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Ordnung muß sein...
„Das kann ja wohl echt nicht wahr sein!“
Wütend knallte sie die Tür ins Schloß. Sie hatte sich so auf ihren Feierabend gefreut.
Die Vorfreude, die ihr den ganzen Tag ein wohliges Kribbeln im Bauch beschert hatte, wich Enttäuschung und Unverständnis.
„Ich fasse es nicht,...!“
Sie stapfte durch ihre Wohnung, riß die Rolladen hoch, die Fenster auf und ihre Wut mit sich.
Vom Flur ins Badezimmer, von dort ins Schlafzimmer und in den Wohnbereich.
Von der Küche gar nicht zu reden!
Mit jedem Schritt, mit jedem Handschlag ärgerte sie sich mehr.
War ja klar!
Was auch sonst?
Handtücher, Hosen, T-Shirts, Unterhosen...und die Socken!
Als hätten sie keinen Kleiderschrank.
Der Kleiderschrank!
Tür- und Schubladensperre.
Während sie so vor sich hinschimpfte, überlegte sie sich die verschiedensten Foltermöglichkeiten:
Ein Teebaumölbad – er haßte Teebaumöl.
Rotkohl – er haßte Rotkohl.
Ingwertee – schon der Geruch machte ihn rasend!
Beim Ingwertee stand sie schon in der Küche, das Geschirrtuch in der Hand.
„Warum mache ich das hier eigentlich?“
Zwei Schritte und sie stand in der Tür, von der aus man die gesamte Wohnung überblicken konnte.
Schade, dass sie keine Vorher – Aufnahmen gemacht hatte!
Nun war das Chaos ja wieder beseitigt und ihre Vorwürfe würden aufgesetzt scheinen!
„Mach Dir doch keinen Stress!“ sagte ihre Freundin immer. „Laß doch mal fünfe gerade sein...entspann Dich ein bisschen und gut!“
Sie konnte diese Sätze schon auswendig!
Eigenartig war nämlich, dass sie ihre Freundin mit genau den gleichen Sätzen tröstete.
„Männer und Frauen passen einfach nicht zusanmmmen.“
Sie seufzte und ging zurück in die Küche.
Aber das Abendessen, das würde sie nicht auch noch machen!
Entschlossen legte sie das Handtuch beiseite.
Im Schlafzimmer zog sie sich aus, pfefferte ihre Sachen aufs Bett.
Bei einer heißen Dusche beruhigte sie sich.
Die kalte Dusche hinterher musste sein.
Beim Abtrocknen hörte sie den Schlüssel, dann das Türklappen!
„Hallo Schatz!“
Er merkte es tatsächlich nicht. Sie unterdrückte ihren Drang den Kopf zu schütteln und schluckte einen blöden Kommentar runter.
Er konnte ja noch gar nichts bemerkt haben. Er war ja gerade erst zur Tür rein!
„Und hör auf, ihn immer in Schutz zu nehmen!“, hörte sie ihre Freundin sagen!
„Jaja!“
„Was sagst Du?“
Er steckte den Kopf ins Badezimmer.
Durch die Nebelschwaden, die ihre heiße Dusche verursacht hatten, blitzten seine blauen Augen sie fröhlich an.
„Und laß Dich nicht immer wieder rumkriegen...“ Freundinnen konnten echt nerven!
„Hallo, na!?“ Sie versuchte einen möglichst neutralen Blick aufzusetzen.
„Was ist mit Dir?“
„Nichts“
„Wie war Dein Tag?“
„Och, mein Tag war ganz gut, bis ich nach Hause kam!“
„Und dann?“
Tat er nur so oder war er so blöd?
Sie schmiß ihr Handtuch auf den Badewannenrand.
„Und dann?“, wiederholte er.
Ihr fiel nichts ein. Sollte sie sich über ihn auslassen, ihn beschimpfen und beschuldigen? Sie würden sich nur streiten, weil sie die Beweise für ihren Ärger ja beseitigt hatte und es war ja wirklich ihr Problem, dass sie es immer ordentlich haben wollte, obwohl – so ein bisschen...
„Halloho – ich möchte wissen, was dann passiert ist!“
Er wollte es anscheinend nicht anders.
„Ich habe mich geärgert!“
„Über was?“
„Über Dich!“
„Warum?“
“Warum, warum – was meinst Du wohl.
Du hattest dein Handtuch mal wieder nicht aufgehängt, den Duschvorhang nicht aufgezogen, deine Klamotten in der ganzen Wohnung zerstreut, alle Kleiderschranktüren standen offen, das Geschirr war nicht weggeräumt...!“
„Ich weiß!“
Sie sahen sich an und dann zuckten seine Nasenflügel.
Dieses Zeichen sagte ihr immer, wann er sich amüsierte!
„Du machst Dich über mich lustig!“
„Naja, ein bisschen!“
„Warum?“
„Och, ich kann mir genau vorstellen, wie Du hier wie eine wildgewordene Tarantel durch die Wohnung gefegt bist, mich verflucht und verdammt und dabei aufgeräumt hast!“
„Wenn Du das weißt, warum...!“
„Ich kenne Dich nun mal, mein Schatz!“
Er trat ins Badezimmer und zog sie an sich.
„Es tut mir leid! Ich wusste schon heute morgen, dass Du ausrasten würdest, wenn Du das Chaos hier siehst. Aber ich hab verpennt und hatte einen Termin vergessen.
Und über Dein Handy konnte ich Dich nicht erreichen. Ich habs versucht!“
„Das glaube ich Dir nicht, Du klingst wie ein Filmheld!“
Sie wand sich in seinen Armen, erfolglos.
„Ich komme mir vor wie Deine Putze!“
„Wenn Du Dir einen Kittel und ein Kopftuch anschaffen könntest – das fänd ich sehr sexy...!“
Sie fing an zu schmunzeln!
Sie konnte ihm nicht widerstehen und das wollte sie auch gar nicht.
Nur über ihn ärgern musste sie sich manchmal, wenigstens einer, an dem sie ihre Launen auslassen konnte.
Sie seufzte einmal tief und blickte in seine kecken Augen.
„So, und jetzt gehst Du schön duschen, ich ziehe mich an und dann holen wir ne Pizza!“
„Ich dachte, Du kochst...!“
Sie schmiß ihm den Waschlappen ins Gesicht .
„Paß bloß auf, Du...!“
Wenige Minuten später war ihr Ärger verschwunden.
Als sie ihre Klamotten in den Schrank räumte, hörte sie ihren Freund laut fluchen.
Da hatte er wohl vergessen, die Dusche wieder heiß zu stellen.
„Geschieht ihm Recht....!“, schmunzelte sie während sie die Kissen aufschüttelte.