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Müllplatzdienst
eine kleine Geschichte von Medsmiley
Es war kühl, der Wind jagte heulend die Blätter zwischen den Internatshäusern auf. Katharinas Haus hatte mal wieder Müllplatzdienst. Dick eingemummelt trat sie aus dem Haus und ging in Richtung des Müllplatzes- sie war dran. Sie hatte sich eine andere Zeit ausgesucht, aber Frieda hatte das einfach geändert. Katharina fand das total doof, aber sie hatte nichts dagegen getan. Was denn auch?
Sie fror etwas im Gesicht, aber das war nicht weiter schlimm, denn es kamen wenigstens kaum welche, die ihren Müll wegbrachten. Katharina redete nicht gerne. Sie war verschlossen und schüchtern und schnell zu beeindrucken. Deshalb hasste sie diese Aufgabe, da sie lieber selber den Müll wegräumte, den die anderen nicht ordentlich weggebracht hatten.
Am Anfang ging es noch gut, aber zur Hälfte der Zeit kam dann das, was sie auf keine Fälle haben hatte wollen: Kai kam und brachte seinen Müll weg... Er erblickte Katharina und grinste dann bösartig. Langsam kam er auf sie zu und pfefferte ihr den gelben Sack so hart vor die Füße, dass dieser aufplatzte und sich sein Inhalt auf dem Boden rundherum verteilte. Er deutete auf das Durcheinander und befahl ihr, alles aufzusammeln. Seufzend bückte sie sich und begann mit der Arbeit.
Sie sammelte alles gehorsam auf, doch in ihrer Würde war sie tief getroffen. Das sie sich das, von Kai anhören musste. Wie er sie immer noch auslachte und immer noch keine Luft bekam. Sie wünschte sich, dass er am Lachen ersticken möge.
Als sie die Aufgabe endlich erfüllt hatte, war es Kai leider noch nicht genug mit der Quälerei. Er grinste böse und sagte mit einer finsteren Gangsterstimme nur, er komme wieder. Na toll.
Jetzt fing es auch noch an zu regnen. Als ob der Wind und die Tatsache, dass sie Mülldienst hatte ihr nicht schon genügen, hatte Katharina nun auch noch Mülldienst bei Wind und Regen. Grrrrrrrr...
Und da war er schon wieder. Diesmal hatte er seine Jungs bei sich, seine Getreuen, seine Jünger. Fünf bescheuerte Jungs, die Katharina allesamt zwei Säcke Müll vor die Füße pfefferten und von ihr verlangten, sie wegzubringen.
In Katharina brodelte es vor Wut. Kai und seine Leute gingen ihr langsam aber sicher auf die Nerven und das Lachen der anderen um sie herum steuerte nicht gerade zu einer Besserung ihrer Laune bei. Langsam bückte sie sich, was konnte sie schon gegen diesen bescheuerten Obermacho machen?
Da schubste Kai sie. Katharina landete genau in einer riesigen Matschpfütze und ihre frischen und vor allem neuen Klamotten saugten sich mit der eiskalten Dreckbrühe voll. Jetzt zitterte sie vor Wut. Zwei Jahre hatte sie sich nun schon von Kai mobben und herumschubsen lassen. Es reichte.
Unter brüllendem Gelächter seitens der Jungs mühte Katharina sich auf. Als sie sich Kai zuwandte und er sie erneut schubsen wollte lief das Fass in Katharinas Inneren endgültig über: gewaltsam rammte sie Kai ihr Knie in seine Heiligkeiten.
Er stolperte mit vor Schmerz und Überraschung verzerrtem Gesicht zurück gegen die nächste Mülltonne. Seine Jünger stürzten auf Katharina doch sie hatte alles im Griff. Ein tritt hier, ein Kinnhaken da und ein Ellebogen im Bauch dort. Die Jungs wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Da verprügelte sie doch allen Ernstes dieses kleine schüchterne MÄDCHEN, dass sich im Unterricht noch nicht mal traute, zu fragen, ob sie auf Toilette gehen könne. Das durfte doch alles nicht wahr sein.
Als sie sich endlich alle wieder aufgerichtet hatte, spuckte Katharina heftig vor ihnen aus und rief ihnen mit unbekannt lauter Stimme zu, dass sie sich das kleine süße Schneckchen von nun an in ihren Allerwertesten stecken können und das sie es nie, nie wieder wagen sollten, sie dermaßen zu demütigen. Dieser Streich an der kleinen Streberin machte eine ganz und gar nicht gute Wendung für Kai und seine Jungs.
Jetzt waren sie die dummen Jungs. Wie konnte das nur geschehen? Eben noch waren sie die angesagtesten Jungs der Schule und nun waren sie kleine, dreckige Jungs auf einem Müllplatz zu Füßen eines Mädchens, dass sie soeben verhauen hatte. Das würde ihre Welt von nun an für immer verändern!
Die Zeit verging und Katharina verschaffte sich gehörig Respekt und nicht nur bei Kai und seinen Jüngern. Auch die anderen Schüler hatten den Gesinnungswechsel von ihr mitbekommen. Nun wurde sie nicht mehr gehänselt oder dergleichen, jetzt betrachtete man sie mit Respekt und ging mit ihr wie mit allen anderen um. Doch Kai und seine Leute wollten es nicht richtig eingestehen und ärgerten sie anfangs wo es ihnen möglich war, allerdings wurden sie deshalb von den anderen ausgeschlossen und mit Verachtung gestraft. Ab da beachteten sie Katharina einfach nicht mehr. Aber Rache wollten sie haben, Katharina sollte ordentlich bezahlen...