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Ist das mein Zug?

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01.03.2003
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8

Ist das mein Zug?

"Hallo, ist das dort drüben mein Zug?"
"Ja, vielleicht."
"Wie finde ich das raus?"
"Indem Du nachsiehst."
"Aha, und wie mache ich das?"
"Du gehst hin, siehst dir den Zug an, findest heraus wohin er fährt. Und
wenn es Dein Ziel ist, dann wird es auch Dein Zug sein."
"Ja, das mag alles sein, aber wenn es nun nicht mein Zug war?"
"Das weißt du doch noch gar nicht."
"Ich aber habe Angst davor, den Zug ohne mich abfahren zu sehen."
"Wieso das?"
"Weil ich nicht weiß, ob meine Fahrkarte für diesen Zug gedacht ist."
"Dann sieh nach."
"Auf der Fahrkarte steht nichts, es ist ein Blanko-Fahrschein. Mein Zug
bestimmt die Gültigkeit."
"Dann gehe zum Zug und du wirst sehen ob dein Fahrschein der richtige ist."
"Habe ich eine andere Wahl?"
"Nein, außer du willst ewig der Zweifler bleiben."

Ich ging zum Zug.

 

Hallo Schubie!

Interessante Geschichte. Sehr kurz, sehr knapp, sehr prägnant.
Ich nehme an, dass du mit dem Zug das Leben meinst.
Wenn dem so ist, gefällt mir deine Geschichte sehr gut, denn sie ist treffend.
Der Zug passt sehr gut ins Bild, denn ist er einmal abgefahren, kann man sein Ziel nicht mehr auf gleichem Wege erreichen und muss einen anderen wählen. Dies kann alles verändern.
Das Problem ist jedoch, dass die Situation vielleicht etwas zu alltäglich ist. Damit droht sie in Belanglosigkeit zu versinken.

Gerade seiner Kürze wegen ist der Text jedoch beeindruckend. Ich denke, du hast durchaus Potential.

Mfg
xka

 

hi schubie,

irgendwie kam mir buridans esel ins gedächnis, als ich deine metapher las *smile*. nur mit dem unterschied, dass du nur von einem zug schreibst. es gibt keine auswahl an zügen. entweder der (dieser) zug ist richtig oder nicht. dieses "nicht" schliesst aber nicht mit ein, dass es einen anderen zug gibt, bei dem es richtig ist.
die krönung ist dann, dass die fahrkarte (also das richtungsentscheidene merkmal) letztendlich doch kein hinweis ist.
grundsätzlich kann man jetzt viel interpretieren und meines erachtens ist der dialog deshalb einfach zu kurz. es dürfte ruhig auf mehr details eingegangen werden. ich meine, ein zweifler hat viele für und wieders zu einer entscheidung. das hier reicht nicht. ausserdem glaube ich einfach, dass der zweifler auch mehr züge zur auswahl haben dürfte. auch darf, um eine inhaltliche harmonie zu zeugen, ruhig etwas über die bestimmungsorte der züge verraten werden.
du wirst wahrscheinlich die kunterbuntesten kritiken bekommen - einfach weil, der wenige inhalt zu viele interpretationen zulässt.

bis dann

barde

 

Hallo schubie,

ich interpretiere deinen Text als einen Selbstversuch, den du vor dessen Durchführung in der Wartehalle eines Bahnhofs niedergeschrieben hast.

Eine Frage: Bist du nur zum Zug gegangen, oder auch in diesen eingestiegen?
Rosa Luxenburg fällt mir dazu ein. Sie sagte mal:
,Nur wer sich bewegt, spürt seine Fesseln.'

Liebe Grüße - Aqua

 

Hallo Schubi!

sorry, aber mir ging dieser Dialog auf den Keks. Kurz und knapp, der Zug des Lebns, ja... auch ich hätte es gut gefunden, wenn es mehrere Züge gäbe, unendlich viele, denn so frage ich mich: wenn da nur ein zug ist, wie kann es dann der falsche sein? Warum nervt der Zweifler mich mit seiner Unsicherheit, wenn eh vorgegeben ist: dieser Zug oder keiner?
Insgesamt nicht so meins, aber das ist nur meine Meinung.

schöne Grüße
Anne

 

dann versuche ich mal kurz und knapp zu er erläutern warum es in dieser situation nur ein zug seien konnte.

die meisten, wenn nicht alle meine geschichten fallen mir recht spontan ein, meist hervorgerufen durch eine bestimmte emotion. zu eben einer dieser stimmungen in mir passte in diesem moment nur ein zug. ich konzentriere mich momentan auf nur ein bestimmtes ziel, man könnte sagen, ich sei geradezu fixiert auf dieses. davon mal ab, zu einem bestimmten zeitpunkt kann man immer nur auf einem weg des lebens wandeln, erst am nächsten bahnhof oder an einer weiche, kann eine andere richtung eingeschlagen werden.

aber wie bereits erwähnt, da es eine persönliche geschichte ist, war mir nicht möglich mehrere züge als alternative zu haben.

ich hoffe das erklärt es ein wenig.

 

Geschrieben von Aqualung


Eine Frage: Bist du nur zum Zug gegangen, oder auch in diesen eingestiegen?


nein, bisher habe ich mich noch nicht getraut ...

 
Zuletzt bearbeitet:

wenn du dich nicht traust, dann ist da eine bestimmte unsicherheit in dir, die dich warnt. dann sollte deine entscheidung lauten: nicht in den zug einsteigen.
du kannst ja zu einem späteren zeitpunkt noch ein mal überprüfen, ob der zug noch dort steht, und ob er dann der richtige ist.


was die persönliche geschichte betrifft, nun - sobald du eine geschichte veröffentlichst, verliert sie ihre persönlichkeit - und dann sollte der leser schon eine möglichkeit haben, bezüge zu der geschichte zu sehen. persönliche geschichten sind meisten ausgesprochen ungünstig für fremde leser, weil sie einfach das individuelle chaos des autors nicht kennen!

bye

barde

 

da hast du schon recht, aber die geschichte ist ja auch so offen das es jedem möglich ist, sich seine eigene ihm passende interpretation zu gestalten, was auch absicht ist.

für mich ist das wie mit der kunst, ein "gutes" gemälde erhält seine intention auch erst im auge des betrachters.

und danke für euer feedback.

 

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