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Weeny
Zu Halloween ist alles unheimlich. Es passieren seltsame Dinge und so manche Kinder sind auch schon verschwunden und nie wieder aufgetaucht.
Es war der 31. Oktober und es war einmal wieder Halloween. Meine kleine Schwester Josephine freute sich schon, da wir am Abend verkleidet losziehen wollten um Süßigkeiten zu sammeln. Am Abend machten wir uns fertig. Jeder war verkleidet. Wir zogen los und nach einer Zeit hatten wir schon viele Süßigkeiten gesammelt. Wir waren schon sehr müde. Als wir an einer alten, zerfallenen Villa vorbeikamen wollte Josephine unbedingt, dass wir dort ein letztes Mal klingeln. Ich fand die Idee nicht gerade toll, aber Josephine bestand darauf zum letzten Mal zu klingeln. Ich schlug ihr vor ein Haus weiter zu gehen und es dort einmal zu versuchen, aber Josephine wollte unbedingt zu der alten Villa. Mit mulmigem Gefühl betraten wir den eingegangenen Vorgarten, die alte Treppe zum Haus quietschte als wir einen Fuß darauf setzten und es fehlten schon einige Stufen. Wir standen ganz still vor der Tür und keiner sagte ein Wort. Josephine klingelte und es passierte erst einmal nichts, gerade als wir wieder gehen wollten, hörten wir wie jemand drinnen die Treppe hinunter kam. Dann öffnete sich die Tür. Wir hielten die Luft an, bis wir sehen konnten wer oder was da in der Tür stand. Erstaunt schauten wir in das alte Haus, es war kein Mensch zu sehen. Josephine rannte plötzlich in das Haus. Ich rief ihr nach, aber sie kam nicht mehr zurück. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und suchte sie. Plötzlich stand jemand vor mir, aber ich konnte nicht erkennen wer es war. Aber dann machte jemand das Licht an. Mit großen Augen betrachtete ich eine kleine, alte Frau und neben ihr Josephine. Sie hatte einen alten beigen Mantel an, darunter eine weiße Rüschenbluse und einen dunkel-blauen Faltenrock. Sie hatte kurze, grau-weiße Haare und ein zerfallenes mit Warzen übersätes Gesicht. Mit ihrer kratzigen Stimme fragte sie „Was wollt ihr? Ich habe nichts was ich euch geben kann, außer...“ „Außer was?“ fragte Josephine. „Außer ein paar Kaninchen. Ich habe von der letzten Geburt noch so viele über und ich kann sie einfach nicht mehr versorgen. Also wenn ihr eins haben wollt, dann könnt ihr euch ruhig eins aussuchen!“ Ich wusste wie unsere Mutter darauf reagieren würde und sagte, dass sie lieber keines mitnehmen sollte, aber Josephine wollte natürlich wieder alles haben. Nach langem Überreden nahm Josephine sich ein weißes Kaninchen mit. Als Josephine nun endlich zufrieden war gingen wir nach Hause. Sie versteckte das Kaninchen vor unserer Mutter. Am nächsten Morgen baute Josephine für das Kaninchen einen sicheren Schlafplatz, sie nannte das Kaninchen Weeny. In den nächsten Tagen verschwanden plötzlich Sachen und keiner wusste wo sie waren. Eines Nachts, als Josephine aufwachte um auf Klo zu gehen, war Weeny nicht mehr da. Sie suchte ihn überall, aber fand ihn nicht. Als sie am nächsten Morgen verheult wieder aufwachte war er wieder da. Josephine dachte, dass sie das nur geträumt hatte und erzählte es keinem. In den folgenden Nächten blieb Weeny immer länger weg, bis er eines Morgens gar nicht mehr da war. Josephine suchte ihn überall, sogar im Garten. Am Nachmittag klingelte es an der Tür, es war ein Polizist. Er erklärte, dass zurzeit ein Mörder in der Nacht unterwegs war und dass wir die Türen und Fenster schließen sollten. Weeny blieb noch drei Tage verschwunden, bis Josephine ihn eines Abends im Keller fand. Er war ganz abgemagert und Verletzt. Am nächsten Tag sahen wir im Fernsehen, dass unser Nachbar der Mörder war, der in der Nacht tötete und dort fand auch Josephine am Morgen den toten Weeny im Garten liegen.