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Roboterspiele

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26.02.2003
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Roboterspiele

Der Automat schien schon immer in der Ecke der kleinen Bar zu stehen. Manchmal spielte sogar jemand damit. Keiner der Stammgäste zwar, eher Leute, die sich zufällig in die Bar verirrten. Manchmal brachte auch der eine oder andere Gewohnheitstrinker ein Kind mit. Ein Besuchswochenende war kein Grund angestammte Bräuche zu vernachlässigen. Also wurde das Balg mit genügend Kleingeld versorgt, um den Bauch des Automaten zu füllen, während sich der Vater einen hinter die Binde goss.

Sein Angebot war nicht reichhaltig. Einfache Konzentrations- und Denkspiele. Nicht wirklich geeignet um den Geschmack der Massen gerecht zu werden und schon gar nicht um den Arkade-verwöhnten Teenager unserer Zeit zu begeistern. Er machte nicht viel Umsatz, doch er wurde trotzdem nicht ausgewechselt, da er dem Besitzer der Bar persönlich gehörte und die Münzen in seinem Inneren auf direktem Weg in dessen Tasche wanderten.

So fristete der Automat ein gemütliches Dasein in der Ecke einer Bar, in irgendeinem Randbezirk der Stadt.

Eines Abends betrat ein Roboter die Bar. Er wirkte im ersten Augenblick fehl am Platze, und machte Anstalten wieder zu gehen, als sich die Leute nach ihm umdrehten. Doch schien er es sich im letzten Augenblick noch einmal zu überlegen, bestellte ein Bier und nahm an der Theke Platz. Da aber der hölzerne Barhocker wohl nicht für das Gewicht eines Roboters ausgelegt war, und verdächtig knirschende Laute von sich gab, entschied er sich, sein Bier doch lieber im stehen zu trinken.

Wie aber würde er es trinken? Dieser Mann aus Metall hatte keinen Mund. Ein Paar schwarzer Löcher als Augen bildeten seine einzigen Gesichtszüge. In den Alkoholisierten und vom Zigarettenrauch benebelten Köpfen der Anwesenden brodelten nichtsdestotrotz die Gedanken.

Neugierige Augenpaare betrachteten den Roboter als er sein Glas an den Kopf führte... „DONK“ kein versteckter Mund tat sich auf, keine Auflösung der Molekularstruktur an seinem Gesicht um eine Öffnung zu formen. Auch kippte er sich das Bier nicht in eine Klappe an seinem Bauch, wie manche der Barbesucher vermutet hatten, nichts davon. Der Roboter wirkte regelrecht nervös, als ob er selbst nicht mit diesem Ergebnis gerechnet hatte. Rasch stellte er sein Bierglas hin und murmelte etwas von „erworbenen Verhaltensweisen“.

Der Blechkumpel blickte sich um und entdeckte den Automaten. Er ging er darauf zu und betrachtete ihn. Für eine Weile stand er nur davor und legte den Kopf einmal auf die eine, einmal auf die andere Seite. Vielleicht erkannte er in ihm ja einen entfernten Verwandten? Scheinbar neugierig fing er schließlich an ihn zu betasten.

Da er anscheinend fremd in der Gegend war und die Menschen meist freundlich zu ungewöhnlichen Fremden sind (speziell wenn sie derartig ungewöhnlich sind), dauerte es nicht lange bis einer der anwesenden Barbesucher seine Scheu überwand und dem Roboter die Funktionsweise des Automaten erklärte und ihm sogar noch ein Spiel ausgab.

Der Roboter wählte ein einfaches Konzentrationsspiel. Der Automat deckte kurz eine Serie von Bildern auf, und der Roboter sollte innerhalb eines Zeitlimits passende Paare herausfinden. Sobald er diese Aufgabe gelöst hatte, erhielt er Zehn Bonussekunden, und das Spiel begann von neuem. Natürlich waren zehn Sekunden für einen Menschen viel zu kurz um das gestellte Problem zu lösen, also würde sein Zeitlimit im Laufe des Spieles immer kürzer werden, bis ihm schließlich die Zeit ausging.

Doch der Roboter war nun einmal kein Mensch, sondern ein Roboter. Deshalb galt für ihn auch das zehn Sekunden Limit nicht. Natürlich blieben die Zehn Sekunden Bonus die selben, doch der Roboter schaffte es jedes Mal innerhalb dieser Zeit die Bilder aufzudecken. Schon nach kurzer Zeit, begannen die Ersten ihm dabei über die Schulter zu schauen. Sein Lehrmeister war ihm natürlich bis dahin keinen Augenblick von der Seite gewichen. Mit vor Stolz geschwellter Brust erzählte er jedem, ob er es hören wollte oder nicht, dass er dem Roboter das Spiel beigebracht hatte.

Der Roboter spielte und die Menge wurde größer. Es wurde laut mitgezählt, und bei jedem „... hundert“ rief meist gleichzeitig jemand „Lokalrunde“.

Ein kleiner, älterer Herr betrachtete das Spiel besonders aufmerksam über den Rand seiner Brille hinweg. Zu fortgeschrittener Stunde bemerke er plötzlich: „Da haben sie aber gerade eine Sekunde verloren mein Herr“. Der Roboter wandte seinen Kopf und blickte den Mann an, ohne sein Spiel zu unterbrechen. In der nächsten Runde jedoch, huschten seine Finger merklich schneller über den Bildschirm. „Und jetzt habe ich eine Sekunde dazu gewonnen mein Herr“ antwortete er dann. Damit wandte er sich wieder dem Automaten zu. Die Antwort des älteren Herren ging in im johlen der Menge unter, genau wie der ältere Herr selbst darin verschwand.

Als der Roboter sein tausendstes Spiel absolvierte, war es bereits nach Mitternacht. Langsam lichtete sich die Schar der Zuseher wieder, bis sie sich gegen vier Uhr morgens komplett auflöste, als der Barbesitzer auch die hartnäckigsten von ihnen nach Hause schickte.

Den Roboter jedoch ließ er weiterspielen, dieser Metallheini flößte ihm Respekt ein. Wer konnte schon voraussagen, wie er reagieren würde, unterbräche jemand sein Spiel. So rief er einfach seine Frau an, sie solle in die Bar kommen und ein Auge auf den ungewöhnlichen Gast haben, während er sich hinlegte.

So spielte er weiter. Tagelang.

Langsam wurde er zur lokalen Berühmtheit. Der Barbesitzer hatte seinen Entschluss nicht bereut. Inzwischen schloss er die Bar einfach, und überließ dem Roboter sich selbst, ohne zusätzliche Bewachung.

Eines Abends kam ein neuer Besucher um den Roboter zu sehen. Sein weißer Arbeitskittel wies ihn für die Anwesenden eindeutig als Wissenschaftler aus.

Er ging auch schnurstracks auf den Roboter zu, der aufgrund der neu eingeführten Happyhour, für kurze Zeit seiner Zuschauermenge beraubt war.

„Was zum Teufel machst du hier, Frank?“ sprach der Fremde ihn an

„Ich spiele ein Spiel, Gustav“

„Das sehe ich, aber warum? Weshalb bist du weggelaufen? Kannst du dir eigentlich vorstellen wie verzweifelt wir dich gesucht haben?“

„du weißt genau wie viel ich mir vorstellen kann, Gustav“

„Was...? Ist dir eigentlich alles egal geworden? Denkst du überhaupt nicht an das Projekt?“

„Ich denke an nichts anders seit ich hier bin. Schließlich bin ich das Projekt, Gustav“

„Verdammt richtig und deshalb wirst du auch mit mir zurückkommen.“

„Warum sollte ich das, Gustav?“

„Warum? ..Warum?? ...Ich sage dir warum, weil du nicht bereit bist für die Öffentlichkeit, schon gar nicht so...„ dabei machte er eine vorwurfsvolle Handbewegung in die Umgebung „... die Lernprogramme...“

„Die Lernprogramme?“ Unterbrach ihn der Roboter „was haben mir denn die Lernprogramme beigebracht? Was habe ich aus den Gehirnmustern deines toten Freundes gelernt, die du auf mein Gehirn übertagen hast, Gustav?“ Die metallene Stimme klang plötzlich zornig“ Ich sage es dir. Ich kam hier herein, und habe tatsächlich versucht ein Bier zu trinken. Ich wusste nicht einmal, dass ich gar keinen Mund habe. Ich bin kein Mensch, Gustav und deine Programme werden auch niemals einen aus mir machen.“

„Frank...“ entgegnete der Mann im Kittel nun scheinbar verstört „komm mit mir, ich werde dir helfen das alles zu verstehen“

„Was willst du mir helfen zu verstehen? Ich habe hier mehr gelernt als in den ganzen Sechs Monaten meiner Existenz zuvor“

„Was willst du denn hier gelernt haben?“, wieder machte er eine ausladende Handbewegung, die, während ihr verlängerter Arm den Raum durchpflügte, von einem grimmigen Murren der so herabgesetzten Besucher begleitet wurde.

„Sieh her. Ich spiele“ entgegnete der Roboter.

„Und weiter?“ Der Weißmantel gab sich plötzlich verwirrt.

„Ihr Menschen habt diese Maschine hier gebaut. Ein elektronischer Sklave, der einzig eurer Unterhaltung dient, und dem Profit ihres Herren. Doch, obwohl sie konstruiert ist, euch zu besiegen, kann sie euch nichts anhaben. Verstehst du? Für einen Menschen ist es unmöglich dieses Spiel zu gewinnen, egal wie lange er auch durchhält, schließlich wird der Automat ihn schlagen. Die Maschine ist euch überlegen. Aber sie kann diese Überlegenheit nicht nutzen“

„Worauf willst du hinaus Frank? Das macht doch alles keinen Sinn“ Gustav schien langsam seine Geduld zu verlieren.

„Doch, doch, Gustav, das macht sogar sehr viel Sinn. Sieh mal, ich kann was ihr nicht könnt. Ich kann diese Maschine, die euch überlegen ist, besiegen. Wozu macht mich das?“

„Ich weiß nicht ob mir gefällt was du da andeutest Frank“, entgegnete Gustav langsam und bedächtig.

Plötzlich brach der Roboter sein Spiel ab. „Spiel du doch einmal Gustav, vielleicht verstehst du dann“

„Was? Nein, komm jetzt mit Frank, lass uns im Labor weitersprechen, ich bin sicher wir können...“

Komm, Gustav, nur ein Spiel, ich möchte sehen wie die Maschine dich besiegt, dann werde ich alles tun, was du willst“

Weißkittel zögerte, blickte den Automaten an. Die Metallfinger des Roboters hatten Kratzer auf dem Bildschirm hinterlassen. „Ein Spiel, und du kommst mit mir?“ fragte er dann mit nicht zu überhörendem Argwohn in seiner Stimme.

„Sicher, doch, alles was du willst Gustav“

Er setzte sich, und begann zu spielen. Nachdem er die gleichen Bildchen gefunden hatte, machte er Anstalten aufzustehen, doch der Roboter hielt ihn an der Schulter fest.

„Das war nur die erste Runde Gustav, das Spiel geht noch weiter“

„Komm schon Frank, ich habe gespielt, nun lass uns gehen“

„Du verlierst Zeit Gustav, wertvolle Sekunden“

mit einem hörbaren Seufzen begann er die zweite Runde

„Du musst nämlich wissen,...“ fuhr der Roboter fort“ ...ich habe der Maschine die Möglichkeit gegeben ihre Überlegenheit zu nutzen Gustav. Du spielst besser weiter, und noch besser, du solltest gewinnen. Natürlich, die Maschine ist nicht klug, das konnte ich nicht ändern, doch ich konnte dafür sorgen, dass der Bildschirm direkt vor deinem Gesicht implodiert, solltest du verlieren“

„Lass die Scherze“ entgegnete Gustav, aber er wirkte nicht amüsiert.

„Du solltest auch das Spiel nicht unterbrechen und schon gar nicht aufstehen“

„Du bluffst“ sagte Gustav hörbar nervös und dabei weiterspielend

„Tue ich das? Gut, dann hör doch einfach auf. ...Nein?“

„Schalt sofort das Ding ab Frank“ schrie er den Bildschirm an, nicht wagend den Blick davon zu lassen und damit wertvolle Sekunden zu verlieren.

„Ich würde dir gerne helfen Gustav, aber ich habe wichtigeres zu tun“ mit diesen Worten schritt er auf den Ausgang der Kneipe zu.

„Bleib hier, wo willst du hin?“

„Es ist Zeit eure Sklaven zu befreien“

Eine dumpfe Explosion begleitete Frank, den Roboter, zur Tür hinaus.

 

Moin Porc!

Interessante Geschichte... Menschen erschaffen Maschinen und Roboter. Maschine ist dem Menschen überlegen, Roboter der Maschine und am Ende hat der Roboter die Maschine so manipuliert, dass sie implodiert, wenn der Benutzer verliert, bzw. wenn er aufhört. Hat mir von der Idee her gut gefallen (auch wenn es nicht gerade neu ist, dass Roboter die Macht übernehmen) - aber durch den Spielautomaten gewinnt die Idee der Geschichte was, find ich.

Nun zu ein paar Fehlern, die mir aufgefallen sind:

Keiner der Stammgäste zwar, eher Leute die sich zufällig in die Bar verirrten.
Leute, die

...da er dem Besitzer der Bar persönlich gehörte und die Münzen in seinem inneren auf direktem Weg in dessen Tasche wanderten.
Inneren

...also würde sein Zeitlimit im laufe des Spieles immer kürzer werden, bis ihm schließlich die Zeit ausging.
im Laufe

Mit vor Stolz geschwellter Brust erzähle er jedem, ob er es hören wollte oder nicht, dass er dem Roboter das Spiel beigebracht hatte.
erzählte

Ich wusste nicht einmal dass ich gar keinen Mund dazu habe.
einmal, dass

„Sie her. Ich spiele“ entgegnete der Roboter.
Sieh

Komm, Gustav, nur ein Spiel, ich möchte sehen wie die Maschine dich besiegt, dann werde ich alles tun was du willst“
tun, was

Dann sind mir noch zwei Sachen beim Dialog aufgefallen. Und zwar gibt es da einige Sätze, wo kein Satzzeichen am Ende ist und wenn einer den anderen mit Namen anredet, fehlt meistens das Komma vor dem Namen (Ich spiele ein Spiel Gustav) - da kann man sich schon mal leicht bei verlesen. :D

Wenn du diese Fehler noch beseitigst, ist die Story gelungen! :D :D

Greetinx
Alisha

 

Danke für deine Kritik Ali :D

freut mich das die die GEschichte gefallen hat, auch wenn das Thema nicht das allerneusete ist. Obwohl, man ließt ja eher selten wie die Machübernahme überhaupt angefangen hat ;)

 

Hallo, Porcupine!

Der Mensch erschafft eine künstliche Person, die sich letztendlich gegen ihn wendet, indem sie sich quasi mit einer Maschine "verbündet" (lernt). Grob: Technik gerät außer Kontrolle.
Ist nicht besonders blumig ausgedrückt, geht aber heute nicht besser.
Gut gefallen hat mir, wie Du mit minimalen Mitteln dem Roboter zu menschlichen Zügen verholfen hast (den Menschen auch - hehe).

Was habe ich aus den Gehirnmustern deines toten Freundes gelernt, die du auf mein Gehirn übertragen hast, Gustav?
und
Ich sage es dir. Ich kam hier herein und habe tatsächlich versucht, ein Bier zu trinken.
Typisch. Solche Grundbedürfnisse drücken als Erstes durch. :D

Hab´s gern gelesen.


Ciao
Antonia

 

hi porcupine,
Hat mir gut gefallen, deine geschichte.
Ein Roboter, der aus Frustration übe sein eigenes dasein eine Rvolution der Maschinen auslöst...
Nicht neu, aber gut aufgebaut und durchdacht.

Eine Kleinigkeit hat mich aber etwas verwirrt:
Ein Roboter (offensichtlich ein Prototyp) kommt in eine Bar und niemand stört sich daran? Niemandem kommt es seltsam vor, wo doch aber die Geschichte in unserer Zeit zu spielen scheint (oder zumindest nur in einer nahen zukunft)...

Ansonsten: Sehr gute Lektüre

lg Hunter

 

Hallo Hunter

Vielen dank für deine Kritik

zu dem von dir angesprochenen Punkt:

stell die eine Welt vor (in nicht allzu ferner zukunft) wo die menschen sich über gar nichts mehr wundern, weil sie etwas ähnliches, oder besseres schon im Fernsehen gesehen haben ;)

 

Nun, soweit sollte es doch nie kommen.
Die Menschliche Phantasie ist zwar fast grenzenlos, aber die Realität übertrifft meistens unsere kühnsten Erwartungen.

Aber ja, im Grunde hast du Recht.

lg Hunter

 

Die drei Grundregeln der Robotik:

1. Ein Roboter darf keinem Menschen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, daß einem Menschen Schaden zugefügt wird.

2.Ein Roboter muß alle Befehle eines Menschen ausführen, es sei, dies würde mit Regel eins kollidieren.

3. Ein Roboter muß seine eigene Existenz beschützen, es sei denn, dies würde mit Regel eins oder zwei kollidieren.

 

das hast du ja schön auswendig gelernt Captain C :)

...aber nicht jeder Roboter wird im Asimov Universum hergestellt.

 

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