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Satanswerk
Satanswerk
Kapitel 1: „Angst"
Der Auszubildende FBI Agent Dave hatte seine Studien endlich beendet. Ein langer, harter Arbeitstag lag hinter ihm, doch nun, endlich hatte er den Beweis gefunden, den Professor Manson gesucht hatte. Mit der Hilfe von ihm würde es vielleicht endlich gelingen, den Verrückten, der schon seit Tagen die Gegend unsicher machte, zu überführen.
Seit einiger Zeit schon waren Menschen verschwunden und ihre Leichen entdeckte man erst Tage später, grausam gezeichnet.
Dave ging langsam die Treppen hinauf und klopfte vorsichtig an die Tür.
- Keine Reaktion von drinnen.
Er betätigte die Klinke und öffnete langsam die Tür ...
Das Bild, das sich ihm bot, war furchtbar und grausam.
Der Körper des Professors befand sich unmittelbar vor ihm auf dem Boden, jedoch fehlten ihm beide Arme. Dort, wo sie hätten sein sollen, waren nur noch blutige Stummel verblieben. Es sah so aus als hätte etwas sehr Scharfes sie abgetrennt.
Die beiden Arme lagen Meter entfernt, säuberlich nebeneinander gelegt.
Als Dave sich näherte und in das Gesicht Prof. Mansons sah, verschlug es ihm die Sprache.
Der Mund war voller Blut, sodass man fast nichts erkennen konnte. - Scheinbar wurde dem Doktor die Zunge herausgerissen. Die Augen waren ausgepult und lagen, wie Dave später bemerkte, in einem Reagenzglas, das sich im Raum befand.
An des Professors Hals konnte man Spuren von Messerschnitten erkennen, und ...
... das Herz, das aus dem, scheinbar mit einem Messer aufgeschnittenen Körper gerissen wurde, fehlte!
Dave ging ein paar Schritte rückwärts und stolperte über einen Arm.
Seine Hände zitterten und seine Augen waren weit aufgerissen. Plötzlich sah er die Botschaft die mit Blut an das Fenster geschrieben worden war.
"DU BIST DER NÄCHSTE"
Dave fehlten die Worte. er versuchte die Tür zu erreichen, doch plötzlich schloss sie sich. Auch der Versuch sie wieder zu öffnen missglückte, da sie scheinbar von außen verschlossen worden war.
Pure Angst breitete sich in Dave aus, er wollte weglaufen, er wollte Dr. Manson nicht mehr sehen.
Er wollte nicht der Nächste sein.
Plötzlich ergriff eine eiskalte Hand ihn von hinten und legte sich auf seinen Mund ...
"Na, na, wen haben wir denn hier?", lachte eine kalte Stimme...
In Daves Kopf war nur noch Leere. Leere und Angst! Was würde dieser Wahnsinnige mit ihm machen? Dasselbe wie mit Dr. Manson? Und warum?
Die Person, die sich hinter ihm befand, zerrte ihn zum Fenster.
'Wir sind im fünften Stock! Was hat dieser Typ vor? Will er mich aus dem Fenster werfen oder was?' Doch etwas ganz anderes geschah. Als sie direkt vor dem Fenster standen, öffnete die Person, die Dave festhielt, das Fenster, drückte Daves Kopf so weit es ging hinaus und löste die Hand von seinem Mund. Dann hörte Dave die Stimme wieder. War das eine Männer oder eine Frauenstimme?
"Na los, schrei! Ich gebe dir die faire Chance, um Hilfe zu schreien, da unten sind so viele Leute. Komm schon, schrei!"
Doch Dave konnte nicht schreien. Es war ganz so, als würde eine unsichtbare Macht in seinem Inneren es einfach nicht zulassen - seine Angst war viel zu groß, als dass er irgendeinen Ton herausgebracht hätte.
"Na gut", lachte die fremde Stimme hinter ihm. "Wenn du nicht willst ..." Mit diesen Worten legte sich die kalte Hand wieder über Daves Mund.
"Siehst du diesen Mann dort auf dem Boden? Du kennst ihn, habe ich recht?", fragte die Stimme zuckersüß.
'Ein Irrer! Er ist eindeutig wahnsinnig! Er tötet aus Spaß, und er verspürt nicht die geringste Reue', dachte Dave. In diesem Moment spürte er, wie ihm die fremde Person, die eindeutig viel stärker war als er, Handschellen aus der Tasche zog.
Da Dave ein Polizist des FBI war, trug er immer ein paar Handschellen bei sich und selbstverständlich auch eine Pistole. Jedoch war er viel zu perplex gewesen, sie herauszuholen, als er Dr. Mansons Leichnam gefunden hatte. Ein schwerer, unverzeihlicher Fehler.
Die Person hinter ihm legte ihm die Handschellen an und verband anschließend seine Augen, mit einem schwarzen Stück Stoff. Ein ähnliches Stück Stoff presste sie auch in Daves Mund, sodass er nun, auch wenn er gewollt hätte, nicht mehr schreien konnte.
"Soll ich die Nägel aus deinen Fingern schneiden, dich um ein Ohr ärmer machen, oder, willst du wissen wie es sich anfühlt die Haut abgezogen zu bekommen?", flüsterte die Stimme.
Daves Herz schlug schneller als jemals zuvor und in seinen Augen konnte er Tränen nur noch schwer zurückhalten. Er hatte eine solch unerträgliche Angst vor dem, was kommen sollte, dass es mit Worten nicht auszudrücken war. In dem Moment spürte er ein schneidendes Gefühl am Mittelfinger seiner rechten Hand. Ein Messer trennte ihn mit einem Ruck ab.
Es war ein unbeschreiblicher Schmerz, der Dave durchzuckte. Er hatte das Bedürfnis laut zu schreien, doch es ging nicht. Vom Finger aus, breitete sich das Stechen schnell in seinem ganzen Körper aus, und er hatte das Gefühl, nicht mehr lange die Ohmache zurückhalten zu können, während der Verrückte hinter ihm genüsslich weiter machte.
Kapitel 2: "Traum"
Dave und seine geliebte Frau wohnten in einem kleinen Dörfchen, nahe des Waldes. Dave arbeitete im Auftrag des Königs - er war Botschafter, und seine Frau Marylin war eine der vielen Hofdienerinnen. Sie verdienten beide nicht gerade viel, aber es reichte zum Überleben, und zum Ernähren ihrer zwei Kinder.
An diesem Tag, als Dave gerade auf dem Weg ins Schloss war um dem König eine Botschaft eines anderen Königreichs zu vermitteln, bemerkte er auf dem Marktplatz etwas Merkwürdiges.
Um den Galgen, der in der Mitte des Platzes stand, hatten sich eine Menge Leute versammelt, die lachten und kreischten.
Als sich Dave näherte, erkannte er, wer die Person war, die gerade gehängt wurde: seine geliebte Frau Marylin!
Ihr toter Körper baumelte leblos in der Luft.
Die Schlinge um ihren Hals war fest zusammengezogen und ihr Gesicht war knochenbleich.
"Nein...", stammelte Dave. "A..., aber das ... k, ... kann doch nicht ..."
Er brach zusammen und begann zu weinen.
Dies bemerkte bald der König und begann auf den Platz zu laufen. "Wer weint da auf meinem schönen Hof? Wer wagt es Tränen über dieses Land des Glücks zu schütten? Dieser Schwächling dort? Ich lasse nicht zu, dass er weint! Köpft ihn!"
Der Henker eilte herbei, legte Daves Kopf auf ein Stück Holz und ließ sein Beil herniedersausen.
Das Blut spritzte geradezu durch die Luft und benetzte den Marktboden im Umkreis einiger Meter.
Daves Kopf lag, abgetrennt von seinem leblosen, toten Körper, vor den Füßen seiner Majestät.
Dave erwachte, und blickte sich schnell um. Wo war er? Langsam kehrte seine Erinnerung zurück. 'Stimmt ja, der Wahnsinnige hatte mich gefangen, und dann ...' Er spürte den Schmerz an seiner rechten Hand, wo ein Finger fehlte.
Dave blickte sich im Zimmer um. Es war eine alte, schäbige Holzhütte, die, dem Gezwitscher draußen nach zu urteilen, im Wald stehen musste. Hatte der Irre ihn hierher verschleppt?
Plötzlich bemerkte Dave, dass neben ihm noch eine andere Person gefesselt auf dem Boden saß - mit dem Rücken zu ihm. Es war seine Frau Marylin.
Das Stück Stoff war aus Daves Mund verschwunden und so konnte er mit ihr sprechen: "Marylin, du auch? Gott sei Dank, dass es dir gut geht, ich hatte eben einen ganz furchtbaren Traum ..."
Er berührte Marylin von hinten und versuchte ihren Körper herumzudrehen. Dieser jedoch fühlte sich merkwürdig kalt an ...
"Marylin? Was ist mit dir?", fragte Dave.
Und dann hörte man nur noch einen grauenerfüllten Schrei, der durch die Nacht gellte.
Kapitel 3: „Koffer"
Daves Gesichtszüge erstarrten, angesichts des Gesichts seiner Geliebten, und ihm wurde - wie bereits bei Dr. Mansons Leiche - wieder einmal schlecht.
Es sah so aus, als hätte man ihr mit einer Fackel, einem brennenden Ast oder einem Flammenwerfer das Gesicht herausgebrannt.
Jeder zweite ihrer Finger fehlte, und bei denen, die noch übrig waren wurden die Fingernägel gänzlich herausgerissen.
Dave versuchte noch einmal zu schreien, aber etwas steckte in seinem Hals. 'Marylin! Wer hat dir das angetan? Marylin! Oh mein Gott ...'
Ein schloss die Augen, um das grauenvolle Bild verschwinden zu lassen, doch in seinem Kopf sah er alles noch genau. Wieso? Wer tat denn soetwas? Wieder zitterten Daves Finger, und er musste sich zusammenreissen, nicht wieder ohnmächtig zu werden. Doch es war mehr Schock, als Trauer, da er die Situation noch gar nicht wirklich wargenommen hatte, und vielleicht auch nicht warnehmen sollte. Dave sah sich nun in der anderen Hälfte der Hütte um.
Ganz in der Ecke stand ein Koffer, aus dem ein merkwürdiger Geruch zu kommen schien.
Um sich vom Tod seiner geliebten Ehefrau abzulenken, beschloss Dave herauszufinden, was sich in dem merkwürdigen, grünen Koffer befand.
Er erinnerte sich an das Messer, das er immer bei sich trug. Ob es wohl noch immer an seinem Gürtel in der Scheide steckte? Er versuchte es mit seinen Fingern zu erreichen und konnte fühlen dass es noch immer da war.
'Damit könnte ich die Fesseln gut zerschneiden!'
Und es dauerte auch gar nicht lange - da war Dave frei.
Seine Neugier war einfach zu groß, als dass er jetzt hätte einfach fliehen können.
Als er näher an das grüne Ding heranging bemerkte er auch eine Art Säge, die davor lag und einige Kleidungsstücke rundherum. Ein Schauer lief über seinen Rücken.
'Was um Himmels Willen ist da wohl drin?'
Seine Finger fuhren zu der Klappe, die die Öffnung darstellte. Der Koffer sprang auf - und wieder schoss ein gellender Schrei, lauter noch, als der vorige durch den Wald.
Dave schrie diesmal, so laut er konnte. Keine unsichtbare Macht bannte seine Kehle, er schrie und schrie und konnte kaum mehr aufhören. Das pure Entsetzen tobte in ihm, während jeder seiner Knochen zu verglühen schien. Dann wurde es ganz still.
Daves Hände zitterten und wagten einen krampfhaften Versuch, sich dem Koffer zu nähern. Dave wollte ihn schließen. Jetzt sofort! Er glaubte den Anblick seiner Jüngsten Tochter nicht eine Sekunde länger mehr ertragen zu können. Das, was ihm über den Rücken lief war weitaus mehr als ein kalter Schauer! Da Dave ein Agent des FBI war, war er grauenvolle Dinge an sich gewohnt und er war weiß Gott kein empfindlicher Mann, wenn es um solche Dinge ging - aber DAS!
Er musste sich wirklich anstrengen, nicht ohnmächtig zu werden, und fuhr dann mit seiner Hand, mit einem schnellen Ruck - zur Überwindung - zum Koffer und schloss ihn schnell. Sein Atem ging stockend, er rang nach Luft und setzte sich hin. Was er in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebt hatte, war mehr als eine Schändung der Menschlichkeit!
Plötzlich sah Dave etwas, das er zuvor nicht beachtet hatte. Eine mit Blut geschriebene Nachricht - ähnlich der, die er auch über der Leiche Dr. Mansons gesehen hatte. Und dort stand:
„ZWEI DEINER LIEBEN HABE ICH SCHON. WILLST DU DIE DRITTE RETTEN, SO KOMME ZU MIR!"
'Jessica!', fuhr es Dave durch den Kopf. Jessica war seine ältere Tochter - sie war siebzehn Jahre alt, und ein liebenswerter, lebensfroher Mensch. 'Nein! Jetzt reicht es! Nicht auch noch Jessica!' Er bemerkte den Pfeil, unter der Botschaft, der auf eine ganz bestimmte Stelle auf dem Boden zeigte. Er besah sich dieses Stück genauer und erkannte die Umrisse einer Art Platte, die dort eingelassen war. Seine Finger krallten sich um die Ränder, und er hob die Platte aus dem Boden. Darunter befanden sich Stufen. Stufen, die kreiswärts nach unten führten, tief... Sehr tief...
Dave blickte noch einmal zurück. „Marylin", sagte er, „Josephine... Ich werde euch rächen!" Mit diesen Worten begann er, die Treppen hinunter zu steigen. Tiefer und tiefer ...
Kapitel 4: „Begegnung"
Irgendwo in diesem Schwarz schien ein Licht zu sein. Nur wo? Jessica versuchte ihre Augen zu öffnen, um mehr zu erkennen. Ein Licht, dort! Nun war es ganz deutlich zu sehen. Bei näherem Hinsehen, glich es einer Fackel, oder nicht? Sie öffnete ihre Augen nun völlig, und sah, dass sie sich in einem aus Steinen bestehenden, von Fackeln erleuchteten, unterirdischen Kerker befand.
Ihre Hände waren in Ketten gelegt und an der steinernen Mauer befestigt, sodass sie nicht flüchten konnte. 'Was mache ich hier?', fragte sie sich. Ihre Erinnerung an die vergangenen Stunden war so gut wie vollkommen ausgelöscht. Kalte Augen, waren das einzige, woran sie sich noch erinnern konnte. Zwei leere, kalte Augen ...
Da hört sie Schritte, die in dem dunklen Gemäuer widerhallten. Sie sah, dass ihr Raum eine Öffnung zur Seite hin hatte und in dieser Öffnung erschien plötzlich eine Gestalt. Das erste, was Jessica an ihr auffiel, waren wieder diese Augen. Sie kannte sie, wusste aber nicht, wer die Person war. Jessica schluchzte leise, woraufhin die Person am „Eingang" lachte. Doch es war kein fröhliches Lachen! Dieses Lachen war kalt und bösartig.
Die Gestalt trat nun näher an Jessica heran. Sie hatte eine schwarze Jacke, ein schwarzes Hemd und schwarze Hosen. Einfach alles an ihr war schwarz! Auch die halblangen, glatten Haare. Der Mund des Fremden war durch ein Tuch verdeckt, das scheinbar aus schwarzem Leder bestand, und um den Hals trug der Fremde eine Kette mit einem Kreuz. Einem umgedrehten ...
„Du bauchst doch keine Angst vor mir zu haben", lachte die Stimme. „Keine Angst. Es wird vielleicht ein bisschen weh tun, aber ..." Er ging mit seinem Gesicht ganz nahe an Jessica heran; und diese konnte sich kaum bewegen, so verängstigt war sie. Nun sah sie seine Augen genau vor sich - so leer, so ausdruckslos, so kalt, dass Jessica das Atmen schwer fiel.
„Aber Jessica, du musst doch keine Angst haben ..." Doch diese Worte beruhigten sie nicht - ganz im Gegenteil! Mit zitternder Stimme fragte sie ihr Gegenüber: „Was willst du von mir? Willst du mich vergewaltigen?"
Da lachte der junge Mann plötzlich. „Wie könnte ich?", fragte er. Er sah ihr tief in die Augen.
„Erkennst du mich denn nicht? Du kennst diese Augen doch, nicht wahr? Bleib hier, ich werde dir vorerst nichts tun ... Du warst damals die Einzige, die versucht hat mich zu verstehen ..."
Mit diesen Worten verließ er den Raum wieder.
Kapitel 5: „Erkenntnis"
Dave ging langsam und bedächtig tiefer die Treppe hinunter. Er war seit zehn Minuten ununterbrochen gelaufen, doch die Stufen wollten und wollten kein Ende nehmen. Er beschleunigte seine Schritte - aus Angst vor allem - denn er wusste, er würde sich niemals verzeihen, wenn er jetzt zu spät käme. In seinem Kopf schwirrten noch immer so viele Dinge herum ... 'Wer ist wohl dieser Mörder? Und warum tut er sowas? Ist er schlicht ein Psychopath oder gibt es vielleicht sogar eine Art Motiv? Ist er allein oder gibt es eventuell sogar eine ganze Gruppe - alle mit demselben Ziel?'
Dave schluckte. Nun, wo er allein war und zum ersten Mal zum Nachdenken kam, stiegen Bilder in seinem Kopf wieder auf ... 'Marylin... Josephine...' Er musste wieder an den Koffer denken, und als das Bild in seinen Kopf stieg, musste er sich kurz hinsezten. Josephine war ein so glückliches, liebenswertes junges Mädchen gewesen! Wer auf der ganzen Welt hätte es denn, auch psychologisch gesehen, über sich gebracht, soetwas ... Dave stand auf und lief weiter treppabwärts.
Er zog seine Pistole aus der Tasche - nur zur Vorsicht, falls der Irre plötzlich hinter irgendeiner Ecke hervorgesprungen kam. Er wollte sie entsichern und dabei fiel ihm auf, dass etwas in sie hineingebrannt worden war. Ein Buchstabe! Und zwar ein großes "S". Und als Dave im Inneren seiner Waffe nachsah - da fehlten alle Kugeln! 'Natürlich! So dumm ist er nicht... Auf seinem „Gebiet" ist er ein Genie!'
Er besah sich das "S" und bemerkte, dass in der Mitte ein Strich hindurch gezogen worden war. Daves Augen weiteten sich. 'Dieses "S"! Das ist eine Namensiniziale!' Er starrte auf den Buchstaben und plötzlich wurde ihm alles klar: „S! S wie Shiro! Shiro! MEIN SOHN!"
Marylin und Dave erzählten den Leuten stets, sie hätten nur zwei Kinder. Die vierzehnjährige Josephine und die siebzehnjährige Jessica. Doch was viele in der Stadt nicht wussten: Erst vor drei Jahren war die Familie hierher gezogen. Vorher hatte sie in einem kleinen Dorf gelebt. Doch Freunde waren ihnen aus dieser Zeit überhaupt keine geblieben. Wieso? Darüber wollten sie nicht reden ... Denn die Wahrheit ist: Marylin und Dave hatten außer ihren zwei Töchtern noch einen Sohn. Dieser war genau zwei Jahre älter als Jessica und ... Alle Mitglieder der Familie hatten sich geschworen ihn nie wieder zu erwähnen und zu versuchen, ihn so schnell wie möglich zu vergessen.
Aber warum?
Mit achtzehn Jahren hatte Marylin ihn zur Welt gebracht, und er war schon im Kleinkindalter immer ein sehr stiller und braver Junge gewesen, wegen dem sie nie Probleme mit Erziehern oder Lehrern bekommen hatten. Im Gegenteil! Shiro war übermäßig intelligent und kam sogar auf eine Hochschule für Genies. Wieso wollten alle ein so liebes Kind vergessen?
Dave schaute noch immer entsetzt auf den Buchstaben vor sich. „Nein...", flüsterte er zu sich selbst.
„Doch!", erklang eine kalte Stimme hinter ihm. Daves Herz zog sich zusammen. Ganz langsam drehte er sich um - und starrte in die kalten leeren Augen seines Sohnes!
Shiro ging mit langsamen Schritten auf seinen Vater zu. Er packte ihn am Hals und sah ihn hasserfüllt an. Doch nach wenigen Sekunden beruhigte er sich wieder und lächelte entspannt. „Was ist los mit dir, Dave? Du siehst so blass aus, du solltest dich lieber SETZEN!" Er packte seinen Vater und schleuderte ihn mit aller Wucht die Treppen hinunter. Dave schlug hart auf, aber zum Glück nicht mit dem Kopf. Trotz allem tat ihm sein rechtes Bein furchtbar weh doch er war sicher, dass es nicht gebrochen oder angebrochen war. Er schaute die Treppen hinauf, wo sein Sohn stand, den er seit drei Jahren nicht mehr gesehen hatte.
'Ich muss ihn beruhigen!', dachte Dave. „Shiro, was soll das? Warum machst du soetwas?", fragte Dave mit argloser, netter und beruhigender Stimme. Langsam und gepresst antwortete sein Gegenüber: „Stell dich doch nicht dümmer als du bist! Es wundert mich, dass du mich überhaupt erkannt hast, so viel, wie ich dir bedeute! Ich habe immer versucht, euch ein lieber Junge zu sein, und das war der Dank? Dass ihr mich alleine gelassen habt? Dass ihr mich in diese ..." Seine Stimme stockte. „In diese Psychoklapsmühle gesteckt habt?!" Shiro war nun so nahe an seinem Vater, dass er ihn am Kragen packen und hochheben konnte.
„Ihr habt mir nie geglaubt!" Mit diesen Worten schleuderte er seinen Vater noch einmal treppabwärts, und diesmal blieb er liegen. Dave lag am Boden und hatte furchtbare Schmerzen am ganzen Körper, doch er schaffte es mit Mühen immer noch, zu sprechen...
„Du warst noch nie bei klarem Verstand, bis heute! Gerade in diesem Moment weißt du doch nicht einmal selbst, was du eigentlich sagst!"
„ICH BIN NICHT VERRÜCKT!" Schrie Shiro seinen Vater an. „Die Träume, ich habe euch jede Nacht von ihnen erzählt! Ich habe euch GESAGT, dass ich Angst hatte und das bald etwas Schlimmes passieren würde, aber IHR habt mir überhaupt nicht zugehört!"
Dave lachte. „Ja, und eines Tages tötet mein vorbildlicher Sohn mit den guten Noten, der aus gutem Hause kommt, ganz einfach so ohne jegliches Motiv einen Mann aus dem Dorf! Was glaubst du eigentlich, was wir davon gehalten haben, ich und Marylin?!"
Die beiden hatten in sehr lautem Tonfall gesprochen, und die Worte hallten an den steinernen Wänden wieder. Für ein paar Sekunden war es ganz still. Dann sprach Shiro wieder, aber diesmal mit zittriger, leiser Stimme. „Ich... Ich wollte euch doch nur beschützen... Der Dank war, dass ihr mich allein gelassen habt. Wieso habt ihr mich nie besucht? War ich euch denn wirklich so egal?!"
„DU PSYCHO!", schrie Dave.
„Ja, Psycho! So haben mich die Leute im Dorf auch genannt, dafür habe ich sie gehasst, und euch ebenfalls! Ich hab doch die ganze Zeit gewusst, was ihr über mich denkt!"
„Ja und es hat sich ja wohl bewahrheitet! Egal was jemals vorgefallen sein sollte, nichts, hörst du, NICHTS rechtfertig DAS WAS DU TUST! MARYLIN, DEINE MUTTER! DEINE KLEINE SCHWESTER! DIE LEUTE AUS DEM DORF!"
Shiro blickte seinen Vater fragend an und sah ihm in die Augen.
„Vater, wovon sprichst du? Jessica ist, seit ich ausgebrochen bin die einzige, der ich begegnet bin. Sie liegt gefesselt ganz unten im Kerker."
Dave schloss die Augen. Nein, mit Verstand kam er hier nicht weit. Sein Sohn war eindeutig übergeschnappt! Er hatte seine Schwester, seine Mutter und viele andere qualvoll und grausam getötet und konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern?
Dave sprach, mit einem Lachen in der Stimme... „Ja, so warst du schon immer... Schon seit damals... Du tötest und wenn man dich zur Rechenschaft zieht, weißt du plötzlich von nichts mehr und schiebst alles auf irgendwelche hirnspinstigen Träume! SHIRO! DU HAST DEINE MUTTER GETÖTET UND DEINE SCHWESTER ZERSTÜCKELT UND IN EINEN KOFFER GESTECKT!"
Kapitel 6: „Finale"
Noch immer saß Jessica gefesselt in dem dunklen unterirdischen Raum und wartete auf die Rückkehr des jungen Mannes.
Plötzlich spürte sie ein Stechen in ihrem linken Arm. Sie schaute hin - und wurde blass. An ihrem Oberarm war eine Stelle die eine komische Färbung hatte. Bei genauerem Betrachten konnte sie eine kleine Wunde erkennen; ganz so, als hätte jemand dort mit etwas sehr dünnem, spitzem hineingestochen. Jessica schluckte. Ihr Blick fuhr noch einmal durch das ganze Zimmer, und dann erkannte sie etwas, ganz hinten in der Ecke!
'Eine Spritze! Der Typ hat mir Gift gespritzt!' Jessica geriet in Panik, denn der Schmerz breitete sich schnell und ununterbrochen in ihr aus. Da hörte sie die Stimme ihres Vaters, ein bisschen weiter oben, aber deutlich ziemlich nah! „VATER!", schrie sie so laut sie konnte. „VATI, HILF MIR! ICH BIN HIER UNTEN!"
Nachdem Dave die Stimme seiner Tochter gehört hatte, blickte er seinen Sohn böse an. „Was hast du mit ihr gemacht? Rück schon raus mit der Sprache!"
Shiro schaute nur perplex drein. „Wieso gemacht? Ich habe gar nichts mit ihr gemacht!"
'Lügner', dachte Dave, und dann lief er, so schnell es ging hinunter - gleich hinter ihm lief Shiro. Als Dave angekommen war, sah er seine Tochter - gefesselt, und totenbleich! „Schatz was ist mit dir los?"
„Papa...", schluchzte Jessica. „Er hat mich vergiftet! Er hat mir Gift gespritzt!" Einen Moment lang noch war Dave verzweifelt - doch schon kurz darauf verwandelte sich seine Sorge in Hass. Er drehte sich um und sah in die Augen seines Sohnes. „DU!", schrie er. „WAS WILLST DU NOCH VON MIR? LASS MICH IN RUHE! UND JETZT SAG SOFORT WAS DU MIT JESSICA GEMACHT HAST!"
Shiro schaute ruhig auf sie hinab und entgegnete: „Das... War ich nicht..." Ohne ein weiteres Wort zu verlieren ging Shiro nun geradewegs auf Dave zu...
„Komm bloß nicht näher!", sagte Dave und zog seine Pistole - wusste aber noch im selben Augenblick, dass ihm dies nichts nützte und er wehrlos war. Er lief rückwärts bis er mit dem Rücken an die Wand hinter ihm stieß und blickte Shiro einfach nur an. „Los, töte mich doch, du Psychopath! Töte mich wie du all die anderen auch getötet hast!"
Shiro griff in seine Tasche und zog eine zweite Pistole - eine geladene. Er zog sie heraus und legte sie seinem Vater an die Stirn.
Ganz plötzlich verwandelte sich Shiros bisher eher verzweifelte und leise Tonlage wieder in diese, die einem Flüstern glich, zuckersüß und zugleich boshaft.
„Jammerschade, dass es so enden muss, DAVE."
Dave schaute ihn an. Und sah ein letztes Mal tief in seine eiskalten, leeren Augen.
Ein Schuss hallte durch das unterirdische Gemäuer.
Und Daves Körper lag leblos am Boden.
Shiro schaute auf ihn herab. Dann legte er die Waffe an seinen eigenen Kopf und drückte ab.
„Damals... Damals war eine schreckliche Zeit... In der Schule war ich nicht gerade beliebt, und... Zuhause der kleine Junge, ohne Freunde... Doch ich glaubte solange meine Eltern mich liebten, würde alles immer ok sein... Eines Tages begann es... Träume. Träume, jede Nacht! Furchtbare Träume, und ich hatte schreckliche Angst... Den anderen wehzutun... Meine Eltern glaubten mir nicht, und bald wurde ich im ganzen Dorf als „Psycho" abgestempelt... Vielleicht wurde ich das irgendwann auch, ein Psychopath...
Eines Tages hörte ich, wie meine Eltern und Geschwister miteinander redeten, und lauschte an der Tür. An diesem Tag brach meine Welt zusammen... Und die Nacht darauf hatte ich diesen Traum. Diesen Traum, der alles verändern sollte...
Ich laufe eine Straße entlang. Es ist Nacht, und sehr neblig. Ich drehe mich um und sehe vor mir ein Haus, vor dem ein Mann steht. Um seinen Bauch ist etwas gebunden und ich weiß, was es ist: eine Bombe - er will sich selbst in die Luft jagen. Mit ihm verkabelt ist das ganze Haus. Ich weiß, wenn er den Knopf betätigt, wird nicht nur er, sondern auch das ganze Haus explodieren. Wenn ich näher hinschaue sehe ich das Haus meiner Eltern und meine Familie darin, die mich um Hilfe anfleht. Ich weiß, in meiner Tasche ist ein Revolver. Ich weiß nicht woher ich es weiß - ich weiß es einfach und ziehe ihn heraus. Ich ziele genau auf mein Gegenüber und sage, er soll aufhören. Doch er lächelt und hält den Daumen über den Knopf. Jetzt oder nie. Ich muss meine Familie retten!
Ich drücke ab.
Und da wache ich auf - mitten in der Nacht, stehe ich noch immer auf der kalten Straße. Das Haus ist verschwunden und meine Eltern auch. Das Einzige, was geblieben ist, ist ein toter Körper vor mir, und Blut das langsam die Straße hinab fließt...
ENDE