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Kookaburra, oder der lachende Hans

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26.10.2001
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Kookaburra, oder der lachende Hans

Kookaburra, oder der lachende Hans.

Heiß brannte die Sonne auf seinen sehnigen Körper herab.
Dicke Schweißtropfen perlten von seiner Stirne, verfingen sich an seinen Augenbrauen, rannen an seiner Nase entlang, um mit einem fast schon eleganten, unhörbaren „ plopp“ den Absprung auf die ausgetrocknete, rote Erde zu wagen.
Helmut stützte sich mit einem Seufzer auf den Stil der Spitzhacke und wischte sich mit einer fahrigen Bewegung den Schweiß von der Stirne. Wochenlang schon kämpfte er mit der Maccia, den tief verflochtenen Wurzeln und den Steinen, die immer dort zu liegen schienen, wo er sie am wenigsten brauchen konnte.
„Ach ja“ seufzte er aus tiefstem Inneren, bückte sich nach der im Schatten eines großen Steines stehenden Wasserflasche und nahm drei tiefe, durstige Züge.
Als er sie in den Schatten des großen Steines zurückstellte, bemerkte er aus dem Augenwinkel rechts neben sich eine winzige Bewegung.
Er war nicht alleine. Den ganzen Morgen schon hatte er das Gefühl gehabt, dass er beobachtet wurde. Er schaute in das sattgrün belaubte Dickicht, welches er sich zu roden vorgenommen hatte.
Da sah er ihn sitzen.
Die neugierigen, aufmerksamen Äuglein blitzten ihm spöttisch entgegen.
Er betrachtete den kleinen Kerl näher, immer bemüht, ihn nicht zu erschrecken, jetzt, wo sich eine Blickverbindung zwischen ihnen aufgebaut hatte.
Sein Köpfchen war kräftig, ohne jedoch plump zu wirken. Er hatte auf der Stirne eine schöne Zeichnung verschiedenster Brauntöne, die sich in Federrichtung in seinen Nacken zog. Sein ebenfalls kräftiger Schnabel war an der Oberseite von einem fast metallisch blauschwarz schimmernden Farbton, der durch die Blendendweiße Schnabelunterseite noch hervorgehoben wurde. Die Brustfedern waren hingegen von einer feinen grauen Maserung gezeichnet, welche ihn entfernt an das Fell einer Hauskatze erinnerte. Die Flügel boten ein abwechslungsreiches Farbspiel verschiedenster Blautöne, die ins türkisfarbene variierten. Der Schwanz hingegen hatte kräftig leuchtende Brauntöne, die sich mit satt schillerndem Schwarz abwechselten. Ein an sich nicht weiter auffälliges Kerlchen, aber bei näherer Betrachtung... fast so, als habe ihm der kleine Kerl seine Einwilligung gegeben, spannte Helmut seine Muskeln an, streckte sich langsam und begann bedächtig erneut Wurzelgeflecht und Steine aus dem Hang herauszuhacken.

Es war Abend geworden.
Helmut saß auf der Terrasse, ein kühles Millers in der Hand und besah sich sein Tagewerk, welches sich teilweise durch den warmen Schein der Petroleumlampe erhellt, in der Tiefe der australischen Nacht verlor.
Plötzlich lachte es dort im Dunklen.
Wieder wurde ihm bewusst, dass er dieses Lachen schon öfter gehört hatte.
Es klang ein wenig spöttisch, so, als wollte der, welcher da lachte, seine mühevolle Arbeit kommentieren.
Helmut starrte aufmerksam ins Dunkel der Nacht.
Dann auf einmal flatterte der kleine Kerl vom Nachmittag in den Lichtkreis der Lampe und blieb etwa drei Armlängen von ihm entfernt auf einer großen Wurzel sitzen. Er wippte anmutig mit den Schwanzfedern, ruckte kurz mit dem Hals und... lachte.

Helmut begann zu grinsen.
Das also war der Lohn seines Tagewerks.
Er hatte Steine umgebettet, die hier schon wer weiß wie lange genau so gelegen hatten, hatte versucht, dem Land, welches zwar für eine kurze Lebensspanne sein eigen zu sein schien, aber letztlich doch nur sich selbst gehörte ein neues Angesicht zu geben, und alles was sein Lohn dafür zu sein schien, war ein Lachen am Ende des Tages.
Helmut begann ebenfalls zu lachen.
Denn auch an diesem Abend würde seine Arbeit genau ein Lachen wert sein.

Die Augen des kleinen Kerls blitzen ihm ironisch entgegen.
So saßen sie dort und lachten.
„ Hätte man morgens gelacht, man hätte sich einiges an Mühsal sparen können“ dachte er und prostete dem kleinen Kerl zu.
Dieser nickte noch einmal zum Abschied, und flog davon.
Am nächsten Morgen saß der kleine Kerl wieder in seiner Nähe.
Helmut lächelte froh zu ihm hinüber und bedankte sich innerlich für diese Lektion.
Denn auch an diesem Abend würde sein Tagewerk genau ein Lachen wert sein.

 

Hi Lord,

Ein Muskelprotz der im Staub Ukraut jaetet, das immer wieder nachwaechst: Das hat natuerlich etwas ganz existentialistisches. Der Vogel, sein Aussehen, und sein Lachen kommen da auch ziemlich absurd. Mir hat der Text gefallen, obwohl ich ihn nicht besonders tiefgruendig fand. Immerhin, ein Laecheln hat er aus mir herausbekommen.

Gruss,

I3en

 

Danke Ben...ich will ja auch nicht immer soo tiefgründig sein... die philosophischsten Geschichten passieren ganz unauffällig so nebenbei im Alltag... Freut mich, dass er dich zum Lächeln gebracht hat.

l.G. Lord

 

Hehe. Das faellt mir auch immer auf. Wer auf der Suche nach philosophischen Geschichten ist, lese tatsaechlich am besten in Alltag. :D

 
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Hallo Lord Arion,

eine schön erzählte, kleine Geschichte. Sie hat mich an den Sisyphus erinnert, aber auch an `alles ist eitel´ (vor allem, wenn man menschliches Tun im Vergleich mit größeren Dimensionen sieht). Doch partiell kann das Tagewerk das Wichtigste sein, wichtig, wie ein Lachen als Lohn, wer will da schon ein `nur´ vor `ein Lachen´ setzen?

Liebe Grüße,

tschüß... Woltochinon

 

Servus Lord Arion!

Ein nette Nachmittagsgeschichte die mich trotz dieser angesprochenen "Nichttiefsinnigkeit" sehr mit meiner Gedankenwelt konfrontiert. Der Name der mir zu der Geschichte einfällt ist Begnügsamkeit. Manchmal finde ich mich da auch wieder, denke es reicht jeden Tag aufs neue zu beginnen und das Tagwerk mit einem Lächeln zu begrüßen und damit zu beenden. Da würd ich dem Vogerl auch zuprosten und mich freuen, dass alles so ist wie es ist. Und dann kämen Momente wo ich ihn zorngeladen auf Nimmerwiedersehen zu verscheuchen suchte ... ;)

Lieben Gruß an dich - Eva

 

Hi Eva, hi Wolto.
Danke für´s lesen. Die Geschichte ist mal wieder eine wahre, mein Vetter hat sie mir mit einem Foto garniert erzählt und zu meinem 40ten geschenkt.
Er ist der fleißige Unkrautjäter in Australien... das ging mir einfach nicht aus dem Sinn...
Morgen geb ich ein Konzert in HD, und ich hoffe, dass da auch Applaus am Ende bleibt, und mir danach ein befreites Lachen.
l.G.
Lord

 

Hallo Lord!

Selbst wenn der Applaus ausbleiben sollte, was ich nicht annehme, dann schau runter in die Halle, den Saal, da sitzt er drinnen der kichernde Vogel - lach einfach mit ihm und genieße. Toi toi toi - Eva

 

Danke Eva, werde dran denken... und was noch dazukommt, heute ist der vorhergesagte Geburtstermin meines(???) Kindes, ich werde mir wohl fast in die Hosen sch... und der Wein danach wird wunderbar sein.
Aber ich werde wohl den Vogel lachen hören... alles ist eitel...(Ich grins mir jetzt schon einen...)
Außerdem wird der heutige Tag sich mit Sicherheit als Geschichte hier wiederfinden...

l.G. Lord:D ;)

 

Wow - was für ein intensiver Lebensabschnitt - da wird der kleine Kolibri ja nicht nur kichern, sondern völlig ausgezuckt mit flatterndem Gefieder vor Heiterkeit laut kreischend vom süffigen Wein nippen und dann voll Vertrauen in seine Glückseligkeit vom Glasrand kippen. Die Fragezeichen zwinkernd irgnorierend wünsche ich Euch alles Liebe und freu mich auf die Geschichten die da kommen werden - Eva

 

moin.
Der Wein war hervorragend, das Konzert klasse, nur mit zuwenig Publikum, Hans lachte lange und fröhlich... jetzt geh ich frühstücken... Hörst du ihn auch lachen?

Lord

 

Eine wunderschöne Frage mitten hinein in meine Gedanken - ich höre ihn, leise und vertraut ... lass es dir gut schmecken - Eva

 

Ich möchte mich trennen, meinen GEhinrstamm rausreißen und mich ausstecken.
Sonst will ich nichts.

 

Kein Problem, Hank. Dies war Dein letzter Beitrag.

 

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