmend hübsches Mädchen war, doch in diesem Moment war sie für ihn eine Elfe, ein Engel, ja eine Göttin. Sehnsüchtig wünschte er sich eine Berührung, nur ein flüchtiges Streifen ihrer Haut, und gleichzeitig fürchtete er sich davor. Davor innerlich verbrannt zu werden, davor sich nicht beherrschen zu können und sich zu blamieren, schließlich waren sie Gäste des Stammes und er mußte sie ebenso behandeln. Irgendwann bemerkte sie sein offensichtliches Interesse und fing seinen Blick auf. Sekundenlang hielt sie seinen Blick fest, dann hielt er es nicht mehr aus und schlug die Augen nieder vor Verlegenheit. Er errötete, so etwas war ihm noch nie passiert. Er war ein gutaussehender junger Mann und hatte auf den Stammesfesten nie Mangel an hübschen Mädchen, aber Tjara, er kostete den Klang ihres Namens in Gedanken aus, ja Tjara war etwas besonderes und er hatte sich benommen wie ein Schwächling! Immer stärker wurde das Gefühl versagt zu haben, bis er es nicht mehr aushielt, eine Entschuldigung murmelte und fast fluchtartig das Zelt verließ. Er lief durch die Wagenreihe und ließ sich an der Pferdekoppel auf die Knie sinken. Lange saß er da und dachte nach.

Ayasha folgte interessiert dem Gespräch. In ihrer Ausbildung hatte sie schon einiges über die Ancras erfahren und war nun besonders begierig dieses Wissen auszubauen. Doch auch trotz des angeregten Gespräches fiel ihr der Blick auf, den der Häuptlingssohn (Darc?) ihrer Schwester zuwarf. Sie sah Sehnsucht und Verzweiflung in diesem Blick und sie bemitleidete ihn. Auch wenn Tjara sich nach einer festen Bindung sehnte, so hatte sie schon so manches Herz von hartgesottenen Burschen in Scherben zurück gelassen. Oh ja, Tjara faszinierte die Männer. Viele hatten sich schon vorgenommen sie zu zähmen, doch keiner hatte es geschafft, denn irgendwann waren sie ihr alle verfallen. Tjara hingegen hatte ihren Spaß mit ihnen, doch noch nie entwickelte sie ernsthafte Gefühle für einen von ihnen. Ayasha bewunderte jedoch ihren Takt und ihre rührende Mühe sie dabei so wenig wie möglich zu verletzen. Letztendlich mußte sie selbst wissen, was sie tat. In diesem Moment verließ Darc das Zelt und Tjara warf ihr einen Blick zu. Sie hatte die Situation also selbst richtig eingeschätzt. Ayasha nickte und murmelte nur: "Wir haben keinen Bedarf an gebrochenen Herzen auf diesem Weg." Ebenso leise kam die Antwort: "Ich werde nichts tun ausser reden." Dann verschwand sie in der Nacht. Der Häuptling warf ihr einen fragenden Blick zu und sie sah sich genötigt eine Erklärung abzugeben: "Tjara möchte eurem Sohn nur versichern, dass sie es nicht wert ist sich selbst so zu zerfleischen. Es liegt ihr nicht daran irgendwem das Herz zu brechen." Doch die Antwort die sie bekam überraschte sie. "Das geschieht Darc zur Abwechslung ganz recht. Es wundert mich, dass ich nicht schon mehrfacher Großvater bin. Und ich habe nicht vor meinen Kopf eurem Vater zu präsentieren, weil ich in meinem Lager nicht auf die Tugend seiner Tochter genügend aufgepasst habe. Ich kenne meinen Sohn, er ist einer der berüchtigtsten Herzensbrecher der Stämme." Ayasha brach in schallendes Gelächter aus. "Macht euch mal darüber keine Sorgen. Denjenigen, dem diese Schuld zukommt, dem hat mein Vater selbst getröstet, als er merkte, dass er Tjaras Herz nicht gewinnen konnte. Es gab ein riesiges Donnerwetter für Tjara, aber sie erklärte nur, dass er von ihr nie Enkelkinder bekommen würde, wenn er sie für ihre Hochzeitsnacht nicht üben ließe. Danach hat er sie gewähren lassen, doch gefallen tut es ihm nicht. Er ist ehrlich froh, wenn er seinen Wildfang endlich unter der Haube hat." Sie tauschten noch ein paar Erfahrungen aus und dann wendete sich das Gespräch wieder den vorigen Themen zu.

Tjaras Augen gewöhnten sich schnell an die Sicht und sie folgte den Spuren, die Darc hinterlassen hatte. Sie führten aus dem Lager heraus und bald schon konnte sie die Pferde riechen. Im Licht des Vollmonds kniete er im Gras und schlug auf den Boden ein. "Was hat der Boden dir getan, dass du ihn verprügeln mußt?" Er zuckte beim Klang ihrer Stimme zusammen. "Du hier?" "Natürlich, ich bin doch der Grund, dass du aus dem Zelt geflüchtet bist, oder? Kannst du mir mal verraten, was ich dir getan habe um solch eine Behandlung zu verdienen?" Die Sprachlosigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben, doch dann kamen ganz leise die Worte: "Ich begehre dich, doch ich kann es nicht riskieren dich zu entehren und damit gleichzeitig die Ehre meines Stammes zu beschmutzen. Ausserdem dachte ich, dass du mich nicht mehr für voll nehmen würdest, wenn ich dich gleich verführen würde, so wie die Mädchen der Stämme." Alles hätte sie erwartet, nur dass nicht. Verwirrt dachte sie über seine Worte nach. "Also, dass mit der Ehre verstehe ich, nur der Rest ist mir schleierhaft. Warum kannst du die Mädchen der Stämme verführen und mich nicht. Wo ist da der Unterschied?" "Na du kommst von der anderen Seite des Gebirges, und eure Sitten schreiben doch Keuschheit bis zur Ehe vor. Ich habe Männer auf dem Markt über solch lachen hören, die sich nicht bis dahin zusammenreißen können. Ich wollte nicht, dass du mich für einen Schwächling hältst." Nun war es an Tjara sprachlos zu sein. Mit offenem Mund starrte sie ihn an, um ihn dann überraschend zu küssen. "Nein, du bist wahrhaftig kein Schwächling und ein ehrenhafter Mann noch dazu, auch wenn dies von meiner Unschuld nichts mehr rettet. Lass uns zum Zelt zurück kehren, es wird kalt." Er nickte nur und folgte ihr erleichtert.
Doch bald darauf schon legten sich alle schlafen, worüber Tjara sehr erleichtert war, denn solch eine Ehre machte sie unsicher. Ja, es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie in solch einer Situation nicht die Oberhand hatte. Diese Schwäche, wie sie es bei sich nannte machte ihr Angst. Mit diesen Gedanken schlief sie ein.

Sie verabschiedeten sich, der Feuergeist erschien und sie zogen davon. Immer wieder drehten sie sich um und winkten. Ayasha hatte ein Treffen mit dem Häuptling auf ihrem Rückweg ausgemacht, da ihr die Lederwaren der Ancras so gefielen und sie davon einige mitnehmen wollte. Als sie ausser Sichtweite waren verfiel Tjara in dumpfes Brüten. Zwar schoß sie mit ihrem Bogen noch immer Mahlzeiten, doch sie Wortkarg und in sich gekehrt. Solch einen Zustand hatte Ayasha noch nie bei ihrer Schwester erlebt. Ihre anziehende Wildheit und Kraft wirkte nun nicht nur beeindruckend sondern bedrohlich. Sie machte sich Sorgen. Nach drei Tagen hielt sie es nicht mehr aus und abends am Feuer fragte sie ihre Schwester geradewegs, was mit ihr los war. Lange schwieg Tjara, doch dann brach es aus ihr heraus: "Er hatte Angst, dass ich ihn für einen Schwächling halte. Er hat sich ernsthaft Sorgen darüber gemacht, was ich von ihm halte. Er war an meiner Meinung interessiert, weniger als an meinem Körper. Ich verstehe das nicht. Und warum verdammt noch mal, geht er mir nicht aus dem Kopf? Sein Bild steht mir tagsüber vor Augen und Nachts träume ich von ihm. Es ist ein Fluch, sag mir dass es ein Fluch ist. Bitte." Doch diesen Gefallen konnte Ayasha ihr nicht tun. Gegen die Liebe war selbst die mächtigste Magie machtlos und das war es nun einmal: Tjara hatte sich zum ersten Mal in ihrem leben ernsthaft verliebt! Mit dieser Antwort auch nicht viel glücklicher, rollte Tjara sich auf ihren Fellen zusammen und schlief ein. Ayasha hielt diesmal die ganze Nacht Wache, denn die Seele ihres Zwillings brauchte Zeit um mit diesem Zustand klar zu kommen. Sie betete um Glück für ihre Schwester.

Zur selben Zeit packte Darc seine Taschen. Nach einem großen Streit mit seinem Vater hatte dieser ihm schweren Herzens erlaubt, Tjara nach zu ziehen. Er wußte, dass es seine Schwester schwer haben würde, sollte sie die Führung des Stammes übernehmen, wenn er wirklich mit Tjara über das Gebirge in ihre Heimat gehen würde. Doch kein Gesetz der Ancras verbot eine Frau als Oberhaupt und es war auch schon mehrfach vorgekommen. Zwar waren die meisten Frauen Witwen gewesen, doch seine kleine Schwester hatte deutliche Führungsqualitäten und war wesentlich verantwortungsbewußter als er. Dies hatte er schon immer gewußt, er wollte die Stammesführung auch nicht wirklich. Ewige Sitzungen und Beratungen mit den anderen, immer Vorbild sein, nie wieder einfach auf sein Pferd schwingen und für zwei Tage das Grasland durchforsten. Nein, er wollte seine Freiheit nicht aufgeben. Nur eine Ausnahme ließ er gelten: Die Liebe. Er hätte nie gedacht, dass er sich wirklich einmal ernsthaft verlieben würde, aber er hatte es getan und er würde dafür kämpfen. Er war weder ein Feigling, noch ein Schwächling, weil er sich der Verantwortung der Stammesführung entzog (dies hatte ihm sein Vater vorgehalten), er hatte nur andere Prinzipien. Damit schwang er sich auf seinen Rappen "Raven", den er als Fohlen geschenkt bekam, und nahm sich seinen Schecken "Wind" als Pack- und Ersatzpferd mit. Er würde sie finden, koste es was es wolle!

Tjara wurde zwar am nächsten Tag wieder gesprächiger, doch so ganz war sie nicht wieder die Alte, doch es war erträglich für die anderen. Sie schaffte es auch wieder sich an der Schönheit dieser Landschaft zu erfreuen, obwohl sie sich so langsam wieder zu den Bergen und Wäldern ihrer Heimat zurück sehnte. Wenn sie daran dachte noch einen Monat lang, ja noch länger, da sie noch ein paar Tage bis zu ihrem Ziel brauchten und denn Rückweg hatte sie auch noch nicht eingerechnet, immer nur weites Land, dann wurde ihr schon schwer ums Herz und sie begrüßte die seltenen Lichten Wäldchen, die zumeist aus Birken bestanden. Zwei Tage später meinte sie entferntes Hufgetrappel zu hören und als sie sich umdrehte, sah sie in weiter Ferne auch eine kleine Staubwolke, die direkt auf sie zu hielt. In ihr keimte Hoffnung auf, doch noch wagte sie nicht diese auszusprechen. Doch er war es, eine kleine Ewigkeit später hatte er sie eingeholt. Er war kaum aus dem Sattel gestiegen, als Tjara ihn stürmisch umarmte. Sie war so glücklich, dass sie die ersten Worte die er sprach gar nicht mitbekam. Doch Ayasha antwortete für sie. "Sei gegrüßt Darc. Du kommst mir unheimlich gelegen, jetzt kann ich endlich wieder etwas mit diesem Weib anfangen. Sie hat doch tatsächlich die letzten drei tage wegen dir Trübsal geblasen, dass ich es nicht mehr aushalten konnte." Tjara errötete, über die Worte ihrer Schwester, doch sie waren auch wahr. Doch lange währte die Wiedersehensfreude nicht, da der Feuergeist anfing sich zu beschweren. Er wollte nicht, dass er die Schwestern begleitete, doch sie brachten ihn schnell zum Schweigen, schließlich konnte er Darc nicht verbieten in seinem eigenen Land dorthin zu gehen wo er wollte. Dieser erfuhr nun zum erstenmal vom Fluch, und Tjara fragte ihn, warum er so kreidebleich wurde. Sie erfuhr, dass die Meerdrachen in seinem Volk nur eine Legende seien, sich aber trotzdem bis zu den Höhlen wagte. Tjara lachte. Wenn sie diese lange Reise wirklich umsonst gemacht hätte - aber dann wäre ja der Feuergeist nicht gekommen. Wie dem auch sei, sie würde bis ans Meer reisen, denn wenn sie schon so nah dran war, würde sie es sich auch anschauen. So wurde denn beschlossen, natürlich ohne die Einwände des Feuergeistes zu beachten, dass Darc sie begleiten würde. Er kannte eine menge Geschichten und Wahrheiten über das Land und war auch schon mehrmals weiter im Süden am Meer gewesen und wußte so allerlei zu berichten. Die Zwillinge, besonders Tjara ließen sich das alles gern erzählen und so erreichten sie dann auch binnen einer Woche das Meer.

Sie waren an diesem Morgen erst ein paar Stunden gelaufen, als sie an die Steilküsten kamen. Gerochen hatte sie den Geruch schon eine ganze Weile, doch welcher Anblick sich ihr nun bot übertraf alles, was sie erwartet hatte. Sie standen am Rand der Klippen, die sich vor ihr zweihundert Meter in die Tiefe stürzten. Die Brandung schlug gegen die Felsen, dass die Gischt meterhoch aufspritzte. Tjara konnte sich an diesem Anblick nicht satt sehen. Doch dann übertraf dies doch etwas: Sie sah die Umrisse des Drachens etwa fünfhundert Meter im Wasser entfernt und als er sich dann aus dem Wasser in die Lüfte erhob, glitzerten die Wassertropfen mit seinen Kupferroten schuppen um die Wette. Er stieg immer höher in die Lüfte und immer weiter auf die Steilwand zu, bis er dann direkt vor ihnen senkrecht in die Höhe flog. Seine Flügel hatten eine Spannweite von bestimmt fünfzig Metern und sein langer schlanker Körper, betrug von der Schnauze bis zur Schwanzspitze etwa das doppelte in der Länge. Alle drei standen mit offenen Mündern da, doch sie hatten nicht viel Zeit dazu, da Darc zu tun hatte die Pferde ruhig zu halten. Tjara half ihm und sobald der Drache wieder im Meer verschwunden war, gelang ihnen das auch recht schnell. Die ganze Zeit überlegte sie, ob der Drache zu dem sie mußten eben solch ein Riese war und fragte dies letztendlich auch den Feuergeist. Dieser meinte, das dieser sozusagen der König unter den Drachen hier war und mit Sicherheit auch der Vater des Jungtieres, dass sie hüten sollten, doch alle anderen waren normalerweise etwas mehr als die Hälfte von diesem Ungetüm. Im Übrigen sollten sie sich vor ihm in Acht nehmen, da er ein sehr aufbrausendes Temperament hätte und Menschen, oder auch Cazz, in solchen Momenten keine Überlebenschance. Dies trug nicht unbedingt dazu bei Tjaras Unruhe zu besänftigen, so ergriff sie als Trost für den Rest des Weges Darcs Hand und folgte dem Feuergeist bis zur Höhle "ihres" Drachens. Doch als der Feuergeist meinte sie wären nun genau am Abstieg zur Höhle konnte sie das Unheil erahnen und riechen, in Form von Blut. In ein paar hundert Meter Entfernung standen gesattelte Pferde und das bedeutete wohl nichts Gutes. Sie erspähte den Pfad, warf Pfeil und Bogen Ayasha zu, zog schon im Laufen das Schwert und setzte mit unglaublicher Sicherheit den schmalen Pfad hinab. Am Eingang der Höhle stoppte sie und lauschte. Sie hörte verschiedene Keuchen, ein großes Erdbebengleiches, was vom Drachen stammen mußte, doch auch mehrere andere. Langsam ging sie hinein. Der riesige Gang machte nach etwa 20m eine Biegung und Tjara war dafür sehr dankbar, denn in dieser Zeit hatten ihre Augen Zeit sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Die Szene, die sich ihr bot, war erschreckend. Der Drache, dessen Schuppen wohl einmal einen glänzenden Goldton gehabt haben mussten, blutete schwarz aus mehreren Wunden und sah sehr erschöpft aus. Zudem steckten mehrere Speere in seinem Körper. Er verteidigte ein Jungtier, dass sie in der Dunkelheit der Höhle mehr erahnen als sehen konnte. Etwa einen halben Meter von ihr entfernt lag ein toter Mann, der offensichtlich quer durch die Höhle geworfen worden war und sich beim Aufprall das Genick gebrochen hatte. In der Höhle lagen auch noch drei andere auf diese Weise zu Tode gekommene. Drei Mann standen noch, teilweise aus weniger starken Verletzungen blutend. Ein paar andere sind vom Drachen zerfleischt worden und lagen in der Höhle herum, doch ihr Anblick war zu Grauen erregend, als das sie es vermocht hätte sie zu zählen. Gut, dann hieß es wohl zuerst die Schlächter aufhalten. Sie spannte sich und schlich lautlos um die Ecke, mit einer Geste dem Drachen, der sie kommen sah, Schweigen gebietend. Der Vorteil war auf ihrer Seite, alle drei Männer standen mit dem Rücken zu ihr und beobachteten den Drachen, keinen Angriff von hinten erwartend. Sie nutze ihren Vorteil und hieb eiskalt dem ersten von hinten den Kopf ab. Nun war ihr Vorteil dahin und sie mußte es kurzfristig mit den beiden übriggebliebenen aufnehmen, da der Drache sich offensichtlich kaum noch rühren konnte. Doch sie hörte Darc schon herannahen und gemeinsam nahmen sie die beiden anderen gefangen. Einige der Gefallenen hatten Seile und Ayasha, die ebenfalls in die Höhle gestürzt kam, half den beiden die Gefangenen gut zu verschnüren. Dann wies Tjara ihre Schwester an nachzusehen, ob einer der Verwundeten noch zu retten sei. Sie selbst wandte sich an den Drachen, und meldete ihre Ankunft. Der Drache hob zum sprechen an und ihre Stimme war, wenn auch schwach und brüchig, wie das volle Tönen von Glocken und unverkennbar weiblich: "Ahh, ihr kamt genau im richtigen Moment. Ich fürchtete schon, meine Tochter dem Tod ausliefern zu müssen, weil ich sterbe. Liefert die Gefangenen dem Lord aus, dem großen kupfernen Drachen, er wird euch auch erklären, was ihr Obsidian beibringen müßt, damit sie überlebt. Er wird euch nichts tun, wenn ihr sagt, dass Aurum euch geschickt hat." "Warum können wir sie nicht frei lassen?" Die Antwort war nur mehr ein Flüstern: "Leben um Leben, Blut um Blut. So lautet das Gesetzt. Darum seid ihr auch hier." Damit starb sie und Tjara brach in Tränen aus, doch lange gestattete sie sich diesen Luxus nicht. Sie raffte sich auf und sah hinter dem toten Drachen nach dem Jungtier. Es lag verängstigt zitternd in einer Mulde auf einem Felsvorsprung auf einem Bett aus Moos, Gras und Federn. Es war noch nicht größer als ein Pony und von glänzend schwarzer Farbe. Das einzige, dass hervorstach war die schmale kupferfarbene Pupille, auf Anthrazitfarbenem Grund. Sie war nicht rund sondern bikonvex und sehr schmal. Sie konnte die Augen nicht von dem Baby lassen. Plötzlich spürte sie jemanden hinter sie treten, es war Darc. Auch er betrachtete das Jungtier, während Ayasha noch die Verletzten behandelte. Doch dann fasste sie sich: "Wir müssen zum Lord und ihm berichten. Ich weiß nicht ob die hier Hausbesuche machen, außerdem bekommen wir Aurums Kadaver hier nie allein heraus." Die beiden anderen stimmten ihr zu, so machten sie sich wieder auf den Weg, der um einiges schneller bewältigt war als vorher, da sie genügend Pferde hatten. Obsidian ließen sie so lang allein in der Höhle.
Da der Feuergeist sie sofort nach der Ankunft verlassen hatte, orientierten sie sich an der Stelle, wo sie zuvor den Lord gesehen hatten. Zu ihrem Glück befand sich dort eine Höhle. Vorsichtig kletterten sie hinein, was mit den gefesselten Gefangenen gar kein so leichtes Unterfangen war. Doch schließlich hatten sie es geschafft. Tjara betrat als erste die Höhle, die anderen warteten am Eingang. Sie folgte einem langen dunklen Gang und wünschte sich, sie hätte eine Fackel dabei gehabt, denn in dieser Dunkelheit nützten ihr nicht einmal die Augen der Cazz etwas, so tastete sie sich voran. Bei einer scharfen Biegung wäre sie fast gegen die Höhlenwand gelaufen. Doch was sie hinter dieser Biegung erwartete war unglaublich. Die Höhle war von gigantischen Ausmaßen, der große Dom in der größten Stadt der Ebene hätte locker zweimal hineingepaßt, und wirkte im Gegensatz zu dem Drachen wie ein kleines gemütliches Cottage. Entlang der einen Höhlenseite durchzog eine Ader von dem reinsten Gold, dass sie je gesehen hatte, den Fels. In mehreren Felsnischen brannten Feuer deren Licht sich auf dem Gold brach, doch sie konnte keinerlei Brennstoff erkennen. Schließlich wandte sie sich dem beeindruckenden Drachen zu, der sie seit ihrer Ankunft schläfrig musterte und geduldig wartete, bis sie sich von ihrem Staunen erholt hatte. Offensichtlich sollte sie beginnen.
"Entschuldigt euer Lordschaft. Ich bin Tjara von Mezs. Meine Schwester und ich sollten bei Aurum die Familienschuld abarbeiten..." - "Ich weiß, doch was willst du jetzt bei mir?" Das Flüstern hatte die Lautstärke eines Donnergrollens und doch klang auch die Stimme des Lords wie eine große Glocke, nur um vieles Tiefer als die Aurums. Da erzählte Tjara ihm, was seit ihrer Ankunft geschehen war. Der Lord stieß ein beängstigendes Grollen aus. "Und diese Mistkerle sind jetzt vor meiner Höhle? Komm klettere auf meinen Hals, es dauert zu lange wenn du vor mir herläufst." Sie tat wie ihr geheißen und der Drache quetschte sich in einem Tempo durch den langen Gang, dass Tjara selbst im gestreckten Galopp zu Pferde dreimal so lang gebraucht hätte. Am Eingang sprang sie ab. Der Lord murmelte ein "Wartet hier", schnappte sich die Seile der Drachentöter und flog mit ihnen hoch auf das Meer hinaus. Ungefähr dreihundert Meter über dem Meeresspiegel ließ er sie weit draußen auf dem Meer fallen. Es gab keine Überlebenschance für sie. Dann kam er zurück um seine Instruktionen zu geben: "Seht mich nicht so betroffen an. Freilassen können wir keine Mörder und fressen tue ich sie auch nicht. Igitt. Ich bin ein Meerdrache, wir ernähren uns von Fisch. Was Aurum angeht. Wir werden ihre Seele bei Sonnenuntergang zum Himmel führen. Danach könnt ihr mit ihrem Körper verfahren, wie ihr es für richtig haltet. Macht euch meinetwegen Schuhe aus ihrer Haut. Wir selbst würden ihn in ihrer Höhle lassen, da es uns verboten ist tote Artgenossen zu berühren. Sorgt dafür, dass Obsidian dies nicht tut. Wenn sie es bis jetzt getan hat, nun gut, dass kann man nicht ändern. Aber wir dürfen das Übel nicht noch schlimmer werden lassen. Nun, ich fürchte ihr werdet wohl etwas länger als geplant bleiben müssen. Sie wird erst in drei Monaten in der Lage sein selbst zu fliegen und zu jagen, dann können wir diese Aufgabe übernehmen. So lang müßt ihr sie mit Fisch versorgen und ihre ersten Flugübungen überwachen. Passt bloß auf, dass sie dabei nicht ertrinkt." Damit war die Audienz zu Ende und der Lord zog sich in seine Höhle zurück. Betroffen kehrte Tjara mit den anderen zur Drachenhöhle zurück.

Dort angekommen untersuchten sie zuerst einmal die Höhle genauer. Der Eingang war wesentlich höher und kürzer, als beim Lord und die Höhle an sich fast kreisrund. Etwa um ein viertel der Höhlenwand gab es einen Vorsprung, der etwa hüfthoch und drei Meter breit war. Ansonsten gab es ausser Osidians Lager keine Einrichtung. Und so überlegten sie, was als nächstes zu tun sei. Das Blut mußte entfernt werden, ebenso mußten sie später Aurums Körper hinaus schaffen. Platz genug für ihr eigenes Lager gab es, auch wenn Obsidian noch um vieles wachsen würde. Diese schlief zusammengerollt auf ihrem Lager und schien sich nicht sonderlich mit dem Drachenkörper beschäftigt zu haben. Um das Junge nicht zu wecken bauten sie schweigend ihr Lager auf. Licht genug gab es durch diese unnatürlichen Feuer in den Wandnischen.
Sie schlugen ihr Lager am hinteren Ende der Höhle auf. Im Licht der tief stehenden Nachmittagssonne sammelten Tjara und Ayasha Gras als Unterlage für die Schlafplätze, während Darc bei dem Wäldchen eine Koppel für die Pferde improvisierte. Als er damit fertig war, kam er zu Tjara hinüber geschlendert, ein anzügliches Grinsen im Gesicht. Leise flüsterte er ihr ins Ohr: "Heute abend aber können wir uns davonstehlen?" Tjara erschauerte, lange hatten sie sich nicht mehr als Küsse und flüchtige Berührungen erlaubt, um Ayasha nicht an das zu erinnern, was sie mit Feres auf der Burg zurück gelassen hatte. Sie nickte, und gemeinsam trugen sie die großen Grasbüschel in die Höhle. Es waren die letzten gewesen, die benötigt wurden. Sie richteten die Betten, machten sich eine normal betriebene Feuerstelle und Schirmten den Kadaver vor dem langsam erwachenden Jungtier ab. Es heulte und weinte vor Schmerz über den Verlust und Tjara und die anderen beiden hatten alle Hände voll zu tun, um es zu beruhigen und zu trösten. Kurz vor Sonnenuntergang tönte ein unheimlich lauter und tiefer Schrei über das Meer und viele verschiedene Stimmen antworteten. Der Lord rief die anderen zusammen. Neugierig hockten sich die Drei mit ihrem Zögling an den Höhleneingang. Das Spektakel, das sie nun zu sehen bekamen war einzigartig. Hoch über ihnen flog der Lord auf der Stelle und sein kupferfarbener Körper schien im rotgoldenen Licht der sinkenden Sonne in Flammen zu stehen. Um diese mystisch anmutende Gestalt mit ihrer schier unbändigen Kraft und Autorität versammelten sich an die fünfzig weitere Drachen. Sie schillerten in allen Farben. Von Eisengrau über Saphierblau und Smaragdgrün, wie die Augen der Schwestern, ging es bis zu dunkel schimmerndem Bernstein, daneben sah man auch wenige elfenbeinfarbene und tiefrote Drachen. Sie stimmten ein trauriges Lied an und ihre Stimmen hallten wie Glocken weit über das Meer. Die Sprache war den drei Zuschauern fremd, doch spürten sie den Schmerz des Abschieds in den fremden Worten. Passend zu ihrem Gesang flogen, nein tanzten, sie in einem Komplizierten Muster aus Kreisen, Spiralen, wagemutigen Sturzflügen und darauf folgendem Aufsteigen mit und hintereinander über den Himmel. Die Sonne spiegelte sich auf ihren glitzernden Körpern und tauchte alles in ein unwirkliches rotgoldenes Licht. So tanzten sie im Sonnenuntergang, der an diesem Ort ewig zu dauern schien, über die Dämmerung bis zum Aufgehen der Sterne und drei Monde und geleiteten somit Aurums Seele in die Ewigkeit.
Tjara und Ayasha standen die Tränen in den Augen, während Darc nur staunen konnte und nebenbei versuchte Obsidian davon abzuhalten über die Klippen zu springen um zu den anderen zu fliegen. Irgendwann kurz vor Mitternacht war es vorbei und die endlosen Spiralen und Kreise der Drachen lösten sich auf, während einer nach dem anderen zu seiner Höhle zurück flog.
Als auch der letzte Drache weg war, gingen sie zurück in die Höhle und legten sich schlafen, nachdem sie auch das Junge zum schlafen gebracht hatten und nicht mehr Gefahr liefen, dass das Baby den Kadaver berührte. Doch Tjara und Darc lagen nicht lange dort, sondern schlichen sich, als Ayasha fest schlief, mit einigen Fellen hinaus auf die Ebene unter einen Sternenhimmel, so klar, wie er nur selten zu sehen ist...

Am nächsten Morgen wurden die beiden ziemlich unsanft von Ayasha geweckt. "Was hab ich mir mit euch nur für ein paar Schlafmützen angeschafft!? Kommt aus den Federn, wir wollen doch so viel wie möglich erledigt haben, bevor Obsidian aufwacht. Wir müssen Aurums Körper, so barbarisch es klingt, in kleinen Teilen hier hinaus befördern, weil wir das Kleine nicht ewig davon fern halten können. Dann bräuchten wir vielleicht auch noch ein Boot, sie darf ja nicht verhungern und frißt, falls ihr es nicht vergessen habt, Fisch. So, nun also Druck, das Frühstück ist fertig." Damit ließ sie die beiden liegen und ging zum Kochfeuer zurück. Darc und Tjara grinsten sich an und beeilten sich dann, in ihre Sachen zu kommen, um das Tagewerk zu beginnen.
Anfangs hatten sie zwar Angst einen Frevel zu begehen, wenn sie Aurums Körper "verwerteten", doch der Lord hatte es ihnen ja erlaubt, da bei den Drachen, ein toter Körper nichts mehr wert war. Die Seele zählte. Da die Drachenhaut extrem stabil und zudem Wasserabweisend war, zogen sie sie ab, was bei diesem riesigen Körper, den sie nur mit vereinten Kräften zu drehen und zu wenden vermochten, keine leichte Aufgabe war. Nach zwei Stunden hatten sie es geschafft und schleiften die riesige Haut hinauf in die Ebene, wo die Schwestern begannen sie zu bearbeiten, damit sie nicht fest wurde und zusammen trocknete. In der Zwischenzeit kontrollierte Darc noch einmal die Barriere zwischen Baby und Aurums Überresten, und begann dann das Fleisch von den Knochen zu schälen Stückweise nach draußen zu befördern. Das Drachenfleisch ergab einen riesigen Vorrat, so dass sie selbst sich nach dessen Konservierung weniger Gedanken um ihre eigene Versorgung, als um die des Babys machen zu müssen. Nachdem Darc schon einen großen teil des Drachenfleisches heraus geschafft hatte, beendete Ayasha die Arbeit an dem Drachenleder allein und Tjara machte sich daran Rauchfeuer zur Abwehr der fliegen zu entzünden und das Fleisch zum Dörren und Räuchern auf schnell zusammen gebastelten Gestellen aufzuhängen. Über einem der Feuer briet sie auch gleich das Mittagessen.
Mit diesen Arbeiten vergingen dieser und auch die nächsten zwei Tage. Unverwertbare Teile verbrannten sie letztendlich mit einem Gebet an die Seele Aurums, dass sie diese Verfahrensweise mit ihrem Körper billigen würde. Obsidian fütterten sie mit Trockenfisch aus ihren Vorräten, oder auch mit frisch geschossenen Vögeln oder Kleinwild aus der Ebene, was sie zu einem Eintopf verarbeiteten, da das Drachenjunge noch nicht richtig kauen konnte. Da dies aber auf Dauer nicht ging, fertigten sie aus jungen biegsamen Birken aus dem Wäldchen und etwa der Hälfte der Drachenhaut ein Boot, um Fischen zu fahren. Da Darc zum Glück einen Vetter bei einem am Meer lebenden Stamm hatte, wußte er zumindest, wie man solch ein Kanu baut. Mit Hilfe von Wissen, Geschick und ein wenig Einfallsreichtum wurde es ein Prachtstück. Es glitzerte golden im licht der Sonne und erwies sich nach einigem zögerlichen Probefahrten sogar als seetauglich. Es war jedoch recht problematisch, das Kanu immer zum Meer hinunter zu transportieren, doch an dem schmalen, steinigen Strand gab es keinen Ort, wo es vor der Flut sicher gewesen wäre. Doch durch Zufall fand Tjara eine Lösung. Am Ende des Strandes gab es eine Höhle, die geflutet wurde, so dass darin ein etwa zwei Meter tiefes Becken entstanden ist. Der Boden stieg nach hinten an, so dass es am hinteren Ende die Sandbank nur bei extrem hohen Sturmfluten unter Wasser stand. Bei Ebbe konnte man entlang der Höhlenwand bequem bis nach hinten laufen. Dort würden sie das Kanu lagern.
Die drei entdeckten für die "Wasserhöhle" auch noch einige andere Verwendungsmöglichkeiten. Darc brachte in dieser Höhle Tjara und Ayasha das Schwimmen bei und später konnten sie bei einem guten Fang auch die erbeuteten Fische dort lagern, sie mußten dazu nur ein Netz quer über den schmalen Eingang spannen, damit sie bei Flut nicht wieder ins offene Meer gelangten. Mit der Zeit hatten sie auch einen geregelten Tagesablauf: Zwei Fischtouren am Tag, eine Morgens und eine am Nachmittag, wobei eine zu zweit und die andere allein gefahren wurde. Einer blieb immer bei Obsidian und lehrte sie zuerst sprechen, später in der Wasserhöhle Schwimmen, oder machte mit ihr auf der Ebene die ersten Flugversuche. Während der Einzeltour ging einer in der Ebene auf die Jagd, oder Pflanzen sammeln. Obwohl Tjara und Ayasha sich nun im Wasser behaupten konnten, blieben sie lieber trocken. Darc hingegen entwickelte einiges Talent im Perlentauchen, so dass sich in der Höhle dank ihm so einige Schätze anhäuften. Ayasha verbrachte ihre freie Zeit mit dem Sammeln von Pflanzen und der Beobachtung der Dinge zu Hause durch das Feuer. Einmal nahm sie auch Kontakt zu ihrer ehemaligen Lehrerin auf um ihrem Vater mitzuteilen, dass sie länger bleiben mußten. Tjara hingegen langweilte sich, wenn Obsidian schlief und sie auf sie aufpassen mußte. Aus lauter Langeweile bearbeitete sie die Felle und Häute des erlegten Kleinwildes und fertigte daraus Kleidung. Da sie in solchen Dingen keine Geduld hatte (obwohl sie auf der Jagd stundenlang still im Hinterhalt verharren konnte) wurde es nicht so viel, als dass sie es auf dem Rückweg nicht hätte mitnehmen können. Mit solchen Rhythmen vergingen zwei Monate. Dann änderte sich nur so viel, als dass Obsidian zusätzlich von älteren Drachen unterrichtet wurde.

Das Drachenjunge wuchs erstaunlich schnell und ebenso schnell lernte es. Nach den ersten zwei Monaten sprach es fließend die Muttersprachen von Tjara und Darc und lernte von Ayasha auch schon eine dritte. Sie schwamm und tauchte wie ein Fisch und war auch in der Luft recht sicher, wenn es auch mit der Landung noch haperte. Obsidian mochte alle seine drei Babysitter, doch eine spezielle Zuneigung entwickelte sie zu Ayasha. Sie hatte die meiste Ruhe und Zeit für das Junge und wurde dadurch so etwas wie eine Ersatzmutter. So ließ sie sich von Tjara auch später überreden mit Obsidian zu fliegen, obwohl sie sonst nicht der abenteuerlustige Typ war. Doch sie mußte feststellen, dass das Fliegen ihr unheimlich viel Spaß machte, ebenso wie dem Drachen selbst. So vergingen weitere zwei Monate und der Sommer neigte sich dem Ende zu. Obsidian hatte inzwischen schon fast ihr Endmaß erreicht und war in der Lage sich selbst zu versorgen. Bald würden sie sich auf den Heimweg machen müssen, wenn sie den Paß noch rechtzeitig vor dem Winter überqueren wollten. Doch diese Überlegungen erübrigten sich nur zu bald...
Tjara und Ayasha warteten in der Höhle auf Darc, der einen der wärmeren Tage, die langsam ein Ende fanden zum tauchen nutzte. Obsidian war eben von der Jagd gekommen und hatte sich in ihrer Schlafecke zusammengerollt um ein Verdauungsschläfchen zu halten. Ayasha hütete zwei Feuer. Über dem einen kochte ein Eintopf, über dem anderen sollten später Fische gebraten werden. Tjara saß daneben und nähte an einem mit Kaninchenfell gefüttertem Lederumhang, dessen Außenseite sie schwarz gefärbt hatte und nun noch mit Darcs Perlen verzierte. Es war schon der Dritte dieser Art, den sie anfertigte, denn im Gebirge würde es schon bald sehr kalt werden und es war auch nicht sicher, dass sie die Faeces noch einmal treffen würden. Plötzlich rutschte ihr die Nadel weg und das Blut tropfte heraus. An der Wunde saugend beschwerte sie sich bei ihrer Schwester: "Seit Monaten vertreibe ich mir schon die Zeit mit diesem Gefriemel und trotzdem passiert mir so etwas ständig. Wenn ich die Jagd und Darc nicht hätte, würde ich vollends vor die Hunde gehen. So langsam beginne ich Cousine Myria zu bewundern, die macht ja nun wirklich nichts anderes. Dabei hatte ich sie immer für schwach gehalten." - "Welch weise Worte aus deinem Munde Schwesterherz. Diese Reise hierher hat ungeahnte Talente bei dir zu Tage gebracht und ausserdem..." Ayasha konnte den Satz nicht beenden, da das freie Feuer sich zu einer blauen Stichflamme erhob, in der das Gesicht Ka-Ba-Lées erschien: "Ayasha, Mädchen höre mich. Großes Unheil droht deinem Vater! Ein alter Feind ist zurück gekehrt um ihn zu vernichten. Eile dich, denn wirst du es noch verhindern können!" Danach sahen sie noch Bilder von einer dreihundert Mann starken Streitmacht aufflackern, die sich langsam auf die Burg von Mezs zu bewegte. Dann erlosch sie wieder zu dem normalen Feuer.
"Was war das?" Darc hatte noch das letzte Aufflackern der Flamme erlebt und war nun sehr verwundert. Tjara erklärte ihm den Sachverhalt und wartete auch mit der für ihre Schwester neuen Nachricht auf, dass sie in spätestens zwei Tagen die Burg erreicht haben würden. Sie hatte nicht umsonst jahrelang die Wälder durchstreift und kannte jeden Winkel im Umkreis von vier Tagesritten.
Die Pläne waren schnell geschmiedet. Ohne die Flugkraft der Drachen, würden sie es nie schaffen, doch Obsidian konnte allerhöchstens einen auf solch eine lange Strecke mitnehmen. So nahmen sie all ihren Mut zusammen und fragten den Lord um Hilfe. Dieser war erstaunlich verträglich und hatte ein offenes Ohr für ihre Sorgen, doch konnte er keinem befehlen diesen Flug zu erledigen. Er sandte aber den Ruf nach Freiwilligen aus und bekam Antwort. Zwei der Drachen, die des öfteren Obsidian unterrichtet hatten, fanden sich bereit diesen anstrengenden Flug zu übernehmen. Es waren einer der Elfenbeinfarbenen namens Bonemaro und ein Drache, der die selbe nachtschwarze Farbe Obsidians besaß und Black Tear genannt wurde. Bei Sonnenaufgang sollte es los gehen. Der Schlaf wollte kaum kommen, doch letztendlich übermannte er sie doch.
Ein tiefer glockenartiger Ton weckte sie. Es war das verabredete Zeichen. In Windeseile schnappten sie sich ihre Bündel und liefen den Weg zur Ebene hinauf. Ihre Schlafrollen und Proviantbündel banden sie den Drachen um die Hälse, Schwerter, Bogen und Pfeile, sowie kleine Rucksäcke mit dem Notwendigsten behielten sie am Körper. Bevor sie auf den Rücken ihrer Drachen stiegen legten sie sich Tjaras Umhänge um (den letzten hatte sie am vorigen Abend mit Ayashas Hilfe noch schnell fertig gestellt) und dann ging es los. Ayasha flog mit Obsidian, Darc mit Black Tear und Tjara mit Bonemaro. Dieses erste Mal, durfte nicht nur Ayasha fliegen. Die anderen beiden waren begeistert. Die riesigen muskulösen Drachenkörper, auf denen sie saßen glitten ohne jede Mühe durch den Himmel wie Pfeile. Die riesigen Schwingen verursachten kaum einen Laut und wenn, klang es nur wie das Säuseln des Windes. Die Welt sah von hier oben um so vieles kleiner aus und so zerbrechlich. Das Gras war ein Meer aus Grüntönen, hier und da vom Dunkel eines Waldes durchbrochen. In der Ferne konnten sie auch den Halbkreis eines Lagers der Ancras ausmachen. Tjara bemerkte, dass Darc einen sehnsüchtigen Blick in diese Richtung warf. Sie konnte ihn verstehen, auch sie vermißte ihre Heimat und nun entfernte er sich noch weiter davon als bisher. Zum ersten Mal begann sie sich Sorgen zu machen, ob Darc, der die weiten grasbewachsenen Ebenen gewöhnt war, sich in den bewaldeten Hängen ihrer Heimat wohl fühlen würde. Sie war bisher davon ausgegangen, dass er ihr folgen würde, da sie fest entschlossen war, ihr Erbe anzutreten. Zunächst galt es, dieses Erbe zu retten.
Sie machten eine kurze Pause zur Mittagszeit und flogen dann weiter bis kurz vor das Gebirge, wo sie am Rande eines Wäldchens übernachteten. Sie hatten für eine Reise von Wochen nur einen Tag gebraucht. Tjara konnte es immer noch nicht glauben. Morgen würde sie zu Hause sein, endlich wieder zu Hause.

Darc war ebenso begierig Tjaras Heimat zu sehen, wie sie. Aber zuvor kam das Gebirge. Majestätisch ragte es vor ihnen auf. Im Licht der Morgensonne erstrahlten die Gletscher in sanften Licht und glitzerten wie tausend Diamanten unter ihnen. Menschen wie Drachen brachen in Ausrufe des Erstaunens aus angesichts dieser Pracht und Schönheit. Zu Mittag rasteten sie auf einem der kahlen Berghänge der Ödnis und zum ersten Mal sah Darc so viel Wald, wie noch nie in seinem Leben. Er überlegte, ob er es in diesem ihm so fremden Land aushalten könnte. Er liebte es über die Ebenen zu reiten, ohne Hindernis, immer dem Horizont entgegen, die donnernden Hufe unter ihm, den Wind in Gesicht und Haaren und das Gefühl haben zu fliegen. Er wußte zwar, dass auch dies nach einem Flug auf dem Drachen nie mehr das selbe sein würde, doch fragte er sich, ob dies auch hier möglich sein würde. Würde er jemals seinen Stamm und seine Familie wieder sehen und ausgelassene Feste feiern? Er wußte es nicht und all dem zum Trotz wollte er Tjara nicht verlieren. Eine Hand auf seiner Schulter riß ihn aus seinen Gedanken. Tjara setzte sich neben ihn: "Ich habe von Bonemaros Rücken aus einen Paß entdeckt, der zwar weiter südlich liegt, als der über den wir gekommen sind, jedoch können wir über ihn die Pferde sicher zur Burg bringen. Du kommst doch dann auch wieder mit, oder?" Da war sie, die Frage, vor der er sich so gefürchtet hatte, doch beim Blick in ihre smaragdgrünen Augen nickte er nur und sie lehnte erleichtert ihren Kopf an seine Schulter. Doch lange währte dieser Moment nicht, die Drachen drängten zum Aufbruch. So flogen sie weiter Richtung Mezs.

Tjara erklärte Bonemaro die Richtung und bei Anbruch der Dunkelheit erreichten sie die Burg, die schon den halben Tag von ihren Belagerern umzingelt war. Noch verschanzten sich die Burgbewohner und hofften, dass sie nicht Wochen würden warten müssen oder gar ausgehungert werden würden. Anders konnte man dieses alte, rundherum von dicken Mauern umgebene Gebäude nicht einnehmen. All dies sahen die drei Drachenflieger als sie um das Burggelände kreisten, durch den dichten Baumbewuchs für die Angreifer unsichtbar. Sie fanden alles so vor, wie erwartet und machten sich an die Ausführung ihres Planes. Obsidian war die kleinste und zudem in der dunklen Nacht nicht zu sehen. Sie würde auf der hinteren Burgmauer landen. Ayasha hatte dann eine halbe Stunde Zeit um einen Ausfall zu organisieren. So lange würden die anderen beiden Drachen noch kreisen und nichts tun. Nach Ablauf der Frist jedoch wollten sie aus dem Dunkel heraus die Belagerer mit Feuer angreifen und hoffen sie mit Hilfe des Ausfalls aus der Burg endgültig zu vertreiben. Aufgrund der Überzahl der Gegner wagten sie es nicht mit einem eindeutigen Sieg zu rechnen.
So drehte Obsidian lautlos ab und landete, durch ihre Farbe gut getarnt, glücklicherweise außerhalb der Burg unbemerkt. IN der Burg verbreitete die Ankunft des Drachen jedoch einiges Chaos und Ayasha hatte alle Hände voll zu tun, die Burgbewohner davon abzuhalten den Drachen umzubringen. Mit ungewöhnlich starkem Stimmeinsatz und der macht ihrer Autorität schaffte sie es sogar bevor ihr Vater herbeigeeilt kam. Mit dessen Hilfe bekam sie die Truppen sogar noch auf die Pferde, bevor Tjara und Darc den Angriff starteten und zudem hatte es Ayasha zudem noch geschafft die ganze Sache verhältnismäßig leise durchzuziehen. Alles hing am Überraschungseffekt.
Es gelang prächtig, besser als erwartet. Der Anblick von Bonemaros geisterhaft bleichem Körper am Himmel, sein Feuer und das des zuerst gar nicht bemerkten Black Tears stifteten zusammen mit Tjaras und Darcs Pfeilen heillose Verwirrung. Die beiden wußten ihre Geschosse aber auch mit gnadenloser Präzision zu setzen, so daß zwei Drittel der Belagerer schon längst Fersengeld gegeben hatten, bevor der Ausfall statt fand. So schlugen sie auch noch die letzten in die Flucht. Endlich konnten die Drachen landen und sich ausruhen. Total entkräftet schliefen sie auf dem freien Platz vor der Burg ein ohne sich auch nur einen Deut um den Trubel um sie herum zu scheren. Obsidian war schon lange vorher auf der Burgmauer in Morpheus Arme gesunken.
In der Burg hingegen herrschte noch lange reger Betrieb. Ayasha und Tjara mußten von ihren Erlebnissen und Darc von seinem Volk erzählen. Alle mochten ihn von Anfang an, mal von jenen abgesehen die sich selbst Hoffnung auf Tjaras Herz gemacht hatten. Von jenen wurde er aber zumindest respektiert, schließlich kam nicht jeder auf einem Drachen geflogen. So ging es bis in die frühen Morgenstunden, wo alle erschöpft in ihre Betten fielen. Nur Tjara schaute noch einmal beim Verwalter vorbei um für den Morgen eine gigantische Drachenfütterung zu organisieren, schließlich mußten sie ja zurück zum Meer.

Nach einem Tag Ruhepause und zwei Tagen Flug kamen Tjara und Darc wieder in Obsidians Höhle an. Ayasha war auf der Burg bei Feres geblieben, auch um Obsidian, die ja noch nicht ausgewachsen war, zu schonen. Dort plünderten die riesigen Echsen zunächst einmal die letzten Vorräte in der Wasserhöhle und verabschiedeten sich dann um zu schlafen. Auch Obsidian verkroch sich in ihre Ecke.
Mit gemischten Gefühlen betrachteten die Beiden, die Überreste ihres Abenteuers bevor sie zu packen begannen. Die Pferde waren noch da und würden ihnen beim Transport ihrer Habseligkeiten gute Dienste leisten. Nach getaner Arbeit lagen die beiden noch lange wach und schmiedeten Pläne für die Zukunft. Die Wälder hatten Darc unheimlich fasziniert und er würde zumindest für eine Weile kein Heimweh haben. Da Tjara sowieso des öfteren das Reisefieber packte, würden die beiden so manches Mal in die Ebenen reiten, da waren sich beide einig.
Bei Anbruch des neuen Tages sattelten sie die Pferde und wandten sich nach Hause. Zum zweiten Mal.

 

Hallo Jana!

Ich hab deine Fantasygeschichten schon gemocht, als ich sie zum erstenmal im BdT gelesen hab, und jetzt, wo ich zum zweitenmal über die "Zwillinge des Drachen" stolpere :) , gefallen sie mir immer noch genausogut!
Man muß sich Zeit nehmen für deine Geschichten; sie sind nichts zum Schnell-mal-drüber-lesen. Aber ich hab es nie bereut, mich darauf einzulassen, denn ähnlich wie Bo hast du das Talent, einen in deine Welten hineinzuziehen - so sehr, dass man am Ende der Geschichte bedauert, dass die Geschehnisse enden. Und gerade darum freue ich mich auch wahnsinnig mit dir mit über dein Geburtstagsgeschenk :) !

Ciao!

 

Hallo Noria Sturmtochter!

Heute habe ich mir Zeit für Deine Geschichte genommen. Sie ist zwar lang, aber sie gefällt mir von der Idee gut.

Aber trotzdem habe ich noch ein paar Dinge gefunden:

... Geschichtsschreibung zurückdachte (Zumindest die Chronik seiner Familie).
In einer Geschichte sind Anmerkungen, die in Klammern gesetzt sind meiner Meinung nach störend. Versuch' die Anmerkung in den satz einzubauen, z.B. als Nebensatz. Dann liest es sich besser.

Sie waren Zwillinge und am Tag des Drachens geboren. Dies geschah alle 200 Jahre.
Also die Zwillinge werden alle 200 Jahre geboren? Du meinst den Fluch, aber so klingt es, als ob die Zwillinge alle 200 Jahre geboren werden ;)

Sie bereitete sich auf einen anstrengenden Ritt vor, um ihre Schwester auf halbem Wege zu treffen, in einem Gasthaus am Rande des Bereiches der Meisterin Ka-Ba-Lée, deren Gebiet niemand ohne ihre Zustimmung betreten durfte, die jedoch Ayashas Talent entdeckt und gefördert hatte.
Langer, verschachtelter Satz mit viel Info drin. Mach zwei oder drei draus.

... schließlich auf, leichte Gegenstände flogen umher und die ...
Das mit den leichten Gegenständen klingt, als ob es aus einer Definition für eine gewisse Windstärke entnommen wurde. Also ziemlich theoretisch. Benenn' lieber die "leichten Gegenstände".

Ayasha und Tjara von Mezs, am Tag des Drachen geborene, ereilte nun euch das Schicksal einen Monat lang ein Drachenbaby der Drachen von den ...
Würde ich umstellen: ... ereilt Euch nun .... Das ereilte klingt komisch.

... doch Ayasha präparierte die Bündel und Taschen auf besondere Art und Weise, so dass das doppelte hinein passte, ohne dass sie merklich an Gewicht zunahmen.
Den Trick will ich auch können. Oder kann sie zaubern? Oder sind das magische Taschen? Auch wenn es sich um eine Fantasygeschichte handelt, möchte der Leser etwas aufgeklärt werden.

... Tjara sammelte Messer und Dolche wie andere Leute Mückenstiche!
Das heißt, sie kommen über Nacht und jucken wie die Hölle? ;) :D

Ihr Weg zum Gebirge verlief recht unspektakulär, nur einmal begegneten sie einer Horde Banditen, welcher sie jedoch mit viel List und Tücke ausweichen konnten.
Sie begegneten ihnen und wichen ihnen gleichzeitig aus? Faszinierend...

Vorsichtshalber ließ Ayasha sie auch ein widerlich schmeckendes Gebräu trinken, damit sie nicht ernsthaft erkrankte.
Da es widerlich schmeckend ist, muss es sich um Medizin handeln. :D Oder ist in dieser Welt alles heilsam, was furchtbar schmeckt?

Nur hier und da, konnten die Schwestern schmale dunkle Streifen ausmachen, die sich später als lichte Birkenwäldchen entpuppen würden.
Wieso würden? Tun sie es - oder würdes sie es tun, wenn...

Schließlich konnte der Dämon die ganzen Weiden in Brand stecken, was das schlimmste bedeutete, was sich ein Ancras vorstellen konnte: Der Verlust ihrer Existenzgrundlage!
Ich hätte da was anderes erwartet. Etwas besonderes. Weil es, egal welches Wesen oder welche Rasse, immer das schlimmst ist, was man sich vorstellen kann.
Was ich damit sagen will ist, dass Du mit dieser Formulierung Spannung aufbaust, die dann durch etwas "alltägliches" vernichtet wird. Man denkt, dass jetzt etwas interessantes über das Volk kommt, und dann das.

Diese waren seltsamer Weise - rund.
Ist nur eine Kleinigkeit, aber ich würde den Satz so schreiben: Diese waren - seltsamer Weise - rund.

Mit dem Untergehen der Sonne flackerten mehrere Lagerfeuer auf.
Klingt so, als ob jemand auf den Lichtschalter drückt, weil es dunkel geworden ist.

Zwar schoß sie mit ihrem Bogen noch immer Mahlzeiten, doch sie Wortkarg und in sich gekehrt.
Da fehlt ein war.

Damit starb sie und Tjara brach in Tränen aus, doch lange gestattete sie sich diesen Luxus nicht.
Besonders luxuriös finde ich es nicht, um einen Drachen zu trauern. Deshalb würde ich den Satz rauslassen.

Da Darc zum Glück einen Vetter bei einem am Meer lebenden Stamm hatte, wußte er zumindest, wie man solch ein Kanu baut.
Naja, allein einen Vetter dort zuhaben heißt noch lange nicht, dass er das Wissen hat. Schreib doch, dass er eine gewisse Zeit bei ihm gelebt hat.

Obsidian hatte inzwischen schon fast ihr Endmaß erreicht und war in der Lage sich selbst zu versorgen.
Der Begriff Endmaß klingt nicht gut. Wie wärs mit ausgewachsen?

Noch verschanzten sich die Burgbewohner und hofften, dass sie nicht Wochen würden warten müssen oder gar ausgehungert werden würden. Anders konnte man dieses alte, rundherum von dicken Mauern umgebene Gebäude nicht einnehmen. All dies sahen die drei Drachenflieger als sie um das Burggelände kreisten, durch den dichten Baumbewuchs für die Angreifer unsichtbar.
Sie sehen vom Rücken der Drachen aus sogar in die Voratskammern? :susp:

So drehte Obsidian lautlos ab und landete, durch ihre Farbe gut getarnt, glücklicherweise außerhalb der Burg unbemerkt. IN der Burg verbreitete die Ankunft des Drachen jedoch einiges Chaos und Ayasha hatte alle Hände voll zu tun, die Burgbewohner davon abzuhalten den Drachen umzubringen.
2 Fragen:
1. Wieso jetzt außerhalb?
2. Wie können die Burgbewohner dann versuchen den Drachen umzubringen, wenn er a) außerhalb der Burg und b) gut getarnt ist?

... ungewöhnlich starkem Stimmeinsatz und ...
... zudem noch geschafft die ganze Sache verhältnismäßig leise durchzuziehen.
Interessant.

Zum Thema Schlacht am Ende:
Du schreibst, dass 2/3 der gegnerischen Armee verjagd wurde bevor der Ausfall begann. D.h., dass später sicherlich noch mehr entkommen sind. Meinst Du nicht, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass sich der Rest (ca. 3/4 der Armee) nicht wieder irgendwo sammelt und wartet? Vorallem wenn die Drachen nach ein paar Tagen wieder abfliegen, können sie die Burg wieder angreifen. Das erwähne ich deshalb, weil ich der Meinung bin, dass auch in Fantasygeschichten der Realismus nicht zu kurz kommen darf.

Ansonsten bleibt noch zu sagen, dass in der Story noch einige Rechtschreibfehler stecken, die darauf warten von Dir gefunden zu werden.

Aber, wie schon gesagt, die Geschichte hat mir im großen und ganzen gut gefallen.

 

Hallo Noria Sturmtochter,

bei deinem Text "Soraya" wurdest du auf die Notwendigkeit des Korrekturlesens hingewiesen, du hast entsprechende Tipps erhalten und du hast dich einsichtig gezeigt.

Du hast diesen Text aus dem Special/Serien-Bereich wieder hervor geholt. Meine Annahme - zu deinem Gunsten - war jetzt natürlich, dass du die Tipps auch befolgt hast. Leider muss ich feststellen, dass das nicht der Fall ist. Du hast die Einleitung gestrichen und das war's.

Ich bin mich nicht sicher, ob dir eigentlich bewusst ist, welche Art von Fehlern du dem Leser zumutest.

Beispiele, sozusagen die negativen Highlights, nur und gerade aus dem ersten Absatz:

soweit die Geschichtsschreibung zurückdachte
zurückreichte

Sie waren Zwillinge und am Tag des Drachens geboren. Dies geschah alle 200 Jahre.
Siehe Abraxas' Anmerkung.

Seit dem muß alle zweihundert Jahre nach seinem 20. Geburtstag das Kind des Erben
Also im Alter von 220.

Dies sind alles Fehler, die nichts mit Stil oder Rechtschreibung zu tun haben. Es sind Fehler, die du vermeiden könntest, wenn du ein kleines bisschen über dein Geschriebenes reflektieren würdest.

Klaus

 

Diese Geschichte ist noch nicht überarbeitet, aber ich wollte erst m,al die Meinungen dazu hören wie sie war, weil sie gar nicht bei Special/Series war, sondern schlichtweg gelöscht, nachdem ich über die Suchfunktion das gesamte kurzgeschichten.de hab durchsuchen lassen. Abi und die Vorbereitungen zu meiner Reise jetzt waren mir momentan wichtiger. Ich mach das Überarbeiten danach, versprochen!
Noria

 

Wow...
Wunderschöne Geschichte, regelrecht zum Hineintauchen, in einem Zug Durchlesen und sich Ärgern, dass es schon zu Ende ist... ;)
MFG
Lazarus

[ 10.05.2002, 19:00: Beitrag editiert von: Lazarus ]

 

Hi Noria Sturmtochter!

Mir hat deine Story auch echt gut gefallen. Allerdings sind mir einige Rechtschreibfehler (vor allem GROß und klein- Schreibung) aufgefallen. Die Idee fand ich gut, obwohl ich gleich nachdem sich die Zwillinge mit Darc treffen geahnt hab, dass Tjara und er zusammenkommen. An ein paar Stellen sind mir Wiederholungen aufgefallen

Ayasha entdeckte jedoch bald, dass sie noch interessantere Dinge entdeckte, wenn sie ihren Blick auf den Boden richtete.

... und zudem hatte es Ayasha zudem noch geschafft die ganze Sache verhältnismäßig leise durchzuziehen.

Außerdem waren ein paar Stellen, die sehr kompliziert formuliert waren, so dass ich sie mehrmals durchlesen musst um zu verstehen, was du damit sagen willst.
Machs Gut

Judy

 

Was kann man dazu sagen?
Wow!
Die Geschichte kann man wirklich als super bezeichnen. Wäre sie nicht so lang, würde ich sagen, dass man noch an einigen Stellen genauer erzähln kann. Die genauen Orte finde ich jetzt auf der Stelle nicht.
Ansonsten wirklich! Ein großes Lob!
Bis dann!
Caro

 

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