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Kommunikationstraining im Getränkemarkt – Danke Herr Trittin
Kommunikationstraining im Getränkemarkt – Danke Herr Trittin
Die Wetterfrösche meinen, heute könnte der heisseste Tag des Jahres werden. Wer nicht arbeiten muss, flüchtet also besser ins Freibad oder sucht sich ein schattiges Plätzchen, um sich dort möglichst wenig zu bewegen. Aber egal wo sich jeder einzelne befindet. Der Schweiss rinnt aus allen Poren und der Körper lechzt nach möglichst eiskalten Getränken.
Doch wie in den Asterixheften ein gallisches Dorf den Römern trotzt, so zieht eine kleine drei- bald vierköpfige Familie zum Einkaufsbummel und Grosseinkauf in ein Einkaufszentrum. Nach einer Weile werden auch hier die gekühlten Getränke gesucht. Da, im Getränkemarkt des Zentrums steht ein Kühlregal.
Zwei kalte 0,5 l Cola-PET-Flaschen landen im Einkaufswagen, beschlagen von aussen, um zu signalisieren: „Trink mich, ich tue dir gut! You can´t beat the feeling.“
Für zu Hause werden noch einige Mehrweg-Pfandflaschen der anderen großen Cola-Firma eingepackt. Auf zur Kasse, um endlich das kühle Nass geniessen zu können. Der Kassenbon weist die verschiedenen Pfandstufen aus und hat vorgesehene Felder, um eine gestaffelte Rückgabe der Flaschen dokumentieren zu können.
Nach dem üblichen längeren Anstehen an der Kasse – irgendwie scheinen doch nicht alle im Schwimmbad gewesen zu sein – ein Zischen, und Mama und Papa nuckeln simultan an ihren Erfrischungsgetränken. Junior trinkt aus seiner mitgebrachten Babyflasche, natürlich ohne Pfand und wiederverwertbar.
Nachdem der Einkauf nach Hause geschafft wurde, nimmt das Drama seinen Lauf. Wohin mit den Einweg-PET-Flaschen? Es hat sich herumgesprochen, daß jeder Händler oder manchmal auch eine ganze Ladenkette nur die eigenen Pfandflaschen zurücknimmt. Und jeder hat ein anderes System: Kassenbon, Pfandmarken, Flaschenaufdruck und so weiter.
Also macht sich am Folgetag Papa auf, die beiden Einweg-PET-Flaschen und auch schon zwei geleerte Mehrweg-PET-Flaschen zurückzugeben. Das Problem ist nämlich: Es sind etwas 45 km zum Markt. Grosseinkäufe werden nämlich von Familie S. in der nächstgrösseren Stadt erledigt. Zufällig muss Papa aber heute nochmal in die Richtung.
Papa sucht also einen Parkplatz vorm Getränkemarkt und beginnt seine Reise durch den Pfanddschungel. Im Eingang steht ein Flaschenrücknahmeautomat mit dem Schild „Keine Einwegflaschen!“ Gut, hier kommen also die Mehrwegflaschen rein. Flasche wie angegeben mit dem Boden zuerst in die Röhre – Ausgabe: „Kein Pfand.“ Nanu, nochmal. Gleiches Ergebnis. Bei genauerem prüfenden Blick auf das Etikett steht dort aber Pfandflasche.
Nun gut, bringen wir also zuerst die Einwegflaschen weg. Dort steht eine Kasse – sieht aber zu aus. Ich gehe also in den Markt durch die üblichen Einbahnschranken. Den ersten Menschen im blauen Kittel frage ich um Rat. Die unbesetzte Kasse war natürlich doch zuständig. Ich solle an der Hauptkasse Bescheid sagen, doch dort steht die längste Schlange von allen, wie Ephraim Kishon sagen würde. Zum Glück hat sich gerade ein Pfand-Leidensgenosse auf den Weg dorthin gemacht, um Hilfe zu holen. Er wird angepflaumt von der Kassiererin, er solle einfach warten, sie müsse nämlich kassieren und den anderen Arbeitsplatz noch mitbesetzen. Sie könne sich ja nicht teilen.
Er kommt zurück, um mir dies etwas verärgert und brummelnd mitzuteilen. Dabei scherzt er: „Die hätte doch genug Körpermasse, um beide Posten gleichzeitig zu besetzen.“ Die Nettigkeiten zu unserem Bundesumweltminister und dem neuen sogenannten Dosenpfand lassen wir aus Jugendschutzgründen hier besser einmal weg. Nun mussten wir uns also dank eines erneuten Mitarbeiters und trotz aufheulender Alarmsirenen durch die Einwegschranken zur Einwegkasse zurückstehlen.
Kurze Zeit später kommt eine andere Dame, prüft unsere alten Kassenbons, nimmt die Flaschen in Empfang, trägt auf dem Bon aus und gibt das Geld heraus. „Puh – geschafft.“ Denkste, denn die Mehrwegflasche will sie nicht.
Auf die Erklärung, der Automat wolle sie auch nicht, zuckt sie hilflos mit den Achseln, schaut prüfend auf die Flasche und ruft einen Kollegen. Dieser macht das frustrane Spiel mit dem Automaten ein paar mal und sagt: „Das ist keine Pfandflasche.“ Mein Einwand, dies stehe aber auf der Flasche bringt die Denk- und Ausredensuchmaschine zum laufen. „Dann ist die Flasche wohl nicht von uns.“ Doch keine Chance, ich habe sie schliesslich selbst vor kaum zwölf Stunden hier gekauft.
„Dann brauchen wir den Geschäftsführer“, kapituliert der Herr im blauen Kittel. Doch auch dieser schaut sich nur achselzuckend die gleiche Prozedur noch einmal an und weist im Sinne einer Leitungslösung einen erneuten Mitarbeiter an, einen handgeschriebenen Pfandbon auszustellen. Ein erleichtertes Siegeslächeln kommt auf mein Gesicht. Doch zunächst versucht er lange Zeit vergeblich auf endlosen Listen herauszufinden, was er denn nun als Betrag aufschreiben müsse.
Endlich: Zweimal 15 Cent. Ich gehe zur leeren Einweg-Kasse. „Nein, schallt es mir entgegen – damit müssen sie zur Hauptkasse.“ Einem Nervenzusammenbruch nahe überlege ich: „Aufgeben, so kurz vor dem Ziel, nein, kommt gar nicht in Frage.“ Beim Anblick der Schlange wird mir aber doch übel. Aber da, der Leidensgefährte von der Einwegpfandkasse, der mich bei meinen verschiedenen Zwischenetappen immer wieder nach dem Stand der Dinge fragte bietet mir 30 Cent an und will den Bon für mich einlösen.
Zunächst einmal dankeschön dem netten Mitmenschen und dann ein herzliches Dankeschön Herrn Trittin! Blicken Sie da selbst noch durch?