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Rendezvous mit der Rosen-Bestie

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29.11.2005
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Rendezvous mit der Rosen-Bestie

Sharon Kramer hatte gerade eine aufreibende Konferenz in der Nachrichtenredaktion hinter sich gebracht und verspürte wenig Lust auf ein Telefonat. Sie gewährte dem Anrufer eine Minute, der darauf eher belustigt reagierte. Das heisere Lachen klang gezwungen. “Eine volle Minute Ihrer kostbaren Zeit? Wie außerordentlich großzügig!“
„Und zehn Sekunden sind schon wieder rum“, entgegnete Sharon. „Sorry, aber der Tag war hart. Lassen Sie uns zur Sache kommen.“
Der geheimnisvolle Unbekannte kam zur Sache. Ohne weitere Umschweife bot er ihr die Entlarvung der Rosen-Bestie an – praktisch auf einem Silbertablett und sendegerecht für Kramer live aufbereitet. Er behauptete, die Identität jenes Serienmörders zu kennen, der seinen Opfern wenig fachkundig die Augen entfernte und die blutigen Höhlen mit Rosenblüten verschloss.
Die TV-Reporterin nahm eine entspannte Haltung ein und kritzelte nebenbei auf einem Telefonblock herum – so, als spräche sie täglich mit jemandem, der die Identität eines bizarren Serienmörder zu kennen vorgab.
“Und Sie haben sich natürlich nicht an die Polizei gewendet“, stellte sie fest, “Da ruft man doch lieber gleich mal beim Fernsehen an. Vielleicht schafft man es so noch in die Abendnachrichten. Haben Sie eine ungefähre Ahnung, wie oft wir solche Angebote bekommen? Geben Sie mir irgend etwas, das Sie von den Spinnern unterscheidet, die sich hier täglich melden.“
“Sie müssen mir einfach vertrauen.“
“Also gut. Welche Informationen haben Sie für mich?“
“Welche Informationen hätten Sie denn gern?“
Sharon lächelte. “Namen und Adresse des Blumenhändlers, bei dem er die Rosen kauft. Was soll das werden? Wen wollen Sie aus Rache in die Pfanne hauen?“
„Sie glauben mir nicht?“
„Noch habe ich nicht aufgelegt.“
„Okay. Ich bin der, den man sucht.“
Die Journalistin kritzelte weiter. “Bekenner rufen mich häufiger an als meine Mutter.“
“Ihre Mutter ist längst tot“, entgegnete er gereizt.
Sharon stutzte. „Sie sind gut informiert.“
Er flüchtete sich wieder in sein unechtes Lachen, wie ein zweitklassiger Theaterschauspieler, der sich die letzten Reste seiner Begabung durch Nebenrollen in Pornofilmen verdorben hatte. „Ich weiß vor allen Dingen, wie man googelt!“
"Ich bin nicht beeindruckt!"
“Man sagt, Sie hätten einen ausgeprägten Instinkt für gute Storys. Im Moment klingen Sie eher wie die Reporterin einer Schülerzeitung.“
„Und Sie klingen wie ein Arschloch.“
„Ich bringe Menschen um. Ich bin ein Arschloch!“
Sharon legte den Schreiber aus der Hand und rieb sich müde die Augen. „Ach, kommen Sie! Bestimmt waren Ihre Eltern die wirklichen Arschlöcher, oder etwa nicht? Vater Säufer, Mutter Schlampe, täglich Schläge, keine Liebe, etwas in der Art. Und nun wollen Sie uns allen zeigen, wie schlau und gerissen Sie sind. Das reicht nicht. Geben Sie mir etwas, das meine Zuschauer packt, geben Sie mir eine echte Story!“
„Ich hatte meine Aufgabe, so, wie Sie Ihre Aufgabe hatten. Das hat uns auf einen Schlag berühmt gemacht! Erinnern Sie sich? Sie wirkten damals noch ein wenig nervös. Es goss wie aus Kübeln und der Wind zerrte an Ihrem Regenschirm. Aber Sie haben tapfer durchgehalten, so bezaubernd und so sexy! Ich hab mich sofort in Ihr süßes Lächeln verknallt. Sie sprachen über mich! Das war einfach nur geil! Jeder Ihrer Atemzüge gehörte mir.“
“Und was wollen Sie jetzt?“
“Mich mit Ihnen treffen. Möglichst bald. Das geht natürlich nur uns was an. Bringen Sie eine Kamera mit, dann reden wir! Was meinen Sie?“
Sharon lehnte sich in ihrem Stuhl so weit wie möglich zurück und versuchte, sich auf die andere Seite ihres Verstandes zu konzentrieren - von dort schien diese unheimliche Stimme zu kommen. Es fiel ihr zunehmend schwerer, die düsteren Bilder zu verdrängen, die plötzlich ihre Gedanken verdunkelten.
"Was er wohl mit den Augen macht“, hatte ihre Assistentin Kira erst letzte Woche während einer Arbeitsbesprechung laut überlegt. „Vielleicht sammelt er sie in einem Einmachglas. Oder er isst sie. In Filmen machen die das doch so.“ Ja, in Filmen. Da würde spätestens jetzt bedrohliche Musik einsetzen, während das irre Flüstern des Anrufers immer tiefer in ihren Kopf kroch.
"Und was passiert nach dem Interview?", wollte Sharon wissen.
“Danach werde ich mich der Polizei stellen.“, versprach die Stimme. „Ich bin müde. Aber vorher will ich noch einigen Ihrer Zuschauer ... die Augen öffnen.“ Er lachte. „Und so ganz nebenbei helfe ich Ihnen, als Reporterin eine Legende zu werden.“
Sharon fragte sich, ob es erstrebenswert sein könnte, mit zweiunddreißig Jahren schon eine Legende zu werden. Aber unabhängig davon würde es unvermeidlich sein, sich mit diesem Mann zu treffen, ganz egal, wer und was er auch immer war. Selbst als harmloser Aufschneider konnte er für die Geschichte ein weiteres wichtiges Teilchen sein. Eine Story musste von Anfang bis Ende erzählt werden.
“Und Sie glauben, darauf lasse ich mich jetzt einfach so ein?“, fragte Sharon
Der Anrufer seufzte: “Ihren bisherigen Erfolg verdanken Sie hauptsächlich mir. So gesehen schulden Sie mir was.“
“Sorry, aber ich schulde Ihnen rein gar nichts!“
“Wir haben unseren Weg zusammen begonnen. Also sollten wir ihn auch zusammen beenden. Finden Sie das nicht?“
“Es klingt alles irgendwie falsch, was Sie sagen. Ich bin ja nicht zum Fernsehen gegangen, weil ich über Typen wie Sie berichten wollte.“
„Warum haben Sie dann so viel über mich berichtet?“
„Hab ich das?“
„Und ob! Sie haben mir so unglaublich viel Ihrer Zeit ge...“
„.. opfert?“
Geschenkt! Aber immer fair! In Ihren Sendungen habe ich mich geborgen gefühlt.“
„Ich habe nur versucht, objektiv zu bleiben - obwohl ich Rosen hasse.“
„Ich werde daran denken, wenn wir uns treffen.“
Wenn wir uns treffen!“
„Wir müssen uns treffen! Ohne Sie wäre ich nicht der geworden, der ich heute bin. Und Ihre Karriere wäre ohne mich vielleicht gar nicht möglich gewesen.“
„So, das reicht jetzt!“
“Keinen Mut mehr für das große Finale? Nach all diesen einfühlsamen Sendungen über mich?“
Jetzt klang Sharons Lachen unecht. “Werden Sie jetzt nicht plump. Da bleibt ein großes Restrisiko für mich, finden Sie nicht?“
„Warum sollte der Künstler seine Muse vernichten? Nach unserem Treffen werde ich mein Schicksal akzeptieren, egal, was es für mich vorgesehen hat. Ich will endlich Frieden finden. Denken Sie darüber nach. Ich melde mich bald wieder.“ Die Stimme verstummte. Der Kontakt brach ab. Die letzten Worte hatten matt und kraftlos geklungen, wie bei einem Vampir, den das erste Tageslicht erreichte.
Auch Sharon fühlte sich erschöpft. Das Gespräch hatte ihre letzten Reserven aufgebraucht. Immerhin hatte der Anrufer es bis zum Schluss verstanden, sich Ihre Aufmerksamkeit zu sichern. Doch wie sollte es jetzt weiter gehen? Angst verspürte sie nicht. Als Reporterin hatte sie häufig mit “Bestien“ zu tun gehabt. Die Abgründe im Menschen waren ihr vertrauter als es ihr lieb war. Berufsbedingt war sie sowieso in Bereiche vorgedrungen, die von der Hölle nicht mehr allzu weit weit entfernt sein konnten.

Der geheimnisvolle Anrufer meldete sich bereits wenige Tage später erneut. Wie schon beim ersten Gespräch klang seine Stimme merkwürdig angestrengt. Ansonsten machte er einen unverschämt selbstzufriedenen Eindruck. Zu diesem Zeitpunkt war Sharon längst entschlossen, sich auf das riskante Treffen mit ihm einzulassen. Eine Begegnung mit dem Mann, der behauptete, die Rosen-Bestie zu sein, war unvermeidlich geworden. Ort und Zeitpunkt des ungewöhnlichen “Rendezvous“ waren schnell geklärt. Beide sehnten jetzt offensichtlich den Augenblick ihres Zusammentreffens herbei.
“Angst?“, wollte der Anrufer abschließend wissen und es klang, als würde er dabei mit den Augen zwinkern.
“Und Sie?“, fragte Sharon zurück.
Er lachte. Es klang nicht mehr ganz so sicher.

Tatsächlich hatte die Reporterin sich niemandem anvertraut, bereitete sich statt dessen sehr gewissenhaft auf des bevorstehende Interview vor. Sie schöpfte sämtliche Möglichkeiten aus, auf dem Vorweg durch sorgsame Planung das eigene Risiko so weit wie möglich zu vermindern. Ihre Fähigkeit, strategisch zu denken, verhalf ihr zu einer tiefen inneren Ruhe. Es kam ja nur darauf an, durchgehend die Oberhand zu behalten, dann konnte ihr eigentlich nichts passieren. Es war nicht das erste gefährliche Treffen, auf das sie sich ohne Rückendeckung einließ. Sie war Alleingänge seit frühester Jugend gewohnt.
“Wie sucht er seine Opfer aus?“, hatte sie in einer ihrer Sendungen mal einen Profiler gefragt. Wichtig war vor allen Dingen, ob sich ein Muster erkennen ließ.
“Es gibt meistens eins“, hatte der Fachmann für Serienmörder nachdenklich geantwortet. “Auch wenn die Morde bei oberflächlicher Betrachtung eher willkürlich wirken. Aber ich glaube nicht, dass da einer herumläuft, und ungeplant zuschlägt. Ich meine, wir haben es mit einem Täuscher zu tun, der seine Opfer mit großem Geschick in ausgeklügelte Fallen lockt.“

Als Sharon spät in der Nacht den Glaspalast des Fernsehsenders verließ, um zu dem vereinbarten Treffpunkt zu fahren, war sie perfekt vorbereitet. Jegliche Zweifel an ihrem waghalsigen Plan waren verflogen. Sie fragte sich auch nicht mehr, ob sie mit ihrem klugen Kopf am Ende vielleicht doch blindlings in ihr Unglück rannte. Mit derselben Entschlossenheit, die sie in ihrem Wagen mit quietschenden Reifen aus der Tiefgarage führte, ließ sie auch die letzten Reste von Unsicherheit und Angst hinter sich zurück.

Auf der Fahrt durch ruhiger gewordenen Straßen erinnerte sie sich an Neil. Es war noch nicht so lange her, seit sie sich getrennt und den längst fälligen Schlussstrich unter ihre gescheiterte Beziehung gezogen hatten; eine Affäre, die mit einem sexuellen Rausch begonnen hatte, aber auf den anderen zwischenmenschlichen Ebenen bedrückend schnell gescheitert war. Jetzt kamen ihr erneut seine zornigen Abschiedsworte in den Sinn, mit denen er ihr die alleinige Schuld am Ende ihrer Beziehung zu geben versucht hatte. Wütend hatte er ihre Karriere verflucht, ihren krankhaften Ehrgeiz und ihren Egoismus. Sein Vorwurf, dass sie für das Erreichen ihrer Ziele selbst zu einer Art von Bestie zu verkommen drohte, hatte sie eher belustigt. Aus seinem Mund klang das geradezu absurd! Die Trennung von ihm war eine Erlösung gewesen, und einige obszöne Beschimpfungen auf ihrem Anrufbeantworter blieben seine letzten Spuren in ihrem Leben.

Die alte Villa, in der sie sich mit dem geheimnisvollen Anrufer verabredet hatte, lag am Rande der Stadt und stand seit Jahren leer – ein marodes Gebäude mit einer traurigen Historie über ein weiteres Kapitel unkontrollierbarer Gewalt. Vor sieben Jahren hatte dort ein Unternehmer aus heiterem Himmel erst seine Frau und dann seine drei Kinder mit einer Axt zerstückelt. Danach war er einfach verschwunden und bis heute wusste keiner, wo er geblieben war. Es hatte nicht einen brauchbaren Hinweis darauf gegeben, welchen Grund er für seinen blutigen Amoklauf gehabt haben mochte. Schon damals war Sharon am Tatort gewesen, um eine ihrer ersten Reportagen zu machen. Ein befreundeter Beamter der Mordkommission hatte ihr – wenn auch ein wenig widerwillig - die direkte Begegnung mit dem Grauen ermöglicht. Beim Anblick des Blutbades hatte sich manchem gestandenen Polizisten der Magen umgedreht. Sharon aber hatte unbeirrt durchgehalten. Trotz der entsetzlichen Bilder hatte sie sich keine Schwäche erlaubt, bis alles im Kasten war. Diszipliniert hatte sie den ersten Schock überwunden, um eine sachliche und nüchterne Bestandsaufnahme des Geschehens zu machen – und hatte auf diese Weise ihre Bosse zum ersten Mal beeindruckt. So wurde "Die Kramer" zum Mädchen für die ganz harten Fälle ...

Nach dieser Tragödie hatten sich für die Villa keine Interessenten mehr finden lassen. Seit dem verrottete sie unbeachtet und fast vergessen vor sich hin - als Mahnmal des täglichen Wahnsinns. Heute aber kehrte Sharon Kramer an diesen düsteren Meilenstein ihrer Karriere zurück. Während sie den Wagen parkte, verspürte sie eine leichte Anspannung in sich aufsteigen. Sie wartete einige Minuten, bevor sie möglichst geräuschlos ausstieg und benutzte eine Stabtaschenlampe, um sich in der Finsternis zurechtzufinden. Das düstere Haus schien auf sie gewartet zu haben, als wäre ihre Rückkehr an diesen Ort unvermeidlich gewesen. Welcher Kreis schloss sich hier? Die Reporterin knöpfte fröstelnd ihre Jacke zu und schlug den Kragen hoch, um sich vor dem aufdringlichen Wind zu schützen. Sie schulterte die Kameratasche und verschloss behutsam die Wagentür. Wachsam lauschend bahnte sie sich möglichst geräuschlos ihren Weg durch den verwilderten Garten. Dabei versuchte sie, sich an die Aufteilung des Hauses zu erinnern, das sie schon einmal unter ähnlich unangenehmen Umständen betreten hatte. Der Revolver, der in ihrem Hosenbund steckte, behinderte sie kaum beim Laufen, und der harte Druck gegen ihren Körper vermittelte ihr ein erregendes Gefühl von Überlegenheit. Die Waffe zählte zu den Eckpfeilern ihrer Vorbereitungen. Sie hatte alles dabei, was sie für das Treffen benötigte. So war sie nicht leicht zu überraschen, ganz egal, mit wem sie es zu tun bekäme. Trotzdem blieb sie hoch konzentriert und aufmerksam, mit allen Sinnen darauf ausgerichtet, im Notfall sofort flüchten zu können – oder zu schießen.

Die breite Eingangstür der Villa stand halb offen. Sharon tastete ein letztes Mal prüfend nach ihrem Revolver, bevor sie das Haus betrat. Dank Neils ausgeprägter Vorliebe für Waffen, die sich schon oft ausgezahlt hatte, verstand sie es, mit dem Revolver schnell und geschickt umzugehen. Das machte sie mutig und stark. Etwas orientierungslos ließ sie den Lichtstrahl der Taschenlampe durch das Innere der Eingangshalle tanzen. Es stank nach Urin und Erbrochenem. Der Boden war übersät mit Unrat. Das Licht hüpfte hin und her und zeigte ihr kleine Ausschnitte, die sich in ihrer Erinnerung nur langsam zu einem vollständigen Bild zusammenfügen ließen. Ihr Instinkt war in höchster Alarmbereitschaft, signalisierte ihr eindringlich, dass sie nicht allein war. Ein scharrendes Geräusch drang an ihr Ohr. Sie reagierte sofort mit der Taschenlampe und fing auf dem oberen Teil der Treppe herabsteigende Turnschuhe ein. Schnell zeichnete der Lichtstrahl die Umrisse eines Mannes nach, der mit demonstrativ erhobenen Händen und betont langsam nach unten kam. Sharon blendete ihn. Er kniff die Augen zusammen. In der gleichen Sekunde zog sie den schweren Revolver und spannte geübt den Hahn. Der Fremde schien nicht besonders überrascht zu sein, als er das verräterische Klicken vernahm. Oder aber, er wollte sich sein Erstaunen nicht anmerken lassen.
“Ich habe eine Waffe dabei“, klärte ihn Sharon vorsichtshalber auf. „Die richte ich jetzt gerade auf Sie. Nur, dass Sie jetzt nichts Unüberlegtes tun.“
Er lachte belustigt. “Ich habe mich doch längst ergeben. War das nicht schon zwischen uns geklärt?“
Sie wartete ab, bis er die unterste Stufe der Treppe erreicht hatte. Dann warnte sie ihn mit scharfer Stimme: “Das ist weit genug!“
Er blieb gehorsam stehen und behielt friedfertig die Hände oben. “Also doch Angst.“ Er schien über ihre Vorsichtsmaßnahmen fast ein wenig enttäuscht zu sein.
Sharon blieb kühl. “Sie sollten sich da vielleicht mehr Sorgen machen als ich.“
“Meinen Sie im Ernst, ich komme hier locker die Treppe runter, wenn ich Ihnen eine Falle stellen wollte?“
Sie musterte das Gesicht des Mannes. Er blinzelte mühsam gegen das Licht der Taschenlampe an. Es war ein Allerweltsgesicht, wirkte ein wenig blass und müde. Der Mann trug sportliche Kleidung und machte einen gepflegten Eindruck. Am liebsten hätte sie laut losgelacht. Der wollte die Rosen-Bestie sein? Ausgerechnet der? Sie entspannte sich. Das war kein gefährlicher Irrer, sondern ein harmloser Aufschneider!
“Wer sind Sie?“ Sie senkte die Taschenlampe ein wenig.
“Kann ich wenigstens die Hände runternehmen?“, schlug er vor. "Ich komme mir irgendwie blöd vor."
“Augenblick noch!“ Sharon zerrte aus ihrer Jackentasche Handschellen hervor - ebenfalls ein markantes Andenken an die Zeit mit Neil. Zielsicher warf sie dem abwartend dastehenden Mann die Handschellen direkt vor die Füße. Sie prallten scheppernd gegen seine Schuhspitzen.
Er war irritiert. “Was soll das jetzt?“
“Meine Lebensversicherung.“
“Soll das ein Witz sein?“
"Nur so funktioniert das mit uns beiden.“
“Und wenn ich das nicht will?“
Sie ließ den Lichtkegel der Taschenlampe unmissverständlich zwischen seine Beine wandern. “Auf diese Stelle ziele ich gerade. Ich schieße übrigens sehr gut. Und es lässt sich immer wie Notwehr darstellen.“
Seufzend bückte er sich nach den Handschellen, hob sie auf, betrachtete sie unwillig und klimperte spielerisch damit herum. “Das nenne ich mal eine echt professionelle Vorbereitung.“
“Das ist meine Art zu arbeiten. Was haben Sie erwartet? Dass ich mich auf Ihr Ehrenwort verlasse?“
“Sie müssen mich ja nicht gleich in Eisen zu legen.“
“Bitte!“, drängte Sharon. “Die Waffe ist entsichert. Ich weiß nicht, wie lange ich den Finger noch ruhig halten kann.“
Da bewegte er sich plötzlich sehr schnell. “Nur keine Panik. Eigentlich wollte ich ja schon immer mal wissen, wie das ist, diese Dinger zu tragen.“
Sharon beleuchtete seine Hände. “Ketten Sie sich ans Treppengeländer. Ich will genau sehen was Sie machen. Seien Sie vorsichtig. Ich bin gerade schrecklich nervös.“
Beflissen folgte er ihren klaren Anweisungen, und erst als sie sicher sein konnte, dass er die Handschellen geschlossen und sich fest an das Geländer gekettet hatte, näherte sie sich ihm wie eine sprungbereite Katze, die Waffe weiterhin im Anschlag. Ohne erkennbare Regung zu zeigen, ließ der Mann diese letzte Prüfung über sich ergehen. Als die Reporterin mit allem zufrieden war, sicherte sie den Revolver und ließ ihn in ihrer Jackenasche verschwinden. “So ist es viel besser“, sagte sie erleichtert. Bisher hatte alles reibungslos geklappt. Fast schon zu reibungslos. Sie blickte sich um. Lauschte. Traute dem Frieden noch nicht.
“Die Bestie in Ketten!“ Der Mann zerrte ärgerlich an den Handschellen. “Ist das der Titel für die Sendung morgen. Das ist unwürdig.“
“Über Würde sprechen wir noch“, entgegnete Sharon. “Wie heißen Sie eigentlich?“
“Ist das jetzt so wichtig?“
“Soll ich Sie die ganze Zeit als 'Bestie' anreden?“
“Louis.“
“Und weiter?“
Er schnaufte. “Verdammt, das nervt! Was soll die Fragerei?“
“Das ist mein Job. Schon vergessen?“
“Brodie. Louis Brodie.“
“Okay, Louis Brodie. Dann lassen Sie uns reden.“
“Ich habe mir das etwas anders vorgestellt“, beschwerte er sich. “Aber das ist jetzt auch egal. Alles ist egal. Sie wollen eine aufregende Beichte hören? Also bitte, ich gestehe alles. Hoffentlich wird es keine Enttäuschung werden. Aus dem großen Spektakel wird nämlich nichts. Ich, Louis Brodie, bin ein arbeitsloser Theaterschauspieler. Ich schlage mich zur Zeit hauptsächlich mit Nebenrollen in Pornofilmen durch. Das ist dann aber auch schon der schwärzeste Punkt in meiner Laufbahn. Mein Problem sind allein Sie. Ich bin verrückt nach Ihnen. Wenn ich Sie Tag für Tag im Fernsehen sehe, kann an nichts anderes mehr denken. Ich musste Sie einfach treffen! Und dann hatte ich diese Idee und wusste, dass es so klappen könnte. Wie sonst soll jemand wie ich an jemanden wie Sie herankommen? Na ja, es hat ja auch funktioniert, wie man sieht. Sie müssen zugeben, dass ich in der Rolle der reumütigen Bestie sehr überzeugend war. Sonst wären Sie wohl nicht hier. Das Dumme ist nur, dass ich kein Mörder bin. Es tut mir sehr leid, Sie getäuscht zu haben. Hoffentlich können Sie mir noch mal verzeihen. Vielleicht darf ich Sie zum Essen einladen? Als Wiedergutmachung, gewissermaßen. Wo Sie wollen und wann Sie wollen. Hätten Sie jetzt die Güte, mich zu befreien?“
Sharon lächelte. „Da bin ich also glatt auf Sie reingefallen. Und jetzt soll ich Sie schnell freilassen,damit wir unser nächstes Rendezvous besprechen können. Haben Sie sich das in etwa so vorgestellt?“
“Es wäre zumindest echt nett, wenn Sie erst mal die Dinger aufschließen. Das ist ein blödes Gefühl, hier angekettet zu sein. Herrgott, ich bin kein verdammter Mörder. Ich wollte doch nur ein Mal nur in Ihrer Nähe sein. Dafür hätte ich alles gegeben.“
„Auch Ihre Augen?“ Sharon lächelte noch immer.
„Sie haben einen echt schrägen Humor“, entgegnete er.
“Das sagen meine Kollegen auch immer.“ Sharon suchte nach dem Schlüssel für die Handschellen. „ Wirklich schade. Die Sache hatte gerade angefangen, interessant zu werden. Und nun entpuppt sich der Mörder als kleiner, mieser Stalker. Ich überlege gerade, in welcher Rolle Sie mir besser gefallen.““
Brodie lachte hysterisch. “Jetzt sagen Sie bloß noch, dass Sie mich für einen Psychopathen halten. Was muss ich tun, damit Sie mir glauben?“
“Bisher habe ich Ihnen ja wohl alles geglaubt. Ich bin hier, oder etwa nicht? Und ohne Polizei, ganz so, wie Sie es wollten.“
“Aber ich bin nicht die Bestie!“ beteuerte er hitzig. „Ich habe ja nicht mal Rosen dabei.“
Sharon hob beschwichtigend die Hände. “Schon gut, schon gut. Sie brauchen sich gar nicht so aufzuregen. Dass Sie nicht ..., ich meine, dass an Ihrer Geschichte was faul ist, wusste ich von Anfang an. Ich wollte eigentlich nur noch herauszufinden, wer Sie in Wirklichkeit sind. Und was für ein billiges Spielchen Sie mit mir treiben.“
“Ich war perfekt in meiner Rolle", entgegnete Brodie beleidigt. "Was bitte soll an meiner Geschichte faul gewesen sein? Und was meinen Sie mit billig?"
Sharon hielt den Schlüssel für die Handschellen bereits in ihrer Hand und bewegte sich langsam auf den Mann zu. “Also, das war's dann?“, fragte sie mit einem leichten Bedauern in der Stimme.
“Tja, so sieht es aus", sagte er und grinste. "Jetzt bereue ich es fast, nicht die Bestie zu sein. Dann wäre ich für Sie bestimmt interessanter gewesen.“
“Dafür können Sie Ihren Saufkumpanen, mit denen Sie gewettet haben, eine tolle Geschichte erzählen“, tröstete ihn Sharon. „Die warten sicherlich schon ungeduldig in irgendeiner Kneipe auf Sie.“ Sie klimperte verlockend mit dem Schlüssel. „Da hätte ich eigentlich Lust, Sie als Strafe noch ein Weilchen schmoren zu lassen.“
“Oh, nein!“ Er schüttelte entschieden den Kopf. “Denken Sie, ich mach mich zum Idioten? Niemand weiß natürlich von unserem Treffen. Ich hatte doch nur gehofft, dass Sie und ich … ach, was weiß ich. Blöde Idee!“
Sie hatte ihn erreicht. Er hielt ihr erleichtert die Hände entgegen, damit sie besser an die Handschellen kommen konnte. Sie blieb stehen, verharrte in der Bewegung, legte den Kopf schief und musterte Brodie. “Wissen Sie, was mich an dieser ganzen Geschichte wundert?"
Er zerrte ungeduldig an der Kette. "Nee. Aber Sie könnten mich erst einmal befreien, bevor wir uns weiter darüber unterhalten."
Sie trat näher, leuchtete ihm direkt ins Gesicht. Er wich überrascht zurück, soweit die Handschellen es zuließen. Sharon warf die Schlüssel für die Handschellen achtlos hinter sich und lächelte: “Der Mörder. Der Täter. Der Killer." Sie unterdrückte mühsame ein Kichern. "Seit so vielen Jahren suchen sie nach einem Mann. Verstehst du das, Louis? Was macht sie bloß so verdammt sicher?“

 
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Hallo Rick,

ich habe deine Geschichte in einem Rutsch gelesen, sie ist sehr spannend geschrieben. Zumindest bis das Telefonat endet konnte ich meine Augen gar nicht mehr davon lassen. Dann folgt ein kleiner Part (die Fahrt und die Sache mit Neil), der mich nicht mitreißen konnte; ab der Villa packte es mich dann wieder.
Das Ende habe ich (leider/natürlich ;) ) vorhergesehen, das hat aber weder den Lesespaß getrübt noch gehe ich davon aus, dass du damit eine Megapointe erschaffen wolltest. Es ist allerdings schon ein wenig konstruiert und abgegriffen.

Einige Tippfehler sind mir aufgefallen, ich wollte den Lesefluss jedoch nicht mit lästigen Korrekturen unterbrechen.

Beste Grüße
Tserk

EDIT:
Mir kam grade noch ein Gedanke. Vielleicht ist das Ende stärker, wenn du das letzte streichst?
Also das hier

„Ja, ich“, sagte Sharon sanft und sah sich suchend nach der Kameratasche um. Sie hatte wieder zwei Rosen dabei – obwohl sie Rosen hasste.
und die Geschichte mit "Sie?!" endet.
Ist mir nur grade so eingefallen, ob das tatsächlich was taugt, darüber zu entscheiden bleibt dir überlassen.

 
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Hallo Rick,

das war gemein. Wie kannst du mich so reinlegen? Ok, am Ende dachte ich mir natürlich schon, worauf es rausläuft, da war dann ja auch nichts mehr außer ihr und ihm und einem offenen Spannungsende. Aber du hast mich ganz schön lange an der Nase herumgeführt. Ich hatte eben schon mein Zinken war länger, als ich in den Spiegel guckte :dozey:


Der Anfang deiner Geschichte hat mir prima gefallen, weil ich mich in das Geschehen hineingezogen fühlte.
Einzig der zweite Satz hat mich etwas gestört, er ließ mich ein wenig aus dem Fluss rausswitchen, ich glaube das liegt an dem Partizipialsatz: "Noch immer ... aufgeheizt" Klingt so ein bisschen künstlich. Aber ich finde, du brauchst ihn gar nicht unbedingt, weil du ja schon vorher geschrieben hast, dass sie eine nervige Konferenz hatte. Klar hat sie dann wenig Bock auf Telefonate.

Gelungen finde ich (fast) das gesamte Telefonat. Du hast einen ruhigen, angenehmen Erzählstil, der sich flüssig lesen lässt, die Dialoge kennzeichnen die Personen. Du erzählst sehr spannend.

Zum Beispiel diese Stelle:

„Und Sie klingen wie ein Arschloch.“
„Ich bringe Menschen um. Ich bin ein Arschloch!“
Sie ist gut, weil sie passend für Louis Charakter ist, er will böse rüberkommen am Telefon, tut es auch, aber ein Quäntchen Beteuerung ist auch dabei.

In Filmen machen die das immer so.“ Ja, in Filmen. Da würde spätestens jetzt bedrohliche Musik ertönen, während das irre Flüstern des unheimliche Anrufer in ihre Gedanken kroch. Und die Zuschauer würden denken: 'Tu es, Sharon, Triff dich mit der Bestie! Das ist das, was wir sehen wollen!

Auch diese Stelle gefiel mir. Und vieles andere mehr. Einfach sehr spannend.


Es gab auch Stellen, die mir zunächst nicht ganz so gut zu passen schienen, stellvertretend dafür weiter unten eine Stelle.

Und die Auflösung am Ende, naja, was für eine Sauerei. Das ist als Kompliment gemeint. Und der letzte Satz: fies.

Zwischendrin kamen dann Passagen, von denen ich nicht wusste, was die jetzt wollen und sollen. Der Ehemalige, das Haus. Da wurde ich ehrlich gesagt ein bisschen ungeduldig. Ich dachte, er verzettelt sich, warum schreibt er das alles, ist das denn nötig? Ich dachte, das muss er kürzen. Wie man halt so denkt.

Gut, im Nachhinen ist mir da einiges klarer geworden, dazu gleich mehr.

Im Nachhinein klären sich dann für mich die zunächst auffälligen Stellen aus dem Telefonat, die ich innerlich schon rot anstreichen und mit erhobenem Zeigefinger im Kommentar anmerken wollte:

Bitte, tun Sie das nicht, machen Sie sich nicht über mich lustig!“

Na, für einen Serientäer klingt er hier aber sehr schüchtern und nachgiebig.
Das wäre mein ursprünglicher Kommentar gewesen. Im Nachhinein klärt es sich natürlich auf, du hast es genau richtig gemacht, das war eines der Puzzlesteinchen, die du gelegt hast, um den Hergang inhaltlich und von der Charakterzeichnung her stimmig zu machen. Und ich finde es auch gelungen, weil hier die unterschwellige Verehrung und Unterwürfigkeit durchdringt.

Nicht so passend finde ich aber die folgende Stelle, als er auf die gestorbene Mutter hinweist, ihre Titten und dann zugibt, dass er das nur gegoogelt hat. Das fand ich zuviel des Guten. Wenn er schon vorgibt, Sereinkiller zu sein, damit sie sich mit ihm trifft, würde ich ihn da nicht einknicken lassen, er hat da doch alle Trümpfe in der Hand.


Auch die anderen Stellen, also der Liebhaber, das Haus, werden für mich im Nahhinein schlüssig.
Der Ehemalige war, was ich prinzipiell gut finde, eine falsche Fährte, die du gelegt hast, ein möglicher Anrufer aus Rachsucht. Vielleicht sogar möglicher Täter? Nein, das letzte habe ich nicht wirklich gedacht. Aber es ist auch bei der Ausarbeitung der Frau eine kleine falsche Fährte. Dann das Haus. Es dient dazu die Verbissenheit, die Arbeitssucht und die Abgebrühtheit und Eigentümlichkeit der Protagonistin zu veranschaulichen, denn immerhin wird sie da ja von dir als fasziniert von dem blutigen Geschehen beschreiben.

Trotzdem: Ich weiß, du brauchst das alles für den Aufbau der Geschichte und die Zeichnung der Charaktere, dennoch würde ich vielleicht mal überprüfen, ob du da was straffen kannst. Denn es erschien mir, aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, ich kann es nicht recht beweisen, zu ausgedehnt. Es wäre schade, wenn dir Leser an diesen Stellen einknicken, weil sie noch ungeduldiger sind als ich.

Ja insgesamt habe ich deine Geschichte sehr gerne gelesen, hat Spaß gemacht.

Viele Grüße
Novak

PS: Während ich noch an meinem Kommentar herumbastelte, kam Tserks Kommentar dazwischen. Was für ein Unterschied, Tserk gähnt wegen Konstrukt und ich hab ne lange Nase. Ich hab ja schon immer gesagt, Lesen versaut. Auch was das das allerletzte Ende betrifft. Hihihihihi, Hab leider gerade keine Smileyleiste zur Verügung, sonst käme da jetzt ein ziemlich laut grinsender. Jetzt kannst du schauen, was du machst. So ist es dann immer, der arme Autor hat die ganze Last sich zwischen den unterschiedlichen Geschmäckern seiner widerborstigen Leser, die sich noch nicht mal einigen können, zu entscheiden. Na, dann musst du wohl selber ran.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich Tserks "Ende" überhaupt nicht verstanden habe, um entscheiden zu können, ob es vielleicht wirklich besser ist.

 

Gut geschriebene, spannende Story.
Das Ende überraschend - aber wenn man es dann noch mal liest, passt vieles nicht dazu.
Du schreibst ja aus ihrer Sicht - wie sie sich die Zweifel an diesem riskanten Treffen ausredet, über ihn als "möglichen" Täter nachdenkt.. alles, um uns auf eine falsche Spur zu bringen, aber im Endeffekt völlig unlogisch. Etwas mehr Zurückhaltung beim Beschreiben ihrer Gedanken, keine Hinweise auf "aufmerksam, mit allen Sinnen darauf ausgerichtet, im Notfall sofort flüchten zu können" hätten es offener und logischer gemacht.
Nur meine bescheidene Meinung, aber bei mir funktioniert der Trick dann halt nicht, wenn es einer sein sollte.
Gruß
Dea

 

Ich muss allerdings zugeben, dass ich Tserks "Ende" überhaupt nicht verstanden habe, um entscheiden zu können, ob es vielleicht wirklich besser ist.
Meinst du, dass ich die letzten zwei Sätze weglassen würde?
Auf mich wirkt es halt ein wenig wie "SIE IST ES, HABT IHR ES JETZT AUCH WIRKLICH ALLE VERSTANDEN?!"

Etwas mehr Zurückhaltung beim Beschreiben ihrer Gedanken, keine Hinweise auf "aufmerksam, mit allen Sinnen darauf ausgerichtet, im Notfall sofort flüchten zu können" hätten es offener und logischer gemacht.
Ich sehe darin keine Unlogik. Anstelle der Täterin wäre ich auch sehr vorsichtig - es könnte sich ja immer noch um eine Falle handeln. Oder einfach um einen Verrückten, der eine Fernsehmoderatorin ermorden möchte.

 
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Hallo Tserk,

hallo erstmal! Danke für deine Kritik, die glücklicherweise recht positiv ausfiel. Da bin ich froh, weil ein solches Geschichtenkonzept schnell nach hinten losgehen kann, und ich hatte etwas Bammel vor der ersten Duftmarke unter der Story. Oft ist das ja richtungsweisend.

Es freut mich sehr, dass du die Story weitgehend flüssig lesen konntest. Dass sowohl Neil, als auch die Villa kleine "Wellenbrecher" in der Handlung sein könnten, war mir klar, aber ich musste sie unbedingt für die Vertiefung des Charakters meiner Protagonistin haben. Das ist jetzt keine Tiefenpsychologie geworden, aber es sind zumindest Hinweise auf ihre Geisteshaltung (fast hätte ich Geisteszustand gesagt). Wobei das vielleicht gar nicht notwendig wäre, denn beim Fernsehen sind die ja mittlerweile alle ziemlich durchgeknallt.

Dich konnte der Schluss nicht überraschen? Rate mal, wen das nicht überrascht? :-)

Dein Vorschlag, zwei Sätze früher zu enden, ist nachvollziehbar. Ursprünglich war der Schluss exakt an der Stelle! Dann dachte ich mir, dass klänge zu sehr nach Pointenschluss. Ich wollte aber wirklich keine Pointengeschichte schreiben, sondern versuchen, mit nur zwei Protagonisten und sehr viel Dialog über eine sehr weite Strecke Spannung aufzubauen. Weil das meiner Meinung nach verdammt schwer ist und ich das endlich mal hinkriegen will.

Freut mich, dass es dir gefallen hat!

Hallo Novak,

danke für deine launige und sehr hilfreiche Kommentierung. Ich finde es interessant, dass dir manche Stellen als störend vorkamen, bis sie ihre Berechtigung dann nachträglich doch noch finden konnten.

Den Einstieg glätte ich, da hast du recht! Danke für den Hinweis.

Eines ist für mich besonders wichtig, und ich hoffe sehr, das es auch so rüberkommen: Der Anrufer hat sie auch nicht alle auf der Latte, ist ein Stalker, der sich mit einem Trick in das Leben der Moderatorin zu schleichen versucht. So erklärt sich auch seine Reaktion, dass er in seiner vorgetäuschten Rolle als Triebtäter immer wieder mal unsicher wird und empfindsam. Und eben auch solche Reaktion wie der von dir zitierte Ausspruch "Bitte machen Sie sich nicht über mich lustig." passen dann. Das hat sich für mich aus deiner Kritik bestätigt, danke.

Ich werde mal prüfen, inwieweit sich die Neil- und die Villa-Sequenz sinnvoll kürzen lassen. Wie du es auch in deiner Kritik ansprichst, sie sind ja grundsätzlich wichtig und werden zur Charakterzeichnung der Reporterin benötigt.

Und über den Schluss muss ich noch nachdenken, dazu habe ich ja auch schon an Tserk eine Begründung gegeben. Zwei Sätze früher zu enden, wäre sehr pointenlastig, mit den beiden zusätzlichen Sätzen wollte ich die Situation noch etwas "irrer" enden lassen. Man weiß ja selten, wie das alles ankommt, was man sich da so im stillen Kämmerlein ausbrütet.

Vielen Dank jedenfalls für deine Meinung und es freut mit, dass dir das Lesen der KG Spaß machte.

Hallo Dea Louise,

herzlichen Dank für deine Kritik. Deine grundsätzlichen Einschätzung freut mich sehr.

Das, was du ansprichst, dass ich als Autor den Blickwinkel der der Protagonistin einnehme (was ja stimmt) und so beim Leser am Ende der Eindruck entsteht, dass ich immer dann, wen ich Einblicke in ihre Gedanken biete, ein bisschen trickse - das ist das Schlüsselproblem einer KG mit diesem Konzept. Ich habe mich deshalb sehr darum bemüht, dieses bewusste Ausstreuen von irreführenden oder gar falschen Hinweisen zu vermeiden. Auch die von dir zitierte Stelle halte ich für ein nachvollziehbares Verhalten der Reporterin, weil sie - gerade wegen ihrer eigenen düsteren Pläne - ja nicht weiß, auf wen sie da trifft. Sie muss aus mehreren Gründen vorsichtig sein. Sie kennt ihren Widersacher nicht, kann in eine Falle laufen, kann entlarvt oder angegriffen werden, und deshalb passen ihre akribischen Vorbereitungen, ihre Vorsicht, ihre Wachsamkeit und ihre Angst auf alle Fälle.

Aber ich kämme den Text noch ein weiteres Mal nach solchen unplausiblen Stellen durch, versprochen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich den Film The Sitxth Sense nach dem ersten Mal sofort noch mal sehen wollte, weil ich mir sicher war, Fehler und falsche Reaktionen/Hinweise zu finden. Aber da war nix, ich meinte immer nur, dass da etwas gewesen sein müsste.

Danke für die freundlichen & hilfreichen Rückmeldungen!

Rick

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Rick,

nochmal eine Geschichte, die ich in Ton und Aufbau als sehr klassisch empfinde. Es wird allerdings noch glatter dadurch, dass hier nicht diese Stolpersteinmetaphern drin sind. Da klassisch italienisches setting, hier klassisch amerikanisch. Und auch die Erzaehlsituation ist ja aehnlich. Es wird aus der Perspektive einer Figur erzaehlt (einmal in der 1. einmal in der 3. Person, aber das macht im Grunde keinen Unterschied), aber die entscheidende Info aus diesem Bewusstsein wird dem Leser vorenthalten. Manche moegen das als etwas unehrliches Erzaehlen empfinden. Aber darum geht es im Krimi ja eigentlich immer, den Leser auf die falsche Spur zu locken. Deshalb stoert es mich hier auch nicht.
Bei der Figurenpsychologie sollte man wahrscheinlich nicht allzu tief graben. Und mit der Realitaet von Serienmoerderfunktionsweisen schon gar nicht. Aber ich glaube, das schadet dem Text nicht gross. Er liest sich gut und ist spannend. Mehr muss und will er wahrscheinlich gar nicht sein. Ich hab ihn gern gelesen und auch erst relativ spaet die Aufloesung vermutet. Ich kann mir das als Episode eine Krimiserie denken. Es ist gut gemachte Unterhaltung, die sich auch nicht in eitlen Spielereien verzettelt, an denen der Autor mehr Freude als der Leser hat. Das findet man hier gar nicht mal so oft. Ich fand sie deutlich besser als die letzte Geschichte. Immer noch nicht emotional bewegend, aber hier stoert es mich nicht.

An einigen Stellen haette es meines Erachtens etwas knapper sein koennen. Beim Telefongespraech etwa, da koennte man bestimmt noch etwas ausduennen.

Oder auch hier, nur als Beispiel:

Vor sieben Jahren hatte dort ein Unternehmer aus heiterem Himmel erst seine Frau und dann seine drei Kinder mit einer Axt zerstückelt. Danach war er einfach verschwunden und bis heute wusste keiner, wo er geblieben war. Es hatte nicht einen brauchbaren Hinweis darauf gegeben, welchen Grund er für seinen blutigen Amoklauf gehabt haben mochte. Der Mann war beruflich erfolgreich und gesellschaftlich bestens etabliert gewesen, hatte als liebevoller Ehemann und fürsorglicher Vater gegolten. Alle, die der Familie nahegestanden hatten, Verwandte, Freunde und Bekannte, hatten vor einem Rätsel gestanden und sich die Tat nicht erklären können. Schon damals war Sharon am Tatort gewesen, um eine ihrer ersten Reportagen zu machen. Ein befreundeter Beamter der Mordkommission ermöglichte ihr – wenn auch ein wenig widerwillig - die direkte Begegnung mit dem Grauen. Der Anblick des Blutbades hatte die Berufsanfängerin damals zutiefst erschüttert [KOMMA] aber auch auf merkwürdige Weise fasziniert. Der durchgedrehte Ehemann und Familienvater schien versucht zu haben, die Existenz von Frau und Kinder mit der Axt völlig auszulöschen zu wollen. Die Spezialisten vor Ort waren sich darin einig, noch nie einen solchen Tatort vorgefunden zu haben. Sharon hatte tapfer durchgehalten. Trotz der entsetzlichen Bilder hatte sie sich keine Schwäche erlaubt, bis alles im Kasten war. Diszipliniert hatte sie den ersten Schock überwunden, um eine sachliche und nüchterne Bestandsaufnahme des Geschehens zu machen – und hatte auf diese Weise ihre Bosse zum ersten Mal beeindruckt. So wurde Sharon Kramer das Mädchen für die ganz harten Fälle
Es scheint mir, dass der selbe Gedanke hier doch mehrmals wiederholt wird. Ich hab die Streichvorschlaege mal unterstrichen.

Manchmal sprichst Du von der Protagonistin als "die Reporterin". Das ist so ein bisschen, na Du weisst "der Leimener".

Als Sharon spät in der Nacht den Glaspalast des Fernsehsenders verließ, um zu dem vereinbarten Treffpunkt zu fahren, strahlte sie eine unerschütterliche Zuversicht aus.
Das ist der Blick eines Erzaehlers, der nur von ihrem Auftreten auf ihre Emotionen schliessen kann. Dein Erzaehler hat aber bisher in ihrem Kopf gesessen.

Mit derselben Entschlossenheit, die sie in ihrem Wagen mit quietschenden Reifen aus der Tiefgarage führte, ließ sie auch die letzten Reste von Unsicherheit und Angst hinter sich zurück.
Das ist umstaendlich. da bin ich gestolpert.

Es war noch nicht so lange her, seit sie sich getrennt und den längst fälligen Schlussstrich unter ihre gescheiterte Beziehung gezogen hatten
koennte weg

Seine letzten Spuren in ihrem Leben waren obszöne Beschimpfungen auf ihrem Anrufbeantworter und Nacktfotos von ihr aus der gemeinsamen Zeit, die immer wieder mal im Internet auftauchten.
und ihre Nacktfotos im Internet gewesen

Während sie den Wagen parkte, verspürte sie eine leichte Anspannung in sich aufsteigen.
"spuerte eine leichte Anspannung in sich aufsteigen" oder "verspuerte eine leichte Anspannung"

Bisher hatte reibungslos geklappt.
alles?

können?Und es hat ja auch geklappt, wie man sieht.
Da fehlt ein spatium

„ Wirklich schade.
Da ist eins zu viel

“Der Mörder. Der Täter. Der Killer.

?

Er flüchtete sich wieder in sein unechtes Lachen, wie ein zweitklassiger Theaterschauspieler, der sich die letzten Reste seiner Begabung durch Nebenrollen in Pornofilmen verdorben hatte.
Eine unglaubliche Menschenkenntnis :D

„Und Sie klingen wie ein Arschloch.“
„Ich bringe Menschen um. Ich bin ein Arschloch!“
:D

lg,
fiz

 

Hallo Rick,

da ist dir eine spannende, gut zu lesende Geschichte gelungen!

Ich habe sie besonders zum Ende hin total spannend gefunden, weil mir mehrere Möglichkeiten einfielen, wie sie zuende gehen könnte.
Einmal natürlich so wie du es getan hast, aber es gab auch die Möglichkeit, dass der Typ selbst doch der Mörder ist und sie nur in Sicherheit eingelullt hat und drittens könnte der wahrhaftige Mörder ja auch anwesend gewesen sein.

Wie auch immer, ich habe sie sehr gern gelesen.


Trotzdem haben mir ein paar Dinge nicht so gut gefallen.

Damit könne schon bald die spektakuläre Entlarvung eines seit Jahren gesuchten Verbrechers stattfinden, eines Serienmörders, der seinen Opfern wenig fachkundig die Augen entfernte und die blutigen Höhlen mit Rosenblüten verschloss.
Da dachte, dass du das eleganter hättest in den Handlungsverlauf einbringen können. Das ist so ein komprimierter Informationssatz, der alles, was wichtig ist, beinhaltet und zügig ins Geschehen führt. Das soll ja auch so sein, ABER das machst du mir zu auffällig. Wäre es nicht auch eine Möglichkeit, dass man innerhalb des Telefonats erst erfährt, um was es geht? Der Leser ist ja gerade bei Krimis hochmotiviert, Rätsel zu lösen. Der holt sich die Infoschnippsel schon zusammen.


Insgesamt fand ich das Telefonat viel zu lang. Wo du kürzen könntest, ist mir nicht klar. Sorry, da bin ich dir nicht hilfreich.

Zwischendrin dachte ich, dass sie sich doch recht schnell umentscheidet, denn obwohl die gesamten anfänglichen Zweifel nicht mal ansatzweise ausgeräumt sind, findet sie plötzlich nicht mehr, dass dies ein Problem darstellt. Dann aber wieder doch, obwohl sie dazu entschlossen ist, zu dem Treffen zu gehen. Im Nachhinein ist ihr Verhalten, das etwas verbogen erscheint, natürlich logisch. Ich denke aber, das Verhalten sollte, um der Täuschung des Lesers willen gerne gradlinig sein.
Mit anderen Worten, ich nahm deiner Protagonistin nicht ab, dass sie Gründe hatte, sich mit dem Anrufer zu treffen.

Und dann fand ich an dieser Stelle gibt es einen Bruch:

“Irgendetwas stimmt hier doch nicht, oder?“ Sie leuchtet ziellos mit der Taschenlampe hin und her. „ Spüren Sie das denn nicht auch, Louis? Es ist, als ob hier noch jemand wäre. Als ob hier etwas lauert. Als ob wir beide nur Figuren in einem Spiel wären.“
“Wovon reden Sie?“, fragte Brodie beunruhigt.
Klar musst du irgendwann der Geschichte die richtige Wendung geben und der Zeitpunkt ist auch gut gewählt.
Aber ich fand es zu übergangslos und damit zu zusammenhangslos.

Vermutlich fehlt nicht viel, um es runder zu machen.

Trotz all dieser Punkte bleibt es aber für mich ohne Frage eine gute Geschichte.

Während ich las, fand ich folgende kleine Rechtschreibfehlerchen:

Alles kling so bedeutungsvoll, wenn Sie darüber reden.“
"t"

Ich will versuchen, jede Ihrer Frage aufrichtig zu beantworten.
Fragen

Oder auf meinen Augen?“ meine
meine

Bisher hatte reibungslos geklappt. alles oder es
es fehlt "es" oder "alles"

seit ich weiß, das es sie gibt!
dass


in welcher Rolle Sie mir besser gefallen.““
"

Aufreizend drängte sich an hilflosen Brodie.
"sie" und später "den"

bewegt schnaufend den Kopf hin und her.
e


Lieben Gruß

lakita

 

Hallo Rick,

mich hast Du auch gut unterhalten mit Deiner Geschichte. Hab sie gern gelesen. Kritisch wollte ich ebenfalls anmerken, dass mir das Telefonat etwas zu lang erschien und ich irgendwie darauf gewartet habe, dass sie endlich auflegen, damit es weiter gehen kann.

Das Ende war für mich ab dem Treffen vorhersehbar, aber bei Krimis ist das ja oft so, irgendwann geht es auf die Lösung zu und wenn der Leser da nicht selbst eine Vorahnung hat, wirkt es nur um so künstlicher. Irgendwann weiß man es eben und liest weiter, um es bestätigt zu bekommen.

Was ich jedoch spannend finde, es sind ja weit aus mehr Männer als Frauen, die einsitzen. Und dass ist auch so in den Köpfen der Leute drin. Man denkt immer zuerst an einen männlichen Täter. Du thematisierst es ja sogar. Und ich bin ebenfalls über weite Teile des Textes davon ausgegangen, dass der Täter ein Mann ist. Das funktioniert schon gut als Überraschungsmoment, wenn es sich dann irgendwann wandelt.

Was ich jedoch wirklich gern habe an der Geschichte, ist das Motiv. Das ist schon echt derb. Sie mordet für ihre Karriere, sie tötet, um dann selbst darüber berichten zu können - wahrscheinlich tatsächlich immer die Erste vor Ort - oder auch Zweite ;)

Beste Grüße Fliege

 

„Und Sie klingen wie ein Arschloch.“
„Ich bringe Menschen um. Ich bin ein Arschloch!“

ab da mochte ich den Text, lieber Rick!
Ich mag starke Sprüche.


Es folgt eine spannende Geschichte. Ich frage mich, wie das Treffen enden wird. Ist dieses Treffen nur eine weitere geschickt gestellte Falle der Bestie? Wird Sharon wirklich so mutig (oder dumm) sein, dort ohne Schutz aufzutauchen? Ist der Anrufer überhaupt der Killer? Arbeitet er allein oder hat er einen Partner? Was wird er ihr erzählen?
Alles spannende Fragen.

Leider zerstört die Wende diese spannende Geschichte, oder richtiger, der schlitzohrige Erzähler.
Wer spricht da? Wie konnte sie herausfinden, wer das wirklich war? Wie weit wollte sie dieses Mal gehen, um zum wahren Kern der Geschichte vorzudringen? Ab Wann wurde das Risiko zu groß für sie, und für ihren Gesprächspartner? Ab wann könnte aus dem Spiel blutiger Ernst werden? “
Das ist noch vertretbar … Ich würde jedoch „Wie weit wollte sie dieses Mal gehen, um zum wahren Kern der Geschichte vorzudringen?“ einfach weglassen.

Hier jedoch findet eine Täuschung statt:
„Ziehen Sie dann ein Messer aus der Tasche, weil Sie plötzlich Lust auf meine Brüste bekommen? Oder auf meinen Augen?“
Sie wurden nie gefunden - die Augen. Was, zum Teufel, geschah mit Ihnen?

Die wörtliche Rede ist noch als Ablenkungsmanöver der Täterin zu sehen. Sie kann sich nicht sicher sein, ob nicht das FBI (oder ein verrückter Rächer eines ihrer Opfer) sie in eine Falle locken will. Alles ist möglich, denn sie weiß ja nichts über den Anrufer, und sie weiß vor allem nicht, was der Anrufer über sie und ihre Taten weiß.

Ihre gedankliche Behauptung und die anschließende Frage hingegen sind eine Täuschung des Erzählers dem Leser gegenüber.
Die Täterin stellt sich in dem Augenblick eine Frage, deren Antwort sie kennt. Und erinnert sich dann an Kiras Vermutung: „Vielleicht verspeist er sie“, hatte ihre Assistentin Kira erst letzte Woche zu ihr gesagt.

Also, daran müsste noch gefeilt werden. Es dürfte kein Problem sein, die Wahrheit zu kaschieren, ohne eine falsche Wahrheit aufzutischen.

Eine ganz andere Möglichkeit wäre dieses Ende:
Winselnd zerrte der junge Mann an den Handschellen. „Sie?“, schluchzte er. „Sie!?“
„Natürlich nicht, du Spinner!“, sagte Sharon wütend und schnappte ihre Kameratasche. „Und nun sieh zu, wie du hier wieder wegkommst!“ :D


Lieben Gruß

Asterix

 

Hallo feirefiz,

danke, dass du mir von Italien auch in die englischsprachigen Regionen gefolgt bist. Es freut mich, dass dir diese Story besser gefiel, als mein Italiensetting, wobei ich dort - u. a. auch dank deiner Hilfe - sehr viel verbessern konnte. Mit gefällt übrigens meine andere Story besser ...

Deine Empfindung ist richtig, es geht um reine Unterhaltung ohne (viel) Tiefenpsychologie. Oft stelle ich mir für meine Geschichten Aufgaben. Die Vorgabe hier war: Wenig Personen, viel Dialog und damit eine möglichst hohe und intensive Spannung erzeugen. Als selbstkritischer Autor kenne ich meine beiden größten Schwächen: Ich kann nicht spannend und nicht witzig schreiben. Also arbeitet ich immer mal wieder daran ;-)

Kürzungspotential sehe ich auch bei der Story, da gehe ich bestimmt noch mal mit dem Rotstift ran, und ich denke, die von dir empfohlenen Stellen betteln geradezu nach Verschlankung. Ich muss nur darauf achten, das Richtige zu eliminieren, und das fällt mir oft schwer.

Auch deine anderen Hinweise werden sicher zu Optimierung meiner Geschichte beitragen.

Zu einer Anmerkung von dir muss ich noch eine Erklärung geben. Manchmal baue ich in meinen Geschichten etwas "Besonderes" ein. In den meisten Fällen wird das leider nicht bemerkt, was mich stets etwas enttäuscht. Ich versuche, meinen Stories damit etwas Individuelles geben, wie z. B. Hitchcocks Marotte, in jedem seiner Filme immer mal kurz durchs Bild zu laufen.

Bei dieser Story hast du eine Stelle angemerkt, die Ihre wirkliche Bedeutung aber erst im Zusammenspiel mit einer anderen Stelle viel später im Text bekommt. Du schreibst/merkst an:


Zitat Geschichte: Er flüchtete sich wieder in sein unechtes Lachen, wie ein zweitklassiger Theaterschauspieler, der sich die letzten Reste seiner Begabung durch Nebenrollen in Pornofilmen verdorben hatte.

Deine Anmerkung: Eine unglaubliche Menschenkenntnis

Ihren wirklichen Sinn aber gewinnt diese Beschreibung erst am Ende der Story, wobei da natürlich auch ziemlich/zu viel Text dazwischen liegt, das kann man dann schon mal aus den Augen verlieren, und so stirbt diese Pointe leider zwischendurch:

Erstes Zitat aus der Geschichte: Er flüchtete sich wieder in sein unechtes Lachen, wie ein zweitklassiger Theaterschauspieler, der sich die letzten Reste seiner Begabung durch Nebenrollen in Pornofilmen verdorben hatte.

Zweites Zitat aus der Geschichte: Ich, Louis Brodie, bin ein arbeitsloser Theaterschauspieler. Ich schlage mich zur Zeit hauptsächlich mit Nebenrollen in Pornofilmen durch.

Mal ehrlich, da gebe ich doch dem Leser gleich am Anfang einen genialen Hinweis auf den Anrufer, oder nicht? ;-)

Danke für deine freundliche und hilfreiche Kommentierung!

Liebe lakita,

danke für deine Kritik, der erste Satz hätte völlig gereicht ;-)

Das mit den verschiedenen Möglichkeiten stimmt, ich habe auch mehrere Varianten durchgespielt. Ich bin mir bis zuletzt nicht sicher gewesen, welche die beste Option ist.

Am längste hielt sich eigentlich folgender Schluss:

Brodie, ein arbeitsloser Schauspieler, gesteht Sharon, dass er für einen ihm unbekannten Auftraggeber für viel Geld den Lockvogel gespielt habe. Der Auftraggeber habe ihn darum gebeten, weil er auf diese Weise ein Rendezvous mit der Reporterin bekommen wollte. Während Sharon sich noch über diese "an den Haaren herbeigezogene" Ausrede lustig macht, wird sie plötzlich von hinten gepackt, ihr ein Messer an die Kehle gesetzt und eine Stimme wispert: "Der Versager hat recht! Und ich habe heute vier Rosen dabei, kleine Sharon."

Na ja, keine Ahnung, was da besser wäre. Ich habe mich dann dazu entschieden, lieber Sharon zu bestialisieren ...

Deine sonstigen Hinweise sind nützlich und hilfreich, die KG wird bestimmt noch gekürzt und auch die anderen Hinweise kann ich zum Verbessern gebrauchen. Vielen Dank.

Liebe Fliege,

danke für deinen Kommentar. Freut mich sehr, dass du die KG gern gelesen hast.

Ich glaube, jedes Ende wäre irgendwie vorhersehbar gewesen, ob nun Brodie doch die Bestie ist, oder Sharon, oder eben der große Unbekannte im letzten Moment aus der Dunkelheit ins Licht springt. Ich habe lange über eine vierte Möglichkeit nachgegrübelt. Leider ist mir keine eingefallen ;-)

Das mit der vermännlichung eines Massenmörders war der Hauptreiz dieser Story. Ursprünglich wollte ich viel mehr aus der Tatsache machen, dass es immer DIE Bestie heißt, man aber als Leser trotzdem immer an DEN Mörder denkt. Das habe ich im Urtext viel weiter getrieben. Da hatte ich zunächst ein Interview beschrieben, in dem Sharon Kramer einen Profiler befragt. Der Profiler sagt die ganze Zeit DER Täter, Sharon dagegen immer von DIE Bestie. Die Idee fand ich "witzig", aber sie wurde dann zu satirisch. Hab ich nicht in den Griff bekommen. Eigentlich sollte es am Ende so aussehen, dass Sharon sich in diesem Interview praktisch schon als Täterin entlarvt, was - wenn es mir gut gelungen wäre - aber erst am Ende der Story deutlich werden sollte. Ich habe das gesamte Interview gestrichen, es las sich eher vermurkst und künstlich.

Ich freue mich auch, dass dir das Motiv gefallen hat, das fand ich auch reizvoll, dass eine Reporterin praktisch über die eigenen Taten berichtet.

Es gibt einen wunderbar zynischen Film von Billy Wilder, "Reporter des Satans", da manipuliert ein Zeitungsreporter ein banales Grubenunglück, bei dem ein Mann verschüttet wird. Statt einer schnellen Rettung, die in wenigen Stunden möglich wäre, besticht und überredet der ehrgeizigeZeitungsmann alle Verantwortlichen in einem kleinen, armseligen Kaff zu einer umfangreichen und spektakulären Rettungsaktion, die auf diese Weise komplizierter, aufwändiger und dramatischer verlaufen wird, als es eigentlich erforderlich wäre. So hat er sich am Ende eine eigene Sensationsstory geschaffen, über die er mehrere Tage berichten kann. Das ist eine wirklich tolle Idee, die übrigens in einem tragischen und bitteren Finale mündet.

Tja, diese sensationssüchtigen Reporter, für eine gut Story tun die alles! Danke für deine freundlichen Kritik!

Rick

 

Hallo Rick,

Deine Geschichte gehört zum Besten, das ich hier gelesen haben. Vor allem handwerklich exzellent gearbeitet. Die am Anfang auftretenden Klischees nerven nicht, weil sie gut auserzählt werden, der Wendepunkt kommt zum perfekten Zeitpunkt, alles gut, eine Geschichte, die mich wirklich unterhalten hat.

Danke und ciao,

nastro.

 

Das heiseres Lachen klang allerdings ebenso gezwungen wie seine Stimme.
neben dem eingeschlichenen s fällt mir auf, dass es für mich nicht ganz passt. Sein Lachen produziert ja auch die Stimme. Deshalb wäre für mich besser: Sein Lachen klang ebenso gezwungen wie seine Worte.

“Bekenner rufen mich häufiger an als meine Mutter.“
gefällt mir. Kurz, rotzig, zeigt Charakter!

„Ich bringe Menschen um. Ich bin ein Arschloch!
auch gut

Sie haben Luft geholt, nur um über mich zu reden, über … das, was ich tat.
Ich finde, wenn du das Fette wegmachen würdest, wäre das ein ganz starker Satz: Sie haben Luft geholt, um über mich zu reden.

Alles kling so bedeutungsvoll, wenn Sie darüber reden.“
t fehlt, ein t fehlt! Erinnert mich na Badesalz: T fehlt. Ja, ganz toll, von Kiosk zu Kiosk, jeder hat fünfzig Flaschen getrunken. Aber ein t fehlt, es heißt Lichterkette und nicht Licherkette! Naja, egal. Weiter im Text.

Wer spricht da? Wie konnte sie herausfinden, wer das wirklich war? Wie weit wollte sie dieses Mal gehen, um zum wahren Kern der Geschichte vorzudringen? Ab Wann wurde das Risiko zu groß für sie, und für ihren Gesprächspartner? Ab wann könnte aus dem Spiel blutiger Ernst werden? “Und was kommt nach dem Interview?“
Sind mir zu viele Fragen, das drängt mich zum Überfliegen und wirft mich bisschen raus.

Oder auf meinen Augen?“
meine Augen

Was, zum Teufel, geschah mit Ihnen?
Ich bin wirklich kein Kommafachmann. Aber heißt es nicht einfach: Was zum Teufel geschah mit ihnen??

während das irre Flüstern des unheimlichen Anrufers in ihre Gedanken kroch

Er lachte, als hätte er einen besonders guten Witz gemacht
Weg damit!
„Ich habe nur versucht, objektiv geblieben - obwohl ich Rosen hasse.
zu bleiben oder???

Rick, insgesamt sind mir die Dialoge nicht knackig genug, teilweise etwas umständlich und manchmal klingt es gestellt. Wenn ich mich mit ihnen träfe ... ich les sowas nicht gern in wörtlicher Rede.

die von der Hölle nicht mehr allzu weit weit entfernt sein konnten.

Ich machs später an dieser Stelle weiter .....

 
Zuletzt bearbeitet:

Hey Rick,

Bei dieser Story hast du eine Stelle angemerkt, die Ihre wirkliche Bedeutung aber erst im Zusammenspiel mit einer anderen Stelle viel später im Text bekommt.
Deshalb hab ich die Stelle doch ueberhaupt kommentiert, weil Sharon da mit so unglaublicher Menschenkenntnis haargenau erraet, was fuer ein Mensch der Anrufer tatsaechlich ist. Die Pointe ist nicht zwischendurch gestorben! Ich hab da nur etwas verkuerzt kommentiert. :D

P.S.:

Mit gefällt übrigens meine andere Story besser ...
Ich glaube, dass mir diese mehr gefaellt als die andere, liegt am Anspruch, den die Geschichten an sich selbst stellen. Hier wird gar nicht versucht, besonders tief zu gehen, deshalb empfinde ich das nicht als einen Mangel. Und in der anderen Geschichte ist der Anspruch eben deutlich hoeher, es geht nicht um Spannung, sondern um die Figuren. Und weil es der Geschichte meiner Meinung nach in ihrer Kuerze nicht gelang, diesen Anspruch einzuloesen, habe ich sie als insgesamt weniger gelungen wahrgenommen (in der ersten Version zumindest).

 

Hallo Asterix,

danke für deine freundliche Kommentierung meiner Story. Du hast mir einige sehr wertvolle Hinweise geliefert, die dazu führten, dass ich einige Stellen jetzt plausibler und stimmiger gestalten konnte. Da waren noch einige Passagen enthalten, die zunächst noch einen ganz anderen Schluss der KG ausgerichtet waren, und nach der Änderung dieses Finales wirkten sie dann eher so, als wolle ich die Leser bewusst in die Irre führen - eine Technik, die ich selbst hasse wie die Pest. Dank deiner Anmerkungen ist es mir hoffentlich gefunden, diese Stellen zu glätten und den Verlauf ehrlich zu machen.

Ich habe jedenfalls mit großem Vergnügen gefeilt, weil ich diese Art von Textarbeit gern mache. Sie ist im Sinne der Story!

Dein Ende wäre eine echte Alternative und würde zugleich den Text von FSK 16 auf FSK 12 absenken ;-)

Hallo nastroazzuro,

danke für deinen lobenden Worte. Darüber habe ich mich sehr gefreut!

Hallo herrlollek,

danke, dass du dich schon mal mit der Geschichte beschäftigt hast. Du wirst feststellen, dass deine bisherigen Vorschläge durchweg zu entsprechenden Veränderungen geführt haben. Das war schon mal echt hilfreich.

Speziell an den Dialogen habe ich noch einmal hart gearbeitet, aber auch den Gesamttext noch mal radikal eingedampft.

Was ich bei dieser Geschichte übrigens zum ersten Mal nicht gemacht habe: Normalerweise lese ich alles noch einmal laut, vor allen Dingen die Dialoge und ändere dann noch alles ab, was komisch klingt, oder als wörtliche Rede zu literarisch/gestelzt oder zu platt. Die KG war mir dafür zu lang und ich war zu faul. Das rächt sich leider. Schreiben heißt eben arbeiten. Und wenn man nicht bereit ist, die erforderliche Grundarbeit zu leisten, dann kommt es zu Fehlern - Wie gestern beim HSV gegen Stuttgart z. B. :-(

Hallo Feirefiz,

danke, das du dich noch mal gemeldet hast. Ja, mit deiner Analyse im Vergleich der beiden Texte liegst du wohl richtig. Die "Italien-KG" entspricht inhaltlich und stilistisch zwar mehr dem, was ich gern schreibe, ist aber stilistisch und inhaltlich noch nicht da, wo sei sein könnte. Die "Bestie" dagegen war allein der Versuch, möglichst gradlinig und handlungsorientiert zu schreiben. Insofern hat die Story nur ein Ziel. Sie soll unterhalten! Sie muss und will nicht sonderlich in die Tiefe gehen - darf es eigentlich gar nicht! Und es kann trotzdem gute Unterhaltung werden - oder gerade deshalb ...

Rick

 

hallo Rick,
auch ich habe heute Kontakt aufgenommen mit der Rosen-Bestie und war total gefesselt. Sehr spannend geschrieben, herrlich überraschendes Ende. Auch ich bin über den ein oder anderen Schreibfehler gestolpert, habe aber gesehen, da sind schon einige mit dem Korrekturtift drüber. Ansonsten kompakte Sätze, schön ausgeführt, die Spannung ist voll da, das Ende gigantisch. Mir hat die Geschichte richtig gut gefallen!

Grüße
fh

 

Hallo flatterhirn,

danke für deine lobenden Worte. Beim radikalen Verändern und Eindampfen des Textes heute Vormittag hatte ich allerdings doch mit sehr heißer Nadel gestrickt, und dabei ziemlich viele Fehler und Ungereimtheiten produziert. Texte zu ändern ist manchmal schwieriger, als welche zu schreiben ;-)

Ich habe die Story jetzt noch mal intensiv bearbeitet und hoffentlich alle Fehler finden können. Freut mich jedenfalls, dich gut und spannend unterhalten zu haben.

Rick

 

Hallo Rick,

ja, das ist richtig gut! Als alter Krimileser wusste ich bei Louis' Geständnis, dass da noch etwas Besonderes im Busch und vermutlich Sharon selbst die Rosen-Bestie war. Aber die Umsetzung ist um Welten besser als die meisten Geschichten in der Rubrik Spannung/Krimi. Die Dialoge sind wunderbar, spannend, konfliktreich.

Nur eine Kleinigkeit könnte noch besser sein: Am Ende hörst du nicht bei der stärksten Stelle auf, sondern erzählst weiter, was der Pointe die Wucht nimmt. Meiner Meinung nach wäre es am wirkungsvollsten, genau hier aufzuhören:

“Sie suchen einen Mann", flüsterte sie und unterdrückte mühsam ein Kichern. "Seit so vielen Jahren. Verstehst du das, Louis? Was macht sie bloß so verdammt sicher?“

Freundliche Grüße,

Berg

 

Hallo Rick,

die Überarbeitung hat der Geschichte gut getan. Sie wirkt nun deutlich zügiger.

Einen kleinen Verbesserungsvorschlag habe ich aber noch:

Dieser Absatz wirkt etwas verloren mittendrin und man fragt sich, wozu er jetzt dort steht.

Auf der Fahrt durch ruhiger gewordenen Straßen erinnerte sie sich an Neil. Es war noch nicht so lange her, seit sie sich getrennt und den längst fälligen Schlussstrich unter ihre gescheiterte Beziehung gezogen hatten; eine Affäre, die mit einem sexuellen Rausch begonnen hatte, aber auf den anderen zwischenmenschlichen Ebenen bedrückend schnell gescheitert war. Jetzt kamen ihr erneut seine zornigen Abschiedsworte in den Sinn, mit denen er ihr die alleinige Schuld am Ende ihrer Beziehung zu geben versucht hatte. Wütend hatte er ihre Karriere verflucht, ihren krankhaften Ehrgeiz und ihren Egoismus. Sein Vorwurf, dass sie für das Erreichen ihrer Ziele selbst zu einer Art von Bestie zu verkommen drohte, hatte sie eher belustigt. Aus seinem Mund klang das geradezu absurd! Die Trennung von ihm war eine Erlösung gewesen, und einige obszöne Beschimpfungen auf ihrem Anrufbeantworter blieben seine letzten Spuren in ihrem Leben.

Schöner wäre es, wenn der Grund, weshalb sie grad jetzt an Neil denkt, die Tatsache ist, dass er sie mit Waffen vertraut gemacht hat. Ich stelle mir vor, dass du dies hier, oben einbaust. Damit nimmst du keine Spannung weg und hast trotzdem die Möglichkeit die Info, dass sie getrennt lebend ist und mal eine Neil kannte, der eventuell ein Mörder sein könnte (falsche Fährte gelegt) dabei.
Aber es wirkt dann nicht so zusammenhanglos.

Dank Neils ausgeprägter Vorliebe für Waffen, die sich schon oft ausgezahlt hatte, verstand sie es, mit dem Revolver schnell und geschickt umzugehen.

Ich stelle es mir so vor, dass sie auf der Fahrt zum Tatort über ihre Sicherheit nachdenkt und dann ihre Gedanken zu Neil schweifen, der ihr da ja ein großes Stück eine Hilfe gewesen ist. So in etwa.... :)

Vielleicht könntest du das dann mit einweben oder ganz weglassen, weil der Leser ja nun weiß, dass sie bewaffnet ist.

Der Revolver, der in ihrem Hosenbund steckte, behinderte sie kaum beim Laufen, und der harte Druck gegen ihren Körper vermittelte ihr ein erregendes Gefühl von Überlegenheit. Die Waffe zählte zu den Eckpfeilern ihrer Vorbereitungen. Sie hatte alles dabei, was sie für das Treffen benötigte. So war sie nicht leicht zu überraschen, ganz egal, mit wem sie es zu tun bekäme. Trotzdem blieb sie hoch konzentriert und aufmerksam, mit allen Sinnen darauf ausgerichtet, im Notfall sofort flüchten zu können – oder zu schießen.

Den Absatz würde ich weglassen, man weiß nun, dass sie die Täterin ist und kann sich den Rest zusammenreimen.

Louis kniff erschrocken die Augen zusammen, als könne ihn das vor seinem weiteren Schicksal bewahren und bewegt schnaufend den Kopf hin und her.
„Pssst“, versuchte Sharon ihn zu beruhigen. "Wir sind doch hier, weil du es wolltest. Du bist verrückt nach mir. Du hattest die Idee für ein Treffen. Und nun bin ich bei dir. Ganz nah. Deine Träume sind wahr geworden."
Winselnd zerrte der junge Mann an den Handschellen. „Sie?“, schluchzte er. „Sie!?“

Kompliment, lieber Rick. Es ist angenehm, zu sehen, wie du in der Lage bist, Kritiken zugunsten deiner Geschichte zu nutzen.

Die Geschichte gefällt mir jetzt sehr gut.

Lieben Gruß

lakita

 

Hallo Rick

Ich ahnte, dass mir diese Geschichte gefallen könnte, obwohl der Titel mir keinen Anreiz gab. Das Telefonat zog mich dann in seinen Bann, nicht weil möglicherweise ein Mörder an der Strippe hing, sondern wegen der Art der Dialogführung. Eine Mischung aus Spannung, Ironie und scheinbarer Realität.

Nicht überzeugend war mir die Erzählerstimme an dieser Stelle:

wie ein zweitklassiger Theaterschauspieler, der sich die letzten Reste seiner Begabung durch Nebenrollen in Pornofilmen verdorben hatte.

Ein zwar heiterer Gedanke für Aussenstehende, aber er scheint mir wenig realistisch und an erwähnter Stelle ohne einen Wert. Es würde reichen, als der Schauspieler sich selbst vorstellt.

Sharon lehnte sich in ihrem Stuhl so weit wie möglich zurück und versuchte, sich auf die andere Seite ihres Verstandes zu konzentrieren - von dort schien diese unheimliche Stimme zu kommen.

Die Aussage, „auf die andere Seite ihres Verstandes zu konzentrieren“, ist mir völlig verfehlt. Verstand ist als solches nicht teilbar. In der Hochscholastik ging Thomas von Aquin wohl davon aus, der Verstand teile sich in den (möglichen) intellectus possibilis und den (aktiven) intellectus agens. Dies aus der Überlegung, dass damit zwischen der Erkenntnisfähigkeit des Menschen und der wirklich vollzogenen Erkenntnis unterschieden wird. Dies ist hier aber auch in keiner Form abgeleitet. Am Ende der Geschichte wird mir verständlich, was du da andeuten wolltest, aber für mich bleibt es die falsche Begriffswahl.

Doch ansonsten, eine raffinierte Geschichte mit überraschendem Ausgang. Da du den Schluss gekürzt hast, lässt es mir als Leser die Hintertür offen, ist sie es nun wirklich oder nicht? Das ist gut so.

Sehr gern gelesen.

Schöne Grüsse

Anakreon

 

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