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Wie aus Grau ein Regenbogen...
Wie aus Grau
ein Regenbogen entstehen kann
oder
Das Glück am Ende des Regenbogens
den Schatz zu finden
Das Leben geht seinen Weg, es wird wahrlich viel geboten, auch auf den weniger gut einsehbaren Seitengassen, muß darauf achten den zu oft dargebotenen Verlockungen widerstehen zu können. Das Gefühl der Einzigartigkeit, Unsterblichkeit breitet sich mitunter unmerklich wohlig war in uns aus. Dieses Rankgewächs der Götzen wuchert manchmal derart zügellos, das dieses gestutzt werden muß, damit das Leben nicht zur Unbeweglichkeit verurteilt wird.
Plötzlich vernimmt das Leben zwar noch die Schritte, doch bemerkt beim Blick nach hinten, das der Schritt schleppender wird, Undankbarkeit den Glauben an Gott verdrängt hat. Es will helfen, verharrt einen Augenblick. Traurig sieht es zu uns, bemerkt die Unfähigkeit. Nicht lange, da erscheint das Schicksal, stellt sich uns an die Seite, redet mit uns, will bewahren, die Entscheidung nicht allein übernehmen. Ist der Körper zu satt, das Gehör verödet, steht einzig dem Schicksal eine Entscheidung zu.
Zunächst stellt sich ein Gefühl des Unbekannten ein, irgendwo im Körper, doch wo suchen, wo finden? Die Möglichkeit eine ungewisse Zeit mit dem unterbewußten Wissen, das dort irgendwo etwas in einem ist, zu leben ist gegeben. Zögern, hineinhören, versuchen zu ignorieren, ablenken, nichts hilft, alles führt nur noch näher an den kommenden Schmerz heran.
Diese Schmerzen sind nervenzerreißend, finden ihr Lager am Rande der Belastbarkeit. Eine Abart des Schmerzes, bei dem der Körper verspürt, daß Tränen nicht mehr mildern werden können, verfällt in eine embryonale Schutzhaltung, schreit verlangend nach der Mutter. Eine derartige Extremsituation sensibilisiert, verängstigt, jede Berührung, durch wen auch immer, erhält das verzerrte Gesicht der Angst, Verkrampfung.
Plötzlich, völlig überraschend, kehrt Ruhe in den Körper. Gedanken verändern sich, Gefühle werden intensiver, die Augen beginnen zu sehen, ein magischer Moment. Diese dadurch entstehende Leichtigkeit läßt alles ein wenig erträglicher werden. Gott zieht ein, wohnt inne, ist einfach nur da.
Doch es kommt der Tag, an dem der Grund der Schmerzen entfernt werden muß, um nicht zu sterben. Es stürzt so viel Neues, Häßliches, Schweres auf einen ein, eine kaum zu bewältigende Flut von Eindrücken, Gefühlen. Der Übergang von der Narkose zurück gleicht einer erneuten Geburt. Zitternd der Körper, alles zerrt, reißt an einem, Verwirrtheit und Hilflosigkeit beherrschen die Sinne. Erst durch eine Operation kann der körperliche Mangel entfernt werden, jedoch nicht ohne den Kompromiß einzugehen, dafür andere Schmerzen erleiden zu müssen.
Das Selbstverständliche wird plötzlich zum Unbekannten, muß neu erlernt werden. Nun ist es wichtig persönliche Kräfte zu mobilisieren, nicht aufzugeben, damit dieses schreckliche, stetig in der Nähe lauernde, schwarze Loch möglichst fernbleibt. Dieses zu verjagen geschieht mit jenen Waffen, vor denen dieses unbändige Angst hat: Liebe, Zuspruch, Hilfe, Kraft, innere Stärke, Beistand, Glaube. Ein scheinbar normal lebender Mensch wird plötzlich, zum Entsetzen vieler, vom Lebensweg hinweggespült, muss neu geboren werden.
Was geschieht, sollte ich nun sterben müssen? Was bedeutet der Tod für mich? Diese Welt dreht sich nicht nur für mich, um mich, bin nicht der Mittelpunkt, bin nicht unsterblich. Sterben ist nicht nur für andere Menschen, nein, auch ich werde diesem irgendwann begegnen.
Dabei vergessen wir leider zu schnell, zu oft, warum wir sind: Wir sind, um zu leben! Leben bedeutet Aufgabe, Rolle, Sinn, Glaube, Hoffnung, Schmerz, Verlust. Der Mensch hat es sich eigen gemacht zu vergessen, zu verdrängen, ins grelle Licht zu schauen, sich selbst zu blenden. Versucht die Zeichen zu sehen, zu erkennen, zu deuten, leben kann so schön sein!
Befreiung durch Erkenntnis.
Mit dem Tod enden wir in Form des Realen, nicht aber unsere Seele, diese reist weiter im ewigen Zyklus der Sterne.
Ich war noch sehr jung an Jahren, fuhr mit meinem geliebten Großvater und dessen Freund zu einem großen See. Beide widmeten sich dem Angeln, der Natur, ihren Gedanken. Ich aber nahm mir vor dieses kleine Stück Welt an diesem Tag erobern zu wollen. Ohne Waffen, Rüstungen, nur mit meiner Phantasie.
Irgendwann stand ich dann auf Holzstämmen, welche zuvor in einer Zeit der Vergangenheit dort eingerammt worden waren. Da diese vom Ufer aus leicht zu erreichen waren, stand ich sehr schnell auf ihnen. Stellte jedoch zu spät fest, das diese zu glatt waren für mein damaliges Schuhwerk – ich verlor den direkten Kontakt zur Oberfläche der Holzstämme.
Hier nun begann meine Reise, von der ich jedoch sehr schnell zurückkehren sollte.
Ich fiel in einen Tunnel. Dieser war sehr lang, hell. Er gab mir eine Gewißheit der Geborgenheit, ließ mich alles vergessen. Auch litt ich nicht an Atemnot, spürte das Naß um mich herum nicht einen Augenblick, fühlte mich wohl, schwebte. Trotz des unmittelbaren Gefühles der schon angetretenen Reise, schnellen Schwebens, barg der Freund meines Großvaters mich an den Haaren aus dem Naß, mußte erneut die Realität wechseln.
Die Verwirrtheit meinerseits war sehr groß, zunächst übermannte mich der Schrecken, danach vergaß ich sehr schnell. Erst durch die erneute Todesnähe übermannten mich die antiken Erinnerungen.
Himmel? Hölle? Jeder bekommt seine Möglichkeit des Lebens, beeinflußt das Weltgeschehen auf seine Art und Weise, muß sich am Ende eigenständig verantwortlich zeigen. Das Leben ist eine Prüfung für etwas Neues. Die eingeengte Beschränktheit des Geistes, die Unfähigkeit sich das Unendliche vorstellen zu können, schützt uns vor dem Wahnsinn. Wenn Gott gewollt hätte, daß wir die Ewigkeit im Unendlichen materialisieren können, hätten wir diese Gabe erhalten. Ich an seiner statt hätte uns undankbaren Geschöpfen diese Kraft, universelle Macht auch nicht verliehen.
Die Akzeptanz des Todes ist die seelische Öffnung zum Leben. Lernt zu hören, zu sehen, zu fühlen, laßt die Wunder wieder zu, denn auch diese haben ein Recht auf Existenz. Sollten eines Tages die Wunder ausgestorben sein, so werden auch wir vergeblich um Luft ringen.
Wahrheit. Gibt es die Wahrheit? Was ist die Wahrheit? Die Wahrheit zeigt sich uns nur selten, gar scheu, und wenn, dann ist sie der pure Ausspruch der nackten Gedanken und Gefühle aus einem ganz persönlich heraus. Der Mensch neigt dazu für alles eine Erklärung finden zu müssen, um die Dinge unseres Kosmos im ganzen erfassen zu können, an der Wahrheit jedoch scheitert es zu oft!
Sag nicht die Wahrheit, damit ein anderer Mensch nicht verletzt wird.
Sag nicht die Wahrheit, damit es nicht zu einem Krieg kommt.
Sag nicht die Wahrheit, weil ein nahestehender Mensch nicht verstehen könnte.
Sag nicht die Wahrheit, weil es verboten ist, diese ohne Schmuck und Kleidung zu zeigen.
Unser Gesellschaftssystem harrt auf einem Fundament der Lügen, der Feigheit. Es ist marode und brüchig. Würden wir versuchen auf diesem Fundament ein Haus der Wahrheit und Liebe errichten zu wollen, dieses Fundament würde bersten unter dem Druck des Schönen. Ein Mensch, welcher den Mut aufbringen würde ausschließlich die Wahrheit auszusprechen, würde gebrochen, geopfert werden. Es lebt sich behaglich im Bett der Lügen, der Anpassungen.
Irgendwann ist sie dort, die Zeit der Tränen, das klare Blut der Seele. Sie drängen mit einer ungeahnten Macht nach außen, da der Verlust des Vergangenen immer klarer in Erscheinung tritt. Das Leben ist ein ewiger Fluß, nichts bleibt, wie es war, nicht wird, wie es ist. Fließrealität. Klammere nicht am Vergangenen, wenn auch die Bilder im Geist einen nicht wiederholbaren Bilderroman vorspielen, benutze diese als Kraftquelle. Wer nichts erlebt, nichts wagt, hat nichts zu erzählen, hat einen natürlichen Mangel an Erfahrungen. Strebe nicht den Hochmut an, ein Augenzwinkern Gottes kann dein Leben beenden, dich vom Weg abdrängen. Verleihe den Erfahrungen und den daraus resultierenden Gedanken und Gefühlen Form, Gestalt, somit schenkst du dir ein Stück Ewigkeit. Die Zeit wird es zeigen, uns entzücken. Die Zeit, diese wunderschöne hässliche Frau der Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Sie läuft unaufhörlich in jenen Momenten vor uns davon, wenn wir diese so benötigen. Geht jedoch wie ein Schatten neben uns, wenn sie unerwünscht ist.
Das Ziel des Lebens ist der Tod. Können wir dieses erkennen, weitergeben? Ist die Angst vor dem unbekannten Nichts, dem in der Ferne unaufhörlich näherkommenden Tod zu groß, als das diese Erkenntnis nicht den Verstand rauben würde? Erfahrungen mit Krankheit, Schmerz, Verlust eröffnen neue Wege des Denkens, Türen zum Verständnis hin werden aufgestoßen. Wurde diese Tür geöffnet, erweitert sich der Wortschatz, der Gedankenschatz ist freier in seiner Begreifbarkeit, die Handlungsfähigkeit der Seele emanzipiert sich. Die Möglichkeit in unserer und fremder Seelen zu lesen, ist uns durch das Spiegelbild derselben gegeben, die Augen.
Alles von mir Geschriebene findet seinen absoluten Sinn im Zusammenhang. Dem Menschen, dem es gelingt diese Zeilen in ihrer Gesamtheit zu verinnerlichen, ein Gespräch mit der eigenen Seele zu führen, wird Verständnis, gar Entschleierung, der Dinge erwarten. Die Basis meiner Worte ist nicht neu, doch ich verleihe ihr Substanz. Die Angst vor dem Wort ist eine urmenschliche Angst, denn keine Kraft der Welt besitzt diese unbegreifliche, unbeschreibliche Macht.
Ein Wissender