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In Sachen Frauen

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07.05.2003
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In Sachen Frauen

In Sachen Frauen

„Du wirst sie nie verstehen!“
Er blickt fragend auf. „Wen? Doro?“
„Nein, die Frauen allgemein!“ Er merkt nichts von der Verzweiflung, die in meiner Stimme mitschwingt, da er viel zu sehr damit beschäftigt ist in Selbstmitleid zu ergehen.
Wir sitzen gemeinsam im „Rêves“, einem französischen Lokal in der Innenstadt und betrinken uns mit teurem Wein. Vor gut einer dreiviertel Stunde ist Jonas’ Date Doro abgerauscht. Er rief mich umgehend an und ich begab mich auf dem schnellsten Weg hierher, damit er mir, wie immer, die Ohren voll heulen kann. Aber dafür bin ich schließlich seine beste Freundin. Mir erzählt er von seinen Frauengeschichten und ich bin es, die seine Probleme lösen soll.
„Warum will mich eigentlich keine Frau?“
Ich schlucke. „So darfst du das nicht sehen.“, unternehme ich einen Beschwichtigungsversuch. Was soll ich ihm auch sagen? Die Wahrheit? Jonas sieht gut aus, athletischer Körper, dunkelblondes kurzes Haar und romantische blaue Augen. Er bekommt auch jede Menge Dates mit bildhübschen, jungen Frauen, fast noch Mädchen, mit Modelmaßen. Doch leider schafft er es nicht weiterhin ihr Interesse zu wecken. Er führt sie in ein sündhaft teures Restaurant aus, um ihnen dann von Sport und Büchern zu erzählen. Das ist sein Fehler: er langweilt diese Frauen und er zeigt ihnen nicht genug Aufmerksamkeit. Und das ist es doch, was Frauen wollen.
Ich schütte Jonas und mir jedem noch ein Glas Wein ein. Er nimmt seines sofort in die Hand und trinkt daraus.
„Vielleicht möchtest du ja unterbewusst gar keine Freundin.“, versuche ich es auf die Psycho-Tour.
„Glaub mir, es gibt nichts, was ich lieber möchte.“
Diesmal nehme ich einen kräftigen Schluck aus meinem Weinglas. Mir fällt nichts ein, was ich sagen könnte. Schweigend leeren wir unsere Gläser. Jonas begleicht die Rechnung. Ein Blick darauf verrät mir, dass er fast 150 € für den Abend bezahlt hat. Er steht auf und hilft mir, ganz der Gentleman, in den Mantel. Dann gehen wir langsam durch die helle Nacht der Kölner Innenstadt. Auf den Strassen ist nicht viel los und nur vereinzelt sieht man ein paar Pärchen vorbeischlendern oder einen Penner unter einem Zeitungshaufen schlafen.
Jonas scheint seinen Gedanken nachzuhängen. Ich frage mich, worüber er wohl nachdenkt. Sicherlich trauert er um Doro. Blöde Kuh! Vielleicht trauert er auch um die Gesamtsituation. Schade...
Während wir nebeneinander hergehen stelle ich mir vor, er würde einfach meine Hand nehmen und nicht mehr loslassen. Dann verwerfe ich den Gedanken wieder. Das würde er sowieso nicht tun. Und ich? Ich kann nicht. Er würde doch denken: „Scheiße, was macht die da? Ist die in mich verliebt? Oh Gott, ich will doch nichts von ihr, also: Abstand!“ und dann wäre es aus mit der Freundschaft. Da bin ich doch lieber in seiner Nähe.
Wir sind vor meiner Haustür angelangt.
„Ok, Kleine, ich danke dir. Du hast mir wirklich sehr geholfen, auch wenn’s vielleicht nicht so aussieht.“
„Keine Ursache!“, sage ich lahm. Es folgt eine leichte Umarmung, dann dreht er sich um und geht. Nur kurz sehe ich ihm hinterher. Er blickt ja doch nicht noch einmal zurück.
Meine Wohnung wirkt leer. Ich mache Musik an, „Kuschelrock“ und setze mich ans offene Fenster. Dort zünde ich mir eine Zigarette an. Eigentlich habe ich mit dem Rauchen aufgehört, zumindest für die Außenwelt. Nur manchmal, spät am Abend, wenn ich vorher mit Jonas zusammen gewesen bin, rauche ich ein paar Zigaretten. Ich mag dieses Gefühl der Freiheit, ich kann unbeschwert meine Gedanken schweifen lassen und in meiner Melancholie aufgehen. Als ich vor einem halben Jahr aufgehört hatte, tat ich es für Jonas. Er ist Nichtraucher und ich wollte ihm somit ein Signal geben. Er merkte nichts. Wir kennen uns so gut, aber in dieser Hinsicht fehlt ihm einfach das richtige Gespür für mich.
Ich werde also ewig darauf warten, dass er vielleicht irgendwann ankommt und dasselbe für mich fühlt. Bis dahin werde ich mir immer vorstellen, wie es wäre mit ihm zusammen zu sein. Ich schnippe meinen Zigarettenstummel in die Nacht und schwöre mir ihn endlich zu vergessen.
Aber wen man liebt vergisst man nicht.

 

Hallo Rose,

du hast einen schönen Text geschrieben. Was mir dabei nicht so gefällt, das er in der Gegenwart verfaßt wurde. Weißt du, eine Geschichte läßt sich immer besser in der Vergangenheit lesen.

Leider habe ich nicht mehr Zeit, sehe später noch einmal vorbei.

Also dann bis dann, das war es nur kurz von mir

Ev

 

Hallo erstmal :D
Ich finde deinen Text an sich ganz gut, aber ich muss mich Evi anschließen... in der Vergangenheit kommt das wahrscheinlich besser raus.
Die Idee, die hinter deiner Geschichte steckt ist schon mal gar nicht übel...

Greetz
D.D. Kairi

 

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