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Mit wem redest du da?

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18.05.2003
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Mit wem redest du da?

„Ich dachte mir schon, dass du das sagen würdest.“, sagte er nur und sah mich verständnisvoll an. Niemand verstand mich so gut, wie Fred. Nicht einmal meine Frau verstand es, wenn ich in meiner Depression Wohndesignkataloge durchblätterte, und mich dann billig mit Ikeamöbeln eindeckte. Wenn ich etwas raffiniertes sah, wie ein Nachttischchen in Form eines Yin und Yang, dann musste ich es einfach haben. Fred verstand es: „Früher haben wir Pornos durchgeblättert, heute sind es Wohndesignkataloge. Zwar bleibt die Vorfreudeschmier in der Hose aus, doch ist es eine weitaus gesellschaftsfähigere Art, die Zeit totzuschlagen.“

Ich saß im Weinkeller und unterhielt mich. Der muffige Dunst der schimmligen, uralten Wände waberte mir entgegen. Das Licht war nur durch einen provisorischen Kerzenständer gegeben, den ich als Kronleuchter aufhängte, nachdem meine Frau die Lampe mit einem abgebrochenen Stuhlbein zerbrach, dass sie mir in ihrer Wut hinterher warf.
Meine Frau war ausgegangen, da sie sagte, sie könne es nicht länger ertragen, einem Menschen zuzusehen, der sich immer mehr zu einer Mischung aus Marlon Brando und Pumuckl entwickelt.

„Ich denke sie erträgt es nicht länger, mit jemandem zusammenzuleben, der sich immer mehr zu einer Mischung aus Marlon Brando und Pumuckl entwickelt.“, sagte ich
„Ich dachte mir schon, dass du das sagen würdest.“, meinte Fred. „Aber vergiss nicht deinen Nestbautrieb, den sie immer kritisiert!“, fügte er hinzu. Mir war schon klar, dass ich einen Tick hatte. Mir war auch klar, dass es schwierig für sie sein musste.
„Aber warum beschwert sie sich eigentlich andauernd?“, fragte ich. „Ich meine, sie hat doch alles. Sie sagt immer ich würde zu wenig mit ihr reden. Und mein Verhalten fände sie unentschuldbar. Das verstehe ich einfach nicht, was will sie denn?“
„Ich dachte mir schon, dass du das fragen würdest. Und ich glaube sie will, dass du endlich die Wand im Wohnzimmer saubermachst. Ein geplatztes Spinnenabdomen ist kein schöner Anblick. Insbesondere dann, wenn dessen Inhalt die Wohnzimmerwand hinabrinnt.“
„Das kann ich schon tun. Aber es wird ihr nicht reichen, sie hat doch immer irgendwas zu meckern. Ich sage ihr jedesmal: << lass‘ das Geschirr, ich spül es, lass‘ die Wäsche ich hänge sie auf, lass‘ den Müll stehen, ich bringe ihn schon noch raus..>> aber sie macht trotzdem alles selbst. Sie gibt mir nie eine Chance.“
„Ich ahnte, was du sagen würdest. Du hättest es vielleicht noch diesen Winter tun sollen. Du musst wissen, eine Frau sieht es nicht gern, wenn sich das Geschirr stapelt.“
Langsam kamen mir echte Zweifel, ob mir meine Frau nicht ein bisschen zu viel zumutete. Ich hatte schließlich genug zu tun. Ich hatte ein Restaurant zu führen. Ich hatte einen Hund zu versorgen. Ihre Erwartungen waren eindeutig zu hoch.
„Aber jetzt, da du in Rente bist und der Hund in der Kiste ist, kannst du dich ja ein bisschen mehr um deine Frau und um den Haushalt kümmern.“
Aber vielleicht waren ihre Erwartungen auch nicht zu hoch.
„Sie glaubt wohl, warten zu können, bis ich auf sie zugehe. Aber das lasse ich mir nicht bieten. Sie kann sich ruhig auch mal ein bisschen um mich kümmern. Wie oft habe ich ihr gesagt:<< sei doch mal du selbst und mach etwas, was mich interessiert.>>? Sie scheint sich zu langweilen mit mir. Das ist mir unerklärlich.“
„Mir war klar was du sagen würdest und ich denke sie langweilt sich wirklich. Ich kann dir aber keinen Rat geben. Ich weiß auch nicht warum die Abende, an denen du ihr aus deinem Personalausweis vorgelesen hast auf einmal so fad geworden sind.“
Da hatte er allerdings recht. Anscheinend liegt es wirklich an ihr. Ich versuche sie schließlich zu unterhalten.
„Und dieses ständige Gerede von Trennung. Sie macht mir richtig Nagst damit. <<Aber denk doch an unsere Kinder>> sage ich immer zu ihr. Ich verstehe nicht, wie sie das so wenig berührt.“
„Das ahnte ich schon. Was mir viel mehr Angst macht ist, wenn sie mit solchen Haarspaltereien daherkommt: <<Wir haben doch gar keine Kinder>>.“
Und gerade in diesem köstlichsten Moment unserer Zweisamkeit kam meine Frau in den Raum geplatzt, sah mich mit fingiertem Entsetzen an und meinte nur: „Mit wem redest du da?“

 

Ich entschuldige mich hier schon im voraus für eventuelle Rechtschreibfehler, angesichts der Tatsache, dass ich mir meine Texte grundsätzlich kein zweites Mal
durchlese nachdem ich sie geschrieben habe. :cool:

 

Zuerst finde ich deine Einstellung, Texte nicht zu überlesen, bevor du sie hier reinstellst, total daneben. :thdown: Was bitte hindert dich daran? Ist einmal durchlesen SO viel verlangt? Oder meinst du, die Leser wollen so gerne beim Lesen dauernd über Tippfehler stolpern, anstatt sich mit dem Inhalt beschäftigen zu können? Dir selber kannst du das Überlesen nicht zumuten, aber den kg-de Lesern schon?

Zur Geschichte: Ich kann nicht sagen, dass ich sie besonders lustig fand. Die Gags sind ziemlich abgedroschen und flach. Die einzige Stelle, über die ich zumindest schmunzeln konnte, war diese

„Und dieses ständige Gerede von Trennung. Sie macht mir richtig Nagst damit. <<Aber denk doch an unsere Kinder>> sage ich immer zu ihr. Ich verstehe nicht, wie sie das so wenig berührt.“
Übrigens hättest du schon durch reines Überfliegen des Textes das "Nagst" finden können.
Achja, wer ist Fred?

 

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