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Zum Glück verwählt

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23.05.2003
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Zum Glück verwählt

Bereits den ganzen Tag brannte die Sonne durch das Fenster des kleinen Büroraumes und Lea sehnte sich beim Anblick des riesigen Stapels von Akten auf Ihrem kaum noch als solchen zu identifizierenden Schreibtisches danach, wenigstens nach Feierabend die wärmenden Strahlen des Frühlings in sich aufnehmen zu können. Pustekuchen! Pünktlich zum Arbeitsende bauten sich am Horizont dicke graue Wolken auf, die nur darauf zu warten schienen, endlich den aufgestauten Regen auf Leas Haupt zu entlassen. Es waren nur wenige Schritte bis zu Ihrem Auto, kurz über die Stadtstraße auf den angrenzenden Parkplatz. Wie lang dieser Weg aber sein konnte, wurde Lea schlagartig bewusst, als sie die Ausgangstür des Bürogebäudes öffnete und die Wolken genau das taten, was sich im Vorfeld bereits abgezeichnet hatte. Völlig durchnässt erreichte sie den Zebrastreifen, der sie sicher auf die andere Straßenseite führen sollte. „Du Idiot“ schrie Lea auf, nachdem einer dieser jugendlichen Rowdies sich einen Spaß daraus gemacht hatte, durch die tiefe Pfütze vor Ihren Füßen zu fahren. Einem Schlammmonster ähnelnd setze Lea, sich wütend eine Strähne aus dem zarten Gesicht streichend, schnaubend ihre „kleine Odyssee“ fort.

Während Lea kopfschüttelnd direkt in ihre Waschküche schlurfte, hinterließ sie auf den frisch gewischten weißen Fliesen erdfarbene Fußabdrücke, die sogleich wie kleine Flüsse in die Fugen rannen und geradewegs auf den neuen Wohnzimmerteppich zusteuerten. Mit einem resignierenden Seufzer wandte sich Lea ab. Vom Pech verfolgt gab Ihre Waschmaschine nach dem Einschalten nur ein klägliches „Uff“ von sich und verabschiedete sich anschließend röhrend aus der Welt der Lebenden. Seitdem sie sich vor einem Jahr von Markus getrennt hatte, schien sie das personifizierte Unglück zu verfolgen. Kaum ein Tag verging, an dem nicht irgendetwas kurioses über Lea hineinbrach. Heute war es also die Waschmaschine, oder das was davon übrig war, morgen würde wahrscheinlich Ihr Auto dran glauben müssen.
Haltlos ließ sich Lea auf den nahen Wäscheberg fallen um Ihre Gedanken zu ordnen. Tränen sammelten sich in Ihren Augenwinkeln und wurden von einem sehnsüchtigen Schluchzen begleitet. Gerade in solchen, mittlerweile sehr häufig eintretenden Momenten wurde ihr stets schmerzhaft bewusst, wie sehr ihr doch ein liebender Partner fehlte, der sie nach solchen Erlebnissen in den Arm nahm, zärtlich ihre weiche Haut streichelte, ihr mit reinen Blicken seine innige Liebe zeigte oder im Falle eines Falles, auch mal eine Waschmaschine reparieren konnte, ohne gleich flehend die Telefonnummer eines Technikers in den Himmel zu flüstern. Doch was sollte sie tun, beruflich stark eingespannt, fehlte ihr die nötige Zeit neue Bekanntschaften zu schließen, die auch nur ansatzweise vermochten etwas ernsteres zu verheißen. Während der Arbeit war sie zwar stets gezwungenermaßen durch die Bearbeitung riesiger Aktenberge abgelenkt, doch schon mit dem aufschließen Ihrer Wohnung schlich sich diese schmerzende Einsamkeit und Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit wieder in ihren mit Blättern des Zweifels bedeckten Seelengarten.

Langsam verschwand der Ansturm Ihrer Emotionen und Lea wischte sich entschlossen die Tränen aus ihrer verweinten aber dennoch sehr anmutigen Gesichtspartie, griff zum Telefon und wählte noch etwas vor innerer Erregung zitternd die Nummer des ihr bekannten Technikers. Am anderen Ende der Leitung erwachte ein fröhliches „Moin“. Leicht irritiert begann Lea in einem scheinbar nie endendem Wortschwall ihr Problem mit der altersschwachen Waschmaschine zu schildern. Obwohl eine fachkundige Meinung erwartet, vernahm Sie nur den Schall der Worte „Ah ja“. „Wie ah ja“, hakte Lea verunsichert nach. „Ah ja eben, tut mir leid für Ihr Problem, aber was wollen Sie denn jetzt von mir?“ flüsterte die warme Männerstimme für Leas Eindruck etwas ironisch, wenn nicht schon schadenfroh nach. „Wollen Sie mich verulken?“, Lea reagierte gereizt. „Ich stehe hier am Rande eines Nervenzusammenbruches, weil meine Waschmaschine sich gerade ins Nirwana begeben hat und Sie? Sie werden hier auch noch frech zu mir.

„Weiß Ihr Chef eigentlich, wie sie mit ihren Kunden umgehen? „Welcher Chef?“, entgegnete der Witzbold amüsiert. „Vielleicht sollten Sie beim nächsten Mal einfach auf die Tastatur ihres Telefons schauen, bevor Sie wildfremden Menschen Vorhaltungen machen?“ „Na?“ Lea lief puterrot an, schrie empört über dessen Unverfrorenheit „Blödmann!“ und knallte den Hörer aufs Telefon.
Wieder schien sie den Tränen nahe zu sein, ihr Körper bebte vor Anspannung. Lea lief unruhig und lautfluchend über das unmögliche Benehmen dieses Kerls durch die Wohnung. Plötzlich stockte ihr der Atem. Eigentlich war sie es doch gewesen, die mehr als unfreundlich die Ohren des Mannes malträtierte. Im nachhinein erschien er ihr doch irgendwie ziemlich nett, vielleicht etwas sehr sarkastisch, wenn sie an ihr Problem dachte. Aber diese Stimme, diese warme Stimme, einfach zum dahinschmelzen. Lea grübelte und fuhr sich mit Ihrem Zeigefinger über ihre vollen Lippen. Sollte sie sich vielleicht doch entschuldigen?

Mit zitternden Fingern griff Lea zum Hörer und drückte die Wahlwiederholungstaste. Wieder dieses erfrischende „Moin“, dass wie ein warmer Sommerregen in ihren Ohren verhallte. Jaa, ähm hallo, stotterte sie, hier bin ich noch mal. Die zickige Dame mit der dahingesiechten Waschmaschine. Ich wollte mich eigentlich nur kurz für mein Verhalten bei Ihnen entschuldigen, sie konnten ja wirklich nichts für mein Versehen.“ „Natürlich nehme ich ihre Entschuldigung gerne an“ entgegnete Ihr die Stimme. „ zumal selbst das „Blödmann“ aus ihrem Munde so weich und anmutig klang, dass es mir den Atem zu rauben schien“ Lea schluckte, dieser Mann hatte ihr doch tatsächlich ein , belebend durch ihren ganzen Körper streichelndes Kompliment geschaffen. Aus der tiefsten Kammer ihres verwundeten Herzen fuhr sie per Express in den siebten Himmel. Seine Stimme war einfach der pure Wahnsinn, jedes seiner Worte ließ ihr einen kalten, aber angenehmen Schauer über den Rücken laufen, vermochte gar ewiglich in Ihren Ohren zu verhallen.

Ehe sie sich versahen, waren Lea und Elias, so hieß der vermeintliche Techniker, angeregt in ein sehr interessantes Gespräch vertieft. Er wohnte nur einige Kilometer von ihr entfernt und arbeitete erstaunlicherweise ebenso auch nur ca. 3 Minuten zu Fuß von ihrer Arbeitstelle entfernt. Zu Leas Freude war Elias selber unglücklicher Single und sehnte sich ebenso wie sie nach einem liebevollen und nachsichtigem Partner, der seinem Gegenstück seine Liebe in jedem noch so kleinem Moment offenbarte. Als Lea viele Stunden später mit verträumten Blick und einem seligen Seufzer den Hörer niedersinken ließ, bemerkte sie ihren elektrisierten Körper und dieses wohlige Kribbeln, dass bei jedem Gedanken an ihn durch ihre Venen fuhr. Konnte es sein, dass dieses bloße Telefonat mit einem eigentlich unbekannten, scheinbar längst verlorene Gefühle in ihre geweckt hatte?

[Textlänge überprüfen]Options: URLs automatisch umsetzen: Setzt und um IAm nächsten Morgen zeigten sich in Form von tiefen Ringen unter Leas Augen offensichtliche Nachwirkungen der nächtlichen Plauderei ab. Selbst das wirksamste Make?Up schien nicht mehr verhindern zu können, das Lea sich in diesem visuellen Zustand auf den Weg zur Arbeit begeben musste. Widerwillig und etwas mürrisch aber dennoch ein süßes Lächeln auf den Lippen tragend öffnete Lea ihre Haustür und genoss das erste mal seit langem die Stille und den Duft, der gerade erwachten Natur, bevor Sie zielsicher auf Ihr Auto zusteuerte. Stetig kreisende Gedanken um diesen vermeintlichen Traummann bereiten Ihr nicht gerade eine sichere Autofahrt. Wann würde Sie wohl wieder mit Elias telefonieren können, wann ihn vielleicht persönlich treffen, würde Sie seinen Erwartungen, er äußerlich dem entsprechen, was seine beruhigende Stimme verhieß? Würde er ebenso empfinden wie sie, ebenfalls ein stetig wachsendes Kribbeln spüren?

Als Lea kurze Zeit später tief in ihren Akten vergraben mit verzweifelt herbeigeführter Konzentrationsfähigkeit Vorgänge bearbeitete, flatterte ein Schreiben quer über Ihren Tisch. Ohne groß Notiz davon zu nehmen, setzte sie ihr Tun fort. Erst als Lea sich nach einem heruntergefallenen Bleistift bückte, konnte Sie ein Paar Füße vor Ihrem Schreibtisch erkennen, erschrak und schlug sich beim plötzlichen Aufrichten den Kopf am Schreibtisch. Schon sammelten sich fieseste Hasstiraden in ihrem Kopf und wollten gerade den Weg durch ihren Mund in das Ohr des Fußbesitzers finden, da durfte Sie einem ihr bestens bekanntem fröhlichen „Moin“ lauschen.

Durch wildes Pochen des Herzens verflog der Schmerz so schnell wie er gekommen war. Sie traute Ihren Augen nicht. Zur warmen Stimme gesellte sich ein hochgewachsener junger Mann mit weichen Gesichtszügen und strahlenden Seelenfenstern, die sowohl wie tiefblaue Ozeane betören zu schienen als auch durch ebenfalls tiefe Ringe amüsierten. Mit verschmitzen Lächeln fragte sie auf Form bedacht: „Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“ Die zum küssen einladenden Lippen antworteten: „Ich hörte, ihre Waschmaschine sei kaputt, da wollte ich Ihnen ein günstiges Angebot unterbreiten, dieser Zettel da links von ihnen, fast verschwunden unter dem Aktenturm.“ Lea lächelte aufgeregt und sah sich das Schriftstück genauer an auf dem zu lesen war: Für die Ausführung der von Ihnen gewünschten Dienstleistung berechnen wir Ihnen nach Absprache folgende Leistungen: 1 Abendessen, ein langer Spaziergang und ein Kribbeln auf Lebenszeit! Lea musste tief Luft holen um nicht die Besinnung zu verlieren. Sie richtete sich auf und ging etwas schwindlig auf Elias zu.

Kess fragte Sie: „Ein Abendessen kann ich mir ja noch vorstellen, aber wie möchten Sie mit meiner Waschmaschine spazieren gehen?“ Elias schaute etwas verwirrt und begann laut zu lachen, dann wurde sein Gesicht wieder etwas ernster, er trat einen Schritt auf Lea zu und schaute ihr tief in fragende Augen, in denen er sich verlieren konnte. „Ich möchte dich, Lea. Nur Dich. Als ich gestern das erste mal Deine Stimme hören durfte, war es bereits um mich geschehen. Nun, wo ich all meinen Mut zusammengenommen habe und den Schritt tat, Dich einfach aufzusuchen, weil mein Herz vor Sehnsucht brannte, bin ich mir sogar vollkommen sicher, dass Deine Waschmaschine Schicksalsengel gespielt hat. Leas Lippen begannen zu beben und im selben Moment sammelten sich kleine Tränen in Ihren Augenwinkeln.

„Ich nehme Ihr Angebot sehr gerne an“, erwiderte sie mit zittriger Stimme und umschloss seinen Körper mit einer liebevollen Umarmung. Elias´ zarte Hände zogen zaghaft ihr Kinn in Augenhöhe und beide tauchten durch einen innigen Kuss in eine ihnen bis daher unbekannte Traumwelt ein. Während dieses unendlich befreienden Kusses keimte dieses vielsagende Gefühl zwischen Ihnen auf, das beiden unmissverständlich klar machte, dass Ihre Liebe für die Ewigkeit bestimmt war.

 
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Hallo justbesmiling und herzlich willkommen auf der Seite hier. :-)

Bei Deiner Geschichte hat mich schon die Überschrift verwirrt: Soll das wirklich "Num" heißen? Oder nicht doch vielleicht eher "Zum"? :confused:

Der Rest der Story ... nun, flüssig geschrieben, gut lesbar, aber inhaltlich entschieden zu süßlich. Alleine der letzte Satz jagte mir Schauer über den Rücken - allerdings nicht aus romantischer Verzückung, sondern weil ich ihn so übertrieben fand wie einen Eimer mit Zuckerguss.
Ich bin die Letzte, die nicht an solche Zufälle, aus denen dann die große Liebe hervorgeht, glaubt, meine eigenen Beziehungen sind immer auf solch unkonventionellem Weg zustandegekommen.
Aber grundsätzlich bleibt so etwas eine Seltenheit und dass das Paar bereits beim ersten Kuss die ewige Liebe spürt, wirkt auf den Leser einfach nur plakativ. Mir würde es völlig reichen, wenn sie sich kennelernen und starke Sympathie fühlen und sich zum Schluss in die Augen sehen und beide erahnen, dass sie beginnen sich wirklich ineinander zu verlieben ... oder irgend so etwas. Aber das mit der ewigen Liebe ist die unsensible Holzhammer-Methode, die für meine Begriffe jegliche Romantik raubt. Der Leser solte doch eher spüren was die beiden empfinden, sollte es aus ihren Blicken, ihren Gesten, ihren Worten erahnen ... aber nicht nicht am Ende diesen Satz hingeklatscht bekommen, dass die zwei sich jetzt gefälligst in alle Ewigkeit lieben werden. Das möchte ich aus dem was die zwei erleben vermuten - aber nicht einfach gesagt bekommen.

Schwwer zu beschreiben was ich meine, aber vielleicht kommt es ja dennoch rüber.
Für meinen Geschmack wird hier jedenfalls das Unrealistische zu selbstverständlich dargestellt. Eine Heile-Welt-Story in der Mann und Frau sich treffen und dann für alle Zeit miteinander glücklich sind. Ist mir zu einfach gestrickt.

Noch eine formale Anmerkung: Das "sie" und "ihre" etc wenn Du von den Personen sprichst wird, außer am Satzanfang und in der direkten Anrede bei der Höflichkeitsform natürlich, klein geschrieben; bei Dir fälschlicherwise zwischendurch immer mal wieder groß, z.B. hier:

Wann würde Sie wohl wieder mit Elias telefonieren können, wann ihn vielleicht persönlich treffen, würde Sie seinen Erwartungen,
und arbeitete erstaunlicherweise ebenso auch nur ca. 3 Minuten zu Fuß von ihrer Arbeitstelle entfernt.
Zahlen bis einschließelich Zwölf werden in Prosatexten gewöhnlich ausgeschrieben, weil das lesefreundlicher ist.


Liebe Grüße und viel Spaß noch auf KG.de,
Ginny

 

Hallo Ginny,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort auf meine kleine Geschichte.

Nun ja, die Fülle Deiner Kritikpunkte hat mich natürlich erst einmal umgehauen, aber Du hast schon recht und bin ehrlich gesagt froh über solche Arten von Verbesserungsvorschlägen. Mit Sicherheit werde ich mir den einen oder anderen Ratschlag von Dir zu Herzen nehmen. Also vielen Dank und bitte weiterhin Deine Reaktion auf von mir veröffentlichte Geschichten in Antworten niederschreiben.
Viele Grüße Just

 
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Hallöchen nochmal,

das freut mich natürlich, wenn Du mit den Kritikpunkten etwas anfangen kannst. Zumal es ja überwiegend nur meine Meinung widerspiegelt und nicht jeder Leser das zwangsläufig auch so sehen muss. ;-)

Eine Sache hatte ich vergessen: Da steht eine Zeile in Deinem Text die da wohl irrtümlich hineingeraten ist, nämlich:

[Textlänge überprüfen]Options: URLs automatisch umsetzen: Setzt und um I
, etwa in der Mitte der Story. Zum editieren einfach auf "Bearbeiten" rechts unten am Posting klicken und dann kannste das entfernen. :)

lg
Ginny

 

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