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Wonderwall
Aus den Boxen dröhnt laute Musik. Ich kenne das Lied nicht, aber ich glaube es müsste ’Pink’ sein, auf jeden Fall der Stimme nach zu urteilen. Ist aber auch egal. Ich nehme einen tiefen Schluck aus meinem Bierglas. Genauer gesagt ist es ein Plastikbecher mit Glitzeroberfläche. Wirklich schick. Das Bier ist kühl und tut in mitten dieser Hitze gut.
Gesprächsfetzen dringen an mein Ohr. Sie geben mir das Gefühl, dabei zu sein. Doch ich bleibe lieber stumm, ziehe an meiner Zigarette, trinke von meinem Bier und höre der Musik zu, wie sie den Raum durchzuckt. Die Menschen zucken auch. Neben mir stehen zwei Mädchen. Ich sehe wie sich ihre Lippen bewegen. Sie singen mit. Ich starre auf die riesigen Scheinwerfer und die überdimensionale Discokugel an der Decke. Mein Blick schweift durch den Raum und ich beobachte die Menschen, wie sie tanzen und Spaß haben. Ich freue mich für sie.
Ein Typ kommt an und fragt mich, ob er Fotos von mir machen dürfe. Ich will wissen, für was und für wen und erwähne, dass ich gestellte Fotos grundsätzlich hasse. „Mach sie wenn ich woanders hingucke und nicht damit rechne. Ok?“ Der Vorschlag gefällt ihm nicht: „Scheiß Idee. Ich brauche Gesichter, keine Profile!“ Er geht weiter und spricht schon den nächsten an.
Kurzes Gespräch. ‚Überflüssiges Gespräch’, schießt es mir durch den Kopf. Er macht nur seinen Job.
Ich werde von hinten geschubst. Als ich mich umdrehe, steht da ein Mädchen. Siebzehn, höchstens achtzehn. Sieht ganz nett aus, denke ich. Ich drehe mich wieder um und sehe den anderen weiter beim Tanzen zu. „Tschuldigung, ich wollte dich mal fragen...“, höre ich sie noch sagen. Den Rest verschluckt die Musik. Sollte ich mich noch mal umdrehen und zuhören? Nein, ich mag diesen Smalltalk nicht sonderlich. Bin auch nicht gut darin.
Das Lied hat gewechselt. „Today it’s gonna be the day... .” Ich kenne den Text und höre nicht weiter zu. Hab ich auch zu Hause. Das Bier in meiner Hand ist langsam warm geworden. Man schmeckt jetzt, dass es nicht das beste ist. Ich hole mir ein neues. „Drei Euro!“ höre ich die Theke schreien. Ich werfe fünf Euro auf die Bar und eine Hand reicht mir mein Wechselgeld. „Danke“, nuschle ich und stelle mich wieder an den Rand der Tanzfläche. Die Luft riecht nach Schweiß, Rauch und Alkohol. Bei jedem Schritt bleibt man in verschüttetem Bier und Kippenstummeln kleben.
„... you gonna be the one that saves me.“ Die letzten Klänge gehen schon in den Anfängen des nächsten Liedes unter. Elektrobeats dringen in meinen Kopf und ein Laser rast suchend durch den Raum. Es wird Zeit.
Zwei Arme umschlingen mich. Ich schließe die Augen und muss lächeln. Ich genieße den Augenblick. Ich drehe mich um und meine Freundin lacht mich an. Ich lache zurück. Wir küssen uns und die Welt dreht sich wieder. „Lass uns gehen. Ich hab Hunger.“