- Beitritt
- 18.04.2002
- Beiträge
- 3.900
- Zuletzt bearbeitet:
- Kommentare: 27
Katze
Das hatte ich mir schon seit langem gewünscht: Abgeschiedenheit. Nach all dem Stress, den Anforderungen, den Vorgaben und Vorschriften an meinem Arbeitsplatz. Für ein Jahr war ich von meiner Universitätsarbeit befreit, ich war gespannt auf das alte Blockhaus ohne störendes Telefon; Strom für Computer und Licht wurde von einem Generator im Erdkeller erzeugt, das nächste Dorf lag zwei Autostunden entfernt, der Postbote kam nur zweimal im Monat.
Ich fand, dies waren ideale Bedingungen, endlich an den letzen Kapiteln meines Buches zu arbeiten. Wahrscheinlich würde ich mehrere Monate brauchen, um fertig zu werden. Der Schnee war getaut, das erste Grün zeigte sich zaghaft an den Bäumen. Ich hatte einiges an Vorräten eingelagert, Kräuter, Salat und Tomaten wollte ich selbst anbauen, schließlich konnte ich nicht nur am Schreibtisch sitzen.
Mein Buch macht Fortschritte. Die Theorie von spontaner Informationsbildung bei künstlichen Systemen habe ich an Neuronennetze angepasst. Es ist richtig aufregend: Ich möchte Denkprozesse mit den gleichen Mitteln erklären, mit denen man in der Technik unerwartet auftretende, strukturierte Signale beschreibt. Einige Gleichungen sind schon gelöst, bin ziemlich zufrieden.
Na, nun muss ich doch mal eine Pause machen. Heute will ich Salat säen, dann mit meinem betagten VW-Bus zum Wald fahren, nach etwas Schmachtholz als Stützen für die Erbsen suchen. Gestern hatte ich noch einmal Erde umgegraben, alles fein gerecht, für die zweite Saat. Eine große, dicke, rot getigerte Katze sitzt im Beet. Natürlich hat sie die gerade gekeimten Spinatpflanzen aus dem Boden gescharrt und einen Haufen oben drauf gesetzt. Das Tier starrt mich an. „Du blödes Vieh, du widerlicher Dreckscheißer, du wirst schon noch …“ Mit aller Kraft schleudere ich den Spaten hinter ihr her. Als wenn es hier nicht genug Platz gäbe, sonst wohin zu scheißen! Fauchend huscht sie davon, verschwindet unter einem immergrünen Busch.
Gegen Katzen habe ich eigentlich nichts, hatte als Kind selbst mal eine, auch eine rote. Wie oft hatte ich mich mit ihr hinter das Haus verdrückt, mit ihr gekuschelt. „Schau dir die Beiden an!“, sagte mein Vater, wenn er uns sah und einmal gut gelaunt war. Normalerweise hatte er immer etwas zu nörgeln, eigentlich konnte man ihm nichts recht machen.
Jetzt spanne ich dünne Schnur, an geschnitzten Holzpflöcken befestigt, im Zickzack über das Beet, um die Katze zu vergraulen. Sie beobachtet mich, doch nicht allein, man sieht immer wieder mal ein anderes Katzengesicht unter einem Strauch hervorlugen, ein schmutziggelber Kater drückt sich am Beetrand herum, macht einen Buckel und starrt mich an. Ich drohe ihm mit einem Pflock, er weicht langsam zurück, gespannt folge ich ihm. Plötzlich dreht er sich um, erreicht mit zwei, drei Sprüngen einen Baum und erobert dort in wenigen Sekunden einen dicken Ast, von dem aus er mich anknurrt. Mein Holzstück verfängt sich in einigen Ästen, fällt wirkungslos zu Boden. Der Kater wirft mir einen hochmütigen Blick zu, bettet sich auf den Ast, schnurrend, als wäre er erst jetzt so richtig zufrieden. Ich gehe zum Beet – mittendrin thront ein großer, stinkender Haufen.
So kann es nicht weitergehen.
Heute Morgen waren mindestens fünfzehn der Viecher zu sehen, meine gärtnerischen Bemühungen kann ich vergessen. Als ich aus der Haustür gehe, trete ich in den Kot, der den Türvorleger fast vollkommen bedeckt. Ich will zur Regentonne, die Schuhe säubern, eine ganze Bande von Katzen folgt mir. Mal sind sie still, mal schnurren sie, dann wieder ein Fauchen, es durchläuft ihre ungeordneten Reihen, mal hier, mal dort, plötzlich scheint eine Systematik dahinter verborgen zu sein. An der Regentonne angekommen schnappe ich mir eilig einen Eimer, fülle ihn, schütte einen Schwall kalten Wassers auf die am nächsten lauernden Tiere. Sie weichen kurz zurück, ziehen dann den Kreis um mich enger. Ich merke, dass ich schwitze, mein Herz pocht, ich sammle einige Steine auf, spurte, Steine werfend, zur Hütte. Endlich, die Tür, Hustenreiz – meine Lungen protestieren gegen die Anstrengung. Da – ein weicher, dumpfer Stoß, ein irrer Schmerz auf meinem Kopf, Blut, scharfe Krallen durchziehen schädelschrammend meine Kopfhaut. Ich packe das Ungeheuer, es löst sich von meinem Kopf und mit ihm ganze Büschel meiner Haare, meine stumpfen Nägel graben sich verzweifelt in das Fell des Tieres, ich schleudere es zu Boden, schlage die Tür hinter mir zu, zerstörerische Kratzgeräusche auf zerfetztem Türholz.
Es ist still, totenstill.
Die Dämmerung ist angebrochen, von einem Fenster aus versuche ich, einen Blick auf die Tür zu erhaschen. Und – wie sieht es im Garten aus? Nichts zu sehen. Der Mond schiebt seine hellgelbe Scheibe gemächlich den Himmel hinauf, pausbäckig, schmunzelnd. Ich komme mir dumm vor. Dumm und ausgelaugt. Die Verletzungen nässen, das verklebte Blut auf meinem Kopf vermittelt ein Gefühl von Schmutz. Ich tappe zur Küche, betätige den Pumpschwengel und lasse das kalte Wasser über mich laufen. Im Moment stört mich die Planscherei nicht, obwohl ich sonst immer darauf achte, keine unnötige Überschwemmung zu veranstalten, Ordnung zu halten, Reinlichkeit großzuschreiben. Ein tiefer Kratzer auf meinem Handrücken brennt, ich kauere mich in eine Ecke und lecke die Wunde, bis sich der Schmerz verflüchtigt.
Es fröstelt mich, klar, ich bin eingeschlafen. Jetzt einen duftenden Kaffee, etwas Sauberes anziehen, während das Wasser warm wird. Ich schlurfe zum Eingang, lausche, schaue aus dem vorderen Fenster, dann aus dem hinteren. Alles sieht friedlich aus, ein rötlicher Schimmer im Osten, der Tag bereitet sich auf seine Aufgaben vor. Gerüstet mit einer Pfanne in der Hand öffne ich vorsichtig die Haustür, packe mit einem Lappen den Fußabstreifer an einer sauber erscheinenden Ecke, werfe in möglichst weit weg, mit Mühe unterdrücke ich den Brechreiz, mein Magen krampft sich schmerzhaft zusammen. Die Tür ist übel zugerichtet, an einigen Stellen sind die Bretter aus Weichholz beängstigend dünn. Wie lange werden sie wohl noch halten? Ich schließe die Tür, esse eine Kleinigkeit, der Kaffee tut gut. Irgendwoher höre ich ein seltsames, knirschendes Geräusch, ach leck … nein – ich springe auf, stolpere über einen Stuhl und erreiche das hintere Fenster gerade, als die Scheibe einen Sprung bekommt. Die fette, rot getigerte Katze hat sich auf der Fensterbank zusammengerollt und wird von ihren Komplizen gegen die Scheibe gedrückt. Es ist unglaublich: die Biester organisieren sich. Ich schnappe mir den Stuhl, schlage mit kräftigem Schwung gegen das Glas und erwische sogar mit dem Ende des Stuhlbeins dieses widerliche Vieh, es jault grässlich auf und rast mit seinen Kumpanen davon. Ich stimme sofort Siegesgeheul an, komme dann zur Vernunft und kümmere mich um das Fenster. Zum Glück hat es stabile Fensterläden, ich schließe sie. Weil ich kein Seil finde, binde ich die Läden mit einer Krawatte an den Handgriffen so stramm zusammen, dass sie sich kaum noch bewegen. Das zweite hintere Fenster und die beiden an der Eingangsseite werden genauso versorgt, auch wenn ich für das Zubinden mangels weiterer Krawatten drei Gürtel opfern muss.
Während der nächsten zwei Tage passiert nichts, ich komme sogar zum Arbeiten, deshalb bin ich doch schließlich hier! Leider gibt es Probleme. Manche spontanen Muster scheinen sich nach mehreren Rechenschritten nicht mehr frei weiter zu entwickeln, als gäbe es eine Determination. Immerhin herrscht jetzt Ruhe, aber ich weiß, die Katzen beobachten mich – mal huscht eine von ihnen hier vorbei, mal blinkt nachts ein Augenpaar unter den Büschen auf oder bei der Regentonne. Ich gehe vor die Tür, sofort kommt mir, wie aus dem Nichts, eine Horde von mindestens dreißig Tieren entgegen. Im letzten Moment merke ich, dass ein Trupp zwischen die Tür und mich gelangen will und rette mich gerade noch unbeschadet ins Haus.
Es wird Zeit zu handeln. Ich will mich zum Auto durchschlagen, mich ins nächste Dorf retten. Unbewaffnet hat es keinen Sinn, ich bastele mir aus einem Unterhemd, Kerzenwachs und einem Besenstiel eine Art Fackel. Meinen Rucksack mit dem Nötigsten auf dem Rücken, die brennende Fackel in der einen, Autoschlüssel in der anderen Hand, konzentriere ich mich, überlege genau, was ich in welcher Reihenfolge tun werde. Ach, es wird schon gut gehen! Ich stehe vor der Tür, schließe sie, atme tief durch und spurte los … keine Katze zu sehen … öffne die Autotür – jahh, ich fühle mich gut, lasse die Fackel fallen, knalle die Fahrertür zu, starte … die Kiste springt sofort an! Ich muss erst mal Luft holen, lege den Gang ein … ein hohes Jaulen des Motors, schleifende Geräusche, Dreck spritzt – die Räder drehen durch! Im Rückspiegel nehme ich gerade noch eine Bewegung wahr, Katzen, toter Winkel denke ich, stoße die Fahrertür auf, packe die noch brennende Fackel. Eines der Biester verbeißt sich in mein Hosenbein, ich flüchte humpelnd, um mich schlagend zum Blockhaus, umgeben von Tierleibern. In den Rucksack verkrallt, beschwert mich eine kreischende Furie; durch einen Rundumschlag mit dem rußenden Feuer erkämpfe ich mir Raum vor der Tür, ich streife den Rucksack ab, knalle das Tier an meinem Bein gegen den Türpfosten und schlüpfe ins Haus. Langsam komme ich zur Besinnung, trotz des Getöses vor der Tür. Mir wird erst jetzt klar, wie gut es war, nicht noch einmal versucht zu haben, das Auto zu starten: die Teufel hätten mich umzingelt.
Mir fällt meine Kamera mit Teleobjektiv ein. Das linke vordere Fenster bietet den besten Überblick, von dort aus schaue ich mir die Hinterräder des Autos an. Um sie herum ist die Erde ausgescharrt, sie stecken bis zur Hälfte im Dreck. Die Gegner werden klüger.
Warum hatte ich nicht eher daran gedacht? Ich mache Fotos.
In der Nacht ist nicht an Schlaf zu denken. Kaum habe ich mich hingelegt, höre ich intensives Kratzen und Schaben an der Tür. Meine Augen sind mittlerweile angepasst, ich kann auch in der Dunkelheit Details erkennen, wenn ich aus dem ‚Beobachter-Fenster’ spähe. Die Tiere reißen Splitter aus der Tür, offensichtlich wollen sie sich Zugang zur Hütte verschaffen. Wie kann ich die Tür verstärken? Im Haus ist kein Werkzeug, der Werkstattschuppen ist neben den Regentonnen, im Katzenterritorium. Ich suche Holzschrauben, irgendwas muss doch mit ihnen befestigt sein. Das Regal über der Spüle, in das Teller und Tassen gestellt werden, löse ich mit dem Schraubendreher meines Taschenmessers von der Wand. Die vierte Schraube ist verrostet und bricht. Endlich: Schrauben! Beeilung ist angesagt, das Zersplittern der Tür geht weiter, selbst wenn ich von innen dagegen schlage und schreie – die Katzen beeindruckt das nicht. Auf meinen Wunsch hin hatte man mir einen besonders großen Schreibtisch aufgestellt, jetzt schraube ich die Tischplatte von ihrem Metallgestell. Mit dem Fleischklopfer aus der Küche treibe ich die Ahle des Taschenmessers in die Platte, bis drei Löcher fabriziert sind. Aus irgendeinem Grund spule ich dieses Programm in aller Ruhe ab, obwohl von Ruhe keine Rede ist. Die Monster springen nun an das vordere Fenster, mit Hilfe der Fackel verschaffe ich mir genug Luft, um die Fensterläden schließen zu können. Meine Peiniger lagern jetzt schon direkt vor dem Haus. Wollen sie, dass ich sie nicht mehr beobachten kann? Mit den drei Schrauben befestige ich die Tischplatte als Verstärkung an den Türbrettern, für einen Moment fühle ich mich stark. Wo kommen wir denn da hin: hundert Milliarden vernetzte menschliche Neuronen werden doch über ein paar Katzenhirne triumphieren!
Ich grinse, durch die Lippenbewegung kitzeln einige Barthaare meine Nase. Zeit zum Rasieren habe ich nicht.
Die kratzenden Geräusche, das Maunzen und Fauchen finden kein Ende.
Für das Fenster muss ich mir etwas einfallen lassen, ich brauche Sichtkontakt nach außen. Die Belagerung der Katzen dauert nun schon fast drei Wochen, alle Versuche aus dem Haus zu kommen sind gescheitert. Inzwischen müssen es über hundert Tiere sein. Ich habe die Vorräte rationiert, zwei Wochen kann ich noch aushalten. Meine letzte Hoffnung ist der Briefträger, er müsste diese Woche kommen und die alte Post finden, die ich nicht holen konnte. Der Briefkasten ist vorne an der Straße, knapp hundert Meter vom Haus entfernt, ich kann ihn vom Fenster aus sehen. Bei geöffnetem Fenster werde ich den Postbeamten rufen und mit einer Fackel winken.
Vielleicht wird alles wieder gut, bleibt in meinen Erinnerungen nur ein seltsamer Spuk, werden Eindrücke von der Zeit begraben, mit Staub des Vergessens überlagert, Schicht für Schicht. Vielleicht.
Mit einer Schere vergrößere ich die Öffnungen einer kleinen Gießkanne, eigentlich soll man mit ihr die getopften Kräuter in der Küche gießen, jetzt fülle ich sie mit Diesel aus dem Generatorkeller. Ich entferne die Buchse von einem Verlängerungskabel, ziehe die Isolierung ab, das Metall glänzt verheißungsvoll … um die Sicherung werde ich mich schon kümmern! Mit einem kräftigen Ruck stoße ich die Fensterläden auf, gieße das Dieselöl auf alles, was sich in der Nähe befindet, es stinkt wie in einem Ölfass. Die Katzen kreischen, suchen Deckung, wälzen sich im Gras, um die stinkende Schmiere loszuwerden. Offensichtlich sind sie von meiner Aktion beeindruckt. Ein toller Anblick, gut für Fotos. Jetzt spanne ich den nackten Kupferdraht zwischen die Fensteröffnung, er wird mal um einen Pflock gewickelt, mal in einen Holzspalt geschoben, die ganze Fläche muss geschützt sein. Der große Augenblick: Technik siegt über Gewalt – ich stecke den Stecker ein …
Der Geruch von verbranntem Haar. Es funktioniert.
Es ist Freitag, heute muss der Postbote kommen. Bei herausgezogenem Stecker spähe ich aus dem Fenster, einige Drähte habe ich zur Seite geschoben. Die Fackel, das Feuerzeug liegen bereit, ebenso mein selbst gebastelter Pappe-Schalltrichter. In der Nähe des Briefkastens sehe ich einige Katzen, ihre Köpfe im Gras, scheinen sie in etwas zu beißen. Ein Blick durch das Teleobjektiv – sie sammeln eifrig Papierstücke, die schnell unter das benachbarte Weidendickicht gezerrt werden. Der zerstörerische Trupp beseitigt meine nicht abgeholte Post! Mein Magen krampft sich zusammen, ich spüre einen widerlichen Schmerz unter der linken Achselhöhle. Nicht aufgeben, nicht aufgeben, flüstere ich. Winke einfach, wenn das Auto kommt, nimm die Fackel, rufe, schreie.
Es ist später Nachmittag. Der Himmel hat sich verdüstert, es ziehen Wolken auf. Dann, eine Windböe, die Bäume schütteln ihre Kronen, als wollten sie ‚nein, nein‘ sagen. Die Katzen sind nicht zu sehen, aber ich weiß, sie lauern unter den Büschen, bei der Regentonne, am Werkzeugschuppen, bereit mich in meine Schranken zu verweisen, mich anzugreifen. Jetzt ist es bedrohlich dunkel, ein Blitz zischt zuckend durch den Garten, ein Knall, dann prasseln Regentropfen erbarmungslos auf alles, was sich nicht schützen kann. Verschwommen sehe ich das Postauto, halte die Fackel aus dem Fenster, schreie, brülle, schreie. Die Fackel ist schon längst vom Regen erstickt, die Rücklichter des Postautos glimmen noch kurz als kleine rote Pünktchen, dann sind auch sie ausgelöscht. Schlammspritzer überall, sie tanzen – tanzen einen Totentanz. Für einen Moment spüre ich dieses Zukunft zermahlende Räderwerk der Zeit, gebe einfach auf.
Mein Gesicht ist nass, mein Hemd; auf dem Fußboden eine Wasserlache.
Ich stehe immer noch am Fenster, weiß nicht, wie lange schon. Das Gewitter ist schon längst weitergezogen. Müde, fröstelnd begebe ich mich ins Schlafzimmer, decke mich zu, rolle mich zusammen und …
„Warum wollten Sie ihn besuchen?“
„Nun, er war schon fast zwei Monate da draußen. Zugegeben – wir wollten auch wissen, ob er mit der Arbeit vorankommt.“
Der größere der beiden hageren Männer schien der Kommunikativere zu sein.
„Ist Ihnen sofort etwas aufgefallen?“
„Nein. Es sah alles etwas verwildert aus, aber zum Gärtnern war er schließlich nicht hingefahren. Erst als wir vor dem etwas heruntergekommenen Haus standen kam es uns komisch vor, dass der Fußabstreifer in der Pampa lag, bei einem Fenster die Läden zu waren, das andere aber offen stand. Na ja, dann waren da noch die komischen Drähte.“
„Was taten Sie dann?“
„Wir riefen, gingen erst mal um die Blockhütte rum, dann schauten wir durchs Fenster. Schließlich öffnete ich die Tür, man hörte nur den Generator brummen. Unser Kollege muss total durchgedreht sein, seine Schreibtischplatte war innen an die Tür geschraubt, außerdem lag eine Art Fackel am Fenster.
Dann war da noch diese Katze, so ’ne große, rot getigerte, lag da, zusammengerollt. Sie fauchte. Als ob uns das beeindrucken würde. Die starrte uns an, so nach dem Motto ‚ihr habt hier nichts zu suchen’. Hatten wir auch nicht, weil er nicht da war. Jedenfalls fanden wir keine Spur von ihm.“
„Und wie weit war er mit seiner Arbeit gekommen?“
„Keine Ahnung. Auf dem Computer gab es Dateien mit fachspezifischen Namen, aber alle Inhalte waren gelöscht.“
„Das hier habe ich gerade eben bekommen. Es lag in einem Gebüsch, nicht weit weg von der Tür.“
Der Kommissar zupfte etwas nervös an seiner Krawatte und reichte den beiden Männern ein dunkelgraues, gebundenes Notizbuch. Die Seiten waren herausgerissen.
„Das ist seins. Er hat sich immer Notizen gemacht. Wo sind die Blätter?“
„Wir fanden einige vom Regen verwaschene Schnipsel – und das hier.“
Er deutete auf die Innenseite des hinteren Einbands.
„Sehen Sie?“
Im Schräglicht waren Stiftabdrücke von einer Notiz auf der vorletzten Seite zu sehen:
D Q enz:
fb. 3, יִ5.1 !
L u!
„Sagt Ihnen das was?“
„Nein.“
„Naja – ich werde mir es später noch mal in Ruhe anschauen. Was war eigentlich mit der Kamera?“
„Nichts Interessantes, ein paar wahllose Bilder vom Garten, der Haustür, sonst nichts.“