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straße

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05.06.2003
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straße

Irgendwie hat es wohl die ganze Zeit an der Tür geklingelt ohne das ich es mitbekommen habe. Vielleicht wollte ich es auch gar nicht hören und stellte daher die betäubend belanglose Melodie etwas lauter.
Die Melodie ist einfach, unproblematisch geradeaus und flüstert leichtlebige Versprechungen in mein Ohr während sich ihre Fingerspitzen in meinen Gehörgang bohren so das ich nur der Melodie wummernden Puls höre und das klingeln der Tür, vernebelt und kraftlos, die gleichen Erfolgschancen hat an mein Trommelfell zu gelangen wie elterlich belehrende Sätze inmitten der Unruhen des Teenagerdaseins.
Das klingeln nervt, doch ich will nicht aufstehen.
Irgendwie habe ich Angst eine besonders schöne Stelle im Lied zu verpassen, ein schöner Basslauf, ein kraftvoll gespieltes Schlagzeugsolo oder ein überraschender Umbruch des gesamten Liedes.

Mach die Musik lauter!
..
LAUTER!
....
LAUTER!
...
Yeah, REWIND!

Play it again Sam...……again …again ……..and again!

Mit aller betäubender Wucht erwischt sie mich mitten zwischen den Augen und reißt mich unter Wasser. Sauerstoffblasen tanzen in meinem Bauchnabel und ziehen anmutig-edel wie Perlenketten an meinem Körper vorbei. Ich habe das Gefühl jemand hat mich in eines dieser gläsernen, mit Wasser gefüllten, Dinger eingesperrt die durch schütteln einen Schneesturm simulieren in dessen Zentrum ein stets lächelnder Weihnachtsmann steht.
Da stehe ich nun. Das Kostüm kratzt und ist unangenehm nass temperiert. Tennisball große Schneekristalle pfeifen mir um die Ohren und brechen mir tausend mal Arme und Beine.
Ich will schreien doch meine Lippen lächeln nur. Ich will mich auf dem Boden zusammenkauern um mich vor den Schneekristallen zu schützen doch meine Beine stehen, obwohl tausend mal gebrochen, starr und unbeweglich festverbunden mit dem Boden auf dessen Rücken, für mich unersichtlich, MADE IN: YOUR HEAD, geschrieben steht.
Die Arme gehorchen nicht. Keine Möglichkeit sie schützend vors Gesicht zu halten.
Ich schreie lippen- und lautlos bis das Trommelfell nachgibt und platzt wie Seifenblasen an Fingerspitzen.
Die Stirn tropft mich schwitzend wach und zurück. Die Musik ist aus und das Türklingeln solange ausdauernd bis es verstummt.
Einige Zeit sitze ich unbeweglich in meinem Zimmer während die plötzlich eingetretene Stille dröhnt wie tunneldurchquerende Güterzüge. Als ich mich endlich entschließe an die Tür zu gehen werde ich kurz darauf von einem leeren, und höhnisch lächelndem, Flur empfangen. Ich spüre das irgendwas geschehen ist und habe das plötzliche Gefühl eine ausgewachsene Schlange tanzt in meinem Magen den Mambo der Panik. Ich renne zum Fenster und erblicke den sich von mir fortbewegenden Rücken von Ernst d. Lebens und erkenne aus der Ferne wie er mir mit kräftigem Schwung auf die Straße speit.....
Meine Straße...

 

Hallo Ralf,

und willkommen auf kurzgeschichten.de! :cool:

Bevor ich auf den Inhalt Deiner Geschichte eingehe, muss ich leider ein wenig über diverse fehlende Beistriche und falsche das/dass schimpfen ;)

- an der Tür geklingelt, ohne dass

- in mein Ohr, während

- das Klingeln an der Tür

usw.

Bitte schau die Geschichte daraufhin selbst nochmal durch, und achte darauf, wo Nebensätze mit einem Komma abgetrennt werden müssen und wo "dass" mit ss stehen muss.

Sprachlich ist die Geschichte nicht schlecht, nur einige Sätze klingen etwas holprig, zum Beispiel der zweite, in dem Du übrigens einen Tempusfehler machst - wenn die ganze Geschichte in Präsens ist, muss gerade vergangenes im Imperfekt stehen, was Du auch im ersten Satz richtig machst. Der zweite Satz klänge wie folgt etwas besser: "Vielleicht habe ich auch die betäubend belanglose Melodie lauter gestellt, um das Klingeln nicht zu hören."

In der Mitte des Textes beschreibst Du bildhaft eine Art visionäres Erlebnis beim Musikhören. Ich finde die Beschreibung zwar interessant, kann aber leider nichts damit anfangen - vermutlich, weil ich den Song nicht kenne, den Du meinst. Es nimmt mir etwas zuviel Raum ein, dafür sollte man lieber mehr über den Protagonisten erfahren.

"Die Stirn tropft mich schwitzend wach und zurück" - gefällt mir gut.

"Die Musik ist aus und das Türklingeln solange ausdauernd bis es verstummt." -> Unklar: klingelt es noch weiter, wenn ja wie lange? Ich halte das für wichtig.

"wie tunneldurchquerende Güterzüge" -> "wie Tunnel durchquerende" (neue Rechtschreibung)

"von einem leeren, und höhnisch lächelndem, Flur empfangen" -> gefällt mir, aber warum höhnisch?

Am Ende spuckt der Ernst des Lebens (ganz schön plakativ, den Besucher so zu nennen, aber ok) auf die Straße Deines Lebens.

Ich wage mich mal an eine Interpretation: Der Protagonist schwänzt die Schule, hört lieber Musik, weil das einfacher ist als zu lernen, und als Konsequenz speit das wirkliche Leben auf ihn (meist ist es ja umgekehrt). Will heißen: Selbst schuld, kein Mitleid. Wer sein Leben nicht nutzt um zu lernen, sich zu entwickeln, sondern lieber triviale genießt, wird abgehängt. Gut gebrüllt, Löwe!

Fazit: Inhaltlich durchaus interessant, sprachlich überarbeitungswürdig.

Uwe

 

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