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Kuchenkrieg im Kindergarten
Es war einmal ein Kindergartenfest. Um genau zu sein letztes Wochenende. Der ganze Kindergarten ist voller Kinder. Wie viele es sind, kann man nicht genau sagen. Sie laufen ständig durcheinander, kreuz und quer, hin und her. Wie durch ein Wunder bildet sich ein Kreis heraus, der an vier Erzieherinnen gefixt ist.
Die Kinder fassen sich quietschend an den kleinen Händen und fangen in hohen, piepsigen Stimmen an ein Kinderlied zu singen. Der dünne Singsang kann Steine erweichen. Die Gesichter der Eltern werden rührselig. Besonders die mitgebrachten Verwandten können sich dem ungewohnten Zauber nicht entziehen. Sie gucken auf die Kreiskinder, wie Kinder auf die Playstation. Die Kinder singen:
Da kommt die böse Fee herein, Fee herein, Fee herein
Da kommt die böse Fee herein, Fee her-ein.
Dornröschen schlafe hundert Jahr, .........
Und so weiter..dann kommt der Prinz, küßt das Dornröschen und es wird Hochzeit gefeiert.
Das Lied ist zu Ende und die Ordnung natürlich ebenfalls. Aus der Luft betrachtet muß der Anblick wie ein aufblähen, wie eine Kontraktion wirken. Und wie bei einem Muskel ziehen sich die Stränge auch wieder zusammen. Die Kinder rennen zu den Eltern.
Freudig werden sie auf den Arm oder an die Hand genommen.
Man fragt:
„Wollen wir einen Kuchen Essen gehen?“
Und man geht in den Kindergarten hinein, folgt dem Kaffeeduft, der in der Luft hängt. Tische biegen sich unter sahnigen Lasten. Sind das Torten! Kein Wiener Sacherkaffee kann mit den selbstgebackenen (Mutter) Kuchen eines Sommerfests im Kindergarten mithalten. Hier legen sich die Mütter richtig ins Zeug. Holen die guten-alten Rezepte aus der Küchenschrankschublade und haben den halben letzten Nachmittag backend in der Küche verbracht. Das Ergebnis dieser Backfreuden ist eine wahre Pracht. Heute wird niemand nicht voll des Lobes nach Hause gehen. Man weiß gar nicht, was man essen soll, denn die Auswahl ist zu überwältigend als das man alles versuchen könnte was man begehrt. Es gibt fast kein Schatten bei dem vielen Licht. Zwischendurch gibt’s die eine oder andere wenig bereichernde Backmischung von Dr. Ötker, der dann das passiert, was für sie vorgesehen ist. Auch im Kindergarten gelten die ehernen Gesetze des Marktes von Angebot und Nachfrage oder vielmehr setzt sich bei einem Überangebot Qualität durch! Also was geschieht gerechterweise mit der langweiligen Fertigbackmischung von Müttern die sich nicht so viel Mühe gegeben haben?
Zwei Stückchen werden gerade so gegessen (wahrscheinlich von dem säuseligen Ehemann) und den Rest muß die nahezu Rabenmutter wieder mit nach Hause nehmen.
Tja, Backmischung-Muttchen, von Petras Erdbeertorte war schon nach einer halben Stunde nichts mehr da!
Manchmal hat man halt keine Zeit. Beim nächsten mal sollte sich mehr Mühe gegeben werden!
Der Kuchenkrieg ist von den heiligen, guten Selbstback-Müttern gewonnen. Auch wenn die Verlierer vielleicht gar keinen Krieg geführt haben. Für die Gewinner ist es ein Sieg.
Der Lärm der Schlacht, der Rauch verzieht sich. Die Leute sind satt. So kommt träge Friedensstimmung auf. Bei dem gemütlichem Kaffe und draußen vielleicht einer ungesunden verantwortungslosen Zigarette, kann man die Situation genießen. Es ist schön das Leben zu beobachten und der Kuchenkrieg ist sicher auch nur für sehr komische Leute wichtig. Leute, die sich an jeder KLeinigkeit hochziehen können, welche die in allem einen Wettbeweb sehen und alles mögliche ernst nehmen. Welche die zu allem ein richtig und falsch, ein gewonnen und verloren finden. Welche Soldaten in den Tod schicken würden, weil sie in der Ehre gekränkt wurden! Oder vielleicht doch gar nicht so schlimme, nur welche die gern sarkastisch sind und Freude daran haben sich zu ganz "normaln" Situationen was "unnormales" auszudenken?
Den Krieg sollten wir mal bei Seite schieben und den Kindern zugucken. Das macht sanft. Es läßt in Gedanken des Aufbaus, statt der Zerstörung Platz finden, man kann nicht mal mehr an so was abgefahrenes wie einen Kuchenkrieg denken. Also ( ganz einfach):
Elternschaft schafft Frieden.
- oder
Schickt den Osama, den Bush, Blair und überhaupt jeden Erwachsenen einmal im Monat zu einem Kindergarten - Fest und der Weltfrieden ist gewiss.
-oder so.
Aber vergeßt nicht, die Unschuld liegt natürlich nur im Auge des Betrachters.