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Zuhause

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03.04.2003
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Zuhause

Zuhause

Sie läuft den Weg hinab, weg von diesem Haus.
Nie wieder wird sie sich umschauen, nie wieder zurückgehen, sagt sie sich.
Doch bis jetzt hat sie es noch nie geschafft.
Bis jetzt ist sie immer wieder zurückgekommen, in der Hoffnung, es würde besser werden.
Doch es wurde jedes Mal schlimmer.
Warum dachte sie immer, sie hätten sich geändert?
Sie ändern sich nicht mehr.

Nie wieder will sie zurückschauen.
Wie ist alles so gekommen? Waren sie nicht eigentlich immer nett zu ihr?
Ihre Eltern hatten sie nie geschlagen. Sie haben auch ihre Fürsorge nie übertrieben.
„Warum bin ich so geworden, wie ich bin?“, fragt sie sich.
Ihr Versuch, aus der Hölle zu entfliehen, die sich Elternhaus nennt, wird immer eine hoffnungslose Flucht sein, weil sie ihre Wurzeln nicht verleugnen kann. Aber sie probiert es immer wieder.

Ihre Eltern haben doch eigentlich nichts getan.
Aber vielleicht ist gerade das ihr Problem. Ist es ihnen nicht möglich, ihr zuzuhören, wenigstens ein bisschen Interesse an ihren Hobbys und Freunden zu zeigen?
Nie haben sich ihre dafür interessiert, wo sie nachmittags hingeht.
Sie haben eine Uhrzeit mitgegeben und dann kam sie einigermaßen pünktlich wieder.

Sie hat noch nie Freunde mit nach Hause gebracht.
Fremde Leute in ihrem Zimmer - nicht auszudenken.
Ihre Mutter geht oft in ihr Zimmer.
Ihre Mutter sucht auch nach bestimmten Büchern in ihren Schränken.
Aber das ist überall so. Eltern dürfen doch in die Schränke der Kinder gucken. Schließlich haben sie die Schränke bezahlt.
Warum ist sie so geworden wie sie ist?

Nie wieder will sie sich umschauen.
Doch sie dreht sich um. Schaut den Hügel hinauf zu ihrem Haus.
Sie sieht das Fahrrad ihrer kleinen Schwester am weißen Gartenzaun lehnen. Das kleine Kind schaukelt vor dem perfekten Haus ihrer Eltern.
Dort oben - Zuhause?
Sie dreht um. Langsam schlendert sie zurück.

Ihre Mutter hängt Wäsche im Garten auf und lächelt ihr hinterher.
„Da bist du ja wieder“, sagt die Mutter.

 

Wer weiss, vielleicht hat sie ja mal die Kraft zu fliehen!

Hallo Wiebke!
Man spürt die innere Zerrissenheit der Protagonistin. Manchmal würde ich das fast ein bisschen mehr betonen, die Wunden mehr bluten lassen.

„Da bist du ja wieder“, sagt die Mutter, als sie im Haus verschwindet.
Den letzten Teil würde ich weglassen, es wirkt stärker: "Da bist du ja wieder", sagte die Mutter.

Dort oben - Zuhause.
:confused: Die Protagonistin fühlt sich ja eigentlich nicht zuhause, dort oben. Ist es nun das Zuhause der kleinen Schwester?

...weil sie ihre Wurzeln nicht verleugnen kann.
Dieser Ausdruck ist schon etwas abgenutzt, finde ich. Ist aber Geschmackssache. :)

Alles Gute,
Manuela

 

Hallo Manuela,
danke für deine Kritik. Bei dem letzten Satz hattest du recht. Habe ich auch gleich so geändert. Ähm, bei dem "Zuhause" habe ich aus dem Punkt ein Fragezeichen gemacht, ich wollte eigentlich - schwierig zu beschreiben, ich müsste dir das Wort so vorsprechen - disen ironischen Tonfall rüberbringen. Vielleicht ist es ja jetzt deutlicher.
Schönen Gruß
Wiebke

 

Hallo WibiB,

eine schöne Geschichte, in der man sich auch fragt, ob sie nicht nur den ganz normalen Generationskonflokt personalisiert ;)
Die Grenzüberschreitung, einfach an die Schränke zu gehen, ist jedenfalls ein einleuchtender Grund zur Flucht, auch wenn nur schemenhaft deutlich wird, dass deine Protagonistin wahrscheinlich vorher andere Wege versucht hat, das zu unterbinden.

Nie haben sich ihre dafür Eltern wo sie nachmittags hingeht.
Der Satz ist dir glaube ich ein bisschen durcheinander geraten. Wahrscheinlich wolltest du schreiben:

Nie haben sich ihre Eltern dafür interessiert wo sie....

Lieben Gruß, sim

 

HI sim, danke für deine Kritik!!!
Den Satz habe ich wohl zu oft verändert. Werde das sofort ändern.
Danke
Wibi

 

Noch mal Hallo!
Ach so. Ja, der Satz leuchtet mir schon viel mehr ein! Danke!

Liebe Grüsse,
Manuela

 

hi wibi,

also - das ist eine interessante geschichte.
es geht um nestflucht - ein gefühl, das für heranwachsende ein ganz normales phänomen ist - nur ... , und das hast du sehr schön in deiner geschichte dargestellt, können die jugendlichen dieses gefühl nicht konkretisieren. sie versuchen, den grund zu finden, und dann kommen solche hilfsgründe zustande, wie du sie in deiner geschichte aufgezeichnet hast:

Ist es ihnen nicht möglich, ihr zuzuhören, wenigstens ein bisschen Interesse an ihren Hobbys und Freunden zu zeigen?
Nie haben sich ihre dafür interessiert, wo sie nachmittags hingeht.
während der inhalt und das thema mich begeistern können, finde ich auf der anderen seite die umsetzung ziemlich lahm. der teenager kommt mit seiner sprache ungewöhnlich nüchtern rüber. wieso? lass sie doch mal so richtig jugendlich, sprachlich ausflippen.
das andere ist .. die konfliktdarstellung ist doch viel zu kurz - da müssen vom mädel noch viel mehr überlegungen kommen.
das ende finde ich dagegen schon wieder ausgesprochen gut gewählt. sie kehrt um!

eine formfrage:

Sie läuft den Weg hinab. Weg von diesem Haus.
ich weiss, dass "Weg" hier wegen der unterschiedlichen bedeutung und aussprache nicht doppelt ist, aber der leser stolpert trotzdem darüber, er fängt an über das kleine wortspiel nachzudenken, und entfernt sich dadurch ein wenig vom inhalt der geschichte.

fazit: interessante geschichte, an der aber ruhig noch etwas gearbeitet werden dürfte!

bye

barde

Nie wieder will sie zurück schauen.
"zurück schauen" zusammen

Sie haben eine Uhrzeit mitgegeben und dann kam sie einigermaßen pünktlich wieder.
hinter "haben" ein "ihr" ?

Warum ist sie so geworden wie sie ist?
hinter "geworden" ein komma

 

Hallo Barde, danke für deine Kritik und die Verbesserungsforschläge. Ich wollte den Charakter meiner Protagonistin mit absicht ruhig halten. Sie soll eine ruhige junge Frau darstelllen, auf der Suche nach sich selbst, nicht ausgeflippt und noch mitten in der Pubertät. Sie ist wohl eher gerade durch ihre Suche nach dem eigenen ich ein ruhiger Mensch, der alles, schönes und schlimmes, genau beobachten will um es in sich aufzunehmen.
Schönen Gruß,
Wibi

 

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