Rad der Zeit
Er existiert, dass weiß der Mann im blauen Anzug, doch er weiß nicht wie lange und warum er existiert, denn um das herauszufinden, müsste der Mann im blauen Anzug sich die ultimative Frage stellen, die Generationen von Generationen einem –Fehler- mitgeteilt worden wird.
Was genau dieser Fehler war, ist oder sein wird weiß keiner. Deshalb gibt es auch Menschen wie den Mann im blauen Anzug. Seine Aufgabe ist es, den –Fehler- zu finden und zu eliminieren. Schließlich verursachte der –Fehler- schon Katastrophen auf Terra. So z.B. gab es einen riesigen Krieg, den ein Mensch im Namen eines blonden, großen Mannesideals führte. Oder einen bewaffneten Konflikt einer roten Streitmacht mit einem fernen Land namens Amerika. Dieser führte zum ersten Verfall der Terra. Auch danach gab es Krieg und Schrecken. Der Mann im blauen Anzug studiert abends immer die Archive der alten Terraner, um neue Erkenntniss über den Fehler zu gewinnen. Denn für die neuen Terraner ist es ja offensichtlich: Die Spezies Mensch ist nicht von Grund auf böse. Jedes Mal überkommt etwas den Menschen, etwas was ihn verändert, was ihn böse macht. Und das ist der Fehler. Der Mann im blauen Anzug ist dabei nur einer von Vielen, die versuchen das Rätsel zu lösen. Denn es gab jetzt schon 711 Jahre Ruhe, was schon sehr ungewöhnlich ist. Besonders für die neuen Terraner, die mit Schrecken und Entsetzen auf ihre Vorfahren blicken, ihre Vorfahren die mordeten, töteten und raubten.
Der Mann im blauen Anzug hat aber ein Manko: er weiß nichts von dem, was er machen kann auf Terra. Er lebt nur für ein einziges Ziel: Er will den Fehler finden. 12 Jahre versucht er es...und bis jetzt alles umsonst.
Gerade versucht er zu denken, was ihm nicht so leichtfällt wie sonst. Etwas versperrt ihm die Gedanken. In letzter Zeit denkt er sehr viel über sich selbst. Er fragt sich: Wieso tue ich das alles? Wer hat entschieden, dass ich ein solches Leben führen muss. Kann ich mein Schicksal nicht selbst in die Hand nehmen?
Ungewohntes von einem Sklaven des Schöpfers der ultimativen Frage.
Wer dieser Schöpfer ist, weiß heute keiner ,so denkt der Mann im blauen Anzug. Vor Äonen von Jahren kam dieser Schöpfer in das Land wo Milch und Honig fließen. Und er gab den Bewohnern der alten Terra Gebote und andere Dinge. Und daneben, gab er ihnen indirekt die ultimative Frage. Diese Frage war der Grund für all das Verderben der Terraner...schon damals gab es den –Fehler-. Er überraschte einen Mann namens Evan und seitdem tritt der Fehler immer wieder auf.
Der Mann im blauen Anzug geht zu seinem Wagen und fährt nach Hause. Ein Ort, der zwar nicht so sicher ist wie sein Arbeitsplatz, aber doch immerhin etwas. Das Haus liegt auf einem einsamen Hügel auf den Gebrochenen Feldern, einem ehemaligen Schlachtfeld, dort wo der Germane gegen den Asiaten kämpfte und ihn vertrieb. Der Mann liebt sein Zuhause nicht, kann es aber akzeptieren – wie Vieles in seinem Leben. Außer der ewigen Suche nach dem ewigen Fehler.
Es ist schon ein sehr hartes Schicksal so zu arbeiten, wie er es tut. Aber er kommt gut damit zurecht, vielleicht ist das der Grund für seinen verbotenen Wissensdurst. Andere seiner Art machen nur die Arbeit. Er macht die Arbeit und darüber hinaus denkt er mit. Allein er überlegt was der Fehler sein könnte. Denn der Mann im blauen Anzug ist defekt. Ein Mangelexemplar, ein Nichts, ein Außenseiter. Zumindest wie es damals gesagt worden wäre. Heute ist er ein geachtetes Mitglied der CORP. Er hat einen ehrenvollen Arbeitsplatz und ist sehr angesehen. Wäre das damals möglich? Ein defektes Individuum wird meistens ignoriert oder nicht repariert, sondern einfach auf den Müll gebracht. Mit dem Mann im blauen Anzug könnte man jedem damaligen Politiker vorweisen, dass es doch Ausnahmen gibt. Denn er ist eine Ausnahme. Allein bei der CORP zu arbeiten, bedeutet schon fast alles erreicht zu haben. Schließlich ist die CORP das Haus des Schöpfers der ultimativen Frage.
Der Mann im blauen Anzug studiert die Archive der Terraner der 3. Katastrophe. Was es damals gab...das konnte er sich nicht vorstellen. Er blättert und blättert. Solche Wunder wie das fließende Licht, die Riesenvögel am Himmel oder die wandelnden Räder.
„Ich weiß, dass es euch gibt. Und nur ich. Ihr seid alle mein!“ Der Mann im blauen Anzug freut sich. Ein seltenes Merkmal der Zeit in der er lebt. Er geht jetzt schlafen. Morgen würde ein wichtiger Tag für ihn sein, da er Unterstützung bekommen soll. Der Fehler ist hartnäckig...also muss der Mann im blauen Anzug einen Partner bekommen. Aber er macht sich keine Sorgen, denn die CORP stellt nur ausgezeichnete Leute.
Am nächsten Tag, als er ganz normal zur Arbeit geht, trifft er seinen Partner. Er hat einen wirklich seltsamen Namen, er heißt L.
L. ist groß, blond und sehr gut gebaut. Er hat ein außerordentlich verwerfliches Grinsen. Der Mann im blauen Anzug mag ihn von Anbeginn nicht. Da es der Zweck aber verlangt, muss er sich mit L. vertragen.
Dies wird ihm aber nicht gelingen. Denn L. ist ein böser Mensch. L. vereinigt alle Eigenschaften des alten Volkes in sich...er ist sadistisch, böse, hinterlistig und voller Gewalt. Wieso hat der Schöpfer der ultimativen Frage erlaubt, dass solche Menschen leben dürfen? Der Mann im blauen Anzug weiß , dass böse Menschen immer böse bleiben. Hat die Geschichte das alte Volk nicht gelehrt aufzupassen?
Aber es sind ja andere Zeiten angebrochen. Die neuen Terraner sind zwar frei von Lastern, dafür sorgt schon die CORP. Auch haben sie das böse Gen nicht mehr. Doch sie sind kalt und arrogant. Fast sieben Jahrhunderte ohne einen Fehler....es grenzt schon an ein Wunder des Schöpfers der ultimativen Frage. Nur einer versucht ernsthaft nach dem Fehler zu suchen: Der Mann im blauen Anzug. Die Ernennung von L. ist für ihn Routine der CORP, nur damit alle denken, dass sie versuchen den –Fehler- zu finden. Dabei schlafen sie alle schon und genießen die Welt da draußen. Und wenn plötzlich wieder etwas geschieht?
So vermutet der Mann im schwarzen Anzug, dass der Fehler ihm jetzt begegnet. In der Gestalt von L.
L. ist seiner Meinung nach der –Fehler-. Er ist es aber nicht, denn wenn, hätte die Geschichte eine andere Wendung genommen. So aber wird der Mann im blauen Anzug zum Zeitreisenden. Nicht so wie die ersten des neuen Volkes. Er tut es auf eine vollkommen neue Weise, eine Art der Zeitreise wie es sie noch nie gab.
Basierend auf dem alten Volk, das jetzt so verachtet wird. Und er – der einzige Konservat -besinnt sich auf die eigene Vergangenheit. Welch Ironie ist es doch, dass der Prototyp einer gehassten Art zu einem Jäger der selbigen wird. Denn die Zeitreise wird von dem neuen Volk geschaffen. Eine Errungenschaft der CORP....das Ergebnis von 122 Jahren Forschung, Forschung, Forschung.
L. kennt diese Ironie, denn auch er studiert das alte Volk und er hat viele andere Seiten an sich, die dem unseres Helden gleichen. Womöglich ist das Grund für diese Spannung zwischen beiden. Auf jedem Falle ist L. nicht glücklich darüber mit dem Mann im blauen Anzug zu arbeiten. So lauert er ständig, er wartet auf den Zeitpunkt. Und dieser kommt letztendlich als der Schöpfer der ultimativen Frage beschließt, das einzige vernünftige Wesen der Terra Nova zu sich zu rufen. Er sieht das, was sein Prophet tut.
Und es gefällt ihm sehr, aber anscheinend bedarf es noch Äonen, bis die Terraner das täten, was in der ultimativen Frage stand. Somit versagte der Prophet. Und der Mann im blauen Anzug, der Prophet, wird vom Schöpfer der Frage zu sich gerufen.
L. erfährt es und eine Sekunde lang empfindet er die grundlegendsten Gefühle der Terraner: Neid, Hass, Eifersucht, Wut, Zorn. Alles negative sammelt sich in seinem Körper. Aber er schluckt es nicht. Er lässt es wachsen und gedeihen, wie die erste Frucht des Verderbens, die eine Ahnherrin des alten Volkes zu sich nahm. Er sammelt das Böse und schafft es das Böse zu verstecken – unter der Haut eines netten Kollegen des Mannes im blauen Anzug.
Dieser wartet auf den Zeitpunkt, an dem er zum Schöpfer der Frage gehen kann. Eine Tatsache aber wird aber von allen vergessen – der Fehler. So kommt es zu einer Umkehr der Regel. Statt in die freudige Zukunft zu reisen, kommt der Mann im blauen Anzug in die trostlose Vergangenheit.
Der -Fehler-: Es ist eben diese Zeitreise...
Denn der Schöpfer der ultimativen Frage will seinen Propheten endlich zu sich holen, doch da tritt der –Fehler- auf. Nach 711 Jahren kommt es zu einer Veränderung der Terra. Und diesmal in einer Form, die es so gar nicht gab. Zum ersten Mal versagt auch der Schöpfer, er kann nichts gegen den Untergang seines Propheten tun, denn dieser nimmt die gesamten Fehler der Terraner auf seine Schultern. Und der Lohn für ihn: Eine Zeitreise besonderer Art. Eine Verfrachtung in die Zeit, die ihn so beschäftigt. Die Zeit, in der der -Fehler- regelmäßig auftritt.
Und wieso die Zeitreise? Weil CORP diese erfand...und weil der Mann im blauen Anzug zu einem Opfer, einem Opfer unter Millionen wird. Der Schöpfer hat für ihn den sanften Tod...die Terraner geben ihm den langsamen Tod. Ausgerechnet der defekte Mitarbeiter von CORP musste diesen gefährlichen Versuch machen, ausgerechnet er....
Da ist es keine Überraschung, dass L. in die Zukunft kommt . Was er dort sieht ist dass, was der –Fehler- sehen will. Eine heillose Welt, mit Milliarden Toten. Doch nicht nur die Terraner leider, das ganze Universum leidet darunter. Die einstigen Terraner verbreiten sich und legen alles in Schutt und Asche. Ich, der die Geschichte schreibe, ich sehe die ganzen Menschen die sterben. Und ich sehe L., den ewigen Terraner, diesen Virus der alles verpestet, was ihm in die Quere kommt.
Und der Mann im blauen Anzug? Was macht er , jetzt wo er bei denen ist, die ihn so lange beschäftigen? Ich sehe ihn auch vor meinem Schöpfer-Auge. Er siecht dahin, er weiß, dass er verliert. Er stirbt langsam. Er ahnt, was in der Zukunft ist. Und er weiß auch, dass es sein Schicksal ist erneut zu sterben und ausgewählt zu werden. Um erneut zu versagen.
Wer schreibt mir ein Happy-End? Es gibt keins. Ich, der Schöpfer von Tausenden Weltern bemitleide Terra und bereue es die ultimative Frage gestellt zu haben. Und am meisten hasse ich das ewige Rad der Zeit, das Rad das mir alles von vorne zeigen muss.
Ich glaube ich muss den –Fehler- besuchen gehen.
Gez.
G. Tot.