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Jack, du verdammter Hund!

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14.08.2001
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Jack, du verdammter Hund!

„Knuutschen!“
„Mit ha oder ohne...?“
„Nein am Hintern...“
„Bitte?“
„Am Hintern können sie mich mal... “
Herr Paulsen, der weder über einen Sprachfehler verfügte und dessen Nachname nicht Knutsen lautete, nahm Anlauf und schleuderte das Wort mit einer gehörigen Portion Speichel in Jacks Gesicht. „KNUTSCHEN!“
Jack wischte mit dem Zeigefinger einen Tropfen Speichel von seiner Nasenspitze, faltete das Angebotsprospekt wieder zusammen und legte eine Hand darauf. „Bedeutet dass...“
„Ja“, schrie der kurz vor einem Herzinfarkt stehende Paulsen, „Ja, das bedeutet, dass wir nicht ins Geschäft kommen, sie verdammter Winkeladvokat, sie...“ Paulsens Körper bebte, die Lippen zitterten und die Augen schienen aus ihren Höhlen treten zu wollen.
„Gut.“, meinte Jack, „Ich glaube, jetzt verstehen wir uns langsam.“
Jack ließ sich seine Belustigung über das HB-Männchen nicht anmerken. Er genoss es regelrecht, wie Paulsens pockennarbiges Schweinegesicht rot anlief, seine Stirn sich zu einer Hommage an Walther Mattheau verformte und aus seinen Mundwinkeln der Sabber troff. „Verdammter Hund...verdammter!!...Sie...“
Jack betrachtete den wild hüpfenden Adamsapfel, die ineinanderfallenden Augenbrauen und die glänzende Stirn, das wundersame Zusammenspiel von schielenden Augen, bebenden Nasenflügeln und verzerrten Mundwinkel. Eine Synfonie der Wut.
Jack hob wie ein Dirigent beschwichtigend die Arme, öffnete seine Handflächen und wiegte sie in einem gleichmütigen Rhythmus. „Ho... ho. Ganz ruhig, Herr Knutsen...“
„Paulsen!“, zischte der Mann, der nicht Knutsen hieß, „Paulsen und ich bin nicht ruhig.“
Jack legte den Kopf schief, lächelte sanftmütig. „Paulsen also, gut. Ich verstehe...“
Paulsen fummelte an seiner Krawatte, löste den Knoten und öffnete den obersten Hemdknopf. „Sie verstehen gar nichts! Sie sind...“
„...ein Winkeladvokat?“ Jack lächelte. „Ich weiß, aber um noch einmal auf ihre Situation zurückzukommen... Sie sind alleiniger Nachfolger von Johann Paulsen Junior. Stimmen Sie mir darin überein?“
Jack nickte für Paulsen, um den nächsten Wutausbruch hinauszuzögern. „Sie haben keinerlei Nachkommen, Anverwandte, Angetraute oder sonstige in direkter Linie zu Ihnen im Verwandtschaftsverhältnis stehende Personen, die ein Anrecht auf das Erbe hätten? Ist das soweit richtig.“
Jack beobachtete, wie Paulsen tief Luft holte. Den Mund hatte er bereits soweit geöffnet, dass man die schiefstehenden Zähne und das Goldplagiat des rechten Backenzahnes erkennen konnte, die Uvula, das kleine Zäpfchen am Ende des Gaumensegels flatterte heftig, als Paulsen seine hasserfüllte wütende Triade losließ. Eine lose folge zusammenhangloser Schimpfwörter und Grunzgeräusche, die in der Tonlage eines langgezogenen lauten Urschreis in Jacks Ohr drang. Jack hatte das Gefühl, dass die weitläufige Halle der Paulsen & Sohn Company über eine äußerst günstige Raumklangverteilung verfügte – ideal für Konzerte oder eben Schreie von wütenden Männern, deren Namen nicht Knutsen war.
Dann, nach einer Weile, eine Zeit, die man gut für Zigarettenpausen oder gepflegte Skatrunden verwenden konnte, trat Stille ein. Paulsens Kopf war zu einer rubinroten Bowlingkugel angeschwollen, die Haare standen zu allen Seiten ab. Seine zittrigen Hände gingen zu seinem Hemd, packten den nächsten Knopf und versuchten es noch weiter zu öffnen. Er stieß in hektischen Stößen seinen Atem in den Raum, das Gesicht zu einer gemeinen Fratze verzerrt. „Wissen sie“, keuchte Paulsen, „das ganze ist doch absurd.“ Er stieß ein kurzes hektisches Lachen aus. „Ich meine, da mache ich mir wochenlang Gedanken und dann tauchen sie hier auf und...“
Jack erkannte die Gesprächsbereitschaft, kramte ein Päckchen Marlboro aus seiner Hemdtasche, klopfte eine Zigarette hervor und bot sie ihm an. Paulsen ging darauf ein, er nahm sich eine und stieß sie sich zittrig in den Mundwinkel. Jack entflammte ein Zündholz und hielt es unter die Zigarette. Gierig sog Paulsen den Rauch in sich hinein, als wäre es sein Lebenselexier. „...und was passiert jetzt?“
Jack nickte, atmete tief ein, nahm die Luft des Raumes in sich auf, Staub, der in der Luft flirrte, den Duft der Zigarette und den Angstgeruch des Mannes, faltete die Hände, sah ihm tief in die Augen, packte sein Gesicht, hielt es fest in seinen Händen und mit einer einzigen fließenden Bewegung küsste er ihn – auf den Mund und voller Leidenschaft. Dann ließ er den leblosen Körper fallen wie einen nassen Sack Kartoffeln.
„Mein Ratschlag: Lesen sie immer das Kleingedruckte, Herr Paulsen, wenn sie mit dem Teufel verhandeln.“
Dann nahm Jack das Angebotsprospekt hundert verschiedenen Wege zu sterben und verschwand auf dem für ihn üblichen Weg durch die Eingangstür von Paulsen & Sohn Company.

 

Hallo...

Netter Titel für ne Geschichte...ich dachte zuerst, Du wärst ne Exfreundin.

Kritik folgt etwas später

Jack

 

Ok, du beschreibst hier eine Verhandlung mit dem Teufel. Was ich jedoch nicht wirklich finden konnte, war der Horror. Das Gespräch plätschert so vor sich hin, bis sich am Ende raustellt, dass der Verhandlungspartner der Teufel war. Spannungshöhepunkte konnte ich nicht finden. Es gab aber auch keine Spannungstiefpunkte.
Der Schreibstil gefällt mir recht gut, abgesehen von ein paar Rechtschreibfehlern, die aber nicht weiter schlimm sind.
Eigentlich ist das hier nur die falsche Kategorie. Besser wäre "Satire". Da würde sie gut hinpassen und bestimmt auch besser ankommen als unter "Horror". Eben eine Satire auf Verhandlungen mit kleingedrucktem.

 

Hallo Andre,

ich stimme Uffmucker zu: finde auch, daß es sich hierbei eher um einen satirischen Text handelt. Das Horrorelement konkretisiert sich ja eigentlich nur dadurch, daß der eine Prot. der Teufel ist.

Was ich vermißt habe, war ein Mindestmaß an Handlung.

Die Dialogpassagen finde ich sehr gelungen. Sie lesen sich nicht konstruiert oder hölzern. Ich konnte mir das Gespräch der beiden lebhaft vorstellen.

Der Erzählstil gefällt mir auch, insbesondere aus meiner Sicht klasse Passagen wie:

Er genoss es regelrecht, wie Paulsens pockennarbiges Schweinegesicht rot anlief, seine Stirn sich zu einer Hommage an Walther Mattheau verformte und aus seinen Mundwinkeln der Sabber troff.

oder

Jack hatte das Gefühl, dass die weitläufige Halle der Paulsen & Sohn Company über eine äußerst günstige Raumklangverteilung verfügte – ideal für Konzerte oder eben Schreie von wütenden Männern, deren Namen nicht Knutsen war.


Insgesamt also eine handwerklich runde Geschichte, der aber meiner Meinung nach das "Fleisch" fehlt.

Gruß,
Somebody

 

Hallo,

es stimmt. Ihr habt sicherlich recht. Dennoch habe ich ganz bewusst diese Kategorie gewählt. Ich glaube, dass Jack T. der Leibhaftige ist. (Er schreibt wie der Teufel, als wäre er besessen)

Eine kleine Wertschätzung meinerseits an einen Autoren, der dieses Forum sehr positiv belebt. :D

Schöne Grüße @all

 

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Rubrik natürlich treffend gewählt. :)

 

„Knuutschen!“
„Mit ha oder ohne...?“
„Nein am Hintern...“
„Bitte?“
„Am Hintern können sie mich mal... “

Hochgradig bizarrer Einstieg, dessen Sinn mir verschlossen blieb. Der Todeskuß am Ende scheint einen vagen Zusammenhang dazu zu bilden, aber ich bin mir nicht sicher.
Wollte Paulsen zu Tode geknutscht werden?
Nein, ich hab die Geschichte nicht verstanden.

Ein paar Punkte gibt es aber für den Erzählstil, der keine bedeutsamen Schwächen aufwies. Eine gute Darstellung, wie einer die Wände hochgeht, und der andere ihn nur herablassend belächelt.

Jack betrachtete den wild hüpfenden Adamsapfel, die ineinanderfallenden Augenbrauen und die glänzende Stirn, das wundersame Zusammenspiel von schielenden Augen, bebenden Nasenflügeln und verzerrten Mundwinkel. Eine Synfonie der Wut

Das fand ich gut.

Den Mund hatte er bereits soweit geöffnet, dass man die schiefstehenden Zähne und das Goldplagiat des rechten Backenzahnes erkennen konnte, die Uvula, das kleine Zäpfchen am Ende des Gaumensegels flatterte heftig, als Paulsen seine hasserfüllte wütende Triade losließ

Das fand ich auch gut.

r

 

Hallo André,

die Geschichte liest sich ganz gefällig, kurz und knackig, vielleicht etwas zu kurz, um sich damit wirklich anfreunden zu können.

Nach Deiner nachträglichen Erklärung erschließt sich mir der Sinn, nach dem ersten Lesen war ich etwas im Zweifel. :D

Daher gar nicht so viel zum Inhalt, sondern nur ein paar sprachliche Anmerkungen:

„Herr Paulsen, der weder über einen Sprachfehler verfügte und dessen Nachname nicht Knutsen lautete“
>>> zum „weder“ gehört das „noch“, sonst wirkt der Satz irgendwie unvollständig

„ „Ja“, schrie der kurz vor einem Herzinfarkt stehende Paulsen, „Ja, das bedeutet“
>>> zweites „ja“ klein, da der Satz ja weitergeht

„dass wir nicht ins Geschäft kommen, sie verdammter Winkeladvokat, sie...“
>>> Anrede „Sie“ immer groß

„seine Stirn sich zu einer Hommage an Walther Mattheau verformte“
>>> der gute heißt (hieß) Matthau

„das wundersame Zusammenspiel von schielenden Augen, bebenden Nasenflügeln und verzerrten Mundwinkel.“
>>> „verzerrten Mundwinkeln“ oder „verzerrtem Mundwinkel“

„die ein Anrecht auf das Erbe hätten? Ist das soweit richtig.“
>>> ...richtig?“

„Dann nahm Jack das Angebotsprospekt hundert verschiedenen Wege zu sterben“
>>> österreichisch „das Prospekt“, deutsch „der Prospekt“
„hundert verschiedenen Wege“ hört sich für mich irgendwie falsch an, vielleicht besser „Hundert verschiedene Wege zu sterben“ und in Anführungszeichen setzen, quasi als Titel des Prospektes?

So, das war’s. :)

Viele Grüße
Christian

 

Hallo André,

ich muß Uffmucker voll und ganz zustimmen. Fand die Geschichte zudem eigentlich recht witzig... :D
Hab mich während des Lesens gefragt, wieso Du sie überhaupt in diese Kategorie gesteckt hast... Da paßt sie meiner Meinung nach auch weniger hin.
Der Stil ist sehr angenehm und wirklich gut zu lesen. Die Geschichte... Okay, hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen, ich sitze noch (:D), ganz okay würde ich sagen.

Griasle!
stephy

 

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