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Joystick-Killerkids oder Der Saubere Krieg

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12.04.2002
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Joystick-Killerkids oder Der Saubere Krieg

Joystick-Killerkids
oder
Der Saubere Krieg
(Eine etwas andere Geschichte aus einer Neuen Zeit)

Bumm-bumm, bumm-bumm. "Dirty bitch, dirty bitch, fuck you, dirty body of a dancing witch, dirty bitch, dirty bitch." Bumm-bumm. Die Ohren, sie dröhnen. Der Körper vibriert. Der Techno-Tempel kocht über, und sie tanzen und tanzen, Alle. Selbst die Mädchen tanzen zu diesem Text. Keine Fragen in den Augen, dirty bitch o dirty bitch, bumm-bumm, bumm-bumm, dirty bitch, it´s the season of the witch. Der Sänger verliert sich röhrend in seinem die Frau beleidigenden Text. Alle tanzen und ich sehe keine Fragen in den Augen. Was für eine Welt? Dirty bitch und bumm-bumm.

Verwahrlosung der Seelen in einer Neuen Welt. Verlorene Werte, Verkaltung des Hirns. Eine Geilheit reagiert, regiert vom Lendenwahn und vom Geld. Nur noch: Fuck, Fuck Fuck. Baby o baby tonight, so be my dirty bitch. Die Neue Welt in einem Neuen Schmerz ertrunken, dirty bitch, dirty bitch und bumm-bumm, dem richtigen Ton zur richtigen Zeit. Ein Neuer Schmerz bewegt das Licht, Laserstroposkope explodieren wie Blitze im Gesicht. Bumm-bumm. Dirty bitch, bumm-bumm. Der Sound zerbricht, bumm-bumm.

Titten, sie knallen, wie Sektkorken fallen, sprengen die Blusen, die Augen verprallen. O dirty bitch, bumm-bumm. Augen o Augen, Pupillen so groß, Gedanken so lesbar, wie Zeilen in Buch. Titten o Titten verfliegen den Raum, liegen in Luft, wie süßer Geruch. Die Jungs, ein einziges Starren, ein Augen-Verharren, o dirty bitch, gimme your lovin´, be dirty, bumm-bumm.

O ihr Kinder des Friedens, erzogen so antiautoritär, bewegt euch im Rhythmus, einer Welt ohne Grenzen, bumm-bumm. Bewegung, Bewegung, Pantomimen der Nacht, so kalte Augen, so kalte, abschätzende Augen, und wenn die Blicke rein fallen, wird schnell angelacht, bumm-bumm. Das Gesicht eine Weide, die Mähne, wie locker der Schnee, die Brüste in Ordnung, der Arsch voll okay. Die Beine, so lang wie das Weh. DIE ist okay and a dirty bitch, bumm-bumm.

Er macht sich von hinten heran, ganz ohne Genierer, sagt nicht mal Hallo, der Neue Verführer. Er umfasst sie von hinten, zelebriert den arabischen Tiger. Sie zuckt kurz ein erschrockenes Zucken, doch sie weiß, was er kann. Sie fühlt ihn da unten, und die Nacht war schon lang, zu lang ohne Mann. Sie belässt es beim Zucken, und tanzt mit ihm ab. Bewegung, Bewegung, yeah, bumm-bumm. Der Techno vervibriert sich an Wänden, bumm-bumm. Yeah, you dirty bitch, bumm-bumm.

An den Wänden gereiht Automaten, die Einsamkeit verbrät dort ihre Zeit. Gameboy o Gameboy, wer ist so schnell, wie das Licht? Wer besiegt heut den Automaten? Sie schießen und schießen, peng, peng und bumm-bumm. Ein Hämmern der Seelen, ein Verkrachen der Nacht, Blicke, wie Tiere, die Opfer explodieren, zerstückeln die Nacht. Kein Blut an den Wänden, schon gar nicht an Händen, kein Leid im Gesicht, die Seelen vertieren, verlieren: Steht stramm und habt Acht!

Ich steh an der Bar und schreibe mal wieder. Die Worte, sie fallen, wie Fallobst ins Blei. Meine Augen, sie wandern, betrachte die Zwei. Sie flieht meinen Blick. Sieh an, sieh an, sie kann doch noch lesen, sie weiß, was ich weiß. Doch Bewegung, Bewegung, der Tiger rückt an, es leben die Schenkel, sie wachsen heran. Das macht: heiß. Es leben die Beine, die Arme ermorden das Licht und ich zische die Worte, meine Wogehenwirhingedanken verdreschen Gedicht. Ich stehle dem Raum seine Zeit oder ich stehle der Zeit ihren Raum, ich weiß es wirklich nicht.

20 Jahre zu früh geboren, damals zu jung zum Mitreden und heute eine Last der Zeit. Ich bin nicht ich, ich war auch nie ich, bloß das Gewissen der Zeit. Ich schreibe und schreibe der Welt ins Gewissen. So ungeliebt, so ganz, ganz verloren, bin viel zu früh geboren, und so verloren ans Nichts. O dirty bitch, you dirty bitch, bumm-bumm.

Kinder o Kinder, in welche Zeit ihr geboren, so dirty bitch, bumm-bumm. So kalt weht der Atem einer Neuen Welt, Alles dreht sich im Kreis rum. In Eurem Leben geht´s nur noch ums Eine, um abtanzenden Irrsinn und Geld. O dirty bitch, bumm-bumm.

Es war mal ein Traum von Liebe und Frieden und nur DAS in der Welt. Make love and make peace, that war you forget. Doch das Wirken der Zeit macht bumm-bumm und dirty bitch frisst das Geld, bumm-bumm. Kinder o Kinder, in eurem Bauch rumort eine Droge, sie beißt und sie beißt, heißt Ecstasy beim Namen und jault ihr "dirty, you dirty bitch" und bumm-bumm.

Bewegung, Bewegung der Welt nur noch ums Geld. Der Wahnsinn verheult an der Bar, ich schreibe und schreibe, ich scheiß auf die Welt. Einfach Alles verbrannt an Schönheit und Geist, seelenverflattert so schwebend den Raum, Alles zerbricht nun in diesem "you dirty bitch" und was einst war, bumm-bumm.

Kinder o Kinder, so gameboy-gedrillt, Moorhuhn gekillt, Alles so einfach, so schmerzlos gekillt. Doch nun fliegen die Drohnen, bewaffnet, entmannt und bewehrt und die Menschen, wie Ameisen laufen, schutzlos, entwehrt. Ein Mann, eine Frau, die Kinder im Arm, ein Kleiner stolpert mit Blicken voll Angst nach oben, so ganz, ganz verloren hinterher. Die Drohne im Sturzflug speit Feuer und Tod. O Gameboy o Gameboy, peng, peng nun, bumm-bumm, und tot-tot.

Hey Joystick, hey Joystick, ich bitt dich: leg sie nicht um! Doch der Joystick, der Joystick, der hört nicht und legt sie kalt um, peng, peng und bumm-bumm. Der Techno, der Techno, so laut und beinhart, Trommelfell zerblasend 120 Dezibel, nur noch peng, peng und bumm-bumm. Ein Vater stürzt lang, hat Keinem was Böses getan, doch der Joystick, der Joystick, bläst gnadenlos um, peng, peng und bumm-bumm.

Und die Kinder, die Kinder, sie weinen, sie weinen. Einen Fuß sucht die Frau, kriecht kriechend durchs Blut durch, kein Fuß da, nur Blut. Die Drohne fliegt heimwärts, keine Bilder vom Blut. Haha, der Joystick: Ich habe getroffen, juhu, ich habe getroffen, ich bin ja so gut. Und Orden verliehen, und Ehren gezeigt, ich bin jetzt ein Krieger, ein tapferer Krieger, ein mit meinem Spielzeug die Bösen-Besieger, peng, peng und bumm-bumm.

Und die Kinder, sie weinen. O Vater, o Mutter, ihr wart doch ein Herz, ihr wart doch nie böse, tatet doch Keinem den Schmerz.

Bumm-bumm. O Joystick, o Joystick, play your game, flash an attack, the first shut is free now. Yeah, the time has gone troubled, will never come back. Make love and make peace, no face and no blood, so peng it´s too late, so peng see no hate, no blood in your eyes, no remember in brain, livin´ the dirty bitch now, peng, peng und bumm-bumm.

Die Drohnen nun fliegen, sie fliegen und fliegen. Die Kinder im Westen, so gameboy-gedrillt, und Alles sieht aus, wie Zuhaus am PC, kein Blut und kein Leid, Alles okay, tut Keinem was weh. `s ist Krieg, ´s ist ja nur Krieg, ein Sauberer Krieg nur. Gewendet die Zeit, gewendet das Wort, nur noch Geschichten von Gestern, vom Da und vom Dort. Keine Meere von Lichtern, keine Wärme im Meer. Seelen am Abgrund, am Schlund der Gefühle, eine Ahnung im Herzen, im Kopf ein Gewühle, und vor Allem vergessen beim Aldi die spottbilligen Kerzen vom Frieden. Das Wissen erschlagen. Das nicht wissen wollen ist nun oberstes Sollen, denn es herrscht nun der "Bewaffnete Frieden" und Mr. Gameboy, the dead stick of joy, peng, peng und bumm-bumm.

Doch die Mär von der Geschicht: Aus Trauer und Schmerz niemals ein Gras wächst, doch was statt dem Gras wächst, o Joystick, o Joystick, du nun Neuer Krieger und Bösen-Besieger, du kannst es nicht riechen, du kannst es nicht sehen, du wirst es nicht glauben, es ist ja kein Spaß, doch was wächst und was wächst nun, ist nichts, als ein Neuer Hass nun und der so ganz, ganz ohne Unterlass nun. Peng, peng und bumm-bumm.

Denn der Joystick, der Joystick, des Friedensmenschen Sohn, Euer Sohn nun, sitzt jetzt zu Haus am PC, macht peng-peng und bumm-bumm. Er sieht kein Blut mehr, er kennt kein Leid mehr, er spürt keinen Schmerz mehr und so hat er auch kein Herz mehr, auch nicht für Euch, nur noch sein peng, peng und bumm-bumm.

Dies ist eine meiner "Bumm-bumm-Geschichten", die ich live auf Technofesten, in Discos oder in Bars schreibe.

© Copyright bei Lothar Krist

 

Naja, ich würde dir vorschlagen, die Strophen in eine Rahmenhandlung zu packen. Könnten ja Gedanken sein, die er beim Zuschauen der tanzenden Meute empfindet. So nach dem Motto:

Er stand da und sah mit einer Mischung aus Faszination und Ekel, wie sich die spärlich bekleideten Techno-Mäuschen ausgiebigst verausgabten. In seinem Kopf begannen sich passend zur Musik Worte, ganze Sätze zu bilden. Titten, sie knallen, wie Sektkorken fallen, sprengen die Blusen, die Augen verprallen. Er brauchte dringend etwas kaltes zu trinken...

Mal sehen, was die anderen so sagen. Also ich behaupte einfach mal: Nein! Ist keine Geschichte im Sinne von kg.de ! Sorry!

Gruß,

Poncher

PS: Am Ende würde ich alle Techno- und Dancefloor-Fuzzis sterben lassen... :naughty: :ak47: ;)

Ich denke, dieses "Lied" wird, so wie es jetzt hier steht, nicht allzu lang existent sein...

 

Herzlich willkommen auf Kg.de

In einer Hinsicht muss ich Poncher zustimmen. Das ist keine echte Geschichte. Du beschreibst ja keine Handlung sondern nur ein Gesellschaftliches Problem. Du musst beides kombinieren.

Nun zum positiven. Man hat wirklich gemerkt, dass du diese Geschichte in einer Discothek geschrieben hast. Ich fand`s klasse wie der Beat rübergekommen ist. Ich war schon in Versuchung geführt mit dem Fuß einen Takt anzugeben.

Einen schönen Gruß,

Drumsmasher

 

Noch eine kleine Bemerkung: der Titel gefällt mir nicht. Du beschreibst ja wohl nicht nur Killerkids und sauberen Krieg. Besonders am Anfang nicht. Vielleicht überlegst du dir da noch was anderes.

Ach ja, noch eins. Die Geschichte wäre wahrscheinlich bei "Gesellschaft" besser aufgehoben. Satirisch war das jedenfalls nicht.
Aber auch nich schlecht :)

Drumsmasher

[ 16.04.2002, 22:42: Beitrag editiert von: Drumsmasher ]

 

Hallo buji,

seitdem ich hier auf kurzgeschichten.de bin, hab ich noch keine Geschichte ausgelassen, die unter die Rubrik Satire gestellt wurde.
Bei der Frage, ob dein Text satirisch ist, hab ich irgendwie null Probleme, dies zu verneinen. Ich denke, du hattest vielleicht am Anfang deines Aufenthalts hier in kurzgeschichten.de ein wenig das Problem, wohin du diesen Text stellen sollst.

Vielleicht Gesellschaft, vielleicht Alltag, aber garantiert gehört er nicht in die Satire.

Über das von dir gewählte Genre selbst vermag ich herzlich wenig zu kritisieren, ich bin in dieser Hinsicht nämlich eine ziemlich schlechte Kritikerin, weil mir dein Text in jeder Hinsicht mißhagt hat. Ich hab ihn zum Schluß nur noch überflogen. Das liegt zu einem großen Teil an mir,weil ich keinen Zugang gefunden hab zu deinem Text. Ich finde ihn im Gegensatz zu drumsmasher noch nicht einmal rythmisch. Insoweit erkläre ich mich selbstverständlich für befangen, diesen deinen Text hier weiter unter die Lupe zu nehmen und beende hiermit die Kritik über diesen Text, der zudem auch keine Geschichte ist.

Trotz meiner vielleicht nicht grad motivierenden Worte: willkommen in kurzgeschichten.de

Gruß
lakita

 

Hallo buji,

Ein paar der Moderatoren waren sich, wie einiger der Leser, nicht sicher ob denn dein Text denn überhaupt eine Kurzgeschichte ist. Ich denke schon, dass es eine ist, und ich finde sie eigentlich auch nicht schlecht. Der Beat, den Drumsmasher (welch passender Name...) schon erwähnte, ist bei mir auch rübergekommen, und nachdem man den Text fertiggelesen hat, fühlt man sich wirklich wie nach einem Rave oder Videospiele Overkill. Letztendlich aber hebt sich deine Geschichte auch nicht wirklich von der digitalen Verblödisierung, die du hier beschreibst, ab. Mehr Substanz und weniger Bumm-Bumm wäre vielleicht doch besser.

 

Hallöchen,

ich schließe mich meinen Vorrednern an, dass das hier eigentlich keine Geschichte ist.

Doch ich mag das Thema, hat mir wirklich gefallen, obwohl ich bei lyrisch verbrämten Texten sonst Schwierigkeiten habe (ich mag auch keine Gedichte, wo verschnörkelt und blumig umschrieben wird, was man einfach und klar ausdrücken kann). Doch bei deinem... ja, nun doch eigentlich "Gedicht" konnte ich mir vorstellen, wie ich auf der Galerie eines Techno-Schuppens stehe und runterschaue, auf die verschwitzen Leiber, wie der Protagonist. Wie sie sich verrenken und um den Verstand stampfen, im Kopf nur der nächste F*** und die nächste Pille, um nicht denken zu müssen. Beim Lesen ging mir durch den Kopf: "...denn sie wissen nicht, was sie tun. Und sie wollen es auch gar nicht wissen. Bravo, gut erkannt."

Ich hoffe, dass ich dir das noch 'rüberbringen kann, ehe der Text - eventuell - der Löschung zum Opfer fällt.

 

Liebe Allemiteinander!

Erst ein Mal ein herzliches Danke, dass Ihr Euch die Mühe gemacht habt, meine „Geschichte“ zu kritisieren und auch an die Administration, dass sie doch als „Geschichte“ akzeptiert wird. Ich habe auch lange Zeit überlegt, ob sie hierher in kg.de passt und das dann für mich bejaht. Schließlich erzähle ich den Ablauf zweier Ausschnitte einer Technonacht, die meiner Ansicht nach auch zusammen gehören. Beide Teile haben mit „der Kälte unseres Heute“ zu tun. Zuerst die „kalte Anmache“ ohne jeden Genierer, die letztendlich von dem Mädchen, das schon sehr lange allein gestanden ist, die mir sehr einsam erschien, akzeptiert wurde. Und dann der etappenweise Übergang über das „eiskalte“ Abschießen der „gegnerischen“ Figuren in den Killerspielchen der Automaten mitten hinein in eine böse, traurige Traumsequenz, die auf einem fiktiven Schlachtfeld von Morgen endet. Wenn das nun keine Geschichte, zumindest im weiteren Sinne ist, was dann?

Okay, meine Art zu erzählen, mag schon ein wenig unüblich sein, auch meine mir auch selbst bewussten und gewollten „Gedankensprünge“. Aber ich liebe die Texte von Jim Morrison, seine Sprunghaftigkeit, und bei dem ist auch nicht Alles gleich verständlich. Ich war immer auf der Suche nach einem eigenen, sich von anderen AutorInnen abhebenden Stil. Dafür bin ich auch bereit, eine eventuelle Abneigung in Kauf zu nehmen. Manche Leser mögen mich, manche nicht. Und das ist auch gut so, Allen kann man es sowieso nie recht machen. Ich bin da Niemandem böse.

Und ich finde auch, dass dieses Joystick-Killerkids in "Satire“ passt. Sie ist ein einziges Zynikum auf unser Heute, sie hätte natürlich auch in „Gesellschaft“ gepasst, aber auch in „Science Fiktion“. Ich habe mich für die „Satire“ entschieden. Unsere heutige Art Krieg zu führen, die immer mehr Richtung „Peng-Peng“ an einem PC geht, fernab von jeglichem Kampfgeschehen. Dafür bauen wir jetzt „unseren Kindern“, denn die werden unseren Krieg ja „führen“, auch die entsprechenden Waffen, die unbemannten Drohnen. Die Bomben machen dann 5000 Meilen weiter weg „Bumm-bumm“. Dieses „Peng-Peng und Bumm-bumm“ ist daher auch der satirische Oberaufhänger der Geschichte. Ich finde, dass ich diesen Begriff kein einziges Mal zu viel verwendet habe. Er ist der sich wiederholende „Hammer“, aber natürlich nur dann, wenn man unsere Welt von Heute ein wenig so sieht, wie ich.

Ich hasse dieses Wort „Krieg“ mit all seinen so bösen Inhalten. Doch dieses (Un)Wort „Krieg“ kommt uns heute schon wieder sooo leicht über die Lippen. Und mit dem Begriff „Sauberer Krieg“ will man uns Allen das Kriegführen wieder schmackhaft machen. Gleichzeitig führt man uns hier im Westen die haushohe Überlegenheit unserer Waffen vor. Die Neuen Drohnen zu Lande, zu Wasser und in der Luft sollen unser "Allheilmittel" sein. Dies Alles soll uns glauben machen, dass WIR schon keine allzu hohen Verluste an eigenen Menschenleben erleiden werden. Das „Volk“ wird wieder ein Mal dumm gemacht. Es soll sich sicher fühlern und es soll keine lauten Stimmen geben, gegen die vielen Kriege, die wir jetzt wohl bald führen werden müssen, denn WIR sind des ewigen Dialogführens so müde geworden. Das „Krieg führen“ erscheint da jetzt Vielen immer mehr als leichtere Alternative, um Konflikte zu lösen, und zwar in „unserem Sinne“, noch dazu, wo es sich ja eh nur um einen „Sauberen Krieg“ handelt – also keine oder zumindest nicht viele Tote und Verletzte auf unserer Seite.

Ja, ich hasse dieses Wort „Krieg“ mit all seinem Drum und Dran, mehr als ich das in bloßen Worten zum Ausdruck bringen kann, insbesondere seine nun Neue Bedeutung und seine Neue Akzeptanz innerhalb des Westens (und wohl auch des Rests der Welt). Dies macht mir schwer zu schaffen. Und genau das versuche ich in meinen „Geschichten“ heraus zu arbeiten, dieses Neue „Peng-Peng und Bumm-Bumm“ des Westens, das ich dem verzweifelt einsamen Klang des nur „Peng“ auf der anderen Seite gegenüber stelle. Die andere Seite hat nämlich nur dieses ihr „Peng“, und sonst gar nichts. Und gerade das wiederum scheint uns solche Angst zu machen. WIR im Verbund mit den USA führen jetzt wieder offen Krieg, aber es ist mehr ein Krieg gelenkt aus der Ferne, oder wir lassen ihn von irgendwelchen armen, dummen Hilfsvölkern führen. Wir selber schauen den Gegnern dabei nicht mehr in die Augen. Und genau hier setzt die für uns noch immer völlig unverständliche Strategie dieses Neuen Gegners an: sie binden sich einen Gürtel mit Sprengstoff um, schleichen sich heran, schauen Dir tief, ganz tief in die Augen und: PENG! Oder sie setzen sich in „unsere“ Flugzeuge und fliegen in „unsere“ Türme rein und wieder nur: PENG!

Ich will diese Neue Perversität unserer Zeit von Heute aufzeigen, auch wenn das Manchen nicht so gefallen sollte. Dieses Heute wird natürlich auch von unseren Kindern mit geprägt. Aber ich denke nicht, dass die etwas für dieses Heute können. Sie wurden hinein geboren in die von uns Erwachsenen der Nachkriegszeit geprägte Zeit, in der sie nichts mitzureden haben. Deshalb sind viele von ihnen auch der Politik überdrüssig, sie halten sich heraus. Aber gerade diese unsere Kinder werden es letztendlich sein, die wieder ein Mal am meisten missbraucht werden. Und da bin ich jetzt bei den Sätzen von Poncher:

Er stand da und sah mit einer Mischung aus Faszination und Ekel, wie sich die spärlich bekleideten Techno-Mäuschen ausgiebigst verausgabten. In seinem Kopf begannen sich passend zur Musik Worte, ganze Sätze zu bilden. Titten, sie knallen, wie Sektkorken fallen, sprengen die Blusen, die Augen verprallen. Er brauchte dringend etwas kaltes zu trinken...

Hätte er geschrieben „Er stand da und sah mit einer Mischung aus Faszination und Trauer, wie ....“, dann müsste ich ihm glatt recht geben. Ich leugne gar nicht, dass ich meine Augen gerne auch mal in eine tief geschnittene Bluse rein fallen lasse. Ich empfinde aber keinen „Ekel“, ich liebe unsere Kinder von Heute. Und ich liebe auch ihre Musik, den Techno, Rap, Rave, Trance, und das morgendlich frühe Chill-Out. Früher schrieb ich „Rock-rock-rock“, das war nicht schlecht, aber Nichts war je so geil, wie das Bumm-bumm-bumm-bumm von Prinzess La Bumm. Die Sätze werden wie kurze Hammerschläge, gleichmäßig im Rhythmus, Nichts da, das Einem den „Sound des Schreibens“ oder gar die Geschichte zerhaut. Deshalb stehe ich auch immer mitten unter ihnen, wenn ich über unser Heute schreibe. Ich will das Leben direkt fühlen. Zu Hause in meinen sicheren 4 Wänden am PC schreibe ich ganz anders, da konzentriere ich mich auf ganz andere Dinge. Aber da bin ich fernab vom wirklichen Sein. Man versucht oft Stunden oder gar Tage nach einem Erlebnis eine Geschichte zu rekonstruieren, da ist oft die erste Erregung schon abgeklungen, da ist man dann in erster Linie AutorIn, und man will die Geschichte auch verkaufen. Der klare, einfach nachvollziehbare Ablauf der Geschichte ist viel wichtiger, als das Gefühl. Daran liegt mir nichts mehr, zumindest nicht mehr so viel wie früher. Ich will die Geschichte pur rüber bringen, auch wenn sie dann nicht so „schön“ ist. Schicksal halt, wenn das nicht Jeder/Jede versteht.

Unsere Kinder können schließlich nichts für „unsere“ immer seelenloser werdende Politik und unsere in sich selbst so verworrene Philosophie von Gestern, die gerade dabei ist, am tatsächlichen Leben zu scheitern.

Und „traurig“ deshalb, weil ich mich in den letzten Tagen vor dieser Geschichte viel mit unserem Neuen Waffenarsenal beschäftigt habe, zB mit Daisy-Cutter, der Mini-Atombombe und der Kurzzeitatomstrahlenbombe, der „KurZAStraBo“, wie ich sie schon 1978 in einer meiner Geschichten genannt habe, die laut vielen Wissenschaftern ja jetzt kurz vor ihrer Vollendung stehen soll, usw. Ich ging also an diesem Tag schon mit einer traurigen Grundstimmung aus dem Haus, und ich wollte eine Geschichte schreiben über diese Neuen Drohnen, die man in Afghanistan gerade testete, und dann hat sich halt „Joystick-Killerkids“ ergeben. Ich sah die Unzahl von Automaten an den Wänden, die wild drauf los ballernden Kids, da war dann auf ein Mal die Geschichte da. Ich habe sie auf der Geschichte des armen, kleinen und einsamen Mädchens aufgehängt. Für mich gehörte das irgendwie zusammen, diese doppelte Einsamkeit unserer Kinder. Was wird einst sein, wenn „mein Szenario“ Wirklichkeit wird? Und ich denke, wir sind auf dem besten Weg dort hin. Die am Joystick gedrillten Kids, die dann vielleicht beim Heer sind, an ihren „Gameboys“ sitzen, an dessen Ende eine schwer bewaffnete Drohne fliegt, die fern ab vom Tod auf das besagte Knöpflein drücken, sie werden sich vielleicht zu dieser Zeit noch nicht viele Gedanken machen über ihr Tun. Doch irgendwann werden sie ihr Tun begreifen. Wie werden sie das dann verkraften? Werden WIR sie dann alleine lassen, weil auch WIR von einem Neuen Schuldgefühl geplagt sind? Wie werden WIR aus der Generation der Friedenskinder einst damit umgehen, wenn WIR begreifen, dass WIR nun böse geworden sind, dass WIR jetzt womöglich auf der selben Stufe stehen, wie die Menschen der letzten Kriegsgeneration? Schließlich kann sehr Viel geschehen, wenn es tatsächlich zu einem Großen Krieg kommen sollte! Wir könnten "gezwungen" sein, "Viel" zu tun! Werden WIR es überhaupt begreifen? Oder werden WIR es auch so negieren, wie jene? Werden auch wir dereinst von der nächsten Nachkriegsgeneration beurteilt werden?

Diese Fragen stelle ich mir heute, denn ich habe Angst, dass wir uns in dieser ominösen Gewaltspirale dem Ende zu drehen, von der heute Jeder spricht und es zur selben Zeit doch nicht richtig ernst nehmen will. Was wird sein? Ja, ich gestehe, ich habe Angst, große Angst und ich hasse diese Neue Angst, und ich hasse diese Neue Dimension von Krieg. Und ich denke gleichzeitig, dieser mein „Hass“ ist der einzige gerechtfertigte Hass in dieser Welt. Wir sollten es Alle hassen, dieses Wort „Krieg“. Aber es kommt uns bloß immer leichtfertiger über die Lippen. Fast schon so leicht, wie man halt über einen Autounfall oder ein anderes Maleur spricht. Ich bin so traurig und auch wütend darüber. Und ich bin auch so wütend darüber, dass es schon nahezu ein Tabu darstellt, über diese mögliche Zukunft auch nur nachzudenken und diese Fragen offen zu stellen. Ich werde beschimpft, als "Trottel" hin gestellt, usw. Na ja!?

Ich habe die Geschichte dann nicht in „Science Fiction“ gestellt, weil sie ja einerseits im Heute spielt, andererseits ist das ganze Szenario nicht mehr weit weg, Alles ist schon viel zu real, zumindest für mich. Vielleicht versteht mich ja die Eine oder der Andere von Euch? Mal sehen. Und ich denke, allein das „Peng-Peng und Bumm-bumm“ ist schon Satire, Zynikum genug, der Rest ist bloße Draufgabe. Verzeiht bitte den langen Monolog, aber ich musste mich wohl ein wenig vorstellen.

Liebe Grüße
Lothar

 

Oh mein Gott! In der Mitte des Textes habe ich erst mal abgebrochen, weil mir die ständige Wiederholung von "dirty bitch, bumm-bumm" viel zu penetrant war. Man kann seinen Punkt auch subtiler herüberbringen. In der jetzigen Form zählt es zum nervigsten, was ich je las. Gar fürchterbar!
Ich werde morgen einen neuen Versuch starten, und hoffe, die Aussage des Textes geht nicht in die Richtung, die ich befürchte...

[ 18.04.2002, 01:29: Beitrag editiert von: Ben Jockisch ]

 

Willst du nicht mal auf den Hinweis eingehen, man könne Satiren auch subtiler komponieren?
Deine kg erinnert stark an diverse PC-Spiele und Filme. Das wenigstens scheint dir selbst bewußt zu sein, aber ist dir klar, daß man über diese Spiele/Filme ebenfalls Satire schreiben und damit den gleichen Effekt(?) erzielen würde, wie du es hier mit deinem Text vollbringst!? Das wenigstens ist meine Meinung.

 

Hi Time Table! Hi falk!

Ich kann Euch ja verstehen. Natürlich kann man Satiren spitzfindiger komponieren. Aber ich bin nun mal ein plumper Bauer, der gerne mit dem Vorschlaghammer drein schlägt. Nichts für Ungut!

Ein Halli-Hallo an Alle!

Ich habe gestern tatsächlich noch in einem wirren Anfall von Jux, wie oben angekündigt, die kürzeste Kurzgeschichte aller Zeiten, nämlich "Peng-Peng+Bumm-Bumm" hier in kg.de in Satire veröffentlicht. Wie erwartet wurde sie auch gleich gelöscht. Aber Danae meinte, ich wäre ein Hosenscheißer und würde mich nicht trauen. Na ja, ich war noch nie einer, musste mich immer beweisen, manchmal auch auf die harte Tour. Ich bin dabei oft auf die Nase gefallen. Geb ich ja zu. Ich hoffe, das kg.de-Team wird mir verzeihen.

Aber was ich damit sagen wollte: "Wir hätten Alle gemeinsam in die Weltliteraturgeschichte von Morgen eingehen können. Der Untergang des Lesens vollendet über TV, Kino und zuletzt den Siegeszugs des PC´s. Gleichzeitig das perfekte Bonmot unseres traurigen Wegs nach Morgen in bloß 4 primitivsten Worten ausgedrückt.

Manchmal habe ich in den Foren des Internets so das Gefühl, dass selbst die letzten Leser, die es noch gibt, heute zu Schnelllesern geworden sind, angepasst an den reißenden Fluss unserer Zeit. Wenn eine Geschichte nicht wie gewohnt einfachst gestrickt ist, wird sie nicht mehr verstanden.

Das ist jetzt kein Gejammere, weil ich fast nur schlechte Kritiken bei Euch einheimse. Ich schreibe ja mit Absicht so, dass ich Jedem/Jeder irgendwann, irgendwo einmal auf die Zehen trete. Albert Ehrenstein ist nicht umsonst mein größtes Vorbild. Aber ich beobachte diese Serie von Missverständnissen auch in den anderen Threads. In anderen Literatur-Foren ist es auch nicht anders. Manchmal habe ich so das Gefühl, als würden die Leute die Zeilen, ja sogar ganze Absätze bloß überfliegen, als würde Jeder/Jede versuchen, so viele Geschichten wie möglich pro Sitzung im Netz hinter sich zu bringen. Der Intellekt wird zur Sucht, das Kritisieren zur Manie. Wo nehmen diese Vielkritisierer, die sich nahezu täglich in allen möglichen Threads herum treiben, bloß ihre Zeit her? Und insbesondere wofür verschwenden sie sie?"

Liebe Grüße
Lothar

[ 04.06.2002, 20:25: Beitrag editiert von: buji ]

 

Da ich eigentlich so gut wie gar keine Kritiken schreibe, kann ich ja hier getrost noch nachlegen:

Aber ich bin nun mal ein plumper Bauer, der gerne mit dem Vorschlaghammer drein schlägt. Nichts für Ungut!
Das ist an sich auch nicht schlimm. Auch ich habe schon eine Satire geschrieben, die wenig bis gar nicht subtil ist, sondern sehr Vorschlaghammer-like daher kommt. Das ist an sich auch nicht allzu dumm, finde ich, bloß ist es in diesem speziellen Fall völlig anders, weil: Dadurch, daß du auf das Subtile verzichtest, ist deine Satire von exakt der gleichen Qualität wie das zu kritiserende. Deine kg steht also auf demselben (niedrigen!?) Level wie PC-Spiele und TV das deiner Meinung nach tun. Sollte die Satire aber gut, d.h. wirklich satirisch sein, müßte sie über dem zu Kritisierenden stehen, anstatt dieses bloß nachzuahmen. Das ist mein Kritikpunkt!

Wir hätten Alle gemeinsam in die Weltliteraturgeschichte von Morgen eingehen können. Der Untergang des Lesens vollendet über TV, Kino und zuletzt den Siegeszugs des PC´s. Gleichzeitig das perfekte Bonmot unseres traurigen Wegs nach Morgen in bloß 4 primitivsten Worten ausgedrückt.
Glaubst du den ersten Satz eigentlich wirklich oder hoffst du bloß darauf?
Und glaubst du wirklich, daß TV, Kino und PCs das Lesen verdrängen werden?
Glaubst du denn nicht, daß der Weg nach Morgen schon seit Anbeginn der Tage traurig ins Verderben geführt haben könnte? Glaubst du, das hat etwas mit dem Modernen zu tun?

Wenn eine Geschichte nicht wie gewohnt einfachst gestrickt ist, wird sie nicht mehr verstanden
Fallen deine Geschichten in diese Kategorie oder nicht?

Der Intellekt wird zur Sucht, das Kritisieren zur Manie. Wo nehmen diese Vielkritisierer, die sich nahezu täglich in allen möglichen Threads herum treiben, bloß ihre Zeit her? Und insbesondere wofür verschwenden sie sie?"
Denken wir uns dieses Kritisieren mal nicht als Kritisieren von Geschichten, sondern als Kritiseren allgemein von Menschen und der Welt: Glaubst du nicht, daß das dann auch auf dich zutrifft? Du kritiserst eigentlich dauernd in deinen Geschichten/postings, nur dich selbst nicht - inwiefern unterscheidest du dich also von den anderen hier? Machst du nicht bloß auch das, was du machen willst, ohne groß auf tieferen Sinn zu achten? So wie alle hier?

 

Hi falk!

Ich habe, ehrlich gesagt, absolut kein bisschen Lust, mich hinsichtlich Deiner Kritik weiter konkret zu äußern. Zwischen uns Beiden und auch einigen Anderen hier scheinen Welten zu liegen. Mir ist natürlich klar, hier in kg.de sind Gedichte nicht willkommen. Mein "joystick-killerkids" ist wohl so eine Art Mischung aus Gedicht und Geschichte, für mich ist es Neue Prosa, meine urureigene Prosa, verdammt, und es ist mir, ehrlich gesagt, sch... egal, was Andere davon denken. Sie ist einfach Neuer Stil, ungewohnt, auch vom Handlungsablauf her. Und das Ungewohnte jeder Zeit wurde irgendwann einmal anerkannt. Ich bin so vermessen und auch so verrückt daran zu glauben. Unsere Zeit befindet sich im Umbruch, auch die Kunst. Ich sehe es zumindest so. Es ist wie 1910/1912, als die frühen dt. Expressionisten ihre ersten Sprachversuche gestartet und der Alten Kunst von Damals den „Kampf“ angesagt haben, die Futuristen unter ihnen haben ihrer Zeit sogar den „Krieg“ erklärt. Und es hat wieder einmal mit dem Fortschritt der Technisierung zu tun. Und wir stehen da gerade am Anfang (wie 1910). Schließlich haben wir jetzt "meine Zeit", vor der ich immer gewarnt habe. Ich weiß, manche von Euch halten mich deshalb für präpotent, weil ich auf keine Kritik richtig eingehe, oder für einen Angeber, einen Narren von „Nostradamus“ oder was auch immer. Ist mir ehrlich gesagt mehr als nur wurscht. Ich stehe zu meinem Neuen Realismus, der manchmal auch Brutalrealismus ist. Und sieh Dir nur einmal zB die Werke von Kästner aus der Zeit vor 1938 an. http://mitglied.lycos.de/LotharKrist6/8kaestner.htm
Narr und Nostradamus? Ende!

Folgendes nur noch für Jene, die sich in der scheinbaren Zerrissenheit der Geschichte "Joystick-Killerkids" nicht zurecht finden:

Ich steige direkt in einen Techno-Schuppen von Heute ein, die Beschreibung der Musik, insb des Textes. (Was ist schlecht an so einem Beginn? Muss man deshalb den Autor verunglimpfen, ihn mit reiner Polemik angreifen, wie dies Poncher oben tut?
Er stand da und sah mit einer Mischung aus Faszination und Ekel, wie sich die spärlich bekleideten Techno-Mäuschen ausgiebigst verausgabten. In seinem Kopf begannen sich passend zur Musik Worte, ganze Sätze zu bilden. Titten, sie knallen, wie Sektkorken fallen, sprengen die Blusen, die Augen verprallen. Er brauchte dringend etwas kaltes zu trinken...
Das ist aus meiner Sicht tiefstes Niveau. Ist reine Abkupferung a la Marcel Reich-Ranicki, der jetzt endlich sein wahres Gesicht zeigt. Er schreit ja jetzt nach Zensur von Walsers neuem Roman. Nicht dass jetzt Jemand denkt, ich stehe auf Walser. Der ist für mich genauso ein .... Vergesst es!

Zurück zu meiner "Kurzgeschichte": Wer sich auch nur ein wenig mit Hip-Hop, Rapp, Techno, Trash, usw befasst, der weiß, wie destruktiv, oft auch lebens- und frauenfeindlich diese Texte sind. (Dabei bin ich sogar ein Fan dieser Neuen und Jungen Musikstile. Aber darf ich deswegen jetzt keine Kritik mehr äußern?) Also keine Polemiken wiederholen, bitte.

Dann kommt der Übergang zu so einer frauenfeindlichen Szene, die direkt vor meinen Augen abgelaufen ist. Die reine Macho-Anmache, ohne ein freundliches Hallo, gleich fest von Hinten in den Arm genommen und den Steifen in den Arsch gepresst! Wohl reiner Zufall?! Ne, ich glaube nicht mehr daran. Zu oft schon geschahen beim Live-Schreiben Dinge, die direkt in die Geschichte gepasst haben, die ich schreiben wollte. Oft natürlich geben sie der Geschichte auch eine neue Wendung.

Und dann stehen an der Wand diese Automaten, an denen manche Leute die Zeit einer ganzen Nacht verbraten. Peng-Peng+Bumm-Bumm. Darauf folgt dann aus dem Kriegsspiel heraus der direkte Übergang mitten hinein in eine horrorhafte, visionäre und doch so real-mögliche und so weltentraurig endende Traumsequenz eines Kriegs mit den neuen und unbemannten Drohnen, an deren Rotem Knopf meilenweit vom Kampfgeschehen entfernt unsere Kinder aus dem Westen sitzen. In 3, 4 Jahren schon werdet Ihr diese Geschichte anders beurteilen.

Und noch Etwas konkret zur Zerrissenheit, diesem Hin- und Hergleiten zwischen Realität und Traum, Gestern, Heute und Morgen: Mit diesem Stilmittel haben schon andere bekannte AutorInnen gearbeitet. Dies bedarf halt eines/r flexiblen Lesers/In, der/die bereit ist, diese Sprünge, die ja doch einen inneren Zusammenhang haben und einen tieferen Sinn ergeben, nachzuvollziehen.

Ich sehe ja diese „Schnellleserei“ nicht nur in meinen paar Threads hier. Sie ziehen sich quer durch, man findet sie auch in anderen Literaturforen. Besonders betrifft es die längeren, konzentrationslastigen Geschichten. Da eine schnelle, böse Kritik. Dann kommt das Aufmerksammachen des/der Autors/In, dass da ja eh das und das irgendwo im Text war. Dann die Entschuldigung des Kritikers: „Ach, entschuldige bitte, das habe ich übersehen, usw.“

Und über meine „negative Zukunftssicht“: Die Expressionisten hat man damals auch verbrannt. Niemand wollte sich mit ihren „negativen“ Gedanken, ihren „Träumen“ befassen. Und dann kam dieses „Negative“, der Krieg. Die Nachkriegsgeneration hat dann der Kriegsgeneration genau dieses die „Fakten der Zeit verschlafen zu haben“ vorgeworfen. Wir stecken heute in demselben Dilemma. Wir begehren nicht laut auf, wir nehmen Alles hin, viele wollen nichts davon wissen, wollen einfach weiter schlafen. Niemand will daran denken, was kommen könnte, und die Wenigen, die es tun, und das auch noch laut, sind Narren, Nostradamusse, vielleicht sogar die Abartigen, die Perversen einer Kunst von Heute.

Ich will mich gar nicht mit diesen Leuten von Damals, mit diesen Großen Dichtern vergleichen. Sie waren einzigartig, oft auch heute noch nicht sehr beliebt. Dafür waren Manche viel zu realitätsbezogen, sie passen auch heute noch nicht in unsere sich am Leben vorbei träumende Weltsicht. Wer kennt schon Jakob van Hoddis, Paul Boldt, usw. Kaum Jemand. Von Kästner kennen wir meist nur seine Kinderbücher, seine Allerweltsromane, also Werke, die er ab 1942 geschrieben hat, nachdem er ausgestiegen ist aus seiner eigenen traumatisierten Welt. Ich weiß nicht, wie gut oder schlecht ich als Autor bin. Ist mir auch völlig schnurz. Ich ziehe einfach mein „Ding“ durch, beinhart, über alle Anpöbelungen hinweg. Wenn ich damit einst auf die Schnauze fallen sollte, Schicksal. Das Risiko gehe ich gerne ein. Schreiben, an den Homepages herumwerken, ist ein aufregendes Hobby, ich liebe es. Was sollte ich auch sonst tun? Fernsehen? Und die Zeit wird es einst weisen.

Aber ich denke, wenn auch nur einige meiner „Träume“ sich verwirklichen, ich hoffe es nicht, (Schizzoidität eines Autors?!), dann stehen meine Chancen gar nicht so schlecht. Ich liebe es, wenn ich zensuriert, beschimpft werde. Das ist immer ein guter Weg für das Neue. Wenn man sich als Erneuerer von Kunst sieht, dann muss man ganze Breitseiten einstecken können von Beschimpfung, Zensur und auch Schlimmeren. Und ich sehe diese Zeit jetzt kommen. Anti-Europäismus, Anti-Amerikanismus, Anti-Globalismus und auch eine Neue Erotik in der Kunst, die wieder versucht, Grenzen zu überschreiten, wird Eck-, Angel- und Angriffspunkt sein für die kommende Neue Zensur. Und sie wird von Jenen ausgehen, die einst der Freiheit der Kunst gehuldigt haben. Die Alten verlieren jetzt das allgemeine Interesse immer mehr, sie werden zu absoluten Langeweilern. Sie werden mit allen Mitteln kämpfen. Sie versuchen ja jetzt schon mit allen Mitteln das Interesse an ihrer unterdurchschnittlich gewordenen Kunst zu wecken (siehe den polemisch auf Naziebene geführten Kampf zwischen Walser – MRR, oder der Große GG mit seiner Gustloff, usw).

Neue Kunst geht auch nicht mehr zu den Alten Vertriebswegen. Neue Kunst sucht sich seine Heimat im WWW. Die Kinder von Heute, die aufwachsen mit PC und Internet, also die Künstler von Morgen, werden über das Internet groß und mächtig. Wenn dann ein Alter Vertrieb sein Interesse zeigt, okay. Aber kein Künstler von Morgen wird sich mehr die Erniedrigung antun, seine Manuskripte auf eigene Kosten 50 x zu kopieren, sie einzusackeln, teure Marken drauf zu kleben, und vor den hochfährig gewordenen, einäugig-blauäugigen Verlagshäusern zu Kreuze zu kriechen. Diese Scheiße ist bald passe. Das wissen diese alten Mediengewalten auch schon irgendwie, auch sie werden mit allen Mitteln kämpfen, siehe zB den Napster-Streit., wenn es sein muss, auch mit Zensur.

Ein Künstler von Morgen wird seine Werke stolzen Hauptes in einer Homepage im Internet der ganzen Welt präsentieren, ohne jede Gedankenbeschränkung, ohne irgend Jemandem nach dem Maul schreiben zu müssen. Einzige Grenze: die Menschlichkeit. Gute Künstler werden sich an diese Grenze halten, ja sie werden dafür kämpfen, auch mit dem eigenen Leben. So ein Neuer Künstler wird auf jede Kritik aus seinem jeweiligen Heute pfeifen und auf seine Zeit warten, ob sie nun kommt oder nicht. Und diese Neue Kunst wird so frei sein, wie noch nie eine zuvor, trotz der destruktiven, wahrscheinlich sogar mörderischen Zeit, die jetzt vielleicht kommen mag.

Und ICH, ICH sehe mich als einen der ersten Webautoren der Ersten Stunde. Ich betreue mehrere Homepages gleichzeitig, wahrscheinlich habe ich eines der umfangreichsten Literaturangebote weltweit im Netz. (2000 A4-Seiten, vielleicht auch mehr, keine Ahnung). Und wie ich schon oben gesagt habe: Ich weiß nicht, ob ich gut bin oder nicht. Aber das zu beurteilen, überlasse ich sicher keinem Kritiker von Heute. Was die sagen, darauf pfeife ich! Und dafür wieder darfst Du, lieber falk, dafür dürft Ihr Alle mich gerne verdammen, wenn Ihr denkt, das unbedingt tun zu müssen! Darauf pfeife ich erst recht! Ja: Es ist mir sogar mehr als nur recht!

Und noch Etwas: Ich weiß selbst, dass einige meiner „Kurzgeschichten“, wie zB „Der Krieg der Hosenscheißer“, als Kurzgeschichten nicht viel taugen, sie haben ja auch einen anderen Sinn. Aber ich sehe das wie auch andere Künstler. Wie viele Bands zB kennst Du, wo jeder Song auf CD super ist? Aber diese Leute stehen selbstbewusst auch zu ihren schwächeren „Kindern“. Sind sie deshalb präpotent? Jede meiner Geschichten ist wie ein Kind für mich. Ich liebe sie alle gleich, auch wenn eines eine Behinderung hat. Und ich kämpfe für meine „Kinder“, wie eine gute, anständige Mutter. Du weißt ja, lieber falk, wie manche Leute auf Behinderte herunter sehen, ihnen offen weh tun, wenn und wo sie nur können. Würdest Du für Dein behindertes Kind kämpfen, wenn Du eines hättest? Ich würde zur Furie werden, wenn es von irgendeinem Seelendummie benachteiligt, beschimpft, angegriffen wird. Und ich schreite auch im Leben immer ein, wenn mir derartiges unterkommt.

Versteht DAS Jemand? Und „Joystick-Killerkids“ ist MEIN HIT! Mein Wunschkind! Und es ist Anders als alle anderen Kinder auf dieser Welt. Verdammt! Und nicht irgendeine 08/15-Nummer!

Liebe Grüße
Lothar

[ 05.06.2002, 15:56: Beitrag editiert von: buji ]

 

...wahrscheinlich habe ich eines der umfangreichsten Literaturangebote weltweit im Netz. (2000 A4-Seiten...)
Wie meinst Du das? kg.de: 3630 Geschichten auf kg.de, die im Schnitt mindestens(!) eine A4-Seite umfassen, eigentlich mehr. Macht also ein Minimum von 3630 A4-Seiten. Womit willst Du also prahlen?
Oder hast Du diese 2000 Seiten alle selbst geschrieben? Dann würde ich Dir Respekt zollen, wenn ich sicher sein könnte, das davon nicht 1500 Seiten für die Tonne sind. Sagst Du ja selbst:
Und noch Etwas: Ich weiß selbst, dass einige meiner „Kurzgeschichten“, wie zB „Der Krieg der Hosenscheißer“, als Kurzgeschichten nicht viel taugen, sie haben ja auch einen anderen Sinn.
Wobei ich gern den "anderen Sinn" erfahren würde.

 

Hi Poncher!

Deine Worte oben braucht man wohl nicht extra zu kommentieren.

Hi Webmaster!

Wie doch dieses Missverstehen hier um sich greift?! Du weißt doch ganz genau, dass ich mich als einzelnen Autor meine, oder? kg.de ist eine AutorInnen-Gemeinschaft. Vielleicht kennst Du ja einen Autor oder eine Autorin aus dem Web, kann auch international sein, bei dem es mehr zum Lesen gibt. Würde ihn/sie gerne kennen lernen. Ich kenne jedenfalls keine/n.

Zur näheren Erläuterungen: ich habe 6 Literatur-HPs, eine davon ist so eine Art Unterrichtshilfe über Dichter des Expressionismus für Deutsch, wobei es auch in dieser einige eigenen Werke gibt, die von den alten Meistern inspiriert wurden, und eine HP über einen Musiker aus alten Zeiten, der mal so etwas wie eine Legende der Region hier um Linz war, auch dort gibt es Geschichten aus dieser Zeit.
Die Biografien der einzelnen Dichter dürften so ziemlich die umfangreichsten im Web sein, habe sie aus Büchern, Webseiten usw zusammen gefasst, tw deren Leben und Werke auch mit eigenen Kommentaren versehen. War eine Heidenarbeit.

Mit "1500 Seiten für die Tonne" spielst Du auf die 500 Seiten allein für die HP oder besser das Online-Buch "Meine Wogehenwirhingedanken" an. Diese hat ca 500 A4-Seiten, ohne den Anhang mit den Materialien hiezu, die unter dem Kapitel "Web-Hintergründe" zu finden sind. Und die anderen 500 Seiten sind eigentlich auch nicht für den Hugo, sie passen nur nicht in dieses Buch, teilweise werden sie wohl schon in mein nächstes "Unser Krieg gegen unsere eigenen Kinder" passen, hoffe ich zumindest. Und diese gut 1000 Seiten habe ich seit dem 11. September 2001 geschrieben.

Der eigentliche Sinn von "Krieg der Hosenscheißer" heißt einfach nur Sudern, Auskotzen, mehr ist nicht und ein bisschen voraus schauen.

Liebe Grüße
Lothar

[ 05.06.2002, 18:38: Beitrag editiert von: buji ]

 

:eek: Lieber Buji! Diese Frage muss erlaubt sein, auch von jemandem, der dir wohlwollend gegenüber steht: Wozu postest du hier Storys, wenn du mit der Kritik nicht klar kommst?
Noch auffallender ist, dass du auf Kritiken meist überhaupt nicht eingehst sondern irgend ein Traktat loslässt, das mit der Kritik wenig bis gar nix zu tun hat.
Versteh meine Worte bitte nicht als belehrend, fasse sie als Sorge einer mitfühlenden Seele auf. Du hast ziemlich was drauf, buji, aber ich wage zu behaupten, dass es hier einige gibt, die nicht weniger drauf haben als du. Gib ihnen die Chance, deine Werke aus einer anderen Sicht, aus einem anderen Winkel zu betrachten!
Mir persönlich helfen Kritiken sehr dabei, meine Geschichten "objektiver" zu beurteilen.
Zuweilen denke ich mir auch, die Menschheit ist noch nicht reif für meine Geschichten :D , aber seien wir ehrlich: Was im Jahre 2002 nicht gelesen wird, wird im Jahre 2200 wohl auch nicht gelesen werden.

In diesem Sinne: Bitte nicht eingeschnappt sein, werter Landskollege, sondern immer daran denken, dass dir hier niemand böses will! :)

 

Und wie ich schon oben gesagt habe: Ich weiß nicht, ob ich gut bin oder nicht. Aber das zu beurteilen, überlasse ich sicher keinem Kritiker von Heute. Was die sagen, darauf pfeife ich!
Cool. Bestätigt mich, da ich nach Deiner zweiten Geschichte hier beschlossen habe, Dich weder zu lesen noch zu kommentieren.

Du bekommst fast ausnahmslos Talent zugesichert. Aber bei berechtigter negativer Kritik - und sei es nur ein Tippfehler - schaltest Du auf stur und behauptest arrogant, dass wir Blödis Künstler wie Dich nicht verstehen könnten.
Das ist arrogant und anmaßend.

Selbst die Menschen, die Du als die wahren Künstler bezeichnest, haben durch Kritik gelernt.
Und darauf zu warten, dass Du in fünf, fünfzig oder fünfhundert Jahren verstanden und gefeiert wirst, ist schlichtweg Träumerei.

Buji, keiner hier will Dir was Böses, aber wenn Du Dich weiterhin in dieser Art gibst, glaube ich nicht, dass Du noch viele Leser finden wirst.

So, dann hör ich mal wieder auf gegen eine Windmühle zu kämpfen. Mach´s gut.

Ugh

 

Hi Rainer!

O Mann o Mann, hier geht es ja zu wie in einer Disco. Kaum antworte ich auf eine Kritik, steht schon die nächste da.

Du darfst nicht glauben, dass ich eingebildet bin. Ich bin nur überzeugt, ich glaube an das, was ich da mache. Ich spiele ein bestimmtes Spiel, zu dem außer dem Schreiben von Online-Büchern auch das Veröffentlichen einzelner Geschichten und Gedichte daraus gehört, ebenso aber auch Eure werte Mitarbeit in meinen Threads.

Das Internet bietet ja in diesem Sinne eine neue Chance. Früher waren es bloß die Briefe unter DichterkollegInnen, oder mit ihren jeweiligen PartnerInnen, FreundInnen, Verwandten und Bekannten. Die einzelnen LeserInnen hatten nicht die Chance mit den AutorInnen frei zu kommunizieren. Ich sammle all diese Beiträge. Sollten sich meine "Bilder" von unserer Zukunft doch irgendwie einmal bewahrheiten, insb jene von einer Neuen Kunst, die großteils im WWW stattfindet, wie eben oben beschrieben, dann wird es in 1, 2 Jahrzehnten für die LeserInnen vielleicht sehr, sehr interessant sein, was heute so gedacht und wie heute so kritisierend agiert wurde.

Und in diesem Sinne hast Du auch wieder Unrecht, wenn Du meinst, dass 2200 nicht gelesen wird, was im Jahre 2002 niemanden interessiert. Wenn das so wäre, gäbe es eine ganze Serie von Alten MeisterInnen nicht. Die hat in den Anfangsjahren auch keine Sau gekannt. Viele haben es erst mit 40, 50 oder gar erst gegen Ende ihres Lebens geschafft. Kaum einer der großen Expressionisten (nur als Beispiel) konnte von seiner Schreibe leben. Die haben sich das Brot als Ärzte, Journalisten, Rechtsanwälte, Richter, Beamte usw verdient. Es ist nur immer wieder so, dass wir das gerne vergessen.

Nahezu alle Erneuerer der Sprache waren am Anfang ihrer Karriere die Deppen der herrschenden Kunstwelt ihrer Zeit. Natürlich hatten Viele ihre kleine Szene, ihre Zirkel, in denen sie sich bewegten. Das gilt auch für die uns heute bekannten Klassiker. Ich denke, nicht einmal Goethe hätte damals in den ersten 20 Jahren allein von seiner Schreibe leben können. Er war irgend so eine Art von Beamter bei einem fürstlichen Gönner, oder? Man muss sich ja nur die Auflagenzahlen der Leute von den ersten Veröffentlichungen ansehen, meist nur 700 - 2000 Stück in oft 10 Jahren und mehr. Dabon konnte selbst damals Keine/r leben. Den Frauen unter ihnen ging es meist noch schlechter. Die konnten von einer Veröffentlichung oft nur träumen.

Wir vergessen das immer wieder, auch wenn wir es eigentlich wissen (sollten). Schließlich lesen wir ja oft genug Bios, Werdegänge oder Reportagen darüber. Aber den wahren und tiefen Sinn, der dahinter steckt, den verdeutlichen wir uns zu wenig. An deren Werken reich wurde meist erst irgend Jemand aus der Nachwelt.

Die wohl einzige große Ausnahme in diesem Sinn war die junge Generation der 68er. Zuerst der 1. und dann der 2. WK hatten eine ganze Kultur vernichtet. Noch dazu war ein Teil dieser Großen Kultur von vor und aus dem letzten der beiden Kriege verpönt. Die Einzigen, die akzeptiert wurden, das waren die einst Abartigen, die Verbrannten, von denen waren jedoch die meisten tot oder sie versumperten irgendwo armselig im Exil.

So stießen die Neuen Wilden in ein kulturelles Vakuum, ihr hoffnungsfrohes "nie wieder Krieg" verknüpft mit der harten Abrechnung mit der Vergangenheit eroberte die Welt. Dieses damals völlig neue Phänomen, dass eine ganze Garde von jungen KünstlerInnen bereits kaum ihrer Jugend entwachsen, den Kunstmarkt dominieren konnte, sitzt uns heute tief im Gedächtnis und es lässt uns vergessen, dass es eigentlich fast immer anders war. Doch diese nun alt gewordenen MeisterInnen dominieren auch heute noch mit ihren nun ebenfalls alt gewordenen Gedanken unsere Welt. Die Jugend von Heute hat kaum eine Chance Neue Gedanken in aller Offenheit zu entwickeln. Woher glaubst Du, kommt ihre Ignoranz der Politik? Sie haben kein eigenes Mitspracherecht, wenn sie nicht die alten Gedanken nachbeten. Das tun natürlich Einige, die nach oben wollen, die Geld verdienen wollen, aber das Gro hält sich aus der Politik heraus. Man bewegt sich im Underground.

Maler und Musiker tun sich da ein wenig leichter. Ihre Botschaft kommt nicht so pur rüber, wie bei einem Schriftsteller. Wenn du dich als solcher aber abseits von den Ideologien bewegst, ist Sendepause. Derartiges war in den letzten 30 Jahren nicht einmal kritisierfähig. Da hieß es auf gut old austriacus: "Net amoi ignoriern!" Wenn sie diesen Leitspruch doch nur auch auf so Typen wie den Herrn "Laider" angewendet hätten, dann wäre der samt seinen Co´s heute nicht so groß.

Na ja, was soll ich machen? Ich habe mir halt immer so meine eigenen Gedanken gemacht und immer Alles hinterfragt. Ich sehe es halt so. Tut mir leid, wenn das Einigen nicht so gefällt.

Liebe Grüße
Lothar

[ 05.06.2002, 19:43: Beitrag editiert von: buji ]

 

Hehe..
Und wieder antwortest Du nur auf das Dir wohlgesonnene Posting..

Find ich ja interessant, dass Du uns sammelst und als Beweis aufhebst. Naja, vielleicht hab ich ein paar Jahrzehnten ja echt was zu lachen, wenn ich mich irgendwo wiederfinde - oder auch, wenn ich sterbe und es nie einen berühmten Künstler mit Deinem Namen gab.
Ich erwarte neugierig die Zukunft.

Ugh

 

Lieber Morphin!

Tut mir leid! Ja, ich weiß, ich habe glatt vergessen, Dir darauf zu antworten. Aber wie Du vielleicht bemerkt hast, geht es in meinen Threads drunter und drüber, und es wird scheinbar immer schlimmer. (Ich bin wohl der Neue Bösling hier.) Ich bin noch neu hier und habe wohl zu viel hintereinander in wenigen Wochen gepostet. Und mir ging es nicht so gut in letzter Zeit, gesundheitlich, auch beruflich. War im Dauerstress, auf Seminaren, das letzte verlängerte Wochenende auch in der Toskana auf einen Kurzurlaub. Der Schluss meines Buches hing in der Luft und wollte mir nicht und nicht einfallen. Mir wuchs einfach Alles ein wenig über den Kopf. Aber jetzt geht es wieder, bin wieder voll da, zumindest bis zum 12.6. Ab da bin ich dann für 14 Tage im Urlaub. Hurrah!

Okay, zu dem Bild mit meinem Sohn. Ne, ich vermittle ihm sicher nicht eine "apokalyptische Weltsicht". Ich bin auch, was mein Leben betrifft, kein Depressivling. Bin eher ein lustiger Hundesohn, vielleicht manchmal ein wenig zu zynisch, gebe ich zu. Ich kann meine Schreibe ganz gut aus meinem Leben heraus halten. Ich mache da, genauso wie in meinem Job, einfach hinterher die Türe zu. Natürlich bin ich immer sofort wieder bei meiner Schreiberei, wenn ich alleine bin. Am Liebsten kaue ich sie durch auf langen Autofahrten, zu geiler, harter Musik. Ich spiele manche Geschichten oder Gedichte, insb die Aufhängerzeilen, -verse, oft zig Mal im Kopf durch, ehe ich mich an die Arbeit mache.

Aber mit Jimi (10 Jahre alt, nach Jimi Hendrix benannt) rede ich darüber eigentlich kaum. Ich halte ihm auch keine Vorträge, wie Du das wahrscheinlich vermutest, halte ich eigentlich Niemandem. Außer meinen LeserInnen, haha.

Übrigens, der ominöse Thread wurde vom Forenteam mit meiner Einwilligung in Diskussion für Autoren verlegt.

Du missverstehst meine Breitseiten auf die 68er. Die waren damals schon in Ordnung, fast halt. Ich hätte mir nur immer einen realistischen und auch opfer- und nicht bloß täterfreundlichen Humanismus, einen ebensolchen Sozialismus gewünscht, der gleichzeitig das Kapital, das nun einmal auch unbedingt notwendiger Teil unseres Lebens ist, endlich akzeptiert, aber ein stetig aufmerksames und hartes Auge darauf hat. Ich war immer der Ansicht, dass wir, ich zähle ja auch fast zu dieser Generation, zu viel vom Leben verlangt haben. Wir haben verlangt, dass sich alle Menschen nach unserer Philosophie richten, das konnte nicht gut gehen. Eine Philosophie sollte ausgewogen sein, zweiäugig, und sich nach den Menschen, nach ihren Möglichkeiten, ihren Vielseitigkeiten richten, nach den Tatsächlichkeiten des Lebens. Sie sollte für den größeren Teil einer Gesellschaft lebbar sein. Wir wollten zu gut sein. Man muss manchmal auch ein wenig „böse“ sein können, wenn man als einzelner Mensch sich selbst, und vor Allem, wenn man als Gesamtheit einer Gesellschaft seine Mitglieder (auf Dauer) schützen will.

Wenn ich als Einzelner verabsäume, rechtzeitig ein wenig „den Bösen“ gegenüber einem „Angreifer“ hervor zu kehren, dann wird der immer frecher werden und ich werde irgendwann einmal ganz, ganz böse werden müssen, um mich vor ihm zu schützen, wenn ich nicht alle Achtung vor mir selbst verlieren will. In dieser Situation sind wir ja heute als Gesellschaft des Westens. Wir haben zu lange überall zu gesehen, wir haben es zu lange bloß bei Worten belassen, und jetzt werden wir deshalb gezwungen sein, Kriege zu führen. Wir werden jetzt wohl bald zu ganz, ganz Bösen werden (müssen).

Ich will mich jetzt nicht weiter auf Deine Anschuldigungen einlassen, das ist mir zu mühsam. Aber ich hasse Niemanden, die 68er-Generation schon gar nicht. Es ist nur so, dass ich die Schuld an unserem Heute, zB des 1. Kriegs gegen den Terror, nicht bei den armen Hunden da im Nahen Osten suche, ich sehe die Schuld in unserer vergangenen Friedensphilosophie des reinen Bla-Bla´s ohne die entsprechenden Handlungen. Vor 30 Jahren schon der notwendige Druck auf Israel, kein feiges Verstecken hinter unserer Vergangenheitsbewältigung samt dessen Traumatas, dann hätten wir heute dieses nicht mehr in den Griff zu bekommende Problem nicht. Damals hätte es keines Krieges bedurft, nur ein bisschen Rückgrat.

Aber wie dies in Worten ausdrücken und vieles Andere mehr, ohne diese Generation samt deren Philosophie zu benennen? (Sie ging ja mit der letzten Kriegsgeneration auch nicht gerade zimperlich um. Und dabei war wohl sicher mancher Anfall von Hass dabei! Also was sollen diese Polemiken?) Aber deshalb hasse ich diese Generation nicht! Ich liebe sie, so wie ich alle Menschen liebe. Aber das glaubt mir wahrscheinlich kaum Jemand. Schicksal.

Heute sehe ich keinen Ausweg mehr. Die Menschheit wird da jetzt wohl durch müssen. Zurück können wir nicht mehr. Aber ich sehe dahinter kein Ende der Menschheit. Ich schreibe nicht umsonst, dass am Ende der Zeit der 68er-Generation die Weltrevolution stehen wird. Mir ist klar, für einen Menschen aus dem Westen, dem es heute gut geht, der wohlhabend ist und der Viel zu verlieren hat, klingt das nach Apokalypse. Für ein armes Schwein von hier oder eine Hungerfigur aus der 3. Welt klingt das nach Hoffnung. Ein gefürchteter und von uns Westlern gejagter Terrorist von Heute kann in 20, 30 Jahren schon eine Sagengestalt wie Robin Hood sein, und das weltweit, auch bei uns hier. Die vielen, vielen Toten wird man ihm verzeihen, man wird sie vergessen. Im Nottingham Forrest sind damals sicherlich auch Menschen gestorben. Das vergessen wir wohl immer wieder. Es gefällt Niemandem, mir natürlich auch nicht, aber es gehört wohl dazu, ob wir das nun wollen oder nicht.

Tut mir leid, wenn ich Dich bzw. Euch Alle damit so aufrege. Ich sehe es eben so. Ich habe immer versucht, mich in die Zukunft zu denken und das Heute aus dieser Perspektive (unserer Kinder, Enkel) zu sehen. Das seit über 25 Jahren. Deshalb habe ich heute auch kein Problem mehr damit. Es macht mich weder depressiv, noch aggressiv im Leben, noch sonst Etwas, höchstens manchmal ein wenig traurig, so wie vorhin, als ich das erste Bild von der Neuen Mauer in Israel gesehen habe. (Ihr findet es unter www.spiegel.de unter den Schlagzeilen vom 4.6.02, und demnächst auch in meiner HP-Nr6 auf den Israel-Seiten.)

Ich hasse Niemanden, schon gar nicht die Juden. Ich liebe sie, ihre Dichter sind Inhalt meiner HP-Nr2. Aber deshalb wage ich es doch, die Dinge beim Namen zu nennen. Verdammt, es ist Alles so beschissen.

Liebe Grüße
Lothar

 

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