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Liebe geht nicht nur durch den Magen
Liebe geht nicht nur durch den Magen,
Es ist mindestens der sechste Fußtritt, der sie in der Magengegend heimsucht. Nach den Faustschlägen in die Nieren und ins Gesicht, diese haben sie letztendlich zu Fall gebracht, eine Wohltat. Zudem lassen sich die Tritte, Schläge und Beschimpfungen auf dem weichen Teppich liegend besser ertragen.
„Irgendwann wird er müde, er ist betrunken. Ich hätte ihn nicht provozieren sollen, ihn gar nicht erst ansprechen sollen.
Morgen, wenn er mich nach dem Aufwachen sehen wird, wird er sich erschrecken.
Er wird von nichts wissen.
Wie immer.
Filmriss.
Der Alkohol.
Und dann tut es ihm immer so leid... so leid, dass er erst einmal ein Bierchen braucht, um es verdauen zu können.
Aber er wird bald aufhören, die Tritte und Schläge haben schon an Gewalt nachgelassen. Ich spür’s, irgendwie.
Der Alkohol raubt ihm die Ausdauer. Mal was Gutes.
Nüchtern ist er nie zu bremsen, da habe ich dann immer das Vergnügen, das „volle und intensive Programm“ hautnah erleben zu dürfen. Aber heute, heute ist er betrunken. Gott sei Dank.“
Mittlerweile hat er seinen Gürtel gezogen, der sonst seine Breitarschjeans an seinem Bierfass-Körper hält und prügelt schimpfend wahllos auf sie ein.
Sie liegt wimmernd auf dem Teppich, ihr Körper zuckt unter den harten Aufschlägen des Gürtels.
Sie erträgt es einfach.
Mit den Armen schützt sie ihr Gesicht.
In zwei Tagen muss sie wieder zur Arbeit.
An die Kasse im Supermarkt.
„Was geht mir die hässliche Alte auf’n Keks. Immer was zu meckern und zu nölen die bekloppte, dumme Kuh. Pah, wie sie da liegt, wimmert und sabbert, widerlich, einfach ekelhaft. Zu nichts zu gebrauchen, diese widerliche alte Fotze. Erbärmlich, nur erbärmlich...“
Er schlägt unbeirrbar weiter. Die Intervalle werden allerdings langsam länger.
Er spürt eine absolute, kurzatmige Zufriedenheit.
„Seine Ausdauer.
Bald wird seine promillehaltige Ausdauer ihn zum Aufhören zwingen.
Hoffentlich hören die Nachbarn nichts.
Er sollte nicht so laut schimpfen.
Ich hätte die Musik aufdrehen sollen.
...
Es tut schon lange nicht mehr wirklich weh, seitdem ich auf dem Boden liege, spüre ich beinahe nichts mehr.
Ich hör’ nur die Geräusche.
Es sind grausame Geräusche.
Ich wünschte, ich wäre taub.
Ich bin so müde. Bald kann ich ins Bett. Seine Ausdauer.
Bald wird er nicht mehr können.
Er wird sich dann erschöpft, verschwitzt und außer Atem in seinen Sessel fallen und sich von mir ein kühles, erfrischendes Pils servieren lassen.
Während er sich dann erholt, werde ich mich im Bad ein wenig aufpäppeln.
Damit er morgen früh nicht so erschrickt.
Ich bin so müde.
Aber seine Ausdauer, seine Ausdauer.“
Langsam aber sicher verliert er die Lust auf sie einzudreschen.
Er schlägt den Gürtel schon mit links, sein rechter Arm hat keine Kraft mehr.
„Ich könnt’ jetzt gut ’n Pils vertragen, kann die Alte sich doch noch nützlich machen. Wie kann sie sich auch immer nur so gehen lassen die törichte Gans. Hätte sie doch einfach ihr dummes, verlogenes Maul gehalten. Sie wollte es ja nicht anders, immerzu muss sie einen provozieren, blödes Weibsbild! Unbelehrbar!
...
Ich kann nicht mehr. Ich brauch’n Pils, ’n kühles, erfrischendes Pils.“