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Spatzenhirn

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26.03.2003
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Spatzenhirn

Spatzenhirn


Mit einem Seufzer drehte er sich um, genoss fuer einen Augenblick die morgendliche Stille und
liess sich dann, einigermassen ermuedet, auf der Parkbank nieder. Seine Knochen waren auch
nicht mehr die besten, das brachte das Alter so mit sich, und der woechentliche Weg zum
See im Stadtpark fiel ihm von Mal zu Mal schwerer.

Er streckte sich ein wenig, nahm die Baskenmuetze ab, und hielt sein Gesicht in die ersten
Strahlen der Morgensonne. So verharrte er einige Minuten, die Augen geschlossen, die Haende
im Schoss gefaltet, die Lippen von einem leichten Laecheln umspielt.

Schliesslich oeffnete er die kleine Tasche, die er mitgebracht hatte, und holte eine
Thermoskanne mit Kaffee und einen kleinen Beutel hervor. Frueher hatte seine Frau ihm den
Kaffee noch aufgesetzt und in die Kanne gefuellt, seit sie ihrer Krankheit wegen ans Bett
gefesselt war, musste er es selbst tun. Anfangs war es schwer gewesen, mit der neuen
Situation und den anfallenden Arbeiten, den grossen wie den kleinen, fertigzuwerden, doch
mit der Zeit gewoehnte er sich daran. Er liebte seine Frau aufrichtig, und das seit mehr
als einem halben Jahrhundert.
'Das Leben ist leichter, wenn man sich ab und zu etwas Spass goennt.' sagte er sich oft
selbst. Und dieser Spass ab und zu, das waren fuer ihn die woechentlichen Ausfluege in den
Park, um die Voegel zu fuettern.

Vergnuegt pfiff er eine kleine Melodie vor sich hin, waehrend er den Blick suchend
umherschweifen liess und genuesslich an seinem Becher Kaffee nippte.
Es war ruhig um diese Zeit im Park, einfach noch zu frueh fuer all das Volk, das sonst
hier unterwegs war.

Er oeffnete den kleinen Beutel, den er mitgebracht hatte, griff hinein und holte eine
handvoll Brotkrumen hervor, die er vor sich auf den Weg streute. Dabei liess er seine
Augen umherschweifen, zu den Wiesen, ueber die Oberflaeche des Sees, zu den Wipfeln der
Baeume, die es in diesem Teil des Parks nur vereinzelt gab.

Die Menschen schliefen noch um diese Zeit, doch die Voegel hatten bereits vor Stunden ihr
Tagewerk begonnen. Und tatsaechlich, der Alte musste nicht lange warten, da erschien ein
kleiner Spatz in seinem Blickfeld, der neugierig die Parkbank und den Mann begutachtete.
Erfreut griff der Alte erneut in den Beutel, und mit langsamen Bewegungen, um das kleine
Tier nicht zu verschrecken, warf er eine handvoll Krumen vor sich auf den Weg.

"Na mein kleiner Freund", murmelte der Alte. "Nicht so zaghaft, komm naeher!" Er ruehrte
sich nicht, besah sich nur belustigt das kleine Voegelchen. Dieses schien dem Frieden jedoch
nicht so ganz zu trauen, es starrte auf die Krumen, dann auf den Alten, dann wieder auf die
Krumen. Aengstlicher Glanz in seinen kleinen Augen, dann ein zoegerlicher Schritt auf die
Parkbank zu. Abwarten. Noch waere es nur ein Fluegelschlag, um jegliche Gefahr hinter sich
zu lassen.

Der Alte neigte den Kopf ein wenig zur Seite. "Hab keine Angst", fluesterte er leise. "Nur noch
ein paar Schritte, und der Schatz gehoert Dir, mein kleiner Freund."
Der Spatz huepfte erneut in Richtung der Brotkrumen, den Alten jedoch nie aus den Augen lassend.
Nur noch wenige Zentimeter trennten ihn jetzt von der ersehnten Mahlzeit. Seinem Ziel so nahe,
rueckte er auf einmal heldenmutig vor. Ein rascher Blick, ein kurzes Picken, dann fuenf grosse
Schritte rueckwaerts, aus der Gefahrenzone heraus! Der Schatz war ihm!
Hungrig schlang er ihn herunter, und der Mann beobachtete ihn mit zufriedenem Gesichtsausdruck.

"Ach, schon so spaet?", erschrak der Alte nach einem Blick auf die Uhr. Er wollte seine Frau
keinesfalls so lange allein lassen. Schade, er waere gern noch ein wenig laenger geblieben,
um den kleinen Spatz zu beobachten. Doch er war einfach zu schnell in Sorgen wegen seiner Frau.
Das kleine Voegelchen schien ihm jetzt weniger misstrauisch als anfangs, denn es war schon
wieder auf wenige Zentimeter an ihn herangekommen, um den naechsten Leckerbissen zu ergattern.
Mit einem Ausdruck in den kleinen Augen, der fast an Dankbarkeit erinnerte, schien es dem
Alten zuzuzwinkern.
Der Alte zwinkerte zurueck. "Du kleiner Tor!", murmelte er. "Haettest nicht so gutglaeubig
sein duerfen."

Naechste Woche musste er unbedingt neues Rattengift kaufen, er hatte nicht mehr viel ueber.

ENDE

(nach einem Gedicht eines begnadeten Freundes von mir :)

 

Hallo Elaine,

"..gehn wir Tauben vergiften im Park..." Dieses Lied fiel mir beim Lesen Deiner Geschichte ein. Ich hatte damit gerechnet und gehofft, dass das Ende in die Richtung geht. Eine solche Idylle braucht einen schwarzen Schluss! ;)

Die Geschichte ist flüssig und locker erzählt, nix dran zu meckern.

Das:

""Wenn man sich nur ab und zu etwas Spass goennt.."
Der Alte laechelte in sich hinein und machte sich auf den Weg nach Hause.
ENDE"

würde ich komplett weglassen. (vor allem das ENDE....!)

Gruß
Bobo

PS.:Sind die Umlaute auf Deiner Tastatur kaputt? ;)

 

Hi elaine,

schaaaaaaaade... Ich hab noch gegen Ende hin gedacht; hoffentlich ist es keine Ich-füttere-Vögel-und-töte-sie-gerne-in-angenehmer-Atmosphäre-Geschichte... Leider ist sie es dann doch... :( Ich hätte es viel schöner gefunden, wenn Deine Geschichte mehr eine Momentaufnahme gezeigt hätte, einfach ganz unspektakulär; Mann füttert Spatzen im Park und denkt ein bißchen nach. Es gehört schon viel dazu, eine Geschichte mit sehr wenig Inhalt so zu schreiben, daß man sie bis zum Schluß liest - und ich glaube, Du könntest das.
Leider war die Pointe meiner Meinung nach schon gegen Mitte spätestens gegen Ende der Geschichte klar... :(

Trotzdem; flüssiger, guter Stil!

Griasle,
stephy

 

Hallo,
der Titel nimmt Spannung bzw. Überraschung, da er die Pointe vorwegnimmt. Ansonsten schön zu lesen, flüssig geschrieben, aber bitte bitte mit Umlauten demnächst, in der Form ("einigermassen ermuedet") sieht das einfach nur scheiße aus.
Mir fehlt übrigens ein Motiv für das Handeln des Protagonisten. In einem Satz zu Erwähnen, dass es ihm Spaß macht, funzt nicht, da du ihn als fürsorglichen, lieben Menschen (seiner Frau gegenüber) beschreibst.
...para

 

Danke für's Lesen und für die Kritik! Hätte nicht gedacht, dass sich das Ende schon so früh erahnenn lässt, so kann man sich irren :-)

Gruss,
M.

 

Hallo Elaine,
vom Stil her fand ich Deine Geschichte sehr gut, obwohl mich auch die Umlaute gestört haben.
Der Inhalt hat mir nicht so gut gefallen, zumal ich ein absoluter Tierfreund bin, und deshalb deinen Prot total unsympatisch finde, der einfach nur aus Spass Vögel tötet.

LG
Blanca

 

Hi Elaine,

mir gefiel deine geschichte sehr gut.. wirklich flüssig geschrieben und sauber und wenn ich "tor" nicht die kommentare angelesen hätte, wäre mir der schluß sicher verborgen geblieben - fand auch nichts in den ersten absätzen, was auf den schluß hinwies - wahrscheinlich lesen wir hier alle zuviel.. und deshalb....

nur para hat recht: die story wäre viel besser, wenn es ein motiv geben würde - also erzähle uns doch, warum seine frau erkrankt ist.. ich möchte wetten, die spatzen sind schuld..:D

insgesamt aber eine schöne, schwarze story..

viele grüße, streicher

 

Hallo Elaine!
Obwohl schon alles gesagt worden ist, wollte ich nur mitteilen, das mir Deine Geschichte gut gefallen hat. Du hast einen sehr guten Schreibstil, wo man sich alles so richtig schön vorstellen kann...Alle Achtung!

Gruß Joker

 

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