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Skript

Seniors
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13.06.2002
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Skript

Und? Langweilen Sie sich auch gerade so wie ich? Kann ich verstehen, hier gibt’s ja auch wirklich nichts zu tun. Warum haben die hier eigentlich nur die Sportbild und die Gala rumliegen und keinen Playboy? Und dann noch diese verdammten Stühle. Unbequem wie ein Sack Kartoffeln. Diese Warterei hier geht mir ziemlich auf den Keks, muß ich sagen.
Naja, kann man nichts machen. Soll ich Ihnen vielleicht eine Geschichte erzählen? Dann geht die Zeit für uns beide schneller rum. Es ist eine ziemlich seltsame Geschichte, muß ich sagen. Wenn sie mir nicht selbst passiert wäre, würde ich jeden, der so etwas erzählt, für verrückt halten. Versprechen Sie mir bitte, daß sie mich nicht für verrückt halten.

Nun, alles begann am Morgen danach. Ich hatte die Nacht nicht wirklich geschlafen und vor dem Computer gesessen, bis es draußen schon wieder hell wurde. Mein damaliger Verleger kannte da keine Gnade. Wenn er einem Autor eine Frist setzte, dann hatte der die einzuhalten. Naja, wem erzähl ich das. Sie sind ja selbst Autor und kennen das sicher. Nun, mein absolut letzter Termin war eben an diesem Tag, daher diese Nachtschicht. Aber zum Glück bekam ich die Geschichte rechtzeitig fertig. Es war genau sechs Uhr morgens, als ich die vier goldenen Buchstaben setzte: ENDE
Der Verleger wollte den Text um elf bei sich auf dem Schreibtisch haben. Also ließ ich den Drucker einfach laufen, während ich mich ins Bett legte, um wenigstens noch ein wenig zu schlafen. Mein Wecker klingelte um neun Uhr, also drei Stunden später. Ich stand auf, machte mich frisch, entnahm dem Drucker das Skript, steckte es ein und öffnete meine Wohnungstür.

Bis hierhin war alles noch ziemlich normal, wenn man mal davon absieht, daß ich vergessen hatte, mir die Zähne zu putzen. Aber an exakt dieser Stelle begann meine Geschichte wirklich seltsam zu werden. Ich sah also auf die Straße hinaus. Doch das war nicht meine Straße. Der Zeitungskiosk an der Ecke, dessen Besitzer mir die Zeitung und ein Bier schon jeden Morgen bereitlegte, war nicht da. Ebenso wie die Bäckerei, in der ich immer meine Brötchen kaufte. Eigentlich fehlte alles, an was ich mich im Laufe meines Lebens gewöhnt hatte. Stattdessen war dort eine ganz normale, anonyme Straße, an der es gar nichts besonderes gab - keine Passanten, keine Geschäfte, keine Bäume.
Die Häuser am Straßenrand waren monotone graue Klötze, die alle irgendwie nichtssagend aussahen. Ein wenig irritiert verließ ich die Wohnung und ging zur Bushaltestelle, die, so hoffte ich zumindest, wohl noch da sein würde. Nun, sie war es nicht. Unschlüssig stand ich an der menschenleeren Straßenkreuzung. Dabei fiel mir auf, daß die Straßen gar keine Namen trugen. Ich konnte einfach nichts ausmachen, an dem ich mich hätte orientieren können. Alles war so anonym und... leer. Ja, leer ist der richtige Ausdruck. Es fehlte einfach an Details, wenn Sie verstehen.

In der Ferne konnte ich dann doch ein Haus ausmachen, das sich optisch von den anderen abhob. Es war eine Kneipe und sie stand an der Ecke Hauptstrasse/Lindenallee. Und tatsächlich, hier gab es auch wieder Bäume am Straßenrand. Auch einige Passanten wanderten an mir vorbei und verschwanden wieder zwischen den grauen Fassaden im Nichts. Während ich noch die Neonreklame der Kneipe bewunderte, wurde ich ziemlich grob angerempelt.
„Pass doch auf!“, herrschte ich den Mann an. Er trug einen Trenchcoat, dessen Kragen er sich als Schutz vor dem Wind hochgeschlagen hatte. Und auf einmal spürte wirklich einen leichten Windzug. Vorher war es absolut windstill gewesen.
Seltsamerweise reagierte er gar nicht auf mich und betrat die Kneipe, als folge er einem strikten Schema, in das ich nicht hineinpaßte. Ich sah ihm eine Weile nach, denn der Typ kam mir irgendwie bekannt vor. Auch die Kneipe hatte ich schon mal irgendwo gesehen. Dann fiel es mir ein. Ich zog mein Skript aus der Tasche und schlug es auf. Seite fünf. Dort stand es:

Als Peter sein Appartement verließ, wehte ihm ein eisiger Wind ins Gesicht. Ihm war kalt und so vergrub er sein Gesicht im Mantelkragen, als er in seine Stammkneipe ging. Sie stand an der Ecke Hauptstrasse/Lindenallee. Er ging durch die belebte Allee, vorbei an den Bäumen, die sich im Wind wiegten, und betrat schließlich das „Green Horse“, die schummerigste Kneipe in der Stadt.

Ich hoffe, Sie glauben mir das, aber ich bin wirklich in meiner eigenen Geschichte gelandet. Alles war exakt so, wie ich es in meinem Skript beschrieben hatte. Das klingt wirklich verrückt, ich weiß. Aber genauso war es.
Ich tat das Nächstliegende und betrat das Green Horse. Wirklich eine üble Spelunke, die ich mir da zusammengeschrieben hatte. An der Theke stand ein offensichtlich übel gelaunter Wirt, der einige Gläser polierte. Davor einige Barhocker und ein paar Tische in der Mitte des Raumes und das war auch schon alles.
Bis auf Peter war die Kneipe leer. Laut meiner Geschichte sollte er jetzt bald seinen besten Freund Joe treffen, um dann rein zufällig in seinen neuen Fall verwickelt zu werden. Peter Jackson ist nämlich ein Privatdetektiv. Ich schreibe Krimis, müssen Sie wissen. Und das, wenn ich das bei meiner Bescheidenheit sagen darf, ziemlich erfolgreich.

Und wie ich in der Kneipe stand und mir stolz meine Schöpfung besah, kam mir ein seltsamer aber verlockender Gedanke. Wenn ich diese Kneipe und alles andere hier erfunden hatte, konnte ich es doch bestimmt auch verändern. Ich beschloß, es auf einen Versuch ankommen zu lassen, zog mein Skript aus der Tasche und nahm meinem Bleistift, den ich immer mit mir herumschleppte, in die Hand. Was hatte ich denn schon zu verlieren? Wenn es nicht klappen sollte, würde es halt keiner merken.
Ich probierte es einfach aus und skizzierte grob ein paar Gäste in das Lokal. An der Theke sollte ein Mann sitzen, der einer jungen, gutaussehenden Blondine schöne Augen machte, hinten in der Ecke spielten ein paar Jugendliche Billard und neben dem Klo stand ein Typ am Kondomautomaten und versuchte, für sich und seine Freundin die Nacht zu retten. Als ich den Kopf hob, sah ich, daß diese Leute nun tatsächlich im Raum waren. Es hatte also wirklich funktioniert. Ich konnte mit meinem Bleistift hier die Realität ändern. Um eine weitere Probe zu machen, setzte ich mich zu Peter. Er erkannte mich natürlich sofort – immerhin hatte ich es kurz zuvor so im Skript vermerkt.

„Joe, schön dich zu sehen! Was verschlägt dich denn hierher?“, sagte er zur Begrüßung.
„Das selbe wie dich auch. Bierdurst. Jimbo, mach mal zwei klar!“ Der Barkeeper nickte und machte sich ans Werk. Wir unterhielten uns etwa sieben Minuten lang über Gott und die Welt, bis Jimbo uns das Bier brachte.
„Peter, ich will ehrlich zu dir sein. Mein Name ist nicht Joe.“, sagte ich ihm dann.
„Das macht doch nichts.“
„Und ich bin auch nicht dein Freund.“
„Aha... sag bloß...“ Ich konnte sehen, wie sein Miene sich verfinsterte.
„Mein Name ist Karl Miller und ich bin Autor. Ich habe eine Geschichte über dich geschrieben und jetzt bin ich in ihr gefangen.“
„Aha...“
„Du bist nur meine Romanfigur.“
„Haha... ja, ein guter Witz. Da hast du mir aber einen scheiß Schrecken eingejagt. Darauf einen Schluck. Prost!“ Peter stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Einen Moment lang war ich stolz, so einen selbstständig denkenden Charakter erschaffen zu haben.
„Du glaubst mir nicht?“ Ich schob ihm mein aufgeschlagenes Skript über den Tisch, damit er es selbst lesen konnte.

Peter und Joe waren alte Freunde. Beide wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf, beide hatten nie Glück im Leben gehabt, kein Geld, keine Arbeit, keine Frauen. Das einzige, was sie wirklich hatten, war ihre Freundschaft.

Ja gut, ich gebe zu, das war wirklich ziemlich kitschig. Aber was sollte ich machen? Die Leser wollen sowas halt lesen. Fragen sie nur mal Hera Lind.

Und wie sie so an ihrem Bier nippten, flog plötzlich ein Stein durch das Fenster und traf Joe am Kopf.

In dem Moment, wo ich das las, fiel es mir wie Schuppen vor die Augen. Diesen verdammten Stein hatte ich total vergessen. Schnell nahm ich den Kopf zur Seite. Und tatsächlich flog wie auf Bestellung ein Stein durch das Fenster, verfehlte mich nur knapp und fiel einem der Poolspieler auf den Fuß.
„Woher zum Teufel hast du das gewußt?“, fragte Peter mich erstaunt.
„Ich habe es mir vor einigen Wochen ausgedacht. Das hier ist meine Geschichte.“
„Du hast mich also wirklich erfunden?“ Ich nickte. Auf der Straße standen zwei Männer in schwarzen Anzügen und sahen durch das Loch in der Scheibe.
„Laß dir das eine Lehre sein, Jimbo. Jetzt weißt du, wie schnell etwas passieren kann. Du brauchst Schutz. Wir würden das gerne für dich übernehmen.“ In meiner ursprünglichen Geschichte stand Peter an dieser Stelle auf, rannte nach draußen, verfolgte die Erpresser und die eigentlich Handlung begann. Aber er war zu erstaunt über das, was ich ihm eben gesagt hatte und so machte er keine Anstalten in diese Richtung.

„Du warst das? Ich habe den ganzen Scheiß hier dir zu verdanken?“, fragte er und seine Mine verfinsterte sich zunehmend.
„Ich finde, du bist ein sehr gelungener Charakter.“
„Ach, hör schon auf damit! Du hast mich arm, erfolglos und unattraktiv gemacht. Warum nur?“
„Hey, das hier ist ein Krimi. Detektive müssen Verlierer sein, das gehört sich so.“, sagte ich. Sie sind ja selbst Autor und wissen sicherlich, daß das stimmt.
„Und warum bin ich da keine Ausnahme?“
„Weil du ganz der stereotype Antiheld sein solltest...“, versuchte ich, mich zu rechtfertigen.
„Gibs doch zu! Dir ist einfach nichts besseres eingefallen. Und überhaupt, was soll das hier alles? Jeden Tag gehe ich in diese miese Kneipe, besaufe mich, gerate in irgendein blödes Abenteuer, führe bescheuerte Dialoge mit hölzern wirkenden Leuten nur um am Ende wieder hier zu landen! Das ist also alles deine Schuld?“ Das interessierte mich dann doch. Ich beschloß, ein Experiment zu wagen, nahm mein Skript und fügte an einer entscheidenden Stelle einen kleinen Satz hinzu. Als Versicherung für mich, falls die Sache schiefgehen würde. Dann ließ ich Peter weiterreden. Wann hat ein Autor schon einmal die Gelegenheit, Kritik quasi aus erster Hand zu hören?

„Die Leute hier bewegen sich total hölzern, sie reden wie abgehalfterte Seriendarsteller und sehen alle gleich aus. Die Stadt ist totlangweilig, es gibt nur ein paar echte Häuser und der Rest ist einfach grau. Du hättest hier wirklich mehr beschreiben sollen!“, polterte er auch gleich los.
„Ach komm... du weißt ja nicht, wie schwer das ist. Soll ich etwa die ganze Stadt beschreiben, nur damit es dir besser geht?“
„Ja, das hättest du vielleicht machen sollen! Ich hätte das gemacht an deiner Stelle.“
„Zeigs mir.“, sagte ich ernst. Jetzt oder nie. Ich gab ihm mein Skript und den Stift in die Hand. Es war anfangs reine Neugier, müssen Sie wissen. Ich wollte einfach mal sehen, was passiert.
„Du willst wissen, wie ich das gemacht hätte?“ Er nahm den Stift, und begann, zu schreiben.

...

So, jetzt hab ich also die Kontrolle. Dies ist jetzt meine Geschichte.
Dieser häßliche Kerl der angeblich mein Freund war, glotzte mich aus trüben Augen blöde an. Draußen standen immer noch die beiden Typen und grinsten uns dämlich an. Ich schrie nach draußen, sie sollen sich endlich verpissen, und das taten sie dann auch. Ich wirke ja auch recht imposant, mit meinen einsneunzig, den breiten Schultern und den stahlblauen Augen, die jedem Mann den Willen brechen können und jede Frau in meinen Armen zu Wachs werden lassen.
Der Typ glotzte mich immer noch an. Ich haßte ihn wirklich. Für alles, was er mir angetan hatte. Darum schlug ich ihn KO. Ich stand auf und ging an den Tresen, dann setzte ich mich neben die Blondine. Ich fand, daß dieser– wie hieß er noch – Karl wenigstens hier einen guten Geschmack bewiesen hatte. Die Puppe sah wirklich zum Anknabbern aus. Ich schob also den komischen Typen, der neben ihr saß, beiseite und setzte mich neben die Sahneschnecke.
Ich ließ meinen ganzen Charme spielen und

...

Na endlich! Das war ja nicht zum Aushalten. Da gibt man seinem Helden mal die Chance, seine Geschichte selber umzuschreiben und der hat nichts besseres zu tun, als seine Komplexe zu bewältigen. Außerdem hat der echt einen erbärmlichen Stil. Zum Glück hatte der andere Karl, also der ursprüngliche Autor dieser Geschichte eine Versicherung abgeschlossen. Und das war ich. Er hatte nämlich einen Satz in sein Skript geschrieben, in dem stand, daß der Mann an der Theke den Namen Karl Miller trägt und Schriftsteller ist. So hatte ich mich also noch einmal in die Geschichte geschrieben.
Ich nahm also eine Flasche von der Theke und schlug sie Peter Jackson auf den Kopf. Er fiel wie ein nasser Sack auf den Holzfußboden. Sein Gesicht landete genau in eine Pfütze, deren Ursache ich nicht mal erahnen wollte. Um nun die Ordnung zu wahren, nahm ich das inzwischen ziemlich vollgeschmierte Skript an mich und gab es meinem anderen Ich zurück. Immerhin gehörte es ihm. Also mir... also... naja, Sie wissen schon.

...

Ich war meinem zweiten Ich wirklich dankbar, daß er meine Geschichte gerettet hatte und ließ ihn zum Dank erstmal mit der Blondine im Hinterzimmer verschwinden. Dann fiel mir auf, daß er ja eigentlich ich war und somit eigentlich ich mit der Blondine im Hinterzimmer... ich fand diesen Einfall mit der zweiten Identität wirklich ziemlich gelungen. Ich nehme mal an, Sie stimmen mir da zu.
Naja, wie sie vielleicht schon bemerkt habe, sehe ich natürlich nicht annähernd so schlecht aus, wie Peter mich eben beschrieben hatte. Eigentlich könnte man mich sogar als ziemlich attraktiv bezeichnen. Viele Frauen mögen meine... ach nein, jetzt fange ich auch schon an, meine Komplexe hier auszubreiten... tut mir leid. Ich sollte wohl besser mit der Geschichte fortfahren.

...

Scheiße, hat das weh getan! Ich kam wieder zu mir und mein Kopf brummte, wie... wie... ach, zum Teufel. Jedenfalls hab ich gesehen, wie dieser Miller mit dem Barkeeper über irgendwas geredet hat. Worum es ging, hab ich nich verstanden. War mir auch ziemlich egal, denn ich war immer noch stinksauer auf diesen Arsch.
Ich nahm also die Flasche, die er auf meinem Kopf zerdeppert hatte und rammte ihm die abgebrochene Flasche in den Bauch. Klar, daß er das nich überlebt hat. Ich hörte einen Schrei aus dem Hinterzimmer und bin natürlich sofort hingerannt. Da lag die Perle von eben nackt auf dem Boden und dieser Miller... also der andere Miller, der... ach verdammt. Jedenfalls lag der auf ihr drauf.
„Helfen Sie mir. Sehen Sie nicht, daß er mich hier vergewaltigt?“, schrie sie. Ich konnte Angst in ihren Augen sehen. Ich schlug den widerlichen Lustmolch mit der KO und nahm die Alte in meine starken Arme.
„Danke, mein Held!“ sagte sie. Dann küßte sie

...

Die Frau merckte, das der Kerl sie nur vervü... fer... verfür... anmachen wollte und trat ihn in die Ei... nein, das schreipt mann nicht... zwischen die Beine. Ich stand gerade an der Teke und füllte Bier ab. Der Laden lif wirklich gut, wie imer. Die Kasse war immer foll und meine Gäste sint imer gerne hier.
Dann hörte ich einen Schrei. Ich ging in das Zimer und half der Frau auf die Beine und gab ihr auf den Schrek einen Schnaps. Den Mann, den sie getreten hat, warf ich aus dem Laden. Der andere Mann war imer noch bewustlos. Dan kam er wider zu sich und ich gab ihm meine Servit... Serw... den Lapen in meiner Hand.

...

Was für ein Glück, daß mein anderes Ich Jimbo von der Sache mit dem Skript erzählt hatte. Er hatte dann die Geschichte auf seiner Serviette weitergeschrieben. Es war überhaupt ein ziemliches Glück, daß Jimbo hier überhaupt Servietten hatte. Er ist ein netter Kerl, müssen Sie wissen. Zwar nicht der Beste in Rechtschreibung, aber ein netter Kerl. Zum Dank beschloß ich, seinen Text in mein Skript zu übernehmen, damit er seinen brummenden Laden behalten konnte.
Die Frau saß übrigens noch an der Theke, nippte an ihren Drink und lächelte Jimbo und mir dankbar zu. Ich hatte nun wirklich keine Lust mehr auf diese ganze Sache, verließ die Kneipe, trat beinahe auf den immer dort liegenden Peter und nahm mein inzwischen ziemlich zerfleddertes Skript wieder an mich. Dann schrieb ich schnell eine geheime Tür in das Lokal, trat hindurch und war wieder zuhause.


Sofort setzte ich mich an meinen Schreibtisch und schrieb das neue Skript fein säuberlich ab. Diese komische Geschichte war wirklich um einiges besser, als mein Originaltext, wie ich fand. Meinen Termin bei meinem damaligen Verleger hatte ich natürlich längst verpasst und darum sitze ich jetzt hier und hoffe, daß dieser Verlag meine Geschichte annimmt.

Ja, das war meine Geschichte. Ich habe Sie gewarnt, es ist wirklich ziemlich verrückt gewesen, oder? Müßte ich nicht gleich dran sein? Was macht dieser Typ denn da in seinem Büro so lange? Der soll diesen Steven King oder wie der heißt einfach nach Hause schicken. Naja... wollen Sie vielleicht mal einen Blick in mein Skript werfen?

...

Dieser Trottel drückte mir also seine Geschichte in die Hand. Ich fand sie ein wenig holprig erzählt, aber eigentlich gar nicht schlecht, von der Idee her. Ich als einer der begabtesten und berühmtesten Schriftsteller überhaupt kann so etwas ziemlich gut beurteilen.
Eigentlich eine Frechheit, daß mich der Verleger hier so lange warten läßt, noch dazu mit diesem Verrückten an meiner Seite. Ich nahm also das Skript, strich seinen Namen durch und setzte meinen eigenen Künstlernamen drunter. Ich kenne meine Leser, die merken das bestimmt nicht. Man, der staucht diesen King aber ganz schön zusammen. Naja, ein King ist ja auch nichts im Vergleich zu mir.

ENDE

 

Hi gnoebel,
puh, diese Geschichte mußte ich wirklich zweimal lesen!
Das hast Du davon, wenn die Charaktere in Geschichten das Zepter in die Hand nehmen :D
(find´ ich auf jeden Fall pfiffig, die Idee!). Auf jeden Fall kam schön rüber, wer gerade "dran" war (besonders natürlich der Barkeeper)
- nur am Ende (in den letzten beiden Abschnitten)hab ich etwas den Faden verloren, als ob da etwas schneller von Charakter zu Charakter gehüpft wurde oder irre ich mich da?
:)
Auf jeden Fall schöne Grüße
Sonja, der Bopf

 

Einen wunderschönen guten Abend

Freut mich, wenn Dir der Text gefallen hat (sonst hättest Du ihn ja nicht zweimal gelesen...), Lob hört man gerne.

Am Ende passiert folgendes: Der Autor der Geschichte, also Karl, geht durch die Tür nach Hause und schreibt sein Skript fein säuberlich ab. Dann geht er zu einem Verleger, wo er mit einem anderen Autor im Vorzimmer wartet. Dem erzählt er die Geschichte (vgl. erster Satz) und gibt ihm schließlich das Skript.
Dieser andere Autor schreibt den letzten Absatz unter das Skript, ändert den Namen des Autors und wird somit zum letzten Erzähler und damit eigentlichen Autor der Geschichte.
Dabei wird er außerdem eine Figur in der Geschichte und kann mittels des letzten Absatzes die Realität andern, womit er sich weit über einen gewissen Micheal Crichton (u.a. Jurassic Park) stellen kann.

Ja, so war das. Ich hoffe, damit hätte ich Deinen Faden gefunden... ;)

Gruß zurück, GNOEBEL

 

gnoebel, gnoebel! Tu mir das nicht an! Dich zu loben... :D Das hast du fein gemacht!

Sehr verwirrend, aber echt cool! Zu erst dachte ich: Ach, schon wieder ein sch... Autor, der auf einmal in seiner eigenen Geschichte landet, aber was du daraus gemacht hast, ist dir echt gelungen!

Wenn man aufmerksam liest, kommt man sogar mit!

Servus, Grüßle, Korina.

 

Ja, fein gemacht habe ich das...

Ich hab mir extra viel Mühe gegeben, damit ich mir ganz sicher sein konnte, Dich zu einem Lob quasi zu zwingen... hehe, hat funktioniert. ;)
Was heißt da überhaupt so ein sch... Autor? Ich kenne den jungen Mann zwar nicht persönlich, bin mir aber sicher, daß er weder schön, noch schlau und schon gar nicht schlank ist.
Naja egal, das Publikum freut sich, der Clown hat seine Mission erfüllt.

In diesem Sinne... GNOEBEL

 

So, ich habe mal tief in den Weiten meines Archivs gebuddelt und diese Perle meiner frühen Schaffenszeit ausgegraben.

Schon immer wollte ich sie nochmal überarbeiten und jetzt ist es endlich vollbracht. Der Text ist nun an vielen Stellen komplett neu geschrieben, dazu digital remastered und überhaupt viel cooler geworden. Ich denke mal, dieses Ereignis ist es wert, den alten Thread nochmal wieder hochzuholen.

Fragt nicht nach der ursprünglichen Version, die war nicht so toll und darum hab ich sie überschrieben...

 

Hi gnoebel

Hm, wieder mal so ein kommerzieller Directors Cut, und dann noch so kärglich ausgestattet. Kein "Making of", keine Interviews mit den Hauptdarstellern, keine rausgeschnittenen Gewaltszenen tztz.

Wenn man davon absieht fand ich die Story durchaus gelungen, zumindest bei mir hat die Verwirrungstaktik gewirkt, am Ende war ich froh, dass es nicht noch eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte gab, das wär zuviel des Guten.

Was die Erzählweise ausmacht, ist der nuschelige Ich-Erzähler, der zu allem seine Kommentare abgibt und sich oft direkt an den Leser wendet.
Das mag Geschmackssache sein, aber richtig "cool" finde ich das nicht, wenn man als Leser dauernd angesprochen wird und sich der Erzähler immerzu rechtfertigt.
Da hättest du meiner Meinung nach einige Stellen einfach weglassen können, besonders die Einwürfe a la "wenn sie verstehen" "wenn ich das so sagen darf" "müssen sie wissen" etc. Auch die satirischen Krümel wie die Stelle mit Hera Lind fand ich nicht wirklich nötig, da doch etwas verbraucht als Gag ;)

Gefallen haben mir dann die Stellen, wo du so Einfälle einbaust wie den Typ mit der Rechtschreibschwäche die Story weiterschreiben zu lassen oder die Unterhaltung mit Peter. Irgendwie hatte ich da immer die alten Lucas arts-Adventures im Kopf, falls dir das was sagt. Wo man sozusagen auch in eine schlecht skizzierte Welt geworfen wird, in der die Figuren nur bestimmte Sätze sagen können usw.

Liebe Grüße
wolkenkind

 

Hi Gnoebel,

zum Abschluss eines stressigen Bürotages schon fast zu verwirrend für meine kleinen grauen Zellen. Glaube aber, alles richtig mitbekommen zu haben.

Werde sicherheitshalber morgen noch mal drüberlesen.

Bis dahin - Hut ab vor deiner Erfindungsgabe. Geschichte schööööööööön. :thumbsup:

LG
merenhathor

 

Moin,

Vielen Dank fürs Kommentieren.
Ja, verwirrend ist der Text tatsächlich. Ich gebe zu, ihn selbst nicht ganz zu verstehen...

Zu der Sache mit den "Müssen Sie wissens"s: Ich habe hier sehr mit der Dreifaltigkeit Autor-Erzähler-Protagonist gespielt. Am Anfang ist der Erzähler alles drei zusammen (er hat die Geschichte, die er erzählt, geschrieben). Und um das deutlich zu machen (das er eben eine Geschichte erzählt), habe ich diese Einschübe benutzt. Übrigens spreche ich damit nicht den Leser, sondern mein Erzähler seinen Zuhörer an.
Und die Hera Lind konnte ich mir an der Stelle nicht verkneifen. Wie gesagt, ich hab den Text in meinem Archiv gefunden und fand diese bestimmte Stelle so kitschig, daß... naja...

 

Fragt nicht nach der ursprünglichen Version, die war nicht so toll und darum hab ich sie überschrieben...

Ja, toll. Und mir raubst du wertvolle Denkminuten, um Beiträge zu deiner Ursprungsversion nachzuvollziehen.
Jetzt, nachdem ich dir schon wertvolle Leseminuten geschenkt habe.

HA! Du GANZE-HAND-NEHMER!

Warum erklärst du soviel in deiner Geschichte?( e.g. "Zum Glück hatte der andere Karl, also der ursprüngliche Autor dieser Geschichte eine Versicherung abgeschlossen. Und das war ich.")
Ein bißchen Nachdenken schadet keinem Leser. Dann wäre sie stellenweise auch nicht so furchtbar langatmig. Denn die Ausführlichkeit ist schon ihr Problem.

Der Anfang ist wirklich langweilig, der erfrischende Impuls im Mittelteil verblasst dann aufgrund der Länge und das Ende, na ja, da hätte ich mir auch was anderes gewünscht.
Trotz einiger Ideen wirkt die Geschichte für mich immer noch viel zu blass und unoriginell.

So. Einmal hast du die Geschichte ja schon überarbeitet.

 

Moin Kritiker,

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.
Ich finde aber eigentlich nicht, daß ich zuviel erkläre.
Dein Beispiel mit der Versicherung ist wichtig, weil ich hier die Verbindung zu der Stelle schaffe, an der Karl Miller sein zweites Ich wirklich in den Text schreibt (da, wo er Peter das erste Mal sein Skript in die Hand drückt) - es geht hier um den Wiedererkennungswert des Wortes "Versicherung".
Ansonsten habe ich nach der ersten Version die Erfahrung gemacht, daß viele Leute (nicht nur auf KG.de) oft den Faden verloren haben. Darum habe ich beim zweitern Versuch ein wenig mehr erklärt.

Was das Ende betrifft, das hatte ich selbst bislang eigentlich immer als ziemlich gelungen empfunden - zumal es sehr eng an der Geschichte und somit mMn folgerichtig aber gleichzeitig überraschend ist. Naja, Geschmäcker sind halt verschieden.
Schade, daß es dir nicht gefallen hat - nochmal werde ich den Text aber wohl nicht überarbeiten (vielleicht am Anfang ein wenig kürzen).

 

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