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Warm up

Cat

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06.03.2002
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Warm up

„Step vorwärts, Doublecheck und Sidestep!“, hallt die energiegeladene Stimme einer jungen Frau durch den Fitnessraum. Ami nimmt ihre Anweisungen kaum wahr. Beinahe unbewusst befolgen ihre Beine die Befehle, ahmen wie automatisch die vorgeführte Schrittfolge nach. Immer wieder tauchen die Bilder auf. Er über ihr. Beide nackt. Glänzender Schweiß auf seinem Rücken.
„Hey, pass doch auf!“, zischt das Mädchen neben ihr, das Ami angerempelt hat. Zu eng hier drin, zu viele Menschen in einem Raum.
Sie weiß nicht, warum sie heute ausgerechnet hierher gekommen ist. Vielleicht um zu vergessen, um wenigstens für ein paar Minuten zu verdrängen, was unaufhörlich in ihrer Vorstellung kreist. Ein Stück Alltag zurückholen.

Früher ist ihr nie aufgefallen, wie schlecht die Luft an diesem Ort ist. Abgestanden und nach schwitzenden Körpern riechend. Ihr Kopf fühlt sich an, als trüge er eine schwere Last mit sich. Ein Käfig voller Gedanken. Sie hatte nicht gedacht, dass es so bluten würde. In den Filmen blutete es nie. Ein sauberer Schuss, der Getroffene fiel um, das war’s.

Die Trainerin läuft zum Cassettenradio und dreht die Musik lauter. Hämmernde Beats graben sich in Amis Kopf, drohen ihn zu sprengen. Ihre Stirn schmerzt. Seelenruhig hatte Ami ihre Sportsachen zusammengepackt, als sei es ein Dienstag wie jeder andere. Sie hätte seine Augen verschließen müssen, bevor sie ging. Seinen leeren Blick verdecken, der nach innen gekehrt schien, der nicht mehr diese Welt betrachtete. Das wenigstens hätte sie tun sollen.
Sie muss raus hier. Glotzende Blicke verfolgen Ami neugierig, als sie quer durch den Saal rennt und dabei eines der Mädchen umstößt.

Im leeren Umkleideraum greifen ihre Hände zitternd nach dem glitzernden Gegenstand in ihrer Sporttasche, der zwischen T-Shirt und Handtuch völlig fehl am Platz wirkt. Das kalte Metall der Pistole kühlt Amis aufgeheizte Schläfen.

Sie lässt ihren Tränen freien Lauf.

 

Also, wenn ich das richtig verstanden hab, hat Ami jemanden umgebracht und versucht das zu verdrängen, was ihr nicht gelingt. Die Andeutung der beiden nackten Körper lässt darauf schliessen, dass das Opfer ihr Liebhaber war. Soviel zum Inhalt.
Nun zum Stil, irgendwie wirkt es merkwürdig. Teilweise sind die Sätze abgehackt, diese Teile passen meiner Meinung nach besser, dann kommen lange, ausführliche Sätze, die genau beschreiben. Ich denken, du hättest bei einem Stil bleiben sollen.

Die Geschichte ist ausserdem noch etwas ausbaufähig, finde ich. Die Reaktionen der Anderen, zum Beispiel auf Amis Verhalten und ihr Weglaufen, könnten interesannt sein.
Grüße
Arthuriel

 

Danke, Arthuriel, für deine Kritik.

Der Wechsel zwischen kurzen und langen Sätzen ist durchaus beabsichtigt. Ich verwende gerne kurze, abgehackte Sätze als Stilmittel, das man jedoch mE nicht überstrapazieren sollte. Eine Geschichte, die nur aus solchen Sätzen besteht, wirkte auf mich eintönig. Längere Sätze dazwischen lockern auf, geben der Story mehr Rhythmus.

Als Reaktion der anderen Mädchen könnte ich mir vorstellen, dass sie einfach weitermachen und sich nicht weiter um Ami kümmern. Ob sie nachher im Umkleidraum einen grausigen Fund machen oder nicht, habe ich bewusst offengelassen.

Viele Grüße
Cat

 

Hallo Cat!
Gut gefallen hat mir, dass ich keinen Fehler entdecken konnte. Außerdem geht die Story stilistisch in Ordnung, solide geschrieben. Das Handeln der Protagonitin bleibt für mich nicht nachvollziehbar. Gut, die Pistole kann ihrem Opfer gehört haben, akzeptiert. Aber so braun, die Waffe, mit der sie ihren Stecher abgeknallt hat, mitzubringen, wo sie schon zum Training geht... neee. Sicherlich wird´s Menschen geben die so was machen. Aber überall gibt es Menschen, die alles mögliche Unmögliche tun. Für mich bleibt das irrational, unverständlich.
...para

 

Hallo Para,

Folgendes habe ich mir beim Schreiben gedacht: Die Protagonistin will nach dem Mord ihre eigene Tat verdrängen und geht deshalb zum Training, um sich ein Stück normalen Alltag wiederzuholen. Sie weiß nicht, wohin mit der Pistole, will sie aber auf keinen Fall zurücklassen und wirft sie deshalb (zunächst ohne Hintergedanken) einfach in die Sporttasche.
Da die Handlung eigentlich nur durch Gedankenfetzen der Protagonistin angerissen wird, ist die Geschichte wahrscheinlich zu schwer nachzuvollziehen. Vielleicht hätte ich einfach mehr auf das Geschehen im Vorfeld eingehen sollen.

Danke für deine Kritik!

Cat

 

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