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Joker

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22.04.2003
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Joker

Denk daran, dass ich dich sehe.
Denk daran, ich seh dich immer.
Denk daran, einst musst du sterben.
Denk daran, du weißt nicht wann.


Hat sich jemals jemand gefragt, warum der Joker in einem Kartenspiel gerade dann auftaucht, wenn ihn jemand am nötigsten hat? Oder warum er genau dann ausbleibt? Warum einem der Joker, in geradezu göttlicher Absicht, in den schwierigsten Situationen in die Hände fällt?
Hat sich jemals jemand gefragt, warum der Joker gerade dann ausbleibt, wenn man ihn am meisten her sehnte?
Hat sich jemals jemand gefragt, warum einige Leute den Joker geradezu anzuziehen scheinen während andere den Joker nur als Objekt der verzweifelten Begierde betrachten?
Hat sich jemals jemand gefragt, warum der Joker an tausend Orten zugleich sein kann während er an einem anderen Ort niemals erscheint?
Hast du dich schon mal gefragt, ob der Joker gerecht ist?


„Wo waren sie in der Nacht vom 12. Februar Herr Jorek?“ fragte einer der beiden Kripo-Beamten.
„Definieren sie Nacht, Herr Kuhn!“ antwortete Jorek mit einem Blick auf das Namensschildchen vor seinen Gesicht.
„Hören sie auf mich zu verarschen, wir sind hier nicht bei Cobra 11! Wo waren sie zwischen 0 und 2 Uhr?“ schoss es seitens Kuhn zurück während sein Kollege eifrig auf die Tastatur seines Laptops hackte, um den Verlauf des Gespräches zu einem späteren Zeitpunkt möglichst genau wiedergeben zu können.
„Hören sie,“ setzte Kuhn erneut an, als er merkte, sein Gegenüber lediglich zu langweilen, „wir möchten die Sache hier nur möglichst schnell abgeschlossen wissen, ist nicht angenehm, können sie sich ja vorstellen. Wir brauchen ihre Beschäftigung der angegebenen Uhrzeit, um weitere Möglichkeiten ausschließen zu können. Wo waren sie in dieser Zeit Herr Jorek?“
„Herr Kuhn, wir haben heute den 28. September, richtig? Das heisst, seit dem 12. Februar sind 7 Monate vergangen, wie, zum Teufel, soll ich wissen was ich an diesem Tag zu gegebener Uhrzeit gemacht habe?
Nicht nur ihnen ist das ganze höllisch unangehm.“

Einen Tag später leutete das Telefon auf Kuhn´s Schreibtisch.
„Kriminal Polizei Köln, Kuhn am Apparat, Guten Tag?!“ Kuhn hatte das Telefon erst beim 4. Läuten erwischt und bellte dementsprechend hastig in den Hörer.
„Jorek hier. Ist diese Leitung sicher?“ „Jorek,..sie sinds. Von unserer Seite 100 Prozent sicher! Was gibt’s?“
„Ich habe nachgeschlagen, die Nacht vom 12. Februar war ich unterwegs.“
„Geschäftlich?“
„Nein, privat. Zum Vergnügen, sie wissen schon. C´est la vie.“
„Schön, gibt es dafür Zeugen?“ Kuhn stellte diese Fragen mittlerweile in einer gewissen Automatik, dachte weder nach noch hörte er richtig hin. Er hatte im Laufe der Zeit gelernt, seine Ohren abzustellen und lediglich auf Schlüsselreize zu achten.
„Kommen sie doch bitte vorbei und geben sie dies zu Protokoll, Herr Jorek. Unsere Leute werden ihre Angaben überprüfen und damit ist, sofern sie die Wahrheit sagen, die Sache für sie geregelt. Wir werden ihnen dann vorerst keine Unannehmlichkeiten mehr bereiten.“ Unterbrach ihn Kuhn. Er würde froh sein, wenn er diese selbstgefälligen Visage Joreks nicht mehr zu sehen brauchte.
Sie verabredeten einen Termin für die darauf folgende Woche und beendeten, beiderseits, das Gespräch.

Kuhn blickte sich erneut die Akte an. 47 Morde gingen auf die Rechnung von, wahrscheinlich, ein und dem selben Mann. Die Abteilung für Verhaltensforschung war verzweifelt. Der Mörder, sie gingen aufgrund der Statistik davon aus, das er männlich war, passte in keines der typischen Verhaltensmuster eines Serientäters.
Seite für Seite blätterte Walter Kuhn die Akte durch, auf der Suche nach minimalen Lücken, irgendetwas, dass ihnen bisher nicht aufgefallen war.

Das erste der Opfer, ein 82 jähriger Mann, wurde vor 15 Jahren mit einem Bajonett aus dem 1. Weltkrieg aufgespießt. Ein sauberer Schuss unter den Brustkorb. Der Mann ist an dem darauf folgenden Blutverlust gestorben. Damals wurde der Fall nur von der Mordkommission bearbeitet, nach dem 3. Opfer jedoch, nach erfolglosen Ermittlungen, gingen die Akten weiter an jegliche Stelle der Rechts- und Ordnungshütungsbehörde, in der Hoffnung auf irgendeine Unstimmigkeit, irgendwo. Keine kleinste Kleinigkeit war unstimmig.

Kuhn war vor Jahren bei der Mordkommission gewesen, ein Mann mit Qualitäten hieß es. Jedoch war der Druck, der täglichen Grausamkeiten zu groß geworden, so dass er gewechselt ist, in einen Bereich mit nicht weniger Grausamkeiten - er ist zur Kriminalpolizei gegangen.

Die einzige Tatsache, aufgrund der man davon ausging, dass es sich um ein und denselben Mörder handelte, war, dass es sich offensichtlich um Vergeltungsschläge handelte.
Doch wer die Vergeltung wollte blieb ein Rätsel.
Verwandte, Bekannte, Freunde und Feinde der Opfer wurden zahlreich befragt, doch deren Alibi war stichfest, niemand von ihnen war am Mord der Opfer beteiligt, doch durch sie erfuhren die Behörden von den Hintergründen der Vergeltungsschläge. So hatte der eben besagte alte Mann im 1. Weltkrieg gekämpft; wurde, welch Ironie, von diesem Bajonett des 1. Weltkrieges getötet.
Das zweite Opfer, eine 34jährige Frau, ermordet vor 13 Jahren, hatte, laut einem ihrer Freunde, ein Verhältnis und hat, ihren Ehemann nachts mit einem Kopfkissen erstickt, vor Gericht auf Verzweiflungstat wegen Misshandlung plädiert und freigesprochen. Eines Nachts wurde sie auf die selbe Art und Weise, wie sie ihren Ehemann ums Leben gebracht hat, ermordet. Verwandte fanden sie Tage später kalt und blau in ihrem Bett vor.
Und so geht die Reihe weiter. Die Morde hatten mit dem jeweiligen Leben der Opfer zu tun, nahmen direkt Bezug darauf, doch untereinander hatten die Morde nichts miteinander gemein.

„Sein Alibi ist dicht. Nichts zu drehen.“ bestätigte Kohn seinem Kollegen, als er den Hörer seines altmodischen Telefons auflegte. Gerade hatte er die Reihe angegebener Freunde Joreks angerufen, hatte sich von ihnen bestätigen lassen, dass Jorek in der besagten Nacht seine Zeit mit ihnen verbracht hatte. Zur Vorsicht hatte er sie natürlich zu einem Gespräch unter 4 Augen gebeten, Kuhn nahm seine Arbeit ziemlich genau.
Am Morgen des selben Tages war Jorek dagewesen, um seine Tätigkeit in der Nacht vom 12. Februar zu Protokoll zu geben. Er war gerade aus der Tür, da fing Kuhn auch schon an, Joreks Alibi zu überprüfen. Er rief die Gaststätte an, in der Jorek mit Freunden gewesen zu sein angab, fragte nach einem vorhandenen Gästebuch und fuhr persönlich mit seinem dunkelblauen Passat dort vorbei um dieses einzusehen. Eindeutig. 7 Personen am Freitag, den 12. Februar, Jorek selbst hatte seinen Namen bei der Tischreservierung angegeben.
Danach, so gab Jorek an, waren er und 4 weitere Freunde noch in einer Kneipe, 1 Straße weiter von der Gaststätte. Das zu überprüfen dürfte schwieriger sein, doch wenn Joreks Freunde das bestätigten, dürfte daran nichts zu rütteln sein.
Sie waren auf Jorek gestoßen, als sich ein Zeuge meldete, er würde beobachtet haben, wie Jorek einen Tag vor dem Mord in dem Wald saß, in dem später die Leiche verscharrt worden war. Dort soll er an eben dieser Stelle gesessen haben, in völliger Lethargie, mit seinen Gedanken scheinbar völlig fern ab jeglicher Realität.
Das kam dem Zeuge, nachdem er in der Zeitung von dem Mord gelesen hatte, doch reichlich seltsam vor, und er meldete es der Polizei. Dank der Personenbeschreibung fand die Kripo dann Jorek.
Im Grunde genommen glaubte niemand daran, doch ein Versuch war es wert. Zumindest wollten sie nach dieser Akte nichts unversucht lassen, dem Grauen in Menschengestalt ein kleines Stück weit näher zu kommen.

„Die Fledermaus“ war es, die per Overtüre die Luft mit ihrem teils, harten, teils sanften Klängen in Joreks kleinem Apartment erfüllte. Er selbst lag, in völliger Apartheit, in seinem abgesessenen Sessel, die Beine auf dem alten Eichentisch übereinander verschlagen, den Takt der Musik mit Zeige- und Mittelfinger auf den Armlehnen wiedergebend.
Er mochte Johann Strauss nicht besonders, viel mehr noch mochte er nur sehr wenige Stücke von ihm. Seine Lieblingsstücke von Strauss waren „Die Fledermaus“ und „Morgenblätter“. Seine Stereoanlage auf Repeat gestellt, ließ er sich bereits seit Stunden dieses Morgens von ersterem berieseln. Es beruhigte ihn, er konnte seinen Geist abschweifen lassen, und Dinge sehen, die niemand sonst sah. Es war sozusagen Teil seines Jobs.
Er überwachte Menschen in all ihren Tätigkeiten, hatte vor langer Zeit für eine Wirtschaftsdetektei gearbeitet, sich jedoch, seines Schergentums müde, selbstständig gemacht.
Über Aufträge brauchte er sich keine Sorgen machen, sie kamen von alleine, er brauchte nur, wie in diesem Moment, die Augen zu schließen, die Realität ausblenden und er sah, was er zu tun hatte.

Jorek lebte ein Leben, das nur schwerlich in ein Schema passte, auf der einen Seite lebte er mittelloser als ein Student, auf der anderen Seite frönte er allerfeinstem Stil.
Auf dem Tisch vor ihm stand eine geöffnete Flasche Dom Perignon, ein Glas daneben und eine Billigschachtel Erdnüsse. Das jedoch sollte später kommen, zunächst ging er seiner Arbeit nach.
Seine Augen waren geschlossen, ließen jedoch vage die Richtung der Bilder, die er vor sich sah, bestimmen. Seine Miene verfinsterte sich von Zeit zu Zeit, manchmal hinterließ eine einzelne Träne ein feuchtes Rinnsal auf seiner Wange, bis sie, getrieben von der Schwerkraft, schließlich vom Kinn auf sein leicht geöffnetes Hemd fiel.
Jorek sah nicht gern was er sehen musste, doch irgendwer musste diesen Job machen, richtig? Und er war gut darin. Privates und Berufliches Trennen lautete die Devise, ähnlich wie in jedem anderen Job auch.
Er fragte sich, wie lange er diese unangenehme Arbeit noch würde verrichten müssen, bis die Menschen endlich daraus lernen. Würde er sich dafür zu Erkennen geben müssen? Das würde nicht den notwendigen Zweck erfüllen, die Menschen würden sich ändern, bessern würden sie sich jedoch nicht.
Jorek legte den Kopf auf die Nackenlehne, öffnete die Augen und hatte das Gefühl, dass ihm das alles hier völlig fremd war. Jenes Gefühl, das man hat, wenn man etwa 30 Minuten mit Geschlossenen Augen und vom Wasser ebenfalls verschlossenen Ohren in der Badewanne liegt, und versucht, mit dem Denken aufzuhören.
Einen Moment später richtete Jorek sich auf, schüttete sich was von dem teuren Getränk ein während er, mit der anderen Hand, blindlings in die Aluminiumdose voller Erdnüsse griff. Sein Geschmack war miserabel, jedoch sah er nicht ein, ihn unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit zu ändern.
Er würde am nächsten Tag sehr früh raus müssen, die Botschaft war eindeutig: Ein neuer Auftrag. Und zwar eiligst.

Es war etwa 21:30 am Tag an dem Herr Berger aus der Haft entlassen wurde. Er war noch nicht zuhause gewesen, dazu war er noch nicht bereit. 7 unendliche Jahre lang hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht, als wieder nach Hause zu kommen, sich wieder frei bewegen zu können, und um Verzeihung zu bitten, um zu vergessen was gewesen ist. Um 16 Uhr des selben Tages war er hinaus getreten, aus den Mauern der Vollzugsanstalt in die Freiheit. Seitdem schlenderte er durch den nahegelegenden Wald. Seine Geschwister hatten ihm eine winzige Wohnung hergerichtet, denn seine Familie ist weg. Er konnte es ihnen nicht verdenken. Er ist ein Monster gewesen.
Ralf Berger hatte wegen Kindermisshandlung und sexuellen Missbrauch 7 Jahre im Gefängnis gesessen, und es schmerzlich bereut. Nichts wünschte er sich mehr, als sich bei seinen beiden Kindern, und bei seiner Frau- Exfrau- zu entschuldigen, und das gewesene hinter sich zu lassen. Er würde so gerne vergessen - , Nachts wieder schlafen können.
Er wusste, rückgängig machen konnte er nichts, das lag nicht in seiner Kraft, und niemals würde er seiner Familie, den Kindern, den Schmerz nehmen können, den er ihnen zugefügt hat.
Doch 7 Jahre lang hat er bereut, war ein besserer Mensch geworden. Vergessen.....
Für Berger zählte nur, was heute ist. Gestern ist passé. Das mochte wohl der Grund sein, dass sich just in diesem Moment, an dieser Stelle etwas in den von ihm seitlichen Büschen etwas bewegte.
Berger erschrak, doch besann sich bald und rief sich selbst zur Vernunft auf, ging weiter doch das Rascheln, das Knistern, dieses unerträgliche Atmen hielt an, verfolgte ihn.
Berger ging schneller, ein lauwarmes Gefühl kroch seine Magenwand entlang, immer höher, bis schließlich ein Insekt seine eiskalten Fühler um sein Herz zu legen schien.
„VERGISS NIEMALS WAS DU GETAN HAST!“ Kam eine scheppernde Stimme aus den Büschen hinter Berger, dann wurde es dunkel.

Völlige Stille. Jorek versuchte zu entspannen. Die Arbeit hatte ihn sehr mitgenommen, es war nicht leicht gewesen. Manchmal sieht man Dinge, die man lieber nicht sehen möchte, und so ging es Jorek in diesem Augenblick der Ruhe.
Er glaubte an Gerechtigkeit und er war ein Mann der Tat.
Am Abend wollte Achim vorbei kommen, einer seiner besten Freunde, schon von Schultagen an.
Achim war Ingenieur, und der Mathematik hoffnungslos verfallen, Jorek hingegen versuchte meistens, die Dinge aus einem anderem Blickwinkel zu sehen, aus dem der Philosophie. Das half ihm. Denn sein Alltag lässt vieles zu abstrakt aussehen, und die Philosophie öffnete sein Herz für andere Dinge, machte ihm klar, dass nichts vollkommen ist, das alles fließt.
Es würde weiter gehen, vielleicht würden die Menschen sich ändern, vielleicht von ihren Kriegen untereinander absehen. Jorek brauchte Urlaub, das, allerdings, konnte er sich nicht erlauben. Urlaub war eines jener Privilegien, die er stets nur aus der Ferne hatte betrachten können.
Er setzte sich einen Lindenblütentee auf, der zwar abscheulich schmeckte, jedoch wunderbar gegen jede Art von Stress zu helfen versprach. Wahrscheinlich war es ein billiger Placebo-Effekt, aber Jorek glaube schon alleine wegen dem ekelhaften Geschmack daran, dass er wohl helfen müsse, und er half.
Jorek träumte niemals, nach getaner Arbeit fiel er meistens in einen Koma-ähnlichen Schlaf, den er dankbar hinnahm, denn das träumen von einer besseren Welt hatte er schon vor vielen Jahren aufgegeben, es war zu niederschmetternd, dann aufzuwachen um festzustellen, dass alles noch beim alten war.
So auch an diesem Tag, er schlief noch fest, als er plötzlich, unsanft aus dem Schlaf gerissen von seiner Türklingel geweckt wurde.
Jorek ließ Achim schnell in sein Apartment, rief ihm zu, dass er gleich soweit sei, warf sich eine Handvoll Wasser ins Gesicht, zog sich ein frisches Hemd und eine saubere Hose an und trat, noch etwas durcheinander wirkend, auf Achim zu.
Auf den Weg in eine neu eröffnete Kneipe diskutierten sie über die Todesstrafe und über die 7 Todsünden.
Jedoch war Jorek heute nicht nach diskutieren zumute, viel lieber wollte er einfach was trinken, den Arbeitstag hinter sich lassen, vielleicht eine hübsche Frau mit nach Hause nehmen, er wollte weder hören noch sehen.

Kuhn kam gerade von einem stressigen Arbeitstag nach Hause, hatte sein Frau noch nicht ganz begrüßt, da dröhnte schon das helle Läuten des Telefons durch das ganze Haus.
„Für dich?“ fragte seine Frau, und als er ihr, die Nummer ablesend zunickte, bevor er seinen Namen in den Hörer sprach, machte sie sich auf einen weiteren, einsamen Abend gefasst. Sie liebte ihn.
Sie wusste, er liebte sie auch, jedoch hatte sie seine Liebe mit seiner Arbeit zu teilen. Meistens kam er erst sehr spät Nachts nach Hause, manchmal sahen sie sich sogar bloß an den Wochenenden, doch das hatte sie vorher gewusst, bevor sie ihn geheiratet hatte.
Felicitas Kuhn vernahm im Hintergrund, während sie las, die Stimme ihres Mannes.
Einzelne Wortfetzen, die darauf hin deuteten, dass sein heutiger Arbeitstag noch nicht beendet zu sein schien, drangen an ihr Ohr.

„Was, schon wieder? ...................
Der Kerl sitzt irgendwo und lacht sich scheckig über uns......................
Was soll ich denn ihrer Meinung nach tun?.......................................
Habt ihr die Leiche schon identifiziert?......Dann beeilt euch! Uns rennt die Zeit davon!...............
Ja, sicher. Wer hat die Leiche gefunden?.........und wann? ........ Aha. ...........Wo?.... Was, im Park?..........................
Wie,...naja, wie ging der Mord von statten? Siehts schlimm aus? .... Verkohlt?.....Scheiße!.......er hatte seinen.... Ja, mach ich. ........ Er hatte seinen Schwanz im Mund?.....Wollen sie mich verarschen oder was?.....abgetrennt?....Sauber amputiert?......Ist der Kerl Metzger oder was?.........
Irgendwelche Fingerabdrücke?..........Ja. Nein, habe ich mir bereits denken können....
Was meinen sie? War er es?............ Ja, nehme ich auch an.
Hören sie, kümmern sie sich um die Identifikation, ich kümmere mich dann darum, Angehörige ausfindig zu machen. Alles klar? Noch Fragen?............
Nein! Das übliche...... Mein Gott, sie werden wohl wissen, wie sie mit einer völlig verkohlten Leiche umzugehen haben, sie Amateur!.........
Ja, und jetzt machen sie hin!.........
Halten sie mich auf dem Laufenden. Bis dann.“

Damit knallte Kuhn den Hörer auf die Gabel und erschien bei seiner Frau Felicitas in der Küche.
„Scheiße, Scheiße, SCHEIßE!!!“ war alles was er verlauten ließ. Dann ein lautes Türenknallen, das Signal für Felicitas, keinen unnötigen Lärm zu machen, Walter war im Keller, an seinen Trainingsgeräten und schwitzte sich den Ärger aus dem Leib heraus.
Eine erneute Leiche war im Park, etwa 200 Meter von seinem Büro entfernt, geborgen worden. Obschon von einer Bergung kaum die Rede sein konnte, der Mörder hatte den Mann nackt auf eine Parkbank gesetzt, hatte ihn fixiert an Händen und Füßen. Ihm sein Glied mit chirurgischer Genauigkeit abgetrennt und es ihm in den Mund gesteckt. Anschließend hatte er sein Opfer mit Benzin übergossen und ein Feuer entzündet.
Heute Abend.... Niemand hatte das Feuer gesehen. Niemand! Kuhn war mit seinen Nerven am Ende, er wusste weder vor noch zurück, keine Ahnung, wie er an einen solchen Fall rangehen sollte.
Mit rechten Dingen konnte es hier nicht mehr zugehen. „Soll ich die Geisterjäger rufen oder was?“ dachte er, und strampelte auf seinem Trainingsrad, bis er kaum noch Luft bekam. Seine Lunge brannte, doch sein Gehirn ratterte noch immer unerlässlich. Er begriff nicht, wie es in einem, der Stadt nahe gelegenem, Park brennen konnte, ohne dass es auch nur einer sieht. Die Feuerwehr hätte garnicht mehr kommen brauchen, das Feuer hat sich irgendwann in sich selbst erstickt. Den Angaben zufolge, ist das Feuer nicht groß gewesen, Glück, dass der Boden und die Büsche vom Regen noch sehr feucht waren.

Plötzlich fiel ihm seine Frau ein. Feli! Es tat ihm leid, wie er sie behandelte, er wusste, er hatte sie nicht verdient. Er liebte sie.
Kuhn stieg die Kellertreppe hinauf, um sich bei ihr zu entschuldigen, um den Tag hinter sich zu lassen, und die Nacht ihr zu schenken. Sie hatte, weiß Gott, genug unter seiner Arbeit zu leiden.
Es war Jahre her, da hatte er sie betrogen, war auf einem Seminar über Triebtäter im Alkoholrausch mit einer Frau nach Hause gefahren, eine frühere Arbeitskollegin. Sie hat beim Sex geschrien, war wild. Ganz anders als Feli. Feli brauchte stundenlange Zärtlichkeiten, die er ihr damals weder geben konnte noch wollte. Er hatte sein kleines Abenteuer genossen. Am nächsten Morgen ist er nach Hause gekommen, zu seiner Frau, ein kurzer Blick in ihre Augen verriet den Schmerz den sie fühlte, er hatte bis heute nicht erfahren, ob sie ihm seine Ausrede, es wäre spät geworden, er sei im Büro über seinen Akten eingeschlafen, geglaubt hatte. Er wusste, dass sie ihn liebte. Heute bereut er das alles sehr, er wünschte, er könnte es ungeschehen machen, denn nichts lag ihm ferner, als seine kleine, zarte Felicitas zu verletzten. Jetzt war er es, der Zärtlichkeiten ihrerseits bedarf.
Er wollte einfach nur vergessen was damals gewesen ist, wollte die Zeit umdrehen, wollte, dass sie wieder wie früher miteinander lebten, nicht nebeneinander, so wie heute.
Heute Nacht sollte die Nacht sein, in der Kuhn seiner Frau all das gab, was er ihr seit seinem Ausrutscher vor Jahren nicht gegeben hatte, er wollte ihr all das geben, was er ihr seitdem genommen hatte.
Felicitas nahm ihn in ihre Arme. Er weinte.

Jorek hatte sich weder auf der Kneipentour mit Achim amüsiert, noch hatte er eine Frau mit nach Hause genommen. Es war nicht so, dass er keine hätte haben können, aber er hätte es nicht mit ansehen können, wenn diese Frauen irgendwann die nächsten auf seiner Auftragsliste sein würden.
Verheiratet ist er niemals gewesen, keine die auch nur ansatzweise verstanden hätte, worum sein Job ging. Keine die seinen Job nicht mit purer Kaltherzigkeit in Verbindung gebracht hätte. Dabei war alles ganz anders.
Jorek war ein guter Mann. Irgendwer musste den Job schließlich machen. Nach ihm würde es wieder ein anderer tun, nachdem er sich selbst für seine eigenen Fehler zur Verantwortung gezogen hätte. Denn so wird es am Ende ausgehen, doch bis dahin ist nach sehr viel Zeit. Jorek mochte zwar nicht, was sein Job tagtäglich mit sich brachte, jedoch mochte er seinen Job an sich. Er war niemandem Rechenschaft schuldig.
Gerade war er eingeschlafen, da wachte er, alarmiert von einem, ihm bekannten, Gefühl auf. Schaute verwirrt um sich, bis ihm klar wurde, dass er sehen musste. Sehen, was sein nächster Auftrag wäre.
Im Laufe der Zeit wurde er durchs Berufsleben abgestumpft, fragte sich nach kurzer Zeit bereits, WER sein nächster Auftrag wäre, nicht, ohne dass ein gewisses sadistisches Gefühl mit im Spiel gewesen wäre.
Aber kennen wir das nicht alle? Obwohl uns unsere Arbeit Spaß macht, können wir uns ein süffisantes Lächeln kaum verkneifen, wenn es plötzlich heisst: „Der Chef ist krank!“
Altenpfleger treiben es oft sogar noch auf die Spitze, freuen sich manche gar unbändig, wenn einer ihrer Seniorenheim-Bewohner ins Krankenhaus muss, und sie sich somit ganze 3 Tage, oder länger, um einen Bewohner weniger kümmern müssen. Es ist Irrsinn, doch so ging es auch Jorek.

Er setzte sich also in seinem Futonbett auf, ließ das Licht aus und die Augen geschlossen, holte tief Luft und sah.
Dass es so brenzlig wäre, hatte er nicht gedacht, und sofort sprang er aus dem Bett, um sich willkürlich irgendwelche, im dunklen Zimmer verteilten, Klamotten überzuwerfen, und lief hinunter auf die Straße. Alles was er brauchte, hatte er bei sich, hatte er immer bei sich.
Er machte sich auf den Weg, um seinem Amte gewissenspflichtig zu walten.

Kuhn küsste seine Frau noch einmal auf die Stirn und strich mit dem Handrücken sanft die Linie ihrer schlanken Seite entlang, bevor er das Zimmer verlaß. Für ihn schmeckte dieses Gefühl in ihm drin nach Zukunft. Nach gemeinsamer Zukunft.
Er hatte vor, noch einmal spazieren zu gehen, für eine Septembernacht war die Luft ziemlich drückend, und er konnte, teils aufgrund dessen und teils aufgrund der Glücksgefühle in ihm, nicht schlafen. Er wollte die Melancholie dieser Nacht, diese traurige Stimmigkeit all dessen, was er die ganzen Jahre versäumt hatte, ganz bewusst in sich auf nehmen. Wollte abschließen mit dem, was gewesen war, um etwas neues anzufangen.
Mit einem guten Gefühl im Bauch und einem leisen Lied auf den Lippen schritt er einen willkürlich ausgesuchten Weg. Morgen früh würde er seine geliebten Feli das Frühstück ans Bett bringen, und Rosen soll sie haben! Unzählige Rosen, überall! Kuhns Gedanken überschlugen sich, er konnte gar nicht aufhören an die nächste Zukunft zu denken. Von nun an sollte seine Frau an erster Stelle stehen. Nicht mehr das Büro und auch kein gottloser Massenmörder konnten mit ihr mithalten, und das wollte er ihr von nun an täglich klarmachen.
Heute Nacht hatten ihre Augen wieder geleuchtet! Einst hatte er ihr das Herz aus der Brust gerissen, nun wollte er ihr es Stück für Stück wieder geben, wollte ihr Vertrauen wieder erlangen, wollte sie mit seiner Liebe überschütten und vergessen.

Jorek eilte des Weges, wusste, dass er nicht viel Zeit hatte.
Er schlug sich durchs Gebüsch, über Hecken und sprang, schnellen Schrittes über die fast menschenleere Straße.
Er war seinem Ziel nicht mehr fern, konnte dieses widerliche Gefühl des wollüstigen Glücks, dass alles andere Vertrieb, dass vergessen ließ, schon von weitem riechen. Das musste er sein.

Kuhn hörte plötzlich neben sich Geräusche, drehte sich um, versuchte seinen Blick durch das Dickicht von Büschen zu drängen, kam jedoch nicht voran, drehte sich wieder weg und lief einen Schritt schneller.
Das Geräusch folgte ihm,
ließ ihm keine Ruhe.
Etwas verfolgte ihn.
Die größte Sorge machte ihm,
dass es anscheinend wirklich irgendETWAS sein musste.
Er versuchte zu rennen.
Doch etwas brachte ihm zum Sturz.

„Vergiss niemals!“ flüsterte es neben seinem Ohr, dann wurde alles finster.

Felicitas wachte am nächsten Morgen allein auf, frühstückte allein, aß allein zu Mittag.
Irgendwann nach 15 Uhr klingelte das Telefon, der alte Ausdruck von Traurigkeit in ihren Augen wich kaum einem Anzeichen von Angst. Sie hatte es gewusst.
Ein Kripo-beamter war es. Er teilte ihr, in völliger Untröstlichkeit mit, dass ihr Mann, Kuhn, werter Freund und Kollege, von Spaziergängern gefunden wurde. Der Beamte empfahl ihr, sich keiner Identifizierung des Toten zu unterziehen, der Anblick war sehr unangenehm.
Der bisher noch immer unbekannte Mörder hatte ihm das Herz aus der Brust gerissen, es in ein, aus Steinen gelegtes Herz platziert und ihn dort zurückgelassen.

Felicitas hatte es gewusst. Es hatte nicht gutgehen können.
Ihr fiel weder was besseres, noch was unsinnigeres ein, als die von der letzten Nacht zerwühlte, verschwitzte Bettwäsche abzuziehen und in die Waschmaschine zu geben.
Vergessen wollte sie nicht, doch was hätte sie tun sollen? Ihren Mann brachte sie nicht zurück.


Jorek lehnte sich nach getaner Arbeit zurück, vielleicht würde er heute erneut in die Kneipe gehen, C´est la vie. Sie wissen schon. Wenn kein Auftrag dazwischen kam.
Er würde sehen. Er sah.

Hat sich jemals jemand gefragt, ob der Joker gerecht ist?

Hat sich jemals jemand gefragt, warum der Joker niemals gefunden wird?

Die Guten und die Bösen Taten.....

Der Joker sieht alles.

 
Zuletzt bearbeitet:

Hi Maybe,

mich konnte deine Geschichte nicht so wirklich überzeugen. Anfangs war ich gespannt, wie du das "Phänomen" Joker in deiner Horror Story erklären würdest. Dann trat Jorek auf den Plan. Ab der Szene in seinem Apartment war mir dann klar das er der Joker ist (man vertausche die Buchstaben).
Das Grundprinzip und die Ursache der Morde war auch schnell erkannt. So konnte ich alles ziemlich früh vorhersehen. So auch den möglichen Tod von Kuhn, der ja nun wirklich nicht der böseste Bube war ;)

Deine Charakterzeichnungen sind soweit in Ordnung. Mitgefiebert oder "liebgewonnen" habe ich allerdings keine deiner Figuren.
Dein Stil gefällt mir gut, auch wenn ich manche Kommasetzungen nicht nachvollziehen kann und hin und wieder über verschachtelte Sätze gestolpert bin. Aber in Sachen Zeichensetzung hab ich eh nix drauf...also kann ich mich auch irren.

Was den Bezug zum Joker angeht...so sehe ich da nicht wirklich einen. Für mich ist dieser Kerl halt sowas wie Batman, nur ein bisschen brutaler.
Allerdings scheint es sich ja auch nicht um einen normalen Menschen zu handeln, immerhin hat er über 40 Morde ohne Verhaftung überstanden...

Ich spiele allerdings auch kaum Karten, vielleicht fehlt mir da so ein bisschen der Flair für das Mysterium Joker! :)

Hier noch ein paar Sachen die mich gestört haben:

Hat sich jemals jemand gefragt, warum der Joker an tausend Orten zugleich sein kann während er an einem anderen Ort niemals erscheint?
Hast du dich schon mal gefragt, ob der Joker gerecht ist?
Ich würde in diesem Absatz einmal das "Hat sich jemals jemand gefragt" gegen ein einfaches Oder tauschen!

antwortete Jorek mit einem Blick auf das Namensschildchen vor seinen Gesicht.
...vor seinem Gesicht

Das mochte wohl der Grund sein, dass sich just in diesem Moment, an dieser Stelle etwas in den von ihm seitlichen Büschen etwas bewegte.
hier steht ein "etwas" zu viel!

Sauber amputiert?......Ist der Kerl Metzger oder was?.........
Hehe, ich würde den Metzger durch einen Chirurgen ersetzen. So sagst du es auch später im Text "wie durch einen chirurgischen Eingriff"...

Doch etwas brachte ihm zum Sturz.
brachte ihn zu Sturz.

Also wie gesagt, die Geschichte war nicht so mein Fall. Vielleicht etwas zu Langatmig und die "Auflösung" empfand ich als schwach, aber das ist ja subjektiver Natur.

schönen gruß
Christian

 

Dem kann ich mich leider nur anschließen.

Ab der Erwähnung des Namens 'Jorek' war zumindest das klar.
Ab dem ersten Mord der Rest.
Sorry.

Nur:

Doch etwas brachte ihm zum Sturz.

brachte ihn zu Sturz.


Es heisst zwar: 'zu Fall'; aber auf 'zu Sturz' übertragen habe ich dass noch nie gehört. Würde die Suche nach alternativen Lösungen vorschlagen.

Nabend

NAchtrag: Das Vorwort gefällt mir. Ist Stimmungsvoll.

 

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