Mysteroxitadion
Mysteroxitadion
Roland lachte.
Dann lachte er nicht mehr.
Roland lachte erneut.
Dann wieder nicht.
Erneut lachte er – nur etwas lauter und anhaltender.
„Meine Güte! Ich lach mich tot!“ sein schwerer, massiger Bauch wackelte vor Freude hin und her. Wie ein wild wackelnder Wackelpudding warfen die Fettrollen kleine Wellen. Er lag längs auf seinem Sessel und schaute fern. Seine dicken Finger hatten Mühe, die Knöpfe der Fernbedienung richtig zu treffen. „Scheiße! Falscher Sender!“ er drückte wild herum und hatte kurz darauf seinen Lieblingssender auf dem Schirm. „Gut! Da ist er wieder.“ Momentan lief eine Talkshow. Zwei junge Frauen schrien sich gegenseitig an und titulierten sich mit den schlimmsten Ausdrücken. „Super! Das es so was gibt!“ beistimmend murmelnd legte er die Fernbedienung zur Seite und fummelte sich mit seiner linken Hand eine Büchse Bier aus ihrer Verpackung.
„Zisch...“; machte es. Er setzte an und schluckte ein großen Teil des Doseninhalts in seinen Leib. Den Genuß quittierte er mit einem lauten, anhaltenden Rülpser. Mit seiner rechten Hand nahm er ein Messer, das auf einer kleinen Anrichte lag und klappte es auf. Plötzlich fiel es ihm aus der Hand und blieb im Holzboden aufrecht stecken. „He, ganz schön scharf!“ Er drehte sich leicht nach rechts und beugte sich unter allergrößten Anstrengungen zu dem Messer und zog es heraus. Er schwitzte stark. Rolands wabbeliger Vorderbau glänzte hell weiß. „Ich habe Hunger!“ Er legte sich eine Scheibe Brot auf seinen Bauch, daneben ein in Folie eingepacktes Stück rohes Fleisch. „He, He, mein eigener eingebauter Tisch. Mein Bauch der Tisch ...“, murmelte er vor sich hin – doch seine Laune sank plötzlich beträchtlich. „So ein verdammter ...“, schimpfte er unzufrieden. „Keine Butter da!“, er legte alles wieder zur Seite. Äußerst grummelig wuchtete er aus dem Sessel auf und setzte seine mächtigen Stempel auf den Boden. „Ab in die Küche. Wenn ich nicht so faul wäre, dann würde ich mir das Stück Fleisch in die Pfanne hauen!.“ Er marschierte langsam und unter der Last seines Körpers los. In der Küche angekommen schaute er auf seinen alten, umweltfeindlichen ozonausspuckenden Kühlschrank, dann öffnete er dessen Tür. Gewaltige Mengen Fleisch lagen dort ordentlich verpackt und warteten auf den baldigen Verzehr. Irgendwo dazwischen lag eine Packung Butter. Er nahm sie, schloß die Tür sorgfältig und klopfte danach auf den Kühlschrank. „Mein guter alter Wunderkühlschrank!“ Dann und ging zurück. Vor seinem Sessel angekommen hörte er ein Geräusch durch das halboffene Fenster. Er ging zu selbigem und schob die vergilbte Gardine auf Seite. Mehrere Etagen tiefer hörte er ein Kind schreien. Es war gerade im Hof mit seinem Fahrrad umgefallen und lag nun auf dem Boden. „Halts Maul!“, rief er runter, doch niemand nahm ihn zur Kenntnis. „Es wäre besser, wenn noch mehr von euch verschwinden würden!“ Er spielte darauf an, das in den letzten Jahren immer wieder Menschen, vor allem aber Kinder, verschwunden waren. Die Nachmittagssonne brannte erbarmungslos auf die Häuserzeile und Roland hatte sich ein Dutzend Ventilatoren aufgestellt und sich seines Hemdes entledigt. „So ist das Leben angenehm ... was will ich mehr! Mit meinen 39 Jahren habe ich es geschafft, ich habe mein Ziel erreicht.“ dachte er sich und lauschte zugleich dem Geklopfe an der Wohnungstür. Er wollte sich gerade wieder hinsetzen, doch stattdessen stampfte er direkt in Richtung Wohnungstür. Er schaute durch das Guckloch. „Niemand da.“, er drehte sich um ... und hörte erneut das Klopfen. „Was soll das?“, rief er und riß die Tür auf und schaute links und rechts in den Flur.
Niemand zu sehen.
Danach warf er die Tür wieder zu und wackelte zurück in Richtung seines geliebten Sessels. Er warf sich hinein und schaute gebannt auf den Fernseher. Seine rechte Hand griff wieder nach dem Brot und nun auch endlich nach der Butter.
Da klopfte es wieder.
„So eine verdammte ...“, fluchte er und überlegte sich, was er tun sollte. „Das ist ja schlimmer als Sport!“, er klatschte mit seiner Hand auf seinen Bauch. Das Klopfen an der Tür ließ nicht nach. „Na gut, aber wehe da ist keiner.“ Er stand unter lautstarken Flüchen auf und ging zu Tür. Dort klopfte noch immer jemand. Roland postierte sich genau vor der Tür und legte seine Hand auf die Klinke. Er wartete ab bis es noch einmal klopfte. „Jetzt!“, er preßte die Klinke runter und warf die Tür auf. „Sie?“, fragte er verdattert.
„Sie??“, äffte eine steinalte Frau nach. „Was soll das?“, fragte Roland genervt. „Lassen Sie mich in Ruhe!“, fügte er noch hinzu. Er kannte die Alte, sie wohnte erst seit einigen Jahren hier neben ihm im Wohnbunker. „Na Roland, was macht der Bauch?“, sie zeigte mit ihrem knochigen Zeigefinger auf Rolands Prachtstück. „Dem geht es gut, aber was soll das? Und wieso klopfen Sie hier immer an meine Tür und verschwinden dann wieder?“ Rolands Kopf wurde knallrot vor Aufregung. Die Alte hatte lange, buschige rote Haare, die stark mit grauen Strähnen durchsetzt waren. Sie trug ein überlanges T-Shirt mit dem Aufdruck „Volkszählung nein danke.“ Ihr schmales Gesicht war in der Mitte gekrönt durch eine lange Nase, die am Ende eine dicke Warze beherbergte. „Was soll das denn nun? Sie wissen doch, das ich Sie nicht leiden kann – weil Sie so sonderbar sind. Und außerdem, was haben Sie denn da wieder drin?“ Roland zeigte auf einen schwarzen Müllsack, den Sie hinter sich her zog. „Nichts, nichts Roland was dich interessieren würde.“, fauchte sie . „Und wieso duzen Sie mich die ganze Zeit über? Was soll die ganze Geschichte überhaupt? Was habe ich mit Ihnen zu tun , dass Sie mir ständig an der Tür klopfen und mich anstarren?“ Roland war kurz vor dem Explodieren. Die Alte trat einen Schritt zurück und kicherte. „Mit dieser Geschichte hast du nichts zu...“; sie ging weiter und näherte sich ihrer Wohnungstür. Roland hatte sie einfach stehen lassen. Dessen roter Kopf setzte sich selbst nach etlichen Metern noch deutlich von seinem weißen, dicken Ballonbauch ab. „Wenn du wüßtest!“, hauchte sie leise vor sich hin und steckte ihren Wohnungsschlüssel in das Schloß. Sie drehte den Schlüssel zweimal herum und gab der Tür einen Stoß. Diese flog auf und sie stand in ihrer Wohnung. Die Fenster waren verschlossen und die Rolladen herunter gelassen.
„So ab mit dir!“ Sie wuchtete den Sack, den sie hinter sich her zog, in die Wohnung, schaltete das Licht ein und setzte sich auf einen Stuhl. „Das wird mir langsam zu viel ... dieses Gewicht.“; sie schaute auf den Sack. „Aber dieser Roland ... in dessen Fettlappen könnte der noch einen Untermieter wohnen lassen.“ Sie schaute sich in einem Spiegel an, der quer gegenüber an der Wand hing. Sie selbst war ausgesprochen dürr und alt. Letzteres wurmte sie mehr, aber an der biologischen Uhr konnte sie nicht drehen. „So, genug herum gegammelt, auf an die Arbeit!“; sie hüpfte auf und ging ins Bad – dort suchte sie nach einem Wäschekorb, den sie dann auch schnell fand und ins Wohnzimmer stellte. „Was das wieder für eine Sauerei gibt!“, sie schaute erneut auf den Sack. „ Ich bin aber wenigstens froh, das ich endlich eine Sorte Säcke im Supermarkt gefunden habe, die nicht so schnell einreist. Die hier sind richtig solide und halten was aus. Die anderen, die ich hatte taugten gar nichts. Einen Meter über den Boden schleifen und das Blut spritzte in alle Ecken! Ich kann von Glück sprechen, dass das bisher nicht weiter aufgefallen ist.“ Anschließend ging sie in die Küche, um sich eine Tasse Kaffee aufzusetzen. Die Kaffeemaschine sabberte vor sich hin und die Alte rauchte dabei genüßlich einen Zigarillo. „Ah ..., tut das gut! Wenn man bedenkt, was für eine dreckige Arbeit ich noch vor mir habe...“, sie noch einmal kräftig an ihrem Zigarillo und nahm einen Schluck aus ihrer Tasse Kaffee. „Also dann – ab an die Arbeit!“, spuckte in die Hände und ging auf den Sack zu. Sie hob ihn an und steckte ihn in den Wäschekorb, dann schleifte sie den in das Bad. Dort angekommen nahm schnitt sie ihn längs auf. „Eigentlich könnte ich den ja wiederverwenden - aber andererseits stinken die so...“, sie schnitt weiter und legte den Inhalt frei. „Buah, was stinkt das ekelig faulig!“, sie rümpfte die Nase. „Es wird höchste Zeit mal ...“, plötzlich klingelte das Telefon. „Ja bitte?“, fragte sie in den Hörer – und die andere Stimme meldet, das sie in der untersten Etage ein Paket abholen könnte, das am Morgen für sie abgegeben wurde. Und zwar in der Metzgerei. Sie legte auf. „Dumme Pute! Ich war doch eben da unten, wieso konnte mir nicht sagen, das da ein Paket für mich abgeben wurde!“, leicht verärgert warf sie den Hörer auf die Gabel und schaute in das Bad. „Hoffentlich kommt jetzt niemand. Ganz passen tut mir das nicht...“, resignierend hob sie die Schultern. „Dann gehe ich eben wieder runter...“, sie nahm den Wohnungsschlüssel, schaltete das Licht aus und ging los. „Gerade ohne Aufzug macht das besonders viel Spaß!“, frotzelte sie mit sich selbst.
Unten in der Metzgerei schaute sie nach einer Verkäuferin. „He, hallo – niemand da?“, rief sie. Nach wenigen Sekunden kam eine junge Frau aus der Schlachtküche. „Ja bitte?“, fragte sie. „Hier ist ein Paket für mich abgegeben worden...“, schnauzte sie die junge Frau an. „Ja, ja, tut mir leid, der Chef hat mir eben gesagt, dass ich Sie anrufen sollte...“, die junge Frau klang eingeschüchtert. „Also dann – her damit!“, die Alte sah schon hinter der Theke ein gelbes Päckchen. Die Verkäuferin übergab das Transportstück und verabschiedete die Frau. Also ob ihr ein Stein vom Herzen gefallen wäre, ging sie zurück in die Schlachtküche zurück. „Na – was war?“, fragte der Metzger. „Die Alte von oben war da ... hatte das Päckchen abgeholt.“ Der Metzger lachte – „Ich hatte vergessen, der zu sagen das das hier für sie war. War sie sauer?“, fragte der Mann. Die junge Fleischverkäuferin nickte. „Denke schon.“ Kurz darauf konzentrierten sie sich wieder auf ihre Arbeit. Hin und wieder kam ein Kunde in das Geschäft, der Betrieb hielt sich allerdings in Grenzen. „Chef ...“; fragte die Fleischverkäuferin „... was halten Sie denn davon, das ständig Menschen verschwinden? Ich meine hier in der Nähe. Das ist doch beängstigend? Oder?“ Sie schaute den Metzger an.
Dieser schlug mit einem Beil wortlos auf ein Stück Fleisch ein, spaltete den Knochen und sortierte alles in die entsprechenden Eimer. Erneut hob er das Beil und ließ selbiges in einen dicken Knochen sausen. Danach schaute er seine junge Verkaufskraft an. „Jeden Tag, auf der ganzen Welt verschwinden Menschen. Alte und junge. Männer und Frauen...“, er rieb sich mit seiner Hand unter der Nase. „Wieso ist das hier dann ungewöhnlich?“ „Nun, ich finde es schon sehr merkwürdig, das hier in unserer Gegend vor allem so viele Kinder verschwinden. Wenn ich eines hätte, würde mich das beunruhigen. Sehr sogar.“ Der Mann schlug auf einen Schweinskopf ein und spaltete ihn, dann entnahm er das Hirn und legte es beiseite. „Ich finde es so grausam!“, hauchte die junge Frau. „Ich kenne jemanden, dessen kleine Tochter seit einem Jahr verschwunden ist. Die Eltern wissen nicht, ob sie noch lebt oder ob sie ...“ „ ... tot und zerhackt ist?“, der Metzger grinste – aber nur er. „Wie? Was?“, die Frau stockte. „He, das war doch nur ein Spaß.“, er schlug weiter auf die Reste der Sau ein, die er sich auf den Hackklotz legte. „Aber aus irgendeinem Grund bringt jemand andere Menschen um. Sie verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Wo könnten die Leichen dieser Menschen denn hin verschwinden? Wohin?“, die junge Frau dacht etwas im Laden gehört zu haben – sie drehte sich um und ging einen Schritt in Richtung des Ladenlokals. Der Metzger drehte sich ebenfalls zur Seite – und hob das scharfe Beil hinter ihr hoch. „Ne, da war niemand!“, sie drehte sich um und sah den Metzger – dieser schaute grimmig und ließ seine Augenlider zu schmalen Sehschlitzen zusammen gleiten. „Was soll das?“, schrie die junge Frau. Der Mann machte einen Schritt auf sie zu – sie einen in Richtung Laden. „Sie ... sie haben mein Geheimnis entdeckt!“, flüsterte der Metzger. „Mein Geheimnis!“, er schwang das Beil einige Male durch die Luft. Die junge Frau stolperte rückwärts und hielt sich gerade noch an einer Tür fest – so rutschte sie langsam zu Boden. In diesem Moment betrat eine Kundin den Laden und erkannte durch die geöffnete Tür das schaurige Bild.
Der Metzger mit dem Beil in der Hand.
Sie hielt die Hand vor dem Mund.
Und lachte laut.
„Meine Güte!“, sie hielt sich vor lauter Lachen an der Eingangstür fest. „Mensch Paul! Machst du immer noch deine Scherze mit dem neuen Personal?“, die Frau kannte den Metzger – und umgekehrt. Er ließ das Beil runter und legte es einen Tisch. „Paul! Das sind noch immer die alten Tricks, neue Verkäuferinnen zu erschrecken!“, sie lachte etwas leise und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Der Metzger – Paul – lachte nun auch, und reichte der auf dem Boden liegenden jungen Fleischereifachverkäuferin, die noch neu in seinem Geschäft war, die Hand. „HE, das was wirklich nur Spaß!“, sagte er lachend. Die Frau auf dem Boden hatte einen kreidebleichen Gesichtsausdruck. Das hatte gesessen. „Ich kenne Paul doch gut. Ich habe mal hier gearbeitet. Mit mir hatte der das auch gemacht.“ Die drei unterhielten sich angeregt. In diesem Moment stand die Alte wieder im Laden. „Hallo ...“, der Metzger stellte sein Grinsen und Lachen ein. „Stimmt was nicht?“, er schaute sie musternd an. „Das Paket!“, sie zeigte auf den gelben Karton. „Das ist nicht für mich.“, mein Nachname wird in der Mitte mit ey geschrieben – nicht mit ei. Also Meyer und nicht Meier.“ Sie knallte den Karton auf die Theke. „Ich wird dem Postmann das morgen mitgeben...“, Paul konzentrierte sich wieder auf die beiden Damen. „Ihre Sachen dauern noch ein wenig!“; fügte die Alte hinzu. „Mindestens bis heute Abend.“ „Ja ... ja..., ist schon recht! Machen Sie es nur so gründlich wie immer! Hauptsache es ist alles weg.“, rief Paul ihr hinterher als sie den Laden verließ. „Die kommt ja nicht auf die Idee, das dieses Paket doch für sie sein könnte?“ meinte die junge Frau. Paul hob die Schultern – „Na und – ist mir egal. Ich kümmere mich drum. Aber hoffentlich artet das nicht aus und ich muß hier einen Paketschalter einrichten.“; sie lachten wieder.
Die Alte erklomm die Treppe zurück in ihre Wohnung, dabei kam sie an mehreren Wohnungstüren vorbei. Die meisten der Menschen, die hier wohnten kannte sie nicht – und wollte sie auch gar nicht kennen. „Anonymität hat auch ihre guten Seiten!“; meinte sie immer und kam in die Nähe von Rolands Wohnungstür. Sie lauschte dem, was von dort drinnen nach außen drang. „Du Fettbeutel!“; dachte sie abwertend. „Du bist so fett wie 10 Menschen.“, sie ging an seiner Wohnungstür vorbei. Drinnen dudelte irgendeine Fernsehsendung vor sich hin. Kopf schüttelnd ging sie weiter und öffnete ihre Wohnungstür. Sie schaltete das Licht an und schaute sich um. Die Rolladen waren noch immer unten. „Ach so, das Bad!“, sie erinnerte sich daran, das sie ja eigentlich noch Arbeit dort liegen hatte. Sie beugte sich über den Sack, der im Wäschekorb lag. Den Sack hatte sie ja bereits aufgeschnitten. „So, so... mal sehen.“, sie legte eine Plastikfolie aus und verteilte alles, was sie in dem Sack fand, auf dem Boden.
„Hm..., hm... nicht schlecht!“, flötete sie – das wird meinem Metzger gefallen. „Wie ich alles verteilt bekomme! Da bleibt nichts mehr übrig!“, sie frohlockte und freute sich wie lange nicht mehr. Sie mochte es, ihre Arbeit gut und gründlich zu erledigen – und ohne eine Spur zu hinterlassen. In der Küche warf sie den Ofen an und packte ihre elektrische Küchensäge aus. „Eigentlich eine Schande – der Metzger hat so gutes Werkzeug, aber ihm schauen zu viele zu.“ dachte es und begann zu sägen.
Rolands Kühlschrank hatte sich an diesem Nachmittag ordentlich geleert. „Mist!“; fluchte er, als er sich eine Büchse Bier holte. „Habe ich heute Nachmittag wirklich so viel gemampft?“ Er hatte. Das ganze gute Fleisch war verschwunden, alles in seinen Bauch gewandert. „Sonst ist der doch immer voll!“, er schlug die Tür zu – „Ich dachte, du wärst mein Wunderkühlschrank?“, mit einem enttäuschten Gesichtsausdruck drehte er sich um und ging einige Meter weiter. „Bitte, bitte!“, er faltete die Hände zusammen. „Lieber Wunderkühlschrank, lass es wieder passieren!“; er ging in Richtung seines Sessels und stellte die Büchse Bier aus seinen Tisch ab. Gebannt starte er in die Küche. Manchmal klapperte es merkwürdig in seinem Kühlschrank.
So auch diesmal.
Mit zittrigeren Händen ging zurück in die Küche. Er schaute genau auf den Kühlschrank. „Los, mach es, mein Freund! Mach es!“, immer näher ging er auf ihn zu und streckte die Arme aus. „Gleich gibt es was zu essen, wieder leckeres, frisches Fleisch!“, nun erreichte er den Kühlschrank. Er drückte den Kühlschrankgriff nach unten und zog daran.
„Danke!“, rief er. Der Kühlschrank, der eben noch leer war wie die Sahara, nun wieder angefüllt mit frischen Leckereien. „Hm!“, er nahm ein Stück Fleisch heraus. „Nanu...“, er lächelte. „Haare...“, er fummelte sie aus dem Fleisch heraus. „Das kann mal passieren – mein Wunderkühlschrank.“ „Bitte, bitte...“, die Alte hatte im richtigen Moment noch ihre Hand aus dem Kühlschrank gezogen. Durch eine kleine Klappe konnte sie die Fleischpäckchen durch die Wand ihrer Wohnung in den Kühlschrank werfen.
„Guten Appetit!“, sagte sie lachend. „Der Metzger wird sich freuen. Aber der hier frißt ja auch alles!“
Ende.