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Ladies Night

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05.07.2003
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Ladies Night

Laszlo war ein Bild von einem Mann. Schön wie Markus Schenkenberg mit seinen wilden dunklen Augen, markanten Wangenknochen und dem Körper eines Beach-Volleyballers unter seinem dünnen weißen Hemd. Seit er die Bar betreten hatte, zog er meinen Blick an wie ein Magnet die Eisenspäne.
„Lass die Finger von ihm!“, sagte meine Freundin Dorit und fischte die Kirsche aus ihrem Cocktail.
„Warum?“, fragte ich.
„Er sieht aus, als ob er gern in fremden Revieren wildert.“
„Dass das nicht Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer ist, sehe ich selbst - frau kann schließlich nicht alles haben.“
„... was sie aber nicht daran hindert, alles zu wollen“, ergänzte Dorit. „Jedenfalls will ich dich nicht heulend auf dem Sofa sitzen haben, wenn ich es selbst brauche, um darauf den Philosophie-Dozenten von der Fete neulich zu verführen.“
„Du mit deinen Eierköpfen!“
„Du mit deinen Pin-up-Boys!“, giftelte Dorit zurück, rutschte vom Barhocker und griff nach ihrer kosmetischen Erste-Hilfe-Tasche. „Kommst du mit?“
Ich schüttelte den Kopf. Die Zeiten des Kollektiv-Kicherns auf dem Mädchenklo waren vorbei, und außerdem hatte ich Wichtigeres zu tun...

Dorit hatte recht, ich hätte es nur anders ausgedrückt. Seit jeher fasziniert mich die Ästhetik eines wohlgestalteten Männerkörpers. Oft schon stand ich in selbstvergessener Bewunderung vor antiken Torsi von Athletenkörpern und ließ meinen Blick von den muskulösen Marmorschultern über die sanft gewölbte Brust und die Wellenfläche des Bauches abwärts gleiten... und oft wurde ich enttäuscht, denn irgendwann in irgendeiner Epoche hatten marodierende Hunnen, eifernde Gottesmänner oder einfach nur eifersüchtige Geschlechtsgenossen den entmannenden Meißel angesetzt. Wenn meine Freundinnen hartnäckig insistierten, dass innere Werte die wahre Qualität eines Mannes ausmachten, konterte ich, dass der reine Materialwert eines Mannes wenige Euro betragen würde, eventuelle Gold-Inlays in Zähnen oder Titanschrauben in Knochen nicht eingerechnet.

Jedenfalls sah der Mann an der gegenüberliegenden Seite der Bar nicht so aus, als wären bei ihm schon nennenswerte Ersatzteile montiert worden. Ich stützte den Ellenbogen auf die Theke und zog mir scheinbar gedankenverloren die Haare vors Gesicht, um ihn besser beobachten zu können und den Moment nicht zu verpassen... Den Blick zur Seite gewandt, hörte er dem Kerl, mit dem er gekommen war, aufmerksam zu. Ohne hinzusehen griff er nach seinem Cocktail, trank einen Schluck und stellte das Glas zurück. Seine Wangen wölbten sich nach innen, als er zum letzten Mal an seinem Zigarillo sog, bevor er sich zur Bar drehte und es im Aschenbecher ausdrückte – und dann sah er hoch. Unsere Blicke trafen sich, verhedderten sich einen Lidschlag lang, dann schlug ich die Augen nieder und senkte die eine Schulter ein wenig, gerade genug, um den schmalen Träger meines Shirts herunterrutschen zu lassen - scheinbar zufällig und ganz unschuldig und doch viel subtiler und effektvoller als der kürzeste Rock oder das tiefste Dekolletee je wirken könnten.

Einen Moment lang wartete ich, dann streichelte ich den Träger langsam auf meine Schulter zurück und nahm wieder Blickkontakt auf. Er schluckte, die Augen verengt. Der erste Adrenalinstoß schien seinen Kreislauf zu dopen. Immer noch redete der andere auf ihn ein, doch der schwarze Kater mir gegenüber hörte kaum noch zu. Er hatte Witterung aufgenommen...

Der Zufall sprang mir bei, denn der syltgebräunte Sugar-Daddy neben mir, der seinen Barhocker mit der Stetigkeit einer Gletscherendmoräne immer näher an mich herangeschoben hatte, nutzte meine temporäre Verlassenheit, um mir etwas zu trinken anzubieten, nicht ohne den Schlüssel seines Edelbleches demonstrativ auf der Theke klimpern zu lassen. Ich schickte einen kurzen Blick in Richtung meiner Zielperson und vergewisserte mich, dass diese die beobachtete Annäherung mit düsterem Brauen-Zusammenziehen quittierte, dann schob ich mich von meinem Hocker und schlenderte betont unschlüssig zum anderen Ende der Bar.

Ich hoffe, das überraschte Gesicht gelang mir, als Laszlo mich ansprach.
„Auf der Suche nach einer neuen Heimat?“, fragte er und schob seinen Begleiter mit einem foulverdächtigen Rippenstoß zur Seite, um Platz für mich zu schaffen. Aus den Augenwinkeln sah ich Dorit, wie sie gespielt genervt die Augen verdrehte, und zeigte ihr verstohlen meine zum siegreichen V gespreizten Finger.
„Ich heiße übrigens Laszlo“, sagte er. „Mit s und z. Wie Salz und Zucker.“
„Und was ist mit Pfeffer?“, fragte ich, und er taxierte mich kurz mit diesen schmalen, leicht schräg gestellten Augen und lachte.

Die Frage „Zu dir oder zu mir?“ stellte sich nicht wirklich. Männer sind fast immer bereit, sich in die Höhle ihrer vermeintlichen Beute locken zu lassen. Wahrscheinlich erhoffen sie sich frischere Bettwäsche und ein opulenteres Frühstück – oder sie sind froh darüber, im Katastrophenfall spurlos verschwinden zu können. Jedenfalls machte Laszlo unaufgefordert den Motor aus und zog den Zündschlüssel ab, als wir drei Stunden später vor meiner Haustür ankamen. Aber ich vergab ihm diese männliche Selbstherrlichkeit.

Wir küssten uns, während ich ohne hinzusehen den Hausschlüssel ins Schloss fummelte, wir knutschten die Treppe hoch, seine Finger schienen überall zu sein, als ich meine Wohnungstür öffnete. Doch kaum hatte er sie mit einem Fußtritt hinter uns geschlossen, hielt ich seine Hände fest. Schließlich musste ich meinen klaren Kopf bewahren – zumindest vorerst.
„It’s ladies night“, sagte ich und pustete zart in seinen Hemdausschnitt. Er sah mich fragend an. „Lass mich nur machen“, antwortete ich lächelnd und tastete nach seinem Reißverschluss...

Das Spiel schien ihm zu gefallen, denn er ließ sich bereitwillig ins Schlafzimmer und aufs Bett schubsen, kaum dass ich seinen Luxuskörper von Hemd und Jeans befreit hatte. Die Hände unter dem Kopf verschränkt, lag er da und ließ seine Glimmeraugen über mich wandern, wie ich mich aus Shirt und Rock schlängelte und dabei meine Schenkel streichelte.
„Hexe“, formten seine Lippen tonlos. Ich blies ihm einen Luftkuss zu.
„Genieße es!“, flüsterte ich und kniete mich über ihn. Laszlo hielt die Augen geschlossen, sein Atem ging schnell. Ganz langsam beugte ich mich zu ihm. Ich küsste seine Schläfe, seine Wangenknochen, zeichnete mit der Zungenspitze die Kontur seines Mundes nach. Laszlo seufzte tief und legte den Kopf zurück, während meine Lippen über seinen Hals und tiefer glitten. Sanft wie eine Katze rieb ich meine Wange an seinem Bauch, dessen Muskeln sich anspannten wie eine Bogensehne – und dann richtete ich mich auf.

Laszlo gab einen Laut von sich, als hätte er Schmerzen.
„Hör nicht auf!“, flüsterte er gepresst. Ich lächelte; schließlich hatte ich gerade erst angefangen.
„Ich denke nicht dran!“, sagte ich leise. Die Zungenspitze zwischen die Lippen geschoben, fuhr ich unter den Bund seines Slips, den ich langsam herunterzog.

Er war perfekt – ganz so, wie ich es erwartet hatte: genau richtig in jeder Dimension, gerade gewachsen, nicht zu wuchtig an der Wurzel und gut aufgeformt an der Spitze; die gleichen Kriterien, die auch für einen ordentlichen Christbaum gelten, wie Dorit einmal festzustellen beliebte.
„Wunderschön!“, hauchte ich und küsste ihn sanft, bevor ich meine Lippen darum schloss...

Laszlo lag zusammengerollt auf der Seite, den Kopf in den Armen verborgen. Noch immer ging sein Atem stoßweise. Ich streichelte sein zerwühltes Haar, küsste seine schweißnasse Schulter und zog fürsorglich die Decke über ihn, bevor ich vom Bett aufstand. Er würde seine Zeit brauchen, um nach diesem Gipfelsturm wieder zu sich zu kommen und bereit zu sein für den nächsten Höhenflug, und das kam mir nur gelegen. Es dauerte etwas, die Abdruckmasse anzurühren und auf Körpertemperatur zu erwärmen; und das Material würde einige Minuten brauchen, um am Objekt auszuhärten. Doch das würde er durchstehen, da war ich mir sicher, denn den Überschuss an Lust und Libido hatte ich in der ersten Runde im wahrsten Sinn absorbiert.

*****

Zufrieden lehne ich mich zurück und wische meine Hände ab. Ja, das Artefakt eines harten Fakts ist mir gut gelungen. Laszlo war zwar überrascht gewesen über meine Aktion, doch hatte er die damit verbundenen Sinnesreize durchaus erregend gefunden: meine Hände, die seinen Schwanz liebevoll mit warmem Öl salbten, damit die Haut nicht festklebte, meine Zungenspitze, die Ornamente auf seine Brust malte, um ihn im Standby-Modus zu halten, der sanfte Zug des fest werdenden Gipses... Jedenfalls hatte ich den Abdruck gerade noch retten können, ehe er über mich herfiel...

Ein letztes Mal ziehe ich das Schleifpapier über die Nahtstelle, an der die beiden Abgusshälften aufeinander treffen. Irgendwann einmal werde ich meine Kollektion der Allgemeinheit zur Verfügung stellen: dem Museum of Modern Art, dem Senckenberg-Museum für Naturkunde oder wem auch immer. Vielleicht werden auch irgendwann Archäologen meine Sammlung aus den Trümmern unserer Zivilisation klauben. „Modelle des humanen Phallus aus dem Beginn des dritten Jahrtausends“. Staunend werden unsere genetischen Nachfolger, die die Paarung ihrer Chromosomen längst in der Petrischale vollziehen, vor den Panzerglasvitrinen stehen und sich verstohlen in die Rudimente ihres Gemächtes greifen. Doch bis dahin ist noch ein langer Weg.

Die Abendsonne, die meine Kollektion auf der Fensterbank bis jetzt bronziert hat, ist unter den Horizont abgetaucht. Es ist der letzte Tag des April – Walpurgisnacht.
„Oh yes, it's ladies night, and it feels alright, oh yes, it's ladies night, oh, what a night!”, summe ich vergnügt. Salsa-Party ist in meinem Lieblingsclub angesagt, es wird Zeit, dass ich mich optisch hochrüste. Andere Väter haben schließlich auch noch schöne Söhne...

 
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hmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm

Zunächst einmal ganz deutlich: ich habe mich über die Geschichte königlich amüsiert. Einige Haken wurden schon angesprochen. Aber sie ist locker flockig geschrieben und stellt die Personen witzig und plastisch dar. Wie Du schon sagst, Chica, es ist eine Chill-dingsbums, also eine Setz-dich-in-die-Ecke-und-lies-amüsiert-und-entspann-dich-Geschichte.

Was die Diskussion um Moral, Ethik und Psychologie angeht, weiß ich nicht, ob ich auch hier schmunzeln oder eher die Stirn runzeln soll. Vielleicht ein paar dreiste Gedanken:

1. Ich denke schon, daß ein Geschichtenschreiber/Autor Verantwortung für seine Geschichten trägt. Das muß seine Phantasien aber nur da beschränken, wo wirklich Gewalt oder Menschenverachtung u.ä. verherrlicht werden. (Auf einem anderen Server gab es mal Geschichten, die die Sklavenhaltung eines Menschen verherrlichten.) Da muß zumindest die Frage nach der Verantwortung für das geschriebene Wort erlaubt sein. Das betrifft in meinem Augen aber sicher nicht so eine schöne Chill-dingsbums-Story.

2. Was das Jagen und Gejagtwerden angeht, so ist das doch durchaus eine erfrischende Variante. Halt - ich möchte mich nicht zum Freiwild erklären, aber das Jagen und das Gejagtwerden ist an sich schon ein durchaus spannender und interessanter Zeitvertreib, auch wenn es nicht bis in die Horitontale reicht. Und man kann beim Flirten durchaus und gerade sehr respektvoll und achtsam mit einem anderen Menschen umgehen! Und die umgekehrte Rollenverteilung mag dem ein oder anderen Mann vielleicht aufstoßen, aber hat durchaus auch ihre Reize. Zumal in sehr vielen Fällen ohnehin die Frau die Annäherung steuert, was halt nur nicht bewußt ist oder auffallen darf...

3. Das menschliche Handeln läßt sich sicherlich in bestimmten Strukturen beschreiben, die zwar erschreckend sein mögen, aber bei genauerer Betrachtung eigentlich sehr vieles erklären können. Dummerweise darf aber auch ein Psychologe die Neugier am Menschen nicht verlieren, denn es gibt eben nicht nur Neurotiker, Manische etc. sondern ach so viele komplexe Grauzonen-Normalos, die das Leben erst spannend und interessant machen.

4. Der Einwand mit der Nachkriegsgeneration ist mir auch komisch aufgeschlagen. Da muß ich sim recht geben. Unsere Eltern (und damit meine ich die Kriegskindergeneration) hatte noch ein viel größeres Tabu um psychische Erkrankungen, als es heute üblich ist. Alles frei nach dem Motto "Ich parke nie in Tiefgaragen, das ist ja wie früher im Bunker" oder "Man muß immer genug Lebensmittel für zehn Wochen im Keller haben, man weiß ja nie...". Aber dann auch immer "Die Leute heute sind alle psychisch krank - wir haben das alles mitgemacht und wissen nicht mal, was Nerven überhaupt sind" . . .

Meschen sind schon eine interessante Spezies, wobei ich zwar gerne beobachte, aber mich da auch nicht ausschließen kann.

In diesem Sinne nochmal danke für das vergnügliche Geschichtchen ;-}

Gregor

 
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Hallo chaosqueen, sim, Gregor,

danke für die Anerkennung, die ihr meinem Ausflug ins Boulevardfach zollt. :-)

Dass ich den ich abzeichnenden Volleyballer noch vorgehalten bekommen würde, ahnte ich schon... Aber ich habe inzwischen meine Hausaufgaben gemacht und diesen Satz sowie die anderen von Dion herausgesuchten Stellen noch mal mit Schleifpapier bearbeitet, um in der Sprache des Plots zu bleiben.

Chaosqueen, ich unterschreibe dein schön formuliertes Plädoyer für eine Sexualität, die auch unabhängig von tiefen emotionalen Bindungen existieren darf. Wenn (wie es bei Laszlo und der Ich-Erzählerin der Fall ist) niemand über den Tisch gezogen wird mit falschen Beteuerungen von ewiger Liebe und die Beteiligten die Regeln des Spiels kennen und akzeptieren, findet auch keine Ausbeutung statt. Ich denke, damit kann auch XioN leben. Laszlo ist sicher kein Freiwild, wie Gregor es nannte. Soooo triebautomatisiert funktioniert doch kaum ein Mann, oder? :p

Ich habe eher das Gefühl, dass die sexuelle Freizügigkeit bei vielen gar nciht mehr so einen hohen Stellenwert genießt, dass eher "konservative" Werte, wie Treue und Monogamie gefragt sind, und manchmal erschrickt mich diese Form neuer Moral, weil ich das Gefühl habe, statt mit der folgenden Generation mit meinen Großeltern zu reden.
Genau diese Beobachtung habe ich auch schon gemacht, gerade bei ganz jungen Leuten mit keiner bzw. wenig Erfahrung mit Beziehungen und Sexualität, sim. Ja, manches klingt wie geradewegs aus der Adenauer-Ära importiert. Ist es trotziges Abwehren der sexuellen Libertinage, die die '68er-Eltern vielleicht gelebt oder zumindest propagiert haben? Ist es das Bedürfnis, wenigstens die heimelige Nische Zweierkiste sicher zu haben, wenn schon unklare und unsichere Lebensperspektiven Angst erregen?

Was die unklare Stelle mit den Werten angeht, besteht der Konter der Prot darin, dass sie absichtlich den Begriff "innere Werte" missversteht: Die Freundinnen meinen damit natürlich nicht materielle charakterliche Qualitäten, während die Prot "Wert" i.S.v. substantiellem Geldwert gebraucht. Einen Zynismus kann ich darin nicht erkennen, da eigentlich jedem klar sein sollte, dass bei solchen Geplänkeln unter Seelenschwestern flapsige, ironische Bemerkungen fallen.

Ich denke schon, daß ein Geschichtenschreiber/Autor Verantwortung für seine Geschichten trägt.
Das impliziert aber, dass Autoren mit ihren Geschichten eine Instrument der Manipulation in der Hand haben, Gregor. Sind wir wirklich so mächtig? Können wir Menschen zu bestimmten Handlungen oder Denkweisen verführen? Hätten dann Bücher wie "Das Parfüm", "Der sehr talentierte Mr. Ripley" oder die Romane von Ingrid Noll eigentlich nicht veröffentlicht werden dürfen? Dürfen wir bestimmtes Verhalten nicht beschreiben, weil es zur Nachahmung anregen könnte, oder dürfen wir es nicht beschreiben, weil wir damit unsere eigene Büchse der Pandora auch vor uns selbst öffnen - was immer für Konsequenzen daraus erwachsen? Aber diese Frage sprengt den Rahmen dieses Threads.
Nochmal vielen Dank für all eure Gedanken.

Chica

 

Hi chica,

lustige diskussion, lustige geschichte... dein schreibstil bringt - so sehe ich es - pfeffer in einen sehr abgelutschten plot... im prinzip ist dein prot ja das weibliche pendant bekannter männlicher prots, die die slips ihrer "eroberungen" sammeln, action auf video aufnehmen oder ähnliches.. im gegensatz zu blue velvet befürchte ich, dass eine solche geschichte nicht weniger moralkeulen geerntet hätte, sondern sogar grandios zerissen worden wäre..

insofern passt sex in the city schon.. eben serien (filme, bücher etc.) wie diese - mit männern in der hauptrolle - haben feministinnen früher auf die palme gebracht..heute schießen dann wohl maskulinisten (gibts das?)in die luft..

für mich ist beides eher quatsch.. zeit für liebe und treue - zeit für prickelnden sex.. muss ja nicht immer alles in einer story seinen platz finden.. insofern hat mich deine geschichte gut unterhalten..auch wenn ihr das besondere extra fehlt, das ich in einer anderen geschichte von dir gefunden hatte..

viele grüße, streicher

 

Hallo Streicher,

schön, dass die Geschichte dich unterhalten hat. Ich hatte, wie schon gesagt, Lust, sozusagen einen schrägen Fummel zu schreiben. Ab und zu muss das sein. ;-)
Danke für die schöne Wortschöpfung Maskulinist - werde ich sicher mal in einer Geschichte gebrauchen und dann dankbar an dich denken.

LG, Chica

 
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Hallo Chica!

Nachdem ich kürzlich so aggressiv war, habe ich mir vorgenommen, jetzt ohne das Skalpell der Psychoanalyse zu kommentieren.

Aber da stoße ich so ziemlich am Anfang schon wieder bei dir auf kastrierte Männer!!!
GRRR!! Du kannst es einfach nicht lassen!!

<<Oft schon stand ich in selbstvergessener Bewunderung vor antiken Torsi von Athletenkörpern und ließ meinen Blick über die sanft gewölbte Brust und die Wellenfläche des Bauches abwärts gleiten... und oft wurde ich enttäuscht, denn irgendwann in irgendeiner Epoche hatten marodierende Hunnen, eifernde Gottesmänner oder einfach nur eifersüchtige Geschlechtsgenossen den entmannenden Meißel angesetzt.>>

Also von Sigmund Freud kenne ich das mit dem abwärts gleitenden Blick anders: Die Frau sieht an ihrem eigenen Körper herab und stellt fest, dass da etwas fehlt. So entsteht der Penisneid des Weibes.

Hm, diese Penisbesessenheit der Frauen in deinen Texten...

Und meinst du nicht, dass deine Aufzählung <marodierende Hunnen, eifernde Gottesmänner oder einfach nur eifersüchtige Geschlechtsgenossen> unvollständig ist? Mir fehlt das von Penisneid besessene Weib, das den "entmannenden Meißel ansetzt". Immer sind nur wir Männer die Schlimmen!

Gestolpert bin ich über den Begriff "Heimat". Dieses romantische, altmodische und rührende Wort passt nicht in diesen coolen Flirt urbaner Menschen, die souverän und routiniert ein "date" (so sagt man doch in deiner Sprache?) anbahnen. Mit "Heimat" verbindet man Geborgenheit und Beständigkeit, naja, das passt nicht.. oder vielleicht doch? Vielleicht ist da ja im Unterbewusstsein der Wunsch nach Beständigkeit, wofür auch die Gipsabdrücke sprechen würden, die ja unvergänglich sind. Etwas von Laszlo soll bleiben.

Du erzählst gekonnt, provozierend und lebendig und stehst zu deinem Hedonismus, was ich auch in Ordnung finde. Und Tiefgang finde ich auch, dein Text ist also keine Edelpornographie.

Grüße gerthans

 

Lieber gerthans,

es freut mich sehr, dich tatsächlich bei "Ladies Night" begrüßen zu dürfen.
Was lässt dich denn knurren? Schließlich bedauert die Prot die Meißelarbeit doch ausdrücklich. ;-)
Ich habe den Eindruck, du verbeißt dich bei deiner Auseinandersetzung mit der klassischen Tiefenpsychologie zu sehr in die alten Meister. Konstrukte wie der Penisneid und der Ödipuskomplex sind Modelle, die nie verifiziert worden sind und mehr über den Denker und seine Zeit aussagen. Ebenso wie der angebliche männliche Gebärneid, der ein Kind der neueren Zeit ist. Dass Penisneid und andere Freudsche Begriffe so sehr Allgemeingut geworden sind, liegt daran, dass Freud auch ein begnadeter Schreiber war, dessen Texte aufgrund seiner literarischen Qualität so verbreitet wurden.

Mit deinen Gedanken zum Wort "Heimat", das ich ohne ausdrücklichen Hintergedanken gebrauchte, hast du sicher ins Schwarze oder mindestens Dunkelgraue getroffen. Wer weiß, wo die beiden noch landen. ;-)

Vielen Dank für deine lobenden Worte und schöne Grüße!
Chica

 

gerthans schrieb:
Hm, diese Penisbesessenheit der Frauen in deinen Texten...

Da hast du vollkommen recht. Wenn Chica die Brüste ihrer Prot beschreiben würde, oder die Beine, den Po...,
aber was sollen Frauen an dem männlichen Geschlecht schön finden? Wirklich unverständlich. Aber nein, sie finden es ja gar nicht schön, sie vermissen es nur an sich selber. Es muss so sein, denn eine andere Erklärung kann es hierfür nicht geben. Wieso sollten Frauen Gefallen an einem Penis finden? Ihn gerne ansehen, berühren, bewundern? Nein, abschneiden möchten sie ihn, kastrieren wollen sie den Mann. Eine andere Erklärung gibt es nicht!

Hm.

 

gerthans schrieb:
Mir fehlt das von Penisneid besessene Weib, das den "entmannenden Meißel ansetzt". Immer sind nur wir Männer die Schlimmen!
War es nicht die Kirche, die solche Dinge veranlaßt hat? Und wer hat denn in der Kirche schon immer das Sagen? :rolleyes:
Blue Velvet schrieb:
Wieso sollten Frauen Gefallen an einem Penis finden? Ihn gerne ansehen, berühren, bewundern?
Weil das die einzige Fernbedienung ist, die uns die Männer gerne überlassen... :D :lol:

(Kritik kommt noch. :))

 

Hello chica,

ich habe mich sehr über Deine Geschichte amüsiert, schön, dass Du schreibst 'wie Magnet die Eisenspäne' und nicht 'wie Mist die Fliegen' ;-)
Die Idee mit einer abdrückesammelnden Dame habe ich kürzlich schon einmal gelesen, das kommt in 'Bärenliebe von A-Z' von Wolfgang Weiniger vor, ist ähnlich unterhaltsam.
Begnadet finde ich Deine Szene mit dem T-Shirt-Träger, die Stimmung kommt wunderbar 'rüber und Deine Protagonistin hat etwas Liebenswertes.

Würde allerdings ein Mann erzählen, dass er Vagina-Abdrücke sammelt, hätte er keinen liebenswerten, sondern einen dreckschweinischen Charakter und wäre ein vergleichsweise schlechter Mensch ;-)

@ Streicher
Die Formulierung 'Maskulinist' halte ich für falsch, müsste es nicht 'Maskulist' heissen ? Es sagt doch auch niemand 'Femininismus'. ;-)


Viele Grüße vom gox

 

Alles ein Missverständnis?

Sag mal, Blue Velvet, hast du ein Problem mit uns Männern? Du hast zu dieser Geschichte als erste einen Kommentar abgegeben – durchweg positiv, obwohl die Geschichte Mängel enthielt und offensichtlich mit heißer Nadel gestrickt war, dies auch nach Meinung der Autorin. Das ist auch okay so, jede/r hat eigene Qualitätskriterien, nach denen er/sie urteilt.

Was mich jedoch schon damals stutzig machte, war deine Bemerkung

Mal sehen, wie sie vor den, zum Teil recht kritischen, Augen der männlichen Leserschaft besteht.
Auch als du am nächsten Tag wieder eine Spitze
Mir scheint, Chica hat mit "Ladies Night" so manches männliche Ego in seinen Grundfesten erschüttert. Eine Erklärung dafür finde ich nicht.
losgelassen hast, fühlte ich mich nicht angesprochen und schwieg.

Aber nun meldest du dich zum dritten Mal zu Wort, wieder mit dem gleichen Tenor:

Da hast du vollkommen recht. Wenn Chica die Brüste ihrer Prot beschreiben würde, oder die Beine, den Po...,
aber was sollen Frauen an dem männlichen Geschlecht schön finden? Wirklich unverständlich. Aber nein, sie finden es ja gar nicht schön, sie vermissen es nur an sich selber. Es muss so sein, denn eine andere Erklärung kann es hierfür nicht geben. Wieso sollten Frauen Gefallen an einem Penis finden? Ihn gerne ansehen, berühren, bewundern? Nein, abschneiden möchten sie ihn, kastrieren wollen sie den Mann. Eine andere Erklärung gibt es nicht!

Hm.

Oder ist dies ganz anders gemeint? Ich möchte dir nicht Unrecht tun, daher bitte ich dich, mir zu erklären, wie dein letzter Beitrag zu verstehen ist. Danke.

Dion

PS: In diesem Zusammenhang muss ich gox Recht geben – wenn auch man aus rein praktischen Erwägungen nicht Vagina-, sondern Vulva-Abdrücke sammeln müsste, um mit Chicas Protagonistin gleich zu ziehen – ich glaube, es hat schon mal eine Ausstellung von Gipsvulvas gegeben, damals, in grauer Vorzeit, in 70-Jahren des vorigen Jahrhunderts, zu einer Zeit also, als man mit solchen Dingen noch locker umgehen konnte, natürlich aus rein künstlerischen Motiven, sonst hätte Alice Schwarzer was dagegen gehabt und mit Geschlechtsgenossinnen die Ausstellung gestürmt und mit Klorollen zugemüllt, wie weiland eine Ausstellung von Tomi Ungerer in München, nicht dass ihr denkt, Bilderstürme gab es nur im Mittelalter.

 

Warum nur komme ich bei diesen Thread aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus?
:bib:

 

Die Geschichte finde ich lustig. An manchen Stellen müsste man sie noch ausbessern, weil man teilweise wirklich im Lesefluss gestört wird. An anderen Stellen ist sie wieder sehr treffend.

Richtig genial wird dieser Thread durch die ganzen Kommentare. Realsatire pur.

 
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Dass dir, gox, die Geschichte gefallen hat, freut mich sehr, schließlich wildere ich mit "Ladies Night" ein wenig in deinem schreiberischen Terrain. ;-)
Ich bin mir übrigens gar nicht mal so sicher, ob das gleiche Sammlerverhalten einem männlichen Protagonisten in jedem Fall übel genommen würde. Es wäre eine Sache des schriftstellerischen Darstellungsgeschicks und damit unserer Autorenehre.

Auch dir danke ich für deine Anerkennung, Zaza. Im Moment mag ich die Geschichte so, wie sie ist, auch mit Laufmaschen und nicht perfektem Nagellack sozusagen. Ich finde, es passt zum Plot. Aber das kann nächste Woche schon anders aussehen.

Hm, Dion, ich möchte Blue Velvet nicht vorgreifen. Aber ich kenne sie persönlich und sie mich natürlich auch. Sogar ziemlich gut, wage ich mal zu behaupten, weil wir uns in bestimmten Dingen sehr ähnlich sind und uns dementsprechend verstehen und wertschätzen. Und auf der Basis dieses Wissens kann ich dir versichern: Sie hat genausowenig ein Problem mit Männern wie ich, jedenfalls keines der Art eines scheuklappigen Feminismus. Leider gibt es bei den Formatierungsmöglichkeiten keine Ironie-Tags, sonst hätte sie die bei ihrem letzten Beitrag gewiss gesetzt. ;-)

Aber die Spur von Schärfe in ihrer Ironie ist durchaus verständlich angesichts bestimmter eingeschnappter Reaktionen (wobei die Silberrücken entschieden gelassener reagieren). Genauso kann ich männliche Verunsicherung und Verbitterung nachvollziehen, wenn sich eine Frau unbekümmert ein Recht herauszunehmen scheint, das Männer nur zähneknirschend aufgeben. Aber vermutlich ist auch beim Bemühen um eine Konsenslösung im "Geschlechterkampf" der Weg das Ziel. ;)

Schöne Grüße euch allen!
Chica

P.S.: Noch eine Anekdote, die die aufgeweichten Frontlinien beweisen möge: In dem Salsakurs, den ich momentan besuche, sind zwei Frauen, die vom Alter her zusammen mit Frau Schwarzer Klopapierrollen geworfen haben könnten. Gestern hörte ich doch, wie die eine der anderen zuraunte: "Ist doch schön, wenn die Männer mal führen müssen." :D

 

Hallo Dion,

die Richtung meines von dir angesprochenen Beitrags wird vielleicht deutlicher, wenn man beachtet, dass er mit dem gleichen Ausdruck ("hm") aufhört, wie das Zitat von gerthans beginnt. Der komplette Beitrag ist eine ironische Spitze gegen diese zitierte Aussage. Es ist sicher unbedacht von mir, dass dies nicht für jeden sofort erkennbar ist.
Ich habe kein Problem mit "euch" Männern, ebensowenig mag ich "euch" alle gleich gut leiden. So oder so ähnlich wird es dir, Dion, wohl auch mit "uns" Frauen gehen.
Mit meinen Bemerkungen zu Chicas Geschichte wollte ich zum Ausdruck bringen, dass ich über einige Kommentare von männlichen Usern zu einer bestimmten Art Geschichte, wie "Ladies Night" z.B. eine ist, sehr verwundert bin. Ich habe schlicht nicht damit gerechnet, und somit wieder etwas gelernt.

Blue Velvet

 

Blue Velvet schrieb:
Ich habe kein Problem mit "euch" Männern, ebensowenig mag ich "euch" alle gleich gut leiden. So oder so ähnlich wird es dir, Dion, wohl auch mit "uns" Frauen gehen.

ja wie? Wer mag denn schon Frauen?

 

Realsatire geht weiter

Nun gut, Chica und Blue Velvet, wenn ihr sagt, das ist Ironie, dann ist sie das.

Nur der Satz von Blue Velvet

Ich habe schlicht nicht damit gerechnet, und somit wieder etwas gelernt.
beißt sich ein wenig mit dem in ihrem allerersten Beitrag
Mal sehen, wie sie vor den, zum Teil recht kritischen, Augen der männlichen Leserschaft besteht.
aber geschenkt.

Und, Chica, ich kann das, was du hier schreibst

Genauso kann ich männliche Verunsicherung und Verbitterung nachvollziehen, wenn sich eine Frau unbekümmert ein Recht herauszunehmen scheint, das Männer nur zähneknirschend aufgeben.
nicht sehen – Männer müssen nichts aufgeben, und schon gar nicht zähneknirschend. Wenn schon, dann gibt es halt eine Gleichberechtigung auf einem weiteren Gebiet, das ist nichts, wozu man sich die Zähne kaputt machen sollte.

Dion

P.S.: Realsatire geht weiter, Zaza, es wäre schön, wenn du etwas dazu beitragen könntest – die Gelegenheit scheint günstig, woanders wären wir wegen Off-Topic schon längst zum Schweigen verdammt.

 

keine Angst, Dion.

Für mich ist das eine Diskussion, die sich aus der Geschichte ergeben hat. Also gehört sie auch zur Geschichte. (naja, mit Ausnahme der beiden letzen Kommentare von Gregor und Blue Velvet, aber darüber sehe ich mal großzügig hinweg) ;)

 

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