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Sommergewitter oder Das Schweigen der Schwalben

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03.07.2012
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Sommergewitter oder Das Schweigen der Schwalben

Es war heiß an diesem Sonntag im Juli. Den ganzen Tag über verdeckte keine Wol-ke den Himmel. Das Land kochte förmlich. Nun war es Abend und ich stand allein am Fenster im Schlafzimmer. In der Ferne türmte sich ein Gewitter auf. Der Himmel dort hinten war völlig schwarz. Schnell zog die Dunkelheit immer näher zu mir. Die Schwalben, die den ganzen Tag über das Haus geflogen waren, hatten sich bereits in ihre Nester zurückgezogen. Ich lehnte mich etwas aus dem Fenster. Ruhe. Das Schweigen der Schwalben. Ein Blitz erleuchtete den Himmel, es dauerte eine Weile, dann konnte ich den Donner vernehmen. Im ganzen Haus war die Luft so heiß, so dick, dass ich kaum atmen konnte. Ich lehnte mich noch ein Stück weiter hinaus, doch auch die Luft draußen war heiß, jedoch bekömmlicher für mich. Nicht mehr lang und es würde auch im Haus ein Unwetter geben. Ich schloss das Fenster, ließ die Vorhänge allerdings auf.

„Das gibt gleich was“, sagte eine gleichgültige Stimme hinter mir. In der Ferne don-nerte es wieder, was ich als recht dramatisch für diesen Auftritt empfand. Ich drehte mich um, auch wenn ich wusste, wer es war.
Dort stand sie, ihre braunen Haare zu einem Zopf gebunden. Das tat sie jedoch nur, wenn es äußerst schwül war und die Gefahr bestand, dass sich ihre Haare kräusel-ten. Sie hatte sich lässig gegen den Türrahmen gelehnt und beobachtete mich. Ich sagte Nichts und blickte sie einfach an. Wieder donnerte es, kurz danach hörte ich die ersten schweren Regentropfen.
„Warum stehst du hier im Dunkeln? Mach doch die Nachttischlampe an.“
Gemächlich ging ich zu ihrer Seite des Bettes und schaltete die Lampe ein. Das warme Licht heizte die Luft im Zimmer noch weiter auf, was mir gar nicht passte. Auf dem Tischchen lag eine Ausgabe eines Tennessee Williams Stückes – „Die Katze auf dem heißen Blechdach“.
„Ist es so besser für dich?“
„Du stehst doch hier im Dunkeln.“

Ich drehte mich wieder zum Fenster, hinter dem gerade ein Blitz den Himmel er-leuchtete. Ich ging näher, stockte aber sofort als ich eine Spinne erblickte, die sich langsam am Fenster abseilte. So gern ich es gewollt hätte, ich konnte nicht mehr zum Fenster; ich hasse Spinnen.
Ich drehte mich wieder um. Sie stand nicht mehr an der Tür, sondern hatte sich auf das Bett gelegt. Ihr grünes Kleid, das nur bis zu den Knien reichte, klebte an ihrem schwitzenden Körper.
„Schlaf mit mir!“
Ich ging hinüber zum Schrank und betrachtete mich im Spiegel. Ich hatte nichts ge-tan und trotzdem bildeten sich Schweißflecken unter meinen Armen, auch meine Stirn glänzte. Hinter mir erkannte ich, wie sie mich mit ihren grünen Augen durch-bohrte; sie wollte mich, ich wollte sie nicht mehr. Ein Donnergrollen.

„Wir sollten uns scheiden lassen.“ Ich hatte mich immer noch nicht umgedreht und beobachtete ihre Reaktion im Spiegel. Der Ausdruck der Lust in ihrem Gesicht ver-wandelte sich.
„Darüber willst du jetzt sprechen?“
„Du weißt doch selbst, dass es nicht funktioniert.“
Sie drehte sich von mir weg und blickte in das heiße Licht der Lampe. Wie sehr wünschte ich mir, dass das Licht dieser Lampe ausginge. Ich wandte mich zu ihr. Im Augenwinkel sah ich einen Blitz, nur wenige Sekunden später folgte der Donner.
„Wie stellst du dir das denn vor?“ Sie sah mich nicht an.
„Du behältst das Haus, ich ziehe aus. Ich habe lange überlegt. Es ist besser so.“
Eine Träne lief an ihrer Wange entlang. Draußen prasselte der Regen stetig gegen das Fenster. Wo wohl die Spinne jetzt war?

„Und warum?“
Plötzlich bekam ich einen trockenen Mund, mein Herz fing an zu rasen, ich hatte das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Ein ohrenbetäubender Donnerhall ließ mich zusammenzucken, während sie einfach da lag.
„Ich… Ich liebe dich nicht mehr. Du weißt das.“
Blitzartig sprang sie auf, umschlang meinen Kopf und küsste mich. Meine Hände umfassten ihre Hüfte, ich spürte ihren bebenden Busen an meiner Brust. Unsere Körper waren verschwitzt. Wieder ein Donner. Immer stärker klatschte der Regen gegen die Scheibe, ein letztes Aufbegehren seinerseits. Hoffnungsvoll schaute sie mich an.
„Du lügst. Du liebst mich.“
„Ich liebe dich nicht!“, fuhr ich sie an, „Ich bin die Katze auf dem heißen Blechdach!“
Immer noch schaute sie mich an, doch der Ausdruck in ihren Augen hatte sich ver-ändert. Der Regen prasselte nur noch leicht gegen das Fenster. Ohne ein Wort zu sagen ging sie wieder ins Bett.

„Ich werde jetzt gehen. – Es tut mir leid.“ Sie starrte in das Licht der Lampe.
Am Türrahmen blieb ich noch ein Mal stehen und drehte mich zu ihr um, konnte aber nur ihren Rücken sehen. Sie machte das Licht aus, doch der Raum wurde sofort durch einen Blitz erhellt. Der Donner blieb aus. Ich wandte mich um zum Gehen als sie doch noch etwas zu mir sagte: „Leb wohl, du Katze.“

 

Hallo Paddy23,
Willkommen bei KG.de!

Auffallend: zwei Überschriften, von denen „Das Schweigen der Schwalben“ wohl als Metapher für das Beziehungsende stehen soll. Dann sollten die Schwalben in der Geschichte aber auch eine größere Rolle spielen.

In deinem Text verwendest du mehrfach als Symbol (als Vergleich oder zur Charakteristik des Protagonisten) die Katze /die Katze auf dem heißen Blechdach). In dem Theaterstück von T.W. geht es erheblich rasanter zu in der Auseinandersetzung zwischenmenschlicher Beziehungen.

Passend zum Gewitter hatte ich in der Handlung ja noch auf etwas mehr Dramatik gehofft, aber deine Trennungsdialoge tröpfeln nur müde vor sich hin.
Es muss wohl an der schwülen Gewitterluft gelegen haben, dass keiner von beiden groß Lust hatte, sich mit der Eheproblematik auseinanderzusetzen, und so erfahre ich nichts über die Gründe, die zum Trennungsbegehren des Mannes geführt haben.
Es wird lediglich der Wunsch nach Scheidung geäußert und angegeben, dass er sie nicht mehr liebe, worüber sie offensichtlich erstaunt ist, s.

„Du lügst!“

Er lässt sich konsequenterweise dann auch nicht mehr verführen, was mir aus ihrer Sicht eh schwierig in diesem verschwitzten Zustand erscheint, und die grobe Güteraufteilung wird vom männlichen Part festgelegt:
„Du behältst das Haus. Ich ziehe aus.“
Das Ganze ist der Frau dann eine Träne wert.
Eine Träne lief an ihrer Wange entlang.
Da legt sich die Frau doch tatsächlich nach halbherzigem Versuch, das Bett mit dem Scheidungswilligen zu teilen und einem flüchtigen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seines Vorhabens, schließlich alleine ins Bett und sagt zum Schluss ganz sanft :
„Leb wohl, du Katze.“
Wie romantisch!

Nein, so geht das nicht im richtigen Leben zwischen Eheleuten, die offensichtlich länger verheiratet sind, sich schon was aufgebaut (Hausbesitz) haben.
In Wirklichkeit laufen Dialoge über Trennungsabsichten eines Partners, das Scheidungsvorhaben und die Aufteilung des Besitzstandes wesentlich dramatischer und schmerzlicher ab.
Man spricht nicht umsonst von Ehekrieg.
Es sei denn, man habe sich seit langem auseinandergelebt und hielte die häusliche Gemeinschaft nur pro forma aufrecht.
Dazu passt dann aber auch nicht das bisher gemeinsam genutzte Schlafzimmer und die Aufforderung der Frau

„Schlaf mit mir!“
Die Zurückweisung würde bestimmt eine tiefe Kränkung und Schamgefühle bei der Frau auslösen und nicht eine Reaktion, wie:
„Hoffnungsvoll schaute sie mich an.“

Fazit:
Mich hat die Szenerie rund ums Gewitter nicht gepackt, die Protagonisten kommen zu müde daher und vom Konflikt, der zur Trennungsabsicht des Prots geführt hat, erfahre ich nichts. Ich kann nicht einmal erahnen, warum er seine Frau nicht mehr liebt. Da hilft mir die Aussage:
„Ich liebe dich nicht mehr. Du weißt das.“
auch nicht weiter.
Man hätte aus der Grundidee „Gewitter“ und „Ehegewitter“ mehr machen können.

Formal:
Du hast offensichtlich die Silbentrennung am PC beim Zeilenumbruch eingestellt, daher erscheinen viele Wörter im ander formatierten Text hier mit Trennungsstrich.
RS:
Am Türrahmen blieb ich noch ein Mal stehen
einmal
wandte mich um zum Gehen KOMMA als sie doch noch etwas zu mir sagte

Mein Kommentar klingt wohl sehr hart, er war aber als Überarbeitungshilfe gemeint. Lass dich nicht entmutigen.
Lieben Gruß
kathso60

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Paddy23

Jetzt sehe ich gerade, dass kathso60 während ich offline schreib, bereits einen Kommentar geschrieben hat. Ich hänge meinen trotzdem an, da ich ich schon getippt habe.

Die Grundidee, der parallele Vergleich der Gewitterstimmung und der Stimmung des Paares, finde ich gut. Mir fehlt allerdings die Spannung, die Dramatik im Ganzen. Die bedrohliche Gewitterstimmung, die Du beschreibst, kann ich nicht fühlen. Auch die Stimmung/Anspannung zwischen dem Paar berührt mich nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich der Dialog, eines Paares, das sich trennen will, so emotionslos anhört, selbst dann nicht, wenn die Sache total verfahren ist.

Dann ist da diese Metapher „Das Schweigen der Schwalben“ für die Beziehungskiste. Auch diese Idee gefällt mir, doch ich vermisse den Bezug zu den Schwalben in der Geschichte.

Der Prot. ist mir zu matt, fast schon langweilig. Vielleicht könntest Du mit mehr Dialog der Geschichte mehr Leben und Glaubwürdigkeit geben.


Wol-ke / don-nerte / kräusel-ten / er-leuchtete / ge-tan / durch-bohrte / ver-wandelte / ver-ändert
Da hast die Silbentrennung aktiv.
In der Ferne türmte sich ein Gewitter auf.
Sind es nicht die Gewitterwolken, die sich auftürmen?
Ein Blitz erleuchtete den Himmel, es dauerte eine Weile, dann konnte ich den Donner vernehmen
Den Donner vernehmen klingt so nach wahrnehmen. Der Donner knallt oder kracht, da kannst Du mehr Stimmung aufbauen.
ihre braunen Haare zu einem Zopf gebunden
Ich habe lange Haare und flechte meinen Zopf. Zusammenbinden tut man doch einen Rossschwanz, oder irre ich mich da?
Ich drehte mich wieder zum Fenster, hinter dem gerade ein Blitz den Himmel er-leuchtete.
Auch da finde ich, dass erleuchten so lieblich klingt.
Und achtung auf Wortwiederholungen.
Immer stärker klatschte der Regen gegen die Scheibe, ein letztes Aufbegehren seinerseits.
Auch hier ein letztes Aufbegehren seinerseits. Kann man das sagen? Für mich klingt das irgendwie fast formell. Auch da muss mehr Kraft rein.

Ach dies klingt jetzt alles etwas bös, das ist es nicht. Nimm die Kritik als Hilfe an. Ich denke wirklich, es würde sich lohnen, da nochmals daran zu arbeiten. Daraus kannst Du etwas machen.

Freundliche Grüsse Rosalia

 

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