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Liebe geht nicht nur durch den Magen

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30.03.2003
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Liebe geht nicht nur durch den Magen

Liebe geht nicht nur durch den Magen,

Es ist mindestens der sechste Fußtritt, der sie in der Magengegend heimsucht. Nach den Faustschlägen in die Nieren und ins Gesicht, diese haben sie letztendlich zu Fall gebracht, eine Wohltat. Zudem lassen sich die Tritte, Schläge und Beschimpfungen auf dem weichen Teppich liegend besser ertragen.

„Irgendwann wird er müde, er ist betrunken. Ich hätte ihn nicht provozieren sollen, ihn gar nicht erst ansprechen sollen.
Morgen, wenn er mich nach dem Aufwachen sehen wird, wird er sich erschrecken.
Er wird von nichts wissen.
Wie immer.
Filmriss.
Der Alkohol.
Und dann tut es ihm immer so leid... so leid, dass er erst einmal ein Bierchen braucht, um es verdauen zu können.
Aber er wird bald aufhören, die Tritte und Schläge haben schon an Gewalt nachgelassen. Ich spür’s, irgendwie.
Der Alkohol raubt ihm die Ausdauer. Mal was Gutes.
Nüchtern ist er nie zu bremsen, da habe ich dann immer das Vergnügen, das „volle und intensive Programm“ hautnah erleben zu dürfen. Aber heute, heute ist er betrunken. Gott sei Dank.“

Mittlerweile hat er seinen Gürtel gezogen, der sonst seine Breitarschjeans an seinem Bierfass-Körper hält und prügelt schimpfend wahllos auf sie ein.
Sie liegt wimmernd auf dem Teppich, ihr Körper zuckt unter den harten Aufschlägen des Gürtels.
Sie erträgt es einfach.
Mit den Armen schützt sie ihr Gesicht.
In zwei Tagen muss sie wieder zur Arbeit.
An die Kasse im Supermarkt.

„Was geht mir die hässliche Alte auf’n Keks. Immer was zu meckern und zu nölen die bekloppte, dumme Kuh. Pah, wie sie da liegt, wimmert und sabbert, widerlich, einfach ekelhaft. Zu nichts zu gebrauchen, diese widerliche alte Fotze. Erbärmlich, nur erbärmlich...“

Er schlägt unbeirrbar weiter. Die Intervalle werden allerdings langsam länger.
Er spürt eine absolute, kurzatmige Zufriedenheit.

„Seine Ausdauer.
Bald wird seine promillehaltige Ausdauer ihn zum Aufhören zwingen.
Hoffentlich hören die Nachbarn nichts.
Er sollte nicht so laut schimpfen.
Ich hätte die Musik aufdrehen sollen.
...
Es tut schon lange nicht mehr wirklich weh, seitdem ich auf dem Boden liege, spüre ich beinahe nichts mehr.
Ich hör’ nur die Geräusche.
Es sind grausame Geräusche.
Ich wünschte, ich wäre taub.
Ich bin so müde. Bald kann ich ins Bett. Seine Ausdauer.
Bald wird er nicht mehr können.
Er wird sich dann erschöpft, verschwitzt und außer Atem in seinen Sessel fallen und sich von mir ein kühles, erfrischendes Pils servieren lassen.
Während er sich dann erholt, werde ich mich im Bad ein wenig aufpäppeln.
Damit er morgen früh nicht so erschrickt.
Ich bin so müde.
Aber seine Ausdauer, seine Ausdauer.“

Langsam aber sicher verliert er die Lust auf sie einzudreschen.
Er schlägt den Gürtel schon mit links, sein rechter Arm hat keine Kraft mehr.

„Ich könnt’ jetzt gut ’n Pils vertragen, kann die Alte sich doch noch nützlich machen. Wie kann sie sich auch immer nur so gehen lassen die törichte Gans. Hätte sie doch einfach ihr dummes, verlogenes Maul gehalten. Sie wollte es ja nicht anders, immerzu muss sie einen provozieren, blödes Weibsbild! Unbelehrbar!
...
Ich kann nicht mehr. Ich brauch’n Pils, ’n kühles, erfrischendes Pils.“

 

hi tanjabakenhus!
deine geschichte hat mir gut gefallen, auch wenn der inhalt eher traurig ist! du beschreibst die szene wirklich sehr gut, kompliment, man wird richtig in die geschichte mit rein gezogen.
weiter so
mfg onida

 

Hallo,

mir hat deine Geschichte auch sehr gut gefallen. Hab nix dran auszusetzen, bin aber auch noch kein Profi, was das Kritikenschreiben angeht. Toll gemacht!

Viele Grüße, rolligirl

 
Zuletzt bearbeitet:

Hallo Onida! Hallo Rolligirl!
Vielen Dank für Eure Kritik.
Gruß Tanja

 

Hallo Tanja!

Trotz ihres Inhalts hat mir die Geschichte gefallen. Die Struktur - immer abwechselnd Beschreibung des Geschehens und Aussage - unterstützt die Lesbarkeit, ebenso die vielen Absätze.
Der Perspektivwechsel ist interessant, da beide Seiten beleuchtet werden - die aktive, handelnde, aber gleichgültige des Mannes im Gegensatz zu der passivenden, nachdenklichen, leidenden der Frau.
Zwar kann ich beide nicht wirklich nachvollziehen, für viele Frauen ist diese Situation aber wohl traurige Realität.

Eventuell könntest du die Geschichte noch mit ein paar Hintergründen - Vorgeschichte bzw. Vorausdeutungen in die Zukunft - erweitern.

Mfg
xka

 

hi tanja,

interessantes thema, die frau als opfer - wie sie sich ihrem schicksal ergibt, wie sie das geschlagen werden in ihren alltag aufnimmt.

schön erzählte geschichte. du hast einen leichten und guten erzählstil.
das einzige, was ich hier etwas bemängel, ist ein deutlicher wechsel der perspektive.

die ganze geschichte war von anfang an aus der sicht der frau geschrieben. du hast den perspektivenwechsel zum mann geschickt mit wörtlicher rede gelöst.
hier aber nicht:

Sie liegt wimmernd auf dem Teppich, ihr Körper zuckt unter den harten Aufschlägen des Gürtels.

das könntest du vielleicht auch in wörtliche rede fassen, und es dem mann sprechen lassen.

trotzdem - gut gemacht!

bis dann

barde

 

Hallo xkaxre, Hallo Barde,
freut mich, dass Euch die Kg gefällt.

Dein Vorschlag, xkaxre, die Geschichte eventuell zu erweitern habe ich sorgfältig überlegt, bin aber zu dem Entschluss gekommen, dass ich Hintergrund, Vorausdeutungen etc. der Phantasie der Leser überlassen möchte...

Deine Anregung, barde, werde ich wohl aufgreifen, überlege allerdings noch, wie ich es umsetzen werde.

Mfg
tanja

 

Hallo tanjabakenhus!
Kann mich den anderen Kommentatoren nur anschließen.
Gut erzählt, da kommt mir echt die Wut hoch wenn ich daran denke das es die Realität ist.

Gruß Ulrike

 

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