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Wesloer Landstrasse

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02.04.2002
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Wesloer Landstrasse

Wesloer Landstraße

Wortlos, formlos schwebt es über den Wald, drückt die Atmosphäre, ist böse. Ist das Böse. Angst lässt es überleben – Verbrechen stärken es. Die Rache des Waldes.

Die Straße zerstörte einen Teil, spaltete ihn in zwei Gebiete. Heute scheinen die Bäume nach Rache zu schreien. Knarren im Wind, bedrohliche Stille ringsherum.

Das Böse ist frei, bereit tausend heile Welten zu zerstören.

Die Straße – Magtalena ging sie entlang. Immer wieder und wieder. Die Natur schien ihr wohlgesonnen. Die bunten Herbstblätter bewegten sich sanft im Wind. Magtalena ging hindurch und freute sich über die Kunst der Natur. „Nur noch zwei Wochen“, dachte sie im nächsten Augenblick, „dann kann ich diese Strecke hoffentlich endlich mit dem Auto fahren.“ Wieder knarrten die von Menschenhand zerstörten Bäume. Das Böse drohte, doch Magtalena hörte es nicht, sang fröhliche Lieder. Das böse Heftete sich an ihre Fersen und ließ sie nie wieder gehen.

Es suchte sich einen Diener. Bei Magtalenas makellosem, jungen Körper war dies kein Problem, denn Schweine gib es genug. Frank, der schon lange keine weiße Weste mehr hatte, wurde vom Bösen überwältigt. Ganz tief setzte es sich in ihm fest. Auf Magtalena fixiert.

Die Suchmeldungen beschäftigten schon wenige Tage später den ganzen Stadtteil. Nach Wochen suchte die ganze Stadt – vergebens. Magtalenas Leiche lag gut versteckt unter millionen von Sandkörnern im Wald.

Die Hilferufe der Gedankenwelt waren noch nicht ganz verhallt, als ein Möbelwagen die Straße immer wieder entlang fuhr. Das Böse sickerte durch die Fahrzeuge und umarmte das in dem, dem Möbelwagen folgenden, PKW liegende Baby. Oh nein, noch war es zu früh, aber eines Tages, eines Tages würde es soweit sein. Die düstere Macht beobachtete das Kind. Immer, wenn es im Wald war. „Magtalena“ schien die düstere Macht zu flüstern. Es hallte noch viele Jahre nach und jeder, der den Wald betrat, hörte es. Jeder wusste es: Hier war Magtalenas Grab.

Die Jahreszeiten wechselten, die Jahre vergingen. Langsam verhallte Magtalenas Schicksal im
Lauf der Zeit. Kinder spielten im Wald – das Baby war zurückgekehrt. Leicht zu formende Charakter – das Böse hatte leichtes Spiel. Es veranlasste die Kinder zu einem gefährlichem Spiel auf Leben und Tod. Das mitgebrachte Seil sollte eigentlich als Schaukel dienen, doch nun knotete Patrick, der Kopf der Bande, das eine Ende an einem Ast weiter oben fest und hob Niclas, den Kleinsten der drei hoch, um seinen Kopf in die Schlinge zu stecken. Der siebenjährige Niclas wehrte sich nicht, hielt es, genau wie seine Freunde für ein Spiel. Niclas Todeskampf dauerte mehrere Minuten, doch erst, als der kleine Körper sich nicht mehr regte, bemerkten Patrick und Melanie, das irgendetwas nicht stimmte. Sie hoben den regungslosen Körper an und befreiten ihn aus der Schlinge. Die dem Körper entflohene Kraft nutzte das Böse für sich und wurde immer mächtiger. Melanie war ihm noch einmal entkommen, aber eines Tages, eines Tages ist es soweit. „Niclas“, schien die düstere Macht zu flüstern und jeder, der den Wald betrat, hörte es.

Erst Monate später wagte sich Melanie wieder den Wald zu betreten. Die böse Macht hatte sie bereits sehnsüchtig erwartet. Sie suchte sich einen Diener – Norbert fuhr mit seinem Golf die Straße entlang und sah eine junge Frau den Weg entlagschlendern. Keine Zeugen weit und breit. Er lenkte sein Fahrzeug in den nächsten Waldweg und lauerte der jungen Frau auf. Ihre Hilferufen nützten nichts, der Wald war menschenleer, ihre Leiche verschwand unter millionen von Sandkörnern. Wieder war Melanie knapp entkommen, aber eines Tages, eines Tages ist es soweit. „Rebecka“, schien die düstere Macht zu flüstern und jeder, der den Wald betrat, hörte es.

Ich sitze jetzt im Wald. Die Wörter fliegen mir zu. Ich fange sie auf und schreibe sie nieder. Immer mehr verhallt die Geschichte, eine einzige bedrohliche Stimme verbreitet ein echohaftes Stimmengewirr im ganzen Wald. "Magtalena - Rebecka - Niclas - Julian - Hannes -Lisa - Jessica" Das Stimmengewirr wird leiser. Wie ein Donnerschlag ertönt ein letzter Name: "Melanie"

 

Danke Pauli, es wäre noch schöner gewesen, wenn du die Tippfehler auch genannt hättest ;) Ich guck nachher nochmal nach.

 

Hallo hastdunmotto,

kurze, recht eindringliche Geschichte, wie ich finde.

Während dem Lesen ging mir alles ein bisschen schnell, wobei ich das am Schluss letztlich in Ordnung fand, weil die Erzählerin ja nur Wortfetzen im Wald auf sich wirken lässt. Wie die Erzählerin aufgrund dieser Wortfetzen auf die Details über Magtalena (Schreibweise mit "t" fand ich ungewöhnlich) und Niclas kommt, ist mir allerdings nicht ganz klar. Erzählt ihr der Wald die ganze Geschichte?

Die Straße zerstörte einen Teil, spaltete ihn in zwei Teile
Einmal "Teil" würde ich eliminieren, um die Wortwiederholung zu vermeiden.

Millionen von Sandkörpern
"Sandkörnern", oder?

Der 5jährige Niclas
"fünfjährige" würde ich ausschreiben

Viele Grüße

Christian

 

Hi Criss, danke für deine Antwort, ich habe es gleich mal editiert und Niclas und Melanie dabei gleich n bisschen älter gemacht ;) Ich dachte bei der Macht eigentlich ehr an eine Art Telepatie - also, der Wald erzählt ihr die Geschichte schon, aber nicht mit Wörtern.

 

Hallo Motto,

wie ich Dir schonmal im Chat gesagt habe, finde ich diese Geschichte sehr toll. Insbesondere, weil sie weniger Horror als Grusel ist. Es fließt kein Blut oder so, die ganze Gewalt, die den Horror ausmacht, muss im Kopf des Lesers geschehen.

Leider sind in dem Text noch einige Rechtschreibfehler drin. Ich werde den mal eben etwas durchgehen...


Geschrieben von hastdunmotto
Wortlos, formlos schwebt es über den Wald, drückt die Atmosphäre, ist böse. Ist das Böse. Angst lässt es überleben – Verbrechen stärken es. Die Rache des Waldes.

Die Straße zerstörte einen Teil, spaltete ihn in zwei Gebiete. Heute scheinen die Bäume nach Rache zu schreien. Knarren im Wind, bedrohliche Stille ringsherum.

Das Böse ist frei, bereit tausend heile Welten zu zerstören.

hinter "bereit" würde ich ein Komma setzen.
Für ein wenig mehr düstere Atmospähre könnte man vielleicht sagen, dass erst durch die Spaltung des Waldes durch die Straße das Böse entfleuchen konnte, dass es vorher zwar in dem Wald war, jedoch erst aktiv werden konnte, als die Strasse es befreit hat.

fröhliche Lieder. Das böse Heftete sich an ihre Fersen und ließ sie nie wieder gehen.
das Böse groß, heftete klein.

Es suchte sich einen Diener. Bei Magtalenas makellosem, jungen Körper war dies kein Problem, denn Schweine gib es genug. Frank, der schon lange keine weiße Weste mehr hatte, wurde vom Bösen überwältigt. Ganz tief setzte es sich in ihm fest. Auf Magtalena fixiert.
Entweder "Schweine gibt es genug" - oder "Schweine gab es genug".

Der Halbsatz "Auf Magtalena fixiert" wirkt künstlich beigefügt, wie wäre es mit "setzte es sich in ihm fest, fixierte ihn ebenfalls auf Magtalena". Schließlich ist nicht nur das Böse auf sie fixiert, sondern auch Frank muss auf sie fixiert werden, damit das Böse seinen Tribut fordern kann.

Die Suchmeldungen beschäftigten schon wenige Tage später den ganzen Stadtteil. Nach Wochen suchte die ganze Stadt – vergebens. Magtalenas Leiche lag gut versteckt unter millionen von Sandkörnern im Wald.
Millionen wird glaubich großgeschrieben.

Die Hilferufe der Gedankenwelt waren noch nicht ganz verhallt, als ein Möbelwagen die Straße immer wieder entlang fuhr. Das Böse sickerte durch die Fahrzeuge und umarmte das in dem, dem Möbelwagen folgenden, PKW liegende Baby. Oh nein, noch war es zu früh, aber
Ist der PKW wirklich immer wieder hin und her, hinter dem Möbelwagen hergefahren?
"und umarmte das in dem, dem Möbelwagen folgenden, PKW liegende Baby."
das ist zwar wohl grammatikalisch korrekt, aber u.a. durch das doppelte "dem" wirkt das seltsam. Vielleicht könnte man durch einen echten Nebensatz verfeinern.

Ich nehme übrigens an, dass es sich bei dem Baby schon um Melanie handelt, die ja die gesamte Geschichte niederschreibt.

Die Jahreszeiten wechselten, die Jahre vergingen. Langsam verhallte Magtalenas Schicksal im
Lauf der Zeit. Kinder spielten im Wald – das Baby war zurückgekehrt. Leicht zu formende Charakter – das Böse hatte leichtes Spiel. Es veranlasste die Kinder zu einem gefährlichem Spiel auf Leben und Tod. Das
Kann man das "Spiel" vielelicht durch irgendetwas ersetzen? "das Böse durchdrang die Gruppe ohne Widerstand" oder sowas. Diese doppelte Nennung von Spiel fällt (IMHO) auf.

mitgebrachte Seil sollte eigentlich als Schaukel dienen, doch nun knotete Patrick, der Kopf der Bande, das eine Ende an einem Ast weiter oben fest und hob Niclas, den Kleinsten der drei hoch, um seinen Kopf in die Schlinge zu stecken. Der siebenjährige Niclas wehrte sich nicht, hielt es, genau wie seine Freunde für ein Spiel. Niclas Todeskampf dauerte mehrere
"Ast weiter oben" wirkt auf mich seltsam. Ich denke auch, dass hier wieder zu lange Sätze sind. Meiner Meinung nach sollten in solchen unheimlichen Momenten die Sätze eher kurz und einfach zu lesen werden. Bei langen Sätzen kommt dieser Grusel, dieser Horror, diese Spannung nicht so stark auf.

Körper entflohene Kraft nutzte das Böse für sich und wurde immer mächtiger. Melanie war ihm noch einmal
"immer" mächtiger. "immer" bezieht sich meist auf wiederholte Geschehnisse über längere Zeit hinweg, hier bezieht sich das aber noch auf ein Geschehnis. Vielleicht wäre ein "wurde erneut mächtiger". Vielleicht könnte man diese "nutzte für sich" insgesamt auch für einen Satzbau wie "die dem Körper entflohende Kraft (Lebens-Energie?) nahm das Böse in sich auf und wuchs weiter zu bisher nie geahnter Macht."

Erst Monate später wagte sich Melanie wieder den Wald zu betreten. Die böse Macht hatte sie bereits
wage sich Melanie wieder, den Wald zu betreten.

sehnsüchtig erwartet. Sie suchte sich einen Diener – Norbert fuhr mit seinem Golf die Straße entlang und sah eine junge Frau den Weg entlagschlendern. Keine Zeugen weit und breit. Er lenkte sein Fahrzeug in den nächsten Waldweg und lauerte der jungen Frau auf. Ihre Hilferufen nützten nichts, der Wald war menschenleer, ihre Leiche verschwand unter millionen von Sandkörnern. Wieder war Melanie knapp entkommen, aber eines Tages, eines Tages ist es soweit. „Rebecka“, schien die düstere Macht zu flüstern und jeder, der den Wald betrat, hörte es.
Der Satz wirkt auf mich so, als hätte das Böse Norbert schon für Melanie ausgewählt, als dann eine andere junge Frau den Plan durcheinanderbringt. Melanie entkommt, weil Rebecka in der Nähe ist.

"Ihre Hilferufen" - Hilferufe
"nützten nichts" - "verhallten ungehört"?
"millionen von Sandkörnern" - ebenfalls wieder "Millionen"

"eines Tages ist es soweit" - die Verschmelzung der Zeitformen verwirrt. "eines Tages würde es soweit sein."?

"Wieder war Melanie knapp entkommen, aber das Böse war geduldig.
Es hatte gewartet, seit das nichtsahnende Baby auf dem Rücksitz des Wagens in sein Blickfeld rückte.
Es hatte gewartet, seit das kleine Kind die ersten tapsigen Schritte durch den Wald gemacht hatte.
Es hatte gewartet, seit sie Niclas sterben sah.
Es hatte gewartet, seit die junge Dame Norbert entkommen konnte.
und es würde weiterhin warten, bis es auch Melanies Lebensenergie in sich aufnehmen würde.


"Magtalena - Rebecka - Niclas - Julian - Hannes -Lisa - Jessica" Das Stimmengewirr wird leiser. Wie ein Donnerschlag ertönt ein letzter Name: "Melanie"
Kann das sein, das in einer früheren Version noch ein "ich höre Schritte" oder "ein Wagen kommt näher" auftauchten?
Ansonsten würde ich einfach mal den Vorschlag dazu machen, wobei der Donnerschlag wahrscheinlich weiterhin das letzte Wort des Textes sein sollte, vielleicht könnten die Schritte auftauchen in dem Moment, in dem das Stimmengewirr abschwächt. - wobei natürlich das jetzige Ende auch schon sehr angsteinflößend und gut ist.


ich frage mich, wie Du noch beruhigt durch diesen Wald laufen kannst, nachdem Du diesen Text nicht nur gelesen, sondern auch geschrieben hast.

Liebe Grüße,

Markus

 

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