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Schlecken
Schlecken
Dein so lüsternes Lippenlautverzittern muss einen weiten Weg nehmen. Meine Ohren sind so weit weg von deinem Bussi-Bussi-Mund. Manchmal verirren sich sogar menschliche Worte, manche so wild, manche so zart, mitten hinein in dein Tiergestöhn. Deine Laute fliehen durch die Schlucht deiner Brüste, um dann um den Gefühlegrund deines Nabellochs herum, wie ein hungriges Rudel Winterwölfe um ein ins Dornengebüsch geflüchtetes Reh zu kreisen. Sie flüchten dann weiter, verwandelt in einen leise-kühlen Lufthauch, über den Umweg an deinen steilen Hüftknochen vorbei - die ich manchmal in Liebe ertrunken "meine süßen Kleiderständer" nenne, an denen ich dann meine Zähne zart verwetze - zu diesem kleinen Hügel hinunter, an dem sie dann wie der Tau an den saftig-grünen Blättern der Bäume an einem hellen Sommersonnenmorgen zu verhängen drohen.
Doch meine an unserer Zweisamkeit so irre gewordene Zunge lechzt nach diesen hauchfeuchten Lauten. Mit meinen angespitzten Lippen küsse ich jeden dieser deiner Tropfen auf. Ich bin gezwungen - ein freiwilliger Sklave zum Kuss um Kuss. Mein Kopf ist brutal eingegraben in der fruchtigen Erde an deinem Gefühlegrund. Deine Worte, deine Laute dringen gerade noch leise durch das Fleisch deiner meinen Kopf fast zerquetschenden Schenkelhälse hindurch. Dein Becken zuckt manchmal hoch, so unkontrolliert, so Lustverloren. Manchmal streckst du dann dein Rückgrat durch, du wetzt dann dein Zitterlippenweich an meinen Zähnen.
Meine Seele labt sich an der Oase deiner Zwischenschenkelfeuchtigkeiten. In einer einzigen Implosion saugst du meine Zunge tief in dich hinein. Sie zerfetzt, wie eine Weltraumrakete angesogen von einem Schwarzen Loch im weiten Universum. Meine Seele hat sich anverloren an deinen Lebensmittelpunkt. Meine spitzen Spitzen meines Mondgesichts verspitzen sich in deinem Weich.
Meine Nasenspitze spielt "Hallo und so" mit deinen ankommenden Worten am oberen Rand des Spalts und reichen sie dann weiter. Meine Zungenspitze schleckt sie einfach weg. Die Spitze meines Kinns gibt sie etwas weiter unten bohrend an dich zurück, während meine Hände, wie indianische Windfänger nach all deinen anderen Lauten haschen, die meine deine Haut berasenden Fingerkuppen dann wieder über "meine süßen Kleiderständer", dein Nabelloch hinweg, um das steil aufragende Gebirge deiner Brüste herum, wie fleißige Bienen den eingesammelten Honig, zurück in den Bienenstock zu deinem Wispermund tragen.
Meine Fingerkuppen verspielen sich dann dort an diesem deinen so leicht geöffneten Ort. Deine Zunge verraut daran. Du knabberst sie an. Und da wechselt auf einmal dein Ton. In der Tiefe deines Geschlechts erbraut sich ein Sturm. Meine Zunge, so nah am Orkan, mein Lippenpaar, mein ganzer, zwischen deinen Schenkeln eingequetschter Kopf, sie vervibrieren an der urzeitlichen Tiefe dieses Tons. Ein Brummen, für Sekunden im Bauch geballt, explodiert und verbebt dann deinen ganzen langen Körper entlang, an dem du hinab siehst bis hinunter zu meinem Kopf, dessen Gesicht vergraben ist, zwischen deinen gehobenen Schenkeln, in deinem Schoß.
Da knurre ich auch. Ich bin der ausgehungerte Löwe, der sein Reißgezähne tief in das zuvor mit seinem Scharfgekralle aufgefetzte Gedärm seines erjagten Opfers schlägt. Dein Schrillen klingt auf einmal laut und so ungedämpft in meinen Ohren. Die mich gerade noch so zerquetschende Wehr deiner Schenkel ist gefallen. Sie klaffen auseinander, wie ein weites Vau.
Du verbeißt dich wild an meinen Fingerspitzen. Deine Zähne graben tief hinein in Knochen, Nägel, Fleisch, in Haut. Der Schmerz lässt mich die Zähne fletschen. Ich knurre, der Löwe brüllt, er hat sich über seinem Opfer drohend aufgebaut und sieht auf dieses Bild hinab. Dieses Bild, dieser Irrsinn von einem Bild, ... es, er schreit ganz laut:
Auch in deinen Augen kann ich es lesen. Auch deine Augen sagen es ganz laut: "Hey Buji, du Schleckermäulchen, lass das Schlecken doch endlich sein und lass uns endlich ficken!"
© Copyright by Lothar Krist (14.6.2003)
(Zu dieser Prosa wurde ich beim Wiederlesen von Erich Frieds Gedicht "Erwartung" inspiriert.
Erwartung
Deine ferne Stimme
ganz nahe am Telefon -
und ich werde sie bald aus der Nähe
entfernter hören
weil sie dann von deinem Mund
bis zu meinen Ohren
den langen Weg nehmen muß
hindurch zwischen deinen Brüsten
über den Nabel hin
und den kleinen Hügel
deinen ganzen Körper entlang
an dem du hinabsiehst
bis hinunter zu meinem Kopf
dessen Gesicht
vergraben ist zwischen deine gehobenen Schenkel
in deine Haare
und in deinen Schoß.
Erich Fried
Es ist was es ist
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Quarthefte - Verlag Klaus Wagenbach - Berlin