Mitglied
- Beitritt
- 08.07.2002
- Beiträge
- 322
- Zuletzt bearbeitet:
- Kommentare: 13
Zimmer 206
„Man erzählt sich viele Geschichten über das alte Landhaus am Gloria Lake. Fest steht nur, dass dort vor einigen Jahren ein Mord geschehen ist.“
Die beiden Mädchen schauten sich zuerst etwas verwirrt an, dann grinsten sie dem Fahrer des roten Kleinwagens frech ins Gesicht.
„Ach komm Casper, deine Schauermärchen waren auch schon mal origineller“, fuhr die eine ihn spöttisch an.
„Jetzt hör doch erst mal zu Samantha....die Geschichte geht noch weiter.“
Das farbige Mädchen rückte seine Brille zurecht und rollte mit den Augen.
„Na dann, lass mal hören“, sagte die andere.
Der junge Mann konzentrierte sich wieder auf die schmale Landstraße, die sich wie ein grauer Faden durch den dichten Wald schlängelte.
„Angeblich wurde in einem der Zimmer- ich glaube es war die Nummer 206- eine junge Frau erstochen.“
Das dunkelhäutige Mädchen lachte hämisch.
„Natürlich muss es eine junge Frau gewesen sein. Am besten noch blond und vollbusig, was Casper?“, stichelte ihn Samantha an und zwinkerte gleichzeitig ihrer Freundin zu.
Der junge Mann schüttelte bloß grinsend den Kopf und fuhr fort.
„Sie hatte dort auf ihren verheirateten Geliebten gewartet. Dieser wollte sich um genau zwei Uhr nachts mit ihr treffen. In dem besagten Zimmer wollten beide einen Neuanfang wagen. Er hatte ihr versprochen, Frau und Kinder zu verlassen um mit ihr eine neue, gemeinsame Zukunft zu beginnen...“
Samantha brach wieder in schallendes Gelächter aus.
„Das wird ja immer besser. Sind das irgendwelche Machofantasien deiner High School Kollegen?“
Die zierliche Person auf dem Beifahrersitz drehte sich zu ihrer Freundin um.
„Lass ihn doch erst mal erzählen Sam.“
Casper drehte sich zur Seite und lächelte das rothaarige Mädchen verschmitzt an. „Danke Schatz, die hält ja sonst nie ihre große Klappe.“ Im nächsten Moment musste er sich einen Schlag auf den Hinterkopf gefallen lassen. “
„Also, wie ging es weiter?“, erwiderte Sarah scheinbar wirklich interessiert.
Samantha seufzte einmal laut auf und machte es sich anschließend auf dem Rücksitz gemütlich.
„Die junge Frau hatte schon den Sekt kaltgestellt und das Zimmer mit zahlreichen Kerzen ausgeschmückt, als um Punkt zwei Uhr nachts die Türe aufgeschlossen wurde.“
Casper versuchte in seiner Stimme eine unterschwellige Spannung aufzubauen.
„Doch war es nicht ihr Geliebter der den Raum betrat, sondern seine schwarzgekleidete Ehefrau. Mit einem großen Küchenmesser in der Hand...“
„Wer denkt sich nur immer solche kranken Geschichten aus?“, meldete sich nun Samantha wieder zu Wort.
„Jedenfalls kam es nicht zu einer Aussprache zwischen den beiden. Die Ehefrau stach dreimal mit dem Messer auf ihre Kontrahentin ein und verließ danach das Zimmer.“
Sarah schüttelte den Kopf.
„Das ist ja grausam.“
„Und das ist noch nicht alles“, fuhr Casper fort.
„Die schwerverletzte Frau kroch noch bis zur Zimmertüre, als sie schließlich, in ihrer eigenen Blutlache liegend das Bewusstsein verlor und starb.“
Auf Caspers Gesicht lag ein rubinfarbener Schimmer, als das Licht der Abendsonne die hohen Baumwipfel durchflutete und die Umgebung in ein tiefes Bordeauxrot tauchte.
„Die Leiche wurde einen Tag später von der Polizei geborgen. Der Mörder allerdings wurde bis heute nicht gefasst.“
Casper musterte seine Freundin und freute sich schweigend über deren Verunsicherung.
„Allerdings erzählt man sich Geschichten über unheimliche Ereignisse, die auch Monate nach der Tragödie nicht aufhörten.“
Der junge Mann versuchte ernst und ängstlich zu wirken.
„Angeblich haben Gäste des Hauses des nachts unheimliche Lichtsignale im Zimmer 206 beobachtet.“
Casper musterte Samantha durch den Innenspiegel. Das schwarze Mädchen schaute ihn gelassen und ein wenig gelangweilt an.
„Und da wollen wir heute wirklich übernachten?“
Casper grinste seiner Freundin ins Gesicht.
„Da hat doch wohl niemand Schiss bekommen oder?“
„Mach dir keine Hoffnungen Casper“, giftete sie zurück, während sie nervös auf ihren Nägeln herumkaute.
„Na Hauptsache wir haben noch genug Alkohol bei uns“, erwiderte Samantha zähneknirschend.
„Keine Bange Sam, im Kofferraum liegt noch ne halbe Palette Bier“, antwortete Casper, während er den Wagen leicht abbremste um die nächste Abfahrt nehmen zu können.
„Lieber ne Kiste Bier im Kofferraum als einen Kanister mit Benzin. Ihr Männer seid doch alle gleich...“, gab Samantha resigniert zu verstehen.
Casper riskierte einen kurzen Schulterblick und warf dem Mädchen eine Kusshand zu.
„Ich hab dich auch lieb Sam.“
Daraufhin grub Sarah ihrem flapsigen Freund den Ellbogen in die Flanke. Dieser bedankte sich mit einem abrupten Lenkmanöver.
„Schaut mal Mädels, ich glaube das hier ist der Parkplatz zum Landhaus“, sagte Casper und deutete mit dem Zeigefinger auf das kleine Areal vor ihm.
*
Auf einem Kiesbeet kam der rote Kleinwagen schließlich zum Stehen. Rings herum standen noch drei weitere Autos. Umringt von großen Tannen führte eine schmale Holzbrücke über einen seichten Bergquell. Auf der anderen Seite stand ein großes, hölzernes Tor, hinter dem sich noch ein kleiner Vorhof zu befinden schien.
Die drei Freunde sicherten den Wagen ab und liefen über den knirschenden Kies.
Eine blutrote Sonne war gerade im Begriff, sich hinter düsteren Baumwipfeln zur Ruhe zu setzen. Vereinzelte Vogellaute schallten über den Platz und kühle Windböen fegten durch die Tannenwipfel.
„Hier ist aber nicht viel los“, gab Sarah fröstelnd zu verstehen.
Casper knöpfte sich seine rote Baseballjacke zu und nahm seine Freundin in den Arm.
„Seit dem Mord ist hier nie mehr sonderlich viel los, Schatz. Die wenigen Besucher sind bestimmt auch alle geisteskrank.“
Sarah schubste den jungen Mann von sich weg und hakte sich bei ihrer Freundin ein.
„Der will dir nur Angst machen, Süße“, versuchte Samantha ihre frierende Freundin zu beruhigen.
„Casper ist der einzige Spinner hier weit und breit“, stichelte sie weiter.
Der junge Mann lächelte zufrieden. Die Situation bereitete ihm sichtbar Spaß.
Dann waren die drei auf dem Hof angekommen. Ab hier gliederte sich das aus Holz errichtete Gebäude in zwei Komplexe. Vor ihnen lag der Eingang, jeweils rechts und links davon verliefen zwei sich gegenüber liegende, doppelstöckige Häuserblocks. Mit jeweils drei Fenstern oben und unten auf jeder Seite.
Casper kratzte sich genüsslich an seinem Dreitagebart.
„Na wenn das mal nicht krass ist. Da können wir unsere teuflischen Nachbarn abends ja mal so richtig bespannen.“
Samantha verdrehte die Augen und lief mit Sarah im Arm weiter.
Casper schaute sich noch kurz um, dann holte er durch einen kurzen Sprint zu den Mädchen auf.
Das Atrium war mit einigen Blumenbeeten versehen. In der Mitte ragte ein riesiger Kirschbaum empor, dessen einstige Blütenpracht nur noch erahnt werden konnte. Ansonsten boten sich dem Auge aber nur triste Steinplatten, aus denen das Unkraut wucherte.
Große Holzpfähle stützten das abstehende Dach bestmöglich ab. Vor jedem Zimmerfenster war ein kleiner Balkon angebracht.
Hinter den Häuserblocks bäumten sich riesige Tannen auf. Selbst bei Tage würden mit Sicherheit nur vereinzelte Sonnenstrahlen den Weg in eines der Zimmer finden.
Vor dem Eingang stand ein großes Holzschild, auf dem der Name „Gloria Inn“ eingebrannt war. Casper öffnete die schwere Eingangstüre und blickte sich um zu den beiden Mädchen, die auf dem Treppenabsatz standen und Distanz wahrten.
„Ladys...nach ihnen bitte.“
*
Die Rezeption war nur spärlich beleuchtet. An den braunen Wänden hingen altmodische Öllampen, die scheinbar zeitlos vor sich hin flackerten. Auf dem Boden war ein grauer Teppich ausgelegt, auf den ebenso altmodisch anmutende Muster gestickt waren.
Samantha machte ein paar Schritte nach vorne, während die anderen am Eingang standen und sich umschauten. Hinter dem Tresen war keine Menschenseele auszumachen. Zwölf Schlüssel hingen an einem großen Holzbrett, das hinten an der Wand befestigt war.
Auf der Theke lag eine kleine Handglocke aus Messing.
Samantha drehte sich zu dem jungen Paar um und schüttelte den Kopf.
„Wo hast du uns hier nur wieder hingeführt Casper?“
Sie nahm die Glocke in die Hand und klingelte einmal laut. Nichts geschah...
Jetzt traten auch Sarah und Casper zu Samantha nach vorne und warteten auf irgend eine Reaktion.
„Vielleicht sollten wir einfach zu dir nach Hause fahren Casper. Deine Eltern sind doch sowieso in Urlaub. Außerdem ist mir das alles hier wirklich ein bisschen unheimlich“, gab Sarah scheu zu verstehen.
„Ach was Schatz, jetzt sei mal keine Spielverderberin. Da wird gleich schon jemand kommen“, versuchte ihr Freund sie zu beruhigen.
„Vielleicht vermieten sie auch heute keine Zimmer“, sagte Samantha und deutete auf die vollzähligen Schlüssel an der Wand.
„Aber wir haben doch auf dem Parkplatz ein paar Autos stehen sehen.“
„Vielleicht vom Personal“, erwiderte Sarah.
Die Diskussion fand ein jähes Ende, als im Schatten des linken Korridors plötzlich ein schwaches Licht entfacht wurde.
Eine ältere, füllige Frau trat nun in den Schein der Lampe. Ihre grauen Haare hatte sie zu einem schlichten Zopf gebunden und ihre üppigen Formen waren von einem zeltgroßen Kleid bedeckt. Mit freundlichem Blick musterte sie die Gäste.
„Guten Abend, mein Name ist Dorothy. Was kann ich für Sie tun?“
Casper trat als einziger nach vorne. Die beiden anderen erwiderten den Gruß und verharrten in ihrer Position.
„Wir sind lange gefahren und würden uns gerne für die Nacht zwei Zimmer nehmen“, sagte Casper betont höflich.
Die ältere Frau nickte einmal mit dem Kopf und ging dann hinter den Tresen. Ihr schwerfälliger Gang erinnerte Casper sofort an einen Entenmarsch.
„Welches Zimmer wollen Sie denn nehmen? Wie Sie sehen sind heute noch keine Gäste erschienen. Sie haben also die freie Auswahl.“
Dorothy blickte die Mädchen an und lächelte freundlich.
„Ich denke, Sie wollen direkt nebeneinander schlafen“, sagte sie und zwinkerte den beiden zu.
Casper räusperte sich und legte einen Arm auf die Theke.
„Was ist mit der Nummer 206?“
Einige Sekunden herrschte totale Stille...
„Die 206 wird gerade renoviert Sir“, erwiderte Dorothy kühl.
Dann drehte sie sich um und lief zu dem hölzernen Schlüsselbrett.
Samantha und Sarah sahen sich verunsichert in die Augen, während Casper ihnen gelassen entgegengrinste.
Dorothy kam mit zwei Schlüsseln in der Hand wieder.
„Das sind Nummer 202 und 203. Sie liegen im zweiten Stockwerk der rechten Haushälfte“, gab die ältere Frau forsch zu verstehen und deutete mit dem Zeigefinger in die Richtung.
„Vielen Dank Madame“, erwiderte Casper und nahm die Schlüssel an sich.
„Da wäre noch etwas“, fuhr Dorothy fort.
„Meine Tochter und ich verlassen das Haus bei Anbruch der Nacht.“
Sarah musste laut schlucken und auch Samantha senkte verunsichert den Kopf.
„Wenn irgendetwas sein sollte dann rufen sie Will an. Er ist hier der Hausmeister und schläft im anderen Haus, direkt gegenüber von ihnen. Ein Telefon steht in jedem Zimmer.“
Casper hob die Hand, als Zeichen dass er alles verstanden hatte und drehte sich zu den Mädchen um, die wie zu Steinsäulen erstarrt am Eingang warteten.
Er schob sich in deren Mitte und legte seine Arme auf ihre Rücken. Dann liefen alle drei gemeinsam den Korridor hinunter.
Hinter der ersten Rechtsbiegung wurde das Licht noch matter. Das Ende des langgezogenen Korridors lag verschleiert zwischen dunklen Wänden und flackernden Öllampen, die in viel zu großen Abständen an der Wand hingen.
„Verdammt, ist das hier unheimlich“, gab nun auch Samantha ein wenig kleinlaut zu verstehen.
Sarah hatte sich schon längst bei ihrem Freund angeschmiegt und schaute aufgeregt den vielen Schattenwürfen an den Wänden hinterher.
„Also ich finde das richtig atmosphärisch. Das ist ja besser als jede Horrorfilmkulisse, die ich bis jetzt gesehen habe“, sagte Casper fasziniert.
Sarah löste sich von ihrem Freund und lief schnellen Schrittes zu Samantha.
„Ich glaube, du hattest Recht, Sam. Mit meinem Freund stimmt etwas nicht“, gab das rothaarige Mädchen ironisch zu verstehen.
Casper holte schnell zu den beiden auf und schränkte beide Arme vor ihnen aus.
Er schaute angestrengt nach vorne und presste sich dabei den Zeigefinger vor die Lippen.
„Schaut mal da vorne...“, flüsterte er leise vor sich hin und deutete mit der anderen Hand auf die erste, rechtsgelegene Zimmertüre.
Auf einem kleinen, vergoldeten Türschild waren die Zahlen 206 in rotleuchtenden Buchstaben erkennbar.
Samantha presste den Arm des jungen Mannes von sich weg und lief unbeirrt weiter.
Als sie direkt neben der Türe stand hielt sie kurz inne und schaute sich zu ihren beiden Freunden um.
„Jetzt seid doch keine Angsthasen. Das ist nur eine ganz normale, blöde Holztüre“, sagte das farbige Mädchen angenervt und klopfte demonstrativ gegen die Scharniere.
„Komm schon Sarah, dein Macker wollte dir Angst machen. Jetzt sag bloß nicht das es ihm gelungen ist.“
Sarah schaute ihrem Freund fordernd in die Augen. Dieser versuchte vergeblich ein ernstes Gesicht zu behalten und musste im nächsten Moment laut loslachen.
Sarah grub ihm die Faust in den Bauch und drückte ihn von sich weg.
„Du bist ein Arschloch Casper“, fluchte sie beim weitergehen.
„Ich will doch nur dass du heute Nacht in meinen Armen einschläfst“, entschuldigte sich Casper, während er schnellen Schrittes zu ihr aufholte.
Sarah drehte sich um und lächelte ihrem Freund entgegen. Dieser legte seinen Arm um ihre Hüfte und küsste sanft ihren Hals.
„Das hättest du auch anders haben können Schatz.“
Casper legte sein Kinn auf Sarahs Schulter und musterte Samantha, die genervt die Augen verdrehte und zur kleinen Holztreppe stampfte.
„Könnten wir dann endlich unsere Zimmer beziehen?“, bellte sie die beiden an.
Bevor das junge Paar etwas erwidern konnte, war Samantha bereits auf dem Weg nach oben.
*
Die beiden Gästezimmer waren nahezu identisch eingerichtet. In der rechten Zimmerecke stand ein großes Bett, in das locker zwei Personen passten.
Casper warf sich auf die harte Matratze und hüpfte ein wenig herum, während Samantha das kleine Badezimmer inspizierte. Sarah stand auf dem Balkon und blickte ins Atrium.
„Wenn der Kirschbaum Blüten tragen würde, wäre das hier bestimmt ein wunderschöner Ort“, sagte sie ein wenig gedankenverloren.
Die letzten Sonnenstrahlen zauberten ein bewegungsreiches Mobile auf den Holzfußboden, während die tristen, braunen Wände durch die Abendsonne blutrot leuchteten.
„Ich glaube hier drin werden wir es eine Nacht aushalten, oder Mädels?“
Casper sprang auf und kramte aus den Taschen seiner Jeanshose die Autoschlüssel hervor.
„Ich werde mal eben das Bier holen gehen, solange es noch einigermaßen hell draußen ist“, scherzte er und versuchte Samantha beim vorbeigehen zu erschrecken.
Diese drehte sich zu dem jungen Mann um und versuchte ihm einen Tritt in den Hintern zu verpassen.
„Bis gleich dann vielleicht“, schmunzelte Casper und schlug daraufhin die Türe hinter sich zu.
Samantha schüttelte den Kopf und rückte ihre Brille zurecht. Dann herrschte einige Sekunden lang Ruhe, bis Sarah ihrer Freundin auf die Schultern klopfte.
„Du magst Casper nicht sonderlich gerne, oder Sam?“
Sarah schaute der überraschten Samantha in die Augen und wartete auf eine Antwort.
„Du meinst weil er ein Obermacho ist, pausenlos dumme Kommentare von sich gibt und sich nicht benehmen kann?“
Sarah schaute geknickt auf den Boden und runzelte die Stirn.
„Hab ich’s doch gewusst...“
Samantha legte eine Hand ans Kinn und tat so, als ob sie schwer am überlegen wäre.
„Andererseits wird es mit ihm auch nie langweilig. Man kann sich pausenlos über ihn totlachen. Ihn ärgern....und....“
Sarah schaute ihre Freundin erwartungsvoll an.
„Und?“, erwiderte sie.
Samantha musste schmunzeln.
„Und außerdem hat er den knackigsten Hintern von hier bis New York.“
Sarah schnappte sich das Kopfkissen vom Bett und schlug beherzt zu. Samantha duckte sich und hielt schützend die Arme über den Kopf.
„Also keine Panik Sarah. Ich komme mit Casper schon zurecht“, versuchte sie ihre Freundin zu besänftigen.
Dann wurden beide plötzlich auf ein Geräusch aufmerksam. Sarah und Samantha liefen zeitgleich zum Fenster und schauten nach draußen. Casper war gerade dabei, mit einer klirrenden Kiste Bier in den Händen den Hof zu überqueren.
„Na dann, können wir ja loslegen“, gab Sarah belustigt zu verstehen.
*
Als Sarah aus dem Fenster schaute, hatte sich schon längst ein tiefschwarzer Schleier über dem Himmel ausgebreitet. Üppige Nimbuswolken belagerten den Mond und verschlangen sein Licht. Nur ein silbriger Schimmer hatte seinen Weg ins Atrium gefunden und beleuchtete die Rinde des großen Kirschbaums.
Die junge Frau schaute auf ihre kleine Armbanduhr und schüttelte verwundert den Kopf. Vor genau zwei Stunden hatte sie den letzten Blick riskiert. Das war, als Dorothy und ihre Tochter das Haus verlassen hatten. Um genau 22 Uhr hatten sie das große Holztor hinter sich geschlossen. Jetzt war es kurz nach zwölf und Sarah war leicht angetrunken.
Casper und Samantha hatten es sich auf dem Boden gemütlich gemacht und spielten Karten. Neben den beiden standen fünf leere Bierflaschen auf dem Boden.
„Ich glaube du hast genug für heute Schatz“, sagte Sarah erschöpft.
Casper schaute seine Freundin mit glasigen Augen an und wuschelte sich im nächsten Moment durch seine kurzen, braunen Haare.
„Lass uns doch lieber ins Bett gehen.“
Samantha wippte mit dem Oberkörper hin und her und musterte dabei ihren besoffenen Nachbarn.
„Nein Schatz, Sam und ich wollen noch ein bisschen Karten spielen“, gab Casper leiernd zu verstehen und deutete mit seinem Zeigefinger auf die Bierkiste.
„Außerdem müssen wir den noch leer machen“, sagte er und klopfte seiner farbigen Freundin auf die Schultern.
Sarah hievte sich hoch und drückte ihrem Freund einen zärtlichen Kuss auf die Wange.
„Also ich leg mich schlafen.“
Casper nahm die Hand seiner Freundin und nickte verständnisvoll.
„Ich komme dann später nach. Nicht ohne mich einschlafen“, sagte er lächelnd.
„Gute Nacht Sam“, erwiderte Sarah, während sie die Zimmerschlüssel aus Caspers Jacke kramte.
„Bis morgen Süße, und lass dich nicht von irgendwelchen Geistern ärgern.“
Sarah winkte, diesen für sie etwas beunruhigenden Kommentar nur flüchtig ab und verließ das Zimmer.
Der dunkle Flur erstreckte sich weit nach rechts und mündete in einem schwarzen Loch. Die zwei kleinen Öllampen in dieser Etage waren kaum hilfreicher als Kerzen. Ihr matter Schein wurde von zahllosen Schatten gefressen.
Sarah lief schnellen Schrittes zum Nebenzimmer und suchte nervös das Schlüsselloch.
In diesem Moment wollte sie erst wieder umkehren und in den hell beleuchteten Nebenraum gehen, in dem Casper und Sam fröhlich Karten spielten. Aber sie schimpfte sich selber als abergläubischen Feigling. Nach kurzem Zögern öffnete sich das Schloss und das rothaarige Mädchen betrat das Zimmer. Blasser Mondschein fiel durch das große Schiebefenster in den Raum und bildete einen schmalen, glänzenden Pfad zur Türe.
Sarah knipste den Lichtschalter an und augenblicklich wurden alle Schatten des Raums zerrissen.
Die junge Frau atmete tief durch und lief rüber zum Bett. Sie schaltete dort das kleine Nachtlämpchen an und setzte sich auf die harte Matratze.
Kurzzeitig betrachtete sie ihr eigenes, mattes Spiegelbild im Fenster. In diesem Moment spürte sie wieder deutlich die Folgen des Alkohols. Erschöpft trottete sie zum Lichtschalter. Nachdem das grelle Licht erloschen war, begann sie sich schwerfällig auszuziehen.
Ein kalter Hauch streichelte augenblicklich ihre nackte Haut und so war sie froh, als die warme Bettdecke sie endlich umschlossen hielt.
Ein letzter Blick durchs Zimmer, dann war es plötzlich wieder stockfinster.
Nur die schmale Mondlichtbrücke war geblieben.
Sarah schloss die Augen und ihre Sinne vernebelten sich rasch...
*
...bis sie plötzlich durch das Tosen eines Sturmes geweckt wurde. Noch etwas schlaftrunken bemerkte sie erst später das Geräusch von Regen, der vom Wind beeinflusst gegen die Fensterscheibe peitschte. Und da war noch etwas...
In kurzen, regelmäßigen Abständen drang von draußen ein schwaches Licht ins Zimmer.
Sarah wischte sich den Schlaf aus den Augen und drehte sich zur Seite um. Die andere Betthälfte war leer. Etwas beunruhigt schaute sie auf ihre Armbanduhr. Das Ziffernblatt war wegen der Dunkelheit nicht zu erkennen. Reflexartig griff sie zur Nachtlampe, die allerdings keine Reaktion zeigte. Vielleicht war die Glühbirne durchgebrannt? Sarah warf die schwere Bettdecke beiseite und stellte sich ans Fenster. Augenblicklich wurde ihre Haut mit einer dicken Gänsehaut überzogen. Das Mondlicht war nun gänzlich verschwunden. Nur die schwachen Lichtsignale brachten gelegentliche Einblicke. Mit ein wenig Mühe konnte sie die Uhr lesen. Es war bereits sechs Minuten nach zwei. Sarah schaute ein wenig nervös nach draußen. Eine starke Windböe heulte durch den Hof und wirbelte den Regen über die dicken Steinplatten. Der Kirschbaum wurde in regelmäßigen Abständen hell beleuchtet. Sarah fröstelte, als sie urplötzlich an Caspers Schauermärchen denken musste. Sie beschaute sich noch einmal das zerwühlte Bett. War ihr Freund etwa immer noch im Nebenzimmer? Mit Sam am Karten spielen, oder gar sturzbetrunken auf dem Boden eingeschlafen?
Sie würde sich selber überzeugen gehen.
Zeit zum Anziehen wollte sie sich nicht mehr geben. Zitternd lief sie rüber zur Türe und erschrak augenblicklich, als sie diese leicht geöffnet vorfand.
Sarah machte einen Schritt zurück und rubbelte sich nervös über ihre Oberarme. Casper musste gerade eben noch hier gewesen sein. Oder war er es vielleicht gar nicht?
Viel Zeit zum Nachdenken blieb der jungen Frau nicht, denn plötzlich wurde die Türe von der anderen Seite aus kraftvoll aufgeworfen.
Sarahs Beine wurden schwer wie Blei und ein schmerzender Schauder lief augenblicklich durch ihren Körper. Ihrer Kehle entrann ein abgebrochener Schrei.
Auch der junge Mann der ihr nun gegenüberstand, zuckte kurz zusammen.
„Man Schatz, hast du mich erschreckt“, sagte Casper mit bebender Stimme.
Sarah griff sich mit der linken Hand an die Brust und fühlte ihren rasenden Herzschlag. Gleichzeitig musterte sie ihren blassen Freund, der halbnackt auf der Türschwelle stand.
„Verdammt Casper, was hampelst du hier noch im Flur herum?“, fuhr sie ihn ein wenig erbost an.
Im nächsten Moment löste sich hinter Casper eine zweite Person aus dem Schatten.
Samantha betrat den Raum und lief schnellen Schrittes zum Fenster. Sie war nur mit einem hauchdünnen Nachthemd bekleidet.
„Komm her Sarah, schnell.“
Samantha winkte ihre verwirrte Freundin zu sich.
„Schau dir das Licht da draußen an“, sagte sie aufgeregt und umklammerte Sarahs Arm.
Inzwischen hatte sich auch Casper zu den beiden gesellt.
„Das habe ich gerade schon bemerkt. Woher kommt es?“
Sarah schaute ihre Freundin fordernd an, doch es war Casper der ihr antwortete.
„Aus Zimmer 206.“
Schockiert presste sich Sarah die Hand auf den Mund. Ihre Beine wurden wieder schwerer.
„Ihr wollt mich doch verarschen“, gab sie kleinlaut zu verstehen.
Keiner der beiden Antwortete. Casper lief rüber zum Nachtschrank und griff nach dem kleinen, schwarzen Telefon.
„Was hast du vor Casper?“, fragte ihn Samantha aufgewühlt.
„Ich werde diesen Hausmeister anrufen.“
Als Casper den Knopf für die Durchwahl betätigte, schauten ihn die beiden Mädchen erwartungsvoll an. Doch schon nach wenigen Sekunden knallte er den Hörer zurück auf die Halterung.
„Kein Empfang. Das Telefon ist tot“, sagte Casper trocken, während er sich fröstelnd den Körper rieb.
„Was machen wir denn jetzt?“
Samantha versuchte so gelassen wie möglich zu wirken.
Sarah schaute gedankenverloren aus dem Fenster, als sie plötzlich einen schwarzen Schatten direkt unter dem Kirschbaum ausmachte. Reflexartig versteckte sie sich hinter der Wand.
„Was ist los Süße?“, fragte Samantha.
Völlig entsetzt deutete sie mit dem Zeigefinger auf das große Schiebefenster.
„Da draußen steht jemand“, sagte das Mädchen mit bebender Stimme.
Samantha lief unbeirrt zum Fenster und starrte hinaus. Auch Casper sprang sofort auf und stellte sich hinter das farbige Mädchen.
Von Dunkelheit umgeben, war das Atrium Zentrum von tosenden Windböen und peitschenden Wassermassen. Als das grelle Licht die Schatten kurzzeitig durchbohrte, wurde die Sicht der beiden auf eine vermummte Gestalt gelenkt, die am Stamm des Baumes lehnte.
Samantha sprang erschrocken zu ihrer Freundin, während Casper schockiert weiterhin nach draußen starrte.
„Zieht euch schnell an, wir verschwinden von hier“, gab er mit zittriger Stimme zu verstehen.
Samantha rannte augenblicklich aus dem Zimmer um ihre Sachen zu holen. Casper gab seiner Freundin einen Kuss und forderte sie auf, sich schnell anzuziehen.
*
Der Korridor erstreckte sich scheinbar unendlich weit nach vorne. Die Dunkelheit hatte weit hinten eine schwarze Wand errichtet, die kein Lampenschein zu durchdringen vermochte.
Langsam und vorsichtig schlichen die drei Freunde über den Flur. Während Samantha in regelmäßigen Abständen einen Blick zurück warf, musterte Sarah ununterbrochen die düsteren Wände und deren Schattenwürfe.
Auf halbem Weg blieb Casper plötzlich stehen. Die beiden anderen taten es ihm umgehend nach.
„Scheisse, schaut mal da vorne“, stammelte er.
Alle Blicke richteten sich sofort auf Zimmer 206, dessen Türe weit geöffnet war.
Sarah atmete zunehmend schneller, während sie ängstlich nach Samanthas Hand griff.
Kurzzeitig sagte keiner was. Alle drei standen wie zu Eissäulen erstarrt auf dem staubigen Teppich und starrten gebannt geradeaus.
Dann ging plötzlich im Zimmer das Licht an und flutete den Teppich vor der Türe. Sarah quetschte vor Schreck die Hand ihrer Freundin. Casper zuckte nur kurz zusammen.
Ein langer Schatten löste sich plötzlich aus dem Licht und wurde zunehmend größer.
Die drei waren gerade im Begriff loszurennen, als ein bärtiger alter Mann zu ihnen auf den Flur hinaustrat.
Er hob die Hand zum Gruß, während er mit der anderen einen Werkzeugskasten auf den Boden stellte.
„Verdammte Glühbirnen, wollen nie vernünftig anspringen“, zischte er verärgert in seinen Bart.
Mit großen, freundlichen Augen musterte er die völlig aufgelösten Gestalten vor ihm.
„Was ist denn mit euch los? Seht ja aus als hättet ihr gerade ein Gespenst gesehen“, gab er mit unnatürlich großem Grinsen zu verstehen.
Casper klatschte sich die Hand vor die Stirn und fing an, lauthals loszulachen. Auch Samantha musste schmunzeln und neigte ihren Kopf gen Boden. Nur Sarah war kreidebleich und zog eine eiserne Miene.
„Tut uns leid Mister, aber wir haben sie tatsächlich für einen Geist gehalten“, antwortete Casper entschuldigend.
Der alte Mann winkte ab und lief gemächlich zurück ins Zimmer.
Casper drehte sich um zu seiner Freundin und nahm sie zärtlich in den Arm.
„Das war zuviel Nervenkitzel für dich, was Schatz?“, sagte er versöhnend.
Sarah drückte ihn beiseite und verschränkte die Arme.
„Ich würde jetzt trotzdem gerne nach Hause fahren“, gab sie trotzig zu verstehen.
Casper und Samantha sahen sich ratlos an.
„Ach komm Süße, es ist doch gar nichts passiert“, versuchte Samantha sie umzustimmen.
Sarah schüttelte entschlossen den Kopf.
„Nein bitte, ich möchte nicht hier bleiben“, sagte sie kleinlaut, während sie an die Wand starrte.
Casper zuckte mit den Schultern und streichelte seiner Freundin über die Schultern.
„Also gut Schatz. Ich werde eben beim Hausmeister bezahlen gehen und ihn bitten, uns das Tor aufzumachen.“
Casper kramte in seiner Hosentasche herum und warf Samantha die Autoschlüssel zu.
„Ist wohl besser wenn du fährst Sam. Mein Kopf ist noch leicht geflutet“, scherzte Casper und verschwand im Zimmer 206.
*
Auf der Rückfahrt war es ziemlich still im Auto. Casper saß auf dem Beifahrersitz und döste, während Sarah gedankenverloren aus dem Fenster schaute.
„Was meint ihr, wer die Gestalt auf dem Hof gewesen ist“, fragte sie immer noch leicht irritiert.
Im Innenspiegel konnte sie beobachten, wie Samantha hastig den Kopf schüttelte.
„Keine Ahnung Sarah, vielleicht haben wir uns das auch nur eingebildet. Wir waren ängstlich und haben getrunken, da kann so etwas bestimmt mal passieren“, versuchte sie ihre Freundin zu beruhigen.
„Kann sein“, war das einzige was Sarah darauf erwiderte. Danach kehrte wieder Ruhe ein.
Nach knapp einer Stunde Fahrt kam der rote Kleinwagen vor Sarahs Elternhaus zum Stehen.
„Schläfst du heute Nacht bei mir?“, fragte Casper erschöpft.
Sarah lehnte sich nach vorne und kraulte seinen Nacken.
„Nein Schatz, ich will nur noch in mein eigenes, weiches Bett“, gab sie lächelnd zu verstehen und öffnete die Seitentüre.
„Ich ruf dich an“, sagte sie zu Samantha und stieg aus dem Wagen.
„Casper, wir sehen uns morgen Mittag“, war das letzte was sie sagte bevor sie die Tür zuknallte.
Der Wagen fuhr davon und Sarah trottete schweren Schrittes die wenigen Stufen zur Eingangstüre hinauf.
Hoch oben am Nachthimmel hatten sich wieder dunkle Wolken versammelt, die ihre schwere Beladung wohl bald abwerfen würden...
*
Sarah lag mit offenen Augen in der Dunkelheit ihres eigenen Zimmers. In ihren Gedanken versuchte sie das vor kurzem Geschehene zu verdauen. Die Müdigkeit war plötzlich wie weggefegt und so wälzte sie sich unruhig hin und her. Von draußen prasselten unzählige Regentropfen gegen das Fenster, als urplötzlich eine Orkanstarke Windböe durchs Zimmer heulte und die Zimmertüre weit aufriss.
Sarah schreckte hoch und eine betäubende Gänsehaut umfing augenblicklich ihren Körper.
Als sie den dunklen Umriss einer Person heranstürmen sah schrie sie laut auf und drückte sich krampfhaft gegen die Wand.
Das bleiche Gesicht einer langhaarigen Frau schwebte plötzlich direkt vor ihren Augen.
Die schwarzen Haare waren glatt ins Gesicht gefallen und verdeckten die Augen.
Die spröden Lippen umrahmten ein gelbes Gebiss und die Haut war weiß wie die einer Porzellanpuppe.
Sarah verfiel in einen Schockzustand, als sich knochige Hände nach ihrem Gesicht ausstreckten...
*
Casper hatte sich gerade etwas Milch eingeschüttet, als plötzlich das Telefon im Nebenzimmer klingelte.
„Verdammte Scheisse, wer kann das denn noch so spät sein?“, fluchte er lauthals und ließ das Glas stehen.
Er ging ins Nebenzimmer und nahm das Gerät von der Aufladestation. Völlig unbekleidet setze er sich auf sein Bett und schaute aufs Display. Sarahs Nummer blinkte in regelmäßigen Abständen auf.
Casper hievte sich wieder hoch und trottete zurück in die Küche. Dann nahm er ab.
„Ja Schatz, was gibt es denn?“, fragte er ein wenig desinteressiert.
Aus der anderen Leitung drang nur ein lautes Schluchzen und Wimmern.
„Hey Sarah, was ist los mit dir?“
Casper war wieder voll bei der Sache.
„Sie...sie....sie war bei mir!“
Sarahs Stimme bebte.
„Schatz, was ist los? Wer war bei dir?“, fragte Casper leicht aufgewühlt, während er zur Zimmertüre schaute und mit den Schultern zuckte.
„Die...Die Geschichte die du uns erzählt hast...“
„Sarah, was ist denn los mit dir? Jetzt beruhig dich doch erst mal.“
Die Stimme der jungen Frau brach mitten im Satz zusammen.
„Die Geschichte ist wahr!“
Einige Sekunden herrschte Ruhe. Caspers Beine wurden schwer wie Zementsäcke.
„Was redest du da.“
In der anderen Leitung meldete sich eine zunehmend gefasstere Sarah zu Wort.
„Es hat wirklich einen Mord im Zimmer 206 gegeben.“
Mit zittriger Tonlage sprach die Stimme an Caspers Ohr weiter.
„Aber es war nicht die Geliebte, die an diesem Abend den Tod fand.“
Einige Sekunden war es wieder still. Nur das laute Schluchzen des Mädchens war zu hören.
„Die Ehefrau Casper! Ihr Mann und seine Geliebte haben sie zusammen getötet.“
Casper war nun ebenfalls den Tränen nahe, während eine prickelnde Kälte seinen Körper hinaufkroch.
„Du sagtest zu Anfang, dass sie bei dir gewesen sei...“
Caspers Stimme war kaum mehr hörbar.
„Wen meintest du damit?“
In der anderen Leitung fing Sarah jetzt bitterlich an zu weinen.
„Es war ihr Geist Casper. Oh mein Gott Schatz, sie hat dein Gesicht aus unseren gemeinsamen Fotos herausgebrannt.“
Um Caspers Herz legte sich eine eiskalte Hand. Seine Glieder erstarrten und das Telefon rutschte ihm aus der Hand. Mit einem dumpfen Knall landete es auf dem Boden.
Er drehte sich zur Zimmertüre und bewegte sich mit steinernen Bewegungen darauf zu.
Kurz vor der Türschwelle hielt er inne.
„Hey Samantha....ist mit dir alles in Ordnung?“, fragte er mit bebender Stimme.
Es kam keine Antwort.
Langsam, mit stetigem Blick zum Bett betrat er den Raum.
Als er die riesige Blutlache auf dem Boden bemerkte knickten seine Beine in sich zusammen und er rutschte langsam an der Wand zu Boden.
Seine braunen Augen waren geweitet und blickten ausdruckslos auf den ausgeweideten, nackten Körper von Samantha. Ihre Gliedmaßen waren brutal gebrochen und verschachtelt worden.
Zu spät bemerkte Casper den schwarzen Schatten, der sich in Windeseile aus der Zimmerecke löste und nun vor ihm stand.
Sein Mund war zu einem stummen Schrei geformt, als krallenartige Finger seinen Hals umschlossen und ihm ins Fleisch schnitten...