Mensch sein
Mensch sein
Ich bin klein, so klein und die Welt ist groß, riesig groß. Tag ein Tag aus muss ich mir die Menschen ansehen, wie sie alles kaputtmachen, Leben zerstören, sogar ihre eigenen, und versuchen neue aufzubauen. Sie haben kein Recht dazu, auf uns, die sich nicht wehren können, herumzutrampeln. Was haben wir getan, warum sind sie so böse, tun so als hätten sie kein Herz? Doch ich bin mir sicher, jeder hat eins. Wenn ich ihnen nur beibringen könnte, es auch zu benutzen. Doch sie hören mich nicht, ich bin zu klein, bin ein Niemand für sie. Sie können mich oft nicht einmal sehen. Ach wenn ich doch nur wüsste, was ich tun soll.
Ich frage mich ob mein Leben einen Sinn hat und ich weiß das es das tut. Denn wenn ich mir meine Familie ansehe, meine große Familie, die ich nur ernähren kann, weil ich so hart arbeite, muss ich lächeln. Ich tue das gerne, ja ich kann sogar mit Stolz behaupten, dass ich mein Leben liebe, so wie es ist. Sicher, es gibt welche, die besser dran sind, die den lieben langen Tag rumsitzen und Nichts tun und ihre Familien trotzdem ernähren können. Aber so möchte ich nicht leben.
Ich hatte mal einen Freund, der sagte er wäre gern ein Mensch, einer von der Sorte die kein Herz haben. Dann müsste er sich um nichts kümmern, bräuchte für niemanden zu sorgen, weil es ihm egal wäre, wie es anderen geht. Zwei Tage später sah ich ihn wieder, er wurde zertrampelt, von eben so einem Menschen, der er gern sein wollte. Seine letzten Worte, die er mir ins Ohr flüsterte waren: „Ich habe meine Meinung geändert. Ich bin glücklich eine Ameise zu sein. Wäre ich ein Mensch, würde es mir jedesmal das Herz brechen, wenn ich ausversehen eine Ameise zertrampelte. Wie könnte ich also ein Mensch sein, der täglich dabei hilft, seine eigene Art auszulöschen?“