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Ladies Night

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05.07.2003
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Ladies Night

Laszlo war ein Bild von einem Mann. Schön wie Markus Schenkenberg mit seinen wilden dunklen Augen, markanten Wangenknochen und dem Körper eines Beach-Volleyballers unter seinem dünnen weißen Hemd. Seit er die Bar betreten hatte, zog er meinen Blick an wie ein Magnet die Eisenspäne.
„Lass die Finger von ihm!“, sagte meine Freundin Dorit und fischte die Kirsche aus ihrem Cocktail.
„Warum?“, fragte ich.
„Er sieht aus, als ob er gern in fremden Revieren wildert.“
„Dass das nicht Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer ist, sehe ich selbst - frau kann schließlich nicht alles haben.“
„... was sie aber nicht daran hindert, alles zu wollen“, ergänzte Dorit. „Jedenfalls will ich dich nicht heulend auf dem Sofa sitzen haben, wenn ich es selbst brauche, um darauf den Philosophie-Dozenten von der Fete neulich zu verführen.“
„Du mit deinen Eierköpfen!“
„Du mit deinen Pin-up-Boys!“, giftelte Dorit zurück, rutschte vom Barhocker und griff nach ihrer kosmetischen Erste-Hilfe-Tasche. „Kommst du mit?“
Ich schüttelte den Kopf. Die Zeiten des Kollektiv-Kicherns auf dem Mädchenklo waren vorbei, und außerdem hatte ich Wichtigeres zu tun...

Dorit hatte recht, ich hätte es nur anders ausgedrückt. Seit jeher fasziniert mich die Ästhetik eines wohlgestalteten Männerkörpers. Oft schon stand ich in selbstvergessener Bewunderung vor antiken Torsi von Athletenkörpern und ließ meinen Blick von den muskulösen Marmorschultern über die sanft gewölbte Brust und die Wellenfläche des Bauches abwärts gleiten... und oft wurde ich enttäuscht, denn irgendwann in irgendeiner Epoche hatten marodierende Hunnen, eifernde Gottesmänner oder einfach nur eifersüchtige Geschlechtsgenossen den entmannenden Meißel angesetzt. Wenn meine Freundinnen hartnäckig insistierten, dass innere Werte die wahre Qualität eines Mannes ausmachten, konterte ich, dass der reine Materialwert eines Mannes wenige Euro betragen würde, eventuelle Gold-Inlays in Zähnen oder Titanschrauben in Knochen nicht eingerechnet.

Jedenfalls sah der Mann an der gegenüberliegenden Seite der Bar nicht so aus, als wären bei ihm schon nennenswerte Ersatzteile montiert worden. Ich stützte den Ellenbogen auf die Theke und zog mir scheinbar gedankenverloren die Haare vors Gesicht, um ihn besser beobachten zu können und den Moment nicht zu verpassen... Den Blick zur Seite gewandt, hörte er dem Kerl, mit dem er gekommen war, aufmerksam zu. Ohne hinzusehen griff er nach seinem Cocktail, trank einen Schluck und stellte das Glas zurück. Seine Wangen wölbten sich nach innen, als er zum letzten Mal an seinem Zigarillo sog, bevor er sich zur Bar drehte und es im Aschenbecher ausdrückte – und dann sah er hoch. Unsere Blicke trafen sich, verhedderten sich einen Lidschlag lang, dann schlug ich die Augen nieder und senkte die eine Schulter ein wenig, gerade genug, um den schmalen Träger meines Shirts herunterrutschen zu lassen - scheinbar zufällig und ganz unschuldig und doch viel subtiler und effektvoller als der kürzeste Rock oder das tiefste Dekolletee je wirken könnten.

Einen Moment lang wartete ich, dann streichelte ich den Träger langsam auf meine Schulter zurück und nahm wieder Blickkontakt auf. Er schluckte, die Augen verengt. Der erste Adrenalinstoß schien seinen Kreislauf zu dopen. Immer noch redete der andere auf ihn ein, doch der schwarze Kater mir gegenüber hörte kaum noch zu. Er hatte Witterung aufgenommen...

Der Zufall sprang mir bei, denn der syltgebräunte Sugar-Daddy neben mir, der seinen Barhocker mit der Stetigkeit einer Gletscherendmoräne immer näher an mich herangeschoben hatte, nutzte meine temporäre Verlassenheit, um mir etwas zu trinken anzubieten, nicht ohne den Schlüssel seines Edelbleches demonstrativ auf der Theke klimpern zu lassen. Ich schickte einen kurzen Blick in Richtung meiner Zielperson und vergewisserte mich, dass diese die beobachtete Annäherung mit düsterem Brauen-Zusammenziehen quittierte, dann schob ich mich von meinem Hocker und schlenderte betont unschlüssig zum anderen Ende der Bar.

Ich hoffe, das überraschte Gesicht gelang mir, als Laszlo mich ansprach.
„Auf der Suche nach einer neuen Heimat?“, fragte er und schob seinen Begleiter mit einem foulverdächtigen Rippenstoß zur Seite, um Platz für mich zu schaffen. Aus den Augenwinkeln sah ich Dorit, wie sie gespielt genervt die Augen verdrehte, und zeigte ihr verstohlen meine zum siegreichen V gespreizten Finger.
„Ich heiße übrigens Laszlo“, sagte er. „Mit s und z. Wie Salz und Zucker.“
„Und was ist mit Pfeffer?“, fragte ich, und er taxierte mich kurz mit diesen schmalen, leicht schräg gestellten Augen und lachte.

Die Frage „Zu dir oder zu mir?“ stellte sich nicht wirklich. Männer sind fast immer bereit, sich in die Höhle ihrer vermeintlichen Beute locken zu lassen. Wahrscheinlich erhoffen sie sich frischere Bettwäsche und ein opulenteres Frühstück – oder sie sind froh darüber, im Katastrophenfall spurlos verschwinden zu können. Jedenfalls machte Laszlo unaufgefordert den Motor aus und zog den Zündschlüssel ab, als wir drei Stunden später vor meiner Haustür ankamen. Aber ich vergab ihm diese männliche Selbstherrlichkeit.

Wir küssten uns, während ich ohne hinzusehen den Hausschlüssel ins Schloss fummelte, wir knutschten die Treppe hoch, seine Finger schienen überall zu sein, als ich meine Wohnungstür öffnete. Doch kaum hatte er sie mit einem Fußtritt hinter uns geschlossen, hielt ich seine Hände fest. Schließlich musste ich meinen klaren Kopf bewahren – zumindest vorerst.
„It’s ladies night“, sagte ich und pustete zart in seinen Hemdausschnitt. Er sah mich fragend an. „Lass mich nur machen“, antwortete ich lächelnd und tastete nach seinem Reißverschluss...

Das Spiel schien ihm zu gefallen, denn er ließ sich bereitwillig ins Schlafzimmer und aufs Bett schubsen, kaum dass ich seinen Luxuskörper von Hemd und Jeans befreit hatte. Die Hände unter dem Kopf verschränkt, lag er da und ließ seine Glimmeraugen über mich wandern, wie ich mich aus Shirt und Rock schlängelte und dabei meine Schenkel streichelte.
„Hexe“, formten seine Lippen tonlos. Ich blies ihm einen Luftkuss zu.
„Genieße es!“, flüsterte ich und kniete mich über ihn. Laszlo hielt die Augen geschlossen, sein Atem ging schnell. Ganz langsam beugte ich mich zu ihm. Ich küsste seine Schläfe, seine Wangenknochen, zeichnete mit der Zungenspitze die Kontur seines Mundes nach. Laszlo seufzte tief und legte den Kopf zurück, während meine Lippen über seinen Hals und tiefer glitten. Sanft wie eine Katze rieb ich meine Wange an seinem Bauch, dessen Muskeln sich anspannten wie eine Bogensehne – und dann richtete ich mich auf.

Laszlo gab einen Laut von sich, als hätte er Schmerzen.
„Hör nicht auf!“, flüsterte er gepresst. Ich lächelte; schließlich hatte ich gerade erst angefangen.
„Ich denke nicht dran!“, sagte ich leise. Die Zungenspitze zwischen die Lippen geschoben, fuhr ich unter den Bund seines Slips, den ich langsam herunterzog.

Er war perfekt – ganz so, wie ich es erwartet hatte: genau richtig in jeder Dimension, gerade gewachsen, nicht zu wuchtig an der Wurzel und gut aufgeformt an der Spitze; die gleichen Kriterien, die auch für einen ordentlichen Christbaum gelten, wie Dorit einmal festzustellen beliebte.
„Wunderschön!“, hauchte ich und küsste ihn sanft, bevor ich meine Lippen darum schloss...

Laszlo lag zusammengerollt auf der Seite, den Kopf in den Armen verborgen. Noch immer ging sein Atem stoßweise. Ich streichelte sein zerwühltes Haar, küsste seine schweißnasse Schulter und zog fürsorglich die Decke über ihn, bevor ich vom Bett aufstand. Er würde seine Zeit brauchen, um nach diesem Gipfelsturm wieder zu sich zu kommen und bereit zu sein für den nächsten Höhenflug, und das kam mir nur gelegen. Es dauerte etwas, die Abdruckmasse anzurühren und auf Körpertemperatur zu erwärmen; und das Material würde einige Minuten brauchen, um am Objekt auszuhärten. Doch das würde er durchstehen, da war ich mir sicher, denn den Überschuss an Lust und Libido hatte ich in der ersten Runde im wahrsten Sinn absorbiert.

*****

Zufrieden lehne ich mich zurück und wische meine Hände ab. Ja, das Artefakt eines harten Fakts ist mir gut gelungen. Laszlo war zwar überrascht gewesen über meine Aktion, doch hatte er die damit verbundenen Sinnesreize durchaus erregend gefunden: meine Hände, die seinen Schwanz liebevoll mit warmem Öl salbten, damit die Haut nicht festklebte, meine Zungenspitze, die Ornamente auf seine Brust malte, um ihn im Standby-Modus zu halten, der sanfte Zug des fest werdenden Gipses... Jedenfalls hatte ich den Abdruck gerade noch retten können, ehe er über mich herfiel...

Ein letztes Mal ziehe ich das Schleifpapier über die Nahtstelle, an der die beiden Abgusshälften aufeinander treffen. Irgendwann einmal werde ich meine Kollektion der Allgemeinheit zur Verfügung stellen: dem Museum of Modern Art, dem Senckenberg-Museum für Naturkunde oder wem auch immer. Vielleicht werden auch irgendwann Archäologen meine Sammlung aus den Trümmern unserer Zivilisation klauben. „Modelle des humanen Phallus aus dem Beginn des dritten Jahrtausends“. Staunend werden unsere genetischen Nachfolger, die die Paarung ihrer Chromosomen längst in der Petrischale vollziehen, vor den Panzerglasvitrinen stehen und sich verstohlen in die Rudimente ihres Gemächtes greifen. Doch bis dahin ist noch ein langer Weg.

Die Abendsonne, die meine Kollektion auf der Fensterbank bis jetzt bronziert hat, ist unter den Horizont abgetaucht. Es ist der letzte Tag des April – Walpurgisnacht.
„Oh yes, it's ladies night, and it feels alright, oh yes, it's ladies night, oh, what a night!”, summe ich vergnügt. Salsa-Party ist in meinem Lieblingsclub angesagt, es wird Zeit, dass ich mich optisch hochrüste. Andere Väter haben schließlich auch noch schöne Söhne...

 

Liebe Chica,

ich habe mich beim Lesen herrlich amüsiert und gratuliere dir zu dieser gelungenen Geschichte. Sie ist ganz nach meinem Geschmack, aber das kannst du dir sicher schon denken. Sie vermittelt ein schönes Gefühl von Lebensfreude und Spontaneität. Dabei fällt mir ein: wir sollten mal wieder ausgehen. :D

Mal sehen, wie sie vor den, zum Teil recht kritischen, Augen der männlichen Leserschaft besteht.

Liebe Grüsse
Blue Velvet

 
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Hmmmm, ok. Es ist jetzt schwierig zu sagen, was ich von der Geschichte halte. Was ihr sehr bemerkenswert gelungen ist, ist das einfangen von allerwelts Fakten.

„Ich heiße übrigens Laszlo“, sagte er. „Mit s und z. Wie Salz und Zucker.“
„Und was ist mit Pfeffer?“, fragte ich, und er taxierte mich kurz mit diesen schmalen, leicht schräg gestellten Augen und lachte.

Das z.B. ist wie aus dem Leben gegriffen. Flirtgespräche dieser Art sind derartig weit verbreitet, dass es einen einen fast beängstigen kann. Das erstaunliche daran ist nur, dass es anscheinend wirklich funktioniert. Ob die Frau nun an einer Eliteuni studiert oder Sozialhilfe empfängt... derartig dämliche Sprüche ziehen absolut immer. Das sie dabei gerade benutzt wird, ist ihr eher weniger klar. Vielleicht findet sie es aber auch geil, auf ihr Wesentliches reduziert zu werden.

Wo wir schonmal bei ihrem Charakter sind.

Wenn meine Freundinnen hartnäckig insistierten, dass innere Werte die wahre Qualität eines Mannes ausmachten, konterte ich zynisch, dass der reine Materialwert eines Mannes wenige Euro betragen würde, eventuelle Gold-Inlays in Zähnen oder Titanschrauben in Gelenken nicht eingerechnet.

Erst einmal vorweg:
Frauen wie ihre Freundinnen (können durchaus auch Freunde sein) sind fiktiv und existieren in dieser Form nicht.

2.
Wo man schon diesen dämlichen PoP-Song aus dem Titel im Ohr hatte, kommt jetzt vollständig das Sex and the City feeling rüber. Mir persönlich platzt bei der Serie immer wieder der Kragen...
Nicht etwa, weil ich darüber neidisch bin, dass Frauen mir meine schönen Männerideale klauen und ja eigentlich nicht so oberflächlich vorgehen DÜRFEN wie wir. Ich will sie auch nicht in ihrer Emanzipation einschränken und nicht zurück an den Herd holen.

Was ich nicht verstehe ist, dass man diesen verachtenswerten Charakterzug, der anscheinend unter Männern sehr weit verbreitet ist, derartig in den Himmel hebt und ihn Frauen ohne Selbstbewusstsein, auch noch als cool präsentiert. Benutzt zu werden ist nicht einmal halb so geil, wie das in den Medien dargestellt wird. Zumindest nicht, wenn man nicht bereits zu einem wertelosen Wrack verkommen ist, wie die meisten Menschen heute.

Das mit dem Gipsabdruck am Ende, könnte fast schon als eine satirische Spitze gedeutet werden. Die Story taugt also gut, als eine Parodie auf die "Menschlichkeit" und zwischenmenschlichen Beziehungen in der modernen Spaßgesellschaft.

Unter dem Gesichtspunkt gefällt sie mir wirklich gut... nur beschleicht mich irgendwie das Gefühl, dass du das so überhaupt nicht gemeint hast...

 
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Fein, dass ich dir ein paar vergnügte Minuten beschert habe, Blue Velvet. Was das Ausgehen angeht, müssen wir uns auf dem Hintergrund der Geschichte natürlich rechtzeitig über die Rollenverteilung einigen. ;)

Auch dir, XioN, danke ich für deinen Kommentar, den ich zwar weniger als literarische, sondern eher als gesellschaftliche Kritik verstehe, aber trotzdem gerne beantworte.

Wir werden nicht zu einem Konsens über das Verhalten der Personen in "Ladies Night" kommen, denn unsere Voraussetzungen sind zu unterschiedlich. Ich habe dir einiges an Jahren und sicher auch an Erfahrungen voraus. Damit will ich kein hohes Ross besteigen, aber wenn auch meine Ideale im Kontakt mit der Realität abgeschliffen worden sind (was ich persönlich kein bisschen bedauere), so sehe ich das Paarungsverhalten der geschlechtsreifen Groß- und Kleinstädter um einiges entspannter als du bzw. habe die Erfahrung gemacht, dass Klischeeverhalten als bewusstes Spiel genauso Spaß machen kann wie Rollenbrüche. Soviel zu deiner Bemerkung Das erstaunliche daran ist nur, dass es anscheinend wirklich funktioniert. . Wenn kluge Frauen auf klassischen Flirt eingehen, dann deshalb, weil sie dabei freiwillig und in vollem Bewusstsein eine bestimmte Rolle einnehmen - nicht weil sie manipuliert werden. Und die Prot weiß in jedem Moment, was sie tut.

Leider ist das nicht die letzte Illusion, die ich dir rauben muss.

Das sie dabei gerade benutzt wird, ist ihr eher weniger klar.
Dass das "Benutzen" in diesem Fall wechselseitig ist bzw. die Initiative von ihr ausgeht, sollte deutlich geworden sein. Außerdem ist es meiner Ansicht nach unvermeidlich, dass in jeder Beziehung, ob zwischen Mann und Frau, zwischen Kollegen oder zwischen engen Freunden, sogar zwischen Eltern und Kindern das Moment des "Von-Nutzen-Seins" für den anderen (neben der mehr oder weniger dominierenden emotionalen Bindung) enthalten ist; das zu akzeptieren ist die erste Voraussetzung, um
a) den jeweils anderen respektvoll zu benutzen und
b) sich über die Grenzen der eigenen Benutzbarkeit klar zu werden.

Und Sex (um den es hier ja geht), bei dem die Beteiligten nur vom Gedanken an die schöne, reine Seele des anderen angetrieben werden, ist kalter Kaffee, das formuliere ich mal so keinen Widerspruch zulassend, wie manche deiner Bemerkungen rüberkommen.

Frauen wie ihre Freundinnen (können durchaus auch Freunde sein) sind fiktiv und existieren in dieser Form nicht.
Du erlaubst mir die Korrektur: Du hast sie bis jetzt noch nicht getroffen. Vielleicht wirst du sie auch nie richtig treffen, weil du Menschen mit einer pragmatischen, unromantischen Weltsicht per se meidest und abwehrst, denn du scheint hehre Ideale zu haben, zu schließen nach Äußerungen wie

Zumindest nicht, wenn man nicht bereits zu einem wertelosen Wrack verkommen ist, wie die meisten Menschen heute.

Das ehrt dich. Ich wünsche dir, dass sich diese Ideale nicht als Illusionen entpuppen. Und auch wenn du sicher nienienie so denken willst wie ich, wünsche ich dir die Gelassenheit, das Verhalten anderer Menschen nicht an absoluten Moralstandards, sondern an deren persönlicher Lebens- und Erfahrungssituation zu messen.

Liebe Grüße,
Chica

P.S.: Wenn du schon "Ladies Night" nicht magst, setz ich noch eins drauf und empfehle dir "Can't hold us down". ;)

 

Hi, Chica -


wie Blue Velvet habe ich auch mit Genuss und einem gewissen Grinsen (du erinnerst dich an unsere PMs) die Entwicklung der Geschichte verfolgt. Habe mich sozusagen 'mitreißen' lassen, ohne dass mir besondere Schwächen und/oder verbesserungswürdige Stellen aufgefallen wären. (Habe es auch nur ein Mal gelesen, aber das mit Freude!)

Die Erwähnung jener wenig ergötzlichen, weil verstümmelten, Torsos war gut plaziert und konnte im Verlauf der immer eindeutiger werdenden Handlung Vermutungen keimen lassen... und ich war denn auch sehr beruhigt, dass die Geschichte nicht 'nur' im lustverwühlten Bett enden würde.. sondern..

Ein passendes Ende.
.
Wobei irgendwie noch vieles offen ist :)

Aber das wäre wieder ein neues Thema:D

Herzlichen Gruß
von ahino

 
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Hallo Chica!

Ich habe mich vorhin richtig erschrocken, als ich mir nach meiner Antwort dein Profil angesehen habe und dort "Diplom-Psychologin" lesen durfte

Zumindest habe ich jetzt gelernt, dass man selbst bei unterbewussten Urteilen über vermeintlich oberflächliche Menschen sehr, sehr vorsichtig sein muss. Das war so ein richtiges "Au weia!" Erlebnis:)

Besonders das ich einige Sätze eben so unumstößlich formuliert habe, hat mich dann nachdenklich gestimmt... leider musste ich gleich danach weg und konnte nicht mehr editieren:)

das formuliere ich mal so keinen Widerspruch zulassend, wie manche deiner Bemerkungen rüberkommen.[quote/]

Gut das du damit gleich einmal heftig drauf geschlagen hast... hoffentlich kann ich es mir dann bald mal abgewöhnen:)

Schön ist es, dass du trotzdem generell nicht so aggressiv reagiert hast, wie es in einigen meiner Ansätze rüberkam.

Die Diskusion bringt mich gerade heftig zum Schmunzeln, weil sie mich sehr an die zwischen Werther und Albert erinnert:)

Du hast geschrieben, dass deine Ideale beim Kontakt mit der Realität abgeschliffen worden sind und du das auch nicht als schlimm empfindest.
Hier haben wir den Punkt, an dem unsere Positionen auseinander driften. Denn ich selbst, könnte mir nichts schlimmeres vorstellen, als das.

Wenn du meine Erfahrungen auch als nichtig und unwesentlich einstufen magst, so ist es mir aufgrund von ihnen unmöglich, eine Position wie deine nachzuvollziehen. Und ich möchte mich vehement dagegen verteidigen, als ein frustrierter Teenager gesehen zu werden, der gerade seine Selbstmordphase durchmacht. Ich denke einige Sachen erlebt zu haben, die dem vernichtenden Großteil Menschheit lebenslang verwehrt bleiben ... Sagen wir es mal so: Du hättest deine helle Freude daran, eine Analyse über mich zu schreiben:) Ich wage sogar zu behauten, dass du auf einige Dinge überhaupt nicht reagieren könntest. Und da pauschalisiere ich diesmal garantiert nicht ...

so sehe ich das Paarungsverhalten der geschlechtsreifen Groß- und Kleinstädter um einiges entspannter als du bzw. habe die Erfahrung gemacht, dass Klischeeverhalten als bewusstes Spiel genauso Spaß machen kann wie Rollenbrüche[quote/]

Es ist seltsam, was man heute als Rollenbruch versteht und was als "normal" und "klassisch".

Des weiteren ahbe ich mich einer meiner Formulierungen versehentlich derbst vergriffen.

Wenn kluge Frauen auf klassischen Flirt eingehen, dann deshalb, weil sie dabei freiwillig und in vollem Bewusstsein eine bestimmte Rolle einnehmen - nicht weil sie manipuliert werden. Und die Prot weiß in jedem Moment, was sie tut.[quote/]

Gut, natürlich ist sie sich in jedem Moment ihres Verhaltens bewusst. Ich habe ausversehen von Manipulation geredet, das war mein Fehler...
Ändert aber trotzdem nichts daran, dass ich bei diesem Satz schon wieder schmunzeln muss.
Ich habe nämlich durchaus auch bereits die Erfahrung gemacht, wie dieses "klassiche" Verhalten auf Frauen gut wirkt. Es ist unkompliziert und vor allem sehr, sehr unanspruchsvoll. Es funktioniert halt und man bekommt das verlangte Produkt (in dem Falle den Körper) leicht und sogar frei Haus, wie in deiner Story. Sie ist an der Stelle kein bischen überspitzt... ausser an der Stelle, als er die Tür mit dem Fuß hinter sich zustößt(:))

Was mich daran nun so sauer macht ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die unbewusst Opfer dieses Kreislaufs werden. Und das ich die Folgen schon sehr oft bei Leuten gesehen habe, die mir sehr viel bedeuten. Es ist eben nicht so, dass man immer einen hohlen, volleyballspielenden und solariumgebräunten Gigolo vor die Flinte bekommt. Oft hat man z.B. auch Leute, die sich auf das Angebot einlassen, weil sie in ihrer Einsamkeit ersticken und verzweifelt nach einem Ort um festhalten suchen, da sie wirklich niemanden haben. Es gibt von solchen Leuten weitaus mehr, als man denkt.
Und die dürfen sich dann anhören, dass das wertvollste an ihnen die Goldfüllung in ihren Zähnen ist ... na danke!

Manchmal glaube ich, dass ich weitaus weniger Probleme hätte, wenn mir andere Menschen nicht so wichtig wären. Leider kann man das nicht abstellen ... egentlich will ich das auch nicht. Mir haben witziger Weise schon viele dieser Menschen empfohlen, dass ich psychologie studieren solle, da ich begabt dafür sei. Vielleicht stimmt das, aber es ist gerade deine Lebenseinstellung, die man dafür braucht. Und die ist in keinem Falle etwas für mich:)


Eine sehr interessante Diskusion, die ich in der Form selten zuvor hatte. Danke für dein Statement:)


>>>>P.S.: Wenn du schon "Ladies Night" nicht magst, setz ich noch eins drauf und empfehle dir "Can't hold us down".<<<<

Wird ja immer schlimmer! Bei so vielen schrecklichen Ohrwürmern, brauche ich jetzt erst einmal -Boxcar Racer- :->

 

Mach dir mal keine Sorgen, XioN, ich bin nicht Dr. Mabuse. ;)

Wir verraten viel von uns selbst in dem, was wir in unseren Geschichten schreiben, was wir bei anderen kritisieren und auch in dem, was wir aus Antworten herauslesen. Darum sind solche Diskussionen auch sehr probat zur Selbsterkenntnis, und das meine ich auch an mich selbst gerichtet. Aber wenn du schreibst

Wenn du meine Erfahrungen auch als nichtig und unwesentlich einstufen magst, so ist es mir aufgrund von ihnen unmöglich, eine Position wie deine nachzuvollziehen. Und ich möchte mich vehement dagegen verteidigen, als ein frustrierter Teenager gesehen zu werden, der gerade seine Selbstmordphase durchmacht. ,

dann legst du in meine Worte eine Deutung, die ich nicht gemeint habe. Ich will auf keinen Fall die Qualität deiner Erfahrung herabwürdigen, es ist eher eine Frage der Quantität, wenn nicht gar der Statistik: Je mehr Erfahrungen du mit bestimmten Situationen machst, um so realistischer wird deine Weltsicht. Und das "Abschleifen" der Ideale ist keinesfalls schmerzhaft oder wird überhaupt als solches erlebt; eines Tages stellt man eben verwundert fest, dass man eine bestimmte Ansicht oder ein bestimmtes Ziel nicht mehr hat.

Ich habe nämlich durchaus auch bereits die Erfahrung gemacht, wie dieses "klassiche" Verhalten auf Frauen gut wirkt. Es ist unkompliziert und vor allem sehr, sehr unanspruchsvoll.
Ja - und ist das ein Fehler? Warum am Regenrohr hochklettern, wenn die Tür offensteht? ;) Damit meine ich: Ein Verhalten ist nicht per verwerflich und tadelnswert, weil es nicht viel Mühe macht. Menschen funktionieren eben oft nach ganz schlichten Reiz-Reaktions-Schemata.

Was mich daran nun so sauer macht ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die unbewusst Opfer dieses Kreislaufs werden.
Hier stehen wir vor der Frage, was besser ist: die "Täter" an den moralischen Pranger zu stellen oder die "Opfer" so stark zu machen, dass sie in diesem Spiel auch auf ihre Kosten kommen. Ich plädiere für zweiteres. Es ist eine Frage des Selbstbewusstseins, eher noch der Selbstliebe. Wer stolz auf den eigenen Wert ist, erträgt es, für andere primär unter Funktionsgesichtspunkten gesehen zu werden.

Es ist eben nicht so, dass man immer einen hohlen, volleyballspielenden und solariumgebräunten Gigolo vor die Flinte bekommt.
Check your prejudices! Woher weißt du, dass es ein geistig entkernter Ladykiller ist und kein zufällig gutaussehender Nobelpreisträger? ;)

Oft hat man z.B. auch Leute, die sich auf das Angebot einlassen, weil sie in ihrer Einsamkeit ersticken und verzweifelt nach einem Ort um festhalten suchen, da sie wirklich niemanden haben.
Ja, da hast du recht. Aber da verweise ich auf mein Statement weiter oben --> die "Kultur des Benutzens", wenn ich das mal so provokant formulieren darf, verlangt Respekt vor den Grenzen der "Beute". Dass dieser Respekt im RL oft fehlt, bestreite ich gar nicht. Aber es ist ein Fehler, ein bestimmtes Verhalten zu stigmatisieren, weil es nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen ist.

read you
Chica

 
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OK, jetzt muss ich doch nochmal etwas schreiben:) Danke an dich, dass du dir solche Mühe mit mir machst:)


die "Täter" an den moralischen Pranger zu stellen oder die "Opfer" so stark zu machen, dass sie in diesem Spiel auch auf ihre Kosten kommen. Ich plädiere für zweiteres. Es ist eine Frage des Selbstbewusstseins, eher noch der Selbstliebe. Wer stolz auf den eigenen Wert ist, erträgt es, für andere primär unter Funktionsgesichtspunkten gesehen zu werden.

Nach meiner Erfahrung ist es meistens so, dass sich diese "Opfer" eher selbst hassen. Jetzt mal eben als ein kleines Spielzeug gesehen zu werden, "erträgt" man dann wohl auch gerne, nur was passiert, wenn man es dann irgendwann einmal "begreift"?


es ist eher eine Frage der Quantität, wenn nicht gar der Statistik: Je mehr Erfahrungen du mit bestimmten Situationen machst, um so realistischer wird deine Weltsicht.

Tja, das lernt man in den ersten Semestern des Psychologiestudiums. Besonderes Gewicht auf Mathematik, soll ziemlich ätzend sein, wie ich gehört habe. Und wohl mindestens genauso wertlos. Menschliche Persönlichkeit ist meiner Meinung nach derartig unbegreiflich, dass man nur näherungsweise an sie heran treten kann. Sie mit etwas trivialem, wie der Mathematik (oder "je-desto" Konstruktionen) auch nur ansatzweise beschreiben zu wollen, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Aber im Zweifelsfalle kann man ja immernoch Anti-Depressiva verschreiben ...

Einige Menschen machen Erfahrungen, von denen andere ihr Leben lang ausgeschlossen bleiben. Seien es familiäre, beziehungstechnische, gesllschaftstechnische, körperliche oder psychische. Einige von deren Folgen kann man dann sogar wunderschön einordnen. Da haben wir Neurosen, Psychosen, Manien, Borderline-Syndrome, Schizophränien etc.

Letzten Endes kann man jedoch niemals sagen, wie der einzelne darauf ragiert. Jede Erfahrung und jede Persönlichkeitsausprägung ist von Individuum zu Individuum mehr oder weniger intensiv und ausschlagkräftig. Das fängt dabei an, dass einige Menschen vom Kindesalter an ohne mit der Wimper zu zucken töten könnten und andere ein Leben lang mit einer vom Fahrrad überfahrenen Kröte kämpfen. Es hört auf an Punkten, bei denen man einem Mädchen in die Augen blickt und Gesänge hört, Bilder sieht und Gedichte schreiben will oder ihr auf die Brüste starrt, um sie im nächsten Moment zu bespringen.

Auch muss auf Charakteristiken von Erfahrungen eingegangen werden. Jemand der in seiner Jugend viele heftige Erfahrungen machen musste, sich immer nur durchbiss, wird dem von Papi gesponsorten Juniorchef in der fertigen Firma so einiges an Erfahrung voraus haben, auch wenn er vielleicht zehn Jahre jünger ist.

Was mich jetzt schon wieder an mir selbst verwundert ist, dass ich diese tollen Werte verteidige und trotzdem selbst solche Phantasien entwickele. Es ist auch nicht so, dass ich diese "primitiven" Triebe abwerten will oder diese Seite an mir verachte. Viel mehr finde ich ekstathisches Selbstvergessen sogar sehr reizvoll ... Es ist eben nur so, dass die Menschen zu vergessen scheinen, dass es dort draußen mehr gibt, als ihre triebhafte hedonistische Oberflächlichkeit und die sexuelle Reizüberlastung. Klar ist es OK, mal nen One-night stand hinzulegen, nur ist es krank die Menschen vom anderen Geschlecht als wertlos und Gegenstandhaft zu klassifizieren und so munter durch die Welt zu hüpfen, wobei man zusätzlich noch seine Spuren hinterlässt. Es ist OK, das mal für ein paar Stunden in einer Disko zu machen, aber letztendlich sollte man doch zu sich zurück finden. Jedenfals ist das meine Einstellung ...

Ich unterstelle dir auch nicht, eine solch hedonistische Haltung zu verfolgen, aber der Text positiviert eine seltsame Grundeinstellung. Oberflächlichkeit und Konsumdenken, als Weg zum Erfolg. Wie in einer Mathematischen Gleichung. Ein Paar, was sich findet, eine perfekte Situation. Geschlechtsverkehr, Gipsabdruck, er verschwindet und beide sind glücklich. Nur ist es in der Realität nicht so, dass ein in zwei Stücke zersägter Baum gleich einem ganzen ist. 2 = 1+1
Wo zum Geier bleiben die unzähligen Sägespäne? Wo sind ihre negativen Erfahrungen mit Männern, wo ihr letzter Rest an Einfühlsamkeit? Und wenn es diesen nicht gibt, wo ist dann bitte der Grund für dessen Abstinenz?

Ich will damit sagen, dass eine solche Story immer nur eine Momentaufnahme darstellt, bei der das Vorher und das Nachher fehlen. Das Problem ist, dass man ähnlich, wie bei "Sex and the City" eine Bevölkerungsgruppe charakterisiert und prägt. Ich habe halt ein Problem damit, dass es überall als cool dargestellt wird, wenn man mit Menschen derartig umspringt. Das Ganze übertragen auf die Realität, sieht dann garnicht mehr so rosig aus, weil es beim überhand nehmen auch Konsequenzen nach sich zieht. Auch noch Werbung dafür zu machen, wollte ich also grundsätzlich mit negativem Vorzeichen versehen.

Aber das woltest du mit deiner Geschichte warscheinlich überhaupt nicht. Du wolltest bestimmt eine schlichte Standartsituation herstellen, um dann als wesentliches und anspruchsvolles Element, eine Erotische Spannung aufzubauen, bei der vorher und nachher eher unwesentlich sind. Bei mir klingelten halt die Alarmglocken in Form eines ekligen PoP-Songs. Vielleicht war das hier unungebracht und ich habe eine überflüssige Diskusion eingeleitet. Andererseits war es aber schon mindestens ein wenig lehrreich:) Ich sollte, morgen oder so, mal eine Kurzgeschichte darüber schreiben :)

Lieben Gruß

XioN


 
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Zuerst mal bedanke ich mich noch bei ahino für ihr Lob.

Wobei irgendwie noch vieles offen ist
So ist es eben im Leben, nicht? Wenn nichts mehr offen ist, dann ist der Sargdeckel zugeklappt. :p

Menschliche Persönlichkeit ist meiner Meinung nach derartig unbegreiflich, dass man nur näherungsweise an sie heran treten kann. Sie mit etwas trivialem, wie der Mathematik (oder "je-desto" Konstruktionen) auch nur ansatzweise beschreiben zu wollen, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt.
Es geht noch schlimmer, XioN. In der Sozialpsychologie gibt es eine Theorie (Exchange-Theorie), die jedes menschliche Verhalten und Fühlen nach einem marktwirtschaftlichen Modell definiert: Demnach verhalten wir uns so, dass wir die maximalgünstige Kosten-Nutzen-Relation erzielen. Ein Exchangetheoretiker erklärt dir jede deiner Taten und Äußerungen innerhalb seines Modells - und durchaus plausibel. Ein Behaviourist setzt einfach andere Termini ein: Verstärkung bzw. Verstärkerentzug/Bestrafung anstatt Kosten und Nutzen, aber die Mechanismen sind die gleichen. Was ist damit sagen will: Vielleicht sind wir einfacher gestrickt, als wir das mit unserer menschlichen Hybris als "Krone der Schöpfung" wahrhaben wollen. Aber irgendwie sind wir weit vom Thema abgekommen. ;)

Was die Erfahrungen und die Spuren, die sie hinterlassen, angeht, ist es mein Credo, dass es keine Chancengleichheit gibt und nie geben wird. Man kann politisch etwas an den Rahmenbedingungen ändern, aber nichts an der individuellen Situation, in die jemand hineingeboren wird. Auch der Juniorchef hat seine Hypotheken zu tragen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht sichtbar sein und in den Augen anderer leicht wiegen mögen. Tatsache ist sogar, dass Krisen, Traumata und widrige Lebensumstände die psychische Widerstandskraft stärken können; denk an die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen: Sie hatten z.T. extreme Schicksalsschläge und Belastungen zu verkraften und trotzdem ist die Zahl psychischer Beeinträchtigungen in dieser Gruppe eher geringer als bei den sog. Wohlstandskindern. Ich bin sogar der Meinung, dass die menschliche Psyche ein Reservoir an Kräften bereit hält, um speziell mit solchen Lebenskrisen und Stresszeiten fertig zu werden; wenn dieses Reservoir nicht abgerufen wird, weil die Lebensumstände zu komfortabel sind, kann es entarten und seine Energie zerstörerisch oder zumindest hemmend in der Persönlichkeit entfalten. Darum kann eine enttäuschende Liebeserfahrung durchaus der Anlass für eine positiv zu bewertende Persönlichkeitshäutung sein. Womit ich den Bogen zurück zur Geschichte schlage.

Wenn du meine Story "Nachtflug" lesen würdest, wüsstest du, dass ich sensibel bin für das Thema enttäuschte Liebe. Das heißt nicht, dass ich mich für meinen Plot entschuldige. Wir wissen nichts von der Prot und ihren Vorerfahrungen, aber ihre Art zu leben resultiert daraus, und darum hat sie ein Recht darauf. Wir können uns nicht immer so verhalten, dass andere sich keine blutige Nase an uns holen, dann würden wir uns selbst verleugnen. Jede Begegnung mit anderen Menschen ist eben ein Risiko. Und du als ein Moralist, XioN (das meine ich nicht abwertend) riskierst besonders viele blaue Flecken. ;)

... aber der Text positiviert eine seltsame Grundeinstellung. Oberflächlichkeit und Konsumdenken, als Weg zum Erfolg.
Ich bin ganz klar der Meinung, dass wir als Autoren den Geschöpfen unseres Geistes ihre Freiheit lassen müssen. Mit selbstgesetzten Denk- und Schreibverboten zensieren wir unsere Phantasie und nehmen ihr damit ihren ureigentlichen Wert, nämlich Wünsche und Impulse auszuleben, die Teil von uns sind, ob uns das nun passt oder nicht. Wenn nur moralisch einwandfreie Helden erlaubt wären, wären viele anerkannte Werke der Literatur nicht geschrieben worden.

"Ladies Night" ist nach meiner Intention eine Geschichte über eine Frau, die ihr Ding durchzieht und nicht von den Bedenken geplagt wird, die traditionell das Frauenleben belasten. So wird sie von großen Mädchen, die einen Teil ihrer blauen Flecken schon hinter sich haben, auch verstanden. :D Dass daraus eine solche Diskussion (die ich hiermit aus Zeitgründen beenden möchte) entstehen würde, hätte ich nie erwartet. Um so besser.

Wir lesen uns.
Chica

 
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seit langer zeit kein kommentar von mir in dieser sparte.

ich kann XioNs ekel voll verstehen. ich denke, ich teile auch im wesentlichen seine ansichten, auch wenn ich natürlich anders formulieren/argumentieren würde.

was den ökonomischen imperialismus in fremdwissenschaften betrifft, so freue ich mich einerseits darüber (nach dem motto: wir sind die tollsten :silly: ) andererseits finde ich das aus moralphilosophischer sicht furchtbar. denn die erklärungskraft solcher theorien legt ein menschenbild nahe, an dass ich nicht glauben will.

es bleibt festzuhalten, dass diese geschichte hier ganz klar ein text von frauen für frauen ist. haben wir es doch mit einer typischen frauenfantasie zu tun. die protagonisten hat zu jedem zeitpunkt alles vollkommen im griff.

das sollte man als männlicher leser wissen - und den text daher nicht so ernst nehmen. er steht ja nicht in gesellschaft :)


ach ja: gut geschrieben, eigentlich.

 
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Lieb Männerland, magst ruhig sein...

es bleibt festzuhalten, dass diese geschichte hier ganz klar ein text von frauen für frauen ist...
das sollte man als männlicher leser wissen - und den text daher nicht so ernst nehmen. er steht ja nicht in gesellschaft.
Welch schöne Evidenz für den Patriarchismus zu Beginn des 3. Jahrtausends, ob nun ironisch gemeint oder nicht. :)

Also: Da das ein Kommentar von Männern für Männer ist, muss er nicht so ernst genommen werden? Leider steht er in Gesellschaft.

Im Ernst: Ich bin langsam, aber sicher angefressen von diesen päpstlichen Hirtenbriefen, denn:

Was hat der Inhalt einer Geschichte bzw. das Verhalten ihrer Protagonisten mit ihrer Qualität zu tun?

In den beiden letzten Kritiken ist das Moment der literarischen Würdigung nicht bzw. nur am Rande enthalten. Ist eine Geschichte automatisch schlecht, wenn der Plot der herrschenden Moral widerspricht? Bedeuten taffe Prots automatisch Minuspunkte? Wenn man als Autor jedesmal genau gucken muss, ob die eigenen Figuren auch saubere Fingernägel und einen gewaschenen Hals haben, macht es doch keinen Spaß mehr.

Ich sehe den Sinn dieses Forums darin, dass Hobbyautoren sich gegenseitig Feedback geben über ihre "handwerkliche" Arbeit. Es ist kein Tribunal über Ethik und Menschenbild der Autoren. So sehr ich die vorangegangene Diskussion geschätzt habe, denke ich doch, dass es besser ist, die Moralkritik nicht in den Mittelpunkt eines Kommentars zu stellen.

Chica
... die sich jetzt mal auf ihren Besen schwingt :p

 

hallo chica,

jetzt werden wir aber plötzlich garstig :p
was ich mit meinem zugegebenermaßen provokanten satz

es bleibt festzuhalten, dass diese geschichte hier ganz klar ein text von frauen für frauen ist...
das sollte man als männlicher leser wissen - und den text daher nicht so ernst nehmen.
meinte, ist, dass der schwerpunkt dieser geschichte eben NICHT auf seiner gesellschaftlichen bedeutung liegt. konnte nicht widerstehen das so zu formulieren. ;)
mein kommentar war kein "päpstlicher hirtenbrief" sondern bezog sich darauf, was mich an diesem text/ an dieser diskussion interessiert. und natürlich muss man die frage
Ist eine Geschichte automatisch schlecht, wenn der Plot der herrschenden Moral widerspricht?
klar verneinen.

Es ist kein Tribunal über Ethik und Menschenbild der Autoren.
nein, aber durchaus ein tribunal für das menschenbild der geschichte.
denke ich jetzt doch, dass es besser ist, eine Geschichte unkommentiert zu lassen, wenn man mit der Moral darin partout nicht einverstanden ist.
nein, bin ich nicht mit einverstanden. sich nur auf inhaltskonforme meinungen zu beschränken dient niemandem.

ein bisschen recht bekommst du trotzdem: wir sind hier im romantik-forum. daher sollte man geschichten auch entsprechend lesen.

 
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In den beiden letzten Kritiken ist das Moment der literarischen Würdigung nicht bzw. nur am Rande enthalten. Ist eine Geschichte automatisch schlecht, wenn der Plot der herrschenden Moral widerspricht? Bedeuten taffe Prots automatisch Minuspunkte? Wenn man als Autor jedesmal genau gucken muss, ob die eigenen Figuren auch saubere Fingernägel und einen gewaschenen Hals haben, macht es doch keinen Spaß mehr.

Da hast du Recht und das tut mir auch ein bischen Leid. Du hast in jedem der aufgeführten Punkte Recht. Geschichten, die provozieren führen zu Diskusionen und die sind schonmal was Gutes. Ist natürlich blöd, wenn man überhaupt niemanden verletzen wollte und plötzlich eine Diskusion über Gesellschaft am Hals hat, obwohl man eine Liebesgeschichte schreiben wollte.
Bei mir war es eben so, dass einige unwesentliche Indikatoren zu einer massiven Reaktion geführt haben, die deine Hauptintention wohl aus meiner Aufmerksamkeit verdrängen konnten. Deswegen habe ich ja schon geschrieben, dass das vielleicht blöd von mir war ... nur ich kann ja meine Klappe, wie immer, nicht halten. Liegt in meiner Familie: Mein Opa z.B., wurde aus dem Betriebsrat einer Großfirma in der DDR geschmissen, weil er gegen das Regime Rebelliert hat und kleine Arbeiter verteidigte *lol* Er durfte dann Kran fahren ...

Wie auch immer:

Es geht noch schlimmer, XioN. In der Sozialpsychologie gibt es eine Theorie (Exchange-Theorie), die jedes menschliche Verhalten und Fühlen nach einem marktwirtschaftlichen Modell definiert: Demnach verhalten wir uns so, dass wir die maximalgünstige Kosten-Nutzen-Relation erzielen. Ein Exchangetheoretiker erklärt dir jede deiner Taten und Äußerungen innerhalb seines Modells - und durchaus plausibel. Ein Behaviourist setzt einfach andere Termini ein: Verstärkung bzw. Verstärkerentzug/Bestrafung anstatt Kosten und Nutzen, aber die Mechanismen sind die gleichen. Was ist damit sagen will: Vielleicht sind wir einfacher gestrickt, als wir das mit unserer menschlichen Hybris als "Krone der Schöpfung" wahrhaben wollen. Aber irgendwie sind wir weit vom Thema abgekommen

Damit machst du mir Angst ... zum Glück kann man das nicht beweisen:)

Dass daraus eine solche Diskussion (die ich hiermit aus Zeitgründen beenden möchte) entstehen würde, hätte ich nie erwartet. Um so besser.

Und das wollte ich auch gerade sagen, als ich deinen Text gelesen habe:)
Ist wohl auch eigentlich alles gesagt.

mfG

XioN

 

Wenn ich sim wäre, hätte ich jetzt nicht mehr sagen können: Chica, in der Sparte Erotik bis du eine Bank. Diesmal kommst du mir ein wenig zu allgemein daher, die Geschichte wirkt nicht so, wie ich es von dir gewohnt bin.

Obwohl du auch diesmal eine Menge guten Sachen bringst wie zum Beispiel

Er zog meinen Blick an wie ein Magnet die Eisenspäne

entmannenden Meißel

sah der Mann … nicht so aus, als wären bei ihm schon nennenswerte Ersatzteile montiert worden

Stetigkeit einer Gletscherendmoräne

Schlüssel seines Edelbleches

die gleichen Kriterien, die auch für einen ordentlichen Christbaum gelten

Rudimente ihres Gemächtes

- so stehen dem auch eine entsprechende Anzahl der nicht so geglückten Formulierungen entgegen:

Titanschrauben in Gelenken – Schrauben könnten höchstens in den Knochen sein, aber es gibt natürlich auch Gelenke aus Titan

zog mir scheinbar gedankenverloren-spielerisch die Haare vors Gesicht – gendankenverloren oder spielerisch reicht vollkommen, beides zusammen zeugt von deiner Sorge, man würde dir sonst nicht glauben

Ich schickte einen kurzen Radarstrahlblick in Richtung meiner Zielperson - Teenagersprache, das nimmt man einer Frau mit Erfahrung nicht ab

Auch mit dem Satzaufbau hast du es diesmal nicht so genau genommen:

Schön wie Markus Schenkenberg mit seinen wilden dunklen Augen, markanten Wangenknochen und dem Körper eines Beach-Volleyballers, der sich unter seinem dünnen weißen Hemd abzeichnete. - ist zu sehr nachgeschoben und erklärend.

Er zog meinen Blick an wie ein Magnet die Eisenspäne, seit er die Bar betreten hatte. – den Satz hätte ich andersrum geschrieben.

Schon immer hat mich die Ästhetik eines wohlgestalteten Männerkörpers fasziniert, stand ich in selbstvergessener Bewunderung vor antiken Torsi von Athletenkörpern und ließ meinen Blick von den muskulösen Marmorschultern über die sanft gewölbte Brust und die Wellenfläche des Bauches abwärts gleiten... - Tempofehler und/oder der ganze Satz ist unglücklich formuliert, ich stolperte darüber, musste es zweimal lesen

Immer noch hörte er dem Kerl, mit dem er gekommen war, aufmerksam zu, den Blick zur Seite gewandt. - stört den Lesefluss und tut nicht zu Sache. Ich würde den Satz andersherum formulieren: Den Blick zur Seite gewandt, hörte er …

viel subtiler und effektvoller in der Wirkung als der kürzeste Rock oder das tiefste Dekolletee. – würde ich ergänzen mit: es je gekonnt hätte(n).

und zeigte ihr verstohlen meine zum siegreichen V gespreizten Finger, bevor ich mich meiner spontanen Bekanntschaft zuwandte. – der Nachsatz ist entbehrlich, denn er erklärt etwas, was aus der darauf folgenden Handlung sowieso klar hervorgeht.

Jedenfalls machte Laszlo den Motor aus und zog den Zündschlüssel ab, ohne dass ich ihn dazu aufgefordert hatte, als wir drei Stunden später vor meiner Haustür ankamen, aber ich vergab ihm diese männliche Selbstherrlichkeit. – der Satz ist unglücklich formuliert, ich würde es andersherum formulieren: Als wir drei Stunden … , machte Laszlo jedenfalls …, ohne dass …, aber ich vergab …

Seine Muskeln spannten sich an wie eine Bogensehne, als ich meine Wange an seinem Bauch rieb – ich würde es umgekehrt schreiben: Als ich …, spannten sich …

Dann hätte ich noch ein paar Anregungen:
„Dass das nicht Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer ist, sehe ich selbst. Eine Frau kann schließlich nicht alles haben.“ – würde ich so schreiben: … sehe ich selbst - frau kann schließlich …

Ich brauchte nicht aufzusehen; ich wusste auch so, dass sich seine Augen verengten, der erste Adrenalinstoß seinen Kreislauf dopte. – ein wenig zu dick aufgetragen, schließlich wurde erst ein Blick gewechselt, der Mann könnte auch schwul sein.

und schob seinen Begleiter mit einem wohlplatzierten Rippenstoß, der auf jedem Fußballplatz für eine gelbe Karte gereicht hätte, zur Seite, um Platz für mich zu schaffen. – auch hier zu dick aufgetragen, wirkt unglaubwürdig und deplaziert.

Und schließlich habe ich noch eine praktische Frage: wenn du die Protagonistin schon mit dem Öl hantieren lässt, um seine Haut zu schonen, was aber geschieht mit seinen Schamhaaren? Werden sie ihm mit dem Gips ausgerissen? Oder war er rasiert?

Dion

 

Mir scheint, Chica hat mit "Ladies Night" so manches männliche Ego in seinen Grundfesten erschüttert. Eine Erklärung dafür finde ich nicht. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Reaktionen bei vertauschten Rollen ausgefallen wären. "Er" ist der Jäger, "sie" ist die Beute, und "er" nimmt als Trophäe einen Gipsabdruck von ihren Brüsten. Ob die Moralkeule dann auch so weit geschwungen worden wäre?

 

Hallo Batch Bota,

... dass der schwerpunkt dieser geschichte eben NICHT auf seiner gesellschaftlichen bedeutung liegt.
Richtig. Meine Geschichten haben keinen "J'accuse!"-Anspruch.

... sich nur auf inhaltskonforme meinungen zu beschränken dient niemandem.
Fein, dann darf ich mir auch in Zukunft erlauben, Geschichten mit einem Kuschelrock-Idyll als Plot wegen ihrer Märchenhaftigkeit zu kritisieren. :D

XioN, es schadet nie, wenn man durch eine "aufgezwungene" Diskussion dazu gebracht wird, die eigenen Standards zu durchdenken. Da muss ich dir eher dankbar sein; zumal eine meiner nächsten Prots das Potenzial hat, noch größere Empörung hervorzurufen...

Dion, danke für deine ausführliche Detailkritik. "Ladies Night" ist eine Chill-out-Geschichte, wie man so kosmopolitisch sagt, daher fällt sie aus dem Rahmen meiner sonstigen Schreibe. Ich brauchte das. Und ich habe sie nicht wie üblich "abhängen" lassen, was die Schlunzigkeiten erklären mag. Die meisten deiner Rotstifteinträge scheinen mir begründet (bzw. mir war schon beim Schreiben klar, dass sie Anlass zu Stilkritik geben könnten), ich werde die Stellen mit etwas mehr Distanz zum Text nacharbeiten.
Und was deine letzte Frage angeht: Gehen wir mal davon aus, dass er dem Trend folgend rasiert ist.

Ja, Blue Velvet, du hast recht: Es wäre wirklich ein Experiment, die Geschichte mit vertauschten Rollen zu schreiben und auf ihre Wirkung zu überprüfen. Vielleicht wäre dann die Kritik einfach nur von der anderen Seite gekommen.

MfG, Chica

 

Fein, dann darf ich mir auch in Zukunft erlauben, Geschichten mit einem Kuschelrock-Idyll als Plot wegen ihrer Märchenhaftigkeit zu kritisieren.
sofern du das für berechtigt hälst: natürlich! :p

 

Hola Chica,

ich hab sie gern gelesen, Deine kleine Geschichte hier, auch wenn sie an andere Deiner Werke nicht ganz hinanreicht.

Eine Sache ist mir aufgefallen:

und dem Körper eines Beach-Volleyballers, der sich unter seinem dünnen weißen Hemd abzeichnete.
Unfreiwillig komisch: Der Beachvolleyballer zeichnet sich unter seinem Hemd ab?!

Und da ich mich der nachfolgenden Diskussion nicht entziehen konnte, kommen hier nun meine während des Lesens gesammelten Gedanken dazu:

@XioN:

Hier haben wir den Punkt, an dem unsere Positionen auseinander driften. Denn ich selbst, könnte mir nichts schlimmeres vorstellen, als das.
Entschuldige meine blöde Antwort, aber dazu kann ich nur eines sagen: Du bist noch jung, und damals hab ich auch noch so gedacht. Inzwischen, gut acht Jahre älter als du, weiß ich, dass es eine unumstößliche Tatsache ist, am, im und durch das Leben zu lernen. Und damit auch gelassener und vielleicht ein Stück weit desillusionierter zu werden.

Tja, das lernt man in den ersten Semestern des Psychologiestudiums. Besonderes Gewicht auf Mathematik, soll ziemlich ätzend sein, wie ich gehört habe. Und wohl mindestens genauso wertlos. Menschliche Persönlichkeit ist meiner Meinung nach derartig unbegreiflich, dass man nur näherungsweise an sie heran treten kann. Sie mit etwas trivialem, wie der Mathematik (oder "je-desto" Konstruktionen) auch nur ansatzweise beschreiben zu wollen, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Aber im Zweifelsfalle kann man ja immernoch Anti-Depressiva verschreiben ...
Nicht nur, dass du hier über Dinge sprichst, die Du nur vom Hören-Sagen her kennst, Du vergleichst auch Äpfel mit Birnen. Denn Antidepressiva dürfen nur Psychiater, also Ärzte, verschreiben, Psychologen hingegen kümmern sich in Verhaltens- oder Gesprächstherapien (es gibt noch eine Reihe weiterer) um Menschen - haben also, vereinfacht formuliert, vor allem ein gutes Ohr zum Zuhören.

Welch schöne Evidenz für den Patriarchismus zu Beginn des 3. Jahrtausends, ob nun ironisch gemeint oder nicht.

Also: Da das ein Kommentar von Männern für Männer ist, muss er nicht so ernst genommen werden? Leider steht er in Gesellschaft.

Du nimmst mir die Worte aus dem Mund, Chica! ;)

Ich bin der Meinung, dass eine Geschichte gut sein kann, wenn ihr Protagonist zwiespältig ist, dass sie sogar besonders gut geschrieben sein muss, damit er glaubwürdig ist. Ich finde Deine Protagonistin aber weder schwach und bedauernswert, noch hinterlistig und gemein, sehe sie weder als Opfer noch als Täter.

Was um alles in der Welt ist so schwer daran zu begreifen, dass Sex Spaß macht und dass sich hin und wieder Menschen dazu hinreißen lassen, ein uraltes Spiel namens Flirten (oder Balzen, Anbaggern, Abschleppen etc.) zu spielen, sich daraufhin in einer einzigen orgistischen Nacht zu vereinen, dabei ungewöhnliche Praktiken auszuführen und sich danach auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden?!

Und: Dass Männer seit Urzeiten diejenigen sind, die dieses Spiel beginnen, scheint immer wieder Anlass dafür zu sein, einer Frau Defizite anhängen zu wollen, die es ihnen gleich tut. Entschuldigt, dass ich Gleichberechtigung anders verstehe. ;)

So, genug davon, die Geschichte gefällt mir immer noch!

LG chaosqueen :cq:

 

*räusper*

Nicht nur, dass du hier über Dinge sprichst, die Du nur vom Hören-Sagen her kennst, Du vergleichst auch Äpfel mit Birnen. Denn Antidepressiva dürfen nur Psychiater, also Ärzte, verschreiben, Psychologen hingegen kümmern sich in Verhaltens- oder Gesprächstherapien (es gibt noch eine Reihe weiterer) um Menschen - haben also, vereinfacht formuliert, vor allem ein gutes Ohr zum Zuhören.

Dazu mal ein Auszug aus nem Artikel vom Spiegel:

In den ersten vier Semestern besteht das Studium zu einem gewichtigen Teil aus Mathe, vor allem Statistik. Dazu kommen Biologie, Neurophysiologie, aber auch differenzielle Psychologie, Entwicklungs- und Sozialpsychologie. Als verrufen gilt unter manchen Studierenden die Methodenlehre: Fragebögen, Interviewtechnik, Testverfahren.

Quelle:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,225561,00.html


Ich wollte es, wie gesagt, mal selbst studieren. Leider habe ich aus dem Netz keine präzieseren Infos bekommen...
Ich will damit jetzt nicht trotzig herumradotieren, aber ich hasse es, wenn man mir Dinge unterstellt, die ich nicht gemacht habe, um mich dann als den unerfahrenen Jugendlichen hinzustellen. Natürlich mache ich viele Fehler (so wie Jeder...) und zu denen stehe ich dann auch gerne. Das mit den Anti-Depressiva war vielleicht ein wenig weit gegriffen... nur stehen auch Psychologen da bestimmt einige Möglichkeiten und Kontakte offen.

Was um alles in der Welt ist so schwer daran zu begreifen, dass Sex Spaß macht und dass sich hin und wieder Menschen dazu hinreißen lassen, ein uraltes Spiel namens Flirten (oder Balzen, Anbaggern, Abschleppen etc.) zu spielen, sich daraufhin in einer einzigen orgistischen Nacht zu vereinen, dabei ungewöhnliche Praktiken auszuführen und sich danach auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden?!

Und: Dass Männer seit Urzeiten diejenigen sind, die dieses Spiel beginnen, scheint immer wieder Anlass dafür zu sein, einer Frau Defizite anhängen zu wollen, die es ihnen gleich tut. Entschuldigt, dass ich Gleichberechtigung anders verstehe


Und zu den beiden Sachen habe ich mich auch bereits eingehend geäußert. Käme jetzt sehr unfreundlich, das alles hinzuquoten. Es sind aber präzise Statements zu beiden Aussagen in meinen Posts enthalten. Es hilft nur sicherlich keinem wirklich weiter.

Langsam sinkt mir die gute Atmosphäre hier und ich will mir keine Feinde machen, wenn ich eigentlich von sehr begabten Personen umgeben bin. Deshalb verabschiede ich mich jetzt aus der Diskusion um die Geschichte, die ich auch nach wie vor gut finde... nur eben anders ausdeuten würde:)

 

Hallo Chica,

zum Glück habe ich doch ncoh alle Beiträge gelesen, bevor ich nur nach der Lektüre deiner Geschichte meine Antwort gesendet habe. Dadurch bekommst du die lange Anmerkungsliste von _Dion nicht ein zweites Mal.
Ich bleibe trotzdem bei meinem Statement von der Bank, auch wenn ich diese Geschichte im Vergleich zu deinen anderen auch weniger gelungen finde. Sie ist aber immer noch gut, sie ist erotisch und ich habe sie beim Lesen nicht im Geringsten als männerfeindlich empfunden. Mag daran liegen, dass ich auch über männerfeindliche Witze lachen kann. ;)
Zum Plot. Es ist ein Spiel, zu dem beide gehören, und wenn schon von "Benutzen" die Rede ist, könnte man sagen, dass sie sich gegenseitig benutzen. Für mein Gefühl hatten sie aber einfach Spaß. Wenn auch unausgesprochen, schien mir für beide klar zu sein, dass es nicht um eine feste Beziehung gehen würde, sondern um einen One Night Stand.
XioN vergleich den Plot mit Sex and the City und dem dort verbreiteten Menschenbild. Vielleicht beruhigt es dich, Xion, dass ich entgegen dieses verbreiteten Menschenbildes eigentlich zur Zeit eher eine gegenteilige Erfahrung mache. Ich habe eher das Gefühl, dass die sexuelle Freizügigkeit bei vielen gar nciht mehr so einen hohen Stellenwert genießt, dass eher "konservative" Werte, wie Treue und Monogamie gefragt sind, und manchmal erschrickt mich diese Form neuer Moral, weil ich das Gefühl habe, statt mit der folgenden Generation mit meinen Großeltern zu reden. Insofern finde ich eine Geschichte, in der eine fantasievolle Spielart des Sex einfach Spaß bringt. Ich habe mal ein bisschen gegooglet und es gibt erstaunlich viele Seiten über Gipsabdrücke des Penis mit ausführlichen Anleitungen, wie man sie anfertigt. Ich gehe also davon aus, dass auch das dem Mann wirklich Spaß gebracht hat. Vielleicht hätte er ja nach einem Abdruck für sich fragen können? ;)

Eine Stelle erscheint mir aber in ihrem Witz einfach unklar gedacht.

Wenn meine Freundinnen hartnäckig insistierten, dass innere Werte die wahre Qualität eines Mannes ausmachten, konterte ich, dass der reine Materialwert eines Mannes wenige Euro betragen würde, eventuelle Gold-Inlays in Zähnen oder Titanschrauben in Knochen nicht eingerechnet.
Das wäre doch eigentlich gar kein Konter, sondern die Bestätigung der Freundin, oder? Wenn der Materialwert so gering ist, müssen es doch die inneren Werte sein, die zählen. Schon weil gut erhaltene innere Organe auf dem Schwarzmarkt ... (ok, lassen wir das);)

Aus der eigentlich nicht zur Geschichte gehörenden Diskussion möchte ich eine Bemerkung nicht unwidersprochen lassen. Vielleicht antwortest du mir per PM drauf, Chica.

Tatsache ist sogar, dass Krisen, Traumata und widrige Lebensumstände die psychische Widerstandskraft stärken können; denk an die Kriegs- und Nachkriegsgenerationen: Sie hatten z.T. extreme Schicksalsschläge und Belastungen zu verkraften und trotzdem ist die Zahl psychischer Beeinträchtigungen in dieser Gruppe eher geringer als bei den sog. Wohlstandskindern.
Die Zahl psychischer Beeinträchtigungen ist in sofern nachweislich geringer, dass weniger Behandlungen stattgefunden haben. Daraus den Schluss zu ziehen, es hätte sie nicht gegeben, halte ich nicht für plausibel. Dass die folgenden Generationen dann höufiger behandelt wurden, könnte ja auch damit zusammenhängen, dass die Kriegstraumata eben unreflektiert an sie weitergegeben wurden. Die Sorgen der direkten Nachkriegsgenerationen waren viel elementarer, für die psychischen Probleme war da kein Raum. Wichtiger waren Nahrungsbeschaffung und Wiederaufbau. Die bestehenden Neurosen wurden weiter unten priorisiert, bis es eben einige Generationen später nicht mehr ging, weil sie katalysierten und weil die volkswirtschaftliche Situation es zuließ.

So, das war es auch schon.
Lieben Gruß, sim

 

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