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Mariahilferstraße

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16.06.2002
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Mariahilferstraße

Peinlich betreten blickte Cornelia zur Auslage einer Jeansbutike. Überrascht hatte sie das Gesicht einer ihrer einnächtigen Affären, ein blonder Jüngling, dessen Namen sie sich nicht einmal gemerkt hatte, angeblickt. Die Begegnung war ihr unangenehm. Der junge Mann schritt rasch an ihr vorbei. Erleichtert setzte Cornelia ihren Bummel durch die Mariahilferstraße fort. Im Grunde hatte sie nichts Bestimmtes vor, wollte sich nur ein wenig zerstreuen.

Unbarmherzig brannte die Sonne auf den flirrenden Asphalt. Cornelia hatte Kummer. Ihre Anstellung in der Datenverarbeitungsfirma stand auf wackeligen Beinen. Emma, ihre Kollegin, die sie anfangs stets freundlich angelächelt hatte, schmiedete schlimme Ränke hinter ihrem Rücken. Cornelia hatte Tags zuvor davon erfahren, sich deshalb frei genommen. So gelang es ihr, zumindest für diese kurze Zeit Abstand von den Unbilligkeiten zu gewinnen. Sie und Emma waren zugleich in den Betrieb eingetreten. Zu Beginn schien Emma trotz ihres harschen Wesens einigermaßen umgänglich, besonders Cornelia gegenüber. Cornelias Hilfsbereitschaft, ihre Gutmütigkeit, machten sie allseits beliebt, auch beim Abteilungsleiter und dessen Vorgesetzten. Doch Emmas Wohlwollen war geheuchelt. In Wahrheit betrachtete sie Cornelia als Stolperstein auf ihrem Wege nach oben. Hatten doch beide sich dieselben Aufgaben zu teilen. Emmas Wesen war forscher, nüchtener, von heimlichem Ehrgeiz geprägt. Cornelia war aufgrund ihrer umgänglicheren Art beliebter als Emma, was dazu führte, daß Emma Cornelia mehr und mehr als Gefahr für ihre Aufstiegsabsichten betrachtete. Emma war befördert worden, als der Abteilungsleiter den Betrieb verließ. Sie war nun Cornelias Vorgesetzte. In Anwesenheit aller Kollegen pflegte sie Cornelias Arbeit zu kritisieren, suchte nach dem auch noch so unbedeutenden Fehler, damit sie ihre Untergebene vor allen Mitarbeitern der Abteilung bekritteln konnte.

Mit Männerbekanntschaften hatte sie ebenfalls kein Glück. Es schien niemand richtig zu ihr zu passen. Zeit ihres Lebens war Cornelia Außenseiterin. Zwei Mal in ihrem Leben hatte sie eine engere Beziehung. Ihre erste große Liebe, Franz, der stets ihren etwas pummeligen Körper bemängelte. Cornelia machte ihm zuliebe Diäten, bis er sie schließlich einer anderen wegen verließ. Eineinhalb Jahre später trat Udo in ihr Leben. Udos Statur war kräftig, sehnig. Cornelia bewunderte ihn, fühlte sich magisch von ihm angezogen. Er fand in Cornelia jene von Selbstzweifeln zerfressene Seele, an welcher er sein zerstörerisches Machtbedürfnis ausleben konnte. Udo liebte es, Cornelia bloßzustellen, sie vor seinen Freunden zu erniedrigen. Er betrachtete Frauen nicht als ebenbürtig. Betrogen hatte er sie, fand es nicht einmal wert, seine Affären vor ihr zu verhehlen. Bis Cornelia die Beziehung beendete. Starke Gefühle des Nichtentsprechens, der Minderwertigkeit quälten sie ihr ganzes Leben hindurch. Cornelia fühlte sich einsam, hatte nur wenige Bekannte.

Zerstreuen, vergessen, für einen Tag lang an nichts denken, war ihr Ziel. Einkaufen ließ, für einen kurzen Moment lang, ein unerklärlich heftiges Glücksgefühl in ihr aufkeimen. Aus diesem Grunde verbrachte Cornelia ihren freien Tag auf der Mariahilferstraße. Menschen hasteten an ihr vorbei, schlenkerten bunte Einkaufstaschen und Plastiksäcke in ihren Händen. Manche hielten angespannt die Augenbrauen zusammenziehend Mobiltelefone an ihre überhitzten Ohren. Automobile schoben sich über den glühenden Asphalt. Presslufthämmer ließen Ohren kurz ertauben. Das Eurocenter musste umgewandelt werden. Ein runder Bau von unbeschreiblicher Schmucklosigkeit. Verschiedenste Firmen hatten schon an dem hässlichen Klotz herumgedoktert. Nach jeder verheißungsvollen Verwandlung war ein Allerweltseinkaufszentrum daraus geworden, in welchem Allerweltsgeschäfte, Allerweltswaren feilboten.

„Geh, hast a paar Zent für was zum Essen?" Das unscheinbare, bleiche Mädchen hatte sich aus der im rhythmischen Strome fließenden Masse ausgerechnet Cornelia herausgepickt. Erwartungsvoll blickte sie Cornelia an. Müde, grüne Augen, vom Straßenschmutz ergraute Kleidung, orangefarbenes Haar. Ihr Nasenring blitzte im Sonnenlicht. Cornelia schüttelte stumm den Kopf, ging ihres Weges. „Trampel, depperter!", rief ihr die junge Bettlerin nach.

Beatrix Muhses Dominae warfen lüsterne Blicke von blauem Plakathintergrund. ,Zwei Vibratoren zum Preis von einem‘ prangte in grellroten Lettern von der gegenüberliegenden Seite der Straße. Geruch asiatischer Schnellküche übertünchte für einen Moment lang den Gestank der Abgase. Ein Betrunkener schlief auf einer der blau lackierten Bänke unter dem Schatten eines Baumes. Seine abgewetzte Kunstledertasche lag neben ihm auf der Sitzfläche. Cornelia betrat das Modehaus J und N. Frischer Wind wehte aus Klimaanlagen, ließ Cornelias schweißnasse Bluse erkühlen. Ein kurzer, angenehm kalter Schauer rieselte über ihren Rücken. Gemächlich ließ sie die Kleiderhaken klirren, auf welchen die Leibchen ihrer Größe lustlos baumelten. „Wird schon passen", dachte sie, nachdem sie sich das schwarze Baumwollleibchen aus Indien vor dem mit Fingertappern übersäten Spiegel an die Brust gehalten hatte.

In elegantem Modeschöpferanzug, die geschmackvoll teure Aktentasche unter den Arm geklemmt, wühlte ein Mann mittleren Alters in einem Aluminiumgitterkorb, in dem ein Berg schwarzer Damenhöschen im Sonderangebot verschleudert wurde. Verstohlen blickte er um sich, hielt die Höschen hinter seiner Aktentasche versteckt. Grimmig drehte er sich zu Cornelia um, die ihn amüsiert beobachtete. Eine Duftwolke aus Schweiß und edelstem Rasierwasser hinter sich lassend, hurtete er zur Kassa. Gesenkten Hauptes legte er die Höschen auf den Kassentisch. Gleichgültig registrierte die ein wenig unwillig gelangweilt wirkende Verkäuferin die Ware mit dem Lesegerät. „Zwölfachtzig, biitteee!" Der elegante Herr ließ das Wechselgeld liegen, verließ eilig das Kaufhaus. Die elektronische Überwachung gab aufgeregte Piepser von sich. Ein rotes Alarmlicht zuckte auf.

„Entschuldigen Sie!", rief der Wachebeamte dem schneidigen Herren zu. „Machen Sie bitte die Tasche auf!" Cornelia unterdrückte gewaltsam ihre Lust, in schallendes Gelächter auszubrechen. „Ob der sich auch noch Schuhe mit hohen Absätzen kauft?", mutmaßte sie heimlich in sich hineinkichernd. Das Gesicht des Herren war rot angelaufen. Erfüllt von Scham senkte er seine Blicke zu Boden. Die Wangen bibberten. Beschämt ließ er den Wachebeamten Einblick in die Aktentasche gewähren. „Die Strümpfe haben Sie hier gekauft?", fragte dieser unwirsch und fischte schwarze Nylonstrümpfe aus der Aktentasche. „Aber...", stotterte der Herr. Mit nervös zittriger Hand wachelte er ihm einen Kassabon unter die Nase. „In Ordnung!", brummte der Wächter entschuldigend, „das passiert schon mal. Die Systeme sind halt verschieden." Schweißüberströmten Gesichtes rannte der Herr in Richtung des Taxistandplatzes auf der anderen Straßenseite.

Cornelia befühlte das schwarze Leibchen in ihrem Papiersack, als sie das Geschäft verließ. Sie würde es aufheben, nicht sofort am nächsten Tag anziehen. Sie hatte die Gewohnheit Dinge zu horten, aufzuheben für schlechte Zeiten, die möglicherweise kommen könnten. Ihre kleine Wohnung war vollgestopft mit Gegenständen, die sie während einer ihrer zahlreichen Kaufräusche erworben, aber nie verwendet hatte. Konservendosen stapelten sich in ihren Küchenschränken. Milchpulver, haltbare Kondensmilch, Dosen von Gemüse, Obst, Tomatenmark. Ihre Kleiderkästen barsten, die Schubladen waren überfüllt mit leeren Tonband- und Videokassetten, sowie CD-Rohlingen. Cornelia hatte all die gehorteten Gegenstände fein säuberlich geordnet und an einem eigens für sie bestimmten Platz eingeschlichtet. Auf diese Weise konnte sie ihre panische Angst, alles zu verlieren, ein wenig bändigen.

Sie hatte sich ihre kleine Wohnung auf Kredit gekauft. Vor ein paar Jahren, als ihre Stelle noch sicher schien. Liebevoll hatte sie die beschränkten Räumlichkeiten ihrer Wohnstatt eingerichtet, jedem Gegenstand aus ihrem Besitze den richtigen Platz zugewiesen. Nun hatte sie Furcht davor, die Kreditrückzahlungen nicht mehr bewerkstelligen zu können. Hing ihre Anstellung Emmas wegen doch an einem seidenen Faden. Cornelia war umgänglich, sanftmütig, doch auf Grund ausgesprochen schlechter Erfahrungen misstrauisch und in sich gekehrt. Manchmal ging sie des Abends aus. Alleine. In Lokalitäten, die gerade besonders beliebt waren. Zuweilen lernte sie auch Männer kennen, mit welchen sie die Nacht verbrachte. Einige empfand sie als liebenswert, doch siegte stets ihre Angst, verraten, enttäuscht, oder ausgenutzt zu werden. Deshalb igelte sie sich in ihrer kleinen Welt ein. Mit all ihren gehorteten Dingen. So könne ihr nichts geschehen, meinte sie stets. Es sei besser so.

Dichter und hektischer wurde die Menschenmasse, die sich über das glühende Pflaster der Mariahilferstraße wälzte. Cornelia betrachtete die Auslage eines Schuhgeschäftes. Zum Anprobieren von Schuhen hatte sie keine Lust. An der Kreuzung zur Neubaugasse trat ihr ein junger Mann mit roten Locken in den Weg. Auf seinem gelben Leibchen stand in grünen Lettern ,Grüner Friede’.
„Hallo du, willst du etwas für die Umwelt tun?" Cornelia kramte ihre Geldbörse hervor, nestelte nach Münzen.
„Nein", warf der Aktivist ein. „Schau her", gickste er grinsend und hielt ihr eine Mappe vor die Augen.
„Füll das hier aus. Unterschreib eine Kontoeinzugsermächtigung, für ein paar Euro im Monat. Da tust was Gutes!"
„Nein, das will ich nicht!", grummelte Cornelia abweisend.
„Aber nur ein paar Euro, zehn Euro im Monat..." Der Rotschopf ließ nicht locker. Keck hielt er ihr den Kugelschreiber entgegen.
Kopfschüttelnd setzte Cornelia zur Fortsetzung ihres Bummels an, als ihr der Jüngling in den Weg trat. Sie wich ihm aus.
„Nur ein paar Euro im Monat!" Er ließ nicht locker.
„Lass mich in Ruh!", fluchte Cornelia wütend. Die Hartnäckigkeit des jungen Mannes begann ihr Angst zu machen.
„So wird sich nie was ändern!", rief er ihr hinterher, als er bereits sein nächstes Opfer anpendelte.

„Möchtest du einen Bauchtanzkurs gewinnen?", quietschte sie die nächste Stimme an. Bleiche, dünnknochige Hände streckten ihr eine Broschüre entgegen. Cornelia drehte sich weg, ging weiter, peilte den Jupiter-Großkauf an. „Eine Musik-CD zur Entspannung", dachte sie.
„Hast an Tschik?", grölte ihr ein in abgerissenen, schwarzen Hosen gekleideter Glatzkopf nackten Oberkörpers ins Gesicht.
Sie betrat das Geschäft, ohne ihn zu beachten. Pupertierende Pickelgesichter scharten sich lachend um ein Elektronikspiel, das man zum Ausprobieren in die Mitte des Verkaufsraumes gestellt hatte. Cornelia durchwühlte die Stapel feilgebotener Tonträger. Sie entschied sich für Blues, zwei CDs. Man gönne sich ja sonst nichts, meinte sie, als ein Anflug schlechten Gewissens ob zu hoher Ausgaben sie nach dem Bezahlen gestichelt hatte.

Cornelia träumte von der Liebe. Den Mut, jenes Wagnis einzugehen, hatte sie jedoch nicht. Ihre Angst war ihr stets im Wege. Sich jemandem zu öffnen, war sie nicht im Stande. Jedes Mal, wenn sie sich vorstellen konnte, doch jenes süß verlockende Abenteuer einzugehen, zog sie sich zurück, errichtete schützend eine undurchdringbare Wand um ihr Inneres. Menschen, lehrte sie ihre Erfahrung, seien Wölfe, man nähere sich ihnen nur zaghaft und mit größter Vorsicht. Innerhalb ihres nur sehr spärlichen Bekanntenkreises kam es oftmals zu Krisen, Streit und Trennungen. Niemandem von ihnen war es gelungen, all die Träume und Versprechen aufrechtzuerhalten. Wie dünne Seide zerrissen zarte Bande, die sich zu Festerem zu formen schienen. Gelogen wurde, betrogen, verlassen und verwundet. Cornelia beließ es beim Träumen.

Mit leeren Augen blickte sie vor der U-Bahnstation stehend auf die Mariahilferstraße, wie sie sich behäbig hinaufkurvte. Die Menschenmassen, die gleichgültig auf ihrem breiten Pflaster trampelten, die Autolawine, die sich ächzend auf ihrem Asphalt in beide Richtungen quälte.

Cornelia war müde geworden. Ermattet von all den Waren in den Schaufenstern, von dem undurchdringlichen Wald an Preisschildern, Plakaten, Lichtreklamen, vom Lärm der Kraftwägen und Lautsprecher. Sie ließ sich von der Menge in die stickige U-Bahn quetschen.

Zurück in ihrer kleinen Welt, packte sie die neu erworbenen Gegenstände aus, wies ihnen den ihr richtig erscheinenden Platz zu. Ein nur kurz verweilendes Glücksgefühl. Cornelia legte sich auf das wohlige dunkelgrüne Sofa. Sie presste den flitterbesetzten orientalischen Zierpolster in ihre Arme und schloss ihre Augen. „Hier ist es gut", dachte sie. Am nächsten Tag würde sie Emmas hämisches Grinsen erwarten.

 

Hallo Echnaton!

Schön, dass Du Dich im Alltag mal blicken lässt...
Du beschreibst die ganze Hektik, das Leben der Masse sehr gut. Und mittendrin eine Frau, die sich zurückgezogen hat, aus Angst, und ihr Vergnügen darin sucht, Gegenstände zu erwerben... ohne an ihrer Umwelt teilzuhaben. Cornelia kann einem leid tun, in jeder Hinsicht. Ihr Umfeld ist alles andere als günstig, aber auch sie selbst...
Ich denke ein gelungener Text. in Deinem ganz eigenen Stil. MAnchmal wirkt er hier in diesem Text auf mich zu ausschmückend oder gekünstelt, ich habe Dir die Stellen rausgeschrieben... aber ist ja Dein Text, wie immer. :)
hier noch meine Anmerkungen, wenn Du amgst:

"Jeansbutike" - Jeansboutique

"Mit Männerbekanntschaften hatte sie ebenfalls kein Glück. Es schien niemand richtig zu ihr zu passen. Zeit ihres Lebens war Cornelia Außenseiterin. Starke Gefühle des Nichtentsprechens, der Minderwertigkeit quälten sie. Sie fühlte sich einsam, hatte nur wenige Bekannte." - irgendwie finde ich diesen Abastz zu holzhammerartig....

"Ein runder Bau von unbeschreiblicher Schmucklosigkeit hatte wieder einmal umgewidmet zu werden" - erscheint mir etwas zu künstlich ausgedrück

"in welchem Allerweltsgeschäfte, Allerweltswaren feilboten." - ohne Komma

"Geh hast a paar Zent für was zum Essen" - Geh, hast

"die ein wenig unwillig gelangweilt wirkende Verkäuferin" - sehr gereiht

"rief der Wachebeamte dem schneidigen Herren" - Wachbeamte, denke ich?

"Schweißüberströmten Gesichtes rannte der in auserlesenem Tuch gekleidete Herr" - in auserlesenem Tuch gekleidet würd ich weglassen, Du beschreibst vorher schon zu Genüge, dass er elegant ist...

"Hing ihre Anstellung Emmas wegen doch an einem seidenen Faden." - Emmas wegen finde ich ziemelich gekünstelt formuliert

"„Schau her", gickste er grinsend" - gicksen ist österreichisch, oder?

"als ein Anflug schlechten Gewissens ob zu hoher Ausgaben sie nach dem Bezahlen gestichelt hatte." - finde ich zu hochgestochen

 

hi echnaton,
das positive ist - du schreibst streckenweise wirklich malerisch.
leider habe ich einige kritikpunkte *seufz*.

zum inhalt:
was hat die ausführliche und besonders lange erzählung des einkaufens mit ihrer betrieblichen situation zu tun?
was hat das erlebnis mit dem mann, der nylonstrümpfe kauft, mit der einkaufsidylle oder mit der innerbetrieblichen situation zu tun?
du schreibst hier mehrere (3) geschichten in einer - was ist denn der focus deiner geschichte?
kannst du dir theoretisch vorstellen, dass man den part von emmas intervention und den part mit dem nylonmann einfach herausnimmt? - du würdest dann sehen, dass die geschichte immer noch rund ist. wenn das so ist, dann siehst du, wie überflüssig beide module sind. in der tat schreibst du über die personalität einer bestimmten frau. es geht hier doch hauptsächlich darum, dass sie ihren mangel an liebesglück mit einem konsumrausch kompensiert. der nylonmann hat dort überhaupt keine bewandtnis - und auch emma ist ausserhalb der hauptproblematik.
um bei emma zu bleiben, wenn du diesen part für notwendig hälst, dann musst du auch konsequent genug sein, die hintergründe mehr zu beleuchten. ansonsten lässt du deinen leser mit einem fragezeichen zurück. wieso hat sich emma so gewandelt, welche these hat cornelia dafür? wahrscheinlich wirst du hier jetzt selbst sehen, dass das doch eigentlich gar nichts mit deinem leitgedanken zu tun hat.
wo wir gerade beim informationsmangel sind. du schreibst ganz beiläufig, dass cornelia so geworden ist, weil sie so viele schlechte erfahrungen mit männern gemacht hat. tja, damit weckst du das interesse deines lesers ... und du lässt ihn dann allein. er kann cornelias erfahrungen nicht nachvollziehen.

alles in allem ist der gesamte text inhaltlich überhaupt kein reisser. da ist nichts wirklich interessantes. das, was interessant hätte werden können, verläuft im sand.

erzählstil:
du verwendest ganz viele ausdrücke in deiner geschichte, die nicht wirklich weit verbreitet sind. ich kann als nichtösterreicher jetzt nicht beurteilen, ob es diese ausdrücke alle gibt. ich fühle mich durch sie ein wenig von der leserschaft ausgegrenzt.

(bekriteln, eingeschlichtet, wachelte, gickste, tschik u.v.m) das meiste konnte ich aus dem kontext heraus erraten. aber das ratespiel ist bestimmt nicht intention dieser geschichte. ich wünschte, ich hätte ein gefühl, wie ein österreicher deine geschichte empfindet.
ansonsten versuchst du in dieser geschichte mit deiner erzählweise zu trumpfen. manchmal gelingt dir das, manchmal leider nicht, und es klingt dann einfach zu steif. ein beispiel von wenigen:

Cornelia hatte Tags zuvor davon erfahren, sich deshalb frei genommen, um zumindest für diese kurze Zeit Abstand von den beruflichen Unannehmlichkeiten zu gewinnen.

alles in allem ist diese geschichte leider nicht so der bringer - ich hoffe, du hängst mich jetzt nicht wegen meiner persönlichen meinung :) .

*sorry*

barde


Peinlich betreten blickte Cornelia zur Auslage einer Jeansbutike.

ist das "Jeansbutike" bestandteil der neuen rechtschreibung? falls nicht - dann "Jeansboutique".

Ihr Anstellung in der Datenverarbeitungsfirma stand auf wackeligen Beinen.
"Ihr" >> "Ihre"

"Geh hast a paar Zent für was zum Essen?"

hinter "Geh" ein komma

Frischer Wind wehte aus Klimananlagen

"Klimananlagen" das erste "n" ist zuviel

"Zwölfachtzig, bittee!"

das "bittee" hat nicht zufällig ein "e" zu viel?


Da tust was gutes!"

"gutes" gross

grölte ihr ein in abgerissenen schwarzen Hosen gekleideter Glatzkopf nackten Oberkörpers ins Gesicht.

hinter "abgerissenen" ein komma

Mein Lieblingssatz:

Gemächlich ließ sie die Kleiderhaken klirren, auf welchen die Leibchen ihrer Größe lustlos baumelten.

 

Hallo Maus,

danke fürs Lesen und die Korrekturen. Ich glaub, ich lasse das meiste, werde mir aber noch etwas dazu überlegen.

liebe Grüße

Echna


Lieber Barde,

danke fürs Lesen. Tut mir leid, daß Dir die Geschichte nicht gefallen hat. Ich lasse mir die Punkte durch den Kopf gehen. Die Austrizismen bleiben wie sie sind. Ich denke nicht, daß ich damit Deutsche Leser ausgrenze, da, wie Du geschrieben hast, sie ohnehin zu erraten sind. Ein Ire od. Brite ändert seine Ausdrücke auch nicht, nur weil in Kanada bzw. den USA mehr Leser sind.

Tschik ist natürlich purer Wiener Dialekt, aber ein Schnorrer (Bettler) in Wien wird kaum Hochdeutsch sprechen.

Was die anderen Punkte betrifft, sind die natürlich eine Diskussion wert, zweifelsohne. Ich laß mir da sicher noch etwas durch den Kopf gehen.

Butike ist (leider) Neue Deutsche Rechtsschreibung. Ich schreib ja in der alten und laß meine texte durch ein Konvertierungsprogramm laufen.

Der Nylonstrumpfmann bleibt auch, es ist ein Zufallsereignis im Kaufhaus. Mir gings im Text auch (und eigentlich im Vordergrund) um die Mariahilferstraße.

Warst schon mal in Wien, wenn nicht, unbedingt anschauen, es lohnt sich und wir lieben Euch alle!

nochmals Danke, daß Du die geschichte bis zum Ende erduldet hast,

liebe grüße aus Wien (33°, Möderhitze, sag ich Dir und das anfang Mai, ächz!)

 

Lieber Echnaton! Ich muss sagen, mir hat deine Geschichte eigentlich recht gut gefallen. Du hast das Treiben auf der Marihilferstraße wirklich realistisch beschrieben. Ich, als gebürtige Österreich, kann bestätigen, dass es all diese Ausdrücke wirklich gibt. Die Geschichte ist vielleicht nicht super spannend, aber ich fand sie (gerade durch die kleinen Geschichtln rundherum) eigentlich sehr angenehm zu lesen
lg aus Österreich (mödling, ganz in der Nähe von Wien)

 
Zuletzt bearbeitet:

also - es steht oben auf meiner wunschliste, einmal wien und umgebung. dann werde ich auch noch ein paar besuche mit einbinden *smile*
leider bin ich einfach zu weit weg "tief im westen".
bis dann :)

barde

hier: *regen* :rolleyes:

 

Servus babs,

danke fürs Lesen. Meine Geschichten sind nicht immer spannend. Eigentlich mehr eine Beschreibung von Landschaften, Städten und ihren Bewohnern, natürlich mit Protagonisten drinnen. Mödling, nette Gegend, Gumpoldskirchen , Weeeeiiinnnstraaaassseee (hicks!)

hoffentlich ist das Gewitter bald vorbei

liebe Grüße

Echnaton

 

@Achnaton Ich wei, dass deine Geschichten nicht immer spannend sind. Ich hab das Haus auch schon gelesen. War auch nicht sehr spannend, aber hat mir wirklich gut gefallen. Außerdem sind meine auch nicht sehr spannend, aber ich hab ja auch erst eine geschrieben (und das gestern *gg*) Bin in Gumpoldskirchen übrigens in die Schule gegangen.
lg babsi
PS.: Bei uns hats grad zu regnen aufgehört

 

Hallo Echnaton!

Wieder mal eines Deiner Stimmungsbilder, in die Du kleinhäppchenweise diverse Themen einstreust. Als solches gefällt mir Deine Geschichte ganz gut – sie könnte auch „Cornelias Ersatzbefriedigung“ heißen... ;)
Frustriert, gemobbt, alleingelassen geht sie über die Mariahilfer Straße, verschafft sich Befriedigung durch Einkaufen. Von allem genervt will sie auch gar nicht erkannt werden (und die einnächtige Affäre scheinbar auch nicht...), sie will mit keinem reden, sich nur Befriedigung durch Einkäufe verschaffen, die sie gar nicht benötigt (á la „Ich tu mir was Gutes“). Nur Schnorrer in allen Variationen haben offensichtlich Interesse an ihr (es fehlen noch die, die einen zum Zweck einer Befragung in irgendein Hinterhoflokal locken wollen, wo dann nach Beantwortung der Fragen herauskommt, daß man unbedingt diese spezielle Versicherung braucht...). Originell finde ich insbesondere so manche Geschäftsumbenennung, sowie die Vibratoren im Angebot, wenn man gleich zwei nimmt. :lol:

An sich erzählst Du das alles ganz gut und flüssig wie immer, ich jedenfalls finde, Deine Geschichte läßt sich gut lesen. – Aber wäre es nicht doch auch eine Herausforderung für Dich, mal zu versuchen, so eine Geschichte mit ein bisschen mehr Spannung zu schreiben, sodaß man gespannt auf das Ende ist? Das ist natürlich bloß ein Vorschlag, den ich Dir auch nur mache, weil ich finde, daß Du im Stimmung-Rüberbringen schon ziemlich geübt bist... ;)

du verwendest ganz viele ausdrücke in deiner geschichte, die nicht wirklich weit verbreitet sind. ich kann als nichtösterreicher jetzt nicht beurteilen, ob es diese ausdrücke alle gibt. ich fühle mich durch sie ein wenig von der leserschaft ausgegrenzt.
@Lieber Barde, Du würdest Dich auch weniger ausgegrenzt fühlen, wenn Dir die Ausdrücke weniger fremd wären. ;) – Für ein besseres Verständnis untereinander ist es zumindest meiner Meinung nach nämlich förderlicher, wenn jeder den anderen versteht, als wenn eine Seite sich der anderen völlig anpassen soll – so kann auch jeder seine Eigenheiten behalten. Österreicher haben in der Regel kein Problem, Deutsche zu verstehen – Geschichten wie die von Echnaton könnten Dir aber vielleicht helfen, dieses wertvolle Kulturgut :D verstehen zu lernen... (Überdies ist mit „Tomatenmark“ ohnehin schon ein gewisser Anpassungsfaktor von Echnaton zu bemerken, sonst hätte er „Paradeismark“ geschrieben...:p)

Jetzt hör ich auf, weil ich bin schon ziemlich an der Smilie-Grenze...

Mal mit der Lupe schauen, was sich da sonst noch so findet...

...ah, ja...
»Im Grunde hatte sie nichts bestimmtes vor«
- nichts Bestimmtes

»Zu Beginn schien Emma, trotz ihres harschen Wesens, einigermaßen umgänglich«
- die beiden Beistriche könntest Du einsparen...

»als der Abteilungsleiter den betrieb verließ.«
- Betrieb

»vor allen Mitarbeitern der Abteilung bekriteln konnte.«
- bekritteln

»Eineinhalb Jahre später, trat Udo in ihr Leben.«
- ohne Beistrich

»Zerstreuen, vergessen, für einen Tag lang an nichts denken, war ihr Ziel.«
- fände es schöner mit einem „und“ zwischen „Zerstreuen“ und „vergessen“

»Aus diesem Grunde verbrachte Cornelia ihren freien Tag in der Mariahilferstraße.«
- auf der Mariahilfer Straße (ähm, auch im Titel ist es falsch...)

»Das Eurocenter musste umgewandelt werden. Ein runder Bau von unbeschreiblicher Schmucklosigkeit hatte wieder einmal umgewidmet zu werden. Verschiedenste Firmen hatten schon an dem hässlichen Klotz herumgedoktert.«
- Du meinst das Stafa-Haus? ;)
- „musste umgewandelt werden“ und „hatte wieder einmal umgewidmet zu werden“ sagt irgendwie so ziemlich dasselbe aus und klingt obendrein wie eine Wortwiederholung – vielleicht kannst Du das komprimierter formulieren?

»Das unscheinbare, bleiche Mädchen hatte sich aus der im rhythmischen Strome fließenden Masse«
- „in rhythmischem Strome“, würd ich sagen ;-)

»Gleichgültig registrierte die ein wenig unwillig gelangweilt wirkende Verkäuferin«
- ein „und“ zwischen „unwillig“ und „gelangweilt“ würde sich glaub ich ganz gut machen

»Ihre kleine Wohnung war voll gestopft«
- vollgestopft

»Auf diese Weise konnte sie ihre panische Angst alles zu verlieren, ein wenig bändigen.«
- Angst, alles

»Hing ihre Anstellung Emmas wegen doch an einem seidenen Faden.«
- „Emmas wegen“ ist zwar grammatikalisch richtig, ich finde nur, es klingt recht seltsam – besser fände ich „wegen Emma“

»„Hallo du, willst du etwas für die Umwelt tun?". Cornelia ...«
- der Punkt ist da sehr verloren, nach der direkten Rede

»Kopfschüttelnd setzte Cornelia zur Fortsetzung ihres Bummels an, als ihr der Jüngling in den Weg trat.«
- das klingt irgendwie so brutal, so wie „in den Bauch trat“ oder ähnliches...

»Jedes mal, wenn sie sich vorstellen konnte«
- entweder zusammen: „Jedesmal“ – oder „Jedes Mal“

»Menschen, lehrte sie ihre Erfahrung, seien Wölfe, man nähere sich ihnen nur zaghaft und mit größter Vorsicht.«
- der Satz würde sich meiner Ansicht nach so besser lesen: Menschen seien Wölfe, lehrte sie ihre Erfahrung – eventuell würd ich hier sogar einen neuen Satz beginnen („Man ...“)

»vom Lärm der Kraftwägen und der Lautsprecher.«
- das zweite „der“ könntest Du weglassen

Alles liebe,
Susi :)

 

Servus Häferl,

danke fürs Lesen, die Fehlerfindung und die ausführliche Kritik. Ich fand die Mariahilfer so was von einem Eigennamen, Unikat, daß ichs zsammgschrieben hab. Den Titel´kann ich ja nicht ändern... Wurscht. Der Form wegen in der Geschichte geändert.

Es muß ja nicht immer alles spannend sein.

es fehlen noch die, die einen zum Zweck einer Befragung in irgendein Hinterhoflokal locken wollen, wo dann nach Beantwortung der Fragen herauskommt, daß man unbedingt diese spezielle Versicherung braucht

Um die mach ich einen Riesenbogen!!! Wenn da jemand mit dem Mapperl auf der Mariahilfer steht, geh ich schon im Zickzack. Ein, zwei Mal bin ich mitgegangen, das war allerdings wirklich Marktforschung. Da habm's ma dann ekelhaftes Popkorn (mit Honiggeschmack, pfui Deibel), bzw. einen Käseriegel mitgegeben. Das Zeug war nicht zum Fressen...

Ein paar Sachen hab ich belassen. Weiß noch nicht, ob ich das ändern werde, eilt ja nicht.

"als ihr der Jüngling in den Weg trat"

Das laß ich auf jeden Fall. Die können ziemlich ungut werden, wie alle Keiler, die sich in der Stadt herumtreiben....

Ich hasse diese Keilerei wie die Pest, vor allem sind manche dann aggressiv, wenn man ablehnt, hab ich schon erlebt.

Danke nochmals,

Echna

 

Hallo Echnaton!

Hm, jetzt weiß ich ja, um welche Leute, sollte ich je nach Wien kommen, ich einen Bogen machen werde... aber das Popcorn war bestimmt nicht zum essen, sondern um die nächsten Mappen-Typen zu bewerfen :teach: damit du dich wehren kannst.

Der Titel gefiel mir nicht - eigentlich sind die meisten Ein-Wort-Titel nichts aussagend -, die Geschichte allerdings gut, v.a. weil es ein seltenes Thema ist. Sie ist auch gut nachvollziehbar. Die Sprache ist teils originell, teils zu steif. "Beate Muhse" ist jedoch einfach nur :rotfl:

Mfg
xka

P.S.: "Butike" ist fast so schlimm wie "Ketschup" - wenn schon eingedeutscht, dann bitte ganz, nicht halb - sieht ja widerlich aus!

 

Ich hasse diese Keilerei wie die Pest, vor allem sind manche dann aggressiv, wenn man ablehnt, hab ich schon erlebt.
Du mußt nur mit einem schnellen Auge erfassen, von welcher Organisation die sind. Dann sagst Du dem Keiler einfach mit einem freundlichen Lächeln: "Für ... zahl ich schon seit einem Jahr regelmäßig!" - Dann lächelt er zurück und macht Dir den Weg frei. ;)

P.S.: "Butike" ist fast so schlimm wie "Ketschup" - wenn schon eingedeutscht, dann bitte ganz, nicht halb - sieht ja widerlich aus!
Ich hab auch erschrocken nachgeschaut - steht aber tatsächlich so im Duden...:shy:

 

Hallo nochmal, Echnaton!

"als ihr der Jüngling in den Weg trat"

Das laß ich auf jeden Fall. Die können ziemlich ungut werden, wie alle Keiler, die sich in der Stadt herumtreiben....

Also hast Du es eh genauso brutal gemeint, wie Du es formuliert hast - ich war mir nicht sicher... ;)


Hast Du eigentlich gewußt, ...
... daß unterm Stafa-Haus seit der Erbauung (Eröffnung 1911) pro Minute 970 Liter Wasser abgepumpt werden, weil da Quellen drunter sind? Sollte man es nicht doch niederreißen und die Mariahilfer Straße samt dem Gürtel überfluten...? :lol:

Alles liebe,
Susi :)

 

Sollte man es nicht doch niederreißen und die Mariahilfer Straße samt dem Gürtel überfluten...?

Nein, bitte nicht!!!!! Dazu lieb ich die Gegend zu sehr. Nicht den Gürtel, aber so 4.,5.,6.,7. meine absolute Lieblingsgegend. So urban....

Einen Park mit Teich könnte man machen, das wär was!!

 

Hallo Echnaton

Das Treiben der Mariahilfer durch die Augen einer Aussenseiterin.Ich bin selbst schon oft durch die MAriahilfer gegangen, immer mit meinen starren zielen vor augen. Da musst erst du kommen und mir in der Geschichte beschreiben was ich übersehen hab ;)
sonst gibt für mich darüber nicht viel zu sagen was nicht schon oben gesagt wurde.

nur eine Frage:

Das Eurocenter musste umgewandelt werden. Ein runder Bau von unbeschreiblicher Schmucklosigkeit. Verschiedenste Firmen hatten schon an dem hässlichen Klotz herumgedoktert. Nach jeder verheißungsvollen Verwandlung war ein Allerweltseinkaufszentrum daraus geworden, in welchem Allerweltsgeschäfte, Allerweltswaren feilboten.

soll das heissen, das es nach jedem Umbau wieder ein solches Einkaufscenter war, oder nach vielen Umbauten schlussendlich zu einem solchen geworden ist? Das war mir nicht ganz klar.

Heli

 

Hallo porcupine,

danke fürs Lesen. Das Stafa-Haus war immer ein Einkaufszentrum...

 

Was ich eben in Peter Wehles "Sprechen Sie Wienerisch" gefunden hab: Butik - ohne e. Du kannst es also auch so schreiben. ;)

 

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