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Wenn Lachen schmerzt
Jedes Lächeln schmerzt, egal wie klein es ist, oder wie unbedeutend. Ich muss mich quälen, jedes Mal. Die Frau von der Bank ist lieb und nett, aber im Moment wünscht ich sie wäre einer dieser mürrischen Besen die nur das Nötigste sagen. Unentwegt grinst sie mir ehrlich ins Gesicht, und zwingt mich es zu erwidern, ich wünschte ich wäre tot. Manchmal glaube ich, dass es da draußen ein paar Menschen gibt, die anscheinend problemlos, ohne irgendwo anzustoßen, durchs Leben gerutscht sind. Wie sonst könnten sie so gut gelaunt und so herzlich in jeden neuen Tag starten. Ich glaube nicht daran, dass sie nur gute Schauspieler sind, denn das bin ich auch. Mein Lächeln jedoch, kommt nicht von Herzen, es ist nur aufgesetzt.Meiner Meinung nach, kann man nur von Herzen lachen, wenn man unbeschwert durchs Leben geht. Doch die Last erdrückt mich. Die Zeit in der ich allen meinen Schmerz gezeigt habe, ist schon lange vorbei. Mittlerweile trage ich die Last, und tue so als wäre sie ganz leicht. Ich habe gelernt mit den Dingen umzugehen, mich damit zu arrangieren, doch ob ich dadurch stärker wurde, kann ich nicht sagen. Auf jedenfall wurde ich härter.
Bevor ich die Bank betrat standen welche kurz davor. Nachdem ich heute Morgen in den Spiegel gesehen hatte, überkam mich schon beim Verlassen meines Hauses ein ungutes Gefühl. Als ich an ihnen vorbei ging, ließen sie wie erwartet ihr Unwetter auf mich nieder prasseln. Ich tat so als hätte ich einen Regenschirm, nass wurde ich trotzdem. Nach so langer Zeit gelang es mir die Scham, welche in meinen Kopf stieg, in Wut umzuwandeln, welche in mein Bauch rutscht. Ich habe mir angewöhnt, mir jedes Mal vorzustellen, wie ich eine Pump Gun in der Hand halte und ihnen damit ihre hämische Lache aus ihren vor Schadenfreude verzerrten Fratzen schieße. Das hilft. Unmittelbar danach kommen mir ihre trauernden Eltern in den Sinn. Wie sie sich am Grab oder im Gerichtsaal die Augen ausheulen, und mir vorwurfsvolle Blicke zu werfen, welche immer die gleiche Frage beinhalten...“Warum?“. Ich sehe mich dann immer Wut entbrannt antworten: „WARUM? WARUM? Ihr ignoranten, egoistischen Arschlöcher habt doch keine Ahnung, was eure ach so geliebten Söhne und Töchter, jedes Mal mit ihrer Umwelt anstellten. Ihr ward so mit euch selbst beschäftigt, dass ihr überhaupt nicht bemerkt habt, wie eure Kinder aus purer Langeweile und ohne Rücksicht auf Verluste alles zerstörten was ihnen nichts bedeutete. Eure Kinder benahmen sich wie die Axt im Wald, keinen Respekt vor anderen Menschen, nur getrieben von ihren verzerrten Idealen. Eure Kinder waren verdorben, bis ins Mark, und das haben sie von euch gelernt. Vielleicht hätte ich nicht eure Kinder erschießen sollen.“ Warum sollte ich Mitleid mit solchem Abschaum haben. Es sind nur ein paar Wenige, die das Leben von Vielen tagtäglich zur Hölle machen. So viele verlorene Geister, die sich verstecken müssen, aus denen nicht wird, nur wegen den paar Leuten, denen sie soviel Macht einräumen. Und was haben wir stattdessen? Stattdessen leben oberflächliche, geistlose Gestalten, welche zu nichts taugen außer Sklavenarbeit, um ihr tolles Leben zu finanzieren, welches besteht aus Fressen, Saufen, Ficken, Schlafen und wieder Arbeiten. Die perfekt verdummte Gesellschaft. Ohne Träume und Seele, mit dem zufrieden was man ihnen in ihren Trog schmeißt. Aber was bleibt mir schon anderes übrig als das zu behaupten. Wäre ich einer von ihnen, wäre ich auch mit meinem Leben zufrieden. Doch das bin ich nicht. Ich bin keiner von ihnen und werde nie einer sein. Also muss ich wohl aus dem was ich habe etwas machen. Die Frage ist... habe ich überhaupt irgendwas?
Mit der Vollmacht, die mir meine Eltern vertrauensvoll für den Notfall gegeben haben, habe ich nun 10 000 Euro abgehoben. In einer Woche bin ich in Australien, wer weiß, vielleicht wird da alles anders.