Was ist neu

Nur ein Augenblick...

Yva

Mitglied
Beitritt
18.01.2001
Beiträge
83
Zuletzt bearbeitet:

Nur ein Augenblick...

Tick
Die Sonne stand schon tief, und ihr rotes Licht ergoss sich über die erwachende Landschaft. Hier und da flog eine Amsel zeternd in den nächsten Baum. Die Zeit schien zu fließen wie ein golden schimmerndes Rinnsal.
Tack
Müde und irgendwie geborgen sog ich die feucht kühle Abendluft in meine Lungen und schloss die Augen. Eine leichte Brise streifte meine Haut und spielte mit ein paar vereinzelten Haaren.
Tick
Plötzlich durchbohrte mich ein Schrecken. Ich schaute auf die Uhr...
Tack
...schon so spät!
Tick
Ich komme zu spät!
Tack
Gehetzt rannte ich los...
Tick
...schaute immer wieder auf die Uhr...
Tack
...der Sekundenzeiger schreitete gnadenlos voran.
Tick
Ganz außer Atem...
Tack
...riss ich die Türe auf und...
Tick
...da stand er! Sein Kopf wandte sich der Türe zu. Unsere Blicke trafen sich. Die Welt hörte auf sich zu drehen, verschwamm wie ein Spiegelbild in einem See, in den man einen Stein geworfen hat. Alle Farben waren auf einmal so klar und kräftig, bildeten eine Einheit und tanzen miteinander, tanzten um ihn herum, verbanden sich mit ihm, durchdrangen ihn, durchdrangen seine Augen, die mich erblickten, deren Blick eine Glut durch meinen Körper trieb und Eiswasser durch meine Adern fließen ließ. Ein Schlag traf meine Brust und erschütterte meinen ganzen Körper, dass meine Beine nachzugeben drohten. Die Entfernung zwischen uns schmolz wie Eis in der Wüste, und er schien so unerreichbar nahe. Meine Blicke wollten sich mit ihm verketten und wollten ihn nicht loslassen. Nie mehr. Ich schien mich aufzulösen, drohte nicht mehr zu existieren, bevor ich in neuer stärkerer Kraft aufglomm und ein Feuer in mir aufloderte, um fordernd an mir zu zehren, um mich von nun an voran zu treiben, das ihm Schritt für Schritt näher sein wollte. Dann riss mein Stolz...
Tack
...mich weiter, und der Augenblick war unauslöschlich, vorbei.

 

uäh, ich sehe gerade selber, dass es vielleicht ein bisschen zu schnulzig geraten ist... sorry :shy:

 

Hallo Yva!

Ich finde deine Geschichte nicht "schnulzig".
Du hast teilweise sehr schöne Bilder beschrieben, wie zB:
"Die Welt hörte auf sich zu drehen, verschwamm wie ein Spiegelbild in einem See, in den man einen Stein geworfen hat."
oder:

Die Entfernung zwischen uns schmolz wie Eis in der Wüste, und er schien so unerreichbar nahe
Ein Paradoxon - hört sich aber interssant an!

Der Schlußsatz ist im Grunde ebenfalls ein Paradoxon (Der Augenblick war "unauslöschlich", aber gleichzeitig auch "vorbei") - gefällt mir!

Hier noch ein paar Vorschläge:

Die Sonne stand schon tief, und ihr rotes Licht ergoss sich über die erwachende Landschaft
für mich "erwacht" die Landschaft morgens.

Ich schien mich aufzulösen, drohte nicht mehr zu existieren, bevor ich in neuer stärkerer Kraft aufglomm und ein Feuer in mir aufloderte, um fordernd an mir zu zehren, um mich von nun an voran zu treiben, dass ihm Schritt für Schritt näher sein wollte.
Mit diesem Satz stimmt etwas nicht. Worauf bezieht sich der letzte Satzteil?

Ausserdem lässt du die Erzählzeit hin- und herspringen: (erst Vergangenheit, dann Präsens, dann wieder Vergangenheit usw.), das verwirrt mich ein wenig, und ich weiß nicht, ob das von dir beabsichtigt war...

Zum Plot:
Da der Text, wie ich finde, recht impressionistisch geschrieben ist, erfährt man leider sehr wenig über die Hintergründe der Handlung (ZB. Warum ist sie so in Eile? Wohin geht sie? Wer ist der Mann? Was überhaupt findet sie an ihm so unwiderstehlich?)
Alles offene Fragen, auf die ich gerne eine Antwort gehabt hätte...
Vielleicht baust du den Text ja noch ein wenig aus, ich würde mich freuen. ;)

Liebe Grüße,
Wolf

 

Uiii danke danke lieber kleiner Wolf,

...so eine konstruktive Kritik habe ich bisher noch nicht bekommen. Ich will Deine Fragen auch versuchen zu beantworten.

Aaaaaaaaalsoooo:
Dei Sache mit der erwachenden Landschaft sollte auf die Vögel anspielen, die am Abend nochmal so richtig loslegen. Ich weiß nicht, ob Dir das mal aufgefallen ist, aber kurz vor Sonnenuntergang haben plötzlich alle Vögel noch mal was zu sagen. Zumindest ist mir das aufgefallen, als es mir wie in der Geschichte erging. Aber Du hast recht. Wahrscheinlich wissen das die meisten nicht, und so wäre das "erwachen" hier bestimmt nicht richtig.

"Ich schien mich aufzulösen, drohte nicht mehr zu existieren, bevor ich in neuer stärkerer Kraft aufglomm und ein Feuer in mir aufloderte, um fordernd an mir zu zehren, um mich von nun an voran zu treiben, dass ihm Schritt für Schritt näher sein wollte."

(an dieser Stelle: wie funktioniert das eigentlich mit dem Zitat?)
Tja... äääh... :D ... das ist bloß ein Rechtschreibfehler. Es sollte "das ihm Schritt für SChritt näher sein wollte" heißen und bezieht sich somit auf das Feuer, das in mir aufloderte (genau das ist die schleimige Szene, die mich an schlechte spanische Soaps erinnert).

Jaja, mein altes Problem mit der springenden Zeit. Das ist ein blödes Laster von mir (hat auch schon mein Deutschlehrer damals richtig erkannt: "Yvonne, mir wird immer schlecht bei Deiner Zeitenspringerei" alle haben zuerst 'Seitenspringerei' verstanden...). Ich werde das noch ändern...

Dass der Text so impressionistisch ist, war auch beabsichtigt. Er soll lediglich das Gefühlschaos und andere Zeitempfinden beschreiben, wenn man sich auf einen Blick verliebt. Und da es mir nur darum und weniger um die Personen ging, werde ich es wohl auch nicht ausbauen.

danke nochmal...

liebe Grüße

 

Boah.
Man liest und liest ...
und versteht erstmal nicht den Sinn hinter den schönen Bildern...
...und liest und liest ...
der Text zerquilt in meinem Kopf wie ein Stück Butter in der Hand...
...und liest und liest...
die Beschreibung des Augenblickes trifft genau zu...
...und man liest weiter...
...glaubt fast ein ein übertrieben glückliches Ende...
und wird dann hart von der Realität ins Gesicht geschlagen... wie von einem Hammer.

Ich find klasse... und hoff wo das herkommt gibts noch mehr!

Alex

 

Hallo Yva,

nur eine Kleinigkeit:

"Meine Augen wollten sich mit ihm verketten und wollten ihn nicht loslassen"

Das mit den Augen gefällt mir nicht.

Vielleicht:

Meine Blicke wollten ....?

Ja, und an dieser Stelle auch meine Frage:
Wie funktioniert das mit den Zitaten?

Liebe Grüße
Malaika

 

Oh, hast Recht! Wird sofort geändert... daaaanke

mit dem Zitieren habe ich auch noch nicht ganz raus. Aber wenn Du beim Antworten auf weitere optionen gehst, gibt es da eine Funktion, mit der man zitieren kann. Versuchs mal...

 

Letzte Empfehlungen

Neue Texte

Zurück
Anfang Bottom