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Sehnsucht

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08.05.2003
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Sehnsucht

Sehnsucht

Mein Körper fror und ich erwachte, ohne mir der Realität bewußt zu sein, in der ich mich nun befand. Nur langsam begann mein Geist sich zu erinnern, versuchte das Geträumte in diesem Augenblick zurückzuholen. Unwiederbringlich waren diese Bilder der Nacht für mich. Begab mich an mein Fenster, sah hinaus, spürte, mein Leben würde sich bald verändern. Zu unruhig das Innere, zu viele Schmetterlinge im Bauch, zu viel von allem.

Zu lange war ich nun allein, wirklich allein, trotzdem meine Vergangenheit immer mit einem
Menschen geschmückt worden war. Wo war sie geblieben die Zeit, Liebe, ein Zuhause,
eine Familie, die Zweisamkeit, die ein jeder benötigt?

Die Jahre zogen an mir vorbei, mal freundlich, mal ungestüm, wie das Meer eines
Herbststurmes. Die Zeit der Tränen, Ungewissheit wurde immer häufiger Gast in meiner
Seele. Zu viele Fragen, zu wenige Antworten.

Wo ist sie, was macht sie, ist sie auch allein, wo soll ich nur suchen? Die ganzen Jahre der Rastlosigkeit haben mich an viele Orte gebracht, Seelen in mein Leben treten lassen oder mich nur kurz gestriffen, sind weitergezogen.

Gast sein, willkommen sein, Freund sein. Situationen welche wohlige Wärme in uns verbreiten, Wirken wie eine Droge. Benötige sie zum Leben, bin glücklich in den Momenten des Genusses. Der Morgen danach ist schlimmer, als alle Schmerzen dieser Welt. Es zerrt und reißt an der Seele, gebärt Tränen der Hoffnung, Einsamkeit, das Innere schreit nach Ruhe, Geborgenheit, Zuwendung, Liebe. Schreie verhallen, Tränen trocknen, die Seele hat eine Narbe mehr in ihrer so verletzlichen Haut.

Wie lange werde ich so noch leben können, ohne das mich irgendwann die Einsamkeit auffrisst, mein Weg plötzlich in einem Abgrund der Ziellosigkeit und Verbitterung endet? Will wieder in mir die Blumenfelder blühen sehen, Haut die mich liebt auf der meinen verspüren, erwünscht sein, verrückte Dinge tun, Sterne zählen, Regentropfen fangen, barfüßig durch den Regen wandeln, Vögeln beim Fliegen zusehen, Wolken auf ihrer Reise folgen.

Möchte sie finden, gleichzeitig keimt aber auch die Angst einer weiteren Enttäuschung in mir auf, fühle mich zurückversetzt in meine Kindheit: Freue mich zügellos auf sie, wie ich mich immer auf den ersten Schnee gefreut habe. Die Gewißheit über die kommende Schmelze stimmte mein Gemüt traurig, die Schönheit des fallenden Schnees verlor an Glanz, Freude.

Weg, einfach weg, irgend etwas einpacken, fahren. Diese Zeitmaschine mit dem Namen Auto wird mich schon dort hinbringen, wo ich finden werde, dessen ich so lange erhofft habe. Lege meine Musik ein, diese alles verzehrende, von Gott und Teufel gleichzeitig gespielte Musik, ein realer Film. Jedes Auto ein Leben, auf dem Weg irgendwo, nirgendwo hin.

Oftmals strande ich an dem Ort, der mich scheinbar magisch anzieht, an der See. Die Klänge, diese Bilder, welche nicht von dieser Weit sind, in mir tragend, gehe ich zu ihr, setzte mich in den Sand und blicke in die Weite, sehe, wie in der Ferne das Wasser und der Himmel eins werden. Wellenrauschen stimmt mich melancholisch, machen mich zu dem, was ich bin: introvertiert.

Meine Psyche lebt von Musik, Liebe, Zuneigung, Berührungen. Fehlt mir dieses gerate ich ins Trudeln, bin verwirrt, verliere meinen Halt. Diese Weite, das Ungewisse, die Gegensätzlichkeiten der Natur. Wer bin ich?

Gedankenverloren sehe ich in einem Augenblick des Suchens auf und dort steht sie, als habe die ins Wasser führende Brücke sie gerade geboren. Eine Aura welche mein Herz erwärmen läßt, Bewegungen des Körpers in seiner Vollendung, Augen in denen ich ertrinken möchte, um erschöpft und durchnäßt das darin befindliche Glück genießen zu können. Sehe sie an, finde mich in ihren Seelenspiegeln wieder.

Sie lächelt. Ein Lächeln für das ich sterben würde. Wenn das wirkliche Leben Situationsmusik spielen würde, so hätten in diesem Moment die wohlklingensten Instrumente ihre Musik gespielt, um diesem Menschen ihre Aufwartung zu machen. Klänge in Vollendung, Sanftheit. Weniger hätte eine Mißachtung ihrer Seele dargestellt. Tränen dringen nach außen, eben noch verschlossene Blumenfelder öffnen ihre Blüten, wieder ist sie da, diese Hoffnung und Angst in mir.

Wie von einer fremden Hand geführt erhebe ich mich, streiche den Sand ab, sehe auf, nur um mich zu vergewissern, daß ich nicht geträumt habe. Begebe mich zu ihr. Wie sie so vor mir steht, wird es wohlig warm in mir, unsere Hände treffen sich gleichzeitig, kein Wort zerstört den Augenblick der Vollendung. Das ist Magie! Der erste Moment der Berührung fremder Leben, das Einswerden ohne sich zu kennen. Nervosität, Angst, Glück, Hoffnung. Eine Flut von Eindrücken, welche nicht verstanden sondern erlebt, gelebt werden wollen.

Ihr Duft, ihr Gang, ihr Wesen, ein Bild für die Ewigkeit in meinem Geist eingefroren. Die Vergangenheit ließ mich eben noch allein ins Weite sehen, einen Augenblick weiter ist aus dem Ich ein Wir geworden.

Nehme sie behutsam in meine Arme, sinke hernieder in den Sand, teile mit ihr den uns sich darbietenden Sternenhimmel, als leuchten diese in jenem Augenblick besonders hell, nur für uns. Wir beginnen uns zu berühren, lieben uns. Eine Nacht der Metamorphose, in der wir eins werden. Ein Zusammenspiel von Körper und Geist, das ein Spiel entfacht bei dem man sich verbrennen, fallen lassen und am Ende doch verlieren kann.

Liebe ist ein sensibler Traum, sie kann jede Wunde heilen, aber auch nie wieder offene Wunden verwachsen lassen. Diese Gratwanderung zwischen sterben wollen, sich der Unendlichkeit des Nichts hingeben können und dem Sturz von den Sternen in das schwarze, tiefe Nichts.

Sie steckt mir einen Ring an meinen Finger. Einen Ring, der für mich von diesem Moment an alles bedeuten wird. Sehe ihr in die Augen, verspüre auch die in ihr aufkeimende Ungewißheit des Ausganges dieses von uns begonnen Spieles auf dem Feld des Lebens.

„Wo kommst du her, wie hast du mein Leben gefunden, wer bist du?“, frage ich sie. Ihre Seele sieht mich an, dieser von der Ewigkeit geformte Mund entläßt Worte in ihre Freiheit vor denen ich schon mein ganzes Leben Angst hatte, fortan immer haben werde. „Glaube mir, ich weiß die Antworten deiner Fragen nicht. Ich weiß nur, daß ein Wir in diesem Leben keine Zukunft haben werden wird, da mein Leben bereits vergeben wurde.“


Meine Seele fiel in einen Tunnel, taumelte ohne Ziel nach allen Richtungen, mein Verstand wollte diese Worte nicht realisieren. „Aber ... was ist geschehen mit uns, welches Ziel verfolgt das Schicksal damit? Ich möchte mit dir die Unendlichkeit dieser Welt suchen, den Schatz am Ende des Regenbogens finden, mit dir gemeinsam die Sterne erforschen, unsere Seelen sollen gemeinsam wachsen, ihre verdiente Ruhe finden, möchte endlich wieder friedlich schlafen können, kein Wanderer in den Leben anderer mehr sein! Hilf mir dabei, bitte!“

Sie sah mich an, empfing mich in Ihren Armen, nahm mein Leben in ihr Herz auf und entließ meine Gefühle auf dem Jahrmarkt der Stürme und Tränen, mit der Fahrt in eine scheinbar zukunftslose Realität.

Nach einer endlos scheinenden Zeit gingen wir gemeinsam vom Ort des Beginnens in die neue, ungewisse Zukunft hinein, trennten uns mit dem Versprechen am folgenden Abend erneut hier aufeinander zu warten.

Gerade erst verlor ich einen Mensch, welcher mich nach der schwersten Zeit meines Lebens verlassen hatte. Schmerz, Unverständnis, Wut und ein erneut sich breitmachendes Nichts vor mir am Firmament sichtbar.

Blind stürzte ich mich in eine erneute, scheinbar zukunftslose, Fastbeziehung, wobei dieser Mensch für mich nur Mittel zum Zweck zu seien schien oder vielleicht auch nicht? Noch blutend auf dem Schlachtfeld der Liebe stehend meine Wunden leckend, ist dieses wundervolle Geschöpf plötzlich da, sieht meine Wunden, spürt meine Verletzlichkeit und gibt sich scheinbar dem Ungewissen hin. Warum?

Will sie mir nur helfen, bedeute ich ihr trotz der widrigen Umstände etwas? Meine Seele sagt mir „Du liebst diese Frau!“, das diese Liebe jedoch auf schwankendem Boden verharrt, ihre Stützpfeiler der Zukunft jeden Moment einzufallen drohen ist mir in vollstem Umfang bewußt.

Mein Kopf ist ein Zusammenspiel aus Sehnsucht, Intelligenz, Schönheit, Gratwanderungsgelüsten, Liebe und ich kann fliegen. Ja, ich kann fliegen! Habe gelernt aus dieser erdrückenden Realität herauszufliegen und es bedarf nicht viel dieses zu schaffen: Musik und Phantasie.

Diese Gesellschaft erdrückt mich mit Ihren Werten, Normen und Heucheleien. In diesem System werden Kinder und Frauen mißhandelt, gehen diejenigen fleißig in die Kirche deren Vergewaltigungen und Zerstörungen in fremden Ländern dahinsiechen, sich verkaufen müssen, weil diese Lügner und Narzißsten unentdeckt agieren können! Die Falschheit dieser verkauften, verratenden Seelen ließ mich so werden, wie ich scheinbar geworden bin. Wer sieht mich so, wie ich wirklich bin? Kaum jemand. Will mich nicht verlieren, will nicht dem Götzen meine Huldigung darbieten, doch werde ich in teilweise zur Anpassung gezwungen, um nicht im Seelenmüll dieser Gesellschaft zu ertrinken, verwelken.

So viele Worte bleiben unausgesprochen, so viele Berührungen bleiben versagt, soviel Individualität und Homogenität bleibt auf der Strecke des Lebens, bis hin zur Vollendung des selben. Bin ich ein so introvertierter Mensch, daß meine Vorstellungen das Leben und eine Gemeinsamkeit betreffend so abschreckend erscheinen? Wenn ich liebe, dann liebe ich rein, liebe ich ehrlich.


Wie oft wurden, werden diese drei so begehrten Worte „Ich liebe Dich!“ missbraucht, durch berechnende und lügende Münder? Oft, viel zu oft! Menschen zu finden die mit uns fühlen, leiden, bereit sind in den wirklich wichtigen Stunden bei einem zu sein ist wohl das größte Glück dieses Lebens.

In diesen Momenten frage ich mich. ob ich nicht bereits ein Teil dieses Ganzen geworden ist? Wenn ich eine Frau liebe, die mir, wie sie sagt, bereits vergeben ist, weshalb habe ich dann nicht die Kraft, diesem ein Ende zu bereiten?

Es ist nicht der Reiz auf etwas Verbotenes, nicht die animalische Lust auf etwas, dessen ich nicht haben darf. Mein Hadern liegt tief lauernd in mir. Ihre Seele berührt mich zutiefst, läßt mich verzweifeln.

Bereits in diesem Moment lichtet der Nebel sich, beginne zu sehen, daß ich diese Frau immer lieben werde, da mein Herz sich bereits ihrer angenommen, ein Bett aus Rosenblüten bereitet hat. Niemals werde ich Forderungen, gar Erwartungen an sie stellen. Meine Seele empfängt mit Freude und Liebe jene Gaben, welche sie bereit ist mir zu geben. Will sie nicht verlieren, werde alles versuchen, um dieses Besondere nicht zu zerstören, wenngleich dieses sehr viel Kraft von mir abverlangt.

Meine Seele will ihr die Unendlichkeit schenken, mein Herz will immer bei ihr sein, doch dieses bleibt mir scheinbar versagt. Einzig das Schreiben ist mir geblieben, wobei sie diese Zeilen wohl nie lesen werden wird. Zu verletzlich, zu sensibel, zu offen, die Phobie vor dem verletzlich sein und werden können.

Am darauffolgenden Abend begebe ich mich an den Platz unserer Verabredung. Da sehe ich sie kommen. Eine Bereicherung für mein Leben, sie beim Schreiten zu beobachten, ihr Lächeln, ihre hell erleuchtete Aura anzusehen, eine Königin der Schönheit und Bezauberung. Ich erinnere mich an diesen einen Kuß von ihr, bin glücklich. Wir nehmen uns an die Hände, sehen uns in unsere Seelenspiegel, gehen einfach los, ohne Ziel, ohne Worte. Neben ihr zu gehen erfüllt mich mit Stolz. Die Welt bekommt die herrlichsten Farben, sehe wunderschöne Schmetterlinge, beginne zu schweben, möchte diesen Augenblick in mir bis zur Unendlichkeit für fokussieren, damit dieser mich niemals wieder verlassen kann.

„Du erscheinst mir so abwesend, träumst du?“, fragt sie, mich aus meinen Träumen reißend. „Ich genieße. Genieße dich, genieße das Leben. Danke das du heute hierher gekommen bist, du bedeutest mir sehr viel. Ich sehe in deinen Augen Angst, Angst darüber, ich könne dein Leben zerstören, Narben verursachen, welche irreparabel sein könnten. Habe diese Angst bitte nicht. Ich bin kein Mensch der die Individualität eines Lebens aus reinem Egoismus und Befriedigungssucht zerstört. Glaube mir! Vertraue mir! Ich liebe dich, dazu gehört für mich Respekt, Zurückhaltung, ewige Freundschaft und Liebe.“

Sie sieht mich prüfend an, sagt eine scheinbar ewig andauernde Zeit nichts, nimmt meine Hand, gibt mir auf meine Wange einen Kuß und sagt “Danke“. Eine perfekte Antwort für einen Menschen der es verdient, ehrlich und ewig geliebt zu werden. Würde sie zu mir sagen: „Bitte komme nie wieder in mein Leben, die Gefahr der Versuchung ist zu groß, das daraus entstehende Leid unermeßlich. Ich liebe dich, doch bitte verlasse mein Leben, es ist besser für mich.“

Ich würde es für sie machen. Eine ursprüngliche, reine, wahre Liebe ohne Zukunft ist für mich wertvoller, als ein Spiel auf der Bühne des Lebens, in dem so viele Tränen, so unendlich viel Leid, Verzweiflung, unerfüllte Lieben dargeboten werden.

Mein Herz würde immerfort an sie denken, die Nächte bekämen etwas Unheimliches, Trauriges für mich und doch wäre ich nicht allein, da ich mir ihrer für immer gewiß sein könnte.

„Es ist für mich so unbeschreiblich schwer. Bin auf der Suche nach einem Zuhause, einer Familie, jedoch hält das Leben für mich scheinbar keines dieser eben genannten Dinge bereit. Möchte dich, da ich spüre das du für mich bestimmt bist. Bei dir würde ich Ruhe, ein Zuhause finden. Die Liebe und Freundschaft zu dir gibt mir Kraft und Halt für die Dinge, welche dieses Leben für mich bereit hält. Habe Angst vor dem Alleinsein im Alter. Dieses Leben, wie ich es führe, zerrt an mir, bringt mir keinerlei Ruhe, gar Frieden. Vielleicht bin ich aber auch kein `Mann für das Leben´? Die Lösung verbirgt sich unauffindbar in den Windungen meiner Gedanken, Gefühle.“ „Ich kann dir, so gern ich es auch möchte, deine Antworten nicht geben, bin nicht deine Lösung. Würde gern mit dir ein Stück des Lebens gemeinsam gehen, gespannt den Entwicklungen daraus entgegentreten, doch bin ich vergeben. Bin verwirrt, durcheinander und doch klar. Wir haben uns zu spät getroffen.“

Zu spät! Seit meiner Krankheit eine Wortkonstellation die in mir das nackte Grauen erweckt. Will nicht mehr zu spät zu irgend etwas kommen. Zu groß die Angst in mir vor einem plötzlichen Neuausbruch dieser gemeinen, fürchterlichen Krankheit. Nicht noch einmal will ich diese Dinge erleben, sehen, die ich in dieser Zeit erfahren mußte. Nicht noch einmal! Ich lebe, doch diese tägliche Angst kann zermarternd wirken.

In solchen Momenten denke ich, was sein wird, wenn plötzlich diese eine Diagnose wieder vorliegt, ich dem Ende, ungewissen Neuanfang in einer anderen Welt entgegenblicken muß. Wird sie dann bei mir sein, meine Hand halten, mich verabschieden? Verlange ich womöglich zu viel? Ich weiß es nicht, aber ich möchte nicht allein gehen.

Muß Erwartungen erfüllen, täglich, diese Erwartungen engen mich ein, sie erdrücken mich in ihrer Vielfalt, dem daraus resultierenden Erfüllungszwang. Die Gesellschaft erwartet von mir, daß ich ein vollwertiges Mitglied mit allen Pflichten und Rechten bin, in Zukunft sein werde, was immer diese Rechte und Pflichten auch sein mögen. Das Leben erwartet von mir, daß ich mich gesund ernähre, an Gott glaube, ich die mir auferlegten Prüfungen meistere. Ich glaube an Gott, ich weiß, daß ein Abschied von dieser Realität der Beginn für etwas Neues sein wird. Angst habe ich trotzdem. Sie erwartet von mir, daß ich den Menschen, welchen ich gerade lieben lerne, wieder fallen lasse, da diese Liebe kein Fundament bietet. Diese Erwartung werde ich erfüllen, wenngleich der zu gehende Weg in diese Richtung beschwerlich und schmerzhaft sein wird. Erwartungen, Erwartungen.

Doch wo bleibe ich dabei? Wer erfüllt meine Erwartungen? Wer ist für mich da, wer wird für mich da sein, wer vertreibt dieses Gespenst namens Allein? Einzig mein Traum ist mir geblieben. Möchte nicht gehen, bevor ich in den Highlands gewesen bin. Dieser Traum drängt unerbittlich auf Erfüllung, will leben. Sehe ich Bilder von dort, höre ich Musik aus diesem Land, fühle ich mich verbunden, habe das Gefühl als lägen dort meine Wurzeln verborgen.


Vielleicht aus einem früheren Leben? Dieses könnte die Erfüllung meines Lebens sein, kehre von dort vielleicht nicht zurück. Was ist dort, was erwartet mich, basiert alles nur auf einer meiner Phantasien, spielt diese mir womöglich einen Streich? Werde es wohl erst erfahren, wenn ich dort gewesen bin, mich die daraus resultierenden Konsequenzen mit ihren unbeugsamen Armen umschlingen, nach Luft ringen werde.

Je mehr ich schreibe, je weiter ich in mein Innerstes vordringe, desto mehr Fragen werden geboren, wollen genährt und erzogen werden

Mein Leben gerät mehr und mehr aus den Fugen, spüre die Veränderungen auf mich
zukommen, wenngleich ich sie noch nicht sehen kann. Meine Seele ist angespannt, mein Geist zum Zerbersten aufgeregt, die innere Unruhe will nicht weichen, im Gegenteil, sie wird immer stärker. Möchte doch nur das eine, Frieden.

Wie aber soll ich diesen finden, wenn kein Mensch an meiner Seite ist, mir Halt gibt, meine Hoffnung zurückholt, deren dunkle Tönung mit neuer greller Farbe tüncht? Wo sind die Sonnenstrahlen, die meine Nasen kitzeln, wo ist jene Zeit geblieben, in der ich morgens aufwachte und mein Kissen war nicht durchtränkt von den Tränen der Nacht? Wo ist jene Zeit geblieben, in der ich geliebt wurde, Zuneigung empfangen durfte? Wo ist sie, wohin führt ihr Weg, welche Gefühle erwachsen für mich in ihr?

Könnte ich ihr die von mir gewidmeten Zeilen schenken, es würde mir etwas besser gehen. Doch wie würde sie darauf reagieren? Würde ich damit einen Fehler begehen, das wenige, was vorhanden ist, mich glücklich macht, zerstören? Werde es wohl nie erfahren.

Bemerke an ihrer Unruhe, daß sie für mich bestimmte Wörter gebären will. Frage, was es denn sei, bekomme diese alles zunichte machende Antwort: „Bitte gehe von mir, aus meinem Leben, gehe für mich, bitte. Unsere Seelen, unerfüllte Sehnsüchte werden uns auch weiterhin verbinden. Bitte lasse mir mein Leben wie es ist.“ Ich sehe ihr das letzte mal in diese wundervollen Augen, gebe ihr einen letzten Kuß auf ihre Stirn, berühre noch einmal ihre weiche Haut und gehe. Ohne mich nochmals umzuwenden.

Nach einer langen Zeit des Gehens verspüre ich eine Schwäche in mir, setze mich in den vom Tau benetzten Sand, sehe in das unendliche Dunkel der See, fühle mich auf einmal so leer, so unbeschreiblich leer. Kein Gedanke, kein Gefühl. Es weicht die Angst von mir, sehe ein helles, warmes Licht. Dieses Licht ist so unbeschreiblich warm, geheimnisvoll einladend. Kann nicht wiederstehen, lasse mich rückwärts in den Sand fallen, schlafe ein.

Dieser Schlaf ist entgültig, nicht von dieser Welt. Mein letzter Gedanke in dieser Welt ist sie, das letzte Bild das meine Augen sehen ist sie, wie sie lacht, mich in Arme aufnimmt.

Dann lasse ich meinen Körper zurück, gehe glücklich hinüber in dieses Licht, mit dem Wissen, einmal in meinem Leben wirklich geliebt worden zu sein. Danke!

 

Einfach wunderschön!

Das Einzige, was mich ein wenig stört, sind die Verweise auf den Zustand der Gesellschaft, auf die "Narzißten" und die Anprangerung der Erwartungshaltung.
Das hättest Du meiner Meinung nach weglassen sollen.

 

Vielen Dank, hätte so schnell nicht mit einer Antwort gerechnet. Um so mehr habe ich mich über die erhaltene Nachricht gefreut. Sollte auch Interesse an weiteren Geschichten und / oder Gedichten bestehen, dann einfach auf www.schreibzimmer.de/autor/nilsrensmann gehen. Vielen Dank und viel Spaß! Gott schütze Dich!

 

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