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Wir im Nebel

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12.09.2011
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Wir im Nebel

Mit trübem Geist erwachte ich, und holte mir sogleich ein Bier aus der Küche. Nach dem ersten Schluck wurde mir klar, dass ich es nicht trinken konnte, und ich stellte es zurück in den Kühlschrank. Ich stand herum, weit vorgebeugt, die Hände abgestützt, und starrte den Boden an. Stumm versuchte ich die Bilder und Farben in meinem Kopf zu ordnen, versuchte mich zurecht zu finden in diesem seltsamen Wirbel. Sobald ich die Augen schloss, strömten Erinnerungen, Träume und Gedanken zu einem einzigen sinnlosen Fluss zusammen. Als ich später durch die Straßen ging, mischten sich noch die Gesichter und die Stimmen der Leute dazu. Alles schien stark gedämpft, beinahe lautlos.

Die Wolken hingen tief, ihr Grau hing tief in alles hinein, es senkte sich von oben in meinen Kopf, und trübte meine Gedanken; Worte und Namen krochen durch den Nebel, entfernte Stimmen in der Dämmerung. Ich traf einen Freund und wir spazierten neben einander her, keiner hatte wirklich etwas zu sagen, es war beinahe, als könnte ich jeden Moment vergessen, dass er überhaupt hier war, irgendwo in der Dunkelheit.

Da machte er plötzlich halt, und auch ich blieb stehen. Menschen bewegten sich an uns vorbei, graue Gestalten wie Fische im Schlamm.

“Da gibt es jemanden, den du kennen lernen solltest.”

“Kennen lernen?”

“Ja, er ist ein alter Bekannter meines Schwagers.” Seine Stimme war beinahe unhörbar. Ich musste immer näher an ihn herantreten, bis ich schließlich ganz dich vor ihm stand. Dennoch klang seine Stimme merkwürdig leise und erstickt, beinahe fremd, beinahe unmenschlich.

Ich schüttelte ihm die Hand: “Mein Freund, es würde mich sehr freuen, diese Person kennen zu lernen.”

Ein breites Lächeln entstand auf seinem Gesicht und funkelte mir durch den Nebel entgegen. Ich sah genauer hin: Kam da etwa Rauch aus seinen Nasenlöchern? Ich könnte schwören, etwas gesehen zu haben. Erstaunt streckte ich meine Hand nach der Nase meines Freundes aus, was ihn anscheinend veranlasste, noch breiter zu grinsen. Seine Zahnreihen hatten nun etwas entfernt Aggressives. Bevor meine Hand die Nase erreichen konnte, wurde sie von meinem Freund ergriffen. Wir schüttelten uns die Hände, wie um die Situation zu beenden, und gingen weiter.

Der Mann, der mir nun in einer fremden Wohnung vorgestellt wurde, war angeblich Katzenzüchter. Alles was er von sich preis gab, existierte in einer Dimension von “angeblich”, “womöglich” und im besten Fall “eigentlich”. Der Nebel der mich vor der Tür umgeben hatte, war nun zwar nicht mehr sichtbar, er bestand aber in der Gestalt dieses Menschen weiter, sein ganzes Wesen war erfüllt davon.

Irgendwann wachte ich auf dem Sofa auf, und er bat mich, mit ihm zu kommen. Niemand sonst war zu sehen. Ich kannte dieses Phänomen, für üblich hieß das, dass sie sich zurückgezogen hatten, um miteinander zu schlafen.

Der Mann brachte mich einen Stock höher, in eine Wohnung die genau über der meines Freundes lag. Er holte eine Zeitung aus seiner Gesäßtasche und zeigte mir die Schlagzeile.

“Braunolen sürzen willischöke Frü”

Ich verstand nicht. Der Mann wies mit dem Zeigefinger auf das Bild darunter. Es war dunkel, fast schwarz. Außer ein paar Konturen und vagen Schatten konnte man kaum etwas erahnen. Ich sah den Mann an. Ein Lächeln lag auf seinem Gesicht. Etwas Rotes floss aus seiner Nase. Ich zuckte erschrocken. Es war kein Blut. Es war Kunstblut. Nein: Ketchup. Ich machte, dass ich rauskam. Beinahe wäre ich im Stiegenhaus schwer gestürzt. Erleichtert ließ ich mich von der Dunkelheit des Nebels umfangen.

 

Hallo,

ich hatte früher auf dieser Seite mal einen Freund, der hat eine Geschichte kommentiert, in der jemand einen Albtraum geschildert hat, und er hat gesagt: Ich hab gestern geträumt, dass ich im Kühlschrank Shakesspeares Kopf hatte und mit einem Strohhalm daraus trank und dann ein ganz toller Autor wurde, aber ich hab auch keine Geschichte draus gemacht.

Und so ein bisschen hat mich die Geschichte an den Spruch da erinnert. Das ist so eine Geschichte, die einer Traumlogik folgt, und die vielleicht auch für den Autor eine große Relevanz hat, aber mich als Leser außen vorlässt und dann guckt man auf die Sprache und die Sprache ist so schmucklos und tonlos und Adverblastig und langweilig, und dann ... jo.
Ich weiß nicht, wenn man sich die Sätze anschaut, das ist alles so nebulös und unzusammenhängend. Ist vielleicht ein Text, der dir als Autor viel gibt, aber du vergisst den Leser da mitzunehmen.
Würde dir der Text gefallen, wenn er von jemand anderem als dir wäre?
"Der Mann" und "der andere Mann" und "mein Freund" und Katze und ... nee. Toter Text. Total toter Text. Sprachlich, inhaltlich fad. Schwierig sich überhaupt darauf zu konzentrieren, weil er irgendwie so grau ist.

Unter deiner letzten Text hat dir jemand geschrieben:

Das ist alles viel zu distanziert und undurchsichtig erzählt. Hättest du den beiden nicht wenigstens Namen verpassen können? Es gibt keinen Hinweis darauf, woher seine verqueren Gedanken rühren.
Hättest den Kommentar mal ernst genommen. :)

Gruß
Quinn

 
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Ich weiß nicht, wenn man sich die Sätze anschaut, das ist alles so nebulös und unzusammenhängend. Ist vielleicht ein Text, der dir als Autor viel gibt, aber du vergisst den Leser da mitzunehmen.
Würde dir der Text gefallen, wenn er von jemand anderem als dir wäre?
"Der Mann" und "der andere Mann" und "mein Freund" und Katze und ... nee. Toter Text. Total toter Text. Sprachlich, inhaltlich fad. Schwierig sich überhaupt darauf zu konzentrieren, weil er irgendwie so grau ist.

Hast du den Text gelesen? Ist dir aufgefallen, dass Nebel, Farblosigkeit und Grau darin eine zentrale Rolle spielen? Das zweite Wort lautet bereits "trüb". Dein Kommentar belegt, dass ich im Aufbau einer entsprechenden Atmosphäre erfolgreich war.

 

Du meinst, du hast absichtlich farblos geschrieben, weil es dich als Künstler total beschäftigt, dass dein Leben und dein Inneres farblos sind, und es ist irgendwie tief und meta, dich so der Welt mitzuteilen und du bist jetzt total enttäuscht darüber, dass dich keiner so richtig versteht, aber das gibt dir auch ein gutes Gefühl, weil es dich in deiner Annahme bestätigt, einzigartig zu sein?

Das ist mir nicht aufgefallen, nein.

 

Ich denke nicht, dass mein Kommentar sehr schwer zu verstehen war. Versuch doch nochmal, ihn zu lesen.
Ich weiß auch nicht, wieso du es für angebracht hältst, mich persönlich anzugreifen. Sowas ist für gewöhnlich ein Symptom empfundener Hilflosigkeit. Mein Tipp: Lies meinen Kommentar nochmal, er ist sehr einfach zu verstehen. Du schaffst das schon.

 

Hallo StefPau!

Also, was dem Text fehlt, ist ein Thema. Ich meine, das wirkt, als hättest du einfach eine Reihe von Traumfragmenten zusammengeschrieben, und dann hier eingestellt. Was da fehlt ist ein Rahmen, die Bearbeitung. Man kann schon „nebulöse“ Traumszenen bringen, aber das spannende ist doch, die dann in einer Geschichte in Beziehung zum Alltag oder weiterer Handlung zu bringen.
So hat doch keiner was davon. Du kannst dir ja eine Sammlung solcher Szenen zusammenstellen, und die dann in Geschichten und Zusammenhänge verweben, aber allein wirkt das einfach schwach. Stell dir doch mal fragen: Wie wirken sich die Fantasien /Träume des Prots auf seine Realität aus? Denkt er in alltäglichen Begegnungen daran, und beeinflusst das dann sein Tun? Sowas fänd ich spannend.
So les ich das, und denk mir: Tja, und? Was ist jetzt mit dem Typ?
Mach doch was draus.
Bis dann: Timo

 
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@TimoKatze

Stimmt, mehr Handlung wäre eine Option. Mir ging's bei dem Text mehr darum, eine gewisse Stimmung zu erzeugen, die eigentliche Handlung oder Sinnhaftigkeit war für mich zweitrangig. Aber ich versteh's, wenn man sowas darin vermisst. Danke für den Rat!

 

Ich weiß auch nicht, wieso du es für angebracht hältst, mich persönlich anzugreifen. Sowas ist für gewöhnlich ein Symptom empfundener Hilflosigkeit. Mein Tipp: Lies meinen Kommentar nochmal, er ist sehr einfach zu verstehen. Du schaffst das schon.
Pass auf, was mich ärgert sind Leute, die nicht einsehen können, dass sie vielleicht Fehler in einem Text machen, indem sie jede Art von Kritik damit abwehren, dass es in ihrer Absicht war so zu schreiben.

Das heißt. Wenn jemand sagt: Das ist der beschissenste Text, den ich je gelesen habe, dann sagt der Autor: Ich freue mich, wenn ich so starke Gefühle auslösen konnte.
Wenn jemand sagt: Der Text hat mich völlig kalt gelesen. Dann sagt der Autor: Es freut mich, wenn dich der Text auf einer intellektuellen Ebene erreicht hat, ich hab absichtlich darauf verzichtet, im Leser Emotionen auszulösen, damit ich direkt zu seinem Verstand spreche.
Und wenn man sagt: Das ist fader, nebulöser Mist, der so fad ist, dass es schwer fällt, sich darauf zu konzentrieren. Dann sagt der Autor: Das ist genau die Atmosphäre, die ich schaffen wollte!

Und das ist keine Hilflosigkeit, die mich da erwischt, sondern einfach: Aha, der Autor ist ein Narzisst! Er kann mit irgendeiner Art von Kritik nicht umgehen.

Das ist halt nervig. Du hast 3 Texte eingestellt. Du hast kein auch nur irgendwie postives Wort dafür bekommen. Der Text hier ist unbeantwortet geblieben, 10 Tage lang. Das geht vielen Leuten so, die mit dem Schreiben anfangen. Manche sagen dann: Okay, vielleicht liegt's an mir, vielleicht muss ich das Schreiben ernster nehmen. Und manche sagen: Nein, ich bin gut, die Leser sind doof, ich muss die ändern.

Frag dich mal, welche Art von Umgang mit Kritik irgendwie ergiebiger ist? Ich bin's für meinen Teil Leid mich mit Autoren zu beschäftigen, die unter Kategorie II fallen.
Nicht jede Kritik ist gerechtfertigt, es gibt auch Autoren, die ganz toll sind, und die keiner mag, und Kritiker sind auch manchmal Idioten und blind, aber nicht jeder Autor ist ein Genie. Und ich tendiere manchmal dazu, Autoren, die ich für verstockt halte, anzubrüllen. Das sieht nicht gut aus. Aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass das eher was bringt. Sonst ignoriert dich das Forum halt und du kannst dich als unverstandener Künstler fühlen, für den die Zeit noch nicht reif war.

So, ich bin fertig. Ciao

 

Hi StefPau
Solche Träume hatte ich auch schon mal. War dann immer froh das hinter mich gebracht zu haben.
Klar fragt man sich dann, was das bedeutet, mehr aber auch nicht.
Nur erzählen würde ich das nicht, weil die anderen sich dann nur fragen können, was das wohl bedeuten kann und auch zu keinem Schluss kommen.
Du hast aber ganz wunderbar diese zusammenhanglose Traumstimmung getroffen, die nur im Traum Sinn macht.
Viel Spaß beim Schreiben, liebe Grüße Fion.

 

Hi Fion

Ich weiß, Sinn sucht man hier vergebens. Aber einer meiner Lieblingsschriftsteller ist Franz Kafka, und seine Geschichten sind oft schlicht sinnlos. Man denke nur an den sehr kurzen Text Die Sorge des Hausvaters. Vermutlich gibt es darüber, wie generell bei Kafka, zahlreiche Versuche, da eine Bedeutung rein zu interpretieren; meiner Meinung nach ist das vergebliche Liebesmüh. Und was soll's? Der Text hat anderes zu bieten. Allein seine totale Andersartigkeit ist erfrischend.

Aber ich versteh's, wenn einen das nervt. Das ganze ist auch ziemlich selbstironisch, ich musste was das betrifft sogar manches rauskürzen, weil's sonst zu dämlich geworden wäre, zB bei der skurril- förmlichen Art, wie sich die zwei "Freunde" unterhalten.

Wie auch immer, danke für's Lesen und Kommentieren!

 

Hallo StefPau,

Aber einer meiner Lieblingsschriftsteller ist Franz Kafka, und seine Geschichten sind oft schlicht sinnlos.
Das ist meiner Meinung nach gefährlich. Es ließt sich, als wolltest du deine Geschichte mit denen Kafkas verteidigen. Aber das funktioniert so nicht. Nur weil Kafka gut war, wird es deinen Geschichte nicht.
Bei Kafka hat man das Gefühl der Notwendigkeit. In seinen Geschichten passiert alles, weil es so passieren muss. Ganz gleich, ob das jetzt einen Sinn ergibt oder nicht.
Bei dir bleibt mir aber alles Gleichgültig, das Nebulöse wird für mich überzogen. Du schaffst es nicht mir das Gefühl zu geben, was ich da lese hat Bedeutung (ich meine nicht Sinn, sondern eher "Gewicht").


Wie gesagt: Äußerst wunderliches Verhalten.
Nicht, wenn man hier länger ist. ;)

Gruß,
Kew

 

Offtopic gelöscht.

Bleibt bei der Geschichte, für alle anderen Diskussionen gibt es den Kaffeekranz, die PM oder den Chat.

 

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