Reise ins Glück
Jürgen war nass bis auf die Haut. Seit Tagen hatte er kein Stück blauen Himmels mehr gesehen. Der Teufel musste ihn geritten haben, bei diesem Mistwetter das Auto zu beladen. Daniela, seine Frau, packte drinnen alles zusammen, während er zwischen Haus und Kombi immer hin und herrannte, um die Koffer und Taschen im Wagen zu verstauen. Mit dem Moment, wo er das Haus zum ersten Mal verlassen hatte, hatte der Himmel seine Pforten erweitert und war von einem leichten Nieselregen in ein sintflutartiges Schütten übergegangen. Er hatte schnell gemerkt, dass hier kein Schirm helfen konnte und Zeit zum Warten hatte er auch keine. Das Hotel war schließlich gebucht und bezahlt. Die interessierte nicht, wann er nun letztendlich ankam. Eine der üblichen Schnapsideen seiner Frau, jetzt noch auf die Schnelle in den Urlaub zu fahren. Jürgen war dementsprechend sauer und sie konnte von Glück sagen, ihm jetzt gerade nicht unter die Augen zu kommen.
Eine halbe Stunde später war alles verladen, trockene Sachen angezogen und Daniela saß bereits im Wagen. Beim Versuch, den Regenschirm zu schließen und im Auto zu verstauen, brach einer der dünnen Stege und Jürgen warf ihn wütend auf die Strasse. Mit einem kräftigen Ruck schlug er die Tür zu, schnallte sich an und fuhr zackig los. Seine Stimmung war jetzt an einem imaginären Nullpunkt angelangt, das merkte auch seine Frau, die es peinlichst vermied, etwas zu sagen, oder ihn überhaupt nur anzusehen.
Die deutsch-französische Grenze längst weit hinter ihnen gelassen, herrschte über Hunderte von Kilometern eisiges Schweigen. Im Radio lief trübselige Musik, der Himmel war nach wie vor bedeckt; wenn es auch nicht mehr regnete. Daniela hatte die hereinbrechende Nacht dazu genutzt, einige Stunden zu schlafen. Nun saß sie immer noch stumm neben ihm, obwohl sie seit geraumer Zeit ein dringendes Bedürfnis verspürte. Hin und wieder riskierte sie einen Blick auf die Anzeige des Tanks. Die Nadel neigte sich allmählich dem Ende zu, also musste er bald anhalten, so oder so. Ihn einfach zu fragen, wagte sie nicht, denn er war von Beginn an gegen diesen Urlaub gewesen. Fremdes Land, fremde Leute, kaum etwas hasste er mehr und dann noch mit dem eigenen Auto. Das konnten ja schöne Wochen werden.
Der spanische Grenzer hatte ein ansteckendes Lächeln, dem auch Jürgens düstere Stimmung nichts anhaben konnte. Kaum waren sie auf spanischem Boden, brach der nächste Morgen mit einem traumhaften Sonnenaufgang herein. Es wurde rasch heller und der Himmel zeigte sich in seiner schönsten Farbe: strahlend blau! Die schwere, dicke Kleidung verwandelte sich in leichte, luftige Stoffe. Wolken fanden sich nur sporadisch und die Sonne schickte ihre wärmenden Strahlen zu Boden. Sie kitzelten ihn, durch das offene Verdeck des Cabrios, im Gesicht. Aus dem Radio drang Flamencomusik und umspielte seine Ohren. Jürgen kam nicht umhin, sich plötzlich erheitert zu fühlen und als Daniela ihre linke Hand auf sein rechtes Knie legte, reagierte er völlig anders, als erwartet. Anstatt sie zurückzustoßen, genoss er es; empfand es als ungeahnt angenehm. Zum Dank schenkte er ihr eines seiner strahlendsten Lächeln; während er den Berg hoch fuhr, der sich vor ihnen erhob. Eine Kurve noch, dann musste es wieder bergab gehen. Was sich ihren Blicken dann bot, machte allen Reisestress komplett vergessen.
Paella, Sangria und Flamenco machten ihn schier betrunken vor Glück. Diese Terrasse am Meer war ein Paradies auf Erden, er konnte sich einfach nicht daran satt sehen. Wenn jeder Tag in Spanien so begann, würde er hier gar nicht mehr wegwollen. Er konnte es kaum erwarten, sich in die Fluten zu stürzen und das azurblaue Wasser zu genießen. Jemand klopfte ihm auf die Schulter. Daniela hatte sich ihm unbemerkt genähert. In ihrem bunt geblümten Strandkleid, das sie eben im Hotel gekauft hatte, sah sie hinreißend und unglaublich verführerisch aus. Schön, wie der aufgehende Morgen. Ihr Lächeln verzauberte ihn und er fühlte, wie er sich aufs neue in seine Frau verliebte. Dieser Anblick und das Rauschen des Meeres, waren alles, was er in diesem Moment noch wahrnahm.
Er fühlte sich unbeschreiblich wohl und empfand alles um sich herum, wie in einem endlosen Rausch. Der saubere, gepflegte Strand mit seinem feinkörnigen Sand war einfach traumhaft, die abwechslungsreiche Landschaft geradezu paradiesisch. Alles wirkte so frisch und unberührt. Nie zuvor hatte er sich in seinem Leben so wohl gefühlt. Das Personal bediente ihn äußerst zuvorkommend von vorne bis hinten und erfüllte ihm jeden machbaren Wunsch. Für Jürgen stand fest, von diesem Land und seinem unvergleichlichen Flair würde er nie wieder loskommen. Hier hatte er sein Herz ein zweites Mal an Daniela verloren und dieses Gefühl wollte er von nun an jeden Sommer wiederholen. Einmal Spanien, immer Spanien, an dem Spruch war eben doch eine Menge Wahrheit dran.
Ende
Bemerkung: Diese Geschichte war ursprünglich eine Kurzbeschreibung für einen Werbespot. Also bitte nicht daran stören, dass Spanien so sehr gelobt wird.